Allgemein, Filmkritik

66 Frauen – und die Gruppe funktioniert!

Weibliche Vorbilder sind rar. Selbst bin ich unter lauter schwachen und gleichzeitig diktatorisch handelnden Frauen aufgewachsen, die ich nur als Dummchen und Mäuschen bezeichnen kann. Alles brave katholische Hausfrauen, die immer schön unselbständig geblieben sind und von Pfarrern, Ärzten, Ehemännern und sonstigen Autoritäts-Pfeifen über sich und – noch schlimmer – ihren Körper bestimmen lassen. NEIN, das wollte ich nicht. Das wußte ich schon bald. Aber wohin dann? Wo Vorbilder suchen? Meine Vorbilder waren dann dennoch oft Männer außerhalb dieses kranken Kaffs, wo ich aufwachsen hatte müssen. Ob das immer gut war: keine Ahnung. Das Problem dabei ist eben: selbst die nettesten Freunde sagen bei manchen Sachen (nicht zu Unrecht): pardon, aber das mußt du mit einer Frau besprechen. Das verstehe ich; ich werde niemals erfahren können, wie sich Prostata-Krebs oder andere Männer-Krankheiten anfühlen. (Jedoch schließt das für alle Geschlechter gegenseitigen Beistand im Krankheitsfall nicht aus!)

Ich habe ein Stück Sicherheit und Wissen dazugewonnen: das ständige Rumeiern und Nicht-Trauen-Wollen und die Unsicherheit wurden durch die Fähigkeit einer nüchternen Analyse von Problemen ersetzt. Statt Rumjammern, Schreien und ständiges Beschweren sich selbst im Spiegel betrachten und überlegen, was falsch gelaufen ist oder warum es diese Problem gibt. Nach Lösungen suchen. Das klappt nicht immer, ist aber ein guter Ansatz, um besser im Alltag zurechtzukommen. Verantwortung für sich und sein Leben übernehmen anstatt die Verantwortung an andere (Ärzte, Pfarrer, Ehemänner, Brüder) abzugeben. Selbst überlegen, was richtig und falsch ist, anstatt Kirchenlehren, Gesundheitsmagazinen, Parteien  und anderen „Heilsbringern“ nachlaufen. Puh, ganz schön anstrengend. Aber das ist nunmal das Leben.

Nur selten konnte ich bisher Frauen kennenlernen, die einen echten Kontrast zu all den Dummchen in der Verwandtschaft und im Dorf waren. Und wenn ich sie traf war es mir leider nicht vergönnt, sie lange zu kennen. Durch den Film heute wurde ich an meine Orchesterfreundin Barbara E. erinnert. Sie spielte Bratsche (ich Geige) und hatte immer ein offenes Ohr für mich, wenn die verbal grobschlächtigen Kollegen der 1-€-Job-Stelle mal wieder ihr unverschämtes Maul spazieren gehen ließen und ich vor Unsicherheit nicht wußte, wohin oder das Arbeitsamt wieder seine Klugscheißer-Parolen loslassen mußte (ach so, die Behörde heißt bei Hartz-IV-Bezieher-/innen ja „Arbeitsgemeinschaft= ARGE. Es liegt beim SGB III vieles im Argen.) Oder wenn die Mutter am Telefon wieder Terror in Form von Vorwürfen produzieren mußte. Merke: jeder ist immer selber schuld an ihrer oder seiner Arbeitslosigkeit.

2007 oder 2008 mußte genau diese liebe Frau, die bald meine einzige Freundin war, an dem verdammten Krebs sterben. Fast hätte ich auch sterben mögen, denn bald war in diesem Orchester, in dem die Kugelgrippe und Kinderseuche ausbrach, kein Platz mehr für mich. Meine Fresse! Sonst keine Sorgen außer Kinder produzieren müssen! Es gab keine anderen Gesprächsthemen mehr. Für einen gewissen Zeitraum wurde ich zur Kinderhasserin. Bis ich erkannte, dass nicht die Kinder das Problem waren sondern ihre Eltern, die sie in die Welt gesetzt hatten. Denn niemand bestimmt selbst über ihre oder seine Existenz. Das tun andere. Und die Willkür der Verschmelzung von Ei und Samenzelle entscheiden darüber, welchen Müll und welche vorteilhaften Merkmale man im Körper mitbekommt.

Fast während des ganzen Films mußte ich an meine liebe Freundin Barbara denken. Weil es darin eine Frau gab, die ihr nicht nur ähnlich sah sondern auch ihr 2. Instrument spielte: Posaune. Verflucht noch mal, warum hatte Barbara E. so bald sterben müssen?? Hatte ich kein Recht auf Freundschaft und Unterstützung in diesem scheiß Leben?? Endlich mal jemand, die mich ernst nimmt!

Im Film „Kein Zickenfox“, den ich mir heute ansah (und dafür extra nach Münster eilte) gibt es diese starken Frauen, die ich als Teenager so dringend gebraucht hätte. Mein Frauenbild war nie ein besonders gutes: schon in der 7. Klasse Realschule war ich in einer Mädchenklasse, im Beruf (1. Ausbildung, Büro) nur unter Frauen. Es war grauenvoll. Ich sprach nur von den „dummen Weibern.“ Falsch und zickig waren sie alle, unfähig, Konflikte zu lösen. Stattdessen: böse hinter dem Rücken anderer reden, scheißfreundlich (also falsch freundlich) sein und dabei dumm im Kopf sein, dass es stinkt. Ja, ich kann mich übers Kuchenbacken und Kochen unterhalten. Aber es ist nicht mein Lebensinhalt!

Ich dachte damals, ich sehe und höre nicht recht: in der übernächsten Stadt mit ca. 500.000 Einwohner-/innen in der Ausbildungsstätte und dann haben diese Weiber Gesprächsthemen wie die Mäuschen auf dem Dorf! Nein, nein, nein! Waaah, lass mich ein Mann sein! (da war ich 16 bis 18 Jahre alt). Zu sowas will ich als Frau nicht gehören oder  gezählt werden!!

Während des Studiums in einer bestimmten ostdeutschen Stadt erschreckte mich nach ein paar positiven Erfahrungen mit Lehrerinnen im HKK Nürnberg eine Bekannte, die sich mit Mitte 50 immer  noch wie ein dummes kleines Mädchen aufführte. Es ist und bleibt mir schleierhaft, wie man durch Rumjammern und Getue sich scheinbare oder tatsächliche Vorteile verschafft. Der Mann, mit dem sie zusammen ist ist dumm genug, um immer auf ihre Wünsche einzugehen. Ich habe nur eine gemeinsame „Wanderung“ mitgemacht. Ich hätte ihr am liebsten in ihr dummes Gesicht geschlagen, so unerträglich war dieses Getue. Mies und hinterhältig ist das, sich durch Mitleid das zu verschaffen, was man will. Ich hasse solche Weiber!

Ich habe gelernt: nicht jede Frau, die zufällig schlank und vielleicht noch blond ist und Kosmetik benutzt (Nagellack, Schminke und so Zeugs) ist gleich eine blöde Tusse oder gar  ein Dummchen. Eine Berufsschullehrerin bei meiner 2. Ausbildung war immer stark geschminkt und eine tolle Ethiklehrerin. Sie vermittelte mir das erste Stück freies Denken abseits der Religion. Da war ich Anfang 20. Ich habe weder sie noch Barbara E. angebetet, denn sie waren/sind Menschen – und darum geht es auch nicht, ums Anbeten. Sie waren echte Vorbilder, weil sie mir ein starkes Frauenbild vermittelten.

Vor einigen Jahren noch glaubte ich nicht daran, dass eine Gruppe von Frauen was gescheites zustande bringen könne. So wie ich Frauen meistens kannte, dachte ich mir immer: das KANN NICHTS WERDEN. Lauter Frauen! Die machen doch wieder nur Zickenkrieg und fauchen sich an, können sich nicht einigen. (Das andere Extrem: militärisches Befehlshabertum und Anschreien meist unter Männern ist auch keine Lösung). Die können nicht vernünftig diskutieren, ohne sich gegenseitig zu verletzen und fertig zu machen.Und reden nur über Mode, Schminke, Fernsehserien und Männer. Ich weiß, das ist sexistisch – aber so hab ich die meisten Frauen kennengelernt.

„Kein Zickenfox“ ist der Dokumentarfilm über das Frauen-Blasorchester Berlin. Und zeigt, dass eine Gruppe von Frauen sehr wohl funktionieren kann, dass diese was zustande bringen, was auch noch gut klingt und allen Beteiligten – und dem Publikum Spaß macht. Die Musikerinnen kommen darin allein zu Wort, es gibt keinen Kommentar, meist sprechen die Bilder für sich, was warum gerade passiert. Fast 70 Minuten dauert dieser Dokumentarfilm und es ist keinen Moment langweilig.

Die Dirigentin Astrid bekam keine Arbeitsstelle. und was macht sie? ein eigenes Orchester gründen!  ( http://www.astrid-graf.de/%C3%BCber-mich/ ) Ein mutiges Unterfangen in einer Zeit, in der jede und jeder Angst vor dem sozialen Abstieg und Angst vor Armut hat. Doch es hat funktioniert: nachdem sie Klarinette studiert hatte und in einigen anderen Ensembles nach dem Studium gespielt hatte, war sie eine 2. Dirigentin in einem Orchester – und merkte, dass es noch was gab, was sie machen wollte: ein Orchester leiten. 2003 wurde das Frauen-Blasorchester Berlin gegründet.

Bei einigen Szenen muß ich an meinen Studentenchor in der ostdeutschen Stadt denken, wenn die Dirigentin genervt ist, weil die Musiker-/innen zu laut sind. Viele Leute diszipliniert zu halten, ohne autoritär aufzutreten und wie ein Militär rumzuschreien, das ist nicht einfach. Auch unsere Chorleiterin war öfter genervt (bei manchen Dingen war sie aber selber schuld, dass es soviel Unruhe gab und getuschelt wurde. Öfter mal offener sein und wirklich sagen, was man fühlt und denkt! Das hilft bei der Verständigung mit allen anderen!) Was mir am Studentenchor allerdings zeitweise  fehlte war die offene Aussprache. Offensichtlich gibt es immer noch Menschen, die diese scheuen. Klar, ist eben anstrengend, wenn man Widerspruch bekommt. Dirigentin Astrid sagt der Tuba-Spielerin, sie möge doch an dieser einen Stelle nicht atmen. Die Tuba-Frau widerspricht, dass das nicht gehe – Die Dirigentin sagt, dass es aber so sein solle und sie solle es mal versuchen.

Jetzt gibt es zwei Möglichkeiten: entweder die Blaswerkerin ist beleidigt und findet die Dirigentin doof (weil sie in der Rede nur den vorwurfsvollen Ton gehört hat) oder: sie nimmt die Anweisung als Anregung, es doch mal zu versuchen, an besagter Stelle nicht zu atmen, damit kein Loch im Melodiefluß entsteht. Es wird schon hitzig diskutiert in diesem Frauen-Blasorchester, die Schlagzeugerin Frauke erscheint der Zuschauerin besonders streitlustig. Dennoch: als Filmzuschauerin hatte ich den Eindruck, dass diese Frauen eben miteinander reden, ohne zu zicken, ohne sich gegenseitig anzuschreien und fertig zu machen. Sie können auch nach der Probe noch zusammensitzen, keine geht mit großer Wut auf die andere nach Hause. Konflikte bedeuten nicht automatisch Trennung, ewigen Haß oder ständigen Streit. Auch wenn die Nerven der Dirigentin oft genug angespannt sind.

Ein wichtiger Satz, der für ALLE Ensembles gelten kann, ist mir in Erinnerung geblieben: vor einem Auftritt sagt Dirigentin Astrid Graf zu ihren Musikerinnen: „den Leuten da draußen ist es egal, wie es Euch geht, was Ihr denkt oder jetzt fühlt. Die wollen schöne Musik hören. Und wenn Ihr denkt: oh, das klang jetzt scheiße steht Ihr am Ende trotzdem auf.“ (sinngemäße Wiedergabe der Ansage). Wie recht sie hat. Ist nicht immer so einfach, den belastenden Alltag hinter sich zu lassen.

Die Musikerinnen werden nicht nur bei den Proben, sondern auch in ihrem Alltag gezeigt. Die Tuba-Spielerin ist Landwirtin und mag ihren Beruf. Böse Zungen würden ihr aufgrund ihres Körperbaus und ihrer Arbeit abwertende Bezeichnungen geben, auf deren Nennung ich hier verzichte. Das Wunderbare ist doch, dass dieses Orchester funktioniert und dass jede Frau sein darf, wie sie ist: ob mit kurzem Haar und androgyner Figur, ob lesbisch oder hetero, ob alt oder jung, ob groß oder klein, dick oder dünn, ob Technikerin, Erzieherin oder Polizeibeamtin. Der Alltag, zu dem nicht nur Twitter gehört (Hashtag #imZugpassiert und ähliches) ist voll von diesem furchtbaren Haß gegenüber Frauen, die nicht dem sexistischen Klischee entsprechen.

Eine Flötistin mit 21 Jahren ist die jüngste Musikerin. Sie sagt, dass viele Gesprächsthemen für sie ungewohnt seien, weil diese Themen sie noch nicht betreffen würden. Sie sehe das jedoch als Bereicherung. Wow, eine jüngere Kollegin , die mal nicht (nur) überfordert ist. Eine ältere Frau, die Horn spielt, arbeitet in der JVA als eine  Beraterin für straffällig gewordene Frauen. Das muß eine gute Hilfe für diese Frauen sein, mal ohne ständige Beschuldigungen einen Rat zu bekommen, was sie tun können, denn wie die Hornistin sagt: „diese Frauen haben in allem versagt: als Frau, als Mutter als Arbeitnehmerin.“ So wird es von der Umwelt gesehen. Nur helfen ständige Beschuldigungen beim Besserungsprozeß nichts, auch wenn völlig klar ist, dass diese Frauen Fehler gemacht haben.

Im Film „Kein Zickenfox“ gibt es 2 Höhepunkte: einer ist der Auftritt in der Philharmonie gegen Ende des Films. der 1. Höhepunkt ist der Besuch bei einer Dorfkapelle in einem Dorf im Steigerwald. Hier treffen 2 Kulturen aufeinander, könnte man meinen. Schon als ich in der Ankündigung las, dass das Frauen-Blasorchester Berlin auch auf einem Dorffest spielen würde, wurde mir schlecht. Tut Euch das nicht an! Vermeidet all diese furchtbare sexuelle Belästigung, die es dort IMMER! gibt! Ich bin selbst in solch einem Dorf aufgewachsen, wenn auch nicht im Steigerwald/Oberfranken. Die meisten Männer dort haben keinen Respekt vor Frauen und behandeln sie wie Menschen 2. Klasse. Und auch die meisten Frauen haben keinerlei Bewußtsein für sich und ihren Körper. Anders lassen sich eingangs genannte Umstände nicht erklären. Die finanzielle Abhängigkeit vom Ehemann (ja, auch im ausgehenden 20. und beginnenden 21. Jahrhundert noch Fakt!) kommt noch erschwerend hinzu.

Die Reaktionen der Dorfbewohner-/innen sind interessant. Einerseits neugierg („wie kann denn ein Orchester nur mit Weibern funktionieren?“), andererseits auch ungläubig, dass „sowas“ überhaupt existieren kann. Und wie die aussehen. Die tragen keine Trachten, auch tragen sie nicht alle Röcke. Und die an der Tuba – die sieht aus wie ein Mann! Und huch, die zwei müssen – wie nennt man das? – homosexuell sein. Das hat man vielleicht mal im Schulunterricht gehört, dass es sowas gibt (und das nicht schlimm ist), wenn die oder der Lehrer-/in etwas heller und mutiger war als es das bayerische Schulsystem vorsieht. All dies scheint in den Köpfen der Dorfbewohner-/innen und Mitglieder der dortigen Blaskapelle vorzugehen.

 

Die Ober-Peinlichkeit und Grausamkeit ist ein Lokalpolitiker, der schon vor dem Auftritt des Frauen-Blasorchesters Berlin stockbesoffen direkt vor dem Frauen-Blasorchester, das nun zum Spielen anfangen will, herumwankt. Möglicherweise hat er eine der Musikerinnen oder die Dirigentin, die ihn deutlich auffordert, sich hinzusetzen, vorher blöd angemacht. Einfach nur widerlich. So geht man nicht mit Gästen um! (aber sind ja nur Frauen, mit denen darf man das machen. Hahahahaha!) Als Zuschauerin fühlte ich mich ungut an eigene Erlebnisse erinnert. Die 2. Straftat nach der blöden Anmache ist das Totschweigen solcher Vorgänge im Dorf: selbst die Ehefrauen dieser besoffenen Rüpel reden die Straftaten ihrer Männer noch schön. Ich fass es nicht. Bei einer Hochzeit im Dorf (Hinweis: wenn jemand auf dem Kaff kirchlich heiratet und das Brautpaar aus der Kirche tritt, kommen alle und schauen zu. Is ja sonst nix los, was man man anglotzen könnte) war der Bräutigam sturzbesoffen während die Braut höflich mit den Gästen plauderte und freundlich lächelte. Also gute Frau, das war wohl nicht dein Ernst! (Es hätte wohl sehr viel Mut erfordert, vor dem Altar laut NEIN zu sagen, dass man so ein besoffenes Arschloch nicht heiraten will. Ein Eklat von staatstragendem Ausmaß für ein Dorf).Die Dirigentin Astrid Graf zeigte sich geschockt darüber, dass die Zimmerwirtin/-wirt von „60 Mann“ für den Bedarf an Unterkunft für die Frauen des Orchesters sprach. „Nein, wir sind keine Männer, wir sind Frauen!“ – Wer nicht nachdenkt, dem fallen solche sprachlichen Ungenaugikeiten nicht auf. In der Schule lernt man Schreibweisen wie Posaunist-/in leider nicht.

Wer jetzt lautstark protestiert, dass ich hier die Dorfbewohner-/innen einseitig verunglimpfe dem sei die genaue Beobachtung eines Dorffestes- vor allem (aber nicht nur) in Bayern empfohlen.Sie oder er wird dabei erschreckende Ähnlichkeiten zu eben diesen beschriebenen Vorkommnissen feststellen müssen.

Ein Dorf wird nie die Freiheit haben, die eine richtige Großstadt wie Berlin bieten kann. Andersartigkeit erregt immer Aufsehen, auch Unsicherheit. Wer noch nie z. B. zwei Frauen gesehen hat, die sich auf den Mund küssen, weil sie sich eben lieben wie man es sonst von Frauen mit Männern kennt, die oder der ist verwirrt. Das ist erst mal völlig normal und ok. Doch an dieser Stelle darf man nicht stehen bleiben. Viele denken leider immer noch: die oder der ist anders und deshalb falsch. Und schlecht. Und eine Gefahr für mich und meinesgleichen! Nein. Die Andersartigkeit muß hinterfragt werden.Denn hey, das Leben ist bunt! Wer das erste mal küssende Frauen oder küssende Männer sieht fragt sich, was mit denen los ist. Und kommt dann drauf, das diese Menschen homosexuell sind. Und deshalb keine schlechten oder gar falschen Menschen sind und auch nicht krank. Sie sind wie sie sind und wenn sie einem unsympatisch sind dann liegt das nicht an der Homosexualität. Liebe ist Liebe und es ist so wunderbar zu sehen, wenn sie im Leben existieren kann und darf. Es ist eine Freude zu sehen, wie zwei schon ältere Frauen im Frauen-Blasorchester Berlin zueinander gefunden und dann geheiratet haben.

Deshalb seien an dieser Stelle diejenigen ermutigt, die unsicher sind, wenn sie auf Andersartige treffen, sich über diese Andersartigkeit zu informieren. Das ist heute, wenn man die richtigen Internetseiten kennt einfacher als früher, als man als Dorfbewohner-/in völlig abgeschnitten war, auch mit Auto. Eine gute Seite auch zum Thema Homosexualität ist http://www.bpb.de .

Ich habe die Musikerinnen bewundert, wie sie den Aufenthalt bei dem Dorffest verkraften. Dass dieser Besuch funktionieren kann, liegt an zwei Dingen:

  • diejenigen, die anders als die bereits Anwesenden (=Dorfmenschen) sind, sind viele. Allein die Masse an Frauen, die nicht den lokal vorhanden Vorstellungen von Frau-Sein entsprechen, machen die Andersartigen stark. Die Andersartigkeit der Besucherinnen muß so zwangsläufig akzeptiert werden.
  • Der Aufenthalt derer, die anders sind, dauert nur eine gewisse Zeit an. Niemand der Berlinerinnen muß auf dem Dorf wohnen bleiben. Das macht es möglich, dass man als Andersartige selbst authenisch bleiben kann.

 

Eine der Berliner Musikerinnen sagt zu Recht, dass sie wisse, warum sie in Berlin lebe. Dieser Satz ist nur zu unterstreichen. Aufgrund des größeren musikalischen Horizonts erkennen die Berlinerinnen auch bald, wie eintönig die Stücke der Dorfkapelle sind. Dieses negative Image haftet Blasinstrumenten bis heute an, nur für „uffta-taa“-Bierzeltmusik da zu sein. Dabei war es mit Sicherheit nicht die Absicht des Frauen-Blasorchesters Berlin, diese Dorfkapelle abzuwerten. Es sind eben Unterschiede, die beim gemeinsamen Musizieren zutage traten.

 

Mein Wunsch, doch endlich ein 2. Instrument, nämlich Saxophon zu lernen, wurde durch den Film erneut gestärkt. Blöd eben, dass mir grad das Geld für Unterricht und Instrument fehlen. Gern würde man beim Frauen-Blasorchester mitspielen – weil es dort eben keinen Zickenfox gibt.

 

„Kein Zickenfox“ , Dokumentarfilm von Dagmar Jäger und Kerstin Polte.

http://www.darlingberlin.de/kein-zickenfox.html

 

Die Seite der Dirigentin:

http://www.astrid-graf.de/aktuell/

 

Die Seite des Orchesters selbst:

http://www.fbob.de/

Leider ist der Film nur in wenigen Kinos anzusehen. Unter filmstarts.de kann man nachsehen, ob es ein Kino gibt, das den Film ausstrahlt.

Die Nächste Vorstellung im Cinema & Die Kurbelkiste in Münster, Warendorfer Straße 45: Sonntag 3. April 2016, 14.20 Uhr.

http://www.cinema-muenster.de/menu/home.html

Und: macht weiter so! Ihr seid starke Frauen! Mit Eurer Musik und auch Eurem Tun habt Ihr mich beeindruckt.Solche Frauen braucht es, die Vorbilder für nachfolgende Generationen sein können.

 

 

Alle Bilder wurden aus dem Pressematerial unter http://www.darlingberlin.de/kein-zickenfox.html entnommen. Danke an die Fotografen und Fotografinnen, u. a. an Dagmar Jäger.

 

 

Infos zum Film (Verleih, Inhalt u. a.) :

http://www.darlingberlin.de/kein-zickenfox.html

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