Was für 1 verrücktes Fahrrad-Wochenende! 3. und letzter Teil: Fahrradsternfahrt Ruhr am 19. September 2021

Am Freitag, den 17. September, den 3. Freitag im Monat gab es regulär die Critical Mass Dortmund. Ich war nur ein Stück, ca. 18 km Strecke, mitgefahren. Dank Periode war ich richtig fertig, spürte dazu ein großes Tief… schade um die nette Unterhaltung, die ich in diesem Moment hatte, ich musste erst mal adé sagen und die Mitfahrt beenden. Interessant, daß dieser Radler auch in der Nordstadt wohnt! So fühle ich mich nicht mehr so allein mit meiner Not auf der Straße. Plötzlich vom Rad fallen vor Erschöpfung und mehrere Stürze dadurch auslösen, das musste nicht sein. Ich war zumindest ein Stück bei der CM mitgefahren.

Samstag, den 18. September die Kidical Mass... und dann am Sonntag, den 19. September die FAHRRADSTERNFAHRT RUHR!

Was ist eine Sternfahrt überhaupt?

Bei einer Sternfahrt treffen sich Radfahrer*innen an verschiedenen Orten und radeln, den Strahlen eines Sterns gleich, auf ein gemeinsames Ziel zu. Im Jahr 2021 war dieses Ziel Lünen, bzw. der Seepark Lünen-Horstmar.

In Bochum hatte ich sie schon mal erlebt, Hagen leider verpasst gehabt….nun wollte ich ab dem Westfalenstadion mit nach Lünen fahren. Allerdings machte der Körper nicht so mit. Die Anstrengungen der vergangenen Tage war zu spüren, Samstag abend hatte ich noch zwei kleinere Aufgaben bei der Museumsnacht Dortmund übernommen gehabt.. Hätte ich doch ein Rad mit E-Motor! So habe ich leider die Fahrt über die B 1 und den Tunnel Wambel verpasst.

Großen Spaß bei der Durch-Radelung des Tunnels Wambel. sonst fahren hier nur Autos.

Aber der Grant war groß – groß genug, um die Wut in Muskelkraft umzusetzen. Ich fuhr auf eigenen Wegen Richtung Norden, Richtung Lünen. Ich wunderte mich etwas, daß die Sternfahrt nicht durch die Nordstadt ging! Da geht es doch nach Lünen!

Auf der häßlichen Bundesstraße, der Walter-Kohlmann-Straße ging es ab Stadtgrenze Dortmund flott Richtung Lünen, dem Ziel der Sternfahrt. Ich sah immer wieder auf Critical Maps nach dem aktuellen Standort der Radfahrer-/innen. Zu meiner Freude waren die einzelne Fahrerin und die vielen nicht mehr weit voneinander entfernt. Die Autos neben mir: plötzlich im Stau. ein dunkler Audi hupte. Tja Junge, nicht nur du musst warten. Er zeigte Tendenzen, auf den Standstreifen alle anderen überholen zu wollen. doch auf dem fuhr ich. Nee Freundchen, da kommst du nciht durch! dachte ich mir. Plötzlich war auf der Spur, auf der ich fuhr, ein Fahrrad-Piktogramm. Sachen gibt´s….

Und dann sah ich die vielen Radfahrer-/innen. Ein paar hatten sich schon wieder abgesetzt, diese kleine Gruppe von vielleicht 6 Radler-/innen war mir entgegen gekommen. „Seid Ihr die Sternfahrt?“ – „nee, aber dort!“ Ich tat einen Freudenschrei. Ich hatte die Sternfahrt doch noch erwischt! Allerdings, das Klientel hier war ein anderes als gestern. Hier war alles dabei, auch die Chaoten. Wenige Jugendliche, (zu) viele ältere Leute. Viele gelbe Wahnwesten, teiwleise mit ADFC-Aufdruck. Auch optisch wurde so das Problem der Überalterung vieler ADFC-Kreisverbände deutlich.

An dieser Stelle sei angemerkt: der Allgemeine Deutsche Fahrradclub bleibt ein wichtiger Akteur für die Verkehrswende, für die dringend umzusetzende Flächtengerechtigkeit des Verkehrsraumes. Ich persönlich habe mich auch schon mit bestimmten Mitgliedern und Vorsitzenden verkracht – was aber an deren Persönlichkeit und Fehlern auf beiden Seiten lag – nicht an der politischen Agenda des ADFC. Es kommt eben immer auf die Menschen drauf an, die im jeweiligen Kreisverband aktiv sind. In Iserlohn wird Autowerbung im Fahrradmagazin des ADFC geduldet, weil die Zuständigen nicht kapieren, daß und wie falsch das ist. Demnächst: Metzgerei-Werbung im Vegetarier*magazin. Merkste was? Ich habe 10 Jahre in Fürth bei Nürnberg gewohnt, war dort im KV Nürnberg aktiv. Bis heute blicke ich sehnsüchtig auf deren Tourenprogramm und die Zeit dort zurück.. Alle KVs, die ich danach kennenlernte, waren eine einzige Enttäuschung (über den aktuellen kann ich nicht so viel sagen, da ich dort nicht aktiv bin). Der KV Nürnberg hat viele Mitglieder, die eben so was wie dieses vielseitige Tourenprogramm tragen: es gibt nicht nur verschiedene Geschwindigkeitslevel von gemütlich bis sportlich (15 km/h bis 21 km/ und mehr), sondern auch extra Rennrad- und Mountainbiketouren, Thementouren, Stadtteil-Kennenlerntouren für Neubürger-/innen. Die Leute dort waren (und sind wohl auch heute noch) keine gefrusteten oder/und Rentner-/innen, wie ich sie nach meiner Nürnberger zeit erleben hatte müssen, sonder wach, fit und engagiert und lassen sich nicht so schnell entmutigen..

Wie bei einer CM auch lockt das Radfahren immer verschiedenste Menschentypen an, oft genug auch seltsame, eigenartige oder schlichtweg nervige Zeitgenossen. Bisher waren die Nervensägen fast immer Männer, so meine Beobachtung. Ich hatte eine Bekannte entdeckt, die ich freundlich grüßte. War erst mal nett. allerdings hatte sie einen unmöglichen Schreihals im Schlepptau, den sie kannte. Der Typ war unerträglich! Ich habe Verständnis, wenn sich jemand über etwas aufregt, was gerade passiert ist, weil es für Radfahrende ärgerlich ist. Aber dieser Pfeifendeckel musste wie ein Marktschreier irgendwas erzählen, was ihm am Freitag widerfahren sei. Ehrlich, das interessiert hier NIEMANDEN! Ganz sauber war der Typ nicht. Und ob das alles so stimmt…oh nerv mich nicht mit deinem Sermon, als ob du ein Teenager wärst, der das noch nicht kapiert! Man muss bei rassistischen Äußerungen immer widersprechen, aber hier wußte ich nicht so recht, wie ich dran war. Wohl war mir bei dieser Unterhaltung nicht. Ich merkte bald, daß es keinen Sinn hatte, mit diesem Dummkpf auch nur ein vernünftiges Wort zu reden, er hielt sich für die Weisheit schlechthin. Als er im Kreisel vor dem Seepark abbiegen wollte, stürmte ich davon.

Der Seepark in Lünen-Horstmar war das Ziel der Fahrradsternfahrt Ruhr 2021, ein schöner Ort. Und ich hatte endlich den Horstmarer See gefunden! Seltsam… so lange wohne ich schon im Ruhrgebiet und das hier war immer noch terra inkognita für mich bisher gewesen. Schön, danach einige bekannte Gesichter und Freunde zu treffen! 🙂 vor lauter plaudern und Hallo sagen kam ich gar nicht zur Toilette!

Auf einer Bühne gab es Live-Musik, meist aus Jazz und Swing, leider keine Fahrradsongs – und Redebeiträge. Danke Herr Bürgermeister in Lünen, die Forderungen für besseren Radverkehr gibt es schon, die brauchen sie nicht mehr breit walzen! Und ja, die Fahrt hierher war sicher – weil die Polizei die Route abgesichert hat! In der folgenden Rede reagierte der Landesvorsitzende Axel Fell darauf passend: die Politik solle endlich machen, denn sie sitzt in den Rathäusen wo über Verkehrsplanung und Änderung der Verkehrsinfrastruktur entschieden wird. Es brauche genügend Personal, damit die beschlossenen Maßnahmen für den Radverkehr umgesetzt werden können. Ein gutes Radgesetz muss endlich her. Bei allem gebotenen politischen Ernst soll eine Sternfahrt aber auch Spaß machen – und den hatten wir beim Radfahren und miteinander klönen.

Die nächste Fahrradsternfahrt Ruhr wird nach Gladbeck gehen. Das Datum dafür ist noch nicht bekannt.

Danke an alle, die bei der Organisation mitgeholen haben und an die Polizei, die die Route abgesichert hatte.

Allen Radfahrer-/innen mit zwei oder drei Rädern, mit Lastenrad, Tandem, Faltrad oder Pedal-Bike allzeit eine gute Fahrt! Zeigen wir, daß es im Alltag auf dem Weg zur ARbeit, zur Kita, zum Einkaufen u.a. auch ohne Auto klappt!

Kinder auf´s Rad! DAS war die Kidical Mass in Dortmund am 18. September 2021

Kein durchgängig strahlender Sonnenschein, aber gutes Wetter und kein Sonnenbrand – das waren gute Voraussetzungen für die Kidical Mass im September 2021. Ich war als Ordnerin beim Zubringer in Eving, einem Stadtteil im Norden, dabei. Es waren nur wenige Kinder, die kamen, ein Polizist sprach scherzhaft von einer „1 zu 1-Betreuung.“ Alle Zubringer und die Kidical Mass-Hauptroute wurden von der Polizei Dortmund begleitet. Manch einer musste dabei seine Fahrkünste zur Schau stellen, wenn man schnell wieder nach vorne fahren wollte, um die nächsten Querstraßen abzusperren. Das sorgte für Verwunderung und ließ manche(n) die Nase rümpfen.

Am Nordmarkt war der nächste Zubringer geplant. Es kamen ein paar Kinder, aber niemand aus der Bevölkerungsgruppe, die den Großteil der Nordstadt ausmacht. Sehr schade. Dabei waren viele Kindergärten mit Infomaterial versorgt worden. Es braucht wohl in Zukunft eine Art Multiplikatior*innen, die dafür sorgen, daß auch Migrantenfamilien bei der Kidical Mass dabei sind. Schließlich gehören diese Menschen auch dazu! Nur zwei oder drei schwarze Kinder konnte ich später im Tremoniapark entdecken.

Die Kidical Mass war eine für Erwachsene zwar kurze und angenehme Tour. Hier und da freundliche Gespräche, die Kinder hatten auch ihre Freude am Radfahren. Nur am Ende, als die eigentliche Kidical Mass im Tremoniapark schon zu Ende war, war hier und da Geplärre zu hören, weil ein Kind hingefallen war etc. Gehört eben auch dazu. Es war für mich schön zu beobachten, daß das den Eltern nicht egal war, diese aber auch nicht überbesorgt wie die Stasi alles überwachen mussten. Dass dies nur ein kleiner Ausschintt aus dem Leben der Anderen sein kann, ist mir klar. Ich fühlte mich wohl unter diesen Leuten. Hier muss nicht ständig erklärt werden, was man tut und warum, hier kann man sich sicher fühlen, weil jede-/r den/die anderen respektiert und beobachtet. Und man tut etwas, wovon man gemeinsam überzeugt ist: für sicheres Radfahren im Alltag demonstrieren.

Es war auch schön, Freunde bei der Kidical Mass treffen zu können, die dabei waren (einer war sogar aus Köln angereist), obwohl sie keine kleinen oder jugendlichen Kinder mehr haben oder diese nicht dabei waren. Etwas, was mir während des harten sogenannten lockdowns sehr gefehlt hatte.Vor dem Herbst graust es mich allerdings. MOmentan sieht es nicht so aus, als ob die Politik es schaffen würde, den Coronavirus wirklich unter Kontrolle zu bringen. Nicht auszudenken, wenn wieder alle Konzerte, Radtouren etc. abgesagt werden müssen, um eine Übertragung des Virus zu verhindern.

Teilnehmende sammeln sich auf dem Friedensplatz. Foto: A. Steger
Eine Aktivistin von Fridays for Future Dortmund kündigt den Klimastreik am 24.09.21 an. Vorher gab es eine Ansprache zur Kidical Mass selbst. Fotos: eigene Fotos

Pracht (und Schmutz) am selben Ort: Tag des offenen Denkmals 2021 macht Widersprüche sichtbar

Industriegeschichte Dortmunds: das ehemalige Hoesch-Gelände ist heute ein Museum.

Heute sieht es klein aus. Auf dem Weg zum Museumseingang gibt es „nur“ zwei Häuser, die neue (helles Haus) und die alte Hoesch-Verwaltung (Backstein-Gebäude). Der Blick durch das Tor lässt die Größe des ehemaligen Stahlwerks zumindest erahnen. Im Eck das Pförtner-Haus (links im Bild). Die Firma Hoesch in Dortmund, das war wie Thyssen-Krupp in Essen: ein großer Arbeitgeber, der für Vielbeschäftigung sorgte – aber auch für viel Dreck und Lärm. An drei Standorten, in Dortmund West, heute die Huckarder Straße und UnionGewerbeHof, in der Stadt Hörde im Süden (heute ein Stadtteil von Dortmund) und eben im Dortmunder Norden an der Westfalenhütte wurde Stahl produziert. Um 1840 kam Albert Hoesch aus der Eifel (Düren) nach Dortmund und baute nach und nach sein Unternehmen aus. Man kann sich heute gar nicht mehr vorstellen, daß das heutige ehemalige Firmengelände mal Ackerland war und zu einem großen Stahlwerk wurde. Durch das Tor kann man auf einen Teil des ehemaligen Werksgeländes sehen, das heute noch teilweise von ThyssenKrupp genutzt wird (ein Kaltwalzwerk und eine Abteilung für Oberflächentechnik).

Tor neben dem Pförtnerhaus am Werksgelände Hoesch Westfalenhütte. Fotos: A. Steger

Wenn auch nicht so imposant wie die Villa Hügel in Essen, so wirken die Gebäude imposant und es werden Widersprüche deutlich. Große, geräumige Gebäude mit Verzierungen, die Eindruck machen sollten, die Herrschaft des Firmeninhabers manifestieren sollen, auch Ehrfurcht wecken oder einschüchtern sollten. Die Wohnungen für die Arbeiter aber waren in kleinen Häusern eingerichtet. Die Arbeitersiedlungen waren ebenfalls auf dem Firmengelände, aber nicht direkt neben dem Eingang.

Neben dem Pförtnerhaus und dem ersten Verwaltungsgebäude (Backsteinbau) die Villa eines leitenden Angestellten (dort steht heute das helle Haus, das ThyssenKrupp noch teilweise nutzt). Man wollte als Chef oder Stellvertreter des Chefs immer alles im Blick haben (anders als heute, wurde im Vortrag betont). Als Arbeiter und Bewohner der kleinen Häuser der Arbeitersiedlung muss es schon beeindruckend gewesen sein, bei Ankunft vor der Schicht diese großen Bauten vorf sich zu haben, während man selbst in kleinen Wohnungen leben muss. 12-Stunden-Schichten, immer von 6 Uhr morgens bis 6 Uhr abends, dann wieder bis 6 Uhr morgens. Leider auch heute in manchen Berufen immer noch Realität; gesund für den Menschen war und ist das nicht. Von Arbeitsschutz wie Lärm-/Hitzeschutz etc. am Arbeitsplatz ganz zu schweigen. Das Stahlwerk Hoesch brachte vielen Dortmunder-/innen Lohn und Brot, aber auch viel Dreck und Umweltverschmutzung, Verletzungen und Krankheit, auch den Tod. Der Lärm im Stahlwerk muss auch in der Umgebung des Firmengeländes, unerträglich gewesen sein. Diesen Eindruck gewinnt man, wenn man Berichte über die Zeit im 19. Jahrhundert liest.

Gegenüber neben der Straße, die eigentlich die Fortsetzung der Stahlwerkstraße ist, sieht man rechts neben der Straße nur eine Wand (im Hintergrund rechts). Hier soll ein neues Wohnquartier entstehen. Auch durch diese Absperrung entstand bei mir der Eindruck, daß das alles nicht so groß ist. Die Größenangabe habe ich mir nicht gemerkt, wer hier mit offenen Augen unterwegs ist, bekommt aber zumindest einen Eindruck der Größe der ehemaligen Firma Hoesch.

Rechts neben der Straße (hinten rechts) entsteht auf dem ehem. Firmengelände Hoesch ein neues Wohnquartier.

Das Pförtner-Haus ist heute der Museumseingang. Hier musste jeder Arbeiter vorbei, das Tor im Inneren (heute nicht mehr vorhanden) wurde immer nur zu Schichtwechsel für ein paar Minuten geöffnet. Marke von der Wand nehmen und auf zum Arbeitsplatz. Jeder Mitarbeiter hatte eine Marke. Wenn eine fehlte, wurde ein Suchtrupp losgeschickt. Diese Praxis soll heute auch noch bei Feuerwehren üblich sein. Es wird, auch mit modernen Arbeitsschutzmaßnahmen, immer Berufe geben, deren Ausübung mit Gefahren verbunden ist.

Das Pförtnerhaus von Hoesch, links im Bild. Mit dem Torbogen soll es 1 Einheit bilden.
Das Pförtnerhaus von Hoesch, links im Bild. Mit dem Torbogen soll es 1 Einheit bilden. Jeder Arbeiter
musste zu Schichtbeginn am Pförtner vorbei gehen.

Links sind große Fenster zu sehen, diese Häuserfront war zuerst offen gewesen. Dies waren Arkaden, unter denen man sich z. B. bei Regen unterstellen konnte. In diesem Gebäude war der Eßsaal. Die Angehörigen der Arbeiter, die zum Mittagessen den Henkelmann vorbei brachten, konnten dort auf diese warten (dass mir jemand Essen in die Arbeit bringt, das ich nicht bezahlen muss, das möchte ich auch mal erleben..) Funktionalität und Form in einem vorhanden, diesen Eindruck von Architektur kann man hier gewinnen.

Das Motto des Tages des offenen Denkmals 2021 war „Schein und Sein.“ Sind Gebäude nur dafür da, schön zu sein? Oder haben sie auch eine Funktion? Bei der Führung zur Architektur des Hoesch-Geländes spielte die Funktion der Gebäude immer eine Rolle, so mein Eindruck, auch wenn die Schönheit, die Ausgestaltung der Fassade nicht zu kurz kam. Keine aufwendigen Blumenornamente, keine Putten oder anderen Figuren – aber dennoch Elemente, die die Hauswand zieren. Das helle Gebäude ist die neue Verwaltung ab 1912 erbaut. Heute wird es noch vom Nachfolger ThyssenKrupp, genutzt. Manche sprechen auch von einer feindlichen Übernahme, die in den 1990er Jahren stattgefunden haben muss.

Blätteronament am Hoesch-Verwaltungsgebäude ab 1912.
Blätteronament am Hoesch-Verwaltungsgebäude ab 1912.

Hoesch ließ seine Häuser im Stil des Historismus erbauen, einem Stilmix aus verschiedenen Baustilen vergangener Jahrhunderte. „Euch fällt auch nichts neues ein“ könnte man frech sagen. Oder den Architekten* vorwerfen, sie würden nur Kitsch schaffen. Mein Eindruck auf dem ehemaligen Hoesch-Gelände, soweit zugänglich, der nur einer von außen sein konnte, war: hier wurde mit keinem Stil übertrieben, es gibt ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen Zierde und Funktionalität. Hier und da hätte sogar ein Blumenornament zu mehr Schönheit beigetragen.

Es war interessant, sich einmal nur mit der Architektur der Häuser auf dem Hoesch-Gelände zu befassen. Unverständlich aber bleibt, weshalb die Firma Thyssen-Krupp zu diesem besonderen Tag ihr Verwaltungsgebäude nicht für eine Führung geöffnet hatte. Offenbar ist ThyssenKrupp dieses kulturelle Erbe zu schwer, der „Aufwand“ zu groß, eine kleine Besucher*innengruppe in Begleitung des Werkschutzes wenigstens für 15 oder 20 Minuten das schöne Treppenhaus betrachten zu lassen. Wir standen als Besucher*innen nur vor dem Museum herum, konnten Fassaden und Bilder betrachten. So informativ der Vortrag war – die ehrenamtlichen Mitarbeiter-/innen sind sehr engagiert in ihrer Arbeit – so war es doch enttäuschend, nur ein Bild des prächtigen Treppenhauses zu sehen. Wie eine Zeitreise muss es sein, dort verweilen zu dürfen! Deshalb ein Appell an die Firma Thyssen-Krupp: lassen Sie uns Kulturinteressierte wenigstens an einem Tag des offenen Denkmals in Ihr Gebäude. Ihre Schreibtische interessieren uns nicht. Wir möchten nur das Treppenhaus sehen.

Verwaltung ThyssenKrupp ehem Hoesch. Darin das prächtige Treppenhaus.
Verwaltung ThyssenKrupp ehem Hoesch. Darin das prächtige Treppenhaus. Das Vordach war zuerst noch viel imposanter, der Eingang so gestaltet, daß Kutschen vorfahren konnten.

Informationen zum Hoesch-Museum Dortmund hier.

Informationen zum heutigen Eigentümer ThyssenKrupp in Dortmund hier.

Die Stiftung Denkmalschutz präsentiert sich hier.

Industriegeschichte Dortmunds: das ehemalige Hoesch-Gelände ist heute ein Museum.
Industriegeschichte Dortmunds: das ehemalige Hoesch-Gelände ist heute ein Museum.

Erobert die Stadt! Kidical Masses und Sternfahrt Ruhr im September 2021

Zu viele Privat-PKWs auf den Straßen, Engstellen, Falschparker*innen, deren Verhalten nicht gemaßregelt wird, Glasscherben und anderer Schmutz au Fuß- und Radwegen… das Radfahren in deutschen Städten ist noch lange nicht sicher. Wenn Menschen zum Umsteigen vom Auto auf das Rad bewegt werden sollen, braucht es sichere und gute Wege, um zur Arbeit, zur Kita oder zum Einkaufen fahren zu können. Die absurde Größe von Autos, vor allem des sogenannten „sportive Utility Vehicle“, kurz SUV macht es unmöglich, als Fahrer-/in eines solchen Fahrzeugs überhaupt ein Kind auf der Straße zu sehen. Diese „Autos“, die mehr Panzer als Auto sind, überragen ein 5- oder auch 10-jähriges Kind schon mit der Motorhaube. Platz zum Spielen bleibt ohnehin kaum, Parkplätze sind wichtiger, auf denen das Blech 23 Stunden am Tag rumsteht. Spiel-Platz, das ist nicht nur der separierte Bereich mit Rutsche und ‚Schaukel, das muss auch der Bürgersteig oder die Straße sein können!

Diese Zustände gilt es zu ändern. Die Stadt muss den Menschen, nicht privaten Fahrzeugen gehören. Dafür gibt es auch im Jahr 2021 wieder eine KIDDICAL MASS in DORTMUND, zeitgleich in vielen anderen Städten.

am: Samstag, den 18. September 2021

Start: 14 Uhr auf dem Friedensplatz in Dortmund

Ende: Tremoniapark (auf den flyern steht noch Westpark).

Es gibt auch Zubringer aus verschiedenen Stadtteilen, mit denen die Kinder und ihre Eltern zum zentralten Treffpunkt Friedenspaltz radeln können. Die Kidical Mass und all ihre Zubringer werden von der Polizei begleitet.

Genau Abfahrtszeiten und Orte für die Zubringer aus den Stadtteilen hier .

Dieses Wochenende in der Septembermitte ist ein richtiges Fahrradwochenende.

Am SONNTAG , den 19.09.2021 geht es für die Erwachsenen gleich weiter weiter: mit der STERNFAHRT RUHR 2021. In Lünen wird es zusätzlich eine Kidical Mass geben. Aus verschiedenen Städten raden Menschen nach Lünen, von der Ruhr zur Lippe und zeigen, da man auch ohne Auto und ohne klimschädliche Abgase gut vorankommt und sein/ihr Ziel erreichen kann. Für die Erreichung der Klimaziele ist das Fahrrad das Verkehrsmittle Nummer 1.

Die Zubringer-Routen sind die gedachten einzelnen Strahlen der Sterne, die Mitte und der Treffpunkt ist im Jahr 2021 die StadtLünen, nördlich von Dortmund, kurz vor dem Münsterland.

Zubringer-Routen und Abfahrtszeitpunkte hier.

Alle weiteren Infos zur Sternfahrt Ruhr hier.

Auch hier gilt das Motto: Verkehrswende JETZT!

Für sichere Wege im Alltag wie in der Freizeit!

Start: in Witten, Rathausplatz um 12.00 Uhr

Treffpunkt: 15.30 Uhr in Lünen-Horstmar, Seepark

Insgesamte Länge: ca. 34 km Strecke

Radfahrende bei der Demo im Juni 2021 Foto: Aufbruch Fahrrad

Parking Day im Kaiserstraßenviertel Dortmund am 17. September 2021

Die Stadt für Menschen statt Autos!

Ab 15 Uhr zeigen die Menschen in der Arndtstraße (Seitenstraße der Kaiserstraße), was alles möglcih ist, wenn nicht Autos die Straße zuparken. Zusammen in Ruhe sitzen, Kuchen essen, plaudern… vieles ist möglich. Nähere Infos bei der Nachbarschaftsinitiative KAISERN! .

Fahrrad-Termine in Dortmund im Juni 2021

Einmal 100 km weit durchs Ruhrgebiet – das sollte der Radschnellweg 1 sein, von Hamm bis nach Duisburg. 2020 sollte er fertig sein, die Stadt Dortmund wollte ihn bis 2024 fertiggestellt haben. Nun wird vom Jahr 2030 geredet.

Radfahren dort, wo sonst nur viele Autofahrende täglich fahren: B1 und B 54 werden zum Radschnellweg

Das wollen die Radinitiativen Aufbruch Fahrrad Dortmund und Fridays For Future nicht hinnehmen. Unter dem Motto „Wir lassen uns nicht länger veräppeln“ packen sie es selbst an und machen – zumindest temporär – die großen Autostraßen Bundesstraße 1 (B1) und B 54 zu Radschnellwegen. Mit Polizeibegleitung werden Radfahrende, die gleichberechtigter Teil des Straßenverkehrs sind, am Samstag über diese Auto-Schnellwege fahren.

Treffpunkt: Samstag, den 5. Juni, 2021, 16 Uhr Friedensplatz (nicht wie vorher angegeben Hansaplatz)

Infos: http://www.radschnellbahn.de

Radfahrende auf die Autobahn! Foto: Aufbruch Fahrrad

Die Heiligegartenstraße wird am Weltfahrradtag am 3. Juni 2021 temporär mit einer PopUpBikeLane ausgestattet.

Schon zu Beginn der Corona-Pandemie wurde Kritik laut, daß die Stadt Dortmund keine PopUp-Radwege angelegt habe. Der Radverkehr hatte während der Coronakrise weltweit einen großen Boom erlebt, wie nicht nur die Verkaufszahlen für Fahrräder, sondern auch die steigende Anzahl von Radfahrenden auf den Straßen gezeigt hatte. Coronakonform unterwegs sein, das geht am besten mit dem Rad, weil mit diesem Verkehrsmittel die Abstände zum gegenüber gut einzuhalten sind.

Die Heiligegartenstraße in Dortmund ist in ihrer Fortführung zur Treibstraße und Grüne Straße im Westen auf der einen und Jägerstraße auf der anderen wie gemacht für eine PopUp-Bikelane, also einem geschützten Radfahrstreifen, um ohne große Umwege vom Bezirk Innenstadt Ost nach in den Westen der Stadt zu gelangen.

Die Heiligegartenstraße Dortmund Richtung Jägerstraße. eigenes Foto.

Verkehrswende von unten

Was die Stadt Dortmund nicht tut, das machen dann eben die Fahrrad-Verbände, „von unten.“

Am 3. Juni ist Weltfahrradtag. Diesen wichtigen Feier-Tag wollen Aufbruch Fahrrad und VeloCityRuhr feiern! Ab 15 Uhr wird ein PopUp-Radfahrstreifen in der Linie der Heiligegartenstraße – Treibstraße – Jägerstraße angelegt sein. Gemeinsam mit großen und kleinen Teddys werden Radfahrende für sichere Wege für kleine und große Verkehrsteilnehmer*innen demonstrieren. Denn für sichere Wege braucht es einen breiten Radfahrstreifen mit Qualität ohne faule Kompromisse.

Treffpunkt: Donnerstag, 3. Juni 2021, ab 15 Uhr am Freiherr-von-Stein-Platz gegenüber der Polizeiwache.

Hier wird die PopUpBikeLane am 3. Juni entlang laufen. eigenes Foto
Die Treibstraße als Fortsetzung der Heiligegartenstraße: eine wichtige Verbindung Richtung Weststadt.

Corona-Krise Update Frühjahr 2021

Für ein Recht auf Freitod.

Ich kann es nicht mehr hören! Diese ständigen Durchhalteparolen. Die Corona-Pandemie dauert nun schon über ein Jahr an. Und dann soll ich noch eine lebenswerte Zukunft glauben? – NEIN!!! Die Menschheit hat sich in eine Sackgasse manövriert, aus der es keinen Ausweg gibt. Hätte Mensch mal schön die Wildtiere in ruhe gelassen. Aber nein, um jedem Profit willen muss man auch in Bereiche vordringen, die einen nichts angehen. Denn der Coronavirus macht nicht nur den Körper kaputt. Leider kapieren das viele Deppen nicht, die nur die Naturwissenschaft anbeten.

In dieser Krise haben sich zwei stark entgegen gesetzte Pole gezeigt: die der Total-Verleugner*innen, die an Verschwörungstheorien glauben und die Krankheit Covid-19 (und wohl auch einiges andere) komplett ablehnen. Wissenschaft ist ohnehin für sie diffus, unbegreiflich, überhaupt, die Wissenschaftler*innen sind schuld an der Krankheit, die Einschränkungen und Verbote würden die Menschen krank machen. Die echte Ursache, den Coronavirus, benennen sie nicht.

Der andere Pol lechzt dagegen nach jedem Wort, das aus dem Mund eines Wissenschaftlers oder Wissenschaftlerin kommt. Die neuen Stars im Rampenlicht, aber nicht im Theater oder Film. Wow, dass ein nüchterner hässlicher weißer Kittel plötzlich schick sein soll… Jede Folge eines Podcasts beim NDR wird gehört, jeder Artikel gelesen, auch wenn man eigentlich zu deppert ist, um das zu verstehen, was auf http://www.rki.de oder gar in der medizinischen Fachpresse steht. Nicht alles ist eben für medizinische Laien bestimmt, dafür gibt es den Wissenschaftsjournalismus, der naturwissenschaftliche Aussagen verständlich erklärt. Doch das reicht Narzissten und Wissenschaftsverehrern (seltener Verehrerinnen) nicht.

In den letzten Wochen haben mich mehrere Menschen schwer verletzt. Ich meine nicht, dass sie mich mit Covid-19, Hepatitis oder sonstigem tödlichen Krankheitsdreck angesteckt hätten. Es sind die Worte, die so verletzen, dass Schmerzen und Leid bleiben – und das oft genug ein Leben lang. Und NEIN, ES IST NICHT MEINE SCHULD!! Diese Idioten sind die Täter*innen, die sich ändern müssen, nicht die Opfer!!! Wer feinfühlig ist, hat in diesem scheiß Leben und dieser Gesellschaft verloren. Ein Twitter-Nutzer schrieb:“die Menschen, die in Therapie sind sind es nicht wegen sich selbst sondern denen, die ihnen Leid angetan haben und eigentlich behandelt werden müssten.“ Wie wahr.

Schon länger habe ich auf Twitter eine ungute Entwicklung beobachtet. Neben den immer wiederkehrenden Schimpfereien gegen die Bundesregierung und die Landesregierungen, dass die Maßnahmen gegen die Verbreitung des Coronavirus nicht ausreichen würden kommt regelmäßig die Medienschelte. Man würde nicht richtig berichten, man würde die falschen „Experten“ zu Wort kommen lassen, überhaupt, man würde „das falsche schreiben.“ Das ‚falsche‘ schreiben??? Ist es nicht die Aufgabe von guten Texten, Sendungen etc., Menschen auch zu widersprechen, indem sie eben nicht die Meinung der Hörenden oder Lesenden wiedergeben? Als Journalistin entsetzt es mich und macht mich wütend, wie man als Rezipient-/in so reagiert! Ich versuchte es zunächste mit Erklärungen, dass bestimmte Medien ihre Gründe haben, eine Schlagzeile so oder so zu formulieren. WDR aktuell war das kritisierte Medium, Nachrichten werden hauptsächlich im Internet verbreitet. Eine Schlagzeile im Netz muss anders klingen als gedruckt. Die Nachrichten-Agenturen geben die Nachrichten an die Medien weiter, diese wählen aus, welche Nachrichten sie senden/drucken etc. und wie sie diese formulieren. Ein anderer Nutzer und Mitglied der Fahrradbubble warf mir daraufhin „copy and paste“ vor. Ich hätten dem Arschloch am liebsten ins Gesicht geschlagen! Sind das DIE Leute, die angeblich so versessen auf Fakten sind? Schon seltsam, dass sie jetzt plötzlich nicht interessiert, wie Journalismus funktioniert! Dass Fakten über die journalistische Arbeit plötzlich nicht mehr wichtig sind für diese Möchtegern-Experten! Meine Wut über den Trottel ist aber bald verflogen, von dem habe ich nichts anderes erwartet. Dann eben blockiert. Mit dem Typen ist nicht viel verloren. Noch ein paar schlechte Wünsche hinterher geschickt und – tschüss!

Erschreckenderweise und bedauerlicherweise gibt es auch Leute aus der Fahrradbubble, deren Arbeit und Einstellung ich schätze – solange es um den Radverkehr geht – die in der Schwurblerecke verschwunden sind. Ein Bekannter, aktiv bei der Critical Mass in meiner alten Heimat forderte mich auf facebook zum Demonstrieren auf. Ich antwortete ihm, dass ich dann gegen den Coronavirus demonstrieren müsse – und dem sind Demonstrationen völlig egal, der „freut“ sich eher noch drüber, weil er sich besser, noch besser verbreiten kann. Das hat er nicht kapieren wollen. Es wurden irgendwelche hanebüchenen „Fakten“ präsentiert, dass es doch nciht so schlimm sei mit der Ansteckung und dass v.a. die alten Leute so einsam seien. Dass man sich nicht besuchen kann, ja das finde auch ich schlimm. Auch dass wir nicht Floorball, eine Form von Hockey, spielen können. Aber warum ist das so? Weil die Regierenden plötzlich einen Haß auf die Menschen haben, die sie regieren? Nein, weil eine Viruskrankheit die Menschen bedroht! Wir hätten 1x Training, wäre es erlaubt – und danach wäre jede und jeder sterbenskrank.

Ich habe nach einigen Wochen aufgehört, zu diskutieren. Auch diesen Menschen musste ich blocken. Es war nicht mehr auszuhalten gewesen. Zwei Bekannte, mit Einstellungen von völlig entgegen gesettzen Polen, die ich sperren musste. Bemerkenswert.

Anders, weil viel verletzender verhielt es sich mit S. aus Essen. Ihm hätte ich mehr Verständnis zugetraut. Ich schätzte ihnfür sein Wissen und Engagement für den Radverkehr. Ich fragte ihn mehrere Male, ob er denn nicht auch die Theaterschließungen, sterbenden Clubs und Restaurants etc. bedauere und ob ihn das nicht auch verletze. Alle meine Mails, höflich formuliert, blieben unbeantwortet. Stattdessen kam als Twitter-Nachricht, dass ich eben „ein Problem mit der Realität“ hätte.

Was soll das?

Hat nicht jeder Mensch ein Problem mit der Realität in der Coronakrise???

Es war höchst verletzend von ihm. Wenn ich im Nachhinein aber überlege, ist das nur die Spitze seines Hochmutes und seiner Arroganz, die sich im Laufe der Pandemie aufgebaut hat. Während andere Leute als Solostelbständige ums Überleben kämpfen, wütend und entsetzt sind, irgendwelche scheiß Jobs statt dem zu machen, was sie erfüllt und ausmacht (eben ihre Kunst, z. b. die Musik ist), Eltern nicht mehr wissen wohin vor lauter Sorgen, lässt er sich über genau diese Leute aus. Als kinderloser Mann, in einer offenbar glücklichen Ehe lebend, mit eigenem Haus und genug handwerklichen Geschick dafür. Tenor: Eltern seien doch selbst schuld, sie hätten doch wissen müssen, was sie sich an Aufgaben zumuten, wenn sie sich Kinder anschaffen. Typisch naturwissenschaftliche Ansicht. Wenn ich Weißkrautsalat esse werde ich furzen und das stinkt dann. Super. Voll die Faktenscheißerei. Boah, kann ich mich da toll fühlen, was ich alles weiß!

Ich staunte nur, war verwundert und verärgert über soviel Dummheit und Arroganz. Wie kann man sich über Leute auslassen, über deren Situation man auch nur sehr bedingt Ahnung hat?? Er ist kinderlos. Auch ich kenne die Familiensituation nur als Kind und als Außenstehende von Freunden*, die Kinder haben. Deshalb halte ich mich bei der Betreuungssituation in der Coronakrise mit meiner Meinung sehr zurück! Es geht hier nicht nur um nüchterne Fakten, wer mehr Geld verdient und wessen Arbeit scheinbar wichtiger ist (die der Mutter oder des Vaters, zuhause oder im Beruf) – es geht um GEFÜHLE!

Welch ein Wunder!

Huch, scheiße, jetzt kann ich mich nicht mehr mit der Naturwissenschaft als wichtig aufspielen! Gibt es nciht irgendeinen Stoff, eine Formel, womit man diesen Scheiß bekämpfen kann?? Das bringt meine ganze Arroganz durcheinander!

Was war das noch mal, G e f ü h l e ? ? ?

Das hat S. aus Essen wohl längst vergessen. (Ich kenne ihn auch analog, nebenbei bemerkt). Er hat alles, was man zu einem glücklichen Leben braucht: eine liebende Partnerin, Haus und Garten, einen anständigen Job, der ihn erfüllt, zufriedenstellt, auch monetär. Sonst hätte er 2019 nicht nach Malaysia reisen können. Ich bin froh, wenn ich mir eine Woche Niederrhein leisten kann und dann gibt es noch genug Deppen, die mich dafür schief ansehen und Stumpfheit vorwerfen, dass ich nicht an anderen Ländern interessiert wäre. Oh wie ich Euch hasse, die ihr zu viel Geld habt und unfähig seid, Euch in die Situation von Geringverdienenden zu versetzen!

Es wurde über Eltern geschimpft, die sich wegen geschlossener Schulen beschweren. S. verachtete offen alle, die sich über geschlossene Theater und Konzertsäle aufregen. Ich wurde fast zu den Coronaleugner*innen gesteckt. Das hat mich dan richtig wütend gemacht! KEINE!!! Konzertbesucher*in glaubt an diesen Verschwörungsmüll! Jede*r hat sich an die Regeln beim Besuch im Stadttheater etc. gehalten! Häßliche Plexiglasscheiben wurden in die Kneipe gehängt, damit überhaupt geöffnet werden konnte. Alles Kosten, die die Betreiber*innen haben. Doch darüber lässt S., der sich zu meinem Entsetzen in ein Arschloch verwandelt hat, kein Wort fallen. Ist auch viel geiler, sich im Lichte der Wissenschaft zu sonnen, einem Jünger gleich, der seinen Gott anbetet. Auch wenn Wissenschaftler*innen meistens nicht angebetet werden wollen. Wenn es möglich wäre, würde S. wohl sogar im Labor von der Charité wohnen! Bis ihn Drosten rausschmeißt, weil er von dem Möchtegern-Arzt-Gelaber und Wichtigtuerei die Schnauze voll hat. Drosten braucht keine Fans, er wünscht sich „nur“, daß er gehört wird als Wissenschaftler. Im Grundgesetz gibt es aber für niemanden ein Recht auf Gehört-Werden.

Aus Sicht der Wissenschaft machen Schulschließungen Sinn, weil die Verbreitung des Coronavirus gestoppt wird. Aber das ist eben nur die eine Seite. Alle anderen Probleme werden von den ganzen „Hobby-Virologen“ auf twitter ausgeblendet: dass Eltern arbeiten gehen wollen und müssen, dass nicht jeder Beruf zuhause erledigt werden kann, dass es unsichtbare Care-Arbeit gibt, die man „nicht mal schnell“ nebenbei erledigt! Der Heilige Geist und auch nicht die Wissenschaft oder irgendwelche mysteriösen Wesen kochen, waschen oder versorgen die Kinder! Wer wie S. keine Kinder hat, soll man schnell die Schnauze halten! Dass ein Verdienst nicht reicht, um eine Familie zu ernähren, darüber braucht man nicht diskutieren. Das war zu meiner Kindheit und Jugend so und ist es heute auch. Schlimm genug, dass die Situation von Frauen sich in der Coronakrise verschlechtert hat, weil sie vermehrt die verdammte Care-Arbeit erledigen müssen. Kein Wort davon von S. und all den super-gescheiten Wissenschaftsverehrern. Meistens übrigens Männer. Wohl weil der eigene Schwanz zu kurz ist und man zu viel Zeit hat, weil man kein Kind aus der Kita holen oder bei den Hausaufgaben/homeschooling helfen muss und Zeit zum twittern hat. FICKT EUCH IHR ARSCHLÖCHER!!!

Wenn Eltern Schulschließungen wegen des Coronavirus ablehnen dann nicht zwangsläufig, weil sie diesen leugnen oder ihnen ihre Kinder egal sind. Eltern sind nicht nur Eltern, sie sind auch Menschen, die mal Zeit für sich selbst haben wollen, Frauen wie Männer. Meist kommen aber die Frauen zu kurz, dank einer frauenfeindlichen Politik (siehe Regeln zum „Ehegatten-splitting“ oder beim Steuersystem etc.) und patriarchalischen Gesellschaft. Das Problem liegt darin: der Politik sind Jugendliche und Kinder scheißegal. Warum gibt es nicht schon längst anständige Lüftungsanlagen, obwohl die Wissenschaft längst festgestellt hat, daß Aerosole den Coronavirus verbreiten? Warum wurden die Betreuungsmöglichkeiten nicht längst ausgebaut, ebenso die Digitalisierung? Es gibt immer wieder dümmliche Kommentator*innen auf twitter und facebook, die darüber schimpfen, dass Kinder Rechner bräuchten. Es geht nicht darum, dass die den ganzen Tag auf dem Tablet rumdaddeln! Es geht darum, dass Hausaufgaben verschickt werden können, überhaupt, dass die Lern-Kommunikation funktioniert! Stattdessen werden weiterhin Arbeitsblätter ausgedruckt und müssen wieder abgegeben werden. Meine Fresse, seufz. Ich meine gerade, ich bin noch in den 1990ern, als ich in der Schule war. Die Coronakrise macht so erst deutlich, was schon längst im Argen lag und liegt.

Abstand halten, Abstand halten!

Es bedurfte keiner Krankheit, um Abstand als sinnvoll anzusehen. Als Mensch, die sexuellen Mißbrauch fast 20 Jahre lang täglich erleben musste, halte ich grundsätzlich Abstand. Nur der Abstand zu den Mitmenschen ist noch größer geworden, was zu mehr Einsamkeit führt, die Einsamkeit ist noch schmerzhafter geworden. S. ist das alles egal, sein Mitgefühl und überhaupt alle Emotionen hat er längst zugunsten einer Art zweiten Identität als Möchte-Gern-Virologen aufgegeben. Der eigene Erfolg im Beruf reicht nicht mehr, jetzt strebt man nach vermeintlich höherem, der Medizin als Wissenschaft, auch wenn man diese nie studiert hat. Wer vergessen hat, wie schlimm es ist, allein zu sein, dem ist nicht mehr zu helfen. Vor lauter Narzissmus merkt meist Mann, seltener Frau nicht mehr, was für ein fataler Fehler diese Einstellung ist.

Eigentlich tut es mir leid, solche negativen Einstellungen anderen gegenüber zu haben. Seit klar ist, wie schnell und einfach sich dieser drecks Virus verbreitet ist es mir unangenehm, mich neben jemandem im Zug oder Bus zu setzen. Zur Arbeit fahre ich ohnehin mit dem Rad, auch wenn der Körper immer müder wird. Die Verbindung mit der Stadtbahn wäre auch sehr umständlich. Ja, ich gehöre für viele außerhalb und auf Twitter zu den „bösen“ Menschen, die kein homeoffice machen wollen. Der Coronavirus entzweit die Menschen. Kein! verdammtes zoom-meeting kann ein echtes Treffen ersetzen! auf online-dating verzichte ich schon lange freiwillig, nirgends wird so viel gelogen wie dort. Einige Kollegen* machen schon seit März 2020 „homeoffice“, das geht unter bestimmten technischen Voraussetzungen. Auch hier war bei S. aus Essen wieder nur Stumpfheit und Dummheit und völlige Unkenntnis zu bemerken: anstatt nachzufragen, warum homeoffice in unserem Beruf nicht immer möglich ist, wurde nur laut losgetreten, wie unverantwortlich und blöd und überhaupt unfähig wir seien und blablabla…… ich werde das jetzt nicht erklären. Dazu bin ich nicht verpflichtet. Immer nur von sich selbst ausgehen, anstatt sich die Situation anderer auch nur vorzustellen, nachzufragen… solche eine Haltung kotzt mich an!

Ein weiterer Grund, weshalb ich kein homeoffice mache ist: die Arbeitskollegen* sind momentan mein einziger Sozialkontakt. Sportkurse können momentan nicht stattfinden, auch keine Chorproben. „homeoffice“ lässt die Leute noch mehr vereinsamen. Der Grund, weshalb man sich nicht treffen soll, das ist allen klar, daran liegt es nicht. Aber all die Trottel, die die Wissenschaft fast gottgleich anbeten, sich an Fakten aufgeilen und selbst darstellen, wollen genau das nicht wahr haben. Nun, wenn man wie S. aus Essen alles hat: warum sollte man auch von seinem hohen Roß herunter steigen und sich in die Niederungen normaler, verzweifelter, schon vor der Coronakrise vereinsamter Menschen herablassen???

Wissenschaft ist immer kalt. Ich habe von S. nie und selten von Wissenschaftler-/innen den Satz gehört „ich kann verstehen, dass Sie entsetzt und wütend sind, nicht ins Theater/Stadion etc. gehen zu können. Aber dort ist die Verbreitung von Aerosolen sehr stark aufgrund dieser und jener wissenschaftlichen Forschung.“ wissenschaftliche Fakten werden so verständlich gemacht, indem die Fachleute Mitgefühl für die Folgen ihrer Arbeit zeigen. Die wenigsten Wissenschaftler sind Kulturverächter, denen Theater und Co. egal ist. Denn Menschen sind nunmal keine Maschinen, die aufgrund dieser und jener Fakten und Funktionen dann eben anders funktionieren, weil der Coronavirus das bisherige Leben unmöglich macht. Nur einmal hat mir S. geantwortet, da war ich gerade im noch offenen Museum Folkwang in Essen. Ich habe seine Mail sofort gelöscht, ohne sie zu lesen, denn: wie es in den Wald hinein ruft, so schallt es heraus. Wer vorher all meine Worte ignoriert hat, hat, hat wiederum nur Ignoranz und schlechte Wünsche verdient. Ich hatte ihm gewünscht, dass er an einer schweren Krankheit leiden möge. Dann wird ihm seine ganze Wissenschafts-Geilheit nämlich einen Scheißdreck nützen, wenn er mit Schmerzen im Bett nicht mehr weiß, wohin mit seinem Leid! Dann spürt er endlich, was u.a. ich spüre!

Das „Danach“ nach der Coronakrise

Es wird oft von der Zeit nach der Coronakrise gesprochen. Man solle darauf eben hoffen.

Doch jetzt, im Mai 2021, Beginn des ganzen Elends war im Februar 2020 muss ich fragen: WANN SOLL DAS SEIN???

Meine Geduld ist zu Ende. Ich wünschte mir fast jeden Tag, zu sterben. Zuhause liegen Bücher, von der Ausleihe künstlich verlängert, weil man sie nicht zurückgeben kann. Nicht, dass mich plötzlich nichts mehr interessiert. Auch mein Projekt mit den alten Zahnkränzen liegt brach. Mir fehlt der Antrieb, die Muße. außerdem ist zuhause immer noch Baustelle, ein gekaufter Kleiderständer steht seit 3 Wochen nicht. Wann sollte ich auch die Ruhe haben, endlich alles einzurichten? Alles ist sinnlos geworden, weil es kein abzusehendes Ende der Corona-Pandemie gibt.

Wer empfindsam ist, hat im Leben und verstärkt in der Coronakrise die Arschkarte gezogen. Arrogante Arschlöcher wie S. merken das nicht, sind zu blöd dafür, wer Frau und festen Freundeskreis hat, der und die ist auch nicht auf institutionelle Treffen wie Sportkurse, Konzerte, oder Kneipen angewiesen. Letzte Woche Erkältung, war dieses Mal erstaunlich heftig. Aber auch kein Wunder, es war für Ende April richtig kalt mit 10°C oder 12°C plus. Ich hatte mir dringend weniger Wind und etwas wärmere Temperaturen gewünscht, um diese lästige Rotzerei loszuwerden. Fast darf ich es nicht laut sagen, dass ich krank war – denn sofort ist man verdächtig. Ich bin so müde, bin es so leid. Ihr könnt Euch Eure scheiß Ausschluß- und Ausgrenzungsmaßnahmen in den Arsch stecken!!! Kein Mensch fragt danach, wie man sich fühlt, wenn man sich wegen eines positiven Corona-Tests isolieren soll. Ausgrenzung, auch ohne jede Krankheit hatte ich zur Genüge in der Schule, überall! Weil die Schulsozialarbeit fehlte und den Lehrern* die Schüler*innen scheißegal waren, die beide Seiten, die anderen wie mich auf die eigenen Fehler aufmerksam machte und endlich für eine echte Gemeinschaft gesorgt hätte! Das lass ich mir heute nicht mehr gefallen! Ich habe viel getan, um dazuzugehören, das lasse ich mir nicht mehr nehmen!

Ich glaube nicht mehr an ein „Danach.“ Weil nicht klar ist, wann das sein soll. Weil zu viel kaputt geworden ist oder durch die Coronakrise beendet wurde. So auch das zweite BA-Studium, dieses Mal nicht abgeschlossen. Schade, aber es war die logische Konsequenz (dazu später an anderer Stelle mehr). Wo werde ich wieder Floorball als Amateurin spielen können? Leider haben nur wenige Vereine Amateur*mannschaften. Werde ich wieder die alte Fitness haben? Auch das Fitnesstraining darf nicht stattfinden. Es ist schwer, als Erwachsene, die keine 30 mehr ist, wo rein zu kommen. Erst recht wenn man kein Halbprofi ist aber auch fitter als viele gleichaltrige Frauen, die schon nach 5 km Radstecke schnaufen wie ein Postgaul. Auf das furchtbare alte Krampfadern-Geschwader, das nur peinliche Gymnastik macht, boah, auf sowas kann ich kotzen und verzichten! Das ist der peinliche Alt-Weiber-Müll meiner Mutter, den ich nie, niemals haben will! Weil ich ein anderer Mensch bin! Bei mir zählt die Freude an derBewegung. Ich habe nie Medallien gewonnen. Dennoch bin auch ich nach einem Training k.o. Bei Frauen ab 40 ist die E-Bike-Dichte bemerkenswert hoch. Da komme ich mir als Biobikerin wirklich doof vor. Eine Chance, mitzuhalten, habe ich dann nicht. Ich bezweifele auch, ob es immer gesundheitliche Gründe sind, weshalb diese Frauen kein Rad ohne Motorenunterstützung fahren. Ich vermute stark, dass ein E-Motor auch eine willkommene Unterstützung eines sexitisch geprägten Körperbildes ist. Schon Mädchen wird beigebracht, sich ja immer schön „reinlich“ zu halten. Schiefe Frisur, weil man schwitzt, Schweißflecken auf dem Oberteil? – ein No-Go! Dafür muss Frau sich schämen! Und zwar grundsätzlich, da muss man nicht unbedingt in der Bank arbeiten. Ich selbst wurde auch schon schief angeschaut, wenn ich mit verschwitzten Haaren ankam. Ist eben aber sowas von normal! (Nicht im Theater, wohlgemerkt, sondern in der Arbeit z. B.) So sieht man eben aus, wenn man entweder eine längere STrecke oder eine kürzere Strecke schnell gefahren ist. Oder wäre Euch lieber, hecheln zu müssen wie ein Hund? Wohl nicht nur wegen der Aerosol-Übertragung des Coronavirus eine sehr unangenehme Vorstellung. Mit E-Bike schwitzt man natürlich weniger. Nur für Lastenräder und Strecken ab 50 km Länge befürworte ich Elektromotoren uneingeschrhänkt.

In dem Chor, bei dem ich so gern mitgesungen und Gleichaltrige getroffen hätte, haben sie leider genug Altistinnen. Es tat weh, dort nicht mitmachen zu können, schon seit 6 Jahren habe ich keinen passenden Chor mehr, auch wenn ich die Entscheidung des Chorleiters sachlich verstanden habe. Sachlichkeit und Wissenschaft kann Klarheit bringen, aber auch so weh tun.

Eigentlich freue ich mich jedes Jahr auf den Frühling. Die erneute „Explosion“ bei Blüten und Blätterwachstum bringt den Menschen wieder eher dazu, zu hoffen. Doch dieses Jahr ist die Pausentaste im Leben aufgrund der Coronakrise immer noch gedrückt. Kein Ende in Sicht. Die Coronakrise bedeutet aber nicht zwangsläufig eine Pause vom Leben, sondern einen „rasenden Stillstand“ (Paulo Virilio). Dieser soziologische Begriff beschreibt den Zustand sehr gut, wenn man zwar immer vor dem eigenen Rechner sitzt, also rein physisch still steht, aber ständig sich in diese oder jene zoom-Konferenz einwählen muss. Dazu beschränkte Abholzeiten bei Geschäften, die zusätzlich Streß machen. Wie unverschämt auch, lokale Geschäfte unterstützen zu wollen, anstatt bei amazon zu bestellen, pfui!

SUPPORT YOUR LOCAL DEALER!!! eigenes Foto

Die Corona-Impfung verläuft sehr schleppend, die sogenannten „Baby-Boomer“, also Menschen, die in den 1950er Jahren geboren wurden, verschärfen die Situation noch, weil sie den Impfstoff von AstraZeneca ablehnen. Sie widern mich an! Und ihre scheiß Villa, Herr Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, die können Sie sich in den Arsch stecken! Aber schön dafür am Maskendeal verdient, am Leid anderer Menschen! Ebenso Andrea Tandler von der CSU. Man kann nur noch davon laufen, auswandern, sofern man das Geld hat. Oder sich den Tod wünschen. Mit dieser schlampigen Politik und all den eigenen privaten Enttäuschungen gibt es keine lebenswerte Zukunft. Geringverdienende waren und sind der Politik ohnehin scheißegal. Und leider hat die verlogene falsche Dreckspartei CDU / CSU bisher jede Krise überlebt. Ihre Werbung für’s Impfen kann sich die Bundesregierung auch sparen, denn: es geht NICHT um fehlende Impfbereitschaft! Es geht darum, daß Sie zu blöd waren, rechtzeitig Impfstoff zu beschaffen! Und ordentlich darüber aufzuklären! DAS wäre IHRE AUFGABE GEWESEN!!!

Beruflich….

läuft es eben auch nicht gut. Ich hätte „nur“ noch ein paar Arbeiten und die Bachelorarbeit schreiben müssen. Aber nicht nur wegen der Coronakrise sind die Lernbedingungen mies gewesen. Es ging nur um das Prestige der Dozenten. Man züchtet sich dort eine Elite heran, die dann die guten Jobs z. B. beim DLF bekommt. Arztsohn versteht sich. Was soll da jemand, die nur als zusätzliches „Schmuckstück“ dienen sollte, aber nie anerkannt war, noch dazu als einzige in der eigenen Familie, die studiert hat? Ich hatte keinen Bock auf diese Rolle, nie und die Schnauze voll von all der Arroganz, der Ignoranz für sämtliche Belange von Studierenden. Nachfrage wegen Literaturtips? Fast immer Stille. Kurzausleihe in der Fachbibliothek? 1 ! Tag! Ein Witz! zwar gibt es Buchscanner, aber die Qualität ist so schlecht, daß die Augen bald müde werden. Einen BA-Abschluß habe ich bereits schon. Leider interessiert das kaum mehr einen Arbeitgeber. Gern hätte ich das Volontariat in einem Museum gemacht, wofür ich mich im Januar 2020 beworben hatte. Zwar ist der Job, den ich momentan machen muss, um zu überleben, nicht der schlechteste. Aber es hat eben weder mit Kulturwissenschaft (mein BA-Abschluß) noch mit Journalismus (was ich nicht abgeschlossen habe) zu tun! Ich habe NICHT die Mühe, die Arbeit und den Ärger eines bayerischen Abiturs und Studiums auf mich genommen, um ein Leben lang einen scheiß bezahlten Job zu machen!!! Auch wenn wenn es gut in diese verdammte Gesellschaft passt, bei der die Herkunft immer noch über den Beruf und Einkommen entscheidet! Das KOTZT MICH AN!! Aber nein, Zustände wie in Finnland mit nur einem Schulsystem und grundsätzlich gleiche Chancen für alle, so daß es selbstverständlich ist, dass sogenannte „Arbeiterkinder“ auch studieren, wo kämen wir denn da hin mit der ganzen elitären Scheiße von CDU und CSU! Pfründe und Vorrechte aufgeben und Gleichheit in Deutschland schaffen, nix da!

Das traurige ist, dass all die Stumpfhirne, die nur die Wissenschaft verehren und blind für Gefühle sind, diese Krise überleben werden. Die kein Verständnis für Menschen haben, die das Theater vermissen, um die Lieblingskneipe trauern oder sich erlaubt haben, Anfang März 2021 einen Friseurintermin wahrgenommen zu haben. Wenn man sich eben sonst für nichts außer z. B. PC-Spiele interessiert, wundert diese dämliche einseitige Sicht nicht. Empathie? Hm, was was war das noch mal? Sowas stört und verunsichert nur. Weg damit! Die Empfindsamen werden an der Coronakrise kaputt gehen oder in einem Leben dahin siechen, das man nicht mehr lebenswert nennen kann. Nur eine leise Hoffnung bleibt, dass schlechte Wünsche auch in Erfüllung gehen und alle gefühlskalten, verständnislosen Menschen und Betrüger bestraft werden.

Ob kleine Cafés und Kneipen die Coronakrise überleben werden? Eigenes Foto

Die Lösung wäre ein grundlegender gesellschaftlicher Wandel gewesen: eine andere Politik, die schon zu Beginn erklärt hätte (auch am Bespiel anderer Länder und Krankheiten wie z. b. Ebola), was eine „Pandemie“ überhaupt ist. Dazu ein Erfahrungsbericht von anderen Regierungen sowie Menschen aus anderen Ländern, wie sie deren Pandemie erlebt haben. Damit hätte man mehr Verständnis in der Bevölkerung für einen totalen lockdown bekommen können. Dazu Sätze wie „Wir können verstehen, dass es für Sie hart ist, daß in den nächsten 3 Wochen kaum aus dem Haus gehen können, weil Theater und Kneipen und Sportkurse geschlossen sind. Danach werden wir aber, so die Planung nach den Erfahrungswerten aus diesen und jenen Ländern wieder öffnen können, weil der Coronavirus unter Kontrolle ist.“

Mit dieser Aussicht hätte man leben können. Weil ein Ziel vor Augen gewesen wäre, kein ewiges Dahin-Ziehen eines nochmaligen „lockdowns“, und dann wieder ein „lockdown, und wieder…. So wird das nichts! Aber sich dann wundern, wenn Leute durchdrehen und Geschäfte demolieren oder heimlich Partys machen! Ist beides scheiße, ohne Frage. Aber wundern, das tun mich diese Reaktionen nicht.

Die Lösung wäre gewesen, die Menschen emotional abzuholen. Nur in autoritären Staaten kann man plötzlich einen kompletten „lockdown“ beschließen, ohne Rücksicht auf Arbeitsverhältnisse, Kinderbetreuung, Einstellungen, Gefühle, das Leben eines einzelnen Menschen. Schon vor der Coronakrise hätten ausreichend Möglichkeiten geschaffen werden müssen, damit Familien, v.a. mit geringem Einkommen und manchmal auch weniger Bildung, nicht in der Luft hängen. Dass man überall im Land digital kommunizieren kann. Das wurde alles verpasst. Arme Menschen sind der Politik und Wirtschaft scheißegal, weil bei diesen Personengruppen nichts zu verdienen ist.

Auch verkehrstechnisch haben viele Städte nichts gelernt. Wo in Berlin trotz Widerständen dank dümmlichem rückwärtsgewandtem Denken von CDU/CSU/AfD sich PopUp-Bikelanes etabliert haben, wartet man in Dortmund vergebens darauf. Mit dem derzeitigen Oberbürgermeister, der noch dämlicher als der alte ist, braucht man auch nichts in Sachen Radverkehr erwarten. Ja, man rühmt sich nun, den Bau des RS 1 zu beginnen. Allerdings mit massenhaft Verspätung. 2020 sollte der ganze! Radschnellweg 1 von Hamm nach Duisburg fertig sein. Eine hilflose „Verkehrsschulung“, bei der schon Kinder auf „Rücksicht“ gegenüber Autofahrenden hingewiesen werden und einen Helm verpasst bekommen, hält man fest. Stattdessen sollten regelmäßige Schulungen für Autofahrer*innen Pflicht sein!

Pop-Up-Bike-Lane und Parkplätze weg: schon könnten Radfahrende sicher unterwegs sein. In Dortmunds Schützenstraße ist das nicht gewollt. Eigenes Foto

Wenn auch nicht jeden Tag in gleicher Weise, so muss man doch bei jeder Fahrt mit dem Rad auf der Hut sein, um nicht von Autofahrenden umgemäht zu werden. Radfahrende werden in Deutschland meistens als lästige Insekten angesehen, die man am liebsten totschlagen möchte – nicht als jemand, die/den man als gleichberechtigte Verkehrsteilnehmer*innen anerkennen würde. Und dann wird sich über scheinbare „Fehler“ von Radfahrer*innen gewundert. Ja irgendwann hat man eben keinen Bock mehr auf Bettelampel und Gängelungen bei der Wegeführung!

Die Lösung wäre, dass diese Gesellschaft endlich aufhört, vor allem Frauen ab 30 oder 40 Lebenskahren abzuschreiben. Ich frage mich, ob ich mir überhaupt noch die Mühe und Arbeit machen soll, eine Bewerbung zu schreiben. Nur für ein Praktikum bei KLF Kultur habe ich 1 ! Woche lang an einem Trailer, der verlangt wurde, gebastelt. Dann hatte angeblich der Versand nicht funktioniert. Ich war wütend und verzweifelt. Ich rede hier übrigens von der Software der TU Dortmund, nicht von irgendeinem Billiganbieter. Es soll dann wohl doch angekommen sein, aber zwei aufeinander folgende Bewerbungen waren erfolglos. Es gibt die kranke Vorstellung in vielen Hirnen, v.a. bei der sogenannten „Abeitsagentur“, was Menschen ab 40 arbeiten sollen. Der ehemalige Pommelbuden-Verkäufer, der jetzt angeblich oder tatsächlich so glücklich als Lokführer arbeitet. Könnt Ihr Deppen von Beamten Euch in den Arsch stecken! Ohne den Beruf des Lokführens abwerten zu wollen: ich habe nicht studiert, um einen scheiß Job zu machen, für den man nur angelernt sein braucht! (und den ich derzeit machen muss). Und ich lasse meine Arbeitskraft auch nicht bei irgendeinem scheiß Hinterhofsender verbrauchen, der mich nicht mal bezahlen kann oder will! Aber dann in ein paar Jahren, dann jammern sie alle wieder im öffentlich-rechtlichen Rundfunk, dass sie zu wenig „Arbeiterkinder“ in den eigenen Reihen haben, auch zu wenig Frauen. Geht mir doch zum Teufel mit Euren scheiß Lügen, Ihr Pfeifen! STELLT UNS EIN! NEHMT UNSERE BEWERBUNGEN ERNST, MACHT EIN TRANSPARENTES BEWERBUNGSVERFAHREN!!!

In so einem Land will ich nicht leben. Die Kraft, diese miesen Zustände auszuhalten, ist am Ende angelangt. Zum Auswandern habe ich leider kein Geld. Deshalb plädiere ich für ein Recht auf Freitod. Auch weil der Mensch eben kein Einzelgänger*in ist. Ob die Kultur je wieder so sein wird, wie sie war? Es fehlt so sehr, andere Menschen zu treffen, ganz gleich, ob man sich in der Pause über Musik unterhält oder in einem Club einfach nur nebeneinander tanzt. die Stadttheater werden überleben. Aber was ist mit den nicht-staatlichen Theatern und Clubs? Wenn es eine Zukunft gibt: wie soll diese aussehen? S. aus Essen werde ich jedenfalls nicht verzeihen. So wie es besser wäre, die Menschheit würde sich selbst zugunsten des Planeten abschaffen, so gibt es auch kein Vergeben mehr. Mit Narzissten muss ich keinen Umgang haben.

Wo soll es nach der Coronakrise hingehen, wenn es ein „Danach“ gibt?

Der Klang des Kanals

Ein Plätschern, ein Fließen oder nur ein leises Tropfen. Oder gar ein laufender Strom wie in Goethes Zauberlehrling. Dieser Stoff mit der ‚chemischen‘ Bezeichnung H_2_O , hat viele Zuschreibungen erhalten. je nachdem, wie Wasser sich bewegt, hat es einen anderen Klang. Beim Meer spricht man von Meeresrauschen. Aber wie klingt ein See, ein Teich, in dem es so gut wie keine Wellen gibt? Oder ein Kanal, auf dem Frachtschiffe, manchmal auch Ruderboote fahren?

Majestätische Bewegung und Klang: Frachtschiff auf dem Dortmund-Ems-Kanal.

Das Wasser des Dortmund-Ems-Kanals rauscht nicht von allein. Große Schiffe, meistens Frachter oder der Wind erzeugen Wellen, deren Rauschen man hört. Gelegentlich hört man ein „Platsch“ an sonnigen Tagen, wenn Menschen in den Kanal zum Baden springen. Ist eigentlich nicht erlaubt, aber wohl doch so erfrischend, dass man es immer wieder tut. (Ihren Abfall sollten die Badegäste aber bitte wieder mitnehmen! Und die Hafenverwaltung sollte mehr Mülleimer aufstellen). An diesem sonnigen Montag, den 29. März 2021 hört man außerdem Spaziergänger*innen am Kanal, wie sie plaudern, lachen, manche haben Musikboxen angeschaltet. Vom Hafen hört man Maschinengebrumm. In einem Garten nahe des Kanalweges hört man immer wieder jemand rufen, ob die Frau nach einem Tier oder Menschen ruft, ist unklar.

An diesem Montag bekam der Dortmund-Ems-Kanal einen zusätzlichen Klang, den er vielleicht noch nicht gehört hat.

Immer auf der Suche nach ungewöhnlichen Übe-Orten: hier am Dortmund-Ems-Kanal, kurz vor der Hafeneinfahrt.
Immer auf der Suche nach ungewöhnlichen Übe-Orten: hier am Dortmund-Ems-Kanal, kurz vor der Hafeneinfahrt.

Heute habe ich es wie Sonny Rollins gemacht und draußen Saxophon geübt. Nicht ganz bei einer Brücke wie der berühmte Jazz-Saxophonist, ok. Eher abseits der zahlreichen Spaziergänger*innen, denn wer übt, will nicht viel Publikum. Üben ist kein Konzert, sondern die Vorbereitung darauf, das verstehen nur wenige. Es klang ganz anders, als wie ich es bisher gewohnt war. Der Schall wurde von dem Gebäude an der anderen Uferseite zurück geworfen, die lang anhaltenden Töne erinnerten zum Teil an eine Schiffshupe. Die vorbei ziehenden Binnenschiffer ließen sich aber damit nicht veräppeln 😉

Gegenüber auch ein paar Zuhörer*innen, ein vorbeifahrender Radfahrer lächelte mich an, ich lächelte zurück. Abstand gewahrt in der Coronakrise und kommunizieren können: wie schön, wenn man sich wieder richtig sieht. Für eine Stunde diesen Scheiß namens Covid-19 vergessen können und Saxophon am Kanal spielen, während die Frachtschiffe vorbeiziehen – das konnte ich heute tun. Und ist es auch nur das Wasser des Kanals, so denke ich beim Blick darauf immer an das Meer und sein Rauschen.

Sehnsucht nach dem Meer, auch wenn man nur am Kanal ist.
Sehnsucht nach dem Meer, auch wenn man nur am Kanal ist.
Trotz des schönen Wetters kamen hier nicht ständig Leute vorbei. Ich konnte also Saxophon fast immer unbehelligt üben.
Trotz des schönen Wetters kamen hier nicht ständig Leute vorbei. Ich konnte also Saxophon fast immer unbehelligt üben.

Kleinstaaterei in der Coronakrise? Gut so!

kostenloses Foto, von pexels. Kleinstaaterei: auch in Deutschland die Krisenlösung bei Covid-19!

Trotz wieder steigender Zahlen von Covid-19-Infizierten will Gesundheitsminister Josef Laumann, NRW, dass Unterricht in den Schulen stattfindet. Doch rebellische Kommunen setzen sich durch! Eine Glosse von Angelika Steger

Hinweis: dieser Text könnte ironische und satirische Elemente enthalten.

Gut so!

Das wollte man nicht glauben: NRW-Gesundheitsminister Josef Laumann ordnet die Schulöffnung in ganz NRW an. Weil die „Inzidenzwerte unter 100 liegen.“ Der Landkreis Düren und die Stadt Dortmund protestieren: sie wollen nicht, dass die Anzahl der Corona-Infizierten steigt und steigt. Verständlich, denn schlecht für die Statistik. Außerdem muss der ohnehin defizitäre Flughafen Dortmund-Holzwickede wirtschaftlich gestärkt werden: die lia-weiße Fluglinie hat angekündigt, noch mehr Flüge nach Mallorca starten zu wollen. Mehr Infizierte -das hieße keine notwendigen Flugreisen für den Strandurlaub und kein Geld für den Flughafen mehr.

Doch: Minister Laumann bleibt hart. Bundesrecht bricht Landesrecht, Landesrecht bricht Kommunalrecht. Ganz gleich ob Dortmund, Iserlohn oder Düren: die Schulen müssen offen bleiben, Wechselunterricht soll die Ansteckung vermindern. Da kann der Oberbürgermeister von Dortmund noch so oft in die Kamera motzen, wettern und zetern, Wissenschaftsignoranz hat, das haben wir in der Coronakrise gelernt, in Deutschland inzwischen Tradition wie die Kleinstaaterei im 19. Jahrhundert. Bis das Deutsche Reich 1871 als ein Land geformt werden konnte, lief viel Wasser den Rhein hinunter. Es gab es viele kleinere und größere Fürstentümer, Herzogtümer, Grafschaften, jedes mit eigenen Gesetzen, Zöllen, Währungen, Regierungen.

Und darin liegt die Chance für heute, der Lösung für die Coronakrise im 21. Jahrhundert. Auf zur Kleinstaaten-Bildung! Bayern, naja, das ist noch nie wirklich ein demokratisches Land gewesen, schon immer Königreich, auch wenn der derzeitige König, äh Ministerpräsident Markus Söder den schicken geschwungenen Bart und vornehme Haartolle von König Ludwig II. von Bayern vermissen lässt (obwohl die Friseur-/innenauch in Bayern wieder auf haben). Ab sofort begreift die Stadt Dortmund sich als Stadtstaat, Südwestfalen wird wieder zur Grafschaft Siegen-Wittgenstein unter der Herrschaft des Siegener Stadtrates, Essen und Duisburg wird vom Industrieadel Krupp regiert. Münster und das Umland gehen wieder an Preußen unter König Wilhelm II, äh Regierenden Bürgermeister von Berlin, Michael Müller, in Paderborn gibt es ohnehin ein Fürstbistum und Köln als Stadtstaat verwaltet den Rhein-Erft-Kreis gleich mit. Die Proklamation erfolgt dann per Zoom, als Hintergrundbild dient die Frankfurter Paulskirche. Zusammen erlassen sie eine eigene Impfverordnung, organsieren und führen Schnelltests selbständig durch. Und die foodsharing-Gruppen von NRW containern dafür den Astra-Zeneca-Impfstoff, den die Bundesregierung nicht mehr verimpfen will. Rebellion gegen Bundes- und Landesrecht. Mit Christian Drostens und Sandra Cieseks Konterfei als Amtssiegel. Gegen so viel Rebellion, ja da ist dann auch das kleine Düsseldorf machtlos und selbst der Bundesgesundheitsminister bekommt es bei so viel entschlossenem Tatendrang mit der Angst zu tun.. Ministerpräsident Armin Laschet wird mit sofortiger Wirkung Karnevalspräsident auf Lebenszeit, Josef Laumann sein Komparse. SO sieht moderne Pandemiebekämpfung aus! Pappnasen auf ewig zum Karneval, während verantwortungsvolle Herzoginnen und Grafen – äh Bürgermeister-/innen die Problemlösung selbst in die Hand nehmen.

Ganz Nordrhein-Westfalen ist von der Pandemiebeschleunigung bedroht?

Nein! Ein paar rebellische Bürgermeister-/innen und Landrät-/innen leisten Widerstand!

Deshalb: auf zur Kleinstaaterei!

Hat den Bogen raus: mit einem Urban Arrow durch die Stadt

Manchmal hat man Glück. Manchmal meldet sich jemand, wenn man etwas sucht. In einer Critical-Mass-Gruppe hatte ich gefragt, ob jemand in meiner Stadt auch ein Lastenrad mit E-Motorenunterstützung verleihen könnte. Und siehe da, es meldete sich jemand. GErda wohnt ja in Gelsenkirchen, der „verbotenen“ Stadt, der Weg dorthin ist für die Ausleihe schon immer weiter und langwieriger. Die Ausleihe in meiner Wahl-Heimatstadt bot die Möglichkeit, ein weiteres Modell, das ich noch nicht kannte, auszuprobieren.

Irgendwo muss man sein Auto ja parken können!

Es ist das Modell Urban Arrow eines niederländischen Herstellers. Hm, so ein ähnliches hatte ich doch schon? Ja, der ULF vom ADFC Unna, auch ein bakfiets von der Marke vanAndel. Doch auch wenn beide Räder aus dem selben Land kommen, eine ähnlich große „Wanne“ als Transportfläche haben, so sind sie doch verschieden. Beide sind für die Stadt, weniger für lange Touren gemacht – in Sachen Fahrkomfort gibt es aber einige Unterschiede. Das lässt sich auch feststellen, obgleich der ULF von van Andel im Gegensatz zum Urban Arrow keinen Motor hat.

Aufbau und Rahmengestaltung

Man sieht es auf den ersten Blick: ein wirklich sportliches Rad ist das Urban Arrow nicht. Der gesamte Rahmen hat dickere Rohre, der Einstieg ist tief, der Sattel leicht nach hinten geneigt. Wie beim klassischen Holland-Rad eben. So vergleichsweise leicht wie GErda aus Gelsenkirchen lässt es sich auch nicht anheben, wenn man mal ein Hindernis vor sich hat. An einem Tordurchgang muss ich das Urban Arrow regelmäßig anheben, weil es sonst auf der Kuppe am Boden aufliegt. Selbst der Gepäckträger besteht aus relativ dicken Streben und ist im Rahmen integriert. Je nach Größe der Greifringe an der Satteltasche passt aber eine Ortlieb-Tasche an diese kräftige Transportpferd.

Nicht unwichtig: ein Gepäckträger am Lastenrad – und wenn es nur für die Versorgungstasche ist.

Tiefer und deshalb bequemer Einstieg: Wie die GErda, das Packster 60 von Riese und Müller ist das Urban Arrow ein rockfreundliches Rad. Ein großer Pluspunkt. Was allerdings am Anfang irritiert, ist das hohe Dach, das in Richtung der/des Fahrer-/in zeigt. Manchmal bin ich mit dem Gesicht dagegen gestoßen. Jedes (Lasten-)rad ist eben anders. Trotz des vergleichsweise hohen Daches behält man aber während der Fahrt immer den Überblick. Denn die Sitzposition ist wie beim Hollandrad aufrecht. Der Lenker ist aber glücklicherweise nicht gar so hoch wie beim ULF, dem Lastenrad von vanAndel, was für ein angenehmes, fast hoheitliches Fahrgefühl sorgt. Jetzt bitte noch das königliche Wappen der Niederlande vorne drauf 😀

Alles im Blick: der Lenker mit Bordcomputer u.a. am Urban Arrow.

Jedes Lastenrad ist anders. Meistens fahre ich von den E-Lastenrädern, die leihbar sind, das Packster 60 von Riese und Müller mit Kettenschaltung, die GErda. Deshalb gab es bei der ersten Fahrt mit dem Urban Arrow wieder lustige Dinge zu erleben. Weil ich die Kettenschaltung gewöhnt bin, habe ich vor dem Anhalten mit dem Urban Arrow immer schön brav runter geschalten oder vor der Ampel hektisch schalten wollen. „Brauchst du aber nicht“ flüsterte mir daraufhin die NuVinci-Schaltung beruhigend zu. Ich musste schmunzeln. Diese Schaltung war gewöhnungsbedürftig – aber ich gewöhne mich immer wieder gerne und bald daran. Die Nu-Vinci-Schaltung reagiert intuitiv, stufenlos, das ist eine große Erleichterung beim Radeln. Für Zahlenfans und Statistik-Fanatiker*innen aber ein Graus (nee, nix gibt es da in Sachen Zahlenanzeige am mechanischen Display!)

Der Bordcomputer ist an sich übersichtlich gestaltet. Was mich aber immer verwirrt, ist die Einstellung der Unterstützung in die verschiedenen Stufen Eco, Tour, EMTB, Turbo. Im Gegensatz zum kleinen Display am Packster 60 muss man beim Urban Arrow auf der linken Lenkerseite die gewünschte Stufe drücken. An der Ampel anfahren… huch, warum geht das plötzlich so schwer? Hatte ich doch versehentlich den Motor ausgeschalten! 😉 Oder: hui, warum plötzlich die Sport-Unterstützung? Eine Sache, woran ich mich immer wieder gewöhnen muss. Nach der ersten Fahrt weiß ich aber wieder: Vorsicht beim linken Lenkergriff…. und es läuft ohne falsche Motoreinstellungen.

Hoch zulaufendes Dach: daran muss man sich immer wieder gewöhnen.

Einsatz des Urban Arrow : ein Lastenrad für die Stadt

Die Finanzierung der eigenen Waschmaschine lässt noch auf sich warten. Also trug das Urban Arrow für mich zuverlässig und sicher meine Wäsche zum Waschsalon.

Angekommen: Erst mal Kofferraumdeckel hoch und abladen 😉

Während die Maschinen arbeiteten, ging ich in der nahe gelegenen Kaiserstraße einkaufen. Das Schöne am Lastenrad ist ja: es passt viel rein. Ich muss mir keine Sorgen machen, etwas nicht sicher transportieren zu können. Einen Parkplatz finde ich auch immer. Unfassbar war jedoch an dieser Stelle Ecke Gerichtsstraße / Hamburger Straße in Dortmund ein Falschparker etwas weiter hinter dem geparkten Lastenrad. Ein SUV-Pickup auf dem Gehweg. Mit einer Dreistigkeit und Selbstverständlichkeit parkte er vor einer Werkstatt. Offensichtlich gab es was abzuholen. Als ich gegen 18.30 Uhr zurück kam, stand er immer noch da. Einzelne Passant*innen kamen noch durch – was aber nicht heißt, dass er dort zu parken hat!

Vollgeladen: 2 große Taschen mit gewaschener, nasser Wäsche und eine Tasche mit Supermarkteinkäufen.

Auch vollgeladen ließ sich das Urban Arrow super fahren. Kein Gewackel, kein Murren. Die „Wanne“ ist tief, so passte alles schön rein. Thema Dreistigkeit: als ich im Waschsalon die zweite Tasche mit der gewaschenen Wäsche holte, musste tatsächlich eine Passantin in die Ladefläche glotzen, das Regendach war ja offen. Nur gut, dass ich die erste Tasche schon vor das Lastenrad gestellt hatte, so dass es unmöglich war, einfach in die Ladefläche zu fassen! Gekaufte Lebensmittel zu stehlen… sollte eigentlich hierzulande nicht notwendig sein. Aber Deppen, die es unbedingt tun müssen, gibt es immer. Ein strenger Blick durch die Scheibe und mein baldiges Auftauchen draußen vor dem Waschsalon genügte, dass sich diese Frau verziehen musste.

Das Urban Arrow verzeiht sogar die blöden Unebenheiten, die es überall auf Deutschlands Straßen und Wegen gibt: selbst abgesenkte Bordsteine sind nicht wirklich eben. Aber wer will schon alle paar Meter absteigen und schieben? Als ich im Sommer für einen Abend in Nijmegen / Niederlande war, schaute ich zweimal auf den Boden, warum es kein Gerumpel gab und sich so schön und störungsfrei fahren hatte können!

Und ab nach Hause über den Gerichtsplatz und die Schleichwege. Das nächste zoom-meeting wartet
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Fazit

Das Urban Arrow ist ein gute Kompromiß zwischen sportlichem Lastenrad und Hollandrad. Es liegt gut auf der Straße, läuft ruhig, ohne behäbig wie das Lastenrad von van Andel zu sein. Das Design ist trotz des sehr dicken Sattelrohres dennoch sportlich orientiert: das macht der bogenförmige Rahmen um die Transportfläche aus und wirkt jeder Behäbigkeit entgegen. Das Transportvolumen ist ordentlich, man muss aber beim Verladen von schweren Lasten aufpassen, dass man sich nicht „verhebt“, also im eigenen Bewegungsapparat keine Verletzung („Hexenschuss“ u.ä.) zufügt, weil man die Lasten tiefer in die Transportbox lassen bzw. abladen muss. Pluspunkt ist auch der Gepäckträger. Nicht nur, weil in der Coronakrise alle Kneipen zu haben und Bäckereifilialen früher am Tag schließen, habe ich meist mein eigenes Essen dabei. Das will ebenfalls verstaut werden. Außerdem muss nicht die neueste Speisekarte auf der frisch gewaschenen Wäsche landen…. Nachteil ist natürlich das höhere Gewicht, das ist klar. Ein Kaltblüter ist eben was anderes als ein kräftiges Reit- und Packpferd wie das Packster 60 von Riese und Müller. Vorteil ist natürlich auch, dass der Verleiher für mich leichter zu erreichen ist. Ich bin auch trotz mancher Nachteile und mancher gewöhnungsbedürftigen Eigenschaften gern mit dem Urban Arrow gefahren. Für die Miete in Höhe eines von mir gebackenen Kuchens gerne immer wieder. 🙂 Herzlichen Dank an den Verleiher !

Bogenförmiges Regendach, bogenförmiger Rahmen der Transportfläche: zusammen ein sportliches Design beim Lastenrad Urban Arrow.

Weiß und kalt: wenn gar nichts mehr geht

Es ist Februar 2021, der „lockdown“ wegen des verdammten Coronavirus dauert immer noch an, das gesellschaftliche Leben liegt immer noch still. Noch kann man sich aber draußen bewegen… Bis zur Nacht vom 6. Februar. Der Winter hatte beschlossen, in dieser Saison doch noch mal nach NRW zu kommen.

Zitat aus dem Newsletter des Deutschen Wetterdienstes vom Freitag, den 5. Februar 2021:

Am morgigen Samstag und auch am Sonntag verlagert sich Tief TRISTAN bis nach Benelux und führt die Warmluft weiter hinein die Mitte des Landes, wodurch sich zunehmend die Luftmassengrenze verschärfen wird. Denn in den Norden und Osten fließt ausgehend von hohem Luftdruck über dem Nordmeer und Skandinavien arktische Meereskaltluft mit östlicher Strömung ein. Dort wo sich die Luftmassen treffen, intensivieren sich die Niederschläge bis zum Abend und in einem Streifen etwa vom Münster-/Emsland bis nach Sachsen, später auch bis nach Brandenburg setzt starker Schneefall ein. Dazu kommt starker bis stürmischer Ostwind auf, der zu starken Schneeverwehungen in der Nord- und Osthälfte am frisch gefallenen Schnees führt. Nach den derzeitigen Prognosen werden sich insgesamt bis zum Montagvormittag etwa 10 bis 25 cm über 24 bis 36 Stunden ergeben. In einem Streifen von Münster- und Emsland bis nach Südniedersachsen sind 20-40 cm, lokal auch etwas mehr Zentimeter Neuschnee möglich. Da die größten
Mengen in diesem Bereich voraussichtlich über einen Zeitraum von 12 Stunden fallen wird hier auch extremes Unwetter erreicht. Von der Elbmündung bis nach Nordbrandenburg fallen die Mengen geringer aus und bewegen sich voraussichtlich zwischen 5 bis 10 cm. Neben den überregionalen Verkehrsbehinderungen mit teils unpassierbaren Verkehrswegen durch den Schneefall und die Schneeverwehung droht Schneebruch und auch Leiterseilschwingungen. Im Übergangsbereich zu Warmluft nach Süden kann es ab Samstagabend verbreitet zu überörtlichem Glatteis kommen. Dabei friert der fallende Regen womöglich über einen längeren Zeitraum am Boden und an Gegenständen fest. Der gefährdetste Bereich erstreckt sich im Westen etwa vom Niederrhein bis in die Kölner Buch über das Siegerland und Nord- und Osthessen bis ins
Vogtland und Oberfranken im Ostem. In diesen Regionen ist ein Eisansatz von mehreren Millimetern bis in den Zentimeter-Bereich möglich. Es besteht neben den Verkehrsbehinderungen durch spiegelglatte Straßen die Gefahr von Eisbruch an Bäumen und Infrastruktur (z.B. Stromleitungen).

Kaum gibt es irgendwo Schnee, werden viele Bilder der weißen, kalten Kristalle auf Facebook gestellt. Schon wieder… aber irgendwie auch angenehm, diese Bilder. Endlich mal was harmloses, auch schönes in dieser anstrengenden, frustrierenden Coronakrise. Die Fake-Jäger des Netzes, mimikama.at haben es richtig erkannt gehabt. Angesichts des Klimawandels ist es aber fast geboten, den Winter zu dokumentieren. Was war „Schnee“ und „Eis“ noch mal?

Nicht mehr ganz so frisch: platt gedrückter Schnee auf der Herderstraße Dortmund. eigenes Foto.

An sich mag ich den Winter. Kälte auszuhalten ist für mich kein Problem, denn wenn man ehrlich ist: die Temperaturen in Mitteleuropa sind wirklich auszuhalten. Wir haben kein Kontinentalklima oder gar die sehr tiefen Temperaturen am Polarkreis.

An dem Abend des 6. Februars 2021 (Samstag), als es mit dem Schnee, man muss sagen, Schnee-Sturm losging, hatte ich Schicht. Wir arbeiten für die telefonische Fahrplan- und Tarifauskunft für verschiedene Verkehrsunternehmen. Ich wußte, dass Schnee kommen sollte – aber war dann doch überrascht. Schön sah mein Rad aus.

Die Heimfahrt, besser Heim-Weg war aber weniger schön. Der Wind zog heftig, so dass ich lieber den Weg durch die Stadt nahm, weil die Häuserreihen an der Rheinischen Straße in Dortmund den Wind besser zurückhalten als im frei gelegenen Industriegebiet Westfaliastraße/Hafen. Fahren war im immer tiefer werdenden Schnee unmöglich. Also schieben. War nervend, denn ich wollte nach einer langen, anstrengenden Schicht nach Hause. Auf der Brücke der Rheinischen Straße hielt plötzlich ein Auto. Ich dachte, dass der Fahrer mich nach dem Weg fragen hätte wollen… aber er zeigte mir seinen Presseausweis, er fragte, ob ich ein kurzes Statement zum Schnee geben wolle, das sei für das ZDF. Ich stimmte lächelnd zu.

Im Schneckentempo ging es voran Richtung Innenstadt. Nur unter den Arkaden der Imbißbuden konnte ich hier und da mal vielleicht hundert Meter lang rollen. Der Schnee… Wie eine hoheitliche, aber nicht hochmütige Autorität gebietet er allen, sich langsamer zu bewegen, Pläne einzustellen oder zu verändern. Ohne Widerspruch. Es ist immer ruhiger auf den Straßen, mal schnell wohin fahren geht nicht mehr, auch Raser-/innen haben keine Chance mehr. Fast hätte man eine Tonaufnahme vom Schnee machen sollen, wenn Füße oder Fahrradreifen auf dem Schnee ihre Spuren hinterlassen. Wie ein leises Knarzen, dennoch gut vernehmbar.

Straßen im Winter: ein immer seltener werdender Anblick. Hier im Hahnenmühlenweg. Überraschenderweise sind hier viele Autler* unterwegs!

Nach Mitternacht sind nie viele Menschen unterwegs, außer vielleicht am Wochenende, wenn es keine beschissene Corona-Pandemie gibt. Durch die weißen, gefrorenen Kristalle sind es noch weniger. An der Kreuzung Brinkhoffstraße standen Fahrzeuge der Stadtverwaltung: die Straße wäre vereist und würde deshalb abgesperrt. Die ganze Szene wirkte leicht skurril. Ich musste ohnehin schieben. An einfach den Berg hinunter in die Schützenstraße rollen, davon konnte nicht die Rede sein.

Die Schützenstraße, eine der großen Ausfallstraßen der Nordstadt Dortmund, ist immer voller Autos, laut und stinkend. Mir tun die Anwohner-/innen schon immer leid. Es gilt immer, was auch deutsche Mitbürger vormachen: wer ein Auto hat, möglichst ein großes dickes, der hat es geschafft. WAS GESCHAFFT? frage ich mich immer wieder. Seit dieser Nacht war es auch für die Freunde (seltener Freundinnen) der motorisierten Stinkerkisten eng geworden. Auf dichter Schneedecke fährt und „cruist“ sich eben nicht gut. Die vermeintlichen Bewunder-/innen am Straßenrand sind verschwunden. Nach fast 2 Stunden für einen Heimweg von 4 Kilometern war ich dann zuhause.

„Sie wollen heute aber nicht mit dem Rad fahren?“ derartige Fragen bekam ich (und wohl auch manch andere Radfahrer-/in) während der Woche voller Schnee öfter gestellt. Ich wollte zurückfragen: „Warum fahren Sie Auto?“ , wäre ich nicht zu sehr mit allem anderen beschäftigt gewesen. Es ist gar nicht so einfach, sich im Schnee fortzubewegen. Was mich ärgerte: ich konnte verstärkt Autofahrer-/innen beobachten, die ihren Motor laufen ließen, anstatt vom Parkplatz gleich wegzufahren. Einer meinte, das sei notwendig, weil das Auto mehrere Tage gestanden hätte. Echt?

Manchmal hilft nur noch die Kombination Rad+ÖPNV, um voran zu kommen.

In einer Chatgruppe von Radfahrenden sprachen wir über Radfahren im Winter. Selbst die Leute mit Spikes am Rad sagten, dass sie nun aufgegeben hätten. Irgendwann heißt es dann beim Radfahren: Ne rien va plus. Ich musste mich umstellen, nach Abfahrtszeiten der Stadtbahn suchen. Zur Stadtbahn nahm ich dennoch das Rad mit – aus Gewohnheit und weil ich nicht so recht darauf vertrauen wollte, ob die Bahn nachts auch zurück fahren würde. In der Stadtbahn traf ich auch einmal einen Radfahrer – Schicksalsgeschwister im Geiste waren wir.

Mich ärgern solche Kommentare. Das ist Auto-Denke. Selbst in der Stadt findet sich immer eine Ausrede, dass man „doch mit dem Auto fahren müsse. Es nervt, es nervt! Warum fragt niemand, warum man für die 100 m zur Bäckereifiliale, Kiosk oder Bank Kraftstoff verbrauchen und Lärm erzeugen muss??? Warum fordert niemand einen besseren ÖPNV? Sind die Kuchen, Semmeln, Brot oder Zigaretten oder Getränke so schwer, dass man unbedingt ein tonnenschweres Fahrzeug für den Transport dieser Dinge braucht?

Nur jetzt im Schnee, da kam auch kein Auto weit. Ich nutzte das Rad weiterhin. Zumindest als Lastesel, um Leergut wegzubringen. Schieben ging ja noch. Es war nun Montag, der 8. Februar 2021.

Langsam geht es auch durch den Schnee.

Leergut zurück, Maske wieder abgenommen, Brille wieder aufgesetzt. Die Coronakrise macht zusätzlichen Streß. Die Brille darf nie, nie verloren gehen, deshalb nehme ich sie vor dem Einkaufen oft ab, verstaue sie sicher in der Handtasche, um mit Maske klar sehen zu können. Für die Zeit des Einkaufs geht´s auch mal ohne Brille. Heute hatte ich sie aber nicht vor dem Einkauf abgesetzt. Ich war gestreßt: erst durch den Schnee stapfen, dann der lästige, wenn auch notwendige Maskenkram, der die Brille anlaufen lässt. Nach dem Einkauf: erst mal draußen durchatmen. Doch es gab noch mal Ärger: das Schloß war eingefroren! Daran hatte ich nun wirklich nicht gedacht gehabt! Ich kann mich auch nicht erinnern, das schon mal erlebt zu haben. Man muss an so vieles denken beim Schnee, mehr Zeit und andere Wege einplanen, weil man nicht mehr wirklich Rad fahren kann. Kettenöl ins Schloß, Enteiserflüssigkeit… nichts half. Wütend trug ich erst nur die Einkäufe nach Hause, um danach wieder zu kommen und das Rad nach Hause zu tragen. Es sind „nur“ 300 bis 400 Meter vom Supermarkt zu meiner Haustür. Genervt und wütend war ich dennoch. Einen freien Tag stellt man sich anders vor! Das war der Montag, 8. Februar.

Eingefrorenes Schloß. Nichts ist nerviger!

Nach diesem Erlebnis hatte ich ein paar Tage später ein Enteiserspray bei einer Tankstelle gekauft. Schon auch lustig, mit dem Rad an einem Ort vorzufahren, wo sich viele Blechkisten treffen. Während der gesamten Schneewoche kam dieses Spray aber nicht mehr zum Einsatz, haha.

Im Film ist sowas lustig. Wenn man betroffen ist, nicht. Einkaufen ist eine Notwendigkeit, es ging auch nicht darum, dass ich unbedingt Eis oder Schokolade haben hatte wollen. Das Wetter hatte hier eine Grenze gezogen, die ich nur schwer akzeptieren hatte können. Nicht mehr oder kaum mehr radfahren können: ok. Aber dass jetzt auch das Schloß zufrieren hatte müssen… Dank des Klimawandels gibt es immer weniger richtige Winter. Vielleicht habe ich und wir alle es auch verlernt, müssen uns immer wieder darauf einstellen, bewußt machen, was – 8°C und noch niedrigere Minusgrade bedeuten.

Während der Woche fing es an zu tauen. Nach und nach konnte man wieder ein paar Abschnitte befahren. Es war aber eine Frechheit, wie lange es dauerte, bis die Schützenstraße wirklich geräumt gewesen war! Auch die größere Nebenstraße Herderstraße hätte eine Schneeräumung vertragen können. Als ich einmal zum Waschsalon fahren wollte, sah mich die Verleiherin ungläubig an. Durch den Matsch, das machte weder Spaß, noch kam man wirklich voran. So fuhr ich die Hauptstraßen, die waren wirklich geräumt. Was sonst als so umständlich erscheint, weil man nicht die bekannten Schleichwege benutzen kann, war jetzt genau richtig. Auf dem Weg zur Verleiherin von NOLA hatte ich nicht daran gedacht und mich durch den Matsch gequält. Den Weg durch die Nebenstraßen und Wege bin ich eben gewohnt. Auf z. B. der Schützenstraße und Mallinckrodtstraße radelt man nicht gern.

Winterspaziergang mal anders….. nicht so entspannend.

Warum ich mich mit einem unmotorisierten Lastenrad durch die Landschaft plagte, erst recht, als es noch gefroren hatte?

Ich hatte bei einem Getränkemarkt fränkisches Bier bestellt, noch lange, bevor der Dt. Wetterdienst den ‚Wintereinbruch‘ vermeldete. Das wollte abgeholt werden. Dafür fahre ich auch 10 Kilometer durch die Stadt, vom Norden in den Süden. Es hatte geklappt. Satte 2 Stunden für den Hinweg, beim Rückweg wählte ich die Route etwas klüger aus, weil ich dann wußte, wo der Schnee geräumt war. Ein Wahnsinn, dass man sich als Radfahrer-/in nicht darauf verlassen kann, dass die Straßen und Wege geräumt sind!

Endlich angekommen am Getränkemarkt.

Das war der einzig geräumte Weg, immer noch zu schmal für Spaziergänger*innen und Räder, aber immerhin. Entlang der Dorstfelder Allee bis zur Abbiegung zur Schnettkerbrücke konnte ich etwas flotter fahren.

Der einzig geräumte Radweg, den ich angetroffen hatte.

Ich musste den Verleiher (nicht die Verleiherin, es gibt 3 NOLAs) anrufen, dass ich später käme. Ging nicht anders. Als ich die NOLA geholt hatte, hatte er einen Schlitten dabei gehabt. Im Nachhinein hatte ich mir auch gedacht: ach wärst du besser Schlitten fahren gegangen! Ach ja…. wie man sich als Erwachsene(r) Zeit nehmen muss, auch Schönes zu tun. In der Coronakrise erscheint alles im Leben immer sinnloser. Kaum ein Hobby macht mehr Spaß.

Entlang der Emscher bei der Dorstfelder Allee. Idylle im Schnee. Wenn da nicht der Coronavirus wäre…

Emscher mit Blick Richtung Innenstadt.
Richtung Dorstfeld Süd.

Und dann war da schon der Sonnenuntergang…. Sportliche Betätigung, die hatte ich an diesem Tag wirklich genug.