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Sehnsucht nach draußen

Dank des Klimawandels sind die die Winter wärmer geworden. Der Mensch ist eines der wenigen, wenn nicht das einzige Lebewesen, das so dumm ist, seinen eigenen Lebensraum zu zerstören.

Doch „wärmer“ heißt nicht, daß es für das Radfahren nun besser wäre im Winter. Im Gegenteil. „Wärmer“ heißt oft: einstellige Plusgrade und dazu Regen, kalter Regen. Früher war mit Sicherheit nicht alles besser, aber: bei minus 3 Grad Celsius läßt sich besser radfahren. Ich erinnere mich heute noch gerne an eine Radtour im Winter durch das Fürther Land in meiner alten Heimat in Mittelfranken/Nordbayern. Es lag Schnee, die Straßen waren aber frei, nur hier und da mußte man wegen Glatteis aufpassen. Und als Krönung war es auch noch ein sonniger Tag gewesen. Trockene Kälte läßt sich viel besser aushalten. Man muß sich gut einpacken, aber: dann friert man nicht mehr.

Anders bei dieser verfluchten Nässe, die heute immer wieder vom Himmel kam. Manche-/r mag einwenden: „Ja warum fährst du heute überhaupt Fahrrad?“ – Ganz einfach: weil ich Lust darauf hatte, endlich wieder richtig zu fahren und nicht wie im Alltag das nervige „Stop-and-Go“ im Straßenverkehr (der oft genug ein Kampf mit uneinsichtigen anderen Verkehrsteilnehmer-/innen ist) erleben zu müssen.

Außerdem hatte ich die letzten 3 Tage Film- und Videokurs gehabt. War interessant, wir hatten auch mal draußen gedreht, z. T. bei schönstem Wetter. Doch beim Rumstehen und Kamera einstellen, Set einrichten etc. frieren bald die Hände – und irgendwann auch mal der Rest.

Es sollte nur eine kleine Runde werden: Von der Jahrhunderthalle in Bochum zum Tetraeder in Bottrop. Ich fluchte, weil es schon bei Ankunft am Bochumer Hauptbahnhof regnete. Die netten Herren von der Radstation versorgten meine Reifen mit der nötigen Luft. Am Rathaus Bochum wartete ich unter dem Vordach den Regen ab (ersten Müsliriegel essen, für´s Mittagessen kochen & machen war noch keine Zeit gewesen).

Dann aber los auf die Erzbahntrasse!

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Schon von weitem hörte man laute Rufe, vermischt mit anderen Geräuschen. Spielte heute der VfL Bochum? Es hörte sich so an, als ob das Feiervolk direkt auf der Trasse unterwegs wäre… aber das Faschingsgedöns kam von der Ortschaft herüber, die man nur in der unmittelbareren Entfernung sieht (etwa auf der Höhe: wenige hundert Meter hinter der Erzbahnbude -diese ist auf dem Bild nicht mehr zu erkennen).

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Doch statt Feiern und „Gwerch“ (Menschenmassen und Gewühle auf den Straßen) genoß ich heute lieber tiefer gehende Gedanken…

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…und schaue links und rechts vom Weg, was dort ist.

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Und wie immer im Ruhrgebiet geht´s vorbei an Industriegebäuden. Das ist die Firma, die jetzt mit einem schon großen Stahlkonzern fusionieren wird. Die Gewerkschaftsmitglieder haben zugestimmt.

 

Die Erzbahntrasse wird – so habe ich es verstanden- dann zum EmscherParkWeg ab der Zoom-Brücke. Sie ist die weißfarbene Schwester der roten Erzbahnschwinge, die nach der Jahrhunderthalle Bochum die Gahlensche Straße überspannt. Hier an der Zoom-Brücke taucht das erste Mal der Wegweiser zum Tetraeder in Bottrop auf. Es ist seltsam, daß im „Radroutenplaner NRW“ keine Wegweisung über die Trassen erfolgt!

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Nach Bottrop geht´s aber unterhalb der Brücke entlang des Rhein-Herne-Kanals weiter… und leider mußte wieder Regen einsetzen. Richtig schön heftig. also Gamaschen wieder an… nach ca. 10 Minuten etwa war der Spuk wieder vorüber.

 

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Die Wegbeschaffenheit läßt, kaum hat man die Erzbahntrasse verlassen, sehr zu wünschen übrig… und das Rad wurde wieder schön dreckig.

 

Eine Rakete, auf deren Abflug man vergeblich wartet.

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Entlang des Kanals sieht man immer wieder Industrie oder Häuserbaustellen. Im Hintergrund auf dem linken Bild sind fertige Reihenhäuser zu erkennen – eines so  langweilig wie das andere. Wer will dort bitte so abgelegen wohnen?  Dagegen wirken die Backstein-Ruinen fast schön. Was das wohl mal war, direkt am Kanal?

 

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Im Hintergrund sehen Sie ungewollte Schleichwerbung verkehrt herum für einen Heizungshersteller. Das gehört zu den Impressionen am den Rhein-Herne-Kanal.

 

Bei aller ekelhaften Naßkälte sind die Lichtspiele des Himmels an diesem Tag beeindruckend. Überirdische Zeichen künden von der Zukunft….

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Auch wenn kein Regenschauer mehr einsetzte: die Füße waren nun wirklich kalt, die Hosenbeine trotz Gamaschen, die ich zeitweise auch mal abgenommen hatte, naß. Geradeaus am Kanal wäre ich wohl weiter nach Bottrop zum Tetraeder gekommen. Es nervte schon, daß ich diese Strecke nicht mehr schaffen würde. Bei Naßkälte kann jeder Kilometer eine Plage statt eine Freude sein. Also folgte ich dem EmscherRadweg weiter. Seltsam nur, daß dieser erst über eine Brücke (es muß in der Nähe der „Zoom-Erlebniswelt“ gewesen sein) und auf der andren Seite des Flusses wieder zurück führte. In Sichtweite war wieder ein Industriegebiet, Straßennamen waren aber leider nicht auszumachen. Nach ein paar hundert Metern aber sah man am Eingang des Industriegeländes Rad-Wegweiser. Kein Hinweis mehr auf den Tetraeder, der ist wohl nur über den Kanal erreichbar. Na gut, dann wird eben nach Gelsenkirchen gefahren… den Schwenk zum Nordsternpark sparte ich mir (gibt´s da was Sehens- oder Besuchenswertes?) und fuhr Richtung Innenstadt, mitten durch das „böse Blau“ des bestimmten Stadtteils hindurch.

Eine Brücke, die unter Denkmalschutz steht… wow. Straßenname: „An den Sumtener Brücken.“

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Es war leider kaum möglich, die Brücke im ganzen zu fotografieren….

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Ach ja, ein Radwegweiser führte direkt zum Stadion. Mir ist Fußball ziemlich egal, nur eins sei hier bemerkt: Ihr grausliges Bier können sie selbst trinken, die sogenannten „Blauen.“

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Auf der Fahrt durch Gelsenkirchen entlang der häßlichen, weil mehrspurigen Autostraße (Kurt-Schumacher-Straße) und Berliner Brücke, deren „gemeinsamer Rad- und Fußweg“ ein Witz ist, wurde ich erstaunlicherweise nicht wütend angehupt. Ich  kam vor der „Flora“ an. Dann kurz das MiR (www.musiktheater-im-revier.de ) gegrüßt… und dann nicht ganz zufrieden mit der S2 nach Haus gefahren. Wenigstens war ich heute mal für ca. 2 Stunden draußen gewesen.

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Die Emscher an den Sumtener Brücken in Gelsenkirchen.

 

 

 

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Allgemein

Wenn der Ball nicht mehr rollt.

Diese Reportage ist eine Abschlußarbeit des Seminars „Narrative Darstellungsformen“ meines Studiums des Musikjournalismus an der TU Dortmund. Jede Reportage wurde unter dem Moto „anders leben“ gestaltet. Menschen, deren Alltag anders verläuft als wie es viele gewohnt sind, werden hier portraitiert.

Wenn der Ball nicht mehr rollt

Die Sporthalle der Martin-Luther King-Gesamtschule in Dortmund-Dorstfeld. Helles Neonlicht, graue Wände und eine Spielstand-Tafel „Heim – Gäste“ in Halle 1. Regelmäßig gibt es hier Sportangebote für Menschen mit Behinderung – so auch heute. In kleinen Gruppen reden Leute miteinander, begrüßen sich. Keine Eile, alles wird nacheinander erledigt. Eine Rollstuhlfahrerin regt sich über Taxifahrer auf, die den Rollstuhl beim Einladen in ihr Taxi kaputt machen würden. In der Ecke packt ein anderer seinen Badminton-Schläger aus und grummelt vor sich hin, dass jemand die Sachen auf seiner Tasche abgelegt habe. Manuel ist gerade erst mit seiner Mutter gekommen. Seine Augen stehen weit offen, die Hände zittern auch vor Aufregung.

Manuel hat eine sehr seltene Krankheit – die Muskelschwundkrankheit Tay-Sachs. Den Betroffenen lähmt sie nach und nach. Mit Sport und Willenskraft stemmt sich Manuel gegen sein unabwendbares Schicksal. Nicht einfach für einen ehemaligen Leistungssportler.

Noch vor ein paar Jahren sah alles anders aus. Manuel zeigt Fotos von damals: Ein Bild zeigt einen schlanken jungen Mann in weißen Hosen, Poloshirt und weißer Baseball-Cap. Er hält einen rechteckigen Gegenstand aus Metall in den Händen, die Trophäe des Gewinners vom Golf-Cup in der Region. Er lächelt in die Kamera. Mit dem Golfspiel hat es Manuel bis zu mehreren Meistertiteln gebracht.

Nachdem er das Golfspielen mit 18 Jahren aufgeben musste, hat er lange nach einem passenden Sport gesucht, denn: er wollte weitermachen: „Auch wenn ich nicht mehr laufen kann, musste es doch was für mich geben.“ Die Badmintion-Trainerin Petra Opitz hatte Manuel bei der Messe „RehaCare“ in Düsseldorf kennengelernt. Beim Rollstuhl- und Behindertensport in Dortmund-Dorstfeld trainiert er nun seit Oktober 2016 jeden Montagabend Badminton.

Gleich wird das Training losgehen. Ein „Fußgänger“ wie die Menschen, die keinen Rollstuhl brauchen hier genannt werden, schiebt ein Gestell mit kleinen Rollen vor sich her, darauf eine Schlägertasche. Er stoppt und montiert mit geschickten Griffen auf jede Seite des Gestells einen schräg stehenden Reifen. „Das ist der Sport-Rollstuhl. Der hat im Gegensatz zum Alltags-Rollstuhl eine größere Reifengröße, 26 bis 28 Zoll“ statt 24 Zoll. Und er ist wendiger und kippsicherer.“ Manuel stützt sich von seinem Alltags-Rollstuhl (auch „Rolli“ genannt) hoch und wechselt schnell und behände in den Sport-Rolli. Über dem Schoß wird ein Klettband festgeschnallt, damit der Spieler oder die Spielerin während des Spiels nicht aus dem Rollstuhl fallen kann.

Dann ertönt plötzlich die laute Stimme der Trainerin Petra Opitz. Die Unterhaltungen verstummen, Fußgänger-/innen und Rollstuhlfahrer-/innen setzen sich in Bewegung: Einmal rund herum in der Halle. Manuel atmet schwer, seine Hände versuchen, die Räder schneller zu bewegen. Nach ein paar Runden Aufstellung in einer Reihe: Auf Kommando von Petra Opitz sollen sich alle Sportler-/innen vor- und rückwärts bewegen. „Hey, ihr da vorne lauft in die falsche Richtung!“ Petra Opitz´ Stimme ist laut und fordernd. Die Schuhe der Fußgänger-/innen quietschen, Gesichter röten sich, ein paar Sportler-/innen atmen schwerer. Manche werfen den Kopf zur Seite, machen ein missmutiges Gesicht, andere wirken erwartungsfroh. Jetzt sind die Arme dran; auf Kommando ist je eine andere Armhaltung gefragt „..für Euer kognitives Training.“ sagt Opitz. – Eine Rollstuhlfahrerin grinst. „Wenn Petra die Leute knechten will, dann macht sie das“. Einige beginnen zu lachen.

In der Turnhalle werden nun mehrere Netze aufgespannt, sodass vier Spielfelder nebeneinander entstehen. Spielbeginn: Auf der linken Hallenhälfte spielen nur Rollstuhlfahrer-/innen, auf der anderen gibt es eine gemischte Besetzung. „Wir machen keinen Unterschied, warum jemand im Rollstuhl sitzt. Ob Schlaganfall, Querschnittslähmung, Muskelschwund, wir definieren uns über den Sport“, sagt Petra Opitz. Aber bei manchen Behinderungen frage ich mich schon, was der liebe Gott sich dabei gedacht hat.“ Bei Manuel hat ein Gen-Defekt die Tay-Sachs-Erkrankung hervorgerufen. Alle Fähigkeiten wie Gehen, Stehen oder Laufen funktionieren immer weniger, je mehr die Krankheit voranschreitet. Medikamente gibt es nicht, eine Heilung ist nicht möglich. Durch den Sport kann Tay-Sachs nur aufgehalten werden.

Verlauf, Diagnose und Symptome von Tay-Sachs sind nach ihren ‚Entdeckern‘ benannt. Der britische Augenarzt Warren Tay und der US-amerikanische Neurologe Bernard Sachs dokumentierten im Jahr 1881 bzw. 1898 erstmals dieses Krankheitsbild.

Von der Muskelschwund-Art „Tay-Sachs“ sind nur 13 Familien in Deutschland betroffen. Birgit Hardt vom Verein „Hand in Hand gegen Tay-Sachs und Sandhoff“ schätzt aber, dass es auch eine Dunkelziffer gibt. „Ich weiß von einem Fall in unserer Nähe, diese Leute wollen gar nicht mehr rausgehen. Die Ärzte dürfen uns nichts sagen… Und wenn man dann nur noch zuhause bleibt… dann ist eigentlich schon Ende.“ Sie und ihr Mann wollen ein bundesweites Netzwerk aufbauen, auf die se unheilbare Krankheit aufmerksam machen, aufklären, Lobbyarbeit betreiben. Eine „europäische Familienkonferenz“ hat es schon gegeben. „Wir wären fast in 2 oder 3 Studien reingekommen, aber: – sie macht eine Pause – wir sind zu wenige.“ Sie klingt verärgert. Der Biochemiker Konrad Sandhoff ist einer der wenigen, die Forschung zu den beiden Krankheiten Tay-Sachs und Morbus Sandhoff betreiben. Dazu hat er die Gehirne toter Kinder untersucht und 1968 das erste Mal dazu publiziert. In Nervenzellen des Kleinhirns fehlt ein Enzym, das, vereinfacht gesagt, die Zellen bei gesunden Menschen „reinigen“ würde. Weil bei Tay-Sachs- und Morbus-Sandhoff-betroffenen Personen dieses Enzym fehlt, bilden sich in den Zellen Ablagerungen, die Zellen sterben im Laufe der Zeit ab. Da das Kleinhirn für die Koordination des Bewegungsapparates zuständig ist, macht sich die Krankheit durch Lähmungen oder gestörte Bewegungsabläufe bemerkbar. Eine Behandlung ist auch deshalb schwierig, weil mögliche Medikamente die Blut-Hirn-Schranke überwinden müssten. Die Aktivistin Birgit Hardt und ihre Mitstreiter-/innen hoffen auf eine Gentherapie von Professor Tim Cox der Universität Cambridge, bei der Vektoren des Gens umprogrammiert werden sollen, damit es keine Mutation mehr gibt, bzw. diese keine Auswirkungen mehr hat. Frühestens im Jahr 2018 könnte es eine Behandlung gegen Tay Sachs oder Morbus Sandhoff geben.

Zurück in der Sporthalle der Martin-Luther-King-Gesamtschule Dortmund-Dorstfeld. Ein surrendes Geräusch, tock – tock – tock. Flink rollen die Rollstuhlfahrer dem Federball nach. Mit einer Hand am Rad, mit der anderen Hand am Schläger. Die Bälle fliegen höher und weiter – und die Spieler treffen. Es ist ruhiger in der Halle als am Anfang, die Sportlerinnen und Sportler konzentrieren sich, Spannung liegt in der Luft. Eine schnelle Drehung mit dem Rollstuhl – Peng! macht es auf dem Schläger. Die Rollstuhlfahrer in der ersten Hallenhälfte gehören zum Leistungskader der Rollstuhl-Badminton-Spieler. Sie werden am Wochenende zu einem Wettbewerb nach Hannover fahren, zwei der Sportler später sogar zu den Paralympics.

In der 2. Hallenhälfte geht es lauter zu; hier wird hauptsächlich zum Spaß und zur Freude an der Bewegung gespielt; im Doppel oder Einzeln. Jede-/r freut sich, mal ein Match zu gewinnen; aber am wichtigsten ist allen die Freude am Sport. Spieler kommentieren häufiger die Spielzüge, plaudern kurz miteinander. Manuel spricht kaum, sein Mund steht offen, die Augen aufmerksam nach vorne oben gerichtet, von wo der Ball kommt – doch dann landet das Spielgerät wieder neben seinem Rollstuhl. Seine Mitspielerin ermuntert ihn, weiterzumachen. Seine Mundwinkel gehen nach unten, er wirkt missmutig. Aufschlag, er schlägt den Federball gegen das Netz. „Komm, macht weiter, du schaffst das!“ Wieder Aufschlag. Er lächelt – und trifft den Ball.

Wer als Fußgänger-/in mit Rollstuhlfahrer-/innen Badminton spielt, sollte ein paar Dinge beachten: Rollis brauchen mehr Platz, um zu agieren. Nicht jeder Ball kann immer so leicht getroffen werden; man muss ertragen können, dass ein Ball daneben geht und somit ein Punkt verloren geht. „Wir sind ein Team und deshalb verliere ich auch mal mit dir“, fasst Trainerin Opitz die Verhaltensregeln für Fußgänger-/innen zusammen beim Badminton-Spiel zusammen.

Dann Rundlauf: Alle Spielerinnen und Spieler stellen sich in einer Reihe auf, auf jeder Spielfeldhälfte in gleicher Anzahl. Aufschlag, danach rennt der vorne stehende Spieler auf die andere Seite des Spielfeldes, stellt sich hinten in der Reihe an. Manuels Arme bewegen sich hektisch. Er versucht, pünktlich vorne zu sein, holt weit mit seinem Arm aus, um den Ball zu treffen. „Ihr lauft alle außen rum, nur Manuel darf unter dem Netz durchrollen.“ Und weiter geht’s! Petra Opitz feuert die Spieler-/innen an. Das Spiel wird schneller, manchmal wird auch gelacht, wenn man den Ball nicht trifft. Der zweite Rollstuhlfahrer ist flinker als Manuel.

Während des Trainings wechseln die Spielpartner das Feld. Jetzt spielt Trainerin Petra mit Manuel. Er zittert leicht. Petra sieht ihn freundlich und fordernd an, motiviert ihn. Der Ball fliegt zu Manuel, er hat offene, aufmerksame Augen. Tock – tock- tock – mindestens fünfmaliger Ballwechsel. Das Spiel läuft plötzlich flüssiger als vorher mit der anderen Spielpartnerin. Manuel grinst und lacht. Einmal reißt er die Arme in die Höhe: er hat gewonnen. „Noch 10 Minuten“ ruft die Trainerin. „Spielen wir noch eins?“ fragt Manuel. „Klar!“ Am Ende sagt er: „das geht ganz schön in die Arme. Aber es macht auch großen Spaß.“

Zu Hause stehen Manuels Beine anschließend o-förmig auseinander und zittern leicht. Manuel muss sich am Treppengeländer zur Haustür festhalten. Nur mühsam kann er die wenigen Treppenstufen hinaufsteigen, weil er die Knie nicht richtig biegen kann.. „Als das losging, war ich 18. Aber wir wussten noch nicht, was es eigentlich ist. Ich habe mich immer schwerer getan, zu laufen, habe dann Hilfsmittel benutzt. Mit 22 Jahren musste ich mir dann eingestehen, dass ich nicht mehr selbständig laufen und das Gleichgewicht nicht mehr halten kann.“

Eine lila Tischdecke, eine silberfarbene Schale mit Deko-Sternen, eine durchsichtige Kugelvase mit gelben Rosen. Gepflegt und ordentlich ist es hier, ein gemütliches normales Zuhause möchte diese Familie haben.

Am Tisch sitzen Manuel, seine Mutter und ein Gast. Schwarzes Ledersofa neben dem Tisch vor einer Fensterfront, die den Blick auf den Garten frei gibt. Ein großer LED-Fernseher, mehrere Glasvitrinen. In einer kleineren schmalen Vitrine an der Wand sind Golfbälle. Manuel strahlt, als sein Blick darauf fällt. Die Golfbälle sind seine Erinnerungen an gewonnene Meisterschaften.

Heute kann Manuel ohne jedes Hilfsmittel nur ein paar Schritte gehen, keinen Golfball mehr schlagen. Seine Mutter berichtet von der Schwierigkeit, von Ärzten überhaupt einmal ernst genommen zu werden. „Das geht soweit, dass sie dir vorwerfen, du würdest dir das alles nur einbilden.“ Sie macht eine wegwerfende Handbewegung. Seit ein paar Jahren haben sie nun eine Ärztin im Uniklinikum Essen gefunden, die Manuel „in die Forschung aufgenommen habe.“ Jetzt muss nur alle 3 Jahre eine CT- oder MRT-Untersuchung gemacht werden um zu sehen, was sich im Gehirn verändert hat. Die Untersuchungen in den ersten Jahren nach Ausbruch von Tay-Sachs waren schmerzhaft gewesen, Manuel hatte sich davor gefürchtet. Der Abbau im Körper ist nicht unbedingt schmerzhaft, geht aber schleichend und unaufhaltsam voran.

Von der Missachtung durch Ärzte kann auch Birgit Hardt vom Verein „Hand in Hand gegen Tay-Sachs und Sandhoff“ berichten. Das Ehepaar Hardt hat einen 8jährigen Sohn, der unter Tay-Sachs leidet. Wenn es bei Kindern in einer normalen Entwicklung vorwärts geht, läuft die Entwicklung bei Tay-Sachs-Kindern rückwärts. „Die Kinder wachsen normal auf, lernen Laufen, Sprechen und alles, was ein Kind sonst auch lernt. Mit drei Jahren ging es dann bei unserem Dario los; das Laufen ging immer schwerer, er konnte kaum mehr das Gleichgewicht halten, die Sprache wurde immer verwaschener.“ Birgit Hardt seufzt schwer, ist aber um Sachlichkeit bemüht. An der Sporthochschule Köln konnte Dario dann Übungen mit einer Vibrationsplatte, wie es sie auch in einem Fitnessstudio gibt, machen. „Das hat geholfen, seine Muskeln dennoch zu aktivieren. Und das ist der Grund, weshalb er heute noch laufen kann, auch wenn man ihn dabei an der Hand führen muss. Außenstehenden ist oft nicht klar, dass eine Behinderung beim Laufen nicht gleich Rollstuhlbenutzung heißen muss. „da werde ich von Passanten schon mal gefragt, wo der Rollstuhl sei.“ Man muss immer was tun.“ Sport ist wichtig – so wie beim Badminton-Spieler Manuel.

Drei Formen von Tay-Sachs sind bisher bekannt: die infantile, die juvenile und die adulte Form. Nach Ausbruch der Krankheit bleiben den Betroffenen nur wenige Jahre. Symptome können Epilepsie, Schluckprobleme und Erblinden sein, müssen aber nicht in ihrer Gesamtheit auftreten. Die infantile Form von Tay-Sachs tritt am häufigsten auf und beginnt schon im 6. Schwangerschaftsmonat. Die juvenile Form macht sich zwischen dem 2. und 5. Lebensjahr bemerkbar, je später Tay-Sachs auftritt, desto milder ist der Verlauf. Symptome wie Ataxie (fehlende Koordination der Bewegungen) und Schreckanfälle können auftreten. Seh- und Hörvermögen können erhalten bleiben, wenn dieser Muskelschwund nicht vor dem 5. Geburtstag ausbricht. Die adulte Form taucht meist mit Ende 20 auf.

Der Elektromotor surrt leise zu den Pedalbewegungen. Manuel sitzt auf einem Stuhl, vor sich ein Gestell das aussieht wie ein halber Ergometer, ein halber „Heimtrainer“ ohne Sattel und Sattelstütze. Die Füße stecken in einer Art Schalen, das sind die Pedale, die Füße mit Klettbändern festgeschnallt. Oben ist eine Art Lenker mit Geschwindigkeitsanzeige. „Damit trainiere ich die Beinmuskeln. 30 Minuten lang, einmal pro Tag. Radfahren kann ich nicht, da würde ich zu schnell aus der Puste kommen.“ Er sieht zufrieden aus, lächelt. „Diese Bewegung ist entspannend für mich.“ Keine Hektik mehr, keine Sorge, etwas nicht mehr rechtzeitig zu erreichen, keine Angst mehr, dass etwas nicht mehr gelingen könnte. Zu Hause ist Manuel gesprächiger als in der Turnhalle, spricht flüssiger, erzählt gerne von sich und seiner Familie. Durch seine Krankheit sind viele Freundschaften zu Bruch gegangen, manche haben ihn als Chauffeur für Discobesuche ausgenutzt oder gar „abgefüllt.“ „Solche Freunde brauche ich dann nicht. Ich habe derzeit auch keine Freundin, denn die müsste mich so akzeptieren, wie ich bin.“ In der Fachhochschule, wo er nun im 2. Semester Betriebswirtschaft studiert, sind die Leute höflicher, freundlicher und hilfsbereiter. Und vor allem nicht so oberflächlich.

Nebenan ist sein eigener privater Bereich. Auf den ersten Blick wirkt Manuels Zimmer wie das eines jeden jungen Menschen: Ein Bett, ein Schreibtisch in der Ecke, ein Fernseher, eine PlayStation auf dem niedrigen Schrank vor dem Fernseher. In einem Halbkreis aufgereiht stehen neben der PlayStation volle Cola-Dosen mit den Logos aller Bundesliga-Vereine. „Ich liebe Fußball. Nur RB Leipzig fehlt. Und ich bin BVB-Fan. Aber ich finde es mies, was der BVB mit den Behinderten macht. Wenn ich eine Karte wollte, müsste ich 10 Jahre warten.“ Behindertengerechte Zuschauerplätze im Westfalenstadion sind rar.

Auf der Fensterbank überraschen ein paar Deko-Äpfel in bronze-glänzender Farbe. Manuel lacht. „ich bin Apfel-Fan“ und zeigt sein Handy. Mit dem kann er auch den Fernseher und das Licht aus- und anschalten. Deko-Äpfel im Zimmer eines 25-jährigen sind schon was Außergewöhnliches.

Beim Sofa fehlen die Sitzpolster, darauf liegen mehrere Fernbedienungen, Kopfhörer und eine Tasse mit Naschzeug. Es ist der einzige unordentliche Platz im Zimmer. Nur eines ist außergewöhnlich: der 2. Rollator. „Damit ich den vom Erdgeschoss nicht immer mit hochnehmen muss.“ Weil Treppensteigen für Tay-Sachs-Betroffene sehr schwierig ist, benutzt Manuel einen Treppenlift. „Den mussten wir selbst bezahlen. Genauso wie das Trimm-Dich-Rad und das Ladesystem fürs Auto. Das ist eine Frechheit. Und dabei sind wir privat versichert.“ Sein Auto hat er so umbauen lassen, dass er ein elektrisch betriebenes Ladesystem für den Rollstuhl zur Verfügung hat und beim Fahren alle Hebel mit der Hand bedienen kann. Am Lenkrad ist ein Handknauf für sicheres Lenken, rechts daneben ein zusätzlicher Hebel. „Die Beine habe ich nicht mehr so gut unter Kontrolle, deshalb habe ich jetzt auch Handgas.“ Mit dem Auto fährt er zu den Vorlesungen in der Fachhochschule Dortmund. „Mit dem Zug kann ich nicht fahren, weil der Hauptbahnhof Dortmund nicht behindertengerecht ist.“ Seit Jahren fehlen dort die Aufzüge.

Der Kofferraum des Scoda Roomster ist fast voll. Ein Metallgestänge rechts, das ist Ladesystem, waagrecht das Gestell des zusammengeklappten Rollstuhls. Der Kofferraum ist mit dem Rollstuhl voll beladen.

Wenn Manuel unterwegs ist, braucht er den „e-motion-Rollstuhl.“ Der elektrische Antrieb erfolgt zu 70%, den Rest muss Manuel selbst bewältigen. Der Alltagsrollstuhl wird durch Austausch der Räder zum e-motion-Rollstuhl. „Der wiegt dann mal locker 60 Kilo. Deshalb brauche ich auch das Ladesystem am Auto.“ Seine Mutter wird nicht müde, sich über die Krankenkasse zu beschweren, was sie alles nicht genehmige. „Dabei hat die Professorin in Essen einige böse Briefe geschrieben.“ Sie sieht dabei ausdruckslos aus, der Ärger ist aber dennoch anzumerken.

Auch Parken sei ein Problem. Manuel hat den Ausweis für den Behindertenparkplatz, dennoch darf er sich oft dumme Bemerkungen anhören, ob er denn wirklich zum Parken berechtigt sei. Sie rege sich nicht mehr auf, sage nichts mehr, meint seine Mutter. Ihre Mundwinkel gehen nach unten. Manchmal könne man echt denken, es gäbe nur Idioten.

Manuel sitzt wieder am Tisch mit der lilafarbenen Tischdecke, die Falten wirft. Seine Mutter spielt mit dem Gast, den sie beruflich betreut, Karten. Manuels Alltag hat sich in den letzten Jahren stark verändert, der Alltag läuft nicht mehr so glatt und reibungslos wie vor dem Ausbruch von Tay-Sachs, aber er sieht nach vorn. Das Studium gibt ihm Zuversicht, dass es weitergeht, das Badminton-Spiel macht ihm Spaß. „Aufgeben werde ich nie. Und ich möchte so gern mal wieder im Stadion beim BVB sein.“ Das Leben: es geht weiter, auch wenn der Golfball nicht mehr ins Loch rollt.

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Allgemein, Weihnachten

Robert Gernhardt: Die Geburt. Weihnachten mal anders

Dieses Jahr wäre ein toller Autor 8o Jahre alt geworden:Robert Gernhardt. Im Gegensatz zu Eugen Roth sind seine Texte nicht nur witzig, sie haben auch keinen erhobenen Zeigefinger. Nichts wird moralisch überhöht und kritisiert, sondern mit feiner Ironie kritisiert. Das erfordert bei manchem und manchem natürlich etwas Denkleistung. Und Denken ist anstrengend, manch gewonnene Erkenntnis ist nicht unbedingt angenehm.

Ein Interview zu Robert Gernhardts Komik:

http://www.deutschlandfunkkultur.de/80-geburtstag-von-robert-gernhardt-komik-als-lustgewinn.1008.de.html?dram:article_id=403059

 

Auch zu WEIHNACHTEN hat sich Robert Gernhardt geäußert. Oder doch nicht? Bei dem vielen Kitsch ist das Gedicht „Die Geburt“ ein sehr gutes Stück Kunst und Lyrik. 😀

 

Die Geburt

Als aber in der finstern Nacht

die junge Frau das Kind zur Welt gebracht,

da haben das nur zwei Tiere gesehn,

die taten grad um die Krippen stehn.

 

Es waren ein Ochs und ein Eselein,

die dauerte das Kindlein soklein,

das da lag ganz ohne Schutz und Haar,

zwischen dem frierenden Ehepaar.

 

Da sprach der Ochs: „ich geb dir mein Horn.

So bist du wenistens sicher vorn.“

Da sprach der Esel: „Nimm meinen Schwanz,

auf daß du dich hintenwehren kannst.“

 

Da dankte die junge Frau, und das Kind,

empfing Hörner vorn und ein Schwänzlein hint.

Und ein Hund hat es in den Schlaf gebellt.

So kam der Teufel auf die Welt.

 

aus: Robert Gernhardt. Reim und Zeit. Gedichte. Reclam-Verlag, S. 103.

 

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Allgemein, Weihnachten

Wie ich mir Weihnachten wünsche

..und das nicht nur im Jahr 2o17.

Dieser Kommentar wurde auch in der Sendung „Heiligenmorgen“ am 24.12.2o17 von 9-12 Uhr auf eldoradio* UKW Dortmund 93.o und http://www.eldoradio.de gesendet.

Weihnachten? – Nein danke!

Schneebedeckte Hügel, kleine Häuschen in einem Tal, eine Kirche, geschmückte Weihnachtsbäume im und am Haus, so stellen sich viele Weihnachten vor. Dazu traditionelles Essen, meist Braten, viele Geschenke und alle sind freundlich und gut zueinander.

Störgeräusch

Aber so ist Weihnachten nicht. Erst recht nicht dort, wo ich aufgewachsen bin. „Zuhause“ ist das für mich schon lange nicht mehr.

Der Heiligabend lief jedes Jahr nach dem selben Schema ab:

Morgens aus dem eigenen Waldgrundstück einen Baum holen. Keine schöne Tanne mit weichen Nadeln, nein eine kratzige Fichte. „Picea abies“, wie das Kraut in der botanischen Fachsprache heißt, ist auch noch „Baum des Jahres 2017. Dieses häßliche Ding! Dann zuhause schmücken, Mittag essen… danach mußten wir Kinder ins Bett, weil das Christkind und meine Mutter in geheimer Mission im Wohnzimmer zugange waren. Um 17 Uhr war Pflichttermin: Gottesdienst. Und nicht nur einer.

Gut, das gemeinsame Schmücken vom Baum hat auch mir Spaß gemacht. Und sicher hat mir auch das eine oder andere Geschenk gefallen. Aber immer diese Gier, mit der sich alle auf die Geschenke stürzten, zum Kotzen. Und warum, warum immer so ein Theater ums Essen?  Wird hier für die Bundeskanzlerin gekocht?? -“Neeein, hier fehlt noch etwas Sahne!“ – „Spinnst du, da kommt doch kein Essig rein!“ – „Mußt du wieder die Tischdecke vollsauen?!“ – „nein, pass auf! Die Zuckerdose fällt gleich in die Schüssel!“ 

 Zum Essen daheim kamen immer noch die Verwandtenbesuche. Ständig ist man im Streß: weil man immer zum Gottesdienst rennen muß (und wehe, man kommt zu spät), weil man kochen und den Saustall in der Küche wieder aufräumen muß (und wehe, es bleibt auch nur ein Krümel Dreck auf der Arbeitsplatte) oder weil man selbst essen muß. Selbst freundlich vorgetragene Kritik  darf nicht vorgebracht werden: aber nein, niemals! Jedes noch so verbrannte oder einfach ungeliebte Essen (Rote Bete – bääääh!) muß gelobt werden. Ebenso dürfen Geschenke nicht zurückgegeben werden, auch wenn man die pinke Bluse am liebsten verbrennen würde.

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Weihnachten, das stelle ich mir anders vor. Weg von der Verlogenheit, daß alles immer perfekt sein muß. Weg von dem Zwang, zur Kirche zu gehen. Wenn man nicht mehr an den angeblich existierenden Gott glaubt: warum soll ich dann zur Kirche gehen? Nur, um auf dem Land „gesehen“ zu werden und „mein Ansehen“ zu wahren?

Mein Weihnachten würde so aussehen: im Freundeskreis sich treffen, gemeinsam essen. Das erfordert schon auch Organisation und Vorbereitung, aber wenn mal der Salat nicht so gelungen ist – dann wird das in der Runde zwar gesagt, aber es ist keine Katastrophe. Nach dem Essen muß auch nicht gleich hektisch aufgeräumt werden, weil am nächsten Tag schon die nächste Fressrunde – äh das Festessen mit den Verwandten ansteht. Stattdessen kann man einfach noch schön zusammen sitzen und sich unterhalten, Bier trinken. Echte Zuwendung, echter „Friede auf Erden“, wie er in der Weihnachtsbotschaft ständig herausposaunt wird, der ist dann möglich. Weil keine und keiner ständig mit Äußerlichkeiten beschäftigt sind. Und wer mag, der trifft sich am 2. Weihnachtsfeiertag zum Spaziergang oder einer kleinen Radtour. Das wäre mein Weihnachten.

Aber leider denken viele hier immer noch traditionell. Deshalb bleibe ich an Weihnachten alleine.

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Seit Jahren marode: die Rad-Infrastruktur im Stadtgebiet Dortmund. 1. Kinder- und Jugendsternfahrt macht auf Gefahren für Radfahrer-/innen aufmerksam.

Eigentlich war nur geplant, als Ordnerin bei der Jugendsternfahrt heute am Sonntag, den 10. September 2017 in Dortmund dabei zu sein. Was heute jedoch zu hören war, ist so sagenhaft, daß es eines Kommentars bedarf. Denn die getroffenen Aussagen sind so von Unwissenheit und Gedankenlosigkeit geprägt, daß es jeden vernünftigen Menschen verägert und wütend macht. Diese Aussagen wurden auch nicht von irgendwelchen zufällig befragten Passanten getroffen, sondern von Amtspersonen. Genau diese sollten sich eigentlich genauer überlegen, WAS  sie sagen. Unreflektiert oder einseitig irgendwas daherreden, das kann gerne am Stammtisch gemacht werden – aber nicht bei einer Kinder- und Jugendsternfahrt. Erwachsene haben immer noch eine Vorbildfunktion für die Heranwachsenden.

26 Räder wurden gezählt, schade, daß es nicht mehr waren. Auch waren mehr Erwachsene als Kinder dabei. Es hatte auch Zubringer-Routen gegeben, d.h. man trifft sich im Stadtteil an einem vorher bekanntgegebenen Punkt und ein-/e Tourenleiter-/in führt dann die Gruppe zum offiziellen Startpunkt. Schade, aus einigen Stadtteilen kam außer den Tourenleiter-/innen niemand mit. Der ADFC Dortmund hatte das ganze vorbereitet, die ADFC-Jugend war der Ausrichter dieser Sternfahrt. Für ihre Arbeit und Organisation an dieser Stelle ein Lob – allerdings wäre es sinnvoll, beim nächsten Mal über eine andere Vorgehensweise nachzudenken, wie man für die Sternfahrt wirbt. Allein die zeitweise dunklen Wolken waren heute nicht für die mangelnde Anzahl an Teilnehmer-/innen für die Sternfahrt verantwortlich. Es blieb während der gesamten Sternfahrt trocken.

Um 14 Uhr startete die Kinder- und Jugendsternfahrt der Radfahrjugend des ADFC Dortmund am Fritz-Henßler-Haus. Zu meiner Verwunderung fuhren 5 (später 6) Polizei-Motorräder mit, vorneweg ein Polizeiauto. Motorräder sind ja noch ok, weil es Zweiräder sind. Auch bei der Critical Mass in Nürnberg fährt die Polizei mit Motorrädern mit. Aber warum ein Polizeiauto vorne? Sehr glaubwürdig ist das nicht.  Warum fährt niemand von der Fahrradstaffel der Polizei Dortmund mit?

Auf Nachfrage wurde mir gesagt, daß die Fahrradstaffel nur 7 Beamt-/innen inne habe. Sie seien heute alle im Einsatz. Naja, das kann man als Zivilistin jetzt nicht nachprüfen. Polizisten und Polizistinnen auf Fahrrädern wären wesentlich glaubwürdiger und gleichberechtigte Teilnehmer-/innen gewesen. Bei der Critical Mass Essen vergangenen Herbst war die Fahrradstaffel auch mal dabei gewesen und hatte ein positives Fazit der Tour gezogen. Also, geht doch.

Während der Sternfahrt gab es am Hauptbahnhof, im Kreuzviertel am Theodor-Fliedner-Heim und am Jugendamt Aktionen und Kundgebungen. Die Jugendfeuerwehr zeigt die Rettung eines Verletzten, die Naturfreundejugend veranstaltete ein Quiz zum Wissen über Verkehrsregeln.Die Kinder- und Jugendsternfahrt soll auch Spaß machen und nicht nur Protest sein. Die Forderungen der Radfahrjugend stand auf Stoffbannern geschrieben und wurde von den Kindern und Jugendlichen an den einzelnen Stationen hochgehalten: „radfreundliche Ampelschaltungen,“ „Weg mit Pollern, denn sie zerstören Leben“ „gute Fahrradparkplätze statt Felgenbrecher“ u.a. war darauf zu lesen. Diese Forderungen der ADFC-Jugend können nur unterstützt werden. Aber werden sie von der Stadt Dortmund und der Polizei auch ernst genommen?

 

Und natürlich wurden alle diese Forderungen von den Verantwortlichen mit einem verständnisvollem Lächeln zur Kenntnis genommen; man sei ganz der Meinung der Kinder und Jugendlichen. Schöne Symbolpolitik. Toll.

Was danach von seiten der Polizei und später dem Jugendamtsleiter folgte, war jedoch sagenhaft: anstatt sich der Probleme des Radverkehrs WIRKLICH! anzunehmen, wurde wieder mit der unseligen Helmdiskussion begonnen. Ich habe eigentlich keine Bock mehr auf diese Diskussion. Ja genau! Wir Radfahrerinnen und Radfahrer haben diese verdammte Symbolpolitik, die nur an den Symptomen herumdiskutiert und nur punktuell Linderung bringt anstatt die Ursachen zu bekämpfen, gründlich satt!

Glauben Sie ernsthaft, Polizei und der Herr Jugendamtsleiter, daß ein Helm Kinder und Jugendliche – und auch die Erwachsenen – ernsthaft im Alltags-Radverkehr komplett schützt???

Sehen Sie nicht, wie schmal die Radwege sind, in welchem miesen Zustand (Oberfläche marode, Rillen, uneben wegen Baumwurzeln, verdreckt durch Glasscherben etc.)??? Merken Sie nicht, daß es diese schlechten Wege sind, die das Radfahren in Dortmund gefährlich machen?

Merken Sie nicht, daß dem Autoverkehr seit Jahrzehnten eine Vorrangstellung eingeräumt wird, sprich: dass die meisten Straßen nur für Autos gebaut sind und werden? Dass diese Vorrangstellung dazu führt, daß Autofahrer-/innen eine Narrenfreiheit verspüren und somit Radfahrer-/innen zu eng überholen, schneiden, unachtsam die Autotür aufreißen, so daß man dagegen fährt, die Fahrradwege so selbstverständlich zuparken, als ob es ein ausgeschriebener Parkplatz wäre???

DAS SIND DIE WAHREN URSACHEN FÜR DIE GEFAHREN, die radfahrende Kinder und Jugendliche in Dortmund bedrohen! Mit dem Tragen eines Helms kann man diesen Gefahren nicht begegnen.

Der VCD (Verkehrsclub Deutschland) macht ebenfalls darauf aufmerksam: https://www.vcd.org/themen/radverkehr/helmpflicht/

Andere Länder – ich glaube, eins ist sogar der direkte Nachbar des Bundeslandes Nordrhein-Westfalen und hat noch eine Monarchie – lachen über uns Deutsche, die sich freiwillig eine häßliche Styropor-Kugel auf den Kopf stülpen. Dort trägt kaum jemand Helm, denn es ist schlicht und einfach nicht notwendig. Wer sich sicher auf der Straße und im Stadtverkehr fühlen kann weil sie oder er nicht befürchten muß, daß man vom Autofahrer (oder der Autofahrerin) wieder abgedrängt, aus dem offenen Fenster heraus beleidigt und angeschrien wird, der oder die braucht keinen Helm!

Wir Radfahrerinnen und Radfahrer wollen wie alle Bürger-/innen eine lebenswerte Stadt, bei der wir Zweiradfahrer ohne Motor gleichberechtigt sind. Ein Großteil von uns hat keinen Bock mehr, immer dem Autoverkehr das von den „Motorsportfreunden“ empfundende Vorrecht auf Platz und Existenz einzuräumen. Das Ende unserer Geduld ist ERREICHT. Nicht umsonst gibt es den Allgemeinen Deutschen Fahrradclub ADFC, die Initiative VeloCityRuhr, Bündnis RadFairkehr und IbikeNürnberg (beide letztere in Nürnberg ansässig), die Critical-Mass-Bewegung (> http://www.itstartedwithafight.de & http://itstartedwithafight.de/critical-mass-deutschland/ )

 

Wohlgemerkt: ich bin nicht gegen den Fahrradhelm an sich, aber dieses ständige, gebetsmühlenartige Verkünden des Helms als Allheilmittel gegen alle Gefahren für Radfahrerinnen kotzt mich gewaltig an. Den Kindern wurde heute ein völlig falsches Bild vermittelt: mit dem Helm allein bist du sicher. Eben nicht. Es sind die schlechten Wege, die Arroganz, die Aggressivität und die Ungeduld vieler Autofahrer-/innen, die Kinder und Jugendliche – und alle radfahrenden Menschen – in Dortmund und anderswo gefährden.

Ein Teilnehmer und Bekannter von mir trägt aus Überzeugung Helm – aber es fällt ihm nicht ein, mir ständig erzählen zu müssen, ich solle auch einen tragen. Fahrradhelm zu tragen ist die eine eigene freie Entscheidung – und keine Pflicht.

Es ist absolut nicht nachvollziehbar, weshalb bei der Station am Polizeipräsidium nur über der Helm als sinnvolles Mittel für Verkehrssicherheit angepriesen wurde. Die Krönung erfolgte dann noch dadurch, daß der Polizeibeamte Sch. die Angebote für Fahrradhelme bei Discounter-Supermärkten als preisgünstige Modelle empfahl. (Dass der Verkehrsunterricht für die Grundschüler-/innen zu erwähnen und zu würdigen ist, steht außer Frage).

Aha. Und die Polizeiuniformen werden bei C&A bestellt. Ich dachte bisher immer, daß der Polizeidienst körperlich so anstrengend sein kann, daß die Jacke und Hose mehr aushalten müßten als nur einen einfachen Schlag mit Händen oder Beinen. Die Polizei glaubt doch nicht ernsthaft, daß ein Helmmodell vom Discounter seinen Zweck – dem Schutz des Kopfes (und nur des Kopfes, nicht den Schutz von Armen, Beinen oder überhaupt des Körpers!)- erfüllen kann?!?

Es ist schon klar: die Polizei kann die Verkehrsinfrastruktur nicht zu einer radfreundlichen Umgebung machen. Das ist die Aufgabe der Stadtverwaltung. Was die Polizei aber tun kann: sich mehr – oder überhaupt! – sich mit den Belangen von Radfahrer-/innen befassen! Eine Teilnehmerin nahm das Angebot, Fragen an die Polizei zu stellen, an. Die Antwort auf ihre Frage war kurzsichtig und nur eine Ausrede. Sie war für einen begangenen Fehler von 2 Streifenpolizisten gemaßregelt worden. Dabei ging es nicht darum, daß sie ihren Fehler nicht einsehen wollte; es ging um die Art und Weise, wie die beiden Beamten mit ihr umgegangen waren: sie ließen die Radfahrerin, nachdem sie diese angehalten hatten nicht ausreden , hörten ihren Argumenten nicht zu, machten sie nur runter. Toll gemacht. So stärkt man das Ansehen der eigenen Behörde. Glückwunsch. Und dann noch Geldstrafe androhen. Man hatte grad den Eindruck, die beiden hätten Spaß an ihrer Maßregelung. Hätten die Beamten sich auch nur genauer die Stelle Kreuzung Bornstraße/Heroldstraße angeschaut hätten sie gemerkt, wie schlecht die Verkehrsführung für Radfahrer-/innen dort ist. Kein-/e! Autofahrer-/in würde es dulden, große Umwege fahren zu müssen! Auch wir Radfahrer-/innen haben das Recht, zügig und sicher zum Ziel zu kommen! Wehe es ist mal eine Umleitung… sofort beschwert sich ein Autofahrer. Und wir Radfahrer-/innen sollen das Maul halten. Nee, bestimmt nicht!

Sich die Verkehrsführung genau ansehen, das würde konkret heißen: breiterer, sicherer Übergang der Herolstraße über die Bornstraße für Fußgänger-/innen UND RADFAHRER-/INNEN. Genügend lange Ampelschaltungen damit man als Radfahrer-/in nicht unfreiwillig mit den manchmal sehr langsamen Fußgänger-/innen ins Gehege kommt. Wegen ein paar Schnarchnasen hat auch ein Radfahrer weder Lust noch Zeit, in der Mitte auf der Vekehrsinsel zusätzlich warten zu müssen. Und im übrigen sind wir nicht der emotionale Mülleimer für niemanden, auch nicht für Polizisten. Im o.g. Fall konnte man den Eindruck gewinnen. Es war wie ein Machtmißbrauch: anstatt sich mit der Sache wirklcih zu befassen, wird eine Radfahrerin beschuldigt. Dabei hat sie sich höflich verhalten – was von der Polizei ja gefordert wird. Leider war die Reaktion unverschämt, unhöflich und von Nichtwissen und Gedankenlosigkeit geprägt. Das erzeugt statt Achtung nur Wut für diese Polizeibeamten beim Bürger.

Es geht dabei nicht darum, die Polizei im gesamten zu diskreditieren. In anderen Situationen hat diese Radfahrerin und Bürgerin gute Erfahrungen mit der Polizei Dortmund gemacht.

Zwei Sternfahrt-Teilnehmerinnen und Erzieherinnen machten auf die miese Verkehrssituation an ihrem Arbeitsort, der Kindertagesstätte am Theodor–Fliedner-Heim, aufmerksam. Zu kurze Ampelschaltungen, Autofahrer-/innen, die sich nicht an Geschwindigkeitsbegrenzungen halten, gefährden das Leben nicht nur der Kinder (meist unter 3 Jahren), sondern auch die der Senioren im Theodor–Fliedner-Heim.  Seit 6 Jahren ärgern sich die Erzieherinnen schon über diese Verkehrssituation. Passiert ist bisher – nichts. Dabei sind Kinder (und Jugendliche) der Gesellschaft doch angeblich soviel wert: wenn die Nachricht einer Kindesentführung oder gar Mord die Runde macht, ist die Welle der Empörung groß, die/der Täter-/in muß gar Morddrohungen fürchten. Die Gefahr, von einer Blechkiste getötet zu werden, wird offensichtlich stark unterschätzt….

An der Station beim Jugendamt war zu bemerken, daß der Leiter dieses Amtes zwischen Alltags- und Reiseverkehr mit dem Rad nicht zu unterscheiden weiß. Auch er lobte die Kinder ausschließlich dafür, daß sie Helme trugen. Er betonte, daß seine Behörde sich für die Belange von Kindern einsetze. Letzteres ist zweifelsohne zu würdigen. Nach der Logik des Helmtragens müßte meine Generation – noch vor 1990 geboren – nahezu ausgestorben sein. In den 1980er und 1990er Jahren dachte niemand an einen „Fahrradhelm.“

Aber bitte, warum kommt der Jugendamtsleiter mit dem Skifahren in seiner Freizeit daher, wenn es um die Frage geht, ob man im ALLTAGSverkehr Helm trägt oder nicht??? Es ist ein riesen Unterschied, ob im ich im Alltag mit dem Rad unterwegs bin oder ob ich (Rad-)Sport in meiner Freizeit betreibe! Wie ein anderer Teilnehmer heute richtig sagte: „ich will im Alltag sicher unterwegs sein können, ohne mich panzern zu müssen.“ Daraufhin fiel dem Jugendamtsleiter und Helmfreund nichts mehr ein. Beim ADFC Nürnberg besteht z. B. nur bei Mountainbiketouren Helmpflicht. Der Grund liegt klar auf der Hand: hier handelt es sich um Sport, um die Fahrt in unebenem Gelände, das mehr und echte, weil andere Gefahren birgt als der Straßenverkehr. Bei Rennradtouren empfiehlt sich auch das Tragen eines Helms. Aber wegen ein paar Kilometer zur Arbeitsstätte oder zum Einkauf? – Nee!

 

Daher noch einige Forderungen an den Jugendamtsleiter und manche Damen und Herren in Uniform, oder sagen wir mal, Tips, die heute ausgeblieben sind:

  • setzen Sie sich, wenn Sie als Polizeibeamter/in nicht der Fahrradstaffel angehören, öfter mal auf´s Rad und fahren Sie durch die Stadt. Was spüren Sie, was fällt Ihnen auf? Wie reagieren die Autofahrer-/inne auf Sie als Radfahrer-/in?
  • >>> Na, mal wieder unfreiwillig über Glasscherben gefahren?  >>> Plötzlich überrascht gewesen, weil der Radweg – noch dazu benutzungspflichtig – ohne Vorwarnung endet und man plötzlich ungeschützt auf der Fahrbahn steht? >>>Einem herannahendem Auto (das eher selten die vorgeschriebenen 50 km/h fährt) fast einen „Kuß“ an die Breitseite gegeben? >>> Plötzlich gewundert, daß eine Blechkiste den – meist benutzungspflichtigen Radweg ,den Sie gerade befahren, versperrt?

Eine Aktion gegen Falschparker als freundlicher Hinweis. Danke an den VCD. Diese einfache Karte löste bei der Ablage auf die Windschutzscheibe sogar schon Wutgeschrei aus, als ob man den heiligen Sportwagen zerkratzt hätte.

  • Achten Sie verstärkt darauf, wie Autofahrer-/innen sich gegenüber Radfahrer-/innen verhalten. Auch wenn es in der Radfahr-Zunft Chaoten gibt: die meisten Unfälle werden durch den motorisierten Verkehr verursacht. Wir Zivilisten, die wir Radfahrer-/innen nunmal sind, dürfen es nicht, aber die Polizei dürfte es: die Raser, Drängler, Radweg-Blockierer (die „nur mal schnell Zigaretten holen wollen – interessanterweise sind es meist Männer), die Brüller und Schreier, die Radfahrer-/innen bedrohen:  festhalten.
  • Und dann: In einen Raum setzen, zum Schweigen bringen – und sie zwingen, daß sie uns Radfahrer-/innen zuhören.
  • Radfahrer-/innen sollten dabei vorne stehen und den „motorsportfreunden“ mit ruhigen Worten und einer Präsentation erklären, warum sie wie gefahren sind und warum es – tatsächlich oder scheinbar – zum Konflikt mit den anwesenden Autofahrer-/innen gekommen ist.  Auch wenn noch nicht wirklich was passiert ist, selbst nicht ein kleiner Lackschaden, ist die Situation im alltäglichen Straßenverkehr so aufgeheizt, daß selbst ein ruhiger sachlicher Ton nicht mehr beim Gegenüber ankommt. Na dann…. braucht sich kein Autofahrer/keine Autofahrerin mehr wundern, wenn die Wut bei radfahrenden Menschen steigt und steigt.
  • In Berlin ist die Situation schon so weit eskaliert, daß Radfahrer-/innen sich nicht mehr an Regeln halten. Irgendwann hat man keine Geduld mehr. Es werden immer mehr Menschen, die erkennen, daß man mit dem Rad die meisten Alltagswege zurücklegen kann. Und nun fordern sie ihr Recht, ihre Gleichberechtigung auf den Straßen. Das heißt für Berlin UND DORTMUND: man muß dem Autoverkehr Platz wegnehmen! Denn bisher hat der radfahrende Mensch viel zu wenig Platz! Leider sind viele Lokalpolitiker-/innen dazu nicht mutig oder nicht willens genug. Auch die erfolglose Suche nach Bauingenieur-/innen bei der Stadt Dortmund spielt eine Rolle, wie zu erfahren war.

 

  • Hören Sie zu, bevor Sie verurteilen oder beurteilen. Die beiden o.g. Beamten im Mai an der Kreuzung Herold-/Bornstraße waren leider nicht fähig dazu. Meistens sind Radfahrer-/innen einsichtig, weshalb sie einen Fehler gemacht haben sollen. Keine-/r macht gern oder aus Mutwillen Fehler. Aber an vielen Stellen ist die Verkehrsführung so beschissen – man muß es so deutlich sagen – dass man Fehler machen muß. Ja, Sie haben richtig gelesen! Wenn der benutzungspflichtige Radweg mit Glasscherben voll ist fahre ich NICHT darauf, wenn es nur eine Fußgängerampel gibt, obwohl es eine im FAHRRADSTADTPLAN eingezeichnete Route ist, fahre ich verdammt noch mal dort entlang!
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  • An dieser Stelle sei bemerkt: Radfahren heißt nicht rasen, sondern fahren, also die Fußgänger-/innen leben lassen und ihnen ein Existenz- und Platzrecht gewähren.

 

  • Dringend: eine Änderung in der Fahrschullehrer-Ausbildung! Wie oft wird man selbst von Fahrlehrern angeschrien und wie ein lästiges Insekt behandelt daß sie am liebsten tot schlagen möchten. Und dazu eine verpflichtende Nachschulung von bereits ausgebildeten Fahrlehrern, damit sie die Belange des Radfahrers/der Radfahrerin nicht nur kennenlernen, sondern diese ihnen auch bewußt werden!

 

Nach all diesen Erfahrungen – ich fahre schon seit über 20 Jahren 99% meiner Alltags- und Reisewege mit dem Rad – kann ich mich über unser Land nur wundern. Deutschland = Fahrrad-Entwicklungsland. Als ob Piech, Zetsche & Co. sich über den Bau und Verkauf von Postkutschen  statt Autos Gedanken machen. Und die „Pferde“ heißen dann „Opel Kadett“, „VW Touran“, „Mercedes C-Klasse“, „Audi TT“ usw. Ah ja. Seltsam nur, daß dann keine Pferdekacke auf den Straßen rumliegt. Dafür gibt es jede Menge unsichtbaren Feinstaub, der die Menschen immer kränker macht. Ist eben nicht sofort und nicht so deutlich sichtbar, als wenn jemand droht, an Ebola zu krepieren oder mit einer Waffe zu schießen. Angeblich sind allen doch die Kinder und Jugendlichen bei der Sternfahrt in Dortmund heute so wichtig… warum gibt es dann keine radikalen Verändungen und Verbesserungen in der Fahrradinfrastruktur? Fahrräder machen weder Dreck noch nehmen sie soviel Platz weg wie die immer größer und wuchtiger werdenden Autos (SUV und ähnlicher Unsinn in der Stadt). In den meisten Blechkisten sitzt nur ein Mensch, der durch die Stadt fährt. Und das bei mind. 4 Sitzplätzen. Ganz schön effizient und sinnvoll.

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Der Helm soll´s richten mit der Sicherheit. Tut er aber nicht. Was wirklich schützt ist eine fahrradfreundliche Verkehrsinfrastruktur. Und die ist eben komplizierter und aufwendiger als die Bestellung von x Helmen. Darüber freut sich nur der Hersteller, aber es nützt kein-/eRadfahrerin wirklich.

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Für bessere Luft, erst recht in den Städten: die Forderung des ADFC Nordrhein-Westfalen. https://www.adfc-nrw.de/fahrradland-nrw.html

 

Zur Situation Autofahrer-/innen und Radfahrer-/innen:

Was nicht nur Kinder und Jugendliche beim Radfahren schützt und was nicht:

http://www.zeit.de/mobilitaet/2017-06/radfahren-grossstadt-strassenverkehr-gefahren-bloggerin-interview

Und auf dem Blog: http://www.radelmaedchen.de

http://www.fr.de/panorama/verkehrssicherheit-fahrradhelm-hilft-aber-a-1347657

http://fahrradzukunft.de/25/motorisierte-gewalt/

Standard
Allgemein

Bochum liegt auf dem Land

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Bochum – was ist das?

Da war mal das Album von einem gewissen Herrn Grönemeyer, das ist die Stadt, wo eine bestimmte Automarke ihre Werke (hatte) und es einmal einen Mobiltelefonhersteller gab, der dann alles dicht und platt gemacht hat. Dessen Fußballverein immer noch von der 1. Liga träumt. Meine alte Heimat Fürth hatte das auch mal getan, aber die Zeit in der 1. Liga hatte nur eine Saison lang angedauert. Ist eben nicht so einfach,  in der 1. Bundesliga zu spielen und – zu bleiben. Da gelten andere Regeln. Frank Goosen sagt dazu: „der Fan muß leiden.“

Bochum das ist auch die Stadt des Autors Frank Goosen, der manch lustige, aber auch nahdenkliche Geschichten über das Ruhrgebiet und seine Stadt – und natürlich seinen Verein – verfaßt hat. Dank ihm gibt es auch den Film Radio Heimat ( https://fahrrad3gruen.wordpress.com/2017/01/04/der-ort-fuer-traeume-muss-nicht-weichen/ ).

Und zwischen Bochum und Hattingen liegt das Haus Kemnade, eine ehemaliger Adelssitz und Ort für mehrere Sammlungen. Wenn man von Hattingen zum Haus Kemnade fährt, wundert man sich fast, wie ländlich die Atmosphäre ist; nur das Rauschen der Autobahn im Hintergrund stört etwas. Bochum liegt (auch) auf dem Land 😉

Am 1. Sonntag im Monat findet um 12 Uhr immer eine Führung durch die MUSIKINSTRUMENTENSAMMLUNG Hede und Hans Grumbt statt. Hans Grumbt (1898-1989) war von Beruf Cellist bei den Bochumer Symphonikern und sammelte Musikinstrumente aus allen Teilen der Welt. Tasteninstrumente, verschiedenste Flöten und Klarinetten, letztere von der Sammlung Johan van Kalker und natürlich Streichinstrumente sind im Haus Kemnade zu sehen. Da ich selbst Geige spiele, war ich neugierig, diese Instrumente zu sehen – und gern hätte ich auch die eine oder andere Geige gespielt. Es gibt soviele verrückte Formen! Eine Taschengeige, vielleicht 10 cm breit, flacher statt bauchiger Korpus und vielleicht 30 cm (ohne Hals) hoch – und gespielt ohne Kinnhalter. „Der Kinnhalter ist eine moderne Erscheinung“ erläuterte der Herr vom Förderverein, der durch die Sammlung führt. Oh, das gibt dann beim Geigespielen noch mehr rote Flecken am Hals, die nicht von verliebten Mitmenschen stammen….

Johan van Kalker war Pilot  bei der zivilen Luftfahrt gewesen. Überall, wo er sich aufhielt, hat er Klarinetten erworben, so z.B. das „Oktavin in C“, das aussieht wie ein kleines Stück eines Fagotts mit silberfarbenem Trichter dran, eine „Klarinette d´amore“ (im Orchester wird nur die Oboe d´amore gebraucht, sie hat einen weicheren Klang, aber nicht eine ebensolche Klarinette)… amüsiert laufe ich  an den Vitrinen entlang. Langweilig wird es in der Musikinstrumentensammlung nicht… ein Jugendlicher fragte auch, ob man mal eine der Blasinstrumente spielen dürfe, spielt er doch selbst auch eines.

Manchmal gibt es tatsächlich Konzerte, bei denen ein Teil des Programms mit Ausstellungsstücken gespielt wird. Meist aber bleiben sie in der Vitrine, damit sie erhalten bleiben. Der Förderverein hat auch nicht das Geld, alle Instrumente in ihrer Funktion zu erhalten; so hört man leider kein Lied, wenn man die Kurbel der  „jukebox“, die gleich neben dem Eingang steht, betätigt. Wer also fachkundig ist und ehrenamtlich für eine gute und schöne Sache tätig werden mag… ich denke, der Förderverein wird sich freuen.

Die Gambe führte uns der Herr vom Förderverein selbst vor: er selbst besitzt und spielt ein Instrument. Etwa so groß wie ein Cello, aber mit einem breiteren Untersatz, C-Löcher statt F-Löcher, die Korpus-Form erinnert leicht an eine Birnenfrucht. Die Gambe hat keinen Stachel, auf dem sie stehen könnte, deshalb muß man den Korpus zwischen die Beine klemmen. Auf dem Hals sind Bünde, ähnlich der modernen Gitarre. Und so ein wunderschöner Klang… da kann man diese ganze „relaxing-music“ auf CD oder als mp3 vergessen. Joseph Haydn hat noch Werke für Gambe geschrieben, weil sein Arbeitgeber, der Fürst von Esterhazy, ein Gambenspieler gewesen war. Im 18. Jahrhundert geriet die Gambe dann aber in Vergessenheit, die Orchester wurden im 19. Jahrhundert größer, da hatte so ein sanftes und weicher klingendes Instrument keine Chance mehr, gehört zu werden. Im 20. Jahrhundert erst taucht die Gambe in der Musikpädagogik wieder auf und ist Bestandteil von Alte-Musik-Ensembles „wenn kein Cembalo da ist.“ (Orginialton des Museumsführers 😉

Ein Kuriosum für Klavierspieler* und Organisten*:  Ein Instrument, das aussieht wie ein Klavier mit Pedal. Hm, ein Zwitter zwischen Orgel und Klavier?

Nein. Es ist ein Klavier mit Pedal, damit der Organist zuhause üben kann und nicht stundenlang in der kalten Kirche sitzen muß. Allerdings gibt es nur ein Manual, das heißt, nur eine Tastenreihe. Orgeln haben mindestens 2 Manuale.

…und noch mehr Klaviere! Ein Spinett, und – ein Harmonium.

So schön, wie manche das Harmonium finden, da kann ich nicht ganz mitgehen. „Harmonium und Männerchor, so stell ich mir die Hölle vor.“ 😀 Es ist ein komisches Ding, nicht Orgel aber auch nicht Klavier…. und klingt wie eine vergrößerte, gedämpfte Melodica. So wie ich es verstanden habe, war es im 19. Jahrhundert bis ins 20. Jahrhundert hinein ein Ersatz für eine Orgel, da es besser zu transportieren war. Der Herr erzählte uns, daß er das Harmonium aus den Gottesdiensten seiner Kindheit kannte. In meiner alten Heimat Fürth hatte unser Frauenchor zum Kirchenjubiläum die „Petit messe solenelle“ von Giuseppe Rossini aufgeführt, Besetzung: Chor, Klavier und Harmonium. Eine Freundin dieses Instruments bin ich trotzdem nicht geworden, auch wenn das Singen dieses Werks große Freude gemacht hatte.

Wer eine Sammelleidenschaft pflegt, muß auf vieles verzichten. Die Frau von Hans Grumbt war nicht immer begeistert über all die Entbehrungen, die zugunsten des Instrumentenerwerbs ertragen werden mußten. Das Ehepaar hätte in ärmlichen Verhältnissen gelebt, so der Herr (ehemaliger Bratschist bei den Bochumer Symphonikern), der uns durch die Musikinstrumentensammlung führte. Welche Frau das mitmacht… so schön wie die Sammlung anzusehen ist, bei allem Respekt , die diese Sammeltätigkeit verdient: ich wüßte nicht, ob man das als Partner-/in mitmachen würde. Der Bratschist hatte Hans Grumbt noch persönlich gekannt. „Was ich von ihm gelernt habe: den Umgang mit Zeit. Nach der Probe war er der erste, der draußen war. Viele hielten ihn natürlich für einen Spinner.“

Aufgrund des Urheber*rechts werden hier keine Bilder der Instrumente gezeigt – schaut sie Euch selbst an, die Musikinstrumentensammlung Hede und Hans Grumbt ist sehr sehenswert! Außerdem lädt die Lage des Hauses Kemnade dazu ein, den Museumsbesuch mit einer Radtour entlang der Ruhr und des Kemnader Sees zu verbinden.

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Was nervt, ist der umständliche Fahrradständer im Hof….bis man da eine Stelle gefunden hat, um sein Rad wirklich ANzuschließen!

 

Wie schön, wenn man keine Eile haben muß… auf einer Bank in Sichtweite des Hauses Kemnade machte ich Rast. Dem Rat eines Radel-Freundes folgend, fuhr ich nach der Pause am Kemnader See entlang bis zum Ende, Richtung Zeche Gibraltar. Gefühlt dauerte das länger, als ich vermutet hatte. Den Abzweig „Blumenau“ genommen, und ich hatte die Straße „Im Lottental“ gefunden! 🙂 Dieser Weg war wesentlich leichter mit seinen Steigungen zu bewältigen als die Kemnader Straße.

Bei gutem Wetter ist viel los am Kemnader Stausee, fast wurde es mir zwischen den Skatern, Radlern, Läufern zuviel. Was aber wirklich erschreckend ist, sind die Blechlawinen, die fast nonstop von bzw. zum Kemnader See und auch zum Haus Kemnade kommen. Es ist nicht nachvollziehbar, daß alle, die mit dem Auto kommen, entweder fußkrank sind , mindestens 4 Kinder haben oder zu weit weg wohnen. Mehrere Buslinien fahren sowohl zum Stausee wie zum ehemaligen Adelssitz. Es ist mir ein Rätsel, wie man sich bei diesem Gestank von Abgasen und Motorenlärm noch erholen will- denn zur Erholung fährt man doch zum Kemnader Stausee oder freut sich am Haus Kemnade?

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Die Stiepeler Straße verlief dann doch anders als auf dem Plan… lustige Verwirrungen gibt es immer wieder mal. Die Wiemelshauser Straße fand ich, nur ungünstig, daß gerade heute ein Radrennen dort stattfand.. einmal ließ lautes Gebrüll die wenigen Passanten aufschrecken. Es kam von einem Rennfahrer. Ein Hundespaziergänger war wohl auf die Fahrbahn getreten. Nein, ein Rennrad hat kein Hundekörbchen am Lenker…

Ich verließ das Radrennen und fuhr in ein Wohngebiet hinein. Plötzlich Blasmusik. Hm, hat da eine-/r ihre/seine Stereoanlage aufgedreht? Seltsam auch, daß ein Polizist an der Kreuzung stand. Dann Spielmannszug-Flöten. Ah, Schützenumzug… und Bergmannskappen mit roten „Wuscheln“ am Hut. Und die 2 Kutschen, die waren heute schon mal an mir vorbei gefahren, auf einen Hänger geladen, inklusive von 2 weiteren Fahrzeugen mit dem pferdischen Antrieb darin. Ein Königspaar will schließlich entsprechend gefahren werden. Wow, was in den Sommerferien in Bochum los ist!

Ich dachte, im Bereich Waldring, am Ende der Wiemelshauser Straße etwa den sagenhaften Springorumradweg zu finden. Und tatsächlich, da war endlich, nach dem Gehopser über stillgelegte Straßenbahnschienen, einer gesperrten Straße und einer Schützenprozession endlich ein schöner Radweg, ebengleich der Erzbahntrasse! Also rauf und los! Die Richtung stimmte erst mal, denn das Schild weiter außen zeigte „Bochum Ehrenfeld“ und „Bochum Zentrum.“

Allerdings… schön zu fahren war er ja der Weg. Aber nach Innenstadt sah es irgendwann nicht mehr aus. Eine freundliche Hunde-Spaziergängerin sagte mir, daß man in dieser Richtung bis zum Haus Weitmar käme. Oh!

Also umgedreht… aber die gesamte Gegenrichtung zum „rewirpower-Stadion“ (wer hat diesen groben Rechtschreibfehler angeordnet??? Das tut weh!) fahren, um in die Bochumer Innenstadt zu kommen?

Also ließ ich den schönen Radweg seufzend links liegen und fuhr auf der Straße Richtung Zentrum und Ehrenfeld. Schwupps, war plötzlich die Oskar-Hoffmann-Straße da und ich hatte meine letzte Station für heute erreicht: das Café Fräulein Coffea.

Jetzt erst mal Kuchen und Kaffee schmecken lassen!

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Durch einen Bericht im Blog http://www.mein-ruhrgebiet.blog/zauberhafter-metropolenflair-bei-fraeulein-coffea/ bin ich auf diesen Laden aufmerksam geworden. Den erwähnten Flamingo hätte ich sonst gar nicht entdeckt 😉

Mir geht es nicht um „ziemlich bio“ wie auf einer Reklametafel am Haus geschrieben wird, sondern darum, daß es in einer Stadt auch noch eigene Cafés und Kneipen gibt statt nur noch Gastronomie-Ketten. In Essen, so schien es mir, hat man fast keine Wahl mehr, bzw. muß man als Nicht-BewohnerIn der Stadt schon suchen, um eigenständige Kneipen zu finden. Fast jede hat ihren eigenen Charme.

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Nachteil: der Verkehr brüllt hier noch lauter als beim Kugelpudel. Und leider gibt es in jeder Stadt selbsternannte motorisierte „Rennfahrer.“ Schade, daß es keinen Fahrradparkplatz gibt, bei dem man sein Rad sicher anschließen kann. Hallo, Stadt Bochum, da könnte man was tun…. nicht nur die radfahrenden Gäste von Fräulein Coffea werden es dir danken.

Nicht viele Kilometer waren es heute, die ich mit dem Rad gefahren bin. Dafür gab es schöne und bleibende Eindrücke von dem, was ich erlebt habe.

 

Infos zur Musikinstrumentensammlung Hede und Hans Grumbt:

http://www.fv-hauskemnade.de/index.php/de/die-sammlungen/sammlung-grumbt.html

Meinen herzlichen Dank an den Förderverein für die Pflege und das Engangement für diese Musikinstrumentensammlung!

 

das zauberhafte Café Fräulein Coffea:

http://fraeulein-coffea.de/

 

Ah, und wer mir Tips geben kann, wie man den geheimnisvollen Gral, äh den Springorum-Radweg finden kann: Gerne was in die Kommentare! 😉

Standard
ADFC NRW, Allgemein, FAHRRAD, Radverkehr, Reise, Stadtrundfahrt, Verkehrsmittel für Reisen

Nordrunde durch Dortmund

Auf der Suche nach einer möglichen Feierabendrunde habe ich mal wieder den Fahrradstadtplan studiert… es kann doch nicht sein, daß es nichts wenigstens annähernd adäquates wie die Erzbahntrasse zwischen Bochum und Essen-Zollverein auch für Dortmund gibt! Für´s Freibad war es schon zu spät, der Wind relativ heftig… und das Lastenrad des Typs BULLITT, ausgeliehen von VeloCityRuhr noch verfügbar. Also auf, um den hohen Norden Dortmunds zu erkunden.

Eine zentraler, gut erreichbarer Ort für den Start ist der Borsigplatz.Genau, das ist der Platz, wo die schwarz-gelben Fahnen hoch an den Laternenmasten hängen und wo Fußballfans feuchte Augen bekommen. Von dort aus geht es auf die Borsigstraße und dann die häßliche Bornstraße Richtung Dortmund- Eving. Der Radweg, der leider benutzungspflichtig ist, taugt nichts: viel zu schmal, wenn auch meistens sauber und späer im Nichts endend.

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Über die Eisenstraße und Burgholzstraße fährt man entlang des Nordfriedhofs; das Grün nimmt schon an dieser Stelle leicht zu. Links in die Osterfeldstraße abgebogen, ist man schon in EVING. Ein Stadtteil, der mehr wirkt wie ein größeres Dorf. Leider auch hier endet der Radweg einfach auf der Fahrbahn und noch dazu an einer Bushaltestelle… ist nur eine Frage der Zeit, bis es mal zwischen motorisierten Verkehr und Radfahrer-/innen kracht, ganz ohne Mutwillen seitens der Radfahrenden.

 

Nach ca. 3 km am Ende der Wildbergstraße: endlich fängt der Wald, das dichte Grün an!  „Süggel“ oder „Süggelrand“ heißt das Waldgebiet, das bald in ein Waldstück namens „Grävingholz“ übergeht. Die Wegweisung am Waldrand ist anfangs etwas verwirrend, letztendlich hatte ich aber die richtige Abbiegung gefunden: Den R 8, geradeaus in den Wald hinein.

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Der Rote Rudolf freute sich sichtlich, mal nicht nur schwere Lasten innerhalb von dicht an dicht stehenden Häusern zu transportieren, sondern eine Ausflugsfahrt zu machen.

 

 

Der Ausblick auf Holthausen (hinter dem Hügel)  , nachdem man den Wald verlassen hat.

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Bemerkenswert: man hört hier wirklich keine Autos, keine Autobahn. Nur landwirtschaftliche Geräte, momentan bei der Getreideernte und Heu- bzw. Strohballen-Herstellung. Auch das gibt es in Dortmund…

 

Weiter auf dem R 8 nach Holthausen.

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Den Bewohnern am Wegesrand guten Tag sagen… manchmal kommen auch Reiter entgegen auf diesem Weg, daher etwas aufpassen.

 

 

Weiter  bergab auf der Kamphecke…

 

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Fast wie im hohen Norden 😉 und nicht mal sooo steil die Anstiege!

 

 

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Eine grüne Bushaltestelle gleich neben dem Maisfeld… da geht dem Städter doch das Herz auf! 😀 Und der Linienbus fährt 1x in der Stunde, auch sonn- und feiertags… das ist schon viel für eine ländliche Gegend. Einmal überholte mich diese Buslinie, ein putzig wirkender Mercedes-Kleinbus. In Nürnberg kurvt auch sowas rum… irgendwie putzig diese kleinen Busse.

Und wieder einen Stadtteil kennengelernt… Schwieringhausen.

Sieht gar nicht aus, als ob es zur Stadt Dortmund gehöre…

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Laut Stadtplan sollte es links auf der Alt-Mengeder Straße zum Dortmund-Ems-Kanal gehen. Eine freundliche Autofahrerin, die gerade neben mir hielt, um zu parken, gab mir aber einen anderen Rat. Rechts in die Ortschaft rein, dann rechts in die Sackgasse… und gleich wieder rechts bei der Schranke, die in den Wald hineinführt. Lustigerweise gab es zwei Schranken, eine davon hatte einen Durchlaß für Fußgänger, das Bullitt passte gerade so durch.Ein Weg mit Kennzeichen „Verbot für Fahrzeuge aller Art“… pffft. Der Weg wird ausprobiert. Nach einem kurzen Weg durch ´s Gebüsch von Brennesseln und Brombeeren stand ich plötzlich am Dortmund-Ems-Kanal.

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Am Kanal überkommt mich oft die Sehnsucht nach dem richtigen Norden…

 

Unscheinbar: das ist die Verbindung Schwieringhausen zum Dortmund-Ems-Kanal.

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Entlang des Kanals zurück in die Nordstadt Dortmund…

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Unterwegs noch Abendessen. Schöner kann es kaum sein als hier…  🙂

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Der Weg auf dieser Seite – links in Richung Industriehafen und Nordstadt  – unterscheidet sich in seiner Beschaffenheit kaum von dem auf der anderen Seite. Aber wie ich es geahnt hatte, ist er nicht komplett durchgängig. Wegen eines Betriebsgebäudes der Kanalwirtschaft mußte ich auf eine Landstraße ausweichen und fuhr auf der Holthausener Straße Richtung Nordstadt… auf der Fürst-Hardenberg-Allee soll es mal wieder zum Dortmund-Ems-Kanal abgehen, aber mit dem Bullitt war es letztendlich doch angenehmer, die Straße zu fahren. Bis auf wenige landwirtschaftliche Fahrzeuge war nicht soviel los. Dadurch, daß ich nicht am Kanal fahren konnte, lernte ich den Stadtteil, der praktisch zum Industriehafen gehört, kennen: Dortmund-Lindenhorst. Allerdings, außer Firmengebäuden und Geschäften wie Auto- und Motorradhändlern scheint es kaum Wohnungen in Lindenhorst zu geben…

Die Fürst-Hardenberg-Allee und die Lindenhorster Straße brachten mich zurück in die Nordstadt von Dortmund zum Fredenbaum-Park und Borsigplatz. Am Ende verlief die Strecke etwas anders als geplant, dennoch war es eine schöne Tour für eine Feierabend-Runde.

 

Meinen herzlichen Dank an VeloCityRuhr für den möglichen Verleih des Lastenrads Roter Rudolf! 🙂  RIDE ON!

 

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