ADFC NRW, Allgemein, Landtagswahl 2017 NRW, Politik, Radverkehr

Frischer Wind für den Radverkehr in NRW

Eine Überraschung gab es am 20. Mai 2017 bei der Landesversammlung des ADFC Nordrhein-Westfalen in Neuss. Die 43 Deligierten aus den Kreis- und Ortsverbänden des Bundeslandes hatten einen Dringlichkeitsantrag für die Unterstüzung des neuen Bündnisses „Aufbruch Fahrrad: Verkehrswende für NRW“ vorliegen. Vorbild für diese neue Initiative ist der Volksentscheid Fahrrad in Berlin ( https://volksentscheid-fahrrad.de/de/willkommen-beim-volksentscheid/ ). Der ADFC Berlin hätte sich durch sein ablehnendes Verhalten gegenüber den Initiatioren des Volksentscheids sehr blamiert.  Dieser Antrag des Landesvorstandes wurde kontrovers diskutiert: manches ADFC-Mitglied gab an, diese Initiative nicht zu kennen, auch Angst vor dem möglichen Hintergrund wurde laut, man wolle sich nicht von Parteien wie der MLPD unterwandern lassen. „Wir müssen uns als ADFC nicht hinter denen verstecken“ monierte ein Mitglied. Michael Kleine-Möllhoff hielt dagegen, daß das „Aktionsbündnis Fahrrad“ keiner politischen Partei zuzuordnen sei. „Es geht auch nicht darum, immer in allen Punkten mit dieser Gruppe übereinzustimmen. Wenn wir die unterstützen, können wir mitwirken, bei den Formulierungen mitbestimmen. Wenn wir nur von außen zusehen, dann verpassen wir eine große Chance.“

Diese große Chance liegt darin, daß viele Mitglieder von „Aufbruch Fahrrad – Verkehrswende für NRW“ jünger als 50 Jahre sind. Seit Jahren kämpft der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) in nahezu allen Landesverbänden mit der Überalterung seiner aktiven Mitglieder. Die Zusammenarbeit beider Radlobby-Gruppen bringt neuen Wind in die Arbeit eines jahrzehntelang aktiven Vereins. Die Wirkung nach außen darf auch nicht unbeachtet bleiben: wer Unterstützer und aktive Mitglieder für die eigene Ehrenamts-Arbeit braucht muß seinen Mitgliedern das Gefühl geben, daß sie unterstützt und in ihren Interessen vertreten werden. Diese Unterstützung kann nur dann vorhanden sein, wenn sich Aktive von ihren Vorsitzenden und ADFC-Kollegen vertreten und anerkannt fühlen.

Monika Volkmer vom KV Aachen wies darüber hinaus auf eine vom ADFC fast unbeachtete Gruppe in der Bevölkerung hin: „Wir brauchen als ADFC nicht nur mehr Jugendliche, sondern wir brauchen auch Menschen mit Migrationshintergrund. Auch wenn wir aufgrund anderer Mentalitäten, z. B. bei dem was Frauen dürfen oder nicht dort anfangen müssen, wo wir vor 30 Jahren begonnen haben.“ Karsten Obrikat vom KV Märkischer Kreis verwies scherzhaft auf ein Mitglied, das, aus dem Bundesland Bayern, Region Franken stammend, nach Dortmund gezogen sei und und dort nun für den ADFC NRW aktiv ist.

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Nach einer lebendigen Debatte wurde diesem Dringlichkeitsantrag des Landesvorstandes  für die Unterstützung des Aktionsbündnisses mit großer Mehrheit zugestimmt.

Auch vorgestellt wurde das bereits im März gegründete Frauennetzwerk im ADFC. Derzeit gehören 3 Kreisverbände aus dem benachbarten Niedersachsen und einige aus NRW. Isabelle Klarenaar (stellv. Geschäftsführung des Landesverbandes) und Annette Quaedvlieg (Landesvorstand) erläuterten die Ziele dieses Frauennetzwerkes: Frauen seien auch im ADFC immer noch unterreprästentiert. Oft werde nicht bemerkt, wo Frauen im ADFC arbeiten würden. Neue Zielgruppen sollen angesprochen, einzeln arbeitende Mitglieder zusammengebracht werden – und das „für Leute, die das Gefühl haben, nicht die volle Stimme zu haben.“ (Zitat A. Quaedvlieg). Frauen sollen Kontakte zueinander aufbauen, Potentiale entwickeln und in Vorstandspositionen gestärkt werden.

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Nicht nur schicke, sondern auch starke Frauen fahren jede Art von Rad und arbeiten im ADFC aktiv für den Radverkehr – auch in Leitungspositionen. (Foto: K. Obrikat)

Alle Frauen, aber auch die Männer seien aufgerufen, dem Frauennetzwerk des ADFC NRW beizutreten.

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Einfluß des ADFC NRW auf die Landespolitik

Die Landtagswahl vom 14. Mai 2017 in Nordrhein-Westfalen stellte die Weichen für eine neue Landesregierung aus CDU und FDP. Die bisherigen Parteien SPD und Grüne wurden abgewählt, vor allem die SPD Essen war durch ihre Haltung zum Weiterbau des RS1 negativ aufgefallen ( Offener Brief des ADFC Essen an CDU und SPD: https://www.facebook.com/ADFC.Essen/photos/pcb.1317908344964083/1317907644964153/?type=3&theater ). Diese neue Landesregierung wird neue Minister-/innen stellen und der ADFC wird seine Arbeit gegenüber dem Verkehrsministerium neu gestalten müssen. In beiden Wahlprogrammen von CDU und FDP war nichts oder nur sehr rudimentäre Angaben zur Förderung des Radverkehrs in NRW gemacht worden. Der Chef der FDP, Christian Lindner wurde von einem Deligierten sogar mit den Worten aus der „Welt“ zitiert, daß es ein Verlust an Kultur sei, wenn es kein Automobil mehr gebe. Diese Aussage läßt wissen, welche Haltung eine der zukünftigen Regierungsparteien zum Thema Fahrrad und Mobilität hat.

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Hitzig diskutiert wurde der Antrag des Kreisverbandes Bielefeld, dass öffentliche Arbeitgeber in NRW ihren Beschäftigten geleaste Fahrräder oder Pedelecs gegen Gehaltsumwandlung zur dienstlichen und privaten Nutzung überlassen können. Ein Deligierter aus Wuppertal sieht darin nicht die erhoffte Verdrängung von Abgas erzeugenden vierrädrigen Dienstwägen, vielmehr würde aufgrund der steuerrechtlichen Bestimmungen viel Geld verloren gehen. Der Sachverhalt ist sehr kompliziert, weil öffentliche Arbeitgeber mit Steuermitteln arbeiten und die Tarifverträge im öffentlichen Dienst ein Leasing von Dienstfahrrädern nicht unbedingt zulassen (ver.di hatte sich bereits einmal dagegegen gesperrt. Dieser Antrag wurde vertagt.

 

RRX-Projekt soll Bahn und Fahrrad als Alltagsverkehrsmittel verbessern

Ein Vertreter des VRR  stellte das Projekt „RRX“ vor. Bei Befragungen von Nutzer-/innen verschiedener Bahnhöfe sollte evaluiert werden, ob und wie sich die Nutzung von Rad und Bahn für Alltagswege wie z. B. den Weg zur Arbeit, gestalten würde. Ziel des Projektes ist es, die Nutzung beider Verkehrsmittel zu optimieren.  Am Bahnhof Düsseldorf-Flughafen gibt es wohl bereits eine sichere Parkmöglichkeit für Fahrräder (Fahrradboxen).

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Doch was tut die DB AG und die AGFF (Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundliche Städte)  für das RRX-Projekt? Die Züge in NRW sind voll, da wird die Fahrradmitnahme auch mal schwierig, wenn man es nicht sicher am Startbahnhof verwahren kann. Konkrete Auskünfte konnten dazu leider nicht gegeben werden. Der VRR und die DB AG machen derzeit nicht gerade durch positive Dinge von Mit z. T. Überraschung wurde die Ankündigung der Fachtagung „Radverkehr & ÖPNV“ am 31.5. aufgenommen, für die die Anmeldefrist am Tag der Landesversammlung (20. Mai 2017) abläuft; manchem war diese Tagung nicht bekannt. Positiv zu vermerken ist, daß der VRR-Mitarbeiter auch Mitglied im ADFC NRW ist. (http://www.zukunftsnetz-mobilitaet.nrw.de)

 

Seminarangebote des Landesvorstandes zu wenig beachtet

Der Landesvorstand verwies erneut auf seine Fortbildungsangebote für Mitglieder zu den Themen Pressearbeit, Tourenleitung und Mitgliederwerbung, die nur wenig genutzt würden. Die Gründe für die Nicht-Teilnahme wurden von mehreren KV-Vertretern genannt: im Sommer finden die Freiluftveranstaltungen des ADFC statt (vor allem: geführte Touren), so daß keine Zeit für Seminare sei. Außerdem fänden die Seminare oft an schlecht erreichbaren Orten statt. Der Landesvorstand versicherte, daß in Zukunft die Seminare im Herbst und Winter stattfinden würden.

 

Am Ende eines langen Tages mit Beratungen, Diskussionen und Abstimmungen hat sich gezeigt: Vereinsarbeit kostet Kraft, vor allem wenn man seinen eigenen Antrag mangels Zustimmung aufgeben muß. Der gegenseitige rege  Austausch von Ideen fördert den Kontakt der Mitglieder untereinander. Die Erfolge (Fahrradfahrschule für Geflüchtete, geführte Touren, Einsatz für den Weiterbau des RS 1 in Essen u.a.) die der ADFC NRW für das vergangene Jahr 2016/2017 aber verbuchen kann zeigen, daß  Vereinsarbeit für den Radverkehr sich für jeden lohnt: für mehr schadstofffreie Mobilität und bessere Gesundheit aller Menschen in NRW.

Ein großes Dankeschön geht an den ADFC Neuss für die gute Wegweisung vom Hauptbahnhof zum Tagungsort, dem Rathaus und der Stadt Neuss für die Bereitstellung des Tagungsraumes.Wenn es dann auch mal noch mit der Fahrerlaubnis für Fahrräder Richtung Rathaus und zurück klappt, freut sich jede-/r Radler-/in – vor allem, wenn sie oder er Neusser Bürger-/in ist.

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Allgemein, FAHRRAD, Fahrradwache ADFC Dortmund, Gesellschaftskritik, Radverkehr

Alltagsbeobachtungen VII: Unsere Arbeit am Westfalenstadion, die ADFC-Fahrradwache.

An die Leute, die immer wieder zu uns als Fahrradwächterinnen kommen, um Ihr Gepäck abzugeben:

Wir machen unsere Arbeit gerne und geben auch noch freundlich Auskunft für Sachen, die uns nichts angehen – die Gepäckabgabe-und Aufbewahrung. Das wurde mehrere Male vorher schon gesagt: im Zwitscherfunk =Twitter ebenso wie mündlich und auf Plakaten an der Wache.
Was aber gar nicht geht: nichts sagen und einfach seine Tasche über den Zaun auf unser Gelände schmeißen, während wir mit der Abfertigung der Räder beschäftigt sind. Im Gegensatz zur Hydra hat jede von uns nur 1 Kopf und nur 2 Augen und kann nur 1 Menschen auf einmal zuhören. Das sind meistens, Radfahrer-/innen, die zu uns kommen und ihr Rad parken wollen. Und genau dafür und nur dafür sind wir da, weil wir ehrenamtliche Arbeit für den Allgemeinen Deutschen Fahrradclub, Kreisverband Dortmund e. V. machen. Infos dazu gibt es hier:

https://www.adfc-nrw.de/kreisverbaende/kv-dortmund/service/service-details/article/bvb-fahrradwachen.html

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Die Fahhradwache am Westfalenstadion. Das dunkelgraue Häuschen ist die Helmbude = eine Gepäckabgabestelle. Der Container mit dem BVB-Logo ist ein Fanartikel-Verkaufsstand.

 

Die zahlreichen Anfragen, sein Gepäck abgeben zu wollen zeigt auch, daß  die Ordner an den Stadiontoren offensichtlich falsch informiert sind und die Fans zu uns in die Fahrradwache statt in die unmittelbar daneben liegende Helmbude zu schicken. Außerdem scheint es immer noch zu wenige Abgabestellen für die ganzen Handtaschen, Rucksäcke bis zu dicken großen Reisekoffern zu geben. Wenn man von weiter her anreist und vor dem Spiel das Hotel, in dem man übernachtet hatte, verlassen hat, um erst das Fußballspiel zu sehen und danach wieder nach Hause zu fahren/zu fliegen kann es zugegebenermaßen schwierig sein, den Koffer irgendwo sicher zwischenzulagern. Die Fahrradwache am Westfalenstadion ist aber der falsche Ort dazu.

Der BVB ist aufgerufen, für mehr Gepäckabgabestellen zu sorgen und dies auch auf allen Kanälen öffentlich mitzuteilen, damit auch die letzten nicht erst 5 Minuten vor Spielbeginn merken, daß sie mit ihren Taschen nicht ins Stadion können. Außerdem soll er bitte den Ordnern an den Stadiontoren genau sagen, wo Gepäck abgegeben werden kann – eben nicht in der Fahrradwache, die zufällig unmittelbar neben der Helmbude=eine Gepäckabgabe von mehreren, liegt.

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Eingang der Fahrradwache.
Eigentlich sollte jede und jedem klar sein, was diese Gedankenlosigkeit und Dummheit für Folgen hat: weiträumige Polizeiabsperrung, verärgerte Fans, die Umwege bei dem Weg aus dem Stadion nehmen müssen und ihre Räder mit über 1 Stunde Verspätung erst holen konnten, weil der Bombenentschärfer erst anreisen musste. Damit haben Sie sich mega Freunde gemacht und Ärger eingehandelt, entehrte Taschenbesitzer! Ein Jungspund nahm es offensichtlich als lustig an, durch die Absperrung zu rennen, angefeuert von einem etwas älteren Mädel, die prompt eine Anzeige von der Polizei bekam (wie der Vorwurf genau lautete, war nicht auszumachen). Wohl hatten beide nicht den Ernst der Lage erkannt und mußten auf die leider harte Tour ihre Leichtfertigkeit büßen. Danke an die Fans, die trotz der langwierigen Warterei geduldig geblieben sind und nachher noch ihre Räder von uns kontrollieren haben lassen. Danke auch an die Polizei (Münster, nicht Dortmund), die ruhig und besonnen gearbeitet hat, die Fahrradwache rundherum gesichert und uns nicht gehetzt hat, als wir die Fahrradwache verlassen mußten.

Eigentlich sollte man nach den Ereignissen der vergangenen Wochen wissen, dass es nicht so toll ist, seine Tasche irgendwo einfach stehen zu lassen ohne was zu sagen. Es waren noch ca.  45 Minuten bis Spielbeginn, als die Tasche wohl über den Zaun geworfen worden war. – deshalb wäre noch gut  Zeit für die Abgabe an den consignes gewesen. Aber mancher braucht wohl Post von der Polizei, um das zu begreifen 😑😒
Ich wünsche mir in Zukunft normale Spieltage ohne solche Idioten!

Angelika Steger & Kolleg-/innen vom ADFC Dortmund e. V.

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„I do my crying in the rain“

Ostersonntag. Auch wenn man kein christlich konotiertes Fest feiert hätte man doch zumindest gern trockenes, im besten Falle SONNIGES Wetter. Oster 2017 war kaum sonnig. Es war das, was das Frühjahr eigentlich ist und das totale Gegenteil von einigen Tagen im März: naß und kalt. Einstellige Werte statt sommerlicher Temperaturen. Die Kälte wäre ja noch zu ertragen… aber die Nässe, die ist wirklich mies. Durch die Nässe wirkte die Witterung kälter, als sie wirklich war.

Das trübe kalte Wetter paßte zur Stimmung, die seit Dienstag (11. April 2017) in Dortmund herrschte.

Zum Hintergrund:Ob man Fußball mag oder nicht: der Einfluß dieses Sports mit seinen Unternehmen (auch „Fußballvereine“ genannt) ist groß und weil es sich bei Fußballspielen um Großveranstaltungen handelt, ist der gesamte öffentliche Raum betroffen. Seit dem Anschlag auf den BVB-Mannschaftsbus am Dienstag war die Stimmung angespannt, auch bei uns in der Fahrradwache, die wir am Stadion machen (https://www.adfc-nrw.de/kreisverbaende/kv-dortmund/service/service-details/article/bvb-fahrradwachen.html  ). Beim Wiederholungsspiel am Mittwoch (12. April) wurde neben der ADFC-Fahrradwache ein „verdächtiger Gegenstand“ wie es so schön im Polizeijargon heißt, gefunden. Am Freitag abend, als ich von der CM Essen am Bahnhof Dortmund zurückkam, war der Durchgangstunnel zu beiden Seiten gesperrt. Und weil das noch nicht genug beängstigend gewesen ist mußte am vergangenen Samstag ein Idiot ungefragt und achtlos seinen Rucksack IN der Fahrradwache stehen lassen. Der ganze Streß mit der Räumung des Geländes, die Aufregung darum… man weiß nicht, was drin ist. Der Polizei ist kein Vorwurf zu machen, die Beamt-/innen waren höflich (das ist nicht selbstverständlich). Aber an diesem Tag reichte es mir von den Idioten, die achtlos ihr Gelumpe irgendwo ablegen, ohne was zu sagen – oder meinen, man würde die dicke Kohle machen, indem man einen Sprengstoffanschlag auf einen Mannschaftsbus eines Fußballvereins, der börsennotiert ist, verübt. Geht mir alle zum Deifl!

Das Wetter war am Ostersonntag nicht zur Erholung angetan – aber zuhause bleiben macht die Lage auch nicht besser.

Los ging es am Dortmunder Hauptbahnhof Richtung Wuppertal. Wegen Bauarbeiten brauchte der Zug eine gefühlte Ewigkeit, um endlich in W-Oberbarmen anzukommen. Gegenüber des Bahnhofvorplatzes den Berg hinauf (die Kirche kann man als Orientierungspunkt nehmen) erreicht man die NORDBAHNTRASSE am Bahnhof Wichlinghausen. Nachteil: an dieser Stelle sind die coolen Sachen wie der Mirker Bahnhof schon nicht mehr erreichbar, wenn man Richtung Hattingen fährt. Sonst starte ich am Bahnhof W-Vohwinkel.

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Nach Durchfahrt eines Tunnels war Regen zu sehen. Also Regenkleidung an… Wäre ein Foto wert gewesen, aber vor lauter Kleidungswechsel leider vergessen. Der Witz: nach kurzer Zeit hörte der Regen wieder auf. Allerdings… die Schuhe hätten ohne Gamaschen dann doch anders ausgesehen 😛

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Stetiges Wechselspiel zwischen Sonne und Wolken.

 

Nach der Nordbahntrasse kann man auf die Kohlebahntrasse abbiegen und Richtung Hattingen fahren. In Hattingen folgte ich dem Weg Richtung Bochum. Plötzlich ist man an der Ruhr….ein Angler verließ gerade mit Sohn den Platz am Fluß.

Jetzt kann man endgültig die Regenjacke einpacken.

 

Kaum ein Mensch unterwegs! Das ist der Vorteil bei diesem Wetter. Nur Rindviecher trifft man immer an der Ruhr.

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In Bochum landete ich in Bochum-Dahlhausen. Dort wurde die Wegweisung unklar: sollte es wirklich in der Straße „Im Stapel“ weiter Richtung Weitmar und Innenstadt gehen? Am Ende dieser Straße läuft der Weg steil bergan durch einen Wald. Mit fortschreitender Zeit war es richtig kalt geworden, so daß ich die Tour in Bochum-Dahlhausen abbrach. Ganz ohne Smartphone und mit dem Fahkartenautomaten am Bahnhof Dahlhausen holte ich mir eine Verbindung. Also wieder mit der Bogestra Richung Bochum Hauptbahnhof; nur dieses Mal nicht ab Hattingen. Locker 20 Minuten fuhr die Straßenbahnlinie 318, so weit im Süden der Stadt liegt also Bochum-Dahlhausen.

Zuhause machte ich mir dann noch das Festtagsessen. Mit neuer Spezialität: Frotzelknödel. Für alle kritischen Menschen und Schwarzseher, Nihilisten, die gern frotzeln und oftmals nicht so Unrecht haben.

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Weil irgendwie jede und jeder meinte, heute Knödel machen zu müssen, war der Kloßteig ausverkauft. So mußte ich den „Reibekuchenteig“ nehmen, der einiges an Kartoffelmehl als Zugabe brauchte, damit es Knödel statt Brei wurde.

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Am niederen Rhein – wo mag das sein?

Die Zeit drängt. Tag um Tag sitzt man am Schreibtisch, die Arbeit SOLL ENDLICH! fertig werden. Doch es geht nicht weiter… man mag schon gar nicht mehr sitzen. Man weiß schon nicht mehr, wie die Luft draußen vor der Tür ist…so ging es mir vergangene Woche. Die für das Frühjahr ungewohnt hohen Temperaturen, an denen sich viele Mitmenschen so enthusiastisch erfreuen, freuen auch die Pollen. Und ja, wegen mir sollen sie auch alle fliegen, es soll ja was wachsen, blühen und Früchte bringen wie jedes Jahr. Aber warum, warum macht das Immunsystem bei Pollenflug solch einen Terror, daß man wegen verstopfter Atemwege kaum mehr schlafen kann?? An jedem Tag des Jahres fliegt richtig gefährlicher Dreck durch die Luft, nämlich: Abgase von Kraftfahrzeugen. Doch da regt sich kein Immunsystem auf – zumindest nicht so akut wie bei den Pollen.

Die nervige, aber völlig unnötige Pollenallergie war verantwortlich dafür, daß ich nicht weiterkam mit dem Schreiben. Einmal gab ich entnervt auf und machte mit dem Rad wenigstens eine kleine Fahrt um den Block. Am Samstag abend gab die Gruppe von „Mask and Music“ unserer Universität eine tolle Vorstellung der Musicalfassung von „Addams Family.“ Eine willkommene Abwechslung, denn Schreiben-Müssen (und den Abschluß haben wollen)  von Arbeiten macht auch einsam. Wegen der Pollenallergie, die zu ständiger Mattigkeit führt, konnte ich auch die regulären anderen Termine der Woche, die Gesellschaft versprechen, nicht wahrnehmen. Am Samstag abend auf dem Weg zur Musicalvorstellung mußte ich ungewollt auch noch auf einen Rassisten treffen. Ja, Rassismus hat viele Gesichter, denn Dummheit und Stumpfheit kennen keine Grenzen. Zuerst dichtet man nicht-deutsch aussehenden Menschen was an, weil vielleicht einer, der auch so aussieht oder auch aus einem bestimmten Land kommt, einen Fehler gemacht hat. Dann sind für viele Deutsche alle Menschen aus …. faul/dumm/gewalttätig usw. Es geht aber auch noch perfider: wer aus dem „falschen“ Bundesland kommt, wird ebenfalls rassistisch angefeindet. Schon das 3. Mal in meinem Leben, schon das 2. Mal in NRW. Was bleibt, ist diesen Idioten eine immer offene Büchse der Pandora zu wünschen. Und zum Glück werden auch schlechte Wünsche wahr – auch wenn die Geschädigten das leider nicht immer mitbekommen. Rassismus und Mobbing müssen zu Straftatbeständen werden! Denn diese Taten verletzen die Seele. Körperliche Gewalt verletzt den Körper, das wird vom Gesetzgeber bestraft – doch das ist zuwenig.

Ich glaube jetzt zu wissen, wie sich nicht-deutsch aussehende Menschen fühlen, die Rassismus erfahren müssen. Nicht erst seit den o.g. Erlebnissen verurteile ich Rassismus als menschenfeindlich, als Dummheit – und: Rassismus ist ein Verbrechen, keine Meinungsäußerung.

Den Sonntag nutzte ich für die Vorbereitungen. Die Strecke war festgelegt, die Taschen gepackt, noch einmal Fitnesstraining gemacht – und dann mußte am Sonntag abend die Brille brechen. Genau in der Mitte. Nach fast 7 langen Jahren hat meine Brille nun ihren Dienst quittiert. Schon vor Monaten hatte ich an eine neue gedacht, aber das Vorhaben immer wieder verschoben. Dabei hatte ich um 10 Uhr in Duisburg sein wollen. Von dort aus sollte es nach Xanten gehen. Das konnte ich jetzt vergessen.

Montag morgen nach schlechtem Schlaf erst mal zum Optiker, ein Notfall war zu lösen. Die alten Gläser konnten in ein neues Gestell, um überhaupt eine Brille zu haben. Dann: eine neue aussuchen. Ich betrachtete es nicht mehr so sehr als „Staatsakt“, auch wenn Brillen einen großen Anteil daran haben, wie man aussieht und bei anderen ankommt. Es war jetzt schlicht eine Notwendigkeit, um wieder ordentlich sehen und agieren zu können. Früher hätte ich den Optiker, der mich bediente, vielleicht als „affig“ bezeichnet, weil er manchmal komisch lachte und leicht übertrieben hantierte. Bei genauerem Hinsehen wurde aber klar, daß er über Fachwissen verfügte und mir auch klar sagte, was Sache war – das ist nicht selbstverständlich. Ich gab letztendlich mehr Geld aus, als ich wollte, aber: ich bekam Qualität dafür. Während die alten Gläser in ein neues, wenn auch nicht ganz passendes Gestell gearbeitet wurden, frühstückte ich in einem hippen Großstadt-Szene-Lokal, bei dem man sofort mit „du“ angeredet wird und das bei allem Wohlgeschmack der Speisen überteuert ist. Mein favorisierter Kaffee-Trink-Laden, das „Wohnzimmer“ hatte am Montag erst ab 17 Uhr auf. An meinem Geburtstag wollte ich es mir gut gehen lassen, ein Stück schönes Leben haben, wenn schon soviel Unsinn wie eine kaputte Brille und rassistische Beleidigungen  sein müssen.

Und: tataa! Die alte neue Brille war gegen 13 Uhr fertig. Zugverbindung rausgesucht…. und ab zum Hauptbahnhof! Ab Duisburg würde ich es nicht mehr schaffen… aber ab Rheinberg. Es blieb noch Zeit für die Entgegennahme eines Gratulationsanrufes, was mich sehr freute und wieder aufbaute.

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Endlich GEHT ES LOS!!!

Am Vormittag war der Himmel noch düster gewesen, wolkenverhangen. Und es war kühl, so wie es im Frühjahr – eigentlich – ist. Am frühen Nachmittag, als ich am Hauptbahnhof Dortmund losfuhr, wurde es – wie plötzlich – wärmer. Und in Rheinberg total sonnig. Die Jacke, die morgens noch so notwendig gewesen war, konnte jetzt praktisch „spazierengefahren“ werden. Ebenso die Regenjacke. Aber wehe, man hat mal keine von beiden dabei….

In Rheinberg gab es erst kurze Verwirrung, dann kam ich mit einer Hundespaziergängerin in einen netten Plausch, der sich nicht nur um die Wegrichtung drehte. Der große schöne Berner Sennenhund benahm sich auch anständig; überhaupt reagieren die meisten großen Hunde viel cooler auf mich als Fahrradfahrerin als es die -hust*- kleinen „Hunde“ tun. Die Erziehung macht´s aus, und die macht nunmal der Mensch, nicht das Tier.

Ähnlich wie im Ruhrgebiet kommt man erst mal an Industrieanlagen vorbei….

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…die sich dann kurioserweise mit ländlich anmutenden Sträßchen abwechseln. Also kurios für die und den, wer nicht im Ruhrgebiet aufgewachsen ist.

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Nach ca. 2 Streckenkilometern taucht er dann auf, der Rhein, also der „Alte Rhein“ (zumindest entnahm ich das der Karte so).

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Die Weite der Rheinwiesen, die auch dem Überflutungsschutz dienen. Die Anzahl der vierbeinigen Rindviecher nahm auch immer mehr zu, je weiter ich mich ins Land bewegte. Im Hintergrund sieht man immer wieder Schiffe vorbeiziehen…

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Bei fast andächtiger Stille auf den Weiden herrschte in den Bäumen Hochbetrieb. Der Immobilienmarkt der Krähen ist heiß umkämpft.

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Das Frühstück war doch schon eine Weile her… jetzt war es Zeit für die Brotzeit. Die erste Bank seit langem… nicht der schönste Platz (wenige km weiter wäre eine schönere Bank gewesen), weil immer wieder ein Güllewagen vorbeifuhr. Die Fracht wurde aber außerhalb meines Blickfeldes ausgebracht, weshalb das nicht so tragisch war.

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Während der Brotzeit mußte ich grinsend an den Spaß-Artikel vom Postillon denken, während der Güllewagen immer wieder zum Hof, an dem mein Weg vorbeiführte, lag und dann erneut zu den Feldern aufbrach.

http://www.der-postillon.com/2015/09/ekelhaft-landwirt-verteilt.html

 

Es dauert eine ganze Weile, bis man direkt am Rhein entlang fährt. Jetzt ist zumindest Wesel am Rhein im Blick.

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Selten, daß mir auch soviele Liegeradfahrer-/innen entgegenkommen… einer fuhr ein flux C500, ein Modell, das ich vor langen Jahren ausgeliehen hatte. Ich konnte kaum meine Begeisterung kund tun – da war er schon weg 😉 Die Dinger sind sowas von flott! Es war so wunderbar zu fahren, daß ich es nicht mehr hergeben wollte… das nötige Kleingeld, um so ein tolles Reise-Gefährt zu kaufen, fehlt mir leider immer noch.

 

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Spätestens jetzt kommt ein Urlaubsgefühl auf.

 

Es ist kein Geheimnis, daß die Landschaft die Menschen, die in ihr wohnen, prägt. Auch wenn heute nur noch wenige Menschen von der Landwirtschaft leben, so wirkt eine bestimmte Einstellung sich selbst und Fremden gegenüber fort: karge Böden, die wenig Ertrag bringen sorgen nicht gerade für gute Laune oder große Offenheit und Freundlichkeit gegenüber anderen Zeitgenossen. Ich weiß nicht, wie es um die Bodenbeschaffenheit am Niederrhein steht. Aber wenn man sich nicht ständig (mit und ohne Motorenunterstützung) eine Steigung hinauf plagen muß, scheint das für eher gute Stimmung zu sorgen. Ich wurde so oft von wildfremden Menschen gegrüßt, hier und da ergab sich auch ein netter kurzer Plausch. Undenkbar in anderen Gegenden dieses Landes. Der Niederrhein… tut grundsätzlich wohl, so mein Eindruck.

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So langsam wird es auch Abend… an der Bislicher Insel vor Xanten.

 

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Glück gehabt! Auf der richtigen Rheinseite gelandet. Denn die Fähre fährt nur bis 19 Uhr.

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…denn mit dem Radl schwimmen wäre dann doch etwas – anstrengend…

 

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Zwar folgte ich der Römer-Lippe-Route nicht immer, streifte aber immer wieder Teile von ihr. Das wird die nächste größere Tour 🙂

Und jetzt… fast schon in der einzigen Stadt dieses Landes, deren Name mit „X“ beginnt….

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Wow, ich kann es immer noch nicht glauben, als ich diesen Magnolienbaum am Ortsanfang von Xanten sah. Anfang April und die Magnolie steht in voller Blüte! In anderen Gegenden ist gar nicht daran zu denken, überhaupt eine Magnolie zu pflanzen, weil das Klima viel zu rauh ist. Und wenn sie blüht, dann frühestens im Mai.

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 Xanten am Abend.

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Komisch, daß hier nur an Auto-Parkplätze gedacht wird. Und wo bindet man seine Kutschpferde an? Siegfried ist doch zu Pferd unterwegs…..

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Aber… die Residenz von Ritter Siegfried (aus der Nibelungen-Sage) hatte ich mir schon anders vorgestellt!

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Abendessen zum Geburtstag in der Kneipe „Börse.“ Eine etwas ruppig-freundliche Bedienung, aber das paßte zum Laden 😉

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Sauerbraten mit Kartoffeln und Apfelkompott.

Leider sind die Jugendherbergen alle meist wegen doofer Schulklassen komplett ausgebucht. Eine private Zimmervermietung hatte sich zu meiner Überraschung doch noch gemeldet gehabt. Ich hatte eine eher bodenständige, einheimische Zimmerwirtin erwartet. Zu meiner Überraschung war sie alles andere als das… eher, sagen wir mal, alternativ eingestellt. Die Zimmer waren klein, einfach eingerichtet, genau richtig für bescheidene Ansprüche. Die Matratze hätte etwas härter sein können, damit man besser schlafen kann. Bad und Toilette auf dem Flur. Aber was soll man sagen… besser als draußen auf der Parkbank schlafen.

Zugegeben, am Abend hätte ich gern etwas Gesellschaft gehabt.

 

Am nächsten Tag.

Gefrühstückt habe ich an einem großen Tisch im Ladengeschäft, das der Zimmerwirtin gehört. Schon kurios… ich kam mir vor wie das menschliche Dekorationsobjekt für all die schönen Tassen und guten Tees, die hier herumstehen 😀

Der Tag war genauso sonnig und hell wie gestern: ein Traumwetter zum Radeln. Noch hatte ich Zeit, so daß ich erst mal in Ruhe auf einer Parkbank saß und weiter an einem Tuch häkelte. So nach und nach kamen die Leute aus den Häusern heraus, stellten ihre Waren vor die Tür und  machten ihre Läden auf.

Durch das Klever Tor aus der Stadt hinaus. Ich war gar nicht so traurig, jetzt nicht die fette große Römer-Besichtigungs-Tour zu machen; das war nicht Sinn und Zweck meiner Reise.

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So, jetzt aber doch ein Stück Geschichte.

 

Die Kriemhild-Mühle an der nördlichen Stadtmauer wirkt irgendwie deplaziert, so hineingequetscht mit ihren riesigen Flügeln. Die Art des Häuserbaus, bzw. die Verwendung von Ziegelstein als Baumaterial läßt schon an die Niederlande denken, die Windmühle hier auch. Aber irgendwie… scheint sie nicht ins Stadt-Bild an diesem Eck zu passen. Innen in der Kriemhild-Mühle ist ein Bioladen und Bäckerei.

 

Und hier ein Stück römische Geschichte. Die eine Mauer des Archäologischen Parks, den man für stolze 9€ besichtigen kann. Es war umstritten gewesen, ob man ihn baut, denn alles ist nur Rekonstruktion von dem, was die Römer damals gebaut hatten. Ich komme nicht umhin, auch an Asterix und Obelix, so ganz un-historische Figuren, zu denken… (Obelix: „Rööömer!“)

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Jetzt ist man draußen aus der Stadt…und es geht erst mal entspannt am Xantener Südsee und Nordsee vorbei. Die neu gebaute Jugendherberge streifte ich auch.

 

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Noch sind die Tische leer Anfang April….

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Die Wegweisung war etwas verwirrend, weil nicht ausgeschildert… aber laut Karte sollte es an einer Kirche vorbei wieder auf den rechten Weg gehen. Nächste Station: Kalkar! Der Wohnort von Studienkollegen.

 

Pah, Ihr könnt mich alle mal… Schafe bei der Mittagspause kurz vor Kalkar. Richtig ländlich hier… oder wurde mir nicht gesagt, Kalkar sei eine Stadt? 😛

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Genau, das was die Schafe machen, mach ich jetzt auch. Unter der Linde gegenüber dem Rathaus.

Angekommen mittags in Kalkar. So weit, wie ich veranschlagt hatte, war die Strecke gar nicht.

 

Nach der Mittagspause war mein Ziel Kleve, von dort aus nahm ich den Zug Richtung Dortmund. Auf dem Radweg zwischen Kalkar und Kleve ist den Planern offensichtlich nicht mehr viel eingefallen, es geht leider nur an einer häßlichen vielbefahrenen Bundesstraße entlang. Für Excursionen, ob es vielleicht nicht doch ruhigere Nebenwege gäbe, hatte ich leider keine Zeit mehr, denn: „…aber der Wagen, der rollt.“ Eine mögliche Residenz am Niederrhein für mich habe ich dann doch noch entdeckt:

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..aber wo ist das 2. Türmchen hin? Hmmm……

 

Gerne wäre ich noch länger geblieben… abends war leider Arbeit am Stadion angesagt. Der kurze April ist voll mit Heimspielen des BVB. Doch diese Reise wird nicht die letzte sein, die ich an den Niederrhein unternehmen werde. Dort kann man zumindest vom Meer träumen…

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Kleidungswahl beim Radfahren und: Das schwere Schicksal von Radfahrer(innen)-Hosen

Wer Fahrrad fährt, macht sich zwangsläufig Gedanken über die Kleidung, die man zum Radfahren trägt. Ganz klar: man ist dem Wetter immer ausgesetzt. In einer Blechkiste sitzend und fahrend ist die Kleidung ziemlich egal. Mit Schmunzeln, manchmal auch mit hochgezogenen Augenbrauen lese dazu Beiträge über Fahrradmode und Accesoires z. B. auf dem Blog von bikingtom. Ach ja und nicht zu vergessen die tollen Hipster-Fahrradläden wie der eine in Dortmund. Wenn man dort eingekauft hat, sieht man aus wie der eigene Großvater (was machen da eigentlich die weiblichen Hipster? Die gibt es doch auch?). Verständigung zwischen den Generationen: gelungen. Haha.

Nee Leute. Mit Anfang, Mitte 20 und selbst ab 30 muß man nicht aussehen wie der eigene Großvater (oder die eigene Großmutter). Verständigung zwischen den Generationen sieht anders aus. Abgesehen von den horrenten Preisen für diese miefigen old-fashioned Klamotten braucht man diese nicht zum Radfahren. Nur bei dem einen Critical-Mass-Fahrer, der selbst so um die 50 ist, sehen old-fashioned Fahrradklamotten cool aus. Weil sie zu seinem Typ passen.

Das Angebot an Kleidung für´s Radfahren ist riesig und wenn man nicht gerade eine Gerte ist, auch schwer zu überblicken: wo gibt es was wirklich passendes? Mein Ex-Freund schwörte auf Gore-Tex, also prüfte ich auch mal die sogenannte „Funktionskleidung.“ Lange hatte ich keine Freude daran: es gab nichts wirklich passendes und ich schwitzte mehr mit dieser Kleidung als ohne. Außerdem war es mir zu umständlich, immer diese reine Kunststoffhülle anzuziehen. Eigentlich ist Funktionskleidung doch nur was für Rad-Touren! Alltagstauglich ist Gore-Tex & Co. nicht, finde ich. Und sie wird genauso schmutzig wie „normale“ Alltagskleidung auch. Damen-Größen ab 42 sind für viele Funktionskleidungshersteller auch immer noch unbekannt. Kein Wunder: in der Sportbekleidungs-Werbung sieht man nur schlanke oder dürre Exemplare von Frauen.

In Sachen Funktionsunterwäsche fand ich erstaunlicherweise was bei meiner geschätzten Versandhändlerin, die nicht explizit Sportkleidung anbietet. Alle Damen und Herren, die als sogenannte „Plus Size“-Größe gelten, finden hier (meistens) was, ohne daß man aussehen muß wie ein alter Mann oder eine alte Frau. Allerdings hat auch diese Versandhändlerin eine seltsame Vorstellung, was Frauen als Sportbekleidung zu tragen haben. In den Katalogen werden Frauen nur bei Fitness-Sportarten gezeigt. Zur Erklärung: nicht alle Frauen machen ausschließlich Aerobic und ähnliches Zeugs als Sportbetätigung, bei dem man sich vorkommt wie beim Militär: vorne steht eine(r) und schreit Befehle, die die anderen schnell und im vorgegebenen Rhythmus auszuführen haben. Und zwar zackig. Und nicht alle Frauen tragen deshalb diese engen Caprihosen, die nichts halbes oder ganzes sind oder weite, wallende Shirts, wie sie eben von dieser Versandhändlerin angeboten werden. Das letztere ist dann was für die schwererbewegliche übergewichtige  Gymnastik-Fraktion ab 50, das Krampfadern-Geschwader. Also doch wieder in die Herren-Abteilung von C&A…. Ich bevorzuge beim Floorball-Spiel kurze, locker sitzende Hosen, ebenso beim Radfahren im Sommer für meine Touren. Die sind stabiler und haben Hosentaschen (ja! auch Frau braucht Hosentaschen, welch Wunder!) und sehen auch nicht so schlecht aus, wie immer getan wird.

Und – Überraschung! Ich trage beim Radfahren lange normale Jeanshosen. Das mag erst mal widersinnig klingen, weil eine Jeans nunmal schwerer ist als eine sogenannte „Funktionshose“ oder „Cargo-Hose.“ Tatsächlich hatte die „Cargo-Hose“mit Innenfutter vergangenen Donnerstag auf meiner Fahrt (Nordbahn- und Kohlebahntrasse) nicht zu schlecht abgeschnitten. Allerdings: Die Jeanshose ist wesentlich stabiler und scheuert nicht so schnell am Gesäß auf. Sie sitzt besser als viele Funktionshosen. Auch bei einem Sturz gibt es nicht so schnell Löcher (bzw. können die besser geflickt werden als bei Funktionskleidung). Es sitzt sich angenehmer auf dem Fahrradsattel als mit einer dünnen Funktionshose. Polster im Gesäß finde ich unangenehm. Außerdem mieft die Jeanshose nicht so sehr wie der Kunststoff. Vorteilhaft ist die Kunstfaser aber bei der Unterwäsche, weil man nicht so schnell auskühlt.

Manchmal trage ich auch Rock und Strumpfhose oder Leggins zum Radfahren. Da muß dann „nur“ die Strumpfhose dran glauben. Flicken lohnt oft nicht.

Aber die Jeanshosen und langen Hosen einer Radfahrerin haben ein schweres Schicksal. Vergangenen Donnerstag meinte eine Zug-Fahrgästin mit Rad zu mir, ich solle den flachen Stofftaschenhenkel, der am Boden lag, aufheben, sie wolle nicht das Rad darüber schieben. Ich antwortete ihr: „Keine Sorge. Das Schicksal haben alle Hosenbeine bei mir.“ Ihre Fahrradreifen waren weder naß noch besonders dreckig. Der Radfahrer, der mir gegenüber saß, grinste.  Meine Mutter hatte getobt, wenn ich mit verdreckten Hosen nach Hause kam. Meine 12 Jahre ältere Freundin in der alten Heimat hatte mich immer vorwurfsvoll angesehen. Wie kann man nur so seine Hosen behandeln!  Einmal hatte es mir die Hosenbeine sogar in die Kette gezogen; nicht schön, ich wäre fast gestürzt, die Autofahrer hinter mir hupten, weil ich nicht weiterfuhr (nicht weiterfahren konnte), aber die Erlanger Straße in Fürth war zum Glück breit genug, um rechts ran zu fahren. Die gelben Klettbänder habe ich aufgegeben, weil ich sie ständig verlor (das geht ins Geld auf Dauer). Diese Hosen trage ich nun schon lange nicht mehr, sie und andere Hosen sind nun zu kleinen praktischen Handtaschen geworden.An dieser Stelle mein herzlicher Dank an Craft-Queen Sandra Landefeld 🙂 Spät nachts höre ich immer noch ein leises Wehklagen aus meinem Kleiderschrank, wenn sich die Geister der alten mit den neuen Hosen über ihr Schicksal als Radfahrerinnen-Hosen unterhalten.

Aber so ist das nunmal.

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Alltagsbeobachtungen V – Wiedersehen

Relativ eng sitzt man sich gegenüber, wie man es sonst nicht tun würde. Denn sein Gegenüber kennt man nicht, so daß man eigentlich ihm oder ihr nicht so nah auf die Pelle rücken möchte. Und meist sitzt man auch nur wenige Minuten zusammen. Dann verläßt ein-/e oder mehrere den Raum und steigt aus. Eine meist stumme Gesellschaft, nicht immer angenehm für die wenigen gemeinsamen Minuten.

Manchmal telefonieren Leute und man wird unfreiwillig Zeuge des geführten Gesprächs, ob mich das nun interessiert oder nicht. Wenn man doch nicht schon am Ziel wäre und diese Laberbacken los wäre! Manchmal ist es lustig, manchmal nur nervig. Mein eigenes lautes Lachen hat auch schon mal ungeplant die ganze Straßenbahn-Gesellschaft unterhalten, als ich noch in einer anderen Stadt wohnte (aber das war nicht der Grund für meinen Umzug).

Wenn man nach 20 Uhr etwa U-Bahn oder Straßenbahn fährt, ist es im Fahrgastraum ruhiger. Nur wenige Menschen sind noch unterwegs, die Kinderwägen mit oftmals plärrendem Inhalt (der auch, wenn es schwer fällt, zu ertragen ist) sind inzwischen zuhause angekommen. Nur bei Großveranstaltungen wie einem Fußballspiel ist HighLife angesagt.

Am Dienstag abend den 21. März 2017 waren auf der Hinfahrt zum Hockey(Floorball)-Training auffällig viele Polizisten am Hauptbahnhof. Der Grund mag das Länderspiel England-Deutschland am morgigen Abend gewesen sein, ein paar englischsprechende Menschen waren unterwegs. Da die S-Bahn nach einigen Zwischenfällen (Brand einer S-Bahn in Essen) seit Monaten einen „Sonderfahrplan“ hat, wird es nachts immer zu spät für die Rückfahrt, weil ich zu lange auf die nächste warten müßte. Und so radel ich eben zur nächsten U-Bahn-/Straßenbahnhaltestelle, weil nach 2 Stunden Herumrennen in der Halle mein Elan zum Radfahren nicht mehr sehr groß ist.

Mit meinem Rad steige ich in die U-Bahn ein, ziemlich platt vom Sport. Oft war ich heute Torwärterin gewesen und das heißt auch: man bekommt die meisten Bälle ab, die blaue Flecken verursachen; das tut zwar weh, aber Floorball spielen macht Spaß. Dennoch sieht man nach 2 Stunden Fast-Dauerlauf nicht gerade fröhlich und erfrischt aus.

An der Haltestelle Kreuzstraße steigt ein kräftiger Mann ein, der eine schwarze längliche Tasche trägt. Er sieht mich an und lächelt. Ich sehe ihn an… aber weil ich so k.o. bin komme ich nicht gleich drauf, warum. Was mir auffällt, ist die hellviolett-bunt gemusterte kurze Mütze. Die Mütze… ich erkenne „ihn“ sofort wieder. Vergangene und wohl auch vorvergangene Woche habe ich ihn bemerkt. Ich lächle zurück. Eine kurze Gemeinschaft in der U-Bahn für wenige Minuten.

Während der Fahrt überlege ich noch, ob ich ein paar nette Worte sagen soll. Der Mann mit der bunten, aber nicht knalligen Mütze hat die Augen zu, er scheint ein Nickerchen zu machen. Mancher mag lästern, die Farbe der Mütze ist auch nicht mein Stil, aber ich finde es gut, daß es mal nicht das ewige schwarz-grau-braun-beige bei Männerkleidung sein muß. Eigentlich sollte jeder Mann auch mit einem pinken Shirt rumlaufen dürfen, ohne blöd angemacht zu werden. Frauen die Hosenanzug tragen gelten doch auch als „normal“, erst recht wenn dieser pink oder rosa oder lila ist.

Bevor ich aussteige sage ich: „Darf ich fragen: ist da eine Posaune drin?“ Er nickt und sagt:“ ja. Das mache ich schon seit 40 Jahren.“ Eine lange Zeit. Ich verrate ihm noch, daß ich da einen Hockeyschläger drin habe und vom Sport komme. „Zuhause habe ich eine Geige. Tschüs und eine schöne Woche!“ Dann bin ich auch schon draußen. Er fährt mit der „Stadtbahn“, wie die U-Bahn in Dortmund heißt, weiter.

Es ist schön, auch mal freundliche Begegnungen in der U-Bahn zu erleben. Vielleicht trifft man sich nächste Woche wieder.

 

 

 

 

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Silvesterparty auf andere Weise

Wie feiert man „Silvester?“ Obwohl dieser Tag, der nach dem greogrianischen Kalender der letzte Tag eines Jahres ist, kein religiöses Fest ist, trägt er den Namen eines Geistlichen und Religionsvertreters, nämlich dem Papst Silvester (Hintergründe und gepflegtes Halbwissen dazu liefert die allseits beliebte Seite wikipedia oder Ihr laßt Euch von einem Theologen dazu vollquatschen). Daher rührt die Frage „Was machst du an Silvester?“ fast seltsam an, eigentlich müßte man sagen: „Was machst du mit Silvester?“ 😉

Ich habe keinen Silvester „an Silvester getroffen, stattdessen machte ich mich auf nach Duisburg. Der ADFC Duisburg machte seine Silvestertour – wie viele Jahre vorher schon. Ich erfuhr erst im Jahr 2016 davon, als der ADFC Essen oder die CM Essen den Veranstaltungshinweis der „Westfalenpost“ dazu auf fb genannt hatten. Ich hätte auch in den Jazzclub gehen können, aber rund 20 € für einen Abend… naja….auch wenn die Musik gut ist.

Ab 20 Uhr traf man sich in der Geschäftsstelle, es gab heiße Getränke und Plätzchen, es gab nette Gespräche und einen freundlichen Willkommensgruß. Um 21 Uhr c.t. startete die Tour. Ja, tatsächlich, wir fuhren am 31.12.2016 freiwillig Fahrrad! 😀  Vorbei u.a. am Duisburger Theater, wo der Graf von Luxemburg seine Sause feierte (voll der Angeber! Und dabei ist der Spitzbube pleite!), vorbei an Wohnhäusern, über Brücken, entlang des Rheins und vorbei an Stahlwerken. Leider alles in Dunkelheit… dennoch schön, Duisburg mal jenseits des Schimanski-Klischees kennenzulernen.

Vergeßt Schimanski! Jetzt macht Angelika mit dem ADFC Duisburg unsicher!

In der Vorweihnachtszeit, auch Adventszeit genannt, wird es in Wohngegenden in Westeuropa immer heller und bunter, was nicht unbedingt zur besseren Verkehrssicherheit beiträgt und was die Passantin auch fälschlicherweise als Einladung zum Betreten des Vorgartens auffassen könnte. Wenn´s da so schön leuchtet, geh ich doch mal rein! 😀 Die Phantasie der Ausschmücker ist dabei schier grenzenlos.

Wir durchquerten Moers (ausgesprochen „Mörs“, im Gegensatz zu Soest, das „Soost“ ausgesprochen wird) und erlebten eine besondere Art des Weihnachtsschmucks: Das Weihnachtshaus von Leon Scheepers. Beeindruckend, was seine Eltern und er hier aufgebaut haben, auch wenn nicht jedes Teil dem Geschmack der Besucherin/des Besuchers entspricht.

 

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Sogar am Wasser kann es mit dieser Beleuchtung der Betrachterin gar warm ums Herz werden…

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Manchmal waren wir Radler-/innen auch auf ehemaligen Bahntrassen unterwegs, nicht nur bei beleuchteten….

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Wie schön, daß es auch noch einen „klassischen“ Weihnachtsartikel in diesem Garten gibt 😉

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http://www.moerserweihnachtshaus.de

 

Wir fuhren zur Halde Rockelsberg in Duisburg-Rheinhausen, ein durch Schlacke (Schlacke: Rückstände der Stahlproduktion)  entstanderer Berg. Für ehemals im Mittelgebirge wohnende Menschen eher ein größerer Hügel….. lustig dazu die Diskussion während der Radtour, was ein „Berg“ sei. …..

Der Düsseldorfer Liegeradfahrer war sportlich und fuhr den Weg hinauf… Liegerad schieben ist auch recht umständlich, außerdem fährt sich ein Lieger gut (Rückstoß am Sitz größer als beim kleinen Sattel, mit dem bekommt man Kraft beim Treten in die Pedale, so meine Erfahrung). Allerdings hatte uns der Tourenleiter auch gewarnt, daß es Querrillen auf dem Weg gab. Da der Weg nicht beleuchtet ist, ist Schieben bei einem „Hochrad“ (Bezeichnung eines Liegeradfahrers 😉 empfehlenswert.

Auf der HALDE ROCKELSBERG hat man einen wunderbaren Rundum-Blick auf Duisburg. Fachkundig informierten mich die Duisburger ADFC´ler, was das grün beleuchtete Ding sei (Schornstein des Gaskraftwerkes), warum bei der Kokerei manchmal eine hohe Flamme zu sehen ist, dies aber keine Gefahr darstellt und wo welche Stadtteile sind („..aber nein. Das ist doch…da….“ 😀

Von da oben betrachtet ist es richtig schön, das Feuerwerk zu sehen. Auch gab es hier nicht soviele Leute, die Silvesterkracher zündeten – weniger Krach und bessere Luft waren die Folge. Zwischen den farbigen Lichtblitzen in der Luft sah man es zwischen den Häusern auch immer wieder blau blinken….

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Und an den Leser der örtlichen Tageszeitung, der sich beschwert hat, der ADFC würde auch noch auf die Halde Rockelsberg fahren und Platz besetzen: wir waren so generös und haben den anderen Leuten noch genug Platz für ihre Feiern und Kracher übrig gelassen.

 

Die Rückfahrt war kürzer und in der Geschäftsstelle gab es neben den Getränken sogar warmes Essen… herzlichen Dank dafür! Danach machte sich aber die Müdigkeit bemerkbar… es war schon 3 Uhr, als ich mich langsam für die Abfahrt bereit machte. Danke an die Bahnmenschen, die mich noch zu dieser späten (frühen) Stunde nach Hause brachten.

 

 

 

 

 

 

 

 

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