Wo geht´s hin, Masterplan Mobilität 2030?

Es ist voll im Foyer des Dortmunder Rathauses an diesem Dienstag abend (25. Juni 2019). In der Mitte sind Stühle aufgestellt, rundherum gibt es Schautafeln und Tische zu verschiedenen Themen wie z. B. „Öffentlicher Raum“, „Fußverkehr und Barrierefreiheit“ , „Radverkehr“ u.a. Die Stadt Dortmund veranstaltet wieder eine sogenannte „Dialogveranstaltung“, bei der Bürger-/innen ihre Vorschläge, Kritik, Anregungen oder Lob für die Verkehrsinfrastruktur in Dortmund äußern können. Und davon gab es sehr viel, vor allem viel Kritik. Die Stadtverwaltung will jedoch nicht nur Kritik entgegennehmen, sie will auch über den Stand der Planungen des „Masterplans 2030“ informieren. Die Zielkonzepte dieses Plans sind hier erläutert.

Anne Berndt und ihr Kollege von der Stadtverwaltung erklären am Stand „Öffentlicher Raum“ die einzelnen Felder, die mit Fotos und Texten auf dem Tisch angeordnet sind. Wo fühlt man sich unsicher, weil die Straße so eng ist, dass man als Radfahrerin knapp überholt wird? Wo fehlt ein barrierefreier Zugang zur Haltestelle für Menschen mit Rollatoren? Solche Fragen bringen die Teilnehmer-/innen am Tisch auch in Rage: Radfahrer seien doch so rücksichtslos gegenüber Behinderten, würden sich nicht an Verkehrsregeln halten. Anne Berndt weist die beiden Streithähne darauf hin, dass hier jetzt kein Platz für deren Konflikt sei – es gehe um allgemeine Kritik oder Lob und Anregungen für den Masterplan Mobilität 2030. Auf der Schautafel hinter dem Tisch mit Fotos und Texten von Plätzen und Straßen von Dortmund (und zum Vergleich aus anderen Städten) ist ein Stadtplan zu sehen. Rote Klebepunkte für Gefahrenstellen, grüne Punkte für Orte, an denen man sich gerne aufhält, können an diesem Stadtplan vergeben werden. Am Ende sieht man: Rot überwiegt. Auch die Stadt Dortmund wurde nicht für Fußgänger-/innen und somit für Menschen gebaut, sondern für Autos. Es gibt kaum einen Platz, der nicht wirklich autofrei ist, so dass Kinder gefahrlos laufen und spielen könnten. Selbst vor einem Park gibt es Stellplätze für Autos, denn der Park muss mit dem Auto angefahren werden, um darin spazieren zu gehen, zu grillen oder zu spielen. Absurd. Am zu weiten Anfahrtsweg kann es aber nicht liegen, dass die Nutzung von genau dem Verkehrsmittel, das am meisten Dreck macht, unabdingbar erscheint.

Der Borsigplatz, Einmündung Brackeler Straße. Als Radfahrerin hat man wegen der kurzen Ampelschaltung nicht viel Zeit, um queren zu können. Foto: eigene Aufnahme.

Beispiel Borsigplatz. In der Mitte befindet sich eine Grünfläche, die mit Bäumen umrandet ist. die Grünfläche kann aber, außer bei Festveranstaltungen, nicht betreten werden. Die Straßenbahn durchquert den Platz, um die Grünfläche brüllt tags und nachts der Verkehr. Zwei Fahrspuren hat der motorisierte Verkehr, für den Radverkehr bleibt eine kümmerliche Spur von nicht mal 1,50 m Breite und einer unzuverlässigen Fahrradampel. Oft genug wird man als Radfahrende abgedrängt, oft genug auch aus dem Auto heraus beschimpft und bedroht. Obwohl Fahrräder längst keine Billigware mehr sind, werden Menschen mit diesem Fahrzeug als „arm“ und ihr Gefährt als „minderwertig“ betrachtet. Ein Trugschluß. In vielen gesellschaftlichen Schichten dieses Landes ist immer noch die Überzeugung verbreitet „wenn du ein Auto hast, dann hast du es geschafft.“ Traurig, dass diese Denke, die schon mein Vater, ein Nachkriegskind, hatte, immer noch nicht passé ist. Schlechte Luft durch zuviele Autos und ihre Abgase, Blechkisten, die öffentlichen Raum besetzen, als ob es ihr Privatbesitz wäre – und das im kinderreichsten Stadtteil Dortmunds. Wie wäre es, die Parkplätze am Borsigplatz und in den Nebenstraßen (fast) komplett zu streichen und Platz für Sitzbänke, Sandkästen und andere Spielflächen zu schaffen? Würde das den sonst ach so geachteten Kindern nicht gut tun? Wollen nicht die meisten Eltern nur das Beste für ihre Kinder? Offensichtlich nicht, wenn man sich die täglichen Massen an Blechkisten ansieht, die nicht nur durch Dortmund rollen und die meiste Zeit nur herumstehen.

Der Borsigplatz, Durchfahrtstrecke der Straßenbahn von der Oestermärsch aus. Rund um den Platz gibt es schon ein paar Sitzbänke, auf denen nicht nur Saufkumpanen sitzen – dennoch besitzen Autos mehr vom Borsigplatz als Menschen. Foto: A. St.

Auch für den Fußverkehr ist am Borsigplatz nicht wirklich Platz. Der Fußweg um den Borsigplatz herum ist vergleichsweise eng, oft verschmutzt und die Querung der Zufahrtsstraßen nicht immer mit Ampeln abgesichert. Falls es, wie an der Brackeler Straße (Bild weiter oben) eine Lichtsignalanlage gibt, muss man als Radfahrer* oder Fußgänger* erst ‚betteln‘, damit am sicher bei Grün die Brackeler Straße queren kann. Hier sind die Prioritäten klar verteilt, seit über 30 Jahren und das bei fortschreitendem Klimawandel. Eigentlich weiß das doch jede-/r, sollte man denken, dass dies nicht sinnvoll für eine gute Zukunft ist. Aber auf seine eigenen Gewohnheiten, die eigene Bequemlichkeit, die man von seinem/ihrem „Personenkraftwagen“ hat, verzichten? Niemals!

Bei der Dialogveranstaltung wurden viele tolle Vorschläge gezeigt, was auch in anderen Städten möglich gemacht wurde: Parkplätze wurden gestrichen, das Zufahrtsrecht für den Autoverkehr aufgehoben. Es sind Plätze entstanden, wo sich die Anwohner-/innen begegnen können, weil dort nun Parkbänke zum Verweilen einladen und man dort mit Rad, Roller u.ä. fahren kann, Kinder haben Platz zum spielen. Was so schön aussieht, wurde oft hart erkämpft, denn: der öffentliche Raum ist rar und man muss dem motorisierten Verkehr Platz wegnehmen, um Platz für Menschen statt Autos zu schaffen. All die schönen Pläne der Stadtplanung nützen leider wenig bis nichts, wenn die Politik sie nicht umsetzt, weil sie kleinlaut Angst hat, Wählerstimmen, die leider oft Autofahrerstimmen sind, zu verlieren.

„Die Verkehrswende kommt, weil der Klimawandelt nicht geht“

davon ist Wolfgang Aichinger von der Agora Verkehrswende, einer gemeinnützigen GmbH, die zur Stiftung Mercator gehört, überzeugt. Bei der Dialogveranstaltung zum „Masterplan Mobilität 2030“ ist er als Redner und Impulsgeber geladen. Einige Zuhörer-/innen sehen sich in seinen Worten bestätigt, sie brauchen fast keinen Impulsgeber mehr. Er beklagt, dass sich seit 1990 nichts getan habe, um 40% Emissionen einzusparen, wie es die Bundesregierung geplant hatte.

Bei der Verkehrswende geht es nicht darum, Menschen mit Auto zu diskreditieren. „Verkehrswende“ meint, dass sich radikal und umfassend unser Mobilitätsverhalten ändern muss. Wenn Parkplätze wegfallen, müssen andere Möglichkeiten der Mobilität geschaffen werden. Aichinger dazu: „Die Verkehrswende gelingt mit der Mobilitäts- und Energiewende.“ Er nennt ein paar Bereiche, die besser verbunden oder/und ausgebaut werden müssten: im öffentlichen (Nah-)verkehr das Umland mit der Stadt, eine Neugestaltung des öffentlichen Raums in der Stadt (s. Beispiel Borsigplatz). Die aktuelle Instrastruktur vermittele eine Ungleichheit. Wie wahr. Fazit: „Es wurde zu wenig für den Rad- und Fußverkehr getan.“ Das sei auch bei den Preisen so: In München sind die Parkgebühren seit 2004 gleich geblieben, dagegen steigt der Preis für eine Fahrkarte im Nahverkehr um 40-60%. Absurd.

„Technik allein hilft nicht“

Aber nein, das Auto braucht nicht komplett verschwinden, das Elektroauto sei die Lösung, so wird oft arguementiert, auch von offizieller Seite des Bundesverkehrsministeriums. „Förderung Elektromobilität“ ist ein Thema, um den Klimawandel anzugehen. Schön, wenn es nicht mehr stinkt, wenn man als Radfahrer* oder Fußgänger* unterwegs ist in der Stadt. Aber huch, warum ist es immer noch so eng? Weil auch ein E-Auto Platz braucht, genauso viel wie ein Diesel oder Benziner. Laut dem Verkehrsforscher Wolfgang Aichinger werden 20 bis 30% der Fläche für den „ruhenden Verkehr“, also parkenden Fahrzeugen, verbraucht. 97% der Zeit ist Stehzeit, in der das Auto gar nicht gebraucht und gefahren wird. 90% sind parkende Autos, gerechnet von der gesamten Flotte.

„Niemandem Mobilität verwehren, aber beim ruhenden Verkehr gibt es Ineffizienz im öffentlichen Raum“

Ein nachhaltiger Stadtverkehr ist nicht nur Klimaschutz: die Luftqualität und die Verkehrssicherheit wird verbessert, weil weniger Fahrzeuge mit Emissionen unterwegs sind. Das bedeutet auch: weniger Lärm, Gesundheitsförderung, Quartiersbelebung und – welch Erstaunen bei manchen Einzelhändlern: Wirtschaftsbelebung. Denn wer zu Rad oder Fuß unterwegs ist, sieht wirklich, was in den Schaufenstern ist und kauft ein. Wieso viele Einzelhändler* wie in Essen-Rüttenscheid immer noch glauben, dass mit einem Verbot des motorisierten Individualverkehrs auf der „Rü“ ihr Geschäft und das Leben im Stadtteil zugrunde gehe, bleibt ein Rätsel.

Hier soll sich Rad- und Fußverkehr den Platz teilen. Geht nur nicht gut, weil aus der Fußgänger-Einkaufszone meist viele Leute auf diese Strecke strömen. Foto: A. St.
Fast übersehen: das „Umleitungsschild“, mit dem Radfahrer* auf den Bürgersteig entlang des Königwalls geschickt werden. Sehr unklug. Foto: A.St.

Ein Blick zu den Nachbarn im Süden zeigt genau diesen Effekt. Wolfgang Aichinger nennt als Beispiel die Stadt Wien. Weil die Parkplätze reduziert worden waren, war diese Straße als Druchgangsstraße für Autofahrer* unattraktiv geworden. Den Hauseigentümern* ist das so wichtig, dass sie diese Maßnahme finanziert hätten, die Stadtverwaltung musste nur die Planung übernehmen. Die Folge: es gab mehr Einkäufe in den Ladengeschäften. Kein Bürgerkrieg, kein Konkurs. Welch Wunder, das auch in Essen und Dortmund, z. B. in der Kaiserstraße möglich wäre. Mit dem Rad dort einkaufen zu wollen, ist immer noch eine Schlingerfahrt zwischen parkenden Blechkisten, um irgendwo zu parken. Fahrradparkplätze? Fehlanzeige. Nur vor dem kleinen Supermarkt gibt es Abstellbügel. Die Firma mit den vier roten Buchstaben tut was für ihr „grünes, nachhaltiges“ Image, das sie in der Werbung proklamiert.

Die Kaiserstraße in Dortmund. Zwar für Radfahrer* befahrbar, aber wo man hier von der Straße zu den Geschäften kommen soll und wo man sein Rad abstellen soll… ob das der Geist des Oberbürgermeisters oder Tiefbauamtleiters weiß? Foto: A. St.

Auch Stadtplaner Aichinger weiß, dass Händler* immer noch glauben, dass der KfZ-Verkehr wichtiger als der Rad- und Fußverkehr sei. Dabei leide aber die Nachbarschaft, wenn viel motorisierter Verkehr rolle und keine Kreuzung sicher für den nicht-motorisierten Verkehr zu queren sei. Der öffentliche Raum habe nicht nur als Begegnungsort eine wichtige Rolle, sondern diene auch als Ausgleich für Mieter*, die nur eine kleine Wohnung haben. In Krefeld gebe es ein Beispiel: Spielplatz vor Straße. In Wien wirkt ein Straßenumbau der Aufhitzung von Gebäuden im Sommer entgegen, indem die Straße zur „kühlen Meile“ wird: https://derstandard.at/2000101313349/Die-Wiener-Zieglergasse-wird-zur-kuehlen-Meile

Der Kampf um den öffentlichen Raum ist natürlich nicht neu. Parken von motorisierten Fahrzeugen ist und war meistens umsonst, wer dafür zahlen soll, ist oft verärgert oder gar wütend. Für Aichinger haben auch Falschparker Werte vergessen, die es wieder durchzusetzen gilt. Diesen Autobesitzern* ist oft genug nicht bewußt, was sie mit ihrem Fehltritt anrichten. „Einfach vorbei gehen“ oder mit dem Rad vorbei fahren birgt oft große Gefahr, vom fließenden Verkehr erfasst und verletzt zu werden. Und ein Kinderwagen oder Rollator kann leider nicht hochkant vorbei geschoben werden, weil parkende Autos nur nur 1 m Gehwegbreite lassen . Parken im öffentlichen Raum ist Privatisierung des öffentlichen Raums – und das muss laut dem Verkehrsforscher der Agora Verkehrswende, Wolfgang Aichinger, gestoppt werden.

Was tut die Stadt Dortmund?

Man kann nicht behaupten, die Stadt Dortmund würde gar nichts für den Rad- und Fußverkehr tun. Es gibt zumindest einen Fahrradbeauftragten der Stadt. Der Oberbürgermeister fährt meist mit dem Rad zur Arbeit, es gibt ein paar wenige passable, wenn auch nicht gute Radwege. Der Kirchentag wurde als so positiv für den Rad- und Fußverkehr hervorgehoben. Tatsächlich war die Innenstadt für die Zeit vom 19.6. bis zum 23.6.19 weitgehend autofrei, auch manche Kreuzung am Innenstadtring, dem „Wall“ war gesperrt. Aber das war eine temporäre Maßnahme, die bis auf ein paar maulende Autofahrer* niemand verärgert hat. Wenn es eine dauerhafte Maßnahme wäre, dann wäre das Geschrei groß, mancher sähe sogar den Untergang Dortmunds in nicht-sportlicher Sicht voraus.

Es ist positiv, dass es solche Dialogveranstaltungen überhaupt gibt, dass die Bürger-/innen gehört werden. Positiv ist auch, dass das „Machen“ für alle Akteure, dem Tiefbauamt, der Planersocietät und der Stadtverwaltung im Vordergrund steht. An Ideen und Plänen mangelt es auch nicht, wie die vielen Schautafeln und Bilder von anderen Städten oder kleinen, erfolgten Maßnahmen in Dortmund zeigen. Anne Berndt von der Stadtverwaltung, die am Stand „Öffentlicher Raum“ mit den Besuchern* spricht, sagt: „Das muss dann die Politik machen.“ Ein Stadtratsbeschluss muss her – und das dauert. Am besten man packt den Oberbürgermeister und die Stadträtinnen und Stadträte alle auf mehrere Lastenräder – und dann ab nach Kopenhagen. Dort können sie sich ansehen, wie gute, menschenfreundliche Stadtplanung geht. Übrigens: die Dänen haben mit dieser Planung gerade dann angefangen, als die Stadt pleite war, der Ausbau für den Autoverkehr zu teuer gewesen war. Das war vor 20 oder 30 Jahren so. Hier in Deutschland wurde schon seit 30 und mehr Jahren nichts, bzw. sehr wenig für den Rad- und Fußverkehr getan.

Michael Frehn von der Planersocietät, die mit der Stadtverwaltung den „Masterplan Mobilität 2030“ erarbeitet, erläutert den aktuellen Stand der Verkehrsinfrastruktur in Dortmund. beim Radverkehr hätte es in den letzten Jahren eine Steigerung gegeben. In Hamburg seit der Anteil von 9% im Jahr 2002 auf 15% im Jahr 2017 gestiegen. 2013 waren es in Dortmund mickrige 6%, was am großen Unsicherheitsgefühl vieler Radfahrenden liege. Eine Unsicherheit, die täglich mitfährt. Wenn man auf einer ohnehin engen Straße wie der Oestermärsch fährt, die noch dazu Straßenbahnschienen führt, braucht man Mut – das sollte man für´s Radfahren eigentlich nicht brauchen müssen, sondern nur für’s Bergsteigen oder Höhlenklettern!

Zugeparkt, eng und noch voll von vier Schienen: die Straße Oestermärsch in Dortmund.

Oder auch die seit Monaten nicht existente Radverkehrsführung an der Baustelle Dortmunder U/Königswall. Man überlebt als Radfahrerin eigentlich nur, wenn man sich an der roten Ampel vor die Autos stellt, weil man dann von allen anderen gesehen und wahrgenommen wird. Der von der Straße getrennte, sonst benutzungspflichtig Radweg ist von der Baustelle besetzt. Am Eck Schmiedingstraße/ Königswall war ein Haus abgerissen worden – das ist also folglich keine 1-Tages-Baustelle.

Königswall/Kreuzung Schmiedingstraße von einer Verkehrsinsel aus.Wo die Baumreihe an der Kurve beginnt, beginnt auch die Gefahrenzone für Radfahrer*, weil die Baustelle keine Wegeführung für diese hat. Foto: A. St.

Laut Fehn habe es bei den Verkehrsunfällen eine Stagnation gegeben, sie läge bei 10 Toten pro Jahr, 40% seien davon Radfahrende und Fußgänger*. Schwierig dabei ist, dass zwischen den beiden Gruppen nicht differenziert wird, zumindest bei seinem Vortrag nicht. Schwerverletzte gäbe es 290 pro Jahr. Auch die Schulwegsicherheit spiele eine Rolle. Dass dabei aber endlich konkrete Maßnahmen gegen Elterntaxis und für eine andere Mobilität der Kinder ergriffen werden, erwähnte der Verkehrsplaner leider nicht. Und bitte bei den „präventiven Maßnahmen“ auf Helmkampagnen und Wahnwesten-Aktionen verzichten, denn: die machen die Straßen nicht sicherer, weil immer noch sichere, breite Wege, am besten getrennt von dem Autoverkehr, nur für Radfahrende und Fußgänger fehlen! Nur wenn man den Autos mindestens eine Spur streicht, wird der Schulweg sicherer! Und auch der Weg für alle anderen nicht-motorisierten Verkehrsteilnehmer!

Verkehrsplaner Michael Fehn gestand zu Ende seines Vortrags ein, dass der stehende PKW-Verkehr wachse, was auch an der Fehlsteuerung der Stadtverwaltung gelegen habe: Die Straße ist ein billiger Parkraum, billiger als das Parkhaus. Deshalb wolle man das Bewohnerparken ausweiten. Aber mal ehrlich: ist das als so schön und sicher benannte Kreuzviertel mit seinen Jugendstilvillen und -häusern wirklich schön, wenn bald jede Straße immer so zugeparkt ist?

Sonnenstraße im Kreuzviertel, auch immer gut zugeparkt. Die Einbahnstraße ist für Radfahrende in der Gegenrichtung frei gegeben. Aber dennoch: zu eng für Radfahrende. Foto: A. St.

Fazit: Liebe Stadtverwaltung, denken Sie doch mal darüber nach, ob man noch mal und noch mal ein Fahrzeug zulassen muss. Warum funktioniert das Carsharing so schlecht? Warum muss jede-/r, nicht nur im Kreuzviertel ein eigenes Auto besitzen? Sind die alle fußkrank? Wohl kaum! Auch wenn es hier und da schöne Ecken im Kreuzviertel gibt: das Radfahren und laufen macht dort genauso wenig Spaß wie in der Nordstadt, am Borsigplatz. Weil es zuviele Autos gibt. Viel zu viele. Sagt auch ein Fachmann hier.

Weitere Informationen:

Luftbelastung in NRW, auch Stadt Dortmund:

https://www.lanuv.nrw.de/umwelt/luft/immissionen/aktuelle-luftqualitaet/

Der Luftreinhalteplan der Stadt Dortmund: https://www.dortmund.de/de/leben_in_dortmund/umwelt/umweltamt/immissionsschutz/luft_luftreinhaltung/luftreinhaltung/index.html

Die Seite der Agora Verkehrswende: https://www.agora-verkehrswende.de/

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Da FEHLT WAS! Zum Jubiläum des Grundgesetzes.

Das Recht zu sprechen nach Artikel 5 Grundgesetz - aber gibt es auch ein Recht auf Gehört-Werden?

Im Jahr 2019 wird das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland 70 Jahre alt. Sicher ein Grund zum Feiern, dennoch ist immer Aufmerksamkeit geboten: zuviele Kräfte gibt es, die die Grundrechte einschränken oder gar abschaffen wollen. Das Grundrecht auf Asyl wurde in den 1990er Jahren abgeschafft. Die Gleichberechtigung von allen Geschlechtern ist immer noch nicht hergestellt, auch dank alter weißer Männer, die vorzugsweise in der cdu sitzen. Die verfassungsfeindlichen Kräfte behaupten auch gern, dass sie selbst in ihrer Meinungsfreiheit eingeschränkt werden. Allerdings ist es keine Meinung, wenn man gegen Gruppen von Menschen hetzt, diese beschimpft und beleidigt, obwohl sie ihnen so gar nichts an Schaden zugefügt haben. Hass auf MigrantInnen, auf Juden, auf Homosexuelle und alle, die anders sind als die heterosexuelle weiße Masse (auf Deutschland bezogen) ist deshalb einfach nur absurd und sinnlos. Leider gibt es immer wieder Leute denen man erklären muss, dass kein einziger Ausländer/keine Ausländerin einem Deutschen den Arbeitsplatz wegnimmt oder „zuviel Geld verdient.“

Beim Artikel 5 des Grundgesetzes fehlt etwas. Zwar gibt es das Recht auf Meinungsäußerung in Bild, Ton und Schrift, aber nicht das Recht, auch gehört zu werden. Denn was nützt das Schreiben, das Zeichnen und Rufen oder Schreien, wenn niemand zuhört? Mitmenschen, die nicht gehört werden und zu kurz kommen, können auch schon mal kräftig nerven. Meine Gedanken zu diesem Artikel 5.x GG habe ich der Aktion vom Deutschlandfunk „Mein Grundgesetz“ auf den Anrufbeantworter gesprochen.

Da mein Statement zu Artikel 5.x GG nicht gesendet wurde, veröffentliche ich den Text hier auf meinem Blog. WAS FEHLT: das Recht GEHÖRT ZU WERDEN.

Wo geht´s in Zukunft hin, Grundgesetz?
Wo geht´s in Zukunft hin, Grundgesetz?

Im Artikel 5 Grundgesetz fehlt etwas: das Recht, gehört zu werden. Es gibt zu viele Menschen, denen niemand zuhört. Die müssen nicht obdachlos sein, es können Menschen ohne Verwandtschaft sein oder mit verschiedenen Problemen. Alle sind sie einsam. Das sind Menschen mit z.B. Alkoholsucht oder mit leichten Behinderungen wie der Verhaltensstörung Asperger. Oder U-Bahnfahrgäste, die ungefragt mir ihr Leid erzählen. Oftmals hören sie gar nicht mehr auf damit. Ich frage mich dann: was soll ich damit? Warum halten die eine fremde Frau für ihre Ehefrau, Freundin oder gar für ihre Mutter?

 Einerseits sind es arme Menschen, aber sie nerven auch gewaltig. Manche werden auch übergriffig oder weinen beim Friseur, weil es niemanden gibt, die oder der sie in den Arm nimmt. Hier müsste es dringend staatliche Institutionen abseits der Kirche geben, die solchen Menschen Gehör gibt – für das Recht, gehört zu werden. Es geht dabei nicht um Prostitution, um Geschlechtsverkehr, sondern um Zuhören, Berührungen wie Nähe und Umarmen z. B. Das muss eine Leistung der Krankenkasse werden. Bisher bieten nur private Firmen solche Dienstleistungen an, ein Besuch eines solchen Sozialarbeiters oder Sozialarbeiterin kostet mehrere hundert Euro. Das kann sich kaum ein einsamer Mensch leisten. Denn auch wenn es lächerlich wirkt, wenn jemand auf dem Marktplatz oder in der U-Bahn von ihrer oder seiner Krankheit oder Wut über Ungerechtigkeit erzählt, steht meistens ein Schicksal, ein Mensch dahinter.  Die britische Regierung hat bereits eine Institution gegen Einsamkeit geschaffen. Das ist richtig so. Soziale Kontakte sind auch wichtig für die gesamte Gesundheit, das wird leider in Deutschland vernachlässigt.

Mit einem Schiff durch die Landschaft

Es ist schon lustig, wie verschieden Lastenräder sein können. Dass diese Art von Rädern keine Nerd-Späßchen wie z. B. Scooter-Räder, die keinen echten Nutzen haben, sind, beweist u.a. der Blog „Ohne Auto im Alltag“ sowie zahlreiche Initiativen, die Lastenräder zu günstigen Konditionen verleihen: z. B. VeloCityRuhr in Dortmund, in Essen ELA und der ADFC Unna mit ELLA und ULF. Mit ELLA hatte ich zu Wochenbeginn keinen Erfolg. Vorne zwei Räder, dazwischen die Ladefläche, hinten das einzelne Rad. Dreirädrige Liegeräder bin ich schon gefahren gewesen. Allerdings war ELLA auch mit meiner inzwischen schon jahrelangen Fahrpraxis für Lastenräder kaum zu fahren. Da half auch die E-Motor-Unterstützung nichts. Vorne schwer zu lenken und kaum unter Kontrolle zu halten, wackelte der hintere Teil wie ein Kuhschwanz. Fast schon magisch schienen die parkenden Blechkisten das Rad anziehen zu wollen.

Hier ein Bild von ELLA: https://adfc-kreis-unna.de/ausleihe/cb-items/ella-unser-elektrisches-luener-lastenrad/

Ich versuchte immer wieder, zu starten. Nach sagenhaften 1,2 km gab ich auf und gab dieses Lastenrad wieder am Lünener Hauptbahnhof zurück. Sehr schade. Ich war enttäuscht, hatte ich mich doch auf eine kleine Radtour zurück nach Dortmund gefreut. Der Mechaniker hatte mir sogar noch den Leezepatt empfohlen gehabt. Doch daraus wurde nichts. Fast hätte ich mir spontan eines der kostenpflichtigen anderen Räder ausgeliehen, aber das war nicht der Sinn der Sache. Außerdem hätte ich auch dieses Rad wieder zurückbringen müssen, wofür ich keine Zeit gehabt hätte.

Man könnte denken, dass sich Lasten mit einem zweispurigen, weil dreirädrigen Rad leichter transportieren lassen. Aber dem ist nicht so. Beim Fahrverhalten von ELLA fühlte ich mich stark an die Christiania erinnert, die ich auch mal versucht hatte, zu fahren: auch bei der Ch. befindet sich die Ladefläche zwischen den beiden Vorderrädern, der Lenker ist eine gerade Stange, wie ein Treppengeländer verläuft die Lenkerstange vor der Ladefläche. Respekt für die und den, die oder der so ein Ding fahren kann! Hier ein Bild des Modells „Christiania“, die im Dortmunder Verleih „Rudolf“ – eigentlich Rudolfine – heißen müßte. 😉

Der ADFC Unna hat aber nicht nur ein Lastenrad in seinem Verleih-Angebot. Ein Einspurer ist auch zu haben: UNser LastenFahrrad, kurz ULF. Am selben Tag, an dem ich wegen dem Rad ELLA so betrübt und enttäuscht gewesen war, buchte ich den ULF. Am Valentinstag holte ich das Rad dann ab; dank komoot war die Suche nach dem richtigen Weg einfach. Inzwischen bin ich sehr froh über dieses elektronische Navigationssystem, weil die Planung doch schneller geht als mit der Papierkarte. Letztere haben aber einen entscheidenden Vorteil: ihre Akkulaufzeit ist unschlagbar (zugegeben, mit den Updates dauert es immer etwas länger… ). Als „Backup“ habe ich immer noch die ADFC-Papierkarten mit dabei. Da es sich beim Ausleihort in Unna-Massen um ein Randgebiet der Stadt handelt, war der Weg gar nicht so weit, wie ich zuerst vermutet hatte. 13 km Wegstrecke, nach einer Stunde war ich bei „Electric Ride“ angekommen und wurde freundlich empfangen. Allerdings, ULF ist eins der wenigen nicht-elektrisch betriebenen Pferde in diesem Fahrradladen.

Und los ging´s… nach einem Stück Landstraße entlang der Felder.

Das Lastenrad ULF vom ADFC Unna.

Nebenan gibt es erst mal Mittagessen…

Schafherde beim Mittagessen auf der Weide bei Unna-Massen.
Määäh! Aber beim Essen ist es ganz stille…



  • Zugegeben, der Spiegel ist etwas spießig und den braucht auch niemand. Aber bei einem kostenlosen Leihrad motzt man nicht… abgesehen davon, dass er für die Katz ist. Ich sah darin nicht das, was man darin erkennen hätte sollen: nämlich das, was hinter dem eigenen Rücken liegt.

Der Ulf, ein niederländisches Modell von der Art „Bakfiets“, verhält sich gemächlicher und rollt langsamer als das Bullitt von Larry vs. Harry. Damit man auch mit dem Bakfiets, wörtlich übersetzt das „Wannenrad“ aber nicht baden geht, muß man Geduld haben. In die Kurve legen geht schon, aber wirklich schnell fahren kann man mit ULF nicht. Auch der Ständer unter der „bak“, der Wanne = der Lastenfläche ist etwas umständlicher zu handhaben als der vom Bullitt. Dafür ist es sehr verläßlich, auch wenn mal unvorhergesehen Hindernisse kommen, z. B. Steine aus der Wegoberfläche ragen, über die man dann drüber fahren muss. Oder eine Kurve, auf die ein Weg mit nicht ganz abgesenktem Bordstein folgt. Das alles schluckt dieses Rad, ohne zu murren. Außerdem macht die stufenlose NaVinci-Schaltung der Rohloff wirklcih Konkurrenz – auch wenn eingefleischte Rohloff-Fans mit Sicherheit was anderes behaupten 😉

Zuerst durch Dortmund-Kurl und nicht wie zuerst angenommen durch Kamen-Methler oder Wickede ging die Route auf den Körnebachradweg entlang der Bahnlinie Dortmund<>Hamm. Bei für den Februar nciht normalen Temperaturen von ca. 15 und mehr Grad Celsius zwitscherten die Vögel im Gebüsch am Wegesrand, als ob schon Frühling wäre. Ich war immer noch auf Winter eingestellt und das „bakfiets“ durfte als erste Ladung immer mehr Kleidungsstücke tragen, die mir zu warm geworden waren.


Auffällig ist die Ähnlichkeit zum sogenannten „Hollandrad.‘

Am Bahnhof Dortmund-Scharnhorst mußten die Gleise überquert werden. Auch wegen der Kurven auf dem Brückenzugang keine leichte Aufgabe, darauf zu fahren… nun, schieben ist auch keine Schande…

Der Bahnübergang am Bahnhof Do-Scharnhorst.

Kurz nach der Brücke verkündete ein Wegweiser, dass es nur noch 4,1 km bis zum Borsigplatz seien. Juhu, dachte ich mir… doch kurz darauf gab es keinen Weg mehr, nur noch Morast.

Das Baustellenschild besagt, dass der Lippeverband hier etwas baut.

Weit und breit war kein Mensch zu sehen, die Maschinen standen still. Rad und Mensch wurden unnötig dreckig. Hallo, ich bin hier nicht mit dem Downhill-Rad unterwegs! Später erfuhr ich dank eines Bekannten, dass hier tatsächlich ein Weg gebaut werden würde (sonst müßte man durch das Bahnbetriebsgelände mit den Schienen und abgestellten Zügen fahren). Bereits Ende 2018 sollte dieser Weg zwischen Scharnhorst Bahnhof und Wambel Gewerbegebiet fertig sein, jetzt ist der 31. März 2019 anberaumt. Zwar war der Morast nach ca. 200 m wieder zu Ende, doch auf dem nun wieder asphaltierten Weg mussten laange Brombeeranken den Weg versperren. Ich hatte am Bahnhof Scharnhorst kein Umleitungsschild gesehen gehabt, erst auf den Rat meines Bekannten hin fand ich bei der Rückfahrt, als ich später das Rad wieder abgab, die Umleitung.

Dann endlcih am Borsigplatz angekommen… und gleich zur Arbeit gefahren. 1 Stunde Wegzeit, die mir länger erschienen war, lag nun hinter mir.

Der Borsigplatz Dortmund. Seltsamerweise nicht so beliebt in Gelsenkirchen…

3 Tage hatte ich Ulf ausgeliehen und er hat viel erlebt. Ich fuhr mit diesem Lastenrad zur Arbeit, ca. 3 km einfache Wegstrecke. Die Kollegen staunten nicht schlecht, erst recht, weil ich den Weg von, bzw. nach Unna auf mich genommen hatte. Und der Architekt, der im selben Haus wie wir arbeitet, bekam auch Lust, das Rad auszuprobieren, auch mit Hund. Allerdings war der Vierbeiner, sonst eine freundliche Schmuserin, nicht so begeistert, was ihr Herrchen da veranstaltete… ich hatte bis zu diesem ZEitpunkt auch angenommen gehabt, dass die Plane vorne fest montiert sei. Das hat den Hund wohl gestört, dass sie nicht immer frei ihren Kopf in die Höhe recken hatte können. Aus Hundesicht verständlich. Nur hinten ist ein Fensterchen, wo man die Regenfolie aufrollen kann.

Aufgerollte Regenfolie hinten, unter dem Lenker.

Das Schöne am Lastenrad-Fahren ist, dass man mehr Aufmerksamkeit von anderen Verkehrsteilnehmern* bekommt. Dieses Rad fällt durch seine ERscheinung mehr auf. Manche Passanten* fragen, ob man damit auch Kinder mitnehmen kann. Ja, beim Bakfiets von VanAnden gibt es ein schmales Bänkchen in der Wanne, das ich allerdings immer hochgeklappt hatte, weil ich ausschließlich Dinge transportierte. Im folgenden war das Altglas und jede Menge Leergut.

ULF beladen mit einem leeren Bierkasten, Altglas, Altpapier.

…und wieder ein Aufgschau vor dem Getränkemarkt 😀 Das erste Cabrio hatte ich auch gesichtet. Seltsam. Ich fahre das ganze Jahr über Cabrio.

Über die Biermarke lässt sich streiten, aber nicht über die Mobilität in der Stadt!

Bei 19 Grad Celsisus, die inzwischen das Thermometer anzeigte, kommt man ganz schön ins Schwitzen, wenn man Lastenrad fährt. Der Bierkasten wieder voll und die Körbe und Taschen wieder leer von den Pfandflaschen, war ich froh, zur Arbeit radeln zu können. Wenn auch nicht ganz so flott und wendig wie mit dem Bullitt. Was schon bemerkenswert ist: die durch den hohen Lenker verursachte aufrechte Sitzposition hat fast was majestätisches. Demnächst also bitte ein Modell mit dem niederländischen Königswappen vorne dran ausliefern, verehrter Hersteller vanAnden… 😉

Abends, der 3. Freitag im Monat war es, wäre ich fast bei der CM Dortmund mitgefahren. Allerdings ging ein Pressetermin vor: die Premiere des Theaterstücks „Hedda Gabler“ von Henrik Ibsen am Schauspielhaus Dortmund. Nun, dann geht ULF mit mir eben ins Theater… Premierenkritik folgt auf http://www.nordstadtblogger.de .

Der ULF vor dem Schauspielhaus Dortmund.
Der ULF vor dem Schauspielhaus Dortmund.

Und hehe, ich passe noch in diese Parklücke! Sehr gut sogar, ohne dass ich mir die Tür ramme! 😀

Der ULF in einer Parklücke bei wilder Autoparkerei.
Der ULF in einer Parklücke bei wilder Autoparkerei.

Freitag nachmittag ist gefühlt noch mehr los auf den Straßen in und um die Innenstadt herum. Einmal flog mir fast die Plane weg, ich mußte anhalten, was aber kein Problem war, selbst die Autofahrer* hupten nicht… wohl auch, weil ich den eigentlich unnützen Radstreifen am Borsigplatz benutzte. Es gibt dort eine extra Ampelschaltung für Radfahrende, aber kein blaues Schild dass dieser lächerliche Streifen und Holperpiste benutzungspflichtig wäre. Sowas gibt es auch nur in Deutschland – hust*.

Was mir mit und ohne Lastenrad Angst macht, sind diese Massen an Autos. Verkehrswende ? Klimawandel? #FridaysForFuture, schon mal was davon gehört? Diese Autofahrer* offensichtlich nciht. Vor einer Zukunft, in der sich das Mobilitätsverhalten nciht ändern wird, graust mir. Angesichts dieser Blechmassen ist jede Fahrt mit dem RAd und Lastenrad eine Dmeonstration für eine bessere Zukunft. Klingt überzogen pathetisch, ist aber wahr, weil Fahrräder kein CO2 ausstoßen.

nur eine der vollgestopften Routen Richtung Borsigplatz.
nur eine der vollgestopften Routen Richtung Borsigplatz.

Nur ein paar hundert Meter weiter, in eine enge Gasse abgebogen, zwischen einem Schrebergarten-Häuschen und verfallenem Industriegelände, hat man erst mal Ruhe vom Verkehrslärm. Die Graffiti an den Wänden gehören zu einer Galerie, um diesen Teil der Weißenburger Straße, zu dem auch die Mauer vom RWE-Gelände gehört, zu verschönern. Diese Sprayereien sind also legal und durchaus sehenswert, es muß nicht immer alles gefallen.

Der ULF vor der Galerie in der Weißenburger Straße Dortmund.
Der ULF vor der Galerie in der Weißenburger Straße Dortmund.

FAZIT: So sportlich wie das Bullitt fährt sich ULF nicht, aber er ist mindest so verläßlich. So schnell haut dieses Rad nichts aus der Spur…. der extrem niedrige Einstieg ist ein Komfort-Plus (wobei die verminderte Höhe der Querstange im Rahmen eines KARGON oder Riese&Müller-Lastenrades auch ausreichend ist). Beim Bullitt heißt es immer erst einmal einen halben Can-Can tanzen, während man Jaques Offenbach im Ohr hat. Die Regenhaube ist auch nicht verkehrt, wenn sie am „bakfiets“ angebracht ist. Die NaVinci-Schaltung ist sehr zu empfehlen, weil man beim Anfahren an der Ampel oder am Hang stehend keinen Streß mehr hat. Für starke Steigungen ist ULF aber nichts, das Bullitt auch nicht wirklich, wenn es auch leichter zu fahren ist. Wer in meiner alten Heimat Nürnberg wohnt, der oder dem sei diese Rad trotz des günstigen Preises – im Vergleich zum Bullitt- nicht empfohlen.

Was nicht nachvollziehbar ist, ist die hohe Lenkerposition. Was bei einer Gazelle, also einem Hollandrad als angenehm empfunden werden mag, stört beim Lastenrad auf Dauer. Das Gesamtgewicht ist größer, weshalb ich immer einen 2. Menschen brauchte, um ULF in den Flur des Wohnhauses zu heben, um ihn nachts sicher zu verwahren. Das Bullitt habe ich, wenn auch mit Anstrengung, allein ins Haus geschafft. Wenn man länger mit dem ULF fährt, also mehr als 20 Streckenkilometer am Stück, kann man schon mal matte Arme bekommen. Oder ist es auch eine Gewohnheitssache? Nach 3 Tagen Bullitt-Fahren weiß ich auch, was ich getan habe. Nach meiner allerersten Bullitt-Fahrt hatten mir ordentlich die Arme weh getan. Dennoch werde ich ULF gerne wieder ausleihen, weil er ein verläßlicher Partner ist, mit dem man sicher Lasten transportieren kann.

EletricRide in Unna-Massen. Hier kann man ULF ausleihen.

Danke an den ADFC Unna für die Bereitstellung von ULF, UNserem LastenFahrrad! 🙂 HIER kann man ULF ausleihen. EletricRide ist auch gut mit der S-Bahn und Bus R54 zu erreichen.

Die komoot-Routen von Dortmund nach Unna – 1. Link und zurück, 2. Link:

https://www.komoot.de/tour/56552377

https://www.komoot.de/tour/56552376

Gerne werde ich wieder damit fahren, auch bei 13 km Anfahrtweg. Lustig wird es dann, wenn man vom Lastenrad wieder auf sein ’normales‘ Rad umsteigt… um vom Fleck zu kommen nach der Rückgabe von ULF, hatte ich mir mein Faltrad mitgenommen in dem „Bakfiets.“ Das ist eben das Geniale am Lastenrad, dass man sich sogar ein 2. Rad ohne Probleme mitnehmen kann! Ich hatte nicht nur einen leicht wackelnden Lenker, auch hatte ich dauerend das Gefühl, dass alles zu leicht ginge und doch was fehle… klar, ein Lastenrad lenkt sich immer schwerer, weil es im Gesamten schwerer ist.

Nach Rückgabe von ULF muss man irgendwie nach Hause kommen. Mit dem Faltrad.


Nur Krach und Klamauk

Oper „Der Barbier von Sevilla“ am Opernhaus Dortmund.

13. Vorstellung am Samstag, den 2. Februar 2018

Die Ankündigung lies sich nicht schlecht. Die Figuren in der Oper „Der Barbier von Sevilla“ von Gioachino Rossini wären in der Dortmunder Inszenierung Marionetten, die sich nicht aus eigenem Willen bewegen könnten. Hört sich nach einem brauchbaren Konzept an, eine Inszenierung, die funktionieren könnte. Die eigene Arbeitswoche war anstrengend gewesen, also ging die Autorin am Samstag abend in die Oper. Warum nicht was leichtes, lustiges ansehen? Vor vielen Jahren lief Rossinis Opern-Hit am Opernhaus Nürnberg, aber wie die Inszenierung war, ist heute unklar. Die Wahrnehmung eines Menschen ändert sich, wenn an älter wird.

Der Vorhang auf der Bühne ist dieses Mal kürzer, eine schräg stehende Wand grenzt die Bühne vom Orchestergraben ab. Es soll ja ein Marionettentheater heute werden, mit Menschen an Fäden. Gut, darauf läßt man sich als Opernbesucherin ein. Als der Intendant, bevor es losgeht, nach vorne tritt, wird klar, dass heute etwas anders sein wird. Kaum eine Vorstellung vergeht, als dass ein Sänger oder eine Sängerin irgendwie stimmlich angeschlagen ist. Die Musik an diesem Abend ist auch gar nicht das Problem dieser inzwischen schon 13. Aufführung des „Barbiers von Sevilla.“ Es ist die absolut nicht schlüssige, langweilige Inszenierung. Dieser Abend war bemerkenswert, so schlecht war die Inszenierung.

Zugegeben, die Geschichte ist nicht sonderlich spannend und aufregend. Ein Adliger verliebt sich in eine Bürgerstochter, also eine nicht seinem Stande entsprechende Heiratskandidatin. Die hat zufällig viel Geld von ihren Eltern geerbt, weshalb der Vormund – Doktor Bartolo – , der Musiklehrer Basilio und wohl auch noch andere testosteron-übersäuerten Gestalten im damaligen Sevilla wild auf diese Bürgerstochter Rosina sind. Daraus könnte man eine witzige, freche, auch gesellschaftskritische Inszenierung machen. Aber in der Version von Martin G. Berger als Regisseur verkommt der „Barbier von Sevilla“ zum reinen Klamauk. Ein einziges, unerträgliches Kasperletheater. Sind wir nicht im Opernhaus? Oder doch im Varieté-Theater? Nciht genug damit, dass Doktor Bartolo einen extra dicken Bauch und gestreifte Hosen wie ein Clown und eine derart lächerlich hohe Perücke trägt. Auch Figaro ist äußerlich ein einziger Clown, grell geschminkt dazu, nur zu ihm paßt die Maskerade wirklich. Nur der Musiklehrer sieht ’normal‘ aus. An diesem Abend war die Besetzung anders, im 2. Teil mußte sich Sunnyboy Dladla als Graf Almaviva vom Orchestergraben stimmlich durch einen Ersatzsänger unterstützen lassen. Nur für den selbstherrlichen Graf Almaviva ist die Kleiderwahl gelungen – bis er sich, weil er inkognito ins Haus von Doktor Bartolo eindringen will, verkleiden muß. Ein Clown = der Barbier reicht nicht, auch der Graf bekommt nun einen roten Umhang mit grüner Mütze, damit er der 2. Clown ist. Fassungslos sieht man zu, wie alles immer bunter, schriller und ordinärer wird – ohne dass es auch nur irgendeinen Mehrwert für die Oper hätte. Ach so, wir haben ja Karneval, habe ich vergessen.

Es ist schon richtig, dass in der Inszenierung nichts versteckt oder verheimlicht wird. Graf Almaviva steckt dem Bartolo – kaum zu erkennen: Morgan Moody – eine dunkelbraune Schwimmnudel zwischen die Beine, ganz klar, dass dieser damit mit seinem sexuellen Verlangen nach Rosina entlarvt wird. Aber warum im Hintergrund unbedingt eine kurze Videosequenz mit Miss Peggy und Kermit dem Frosch als Sadomaso-Liebende gezeigt werden muß…völlig unnötig. Dann fällt man kontrolliert eine Wand um, eine Mitarbeiterin der Technik muss mehrere Male ein komisches braunes faltiges Plüschtier über die Bühne kriechen lassen. Die Krallen lassen vermuten, dass er der sinnbildliche Maulwurf ist, der bei den Menschen herumspioniert, dann taucht dieses abscheuliche Wesen – also das Plüschtier, nicht die Mitarbeiterin – immer dann auf, wenn der Intrigant und Lügner von Musiklehrer Basilio in Aktion ist. Oder ist es ein Bandwurm, der sich wie der von Basilio besungene Rufmord immer weiterverbreitet und Unheil stiftet? Diese Figur des Basilio ist eine sehr wunderliche: statt Notenpult und Klavier hat er Apparaturen und Gestänge vor sich stehen, es raucht und knallt und blitzt wie im Klischee-Chemie- und Physik-Labor. Offensichtlich hatte Martin G. Berger seinen Chemie- und Physikunterricht in der Schule recht gern. Die immer anwesende Feuerwehr im Publikum will schließlich auch unterhalten werden. Wäre doch langweilig, wenn man immer nur Eingänge und das Vorhandensein von Feuerlöschern kontrollieren müßte! Die Bühnentechnik, die sonst immer nur leise im Hintergrund agiert, damit alles auf der Bühne funktioniert, war mehrere Male aktiv zu sehen. Hatte wohl mal Lust, offen zu zeigen, was sie kann, die armen grauen, äh schwarzen Mäuse. Und nicht zu vergessen die „plötzlich“ umfallende Wand. Da hat es geknallt. Dazu Stroboskop-Licht, wechselnde Bühnenbilder… Wow. Und weil Graf Almaviva vom Soldaten dann zu einem Musikstudenten werden muss, klaut er einfach dem Dirigenten seinen Frack. Super Idee. Und sowas von glaubwürdig. Ah, Dirigent Christoph JK Müller trägt Hosenträger. DAS wollte ich als Zuschauerin unbedingt wissen.

Musikalisch war die Inszenierung in Ordnung, wenn auch nicht ganz überzeugend. Sänger und Sängerinnen waren nicht immer auf gleicher Höhe mit den Philharmonikern, die Marionettenschnüre schienen vor allem Aytaj Shikhalizada als Rosina öfter die Luft zu nehmen. Bei all dem bunten Gewusel, das weder Sinn noch Ziel hat, kann einer oder einem schon mal die Luft wegbleiben und man kann die Orientierung verlieren.

Und pardon, bei aller Sympathie für die Person, aber einen Erzähler braucht es in dieser Oper nicht. Ich muß mir nicht sagen lassen, was jetzt passiert. Wollte das Theater nicht Programmhefte verkaufen? Oder sind das dieses Mal nur Attrappen, mit weißen leeren Blättern drin? Bei aller Sympathie, die man für Hannes Brock als Erzähler und Puppenspieler (hatte er sich nicht vom Theater verabschiedet gehabt in der letzte Spielzeit? Als Opernsänger kann man wohl nie Schluß machen, bis man von der „Weltbühne“ abtreten muß und die Stadt Dortmund ihm ein Staatsbegräbnis geben wird – ich werde dafür breitwillig Straßensperrungen in Kauf nehmen) haben kann : bei allem Witz, der in seiner Schilderung der Geschichte durchaus vorhanden war, fühlte sich die Autorin oft nur genervt. Die Erzählung wirkte aufgesetzt und unnötig. Und das Ende ist sowas von überraschend. Auch ein noch so toller Hannes Brock kann aber diese Inszenierung nicht retten.

Das erste Mal innerhalb von 3 Jahren, in denen die Autorin nun schon regelmäßig das Opernhaus Dortmund besucht, hatte sie in der Pause den Gedanken, doch nach Hause zu gehen. Ratlos bleibt man vor lauter schrillen Farben und ständig wechselnden Bewegungen der Figuren zurück. Es kracht, faucht und maunzt auf der Bühne, aber es passiert – nichts. Langweilig war diese Inszenierung, weil völlig überladen. Eine ohnehin schon dürftige Geschichte wird nicht besser, wenn noch mal drei Wände umfallen, noch mal eine Wand mit klischeehafter Rosa-Blumen-Tapete aufgefahren wird oder es noch mal mit einem Feuerchen im Musikzimmer von Basilio kracht. Man möchte gar nicht daran denken, was das alles gekostet hat; der Ersatz für die durchgeschnittenen Marionettenseile noch gar nicht eingerechnet. Die Opernsängerinnen und die Opernsänger hatten dagegen meistens ihren Spaß. Hätte mir auch gefallen, ungestraft und vor den Augen vieler Leute, die am Ende sogar mit standing ovations applaudierten, Schabernack zu machen. So wie Andreas Beck, ein Mitglied im Schauspielensemble einmal im RN-Interview sinngemäß sagte: „ich mag meinen Beruf. Ich kann lachen, morden, betrügen, schlecht über jemand reden, lügen auf der Bühne – und werde dafür nicht bestraft.“ Wohl wahr. Wenn dabei aber das eigentliche Stück, das an diesem Abend aufgeführt werden soll, nicht mehr zur Geltung kommt, wenn der Sinn und Mehrwert für das Stück nicht vorhanden sind, dann war die Inszenierung schlecht und diente nicht mehr der Kunst. In der aktuellen Version von Martin G. Berger ist genau dies vortrefflich gelungen: schlechtes, weil überfrachtetes Theater.

Fast hätte die Autorin ihren Slapstick-Beitrag zur Inszenierung geliefert, weil sie im Matsch und Schnee des Vorplatzes fast mit dem Rad gestürzt wäre. Nur schauen mir da wenige Leute zu und lustig ist es auch nicht, vom Fahrrad zu stürzen, weil nicht ordentlich geräumt ist. Gilt auch für viele öffentlichen Straßen und Wege.

Der Barbier von Sevilla, Oper von Gioachino Rossini, Opernhaus Dortmund. Weitere Termine: https://www.theaterdo.de/detail/event/matinee-zu-die-kroenung-der-poppea/?not=1&cHash=294e938696c9c74af3344c3bab10ed54&sword_list[]=barbier&sword_list[]=von&sword_list[]=sevilla&no_cache=1

Aber bitte mit Ü! Wenn da nicht die (Aus-)sprache wäre.

Kommentar zur Vorlesung und zum Konzert der Reihe Bild und Klang:

Oratorio de Noel von Camille Saint-Saens

(Ur-)Aufführung der ersten wissenschaftlich-kritischen Ausgabe

am Dienstag, den 11. Dezember 2018 um 19.30 Uhr,

evangelische Stadtkirche St. Reinoldi, Dortmund

Zunächst ein Lob an die Musikerinnen und Musiker. Sie haben einen guten Job gemacht, als Besucher-/in hat man der Musik gerne zugehört, während draußen vor der Kirchentür Klampfenmusik gepaart mit geistlosem Liedgut zum Weihnachtsmarkt geboten wurde. Nur schnell rein in die Reinoldikirche, um dem Grauen zu entkommen! Es war spannend, Hintergründe zu einem bereits bekannten Werk zu erfahren: dass es verschiedene Fassungen gab, warum Camille Saint-Saens dieses „Oratorio de Noel“, das zuerst nur einen lateinischen Titel hatte, geschrieben hat. Alles schön, die nicht immer sauber getroffenen hohen Töne verzeiht man als Zuhörerin, denn hier sind Lehramtsstudierende am Werk, keine angehenden Opernsängerinnen und -sänger. Der Zauber und die Schönheit dieses Stücks kam beim Publikum an, die musikwissenschaftlichen Informationen vorher sorgten neben der sorgsamen Interpretation der Musik dafür, dass nichts in den Kitsch abgleitet; denn Kitsch-Potential hat dieses Weihnachtsoratorium, das wußte der Komponist und Intellektuelle Camille Saint-Saens selbst auch.

Wenn da nur nicht die Sprache wäre.

Und nein, es ist kein französischer, sondern ein lateinischer Text, der da gesungen werden soll. Während des ganzen Abends wurde man den Eindruck nicht los, dass sich manche-/r von ihrer oder seiner besonders intellektuellen Seite zeigen will. Dabei sind muttersprachlich-bedingte Aussprachen doch völlig normal. Warum sollte man jemand, die oder der ein deutschsprachiges Werk singt dauernd verbessern, wenn sie oder er bei manchem Wort es einfach nicht schafft, richtig auszusprechen? Richtige Töne und Klang sind dabei wirklich wichtiger als die ganz korrekte Aussprache.

Verehrte Musikwissenschaft. Bei aller berechtigten Wissenschaftlichkeit: es ist affig, ein „Alleluja“ als „Allelüja“ zu singen. Es klingt künstlich, angestrengt wichtig und angestrengt richtig. So als ob man mit aller Gewalt und unbedingt ein fremdsprachiges Wort „richtig“, also der Landessprache gemäß aussprechen wollte, obwohl man es nicht wirklich kann. Dafür sind die Sprachen auf der Welt eben zu verschieden, als dass man als Nicht-Muttersprachler-/in manches Wort wirklich richtig aussprechen könnte. Es ist auch gar nicht schlimm, wenn z. B. jemand deutsche Wörter wie „Hähnchen“ nicht wirklich aussprechen kann; das gilt auch für den Bereich der Wissenschaft. Denn auch die Wissenschaft wird von Menschen gemacht, nicht von Göttern. Leider kann man auch nicht in die Zeit zurückreisen, Monsieur Saint-Saens (dessen Namen jetzt aufgrund der deutschen Tastatur auch nicht wirklich richtig geschrieben werden kann) hätte mich wohl mit einem abfälligen, blasierten Blick bedacht – ach nein, ich bin ja eine Frau, und die hatten damals nichts zu sagen, nicht in der Kirche zu singen, sondern nur „gut“ auszusehen (was man damals als „gutes Aussehen“ definiert hatte). Ich hätte mich vorher in einen Mann verwandeln müssen (juhuu, endlich mal Krawatten tragen). Diese bösen Musikkritiker machen einem auch (fast) jedes Konzert zunichte!

Verehrte Musikwissenschaft. Pardon, aber „Sanctüs“ zu hören, das nervt. Das schmerzt. Es tut mir in den Ohren weh und stört den Kunstgenuss ebenso wie das andachtsvolle, gespannte, aufmerksame Zuhören. Bei fast jedem „ü“ bin ich zusammengezuckt. Und warum dieses künstlich ausgesprochene „gentes“ beim Choral „Quare fremuerunt gentes“ („Warum toben die Heiden“)? Dieses lateinische „gentes“ hat nichts, aber auch gar nichts mit dem französischen Wort „gentil“ zu tun! Mag sein, dass die französischen Sängerinnen und Sänger das so singen, dass le Grand Compositeur das auch so wollte…aber bitte, bei aller Wissenschaftlichkeit: der Musik und den nicht-französischen Sänger-/innen die Freiheit lassen, es nicht so gekünstelt auszusprechen! Musik ist nicht nur Wissenschaft, sie ist auch Kunst, die muß frei sein, Kunst darf und soll auch Ausdruck von Gefühlen sein! Und bei allem Respekt vor dem Komponisten und Ihnen, der Musikwissenschaft:

Künstlerischen Mehrwert hatte dieser Aussprachen-Purismus nicht, wenn er auch wissenschaftlich gesehen richtig sein mag, genauso wenig, als wenn ein-/e zeitgenössische-/r Komponist-/in verlangt, dass man mit dem Bogen über ein Seil streicht. Die Vorlesung hatte schon stattgefunden, nun war die Musik dran. Würde man in Frankreich, Belgien oder einem anderen französischsprachigen Land dieses Musikstück hören, wäre die Aussprache „Sanctüs“ nachvollziehbar und wenig überraschend. Aber hier in Deutschland wirkt es gekünstelt, statt authentisch.

Doch machen wir ruhig weiter mit dem Aussprachen-Purismus. Der nächste Besuch aus Dortmunds Partnerstädten kommt bestimmt. Wenn da mal ein „Dortmünd“ zu hören ist, dann setzt es was. Das geht gar nicht, denn ein „u“ ist ein „u“ im Deutschen, damit das klar ist. Sofort den Falschsprecher oder die Falschsprecherin verbessern!

Oratorio de Noel“, ist ein bemerkenswertes Werk, zu dem heute abend interessante und spannende Hintergrundinformationen genannt wurden. Als eines der wenigen größeren Werke zur Weihnachtsmusik ist es das einzige, was neben dem umfangreichen, fast übermächtigen Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach steht. Bemerkenswert, dass hierzulande das Werk eines protestantischen Komponisten oftmals bekannter ist und öfter aufgeführt wird als das eines katholischen. Auch wer Camille Saint-Saiens` geistliches Werk schon kannte, hatte an diesem Abend Neues darüber erfahren können. Schade nur, dass die Musik so sehr vom Aussprachen-Purismus gestört wurde. Da hat man es natürlich leichter, wenn man einen hölzernen Hohlkörper zwischen Schulter und Kinn geklemmt hat oder die eigenen kräftigen Finger auf Stahlsaiten wandern läßt. Aus der Musik-Text-Zwickmühle ist man als Instrumentalmusiker-/in fein raus. Ach wie schön kann das sein. Je nachdem, auf welche Fassung man sich einigt, sind geschriebene Noten eben Noten, sie werden überall auf der Welt gleich ausgesprochen. Über Dynamik, über Interpretation kann man verhandeln, über Tonhöhen von geschriebenen Noten aber nicht.

(P.S. Wer jetzt Groll auf Musikkritiker-/innen hat, der oder dem empfehle ich Georg Kreislers „Musikkritiker.“ Schenkt mir aber beim nächsten Konzert bitte weder Platten noch Krawatten. Plattenspieler habe ich – leider – keinen mehr und Krawatten sind dann doch so umständlich zu tragen wie Highheels. Mit den einen tritt man ungeplant auf das andere drauf).

Das Geschäft mit dem Sex ist verpönt – doch es läuft. Über ein verschwiegenes und verspottetes Phänomen in der Gesellschaft

Am Mittwoch abend, den 26. September 2018 lud die Mitternachtsmission zu einer Diskussionsrunde ein. Ort und Teilnehmer-/innen waren ungewöhnlich: es wurde in einer Kirche auch mit einem Prostitutionskunden und 2 Prostituierten diskutiert. Die Mitarbeiterinnen der Mitternachtsmission und der ehemalige Leiter der „Sitte“, der für das Rotlichtmilieu zuständigen Behörde gaben Ihre Erfahrungen an das Publikum weiter.

Interessant zu beobachten: Als Leser oder Leserin von Online-Nachrichten erfuhr man auf

https://www.nordstadtblogger.de/alles-nutten-oder-was-ehemaliger-chef-der-sitte-diskutiert-in-petri-kirche-ueber-die-situation-von-prostituierten/

von dieser Veranstaltung.

Auf der Seite http://www.dortmund.de wird man nur nach längerem Suchen fündig, in der Broschüre „FrauenTermineDortmund“, jedoch nicht bei den Veranstaltungsankündigungen.

Prostitution ist immer noch ein Thema, das polarisiert. Prostituierte werden in der Gesellschaft als minderwertige Menschen betrachtet und beschimpft. Bei manchen Diskussionsteilnehmern, auch auf dem Podium schien immer noch eine Unsicherheit zu existieren, das Thema wirklich anzusprechen: wenn man von „Arbeit“ spricht, kann man auch gleich klar sagen, was diese „Arbeit“ ist: eben Sex  die Befriedigung für den Kunden.  Der geladene Kunde auf dem Podium trug eine Maske, die beiden Prostituierten Perücken und Sonnenbrillen. Was einige Diskusssionsteilnehmerinnen bewegte: warum macht man diesen „Job“ überhaupt?

Zunächst wurde klar gestellt: es geht hier um eine freiwillige Tätigkeit. Auf Nachfrage wurde aber klar, dass es bei einer der beiden Prostiuierten noch einen anderen, wichtigeren Grund hatte: sie ist vor etwa 10 Jahren mit anderen Landsleuten nach Deutschland gekommen. In Rumänien herrsche bis heute Perspektivlosigkeit. Die deutschen Gesetze hatten es ihr damals verboten, einer Arbeit als z. B. als Verkäuferin nachzugehen. So hat sie sich für die Prostitution entscheiden (müssen), seit 7 Jahren übt sie diesen Beruf (der als solches nicht anerkannt ist), aus.

Das macht betroffen, dass eine Gesetzeslage Frauen ohne deutsche Staatsangehörigkeit keine andere Arbeit als die im Rotlichtmilieu möglich macht. Prostitution ist kein Problem der Damen, die diese ausüben, sondern: es ist ein gesellschaftliches Problem.

Dies ist ein weiterer Kritikpunkt: Prostitution ist nicht als Beruf anerkannt, die Damen sind nicht sozial- und krankenversichert wie andere Arbeitnehmer, wie ein DGB-Mitglied und Diskussionsteilnehmer sagte. Wenn doch die Nachfrage nach Sex nie stagniert oder gar einbricht, warum wird Prostitution nicht als eigenes Berufsfeld anerkannt? Man muß die Prostitution nicht gut finden, aber man kann ihre Existenz nicht leugnen. Warum gehen vor allem Männer zu Frauen, die ihnen Sex (u.a.) anbieten? Der Prostitutionskunde am Podium meinte, dass er mit den Damen auch vertrauliche, intime Gespräche führen könne und seine sexuellen Wünsche ausleben würde. Nach der Diskussion konnte ich mit einer Mitarbeiterin der Mitternachtsmission noch näher darüber sprechen. Die Prostituierten würden den Freiern sexuelle Wünsche erfüllen, die sie ihren Partnerinnen gegenüber nicht unbedingt äußern trauen würden – und diese würden auch diese sexuellen Praktiken möglicherweise gar nicht mitmachen. Und oft genug geht es nicht mal um Geschlechtsverkehr: „Der Mann erzählt der Prostituierten – ja ich habe meinem Chef doch gesagt, dass das nicht geht. Dem habe ich die Meinung gesagt! – Die Ehefrau weiß, dass das nicht stimmt, weil er sich das nicht traut. Aber die Prostiuierte lobt ihn dann und sagt „das hast du richtig gemacht.“ Aha, interessanter Punkt. Männer suchen hier also eine Bestätigung für sich selbst, die sie offensichtlich woanders nicht bekommen. Prostitution ist also nicht das reine Problem der Frauen, sondern eine Art Reaktion, „Problemlösung“ für partnerschaftliche Konflikte.

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Nur nebenbei waren auch männliche Prostituierte, die von Frauen gekauft werden, ein Thema bei diesem Gesprächsabend. Die Mitarbeiterin der Mitternachtsmission sagte dazu leicht scherzend: „Ich wäre da zu geizig. Die Männer wollen da oft noch vorher essen gehen, da kann man als Freierin schon mal auf 300€ kommen.“

Die Tatsache, dass Prostitution erlaubt und von den Behörden auf Hygienebestimmungen etc. regelmäßig kontrolliert wird heißt natürlich nicht, dass die Prostituierten ihre Arbeit (immer) unbedingt gern machen.  Und reine Freiwilligkeit war es auch nicht, wie eine der beiden Damen ihren Einstieg ins Rotlichtmilieu beschrieben hatte – aber eben auch keine Zwangsprostitution.  Zweifelsohne geht die Arbeit als Prostituierte an niemandem in dieser Szene spurlos vorüber. Aber deshalb verbieten? Eine einfache Antwort darauf gibt es nicht.

Eine Gesprächsteilnehmerin, Mitglied der Organisation von „Terre de femmes“ kritisierte die Prostitution scharf. Männer würden Frauen kaufen, Prostitution verletze und zerstöre Frauen, es sei reine Gewalt an Frauen. Dabei machte sie keinen Unterschied zwischen Freiwilligkeit und Zwang zur Prostitution. Die Terre-de-femmes-Vertreterin sprach sich für das „nordische Modell“ aus. In Schweden ist Prostitution per Gesetz verboten. Im Gespräch danach sagte Rainer Minzel dazu: „ich weiß nicht, wie die in Schweden das nun unter Kontrolle haben. Wenn man Prostitution verbietet heißt das nicht, dass sie verschwindet. Und dann müßte man auch die Frauen bestrafen.“ Durch das „Dortmunder Modell“ habe man es unter Kontrolle. Die Szene selbst  achtet darauf, wenn ihr was auffällt, was nach Menschenhandel oder Zwangsprostitution aussieht und würde dann sofort die Polizei informieren. Letztendlich geht es auch um das Geschäft: wenn da plötzlich ein Anbieter ist, der nicht an Behördenauflagen gebunden und billiger ist, wird das innerhalb der Szene sofort sanktioniert.

 

Kernpunkt des gesamten Gesprächsabend war der Appell der Prostituierten und des ehemaligen Leiters der „Sitte“ Rainer Minzel, dass diese Frauen endlich als gleichberechtigte Mitmenschen anerkannt werden. Auch wenn sie einen -außergewöhnlichen – Beruf ausüben. Auch wenn sie in ihrer „Arbeitskleidung“ unter anderen Menschen im Alltag auffallen wie ein Pfau unter lauter Amseln, sind Prostituierte, Männer wie Frauen Mitmenschen mit den selben Rechten wie eine Verkäufer oder eine Musikerin.

 

Weitere Informationen:

FrauenTermineDortmund: https://www.dortmund.de/media/p/frauenbuero/downloads_frauenbuero/FrauenTermineDortmund.pdf  Veranstaltungen der Stadt Dortmund zum Thema Frauen und Gleichberechtigung

Arbeit der Mitternachtsmission: http://mitternachtsmission.de/   Diese Organisation unterstützt Prostituierte und hilft ihnen, wenn sie es wollen, aus der Szene auszusteigen.

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Fliegen auf 2 Rädern will gelernt sein

Ein Sitz, kein Sattel. Die Polsterung sieht aus wie ein grober, dunkelgrauer kratzender Putzschwamm beim Geschirrspülen. Ein langes Rohr, dass das kleinere Vorderrad mit dem größeren Hinterrad verbindet, läuft unter dem Sitz hindurch.. Und wo ist der Lenker? Ah so, der läuft unter dem Sitz durch, die Griffe schauen links und rechts vom Sitz hervor. Das ist der Grundaufbau eines Liegerades. Genau, deshalb liegt man mehr, als man sitzt, während man Rad fährt. Die Beine in der Waagrechten nach vorne über dem kleinen Vorderrad auf den Pedalen. Sieht seltsam aus,  klingt verrückt, ist es auch und das beste: es funktioniert. Aber man braucht Geduld, es zu lernen.

Vor ca. 10 Jahren bin ich schon mal Liegerad gefahren. Ein Nürnberger ADFC-Kollege hatte mich auf diese außergewöhnliche Fahrradgattung aufmerksam gemacht, einmal war ich mit ihm auf der Spezialradmesse (SPEZI) in Germersheim im Süden von Rheinland-Pfalz. Ich hatte Geschmack an dieser Art des Radfahrens gefunden: man kann schnell beschleunigen, es macht riesen Spaß, der Gegenwind braucht die Fahrerin nur noch wenig zu kümmern. Der ganze Beckenbereich ist entspannter, weil man mit seinem Gewicht nicht auf den Sattel drückt.  Mit dem ausgeliehenden FLUX C 500 erlebte ich Fahrspaß pur, ein richtiger Rausch hatte mich ergriffen. Doch leider war es vor ca. 10 Jahren Herbst gewesen, ich hatte das nasse Laub auf dem Weg vergessen  – und wusch! flog ich hin. Das Gute am Liegerad: man kann nicht tief fallen. Das schlechtes: es gut dennoch weh. Die ganze Beinseite war blau und geprellt.

Es hatte große Mühe gemacht, das FLUX C 500 damals auszuleihen: ich mußte mit dem Zug erst nach Ansbach fahren, das bedeutete hin und zurück mehree Stunden Fahrt. Und dann das vergleichsweise schwere Liegerad in den Zug hieven, der noch so häßliche alte Klapptüren hatte…

Von damals habe ich nur Bilder von einem entwickelten Film, die (noch) nicht digitalisiert sind.

Der Traum vom Liegerad-Fahren blieb, aber Geld, eins zu kaufen, hatte ich keins. Wenn man es einmal gelernt hat, will man nie wieder absteigen.

Heute, 10 Jahre und zwei Umzüge in eine andere Stadt später ergibt es sich, dass ich im Monat nicht nur eine Critical Mass mitfahren kann. Hier und da gibt es nette Kontakte, man findet Gleichgesinnte. In Gelsenkirchen gibt es offenbar eine Liegerad-Szene, die ganz fußballfern und über Stadtgrenzen hinweg ihre Leidenschaft pflegt. G. mit seinem gelben Velomobil (ein Liegerad mit Verkleidung rundherum, sieht lustig aus und ist super schnell!) ist einer davon. Weil ihm der Arzt irgendwann auch das Rennradfahren verbot, fährt er Liegerad. Einige Exemplare, darunter auch ein Dreispurer (Scorpion von HP Velotechnik) besitzt er nun schon. Und mir versprach er, dass ich eins leihen könne. Hey cool, endlich nach 10 Jahren wieder Liegerad fahren!

Von einem Kollegen aus eben dieser Stadt hatte ich mir schon Ausflugstips geben lassen, was ich alles sehen könnte: Schloß Berge, Schloß Horst… (nein, das „böse“ Stadion der „Blauen“ steht nicht auf meiner Sightseeing-Liste 😀 ) ich malte mir einen ruhigen Freitag nachmittag aus, der evtl. sogar mit der Critical Mass in Bochum enden könnte. Im Gegensatz zu Nürnberg und Ansbach, der Region Nordbayern sind die Städte im Ruhrgebiet sehr nah beieinander. Bochum sollte also bis abends erreichbar sein.

Doch Fahrräder sind eigenwillig. Fast wie echte Pferde auch, sagen sie nicht zu jeder und jedem sofort „ja.“ G. stellte das Rahmenrohr so ein, dass ich mit den Beinen bequem die Pedale vorn an der Spitze erreichte. Ich dachte, ich kann es noch…. aber immer wieder kippte ich um. Es ist genau so, als wenn man Radfahren lernt: der Kopf kapiert, dass man das Gleichgewicht halten kann, aber der Körper braucht länger, um es zu kapieren. „Du mußt die Beine oben halten, lenken und treten, lenken und treten!“ sagte G. immer wieder. Er feuerte mich an, schob an – und irgendwann konnte ich das erste Stück, den kurzen Radweg entlang der U-Bahn-Haltestelle frei fahren. Juhuu! Die Gelsenkirchener Jugend, die an der Haltestelle abhing, hatte an diesem Nachmittag eine besondere Unterhaltung 😉

Nach ein paar technischen Schwierigkeiten konnten wir abends dann losfahren. Ich wollte es noch bis nach Bochum zum Hbf schaffen, von dort aus mit dem Zug nach Haus fahren. G. schob wieder an – mit Gepäck radeln am Liegerad war noch mal eine ganz andere Herausforderung – und ich fuhr auf der Trasse, vorbei an der Zeche Consol los. Wieder war er da, der Rausch der Geschwindigkeit. Und G. hinter mir plötzlich verschwunden.

Ich freute mich, merkte aber auch, wie erschöpft ich war. Ich habe dann unfreiwillig heftig angehalten, es ist nichts passiert, der Untergrund war ja weich und außer mal umkippen ist nichts passiert. Ich glaube, ich hatte auch etwas Muffensausen bekommen, weil der Weg an dieser Stelle kurz vor der A42 so ist wie der, an dem ich vor 10 Jahren mit dem Flux C 500 gestürzt war: es geht auf jeder Seite schön bergab. Arrgh. Ich machte erst mal Rast, denn ich hatte immer nur etwas, aber nie sehr viel gegessen. Ich war tagsüber ungewollt immer wieder müde, obwohl ich morgens das Gefühl gehabt hatte, ausgeschlafen zu sein.

Ich merkte: ich muß Geduld mit mir selber haben, mal tief durchatmen – dann kann ich wieder losfahren und es klappt auch.

An der Kreuzung, an der es zur Autobahn 42 rein und auf der anderen seite zur Zoom Erlebeniswelt geht, legte ich mcih wieder hin. Ein Autofahrer, der an der Ampel wartete, fragte sogar, ob ich Hilfe brauche. Sehr freundlich, wow, das überraschte mich.

Ich war verwirrt, WO es weiterginge… ich merkte, dass ich richtig k.o. war. Zuerst wollte ich zur Zoom E. fahren, doch dann sah ich die Zufahrt zur Trasse. Ich schob das Rad runter, dann hieß es: aufsteigen und wieder losfahren… wie einfach das auf dem „Hochrad“ (so nennt der ADFC-Kollege aus Nürnberg immer die Fahrräder) doch ist!

Ich war immer noch unsicher, doch ich fuhr los. Und hui, nach ein paar Versuchen, einmal Fluchen und tief Druchatmen klappte es!

Allerdings merkte ich auch, dass mein Kopf und Nacken irgendwie keine passende Position hatten. Das Fahren hätte so schön sein können, wenn ich nicht die ganze Zeit das Gefühl gehabt hätte, dass die Kopfhaltung nicht stimmt und ich eine unangenehme Verspannung spüre. Ich fuhr eine ganze Weile, die Schaltung zickte manchmal, aber im großen und ganzen funktionierte es. Wenn mir jemand entgegen kam, war ich nicht mehr so panisch. Allerdings, wenn zwei nebeneinander fahren, das macht mich immer noch unsicher.

Später dann, auf dem Weg Richtung Erzbahnbude gibt es immer wieder Brücken, die hone Wände links und rechts des Weges haben. Ich dachte auch erst, dass mir die Zäune auf den Brücken Sicherheit geben.

Da gibt es doch das mehrere hundert Meter lange Stück als Brücke, bei dem links und rechts Metallwände sind, danach erreicht man die Erzbahnbude. Langsam überwog der Gedanke: „Warum tue ich mir das an?“ vor „Liegeradfahren macht Spaß.“ Zwei Schlaumeier kamen mir entgegen, nebeneinander, und das bei der relativ engen Brücke. Ich schaffte es noch, ihnen zuzurufen, sie mögen doch bitte hintereinander fahren, ich glaube sie taten es auch, aber zusammen mit der Erschöpfung verlor ich den Mut und fuhr gegen die Wand. Juhu, auch das Knie angehauen und noch mehr Prellungen (aber keine offenen Wunden). Ich war wütend und genervt, aber ich hatte keine Kraft mehr, zu fluchen (auch wenn es notwendig gewesen wäre). Die beiden entshculdigten sich, ich erklärte ihnen die Sache, sie fragten, ob sie helfen könnten… nun, was sollten sie auch tun, ich war froh, dass sie mir überhaupt zuhörten.

Die Erzbahnbude hatte noch offen, ich fragte nach Kaffee, der war verständlicherweise aus. Ein Eis füllte meinen Zuckerhaushalt auf. Aber nachher merkte ich: heute kann ich mit diesem Rad nicht mehr fahren. J., der soeben die Bude geschlossen hatte, war plötzlich neben mir und meinte, er würde mir ein Taxi rufen. Ich hatte keine Lust, die restlichen 6 km bis zur Jahrhunderthalle zu schieben!

Das ist echt eine Gelsenkirchen-Woche: Montag war ich bei der CM, heute kam ich so schnell aus GE nicht raus, weil Julian mich zu einer Kreuzung in GE begleitete. Nach mehreren Telefonaten wußten die Taxifritzen endlich, WO sie hinkommen sollten. Es hat mich schon gewurmt, 23 € für ein Taxi ausgeben zu müssen, um nach Bochum Hbf zu kommen. Aber gut, das war eben ein Notfall…. Und wie ich zu Julian sagte: „man muß nicht gleich Bungee-jumping machen, aber wenn man sich gar nichts traut, ist das Leben elend langweilig.“

Das Liegerad passte gut in den Zug und in den Aufzug. Was ich sonst nie mache, habe ich heute gemacht: ich bin mit der U-Bahn die eine Station ab Hbf zu der Station  gefahren, von der aus die Ux99 zu mir nach Hause fährt.

An den Beinen habe ich viele Veilchen, das rechte Knie tut noch etwas weh, beugen geht, wenn auch mit leichten Schmerzen. Dennoch bin ich froh, es heute mich getraut zu haben, Liegerad gefahren zu sein. Ich war heute morgen erneut  mit Frust aufgewacht. Irgendwas muß man tun, sich aufmachen… Der Lenker sollte nach unten gebogen sein, damit beim Sitzen, ohne dass ich fahre, der Lenker nicht gegen die Beine drückt. Aber wenn man umonst ein Liegrad nutzen kann, motzt man nicht. Jede-/r hat eben einen anderen Körper, G. paßt auf dieses Liegerad eben besser drauf.Das Liegerad bleibt die nächsten Tage erst mal im Stall, abgesperrt.  Aber ich werde wieder losfahren – bis ich so sicher bin wie auf dem „Hochrad.“

Mein herzlicher Dank gilt G., seine Geduld bei der Liegerad-Fahrschule ist unbezahlbar. Er hat an mich geglaubt und mich immer wieder angefeuert. Meine Mutter hätte nur ständig panisch geschrieen, weil alles ach so gefährlich ist (deshalb, meine Damen, zuhause bleiben und sich einschließen – haha!) Und danke an J. und die Erzbahnbude für die Hilfe, damit ich ohne Streß und sicher nach Hause kam.