Allgemein, FAHRRAD

Das Lastenrad fetzt!

Vor einiger Zeit hatte ich über meine erste Fahrt mit dem Lastenrad (= Cargobike) Rudolf berichtet ( https://wordpress.com/post/fahrrad3gruen.wordpress.com/977 ) und wie gut es sich fahren ließ. Seitdem habe ich es immer wieder ausgeliehen, meist für den Getränkekauf. Man kann mit dem Ding erstaunlich schnell fahren.

Dann hatte mich mal einer derjenigen, die das Lastenrad ausleihen, angesprochen, dass es ein Lastenradrennen = Cargobikerennen geben werde und ob ich nicht mitmachen wolle. . Ich war erst verwundert, denn bei einem Lastenrad denkt man nicht an Rennen (bei schlanken dünnrädrigen Fahrradtypen schon). Bei der SPEZI (www.Spezialradmesse.de) in Germersheim/Rheinland-Pfalz hatte ich vor Jahren schon mal verschiedenste Radtypen ausprobiert. Mein Touren-Liebling ist das Liegerad Flux C500 (das ich haber nicht bezahlen kann, nicht mal gebraucht).  Ich bin offen für solche Rad-Verrücktheiten. Also meldete ich mich an. Das schöne ist, dass im Voraus von den Veranstalter-/innen betont wurde, dass es nicht ums Gewinnen, sondern um den Spaß ging. Das war genau richtig.

Die Woche kam, an deren Ende das Rennen mit den scheinbar behäbigen Lastenrädern stattfinden sollte. Leider plagt mich genau in dieser Woche sinnlos eine Pollenallergie, worunter die allgemeine Fitness litt. Dennoch, ich wollte fahren.

Freitag 15. April 2016, 13 Uhr: nach der Registrierung und Startnummernvergabe ging das Rennen los.

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Ich bekam den roten Rudolf geliehen. Die anderen hatten z. T. ihre eigenen Lastenräder dabei. Die Helmpflicht nervte etwas, denn ich fahre mit sowas häßlichem nicht (und mein Verein, der ADFC ist nicht umsonst gegen eine Helmpflicht: http://www.adfc.de/helme/seite-1-die-position-des-adfc ), das den Kopf nicht vor dem schützt, vor was er geschützt sein soll, nämlich Windzug und das drauffolgende Kopfweh sowie Regen. Nein danke, ich bin keine Soldatin und fahre und renne als solche NICHT herum. Es war auch witzlos, dann einen geliehenen zu tragen, der mir viel zu locker saß, weil ich eben einen kleineren Dickkopf habe, aber was soll´s …. hier paßte ich mich eben den allg. Regeln an, auch wenn es mir vorher schon leid tat, wie scheiße ich mit dem Ding aussehen würde auf all den Pressefotos. Ich sah zu, das alles erst mal zu vergessen und mich auf das Rennen zu konzentrieren.

Wow, ich nahm an einem Rennen teil… und endlich mal mit etwas, was ich freiwillig machte und nichts, wozu man gezwungen wird (die sinnlosen, beschämenden Bundesjugendspiele und den dummen, weil schlecht und einseitig gestalteten Schulsport). Dennoch, zu meiner Verwunderung war ich aufgeregt wie vor einem Auftritt auf einer Konzertbühne. Und, schnauf, alle anderen Teilnehmer waren Männer. Mal sehen…  Aber jetzt gab es kein Zurück mehr. Nichts da, jetzt wird mitgemacht.

Der Shimano-Moderator zählte herunter, dann ging es los. Die anderen stürmten voran, ich kam erst nicht los, weil derjenige, der das Rad vor mir hatte, den großen Gang drin gelassen hatte. Aber dann schoß auch ich los!

Die Rennstrecke war ein Parcour in der Nähe der Reinoldikirche, etwa in einem Oval gehalten. Nicht lang, aber dafür mit einer Kurve und einem Hindernislauf, d. h. man mußte „Verkehrshütchen“ im Slalom umfahren (rechts im Bild). Dann eine Linkskurve und zurück zum Anfang. Noch dazu gab es Rillen und Straßenbahnschienen, die nicht ganz so zubetoniert sind, wie man es gerne hätte…  Das erforderte Geschicklichkeit. Gut, dass man die Strecke vorher einmal in Ruhe abfahren hatte können.

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Beim Verkehrsunterricht und Prüfung in der 4. Klasse hatte ich mich damals geärgert gehabt, manche Hindernisläufe nicht bewältigt zu haben. Leider gilt schon von frühester Kindheit an dieses scheiß verdammte Leistungsprinzip, weniger oder gar nicht die Freude und der Spaß am Fahren oder eben an der sportlichen Bewegung. Und dann wird gemotzt und von Autoritäten mit Nachteilen gedroht (Schulleitung, Lehrer-/innen, Eltern) wenn Schüler-/innen keinen Bock mehr auf das depperte Geräteturnen und ähnlichen Müll haben. Haallo! Es gibt noch mehr Sportarten und -sparten als diese dumme, erniedrigende Leichtathletik! Schon aufgewacht, bayerisches Kulturministerium???

Aber klar, mit Noten korrigiert diffamiert und schikaniert sich noch leichter, vor allem beim Schulsportunterricht, dafür habe ich für die Lehrer-/innen, vor allem für die Sportlehrer-/innen  in Bayern vollstes Verständnis.

 

Doch zurück zum Lastenrad-Rennen!

Eine Runde wurde ohne Last gefahren. Dann mußte man 2 Packen Zeitungen, 1 Kasten Wasser und eine Paketrolle aufladen. Das gab dann schon mal ein Gedränge, bis man wieder loskam… aah, und den Lieferschein (rechtes Bild) nicht vergessen! So wie im richtigen Fahrradkurier-Leben eben 😉

 

Vor allem die Rolle wollte gut verstaut sein. Ich schaffte es, sie unterwegs nicht zu verlieren, was andere, die beim Laden schneller gewesen waren, taten. Mit Ladung waren 2 Runden zu fahren. Und hey, ich schaffte es! Ich kam ins Halbfinale! 🙂

Ein paar der Fahrer, die noch auf ihren Start warteten, applaudierten mir, einer lobte mich: „Dein erstes Lastenrad-Rennen?“ – ich bejahte. „Wow , Respekt!“ Ich freue mich so sehr über dieses Lob…

Die Aufregung forderte aber ihren Tribut und ich wünschte, ich hätte eine Banane dabei gehabt.. die Ruhe des anderen Fahrers, zwischen den Runden noch ein Brot zu essen, hatte ich nicht.

Danach kam die 2. Runde, ich hatte erst mal Pause. Aber dann kam das Finale… und da verließ mich leider Kraft und auch ein Teil des Mutes. Man darf eben nicht bewußt oder unbewußt an bestimmte Sachen denken, die beim Fahren stören könnten, sonst sind sie wirklich ein Störfaktor. Nur die ersten 3 gewannen, ich kam als 5. ins Ziel. Aber was soll´s es hatte mir großen Spaß gemacht. Und unglaublich, was das bißchen Fahren – also auf die Länge bezogen – an Kraft kostet.

Ein kleines Video zum Lastenrad-Rennen

ohne Elektromotor gibt es hier:

(Datei mit dem Anhängsel     Datei Z120806.mp4

https://www.dropbox.com/s/3ccnpyyt7amm2s5/WP_20160415Z120806.mp4?dl=o

Mit Elektromotor:

Datei: mit Anhängsel:     „Z114653.mp4“

https://www.dropbox.com/s/3ccnpyyt7amm2s5/WP_20160415_114653Z.mp4?dl=0

 

Die Räder mit E-Motor hier:()

https://www.dropbox.com/s/o3rac5ign5nu4yk/WP_20160415_120806Z.mp4?dl=0

 

 

Weitere Rennen fanden statt: Pedelecs und Lastenräder mit E-Motor-Unterstützung. Und Mehrspurer. Der Kuriosität an Fahrrädern war keine Grenze gesetzt.

 

Besonders witzig: Das Rad mit dem Sonnenschirm, eine „Christiania.“ Wow, wie der Fahrer das Ding so schnell um die Kurve lenken konnte! Das Ding hat eine gerade Stange als Lenker, man spürt die Ladung beim Lenken sehr deutlich. Das macht die Schwierigkeit aus. mit dem Ding zu fahren… mir ist der rote Rudolf lieber, der läßt sich wenigstens gut lenken, ohne dass man das Gefühl haben muß, immer auch das Gewicht der Ladung „mitzulenken.“

Der „Planwagen“, das war die einzige 2. Frau, die überhaupt beim Lastenrad-Rennen mit dabei war. Ich gratulierte ihr nachher: sie hatte ebenfalls ein anspruchsvolles Fahrzeug, einmal bekam sie auch nicht ganz die Kurve (was dann bei der Moderation leider zu einem sexistischen Kommentar geführt hatte – wohl war dem Sprecher nicht bewußt, was er da für einen Blödsinn verzapfte, er wollte einen Witz machen – aber es ist nunmal nicht witzig, wenn man jemand wegen ihres oder seines Geschlechts bezichtigt, etwas nicht zu schaffen!). Das Gute war, dass sie den 2. Platz in der Kathegorie Mehrspurige Lastenräder gewann. Herzlichen Glückwunsch, Turkan! (Pardon, wenn der Name falsch geschrieben ist).

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Und das waren die Trophäen: Die goldenen Pedale. Dazu gab es Abus-Lenkertaschen und für den ersten Sieger eine große Flasche Sekt.

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Siegerehrung Lastenrad mit Muskelkraft

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Siegerehrung bei den Mehrspurern. Und die 2. Frau des gesamten Rennens auf dem 1. Platz! 🙂

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Turkan war dann doch auf dem 1. Platz… einem Rennfahrer ist leider die Kette gerissen gewesen. Echt schade und doof, wenn einem sowas passiert….

 

 

Hier noch eine Auswahl an Fahrrädern, die beim Rennen mit dabei waren oder einfach nur als Besucher-/innen mit dabei waren. Wenn das Lastenrad nur nicht so teuer wäre für einen schlanken Geldbeutel. Es fährt sich leichter als mit Hänger hinten dran.

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Der Mercedes unter den Fahrrädern: Riese und Müller Lastenrad mit Elektronantrieb.

 

 

Der Fahrer dieses Rades (mit der Startnummer 3) hat sich aufgrund der hohen Preise für Neuräder aus Metall aus Bambus selbst ein Lasten-Rad gebaut. Ich staune darüber, wie gut das hält… und wie es den Regen aushält, die Feuchtigkeit… echt eine Leistung, sowas zu bauen. Hm….ich glaube, mir wäre Metall trotzdem lieber…

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ein Lastenrad hatte sogar so schmale Reifen, die an Rennrad-Reifen erinnerten. Kein Mensch denkt bei Lastenrädern an solche Reifen! Der Hammer.WP_001842.jpg

 

 

 

ein anderes Rad sah aus wie ein Postrad mit elegant geschwungenem Rahmen.

 

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„Mein“ Rad, der rote Rudolf, der bei der Initiative VeloKitchen, bzw. VeloCityRuhr ausgeliehen werden kann.Im Hintergrund die Ladung (Zeitungspakete, Rollen, Wasserkästen).

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…und wenn die Beine und Füße nicht mehr wollen, wird eben mit Händen und Armen und Schultern gefahren. Fertig. Ein Zuschauer.

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Danke an die VeloKitchen, Plan B und allen, die das Lastenrad-Rennen (Cargobike-Rennen) in Dortmund an der Reinoldikirche möglich gemacht haben! Gerne wieder… 🙂

RIDE ON!!!

 

http://www.ebike-festival.org        –      http://www.dein-rudolf.de       http://www.velokitchen-dortmund.de

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2 Gedanken zu “Das Lastenrad fetzt!

  1. Pingback: Cargobike-Presseschau Frühjahr 2016: „Aller Laster Anfang“

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