Was für 1 verrücktes Fahrrad-Wochenende! 3. und letzter Teil: Fahrradsternfahrt Ruhr am 19. September 2021

Am Freitag, den 17. September, den 3. Freitag im Monat gab es regulär die Critical Mass Dortmund. Ich war nur ein Stück, ca. 18 km Strecke, mitgefahren. Dank Periode war ich richtig fertig, spürte dazu ein großes Tief… schade um die nette Unterhaltung, die ich in diesem Moment hatte, ich musste erst mal adé sagen und die Mitfahrt beenden. Interessant, daß dieser Radler auch in der Nordstadt wohnt! So fühle ich mich nicht mehr so allein mit meiner Not auf der Straße. Plötzlich vom Rad fallen vor Erschöpfung und mehrere Stürze dadurch auslösen, das musste nicht sein. Ich war zumindest ein Stück bei der CM mitgefahren.

Samstag, den 18. September die Kidical Mass... und dann am Sonntag, den 19. September die FAHRRADSTERNFAHRT RUHR!

Was ist eine Sternfahrt überhaupt?

Bei einer Sternfahrt treffen sich Radfahrer*innen an verschiedenen Orten und radeln, den Strahlen eines Sterns gleich, auf ein gemeinsames Ziel zu. Im Jahr 2021 war dieses Ziel Lünen, bzw. der Seepark Lünen-Horstmar.

In Bochum hatte ich sie schon mal erlebt, Hagen leider verpasst gehabt….nun wollte ich ab dem Westfalenstadion mit nach Lünen fahren. Allerdings machte der Körper nicht so mit. Die Anstrengungen der vergangenen Tage war zu spüren, Samstag abend hatte ich noch zwei kleinere Aufgaben bei der Museumsnacht Dortmund übernommen gehabt.. Hätte ich doch ein Rad mit E-Motor! So habe ich leider die Fahrt über die B 1 und den Tunnel Wambel verpasst.

Großen Spaß bei der Durch-Radelung des Tunnels Wambel. sonst fahren hier nur Autos.

Aber der Grant war groß – groß genug, um die Wut in Muskelkraft umzusetzen. Ich fuhr auf eigenen Wegen Richtung Norden, Richtung Lünen. Ich wunderte mich etwas, daß die Sternfahrt nicht durch die Nordstadt ging! Da geht es doch nach Lünen!

Auf der häßlichen Bundesstraße, der Walter-Kohlmann-Straße ging es ab Stadtgrenze Dortmund flott Richtung Lünen, dem Ziel der Sternfahrt. Ich sah immer wieder auf Critical Maps nach dem aktuellen Standort der Radfahrer-/innen. Zu meiner Freude waren die einzelne Fahrerin und die vielen nicht mehr weit voneinander entfernt. Die Autos neben mir: plötzlich im Stau. ein dunkler Audi hupte. Tja Junge, nicht nur du musst warten. Er zeigte Tendenzen, auf den Standstreifen alle anderen überholen zu wollen. doch auf dem fuhr ich. Nee Freundchen, da kommst du nciht durch! dachte ich mir. Plötzlich war auf der Spur, auf der ich fuhr, ein Fahrrad-Piktogramm. Sachen gibt´s….

Und dann sah ich die vielen Radfahrer-/innen. Ein paar hatten sich schon wieder abgesetzt, diese kleine Gruppe von vielleicht 6 Radler-/innen war mir entgegen gekommen. „Seid Ihr die Sternfahrt?“ – „nee, aber dort!“ Ich tat einen Freudenschrei. Ich hatte die Sternfahrt doch noch erwischt! Allerdings, das Klientel hier war ein anderes als gestern. Hier war alles dabei, auch die Chaoten. Wenige Jugendliche, (zu) viele ältere Leute. Viele gelbe Wahnwesten, teiwleise mit ADFC-Aufdruck. Auch optisch wurde so das Problem der Überalterung vieler ADFC-Kreisverbände deutlich.

An dieser Stelle sei angemerkt: der Allgemeine Deutsche Fahrradclub bleibt ein wichtiger Akteur für die Verkehrswende, für die dringend umzusetzende Flächtengerechtigkeit des Verkehrsraumes. Ich persönlich habe mich auch schon mit bestimmten Mitgliedern und Vorsitzenden verkracht – was aber an deren Persönlichkeit und Fehlern auf beiden Seiten lag – nicht an der politischen Agenda des ADFC. Es kommt eben immer auf die Menschen drauf an, die im jeweiligen Kreisverband aktiv sind. In Iserlohn wird Autowerbung im Fahrradmagazin des ADFC geduldet, weil die Zuständigen nicht kapieren, daß und wie falsch das ist. Demnächst: Metzgerei-Werbung im Vegetarier*magazin. Merkste was? Ich habe 10 Jahre in Fürth bei Nürnberg gewohnt, war dort im KV Nürnberg aktiv. Bis heute blicke ich sehnsüchtig auf deren Tourenprogramm und die Zeit dort zurück.. Alle KVs, die ich danach kennenlernte, waren eine einzige Enttäuschung (über den aktuellen kann ich nicht so viel sagen, da ich dort nicht aktiv bin). Der KV Nürnberg hat viele Mitglieder, die eben so was wie dieses vielseitige Tourenprogramm tragen: es gibt nicht nur verschiedene Geschwindigkeitslevel von gemütlich bis sportlich (15 km/h bis 21 km/ und mehr), sondern auch extra Rennrad- und Mountainbiketouren, Thementouren, Stadtteil-Kennenlerntouren für Neubürger-/innen. Die Leute dort waren (und sind wohl auch heute noch) keine gefrusteten oder/und Rentner-/innen, wie ich sie nach meiner Nürnberger zeit erleben hatte müssen, sonder wach, fit und engagiert und lassen sich nicht so schnell entmutigen..

Wie bei einer CM auch lockt das Radfahren immer verschiedenste Menschentypen an, oft genug auch seltsame, eigenartige oder schlichtweg nervige Zeitgenossen. Bisher waren die Nervensägen fast immer Männer, so meine Beobachtung. Ich hatte eine Bekannte entdeckt, die ich freundlich grüßte. War erst mal nett. allerdings hatte sie einen unmöglichen Schreihals im Schlepptau, den sie kannte. Der Typ war unerträglich! Ich habe Verständnis, wenn sich jemand über etwas aufregt, was gerade passiert ist, weil es für Radfahrende ärgerlich ist. Aber dieser Pfeifendeckel musste wie ein Marktschreier irgendwas erzählen, was ihm am Freitag widerfahren sei. Ehrlich, das interessiert hier NIEMANDEN! Ganz sauber war der Typ nicht. Und ob das alles so stimmt…oh nerv mich nicht mit deinem Sermon, als ob du ein Teenager wärst, der das noch nicht kapiert! Man muss bei rassistischen Äußerungen immer widersprechen, aber hier wußte ich nicht so recht, wie ich dran war. Wohl war mir bei dieser Unterhaltung nicht. Ich merkte bald, daß es keinen Sinn hatte, mit diesem Dummkpf auch nur ein vernünftiges Wort zu reden, er hielt sich für die Weisheit schlechthin. Als er im Kreisel vor dem Seepark abbiegen wollte, stürmte ich davon.

Der Seepark in Lünen-Horstmar war das Ziel der Fahrradsternfahrt Ruhr 2021, ein schöner Ort. Und ich hatte endlich den Horstmarer See gefunden! Seltsam… so lange wohne ich schon im Ruhrgebiet und das hier war immer noch terra inkognita für mich bisher gewesen. Schön, danach einige bekannte Gesichter und Freunde zu treffen! 🙂 vor lauter plaudern und Hallo sagen kam ich gar nicht zur Toilette!

Auf einer Bühne gab es Live-Musik, meist aus Jazz und Swing, leider keine Fahrradsongs – und Redebeiträge. Danke Herr Bürgermeister in Lünen, die Forderungen für besseren Radverkehr gibt es schon, die brauchen sie nicht mehr breit walzen! Und ja, die Fahrt hierher war sicher – weil die Polizei die Route abgesichert hat! In der folgenden Rede reagierte der Landesvorsitzende Axel Fell darauf passend: die Politik solle endlich machen, denn sie sitzt in den Rathäusen wo über Verkehrsplanung und Änderung der Verkehrsinfrastruktur entschieden wird. Es brauche genügend Personal, damit die beschlossenen Maßnahmen für den Radverkehr umgesetzt werden können. Ein gutes Radgesetz muss endlich her. Bei allem gebotenen politischen Ernst soll eine Sternfahrt aber auch Spaß machen – und den hatten wir beim Radfahren und miteinander klönen.

Die nächste Fahrradsternfahrt Ruhr wird nach Gladbeck gehen. Das Datum dafür ist noch nicht bekannt.

Danke an alle, die bei der Organisation mitgeholen haben und an die Polizei, die die Route abgesichert hatte.

Allen Radfahrer-/innen mit zwei oder drei Rädern, mit Lastenrad, Tandem, Faltrad oder Pedal-Bike allzeit eine gute Fahrt! Zeigen wir, daß es im Alltag auf dem Weg zur ARbeit, zur Kita, zum Einkaufen u.a. auch ohne Auto klappt!

Erobert die Stadt! Kidical Masses und Sternfahrt Ruhr im September 2021

Zu viele Privat-PKWs auf den Straßen, Engstellen, Falschparker*innen, deren Verhalten nicht gemaßregelt wird, Glasscherben und anderer Schmutz au Fuß- und Radwegen… das Radfahren in deutschen Städten ist noch lange nicht sicher. Wenn Menschen zum Umsteigen vom Auto auf das Rad bewegt werden sollen, braucht es sichere und gute Wege, um zur Arbeit, zur Kita oder zum Einkaufen fahren zu können. Die absurde Größe von Autos, vor allem des sogenannten „sportive Utility Vehicle“, kurz SUV macht es unmöglich, als Fahrer-/in eines solchen Fahrzeugs überhaupt ein Kind auf der Straße zu sehen. Diese „Autos“, die mehr Panzer als Auto sind, überragen ein 5- oder auch 10-jähriges Kind schon mit der Motorhaube. Platz zum Spielen bleibt ohnehin kaum, Parkplätze sind wichtiger, auf denen das Blech 23 Stunden am Tag rumsteht. Spiel-Platz, das ist nicht nur der separierte Bereich mit Rutsche und ‚Schaukel, das muss auch der Bürgersteig oder die Straße sein können!

Diese Zustände gilt es zu ändern. Die Stadt muss den Menschen, nicht privaten Fahrzeugen gehören. Dafür gibt es auch im Jahr 2021 wieder eine KIDDICAL MASS in DORTMUND, zeitgleich in vielen anderen Städten.

am: Samstag, den 18. September 2021

Start: 14 Uhr auf dem Friedensplatz in Dortmund

Ende: Tremoniapark (auf den flyern steht noch Westpark).

Es gibt auch Zubringer aus verschiedenen Stadtteilen, mit denen die Kinder und ihre Eltern zum zentralten Treffpunkt Friedenspaltz radeln können. Die Kidical Mass und all ihre Zubringer werden von der Polizei begleitet.

Genau Abfahrtszeiten und Orte für die Zubringer aus den Stadtteilen hier .

Dieses Wochenende in der Septembermitte ist ein richtiges Fahrradwochenende.

Am SONNTAG , den 19.09.2021 geht es für die Erwachsenen gleich weiter weiter: mit der STERNFAHRT RUHR 2021. In Lünen wird es zusätzlich eine Kidical Mass geben. Aus verschiedenen Städten raden Menschen nach Lünen, von der Ruhr zur Lippe und zeigen, da man auch ohne Auto und ohne klimschädliche Abgase gut vorankommt und sein/ihr Ziel erreichen kann. Für die Erreichung der Klimaziele ist das Fahrrad das Verkehrsmittle Nummer 1.

Die Zubringer-Routen sind die gedachten einzelnen Strahlen der Sterne, die Mitte und der Treffpunkt ist im Jahr 2021 die StadtLünen, nördlich von Dortmund, kurz vor dem Münsterland.

Zubringer-Routen und Abfahrtszeitpunkte hier.

Alle weiteren Infos zur Sternfahrt Ruhr hier.

Auch hier gilt das Motto: Verkehrswende JETZT!

Für sichere Wege im Alltag wie in der Freizeit!

Start: in Witten, Rathausplatz um 12.00 Uhr

Treffpunkt: 15.30 Uhr in Lünen-Horstmar, Seepark

Insgesamte Länge: ca. 34 km Strecke

Radfahrende bei der Demo im Juni 2021 Foto: Aufbruch Fahrrad

Parking Day im Kaiserstraßenviertel Dortmund am 17. September 2021

Die Stadt für Menschen statt Autos!

Ab 15 Uhr zeigen die Menschen in der Arndtstraße (Seitenstraße der Kaiserstraße), was alles möglcih ist, wenn nicht Autos die Straße zuparken. Zusammen in Ruhe sitzen, Kuchen essen, plaudern… vieles ist möglich. Nähere Infos bei der Nachbarschaftsinitiative KAISERN! .

Fahrrad-Termine in Dortmund im Juni 2021

Einmal 100 km weit durchs Ruhrgebiet – das sollte der Radschnellweg 1 sein, von Hamm bis nach Duisburg. 2020 sollte er fertig sein, die Stadt Dortmund wollte ihn bis 2024 fertiggestellt haben. Nun wird vom Jahr 2030 geredet.

Radfahren dort, wo sonst nur viele Autofahrende täglich fahren: B1 und B 54 werden zum Radschnellweg

Das wollen die Radinitiativen Aufbruch Fahrrad Dortmund und Fridays For Future nicht hinnehmen. Unter dem Motto „Wir lassen uns nicht länger veräppeln“ packen sie es selbst an und machen – zumindest temporär – die großen Autostraßen Bundesstraße 1 (B1) und B 54 zu Radschnellwegen. Mit Polizeibegleitung werden Radfahrende, die gleichberechtigter Teil des Straßenverkehrs sind, am Samstag über diese Auto-Schnellwege fahren.

Treffpunkt: Samstag, den 5. Juni, 2021, 16 Uhr Friedensplatz (nicht wie vorher angegeben Hansaplatz)

Infos: http://www.radschnellbahn.de

Radfahrende auf die Autobahn! Foto: Aufbruch Fahrrad

Die Heiligegartenstraße wird am Weltfahrradtag am 3. Juni 2021 temporär mit einer PopUpBikeLane ausgestattet.

Schon zu Beginn der Corona-Pandemie wurde Kritik laut, daß die Stadt Dortmund keine PopUp-Radwege angelegt habe. Der Radverkehr hatte während der Coronakrise weltweit einen großen Boom erlebt, wie nicht nur die Verkaufszahlen für Fahrräder, sondern auch die steigende Anzahl von Radfahrenden auf den Straßen gezeigt hatte. Coronakonform unterwegs sein, das geht am besten mit dem Rad, weil mit diesem Verkehrsmittel die Abstände zum gegenüber gut einzuhalten sind.

Die Heiligegartenstraße in Dortmund ist in ihrer Fortführung zur Treibstraße und Grüne Straße im Westen auf der einen und Jägerstraße auf der anderen wie gemacht für eine PopUp-Bikelane, also einem geschützten Radfahrstreifen, um ohne große Umwege vom Bezirk Innenstadt Ost nach in den Westen der Stadt zu gelangen.

Die Heiligegartenstraße Dortmund Richtung Jägerstraße. eigenes Foto.

Verkehrswende von unten

Was die Stadt Dortmund nicht tut, das machen dann eben die Fahrrad-Verbände, „von unten.“

Am 3. Juni ist Weltfahrradtag. Diesen wichtigen Feier-Tag wollen Aufbruch Fahrrad und VeloCityRuhr feiern! Ab 15 Uhr wird ein PopUp-Radfahrstreifen in der Linie der Heiligegartenstraße – Treibstraße – Jägerstraße angelegt sein. Gemeinsam mit großen und kleinen Teddys werden Radfahrende für sichere Wege für kleine und große Verkehrsteilnehmer*innen demonstrieren. Denn für sichere Wege braucht es einen breiten Radfahrstreifen mit Qualität ohne faule Kompromisse.

Treffpunkt: Donnerstag, 3. Juni 2021, ab 15 Uhr am Freiherr-von-Stein-Platz gegenüber der Polizeiwache.

Hier wird die PopUpBikeLane am 3. Juni entlang laufen. eigenes Foto
Die Treibstraße als Fortsetzung der Heiligegartenstraße: eine wichtige Verbindung Richtung Weststadt.

Der Klang des Kanals

Ein Plätschern, ein Fließen oder nur ein leises Tropfen. Oder gar ein laufender Strom wie in Goethes Zauberlehrling. Dieser Stoff mit der ‚chemischen‘ Bezeichnung H_2_O , hat viele Zuschreibungen erhalten. je nachdem, wie Wasser sich bewegt, hat es einen anderen Klang. Beim Meer spricht man von Meeresrauschen. Aber wie klingt ein See, ein Teich, in dem es so gut wie keine Wellen gibt? Oder ein Kanal, auf dem Frachtschiffe, manchmal auch Ruderboote fahren?

Majestätische Bewegung und Klang: Frachtschiff auf dem Dortmund-Ems-Kanal.

Das Wasser des Dortmund-Ems-Kanals rauscht nicht von allein. Große Schiffe, meistens Frachter oder der Wind erzeugen Wellen, deren Rauschen man hört. Gelegentlich hört man ein „Platsch“ an sonnigen Tagen, wenn Menschen in den Kanal zum Baden springen. Ist eigentlich nicht erlaubt, aber wohl doch so erfrischend, dass man es immer wieder tut. (Ihren Abfall sollten die Badegäste aber bitte wieder mitnehmen! Und die Hafenverwaltung sollte mehr Mülleimer aufstellen). An diesem sonnigen Montag, den 29. März 2021 hört man außerdem Spaziergänger*innen am Kanal, wie sie plaudern, lachen, manche haben Musikboxen angeschaltet. Vom Hafen hört man Maschinengebrumm. In einem Garten nahe des Kanalweges hört man immer wieder jemand rufen, ob die Frau nach einem Tier oder Menschen ruft, ist unklar.

An diesem Montag bekam der Dortmund-Ems-Kanal einen zusätzlichen Klang, den er vielleicht noch nicht gehört hat.

Immer auf der Suche nach ungewöhnlichen Übe-Orten: hier am Dortmund-Ems-Kanal, kurz vor der Hafeneinfahrt.
Immer auf der Suche nach ungewöhnlichen Übe-Orten: hier am Dortmund-Ems-Kanal, kurz vor der Hafeneinfahrt.

Heute habe ich es wie Sonny Rollins gemacht und draußen Saxophon geübt. Nicht ganz bei einer Brücke wie der berühmte Jazz-Saxophonist, ok. Eher abseits der zahlreichen Spaziergänger*innen, denn wer übt, will nicht viel Publikum. Üben ist kein Konzert, sondern die Vorbereitung darauf, das verstehen nur wenige. Es klang ganz anders, als wie ich es bisher gewohnt war. Der Schall wurde von dem Gebäude an der anderen Uferseite zurück geworfen, die lang anhaltenden Töne erinnerten zum Teil an eine Schiffshupe. Die vorbei ziehenden Binnenschiffer ließen sich aber damit nicht veräppeln 😉

Gegenüber auch ein paar Zuhörer*innen, ein vorbeifahrender Radfahrer lächelte mich an, ich lächelte zurück. Abstand gewahrt in der Coronakrise und kommunizieren können: wie schön, wenn man sich wieder richtig sieht. Für eine Stunde diesen Scheiß namens Covid-19 vergessen können und Saxophon am Kanal spielen, während die Frachtschiffe vorbeiziehen – das konnte ich heute tun. Und ist es auch nur das Wasser des Kanals, so denke ich beim Blick darauf immer an das Meer und sein Rauschen.

Sehnsucht nach dem Meer, auch wenn man nur am Kanal ist.
Sehnsucht nach dem Meer, auch wenn man nur am Kanal ist.
Trotz des schönen Wetters kamen hier nicht ständig Leute vorbei. Ich konnte also Saxophon fast immer unbehelligt üben.
Trotz des schönen Wetters kamen hier nicht ständig Leute vorbei. Ich konnte also Saxophon fast immer unbehelligt üben.

Hat den Bogen raus: mit einem Urban Arrow durch die Stadt

Manchmal hat man Glück. Manchmal meldet sich jemand, wenn man etwas sucht. In einer Critical-Mass-Gruppe hatte ich gefragt, ob jemand in meiner Stadt auch ein Lastenrad mit E-Motorenunterstützung verleihen könnte. Und siehe da, es meldete sich jemand. GErda wohnt ja in Gelsenkirchen, der „verbotenen“ Stadt, der Weg dorthin ist für die Ausleihe schon immer weiter und langwieriger. Die Ausleihe in meiner Wahl-Heimatstadt bot die Möglichkeit, ein weiteres Modell, das ich noch nicht kannte, auszuprobieren.

Irgendwo muss man sein Auto ja parken können!

Es ist das Modell Urban Arrow eines niederländischen Herstellers. Hm, so ein ähnliches hatte ich doch schon? Ja, der ULF vom ADFC Unna, auch ein bakfiets von der Marke vanAndel. Doch auch wenn beide Räder aus dem selben Land kommen, eine ähnlich große „Wanne“ als Transportfläche haben, so sind sie doch verschieden. Beide sind für die Stadt, weniger für lange Touren gemacht – in Sachen Fahrkomfort gibt es aber einige Unterschiede. Das lässt sich auch feststellen, obgleich der ULF von van Andel im Gegensatz zum Urban Arrow keinen Motor hat.

Aufbau und Rahmengestaltung

Man sieht es auf den ersten Blick: ein wirklich sportliches Rad ist das Urban Arrow nicht. Der gesamte Rahmen hat dickere Rohre, der Einstieg ist tief, der Sattel leicht nach hinten geneigt. Wie beim klassischen Holland-Rad eben. So vergleichsweise leicht wie GErda aus Gelsenkirchen lässt es sich auch nicht anheben, wenn man mal ein Hindernis vor sich hat. An einem Tordurchgang muss ich das Urban Arrow regelmäßig anheben, weil es sonst auf der Kuppe am Boden aufliegt. Selbst der Gepäckträger besteht aus relativ dicken Streben und ist im Rahmen integriert. Je nach Größe der Greifringe an der Satteltasche passt aber eine Ortlieb-Tasche an diese kräftige Transportpferd.

Nicht unwichtig: ein Gepäckträger am Lastenrad – und wenn es nur für die Versorgungstasche ist.

Tiefer und deshalb bequemer Einstieg: Wie die GErda, das Packster 60 von Riese und Müller ist das Urban Arrow ein rockfreundliches Rad. Ein großer Pluspunkt. Was allerdings am Anfang irritiert, ist das hohe Dach, das in Richtung der/des Fahrer-/in zeigt. Manchmal bin ich mit dem Gesicht dagegen gestoßen. Jedes (Lasten-)rad ist eben anders. Trotz des vergleichsweise hohen Daches behält man aber während der Fahrt immer den Überblick. Denn die Sitzposition ist wie beim Hollandrad aufrecht. Der Lenker ist aber glücklicherweise nicht gar so hoch wie beim ULF, dem Lastenrad von vanAndel, was für ein angenehmes, fast hoheitliches Fahrgefühl sorgt. Jetzt bitte noch das königliche Wappen der Niederlande vorne drauf 😀

Alles im Blick: der Lenker mit Bordcomputer u.a. am Urban Arrow.

Jedes Lastenrad ist anders. Meistens fahre ich von den E-Lastenrädern, die leihbar sind, das Packster 60 von Riese und Müller mit Kettenschaltung, die GErda. Deshalb gab es bei der ersten Fahrt mit dem Urban Arrow wieder lustige Dinge zu erleben. Weil ich die Kettenschaltung gewöhnt bin, habe ich vor dem Anhalten mit dem Urban Arrow immer schön brav runter geschalten oder vor der Ampel hektisch schalten wollen. „Brauchst du aber nicht“ flüsterte mir daraufhin die NuVinci-Schaltung beruhigend zu. Ich musste schmunzeln. Diese Schaltung war gewöhnungsbedürftig – aber ich gewöhne mich immer wieder gerne und bald daran. Die Nu-Vinci-Schaltung reagiert intuitiv, stufenlos, das ist eine große Erleichterung beim Radeln. Für Zahlenfans und Statistik-Fanatiker*innen aber ein Graus (nee, nix gibt es da in Sachen Zahlenanzeige am mechanischen Display!)

Der Bordcomputer ist an sich übersichtlich gestaltet. Was mich aber immer verwirrt, ist die Einstellung der Unterstützung in die verschiedenen Stufen Eco, Tour, EMTB, Turbo. Im Gegensatz zum kleinen Display am Packster 60 muss man beim Urban Arrow auf der linken Lenkerseite die gewünschte Stufe drücken. An der Ampel anfahren… huch, warum geht das plötzlich so schwer? Hatte ich doch versehentlich den Motor ausgeschalten! 😉 Oder: hui, warum plötzlich die Sport-Unterstützung? Eine Sache, woran ich mich immer wieder gewöhnen muss. Nach der ersten Fahrt weiß ich aber wieder: Vorsicht beim linken Lenkergriff…. und es läuft ohne falsche Motoreinstellungen.

Hoch zulaufendes Dach: daran muss man sich immer wieder gewöhnen.

Einsatz des Urban Arrow : ein Lastenrad für die Stadt

Die Finanzierung der eigenen Waschmaschine lässt noch auf sich warten. Also trug das Urban Arrow für mich zuverlässig und sicher meine Wäsche zum Waschsalon.

Angekommen: Erst mal Kofferraumdeckel hoch und abladen 😉

Während die Maschinen arbeiteten, ging ich in der nahe gelegenen Kaiserstraße einkaufen. Das Schöne am Lastenrad ist ja: es passt viel rein. Ich muss mir keine Sorgen machen, etwas nicht sicher transportieren zu können. Einen Parkplatz finde ich auch immer. Unfassbar war jedoch an dieser Stelle Ecke Gerichtsstraße / Hamburger Straße in Dortmund ein Falschparker etwas weiter hinter dem geparkten Lastenrad. Ein SUV-Pickup auf dem Gehweg. Mit einer Dreistigkeit und Selbstverständlichkeit parkte er vor einer Werkstatt. Offensichtlich gab es was abzuholen. Als ich gegen 18.30 Uhr zurück kam, stand er immer noch da. Einzelne Passant*innen kamen noch durch – was aber nicht heißt, dass er dort zu parken hat!

Vollgeladen: 2 große Taschen mit gewaschener, nasser Wäsche und eine Tasche mit Supermarkteinkäufen.

Auch vollgeladen ließ sich das Urban Arrow super fahren. Kein Gewackel, kein Murren. Die „Wanne“ ist tief, so passte alles schön rein. Thema Dreistigkeit: als ich im Waschsalon die zweite Tasche mit der gewaschenen Wäsche holte, musste tatsächlich eine Passantin in die Ladefläche glotzen, das Regendach war ja offen. Nur gut, dass ich die erste Tasche schon vor das Lastenrad gestellt hatte, so dass es unmöglich war, einfach in die Ladefläche zu fassen! Gekaufte Lebensmittel zu stehlen… sollte eigentlich hierzulande nicht notwendig sein. Aber Deppen, die es unbedingt tun müssen, gibt es immer. Ein strenger Blick durch die Scheibe und mein baldiges Auftauchen draußen vor dem Waschsalon genügte, dass sich diese Frau verziehen musste.

Das Urban Arrow verzeiht sogar die blöden Unebenheiten, die es überall auf Deutschlands Straßen und Wegen gibt: selbst abgesenkte Bordsteine sind nicht wirklich eben. Aber wer will schon alle paar Meter absteigen und schieben? Als ich im Sommer für einen Abend in Nijmegen / Niederlande war, schaute ich zweimal auf den Boden, warum es kein Gerumpel gab und sich so schön und störungsfrei fahren hatte können!

Und ab nach Hause über den Gerichtsplatz und die Schleichwege. Das nächste zoom-meeting wartet
.

Fazit

Das Urban Arrow ist ein gute Kompromiß zwischen sportlichem Lastenrad und Hollandrad. Es liegt gut auf der Straße, läuft ruhig, ohne behäbig wie das Lastenrad von van Andel zu sein. Das Design ist trotz des sehr dicken Sattelrohres dennoch sportlich orientiert: das macht der bogenförmige Rahmen um die Transportfläche aus und wirkt jeder Behäbigkeit entgegen. Das Transportvolumen ist ordentlich, man muss aber beim Verladen von schweren Lasten aufpassen, dass man sich nicht „verhebt“, also im eigenen Bewegungsapparat keine Verletzung („Hexenschuss“ u.ä.) zufügt, weil man die Lasten tiefer in die Transportbox lassen bzw. abladen muss. Pluspunkt ist auch der Gepäckträger. Nicht nur, weil in der Coronakrise alle Kneipen zu haben und Bäckereifilialen früher am Tag schließen, habe ich meist mein eigenes Essen dabei. Das will ebenfalls verstaut werden. Außerdem muss nicht die neueste Speisekarte auf der frisch gewaschenen Wäsche landen…. Nachteil ist natürlich das höhere Gewicht, das ist klar. Ein Kaltblüter ist eben was anderes als ein kräftiges Reit- und Packpferd wie das Packster 60 von Riese und Müller. Vorteil ist natürlich auch, dass der Verleiher für mich leichter zu erreichen ist. Ich bin auch trotz mancher Nachteile und mancher gewöhnungsbedürftigen Eigenschaften gern mit dem Urban Arrow gefahren. Für die Miete in Höhe eines von mir gebackenen Kuchens gerne immer wieder. 🙂 Herzlichen Dank an den Verleiher !

Bogenförmiges Regendach, bogenförmiger Rahmen der Transportfläche: zusammen ein sportliches Design beim Lastenrad Urban Arrow.

Weiß und kalt: wenn gar nichts mehr geht

Es ist Februar 2021, der „lockdown“ wegen des verdammten Coronavirus dauert immer noch an, das gesellschaftliche Leben liegt immer noch still. Noch kann man sich aber draußen bewegen… Bis zur Nacht vom 6. Februar. Der Winter hatte beschlossen, in dieser Saison doch noch mal nach NRW zu kommen.

Zitat aus dem Newsletter des Deutschen Wetterdienstes vom Freitag, den 5. Februar 2021:

Am morgigen Samstag und auch am Sonntag verlagert sich Tief TRISTAN bis nach Benelux und führt die Warmluft weiter hinein die Mitte des Landes, wodurch sich zunehmend die Luftmassengrenze verschärfen wird. Denn in den Norden und Osten fließt ausgehend von hohem Luftdruck über dem Nordmeer und Skandinavien arktische Meereskaltluft mit östlicher Strömung ein. Dort wo sich die Luftmassen treffen, intensivieren sich die Niederschläge bis zum Abend und in einem Streifen etwa vom Münster-/Emsland bis nach Sachsen, später auch bis nach Brandenburg setzt starker Schneefall ein. Dazu kommt starker bis stürmischer Ostwind auf, der zu starken Schneeverwehungen in der Nord- und Osthälfte am frisch gefallenen Schnees führt. Nach den derzeitigen Prognosen werden sich insgesamt bis zum Montagvormittag etwa 10 bis 25 cm über 24 bis 36 Stunden ergeben. In einem Streifen von Münster- und Emsland bis nach Südniedersachsen sind 20-40 cm, lokal auch etwas mehr Zentimeter Neuschnee möglich. Da die größten
Mengen in diesem Bereich voraussichtlich über einen Zeitraum von 12 Stunden fallen wird hier auch extremes Unwetter erreicht. Von der Elbmündung bis nach Nordbrandenburg fallen die Mengen geringer aus und bewegen sich voraussichtlich zwischen 5 bis 10 cm. Neben den überregionalen Verkehrsbehinderungen mit teils unpassierbaren Verkehrswegen durch den Schneefall und die Schneeverwehung droht Schneebruch und auch Leiterseilschwingungen. Im Übergangsbereich zu Warmluft nach Süden kann es ab Samstagabend verbreitet zu überörtlichem Glatteis kommen. Dabei friert der fallende Regen womöglich über einen längeren Zeitraum am Boden und an Gegenständen fest. Der gefährdetste Bereich erstreckt sich im Westen etwa vom Niederrhein bis in die Kölner Buch über das Siegerland und Nord- und Osthessen bis ins
Vogtland und Oberfranken im Ostem. In diesen Regionen ist ein Eisansatz von mehreren Millimetern bis in den Zentimeter-Bereich möglich. Es besteht neben den Verkehrsbehinderungen durch spiegelglatte Straßen die Gefahr von Eisbruch an Bäumen und Infrastruktur (z.B. Stromleitungen).

Kaum gibt es irgendwo Schnee, werden viele Bilder der weißen, kalten Kristalle auf Facebook gestellt. Schon wieder… aber irgendwie auch angenehm, diese Bilder. Endlich mal was harmloses, auch schönes in dieser anstrengenden, frustrierenden Coronakrise. Die Fake-Jäger des Netzes, mimikama.at haben es richtig erkannt gehabt. Angesichts des Klimawandels ist es aber fast geboten, den Winter zu dokumentieren. Was war „Schnee“ und „Eis“ noch mal?

Nicht mehr ganz so frisch: platt gedrückter Schnee auf der Herderstraße Dortmund. eigenes Foto.

An sich mag ich den Winter. Kälte auszuhalten ist für mich kein Problem, denn wenn man ehrlich ist: die Temperaturen in Mitteleuropa sind wirklich auszuhalten. Wir haben kein Kontinentalklima oder gar die sehr tiefen Temperaturen am Polarkreis.

An dem Abend des 6. Februars 2021 (Samstag), als es mit dem Schnee, man muss sagen, Schnee-Sturm losging, hatte ich Schicht. Wir arbeiten für die telefonische Fahrplan- und Tarifauskunft für verschiedene Verkehrsunternehmen. Ich wußte, dass Schnee kommen sollte – aber war dann doch überrascht. Schön sah mein Rad aus.

Die Heimfahrt, besser Heim-Weg war aber weniger schön. Der Wind zog heftig, so dass ich lieber den Weg durch die Stadt nahm, weil die Häuserreihen an der Rheinischen Straße in Dortmund den Wind besser zurückhalten als im frei gelegenen Industriegebiet Westfaliastraße/Hafen. Fahren war im immer tiefer werdenden Schnee unmöglich. Also schieben. War nervend, denn ich wollte nach einer langen, anstrengenden Schicht nach Hause. Auf der Brücke der Rheinischen Straße hielt plötzlich ein Auto. Ich dachte, dass der Fahrer mich nach dem Weg fragen hätte wollen… aber er zeigte mir seinen Presseausweis, er fragte, ob ich ein kurzes Statement zum Schnee geben wolle, das sei für das ZDF. Ich stimmte lächelnd zu.

Im Schneckentempo ging es voran Richtung Innenstadt. Nur unter den Arkaden der Imbißbuden konnte ich hier und da mal vielleicht hundert Meter lang rollen. Der Schnee… Wie eine hoheitliche, aber nicht hochmütige Autorität gebietet er allen, sich langsamer zu bewegen, Pläne einzustellen oder zu verändern. Ohne Widerspruch. Es ist immer ruhiger auf den Straßen, mal schnell wohin fahren geht nicht mehr, auch Raser-/innen haben keine Chance mehr. Fast hätte man eine Tonaufnahme vom Schnee machen sollen, wenn Füße oder Fahrradreifen auf dem Schnee ihre Spuren hinterlassen. Wie ein leises Knarzen, dennoch gut vernehmbar.

Straßen im Winter: ein immer seltener werdender Anblick. Hier im Hahnenmühlenweg. Überraschenderweise sind hier viele Autler* unterwegs!

Nach Mitternacht sind nie viele Menschen unterwegs, außer vielleicht am Wochenende, wenn es keine beschissene Corona-Pandemie gibt. Durch die weißen, gefrorenen Kristalle sind es noch weniger. An der Kreuzung Brinkhoffstraße standen Fahrzeuge der Stadtverwaltung: die Straße wäre vereist und würde deshalb abgesperrt. Die ganze Szene wirkte leicht skurril. Ich musste ohnehin schieben. An einfach den Berg hinunter in die Schützenstraße rollen, davon konnte nicht die Rede sein.

Die Schützenstraße, eine der großen Ausfallstraßen der Nordstadt Dortmund, ist immer voller Autos, laut und stinkend. Mir tun die Anwohner-/innen schon immer leid. Es gilt immer, was auch deutsche Mitbürger vormachen: wer ein Auto hat, möglichst ein großes dickes, der hat es geschafft. WAS GESCHAFFT? frage ich mich immer wieder. Seit dieser Nacht war es auch für die Freunde (seltener Freundinnen) der motorisierten Stinkerkisten eng geworden. Auf dichter Schneedecke fährt und „cruist“ sich eben nicht gut. Die vermeintlichen Bewunder-/innen am Straßenrand sind verschwunden. Nach fast 2 Stunden für einen Heimweg von 4 Kilometern war ich dann zuhause.

„Sie wollen heute aber nicht mit dem Rad fahren?“ derartige Fragen bekam ich (und wohl auch manch andere Radfahrer-/in) während der Woche voller Schnee öfter gestellt. Ich wollte zurückfragen: „Warum fahren Sie Auto?“ , wäre ich nicht zu sehr mit allem anderen beschäftigt gewesen. Es ist gar nicht so einfach, sich im Schnee fortzubewegen. Was mich ärgerte: ich konnte verstärkt Autofahrer-/innen beobachten, die ihren Motor laufen ließen, anstatt vom Parkplatz gleich wegzufahren. Einer meinte, das sei notwendig, weil das Auto mehrere Tage gestanden hätte. Echt?

Manchmal hilft nur noch die Kombination Rad+ÖPNV, um voran zu kommen.

In einer Chatgruppe von Radfahrenden sprachen wir über Radfahren im Winter. Selbst die Leute mit Spikes am Rad sagten, dass sie nun aufgegeben hätten. Irgendwann heißt es dann beim Radfahren: Ne rien va plus. Ich musste mich umstellen, nach Abfahrtszeiten der Stadtbahn suchen. Zur Stadtbahn nahm ich dennoch das Rad mit – aus Gewohnheit und weil ich nicht so recht darauf vertrauen wollte, ob die Bahn nachts auch zurück fahren würde. In der Stadtbahn traf ich auch einmal einen Radfahrer – Schicksalsgeschwister im Geiste waren wir.

Mich ärgern solche Kommentare. Das ist Auto-Denke. Selbst in der Stadt findet sich immer eine Ausrede, dass man „doch mit dem Auto fahren müsse. Es nervt, es nervt! Warum fragt niemand, warum man für die 100 m zur Bäckereifiliale, Kiosk oder Bank Kraftstoff verbrauchen und Lärm erzeugen muss??? Warum fordert niemand einen besseren ÖPNV? Sind die Kuchen, Semmeln, Brot oder Zigaretten oder Getränke so schwer, dass man unbedingt ein tonnenschweres Fahrzeug für den Transport dieser Dinge braucht?

Nur jetzt im Schnee, da kam auch kein Auto weit. Ich nutzte das Rad weiterhin. Zumindest als Lastesel, um Leergut wegzubringen. Schieben ging ja noch. Es war nun Montag, der 8. Februar 2021.

Langsam geht es auch durch den Schnee.

Leergut zurück, Maske wieder abgenommen, Brille wieder aufgesetzt. Die Coronakrise macht zusätzlichen Streß. Die Brille darf nie, nie verloren gehen, deshalb nehme ich sie vor dem Einkaufen oft ab, verstaue sie sicher in der Handtasche, um mit Maske klar sehen zu können. Für die Zeit des Einkaufs geht´s auch mal ohne Brille. Heute hatte ich sie aber nicht vor dem Einkauf abgesetzt. Ich war gestreßt: erst durch den Schnee stapfen, dann der lästige, wenn auch notwendige Maskenkram, der die Brille anlaufen lässt. Nach dem Einkauf: erst mal draußen durchatmen. Doch es gab noch mal Ärger: das Schloß war eingefroren! Daran hatte ich nun wirklich nicht gedacht gehabt! Ich kann mich auch nicht erinnern, das schon mal erlebt zu haben. Man muss an so vieles denken beim Schnee, mehr Zeit und andere Wege einplanen, weil man nicht mehr wirklich Rad fahren kann. Kettenöl ins Schloß, Enteiserflüssigkeit… nichts half. Wütend trug ich erst nur die Einkäufe nach Hause, um danach wieder zu kommen und das Rad nach Hause zu tragen. Es sind „nur“ 300 bis 400 Meter vom Supermarkt zu meiner Haustür. Genervt und wütend war ich dennoch. Einen freien Tag stellt man sich anders vor! Das war der Montag, 8. Februar.

Eingefrorenes Schloß. Nichts ist nerviger!

Nach diesem Erlebnis hatte ich ein paar Tage später ein Enteiserspray bei einer Tankstelle gekauft. Schon auch lustig, mit dem Rad an einem Ort vorzufahren, wo sich viele Blechkisten treffen. Während der gesamten Schneewoche kam dieses Spray aber nicht mehr zum Einsatz, haha.

Im Film ist sowas lustig. Wenn man betroffen ist, nicht. Einkaufen ist eine Notwendigkeit, es ging auch nicht darum, dass ich unbedingt Eis oder Schokolade haben hatte wollen. Das Wetter hatte hier eine Grenze gezogen, die ich nur schwer akzeptieren hatte können. Nicht mehr oder kaum mehr radfahren können: ok. Aber dass jetzt auch das Schloß zufrieren hatte müssen… Dank des Klimawandels gibt es immer weniger richtige Winter. Vielleicht habe ich und wir alle es auch verlernt, müssen uns immer wieder darauf einstellen, bewußt machen, was – 8°C und noch niedrigere Minusgrade bedeuten.

Während der Woche fing es an zu tauen. Nach und nach konnte man wieder ein paar Abschnitte befahren. Es war aber eine Frechheit, wie lange es dauerte, bis die Schützenstraße wirklich geräumt gewesen war! Auch die größere Nebenstraße Herderstraße hätte eine Schneeräumung vertragen können. Als ich einmal zum Waschsalon fahren wollte, sah mich die Verleiherin ungläubig an. Durch den Matsch, das machte weder Spaß, noch kam man wirklich voran. So fuhr ich die Hauptstraßen, die waren wirklich geräumt. Was sonst als so umständlich erscheint, weil man nicht die bekannten Schleichwege benutzen kann, war jetzt genau richtig. Auf dem Weg zur Verleiherin von NOLA hatte ich nicht daran gedacht und mich durch den Matsch gequält. Den Weg durch die Nebenstraßen und Wege bin ich eben gewohnt. Auf z. B. der Schützenstraße und Mallinckrodtstraße radelt man nicht gern.

Winterspaziergang mal anders….. nicht so entspannend.

Warum ich mich mit einem unmotorisierten Lastenrad durch die Landschaft plagte, erst recht, als es noch gefroren hatte?

Ich hatte bei einem Getränkemarkt fränkisches Bier bestellt, noch lange, bevor der Dt. Wetterdienst den ‚Wintereinbruch‘ vermeldete. Das wollte abgeholt werden. Dafür fahre ich auch 10 Kilometer durch die Stadt, vom Norden in den Süden. Es hatte geklappt. Satte 2 Stunden für den Hinweg, beim Rückweg wählte ich die Route etwas klüger aus, weil ich dann wußte, wo der Schnee geräumt war. Ein Wahnsinn, dass man sich als Radfahrer-/in nicht darauf verlassen kann, dass die Straßen und Wege geräumt sind!

Endlich angekommen am Getränkemarkt.

Das war der einzig geräumte Weg, immer noch zu schmal für Spaziergänger*innen und Räder, aber immerhin. Entlang der Dorstfelder Allee bis zur Abbiegung zur Schnettkerbrücke konnte ich etwas flotter fahren.

Der einzig geräumte Radweg, den ich angetroffen hatte.

Ich musste den Verleiher (nicht die Verleiherin, es gibt 3 NOLAs) anrufen, dass ich später käme. Ging nicht anders. Als ich die NOLA geholt hatte, hatte er einen Schlitten dabei gehabt. Im Nachhinein hatte ich mir auch gedacht: ach wärst du besser Schlitten fahren gegangen! Ach ja…. wie man sich als Erwachsene(r) Zeit nehmen muss, auch Schönes zu tun. In der Coronakrise erscheint alles im Leben immer sinnloser. Kaum ein Hobby macht mehr Spaß.

Entlang der Emscher bei der Dorstfelder Allee. Idylle im Schnee. Wenn da nicht der Coronavirus wäre…

Emscher mit Blick Richtung Innenstadt.
Richtung Dorstfeld Süd.

Und dann war da schon der Sonnenuntergang…. Sportliche Betätigung, die hatte ich an diesem Tag wirklich genug.

Ein Spreader der positiven Art im Hafenviertel Dortmund – Corona-Update im November 2020

Novemer 2020 – und wieder ein Lockdown wegen dem elenden Coronavirus. Nicht so streng wie im Frühjahr, aber: Kneipen udn Theater müssen geschlossen bleiben. Bitter für viele, die kaum oder gar keine Familie mehr haben, die das Konzert, die Oper oder auch die Kneipe brauchen, um nicht allein zu sein, nicht zu vereinsamen. Nach der Pause im Sommer hatte man gehofft, dass es endlich wieder ein normales Leben gibt. Leider ist dem nicht so, weil die Zahl der Infizierten im November nicht soweit gesunken ist, wie es die Regierenden gerne gehabt hätten.

HIER gibt´s lecker Essen!Auch wenn das subrosa selbst geschlossen bleiben muss. Eignes Foto

Wie sollen, wie KÖNNEN die Gastronomen und Gastronominnen überleben? Auch die Clubs wie das domicil oder das FZW Dortmund? Die privaten Theater wie Roto-Theater, Hansa-Theater Hörde, das Fletch Bizzel? Ich mache mir wirklich Sorgen. Ich will keine Stadt, die nur noch von den verdammten Ketten wie starbucks beherrscht wird! In den DLF-Nachrichten ist zu hören: Bundesfinanzminister Scholz verkündet „November-Hilfen.“ Schön. Aber geht´s auch mal einfacher, ohne 1000 Seiten Antrag und tausenderlei Nachweise? Und vor allem. geht´s mal schneller? Die Vermieter u.a. warten nämlich nicht ewig auf die Mietzahlung, die Angstellten brauchen auch in Kurzarbeit ihr Geld, sollen sie nicht arbeitslos werden. Nachdem dieser Wahnsinn nun auch im Dezember fortgeführt werden soll, sollen die November-Hilfen auch zu Dezember -HIlfen werden.

Ob es aber immer dort ankommt, überhaut beantragt wird, das ist die Frage. Erstaunlich viel der Geldmenge, die schon im Frühjahr zugesagt weurde, ist noch vorhanden – weil es niemand beantragt hatte. Seltsam. vielleicht sollte das Antragsverfahren doch nicht so aufwendig und langwierig sein. https://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/extra_3/Corona-Hilfen-Kompliziert-und-langwierig,extra18714.html

Also, merkt Euch: erst Formulare ausfüllen – dann legt die Notärztin oder Notarzt los und hilft Euch- HAHA.

Lieblingskino oder Lieblingskneipe von der Existenz bedroht: was tun?

Was kann man als Kulturliebhaber-/in , Kneipengänger-/in tun? Die gekauften Karten nicht zurückgeben, damit das Geld Künstler-/innen und den Spielstätten zugute kommt. Das Kino Schauburg Dortmund verkauft zeitweise seine snacks oder Eis – zumindest mit dem Kauf dieser Dinge damit kann man eine kleine Unterstützung leisten, wenn schon keine Filme gezeigt werden dürfen.

Das Kino Schauburg, wie es sein sollte: geöffnet! Eigenes Foto

Und man kann sich was zum Essen von den Kneipen holen. Nein, hier findet eben KEIN superspreading mit Viren jeder Art statt! In der Nordstadt ist das u.a. der Grüne Salon, der zu bestimmten Zeiten Essen ausgibt. Und Natürlich auch Das Restaurant FABULOSE VON FRAU LOSE, der Unverpackt-Und Lebensmittelrettungs-Laden im Langen August wie im Geschäft selbst in der Rheinsichen Straße.

Gerade die Leute in Kneipen, Knzertsälen und im Fitnesszentrum halten sich vorbildlichst an die Maskenpflicht. Und gerade diese werden mit dem 2. und nun auch 3. Lockdown bestraft. Ich werde bald nicht mehr fertig mit Aufregen über diese Ungerechtigkeit – ja Unverschämtheit. Seltsam nur, dass täglcih mindestens 30 Leute aber jin einem Raum sitzen. Das nennt man dann Schule. Das Corona-Virus ist wohl das einzige, das ausschläft (Zitat extra3).

Aber jetzt mal Ruhe mit der Motzerei. Das subrosa, die schönste und beste Kneipe der Nordstadt Dortmund, bestreibt ein besonderes spreading: Das subrosa in der Nordstadt ist der SUPPENSPREADER von Montag bis Freitag von 13-15 Uhr. Also HIN DA!

Gneisenaustraße 58, Ecke Feldherrnstraße.

Freundliche Bedienung auch im Lockdown: Jascha mit Kürbissuppe. eigenes Foto.

Vor der Arbeit habe ich gleich von der Kürbissuppe probiert: Mmmmh, sehr lecker! 🙂 Und gut mit Pfeffer gewürzt 😉 DANKE SUBROSA! Hab ich gleich Essen für die Pause später. Inklusive frischem Toast.

http://www.hafenschaenke.de

KORREKTUR: das Sissikingkong musste nicht schließen, es ist nur weggezogen aus der Nordstadt – was hier sehr bedauert wird. Neue Adresse: Essener Straße 10, Dortmund. Abholung von vorbestelltem Essen ist von Mittwoch bis Sonntag von 17 bis 20 Uhr möglich.

https://www.sissikingkong.de/speisekarte

Die gefährlich rollende Wand

Trotz guter Sichtverhältnisse werden Radfahrende von LKW-Fahrenden "übersehen." Vergangenen Freitag hatte ich solch ein Erlebnis - fast. Foto: pexels-photo by Vlad Cheu

Es kam plötzlich. Man vertraut schließlich anderen Verkehrsteilnehmer*innen ein Stück weit, dass sie sich an das Gebot Vorfahrtsgewährung halten – man muss es auch, sonst könnte man sich nie wieder nach draußen trauen. Oft habe ich als Alltags-Radfahrerin über derartige oder ähnlich geartete Unfälle gelesen – nun wäre es mir gestern abend selbst fast passiert. Während ich die Westfaliastraße entlang fahre, kommt ein*e LKW-Fahrer*in von rechts aus der Mallinckrodtstraße. Ich fahre – selbstverständlich mit funktionierendem Licht am Rad – direkt auf ihn oder sie zu, durch das Fahrerhausfenster MUSS ich sichtbar sein. Ich verlasse mich darauf, bin müde nach der Arbeit und habe keinen Nerv für Konflikte. Doch es kommt anders.

Ich bin an diesem Abend nicht sonderlich schnell, will aber die Stelle zügig passieren. Als ich etwa auf halber Höhe der LKW-Breite bin, kommt der Schock: die dichte, beleuchtete Wand kommt immer näher! Kann man so blind sein? Oder unaufmerksam, gedankenlos? Ich kann noch abdrehen und mich auf den Gehsteig hinter mir retten. Dann sehe ich, weshalb der / die Fahrerin des Logistikunternehmens wohl hauptsächlich angehalten hat: aus meiner Fahrtrichtung kommt ein*e anderer LKW-Fahrer*in angefahren. Ich bin zu schockiert, um laut zu schreien vor Wut und Entsetzen. Nur vorwurfsvolle Blicke Richtung Fahrer*haus kann ich ausrichten. Das dunkle Etwas von dem man als Außenstehender nicht weiß, was warum darin vorgeht. Die Kommunikation mit motorisierten Verkehrsteilnehmer*innen ist immer schwieriger als mit Zweiradfahrenden.

Der andere LKW-Fahrer*in ist vorbeigefahren, in Richtung Hafen. Ich warte einen Moment, bis ich vor dem stehenden LKW das Rad vorbei schiebe. Extra langsam. Mein Gedanke: Freundchen, du sollst mir zum Nachdenken kommen! Eigentlich sollte man jetzt ein paar Worte, möglichst ohne Wut, wechseln. Aber ich kann auf der anderen Seite nur da stehen und in Richtung des dunklen Flecks schauen, hinter dem hoffentlich Menschen sitzen, die selbstkritisch über ihr Handeln nachdenken. Nach ein paar Momenten des Stillstands bewegt sich jede-/r wieder und fährt ihres und seines Weges. Welch Erstaunen auch, dass um 20.30 Uhr in einem Industriegebiet in Dortmund auch Radfahrende unterwegs sein können – man mag es nicht für möglich halten!

Ich wollte mir gar nicht so genau ausmalen, was passieren hätte können. Ich kenne genug furchtbare Unfälle (Zahlen von 2019 hier), oft mit Todesfolge. Und ohne gegen LKW-Fahrende schimpfen zu wollen: ihr Verhalten trägt oft dazu bei, dass es überhaupt zu Unfällen kommt. Immer nur das Tragen von schreiend gelber Neonkleidung und das Tragen eines Helms von Radfahrenden zu fordern, greift zu kurz, gibt den Opfern statt den Verursachern die Schuld am Unfall, an den Verletzungen. Ich bin weder Schüler*lotsin, noch Verkehrspolizistin noch Müllwerkerin. Wahnwesten erzeugen bei mir vor allem eins: Augenkrebs. Ganz zu schweigen von der elenden Schwitzerei durch den dichten Kunststoff. Was „Warnwesten“ (vor was soll bitte gewarnt werden?) bei mir NICHT ERZEUGEN: ein Gefühl von Sicherheit und Vertrauen in andere, vor allem motorisierte Verkehrsteilnehmer*innen, dass sie mich respektieren und damit möglichst keinen Unfall verursachen.

Die Behauptung, Radfahren sei überhaupt viel zu gefährlich, ist Unsinn. Auch in anderen Ländern funktioniert der Stadtverkehr mit hohem Radfahrer*anteil. Von Zeitungsberichten und Formulierungen, dass der fehlende Helm oder die nicht vorhandene, schreiend gelbe Wahnweste die Unfallursache gewesen sei, soll man sich nicht abschrecken lassen.

Dieser Vorfall am Freitag, den 6. November 2020, der fast zu einem tödlichen Unfall geworden wäre, hat mich schockiert. Die Ursache dieses Beinahe-Unfalls liegt aber nicht nur im Verhalten des/der LKW-Fahrerin begründet. Schuld an manchen Unfällen, wenn auch nicht diesem Beinahe-Unfall ist auch die miese, weil völlig unzureichende Verkehrsinfrastruktur der Stadt Dortmund. Im folgenden werde ich einige Stellen meines Arbeitswegs zeigen und erläutern, warum diese – auch bei StVO-konformen Verhalten von Radfahrenden gefährlich für sie ist.

Beginn der Westfaliastraße am Eck zur Unionstraße. Benutzungspflichtiger Radweg auf der falschen Seite. eigenes Foto.

Entlang der Westfaliastraße existiert tatsächlich ein gemeinsamer Rad- und Fußweg, durch niedrige Sträucher von der Fahrbahn getrennt. Die Idee der Trennung entspricht der Protected Bike Lane, kurz PBL, was zunächst positiv ist. Allerdings ist dieser Weg dennoch UNbenutzbar, weil er zu schmal ist. Denn er ist nicht nur als gemeinsamer Rad- und Fußweg, sondern auch als Zweirichtungsradweg beschildert. WIE SOLL man dort fahren können OHNE ZUSAMMENZUSTOßEN? Nicht-motorisierte Verkehrsteilnehmer*innen sollen sich dort auf 2 Metern Breite zusammendrängen, während Auto- und LKW-Fahrerinnen viel Platz, der meiste Platz im gesamten Straßenraum zugestanden wird. Eine einzige Zumutung. Aber es fährt wohl niemand vom Tiefbauamt oder der Polizei bewußt in der Westfaliastraße noch sonstwo Rad, sonst würden deartige Mißstände mehr Eingang ins Bewußtsein und Handeln dieser Personen finden. Vor allem bei Polizist*innen ist eine große Ablehnung, fast schon Abscheu zu spüren, wenn man Kritik an derartigen Wegen übt, wenn sie vom Baum der Erkenntnis essen sollen. Kritik an Bestehendem oder Zweifel scheinen offenbar mehr Schmerz als eine Gewinnung von neuen, sinnvollen Erkenntnissen zu bedeuten.

Der gemeinsame Rad- und Fußweg entlang der Westfaliastraße läuft nur auf der linken, also falschen Seite. Bei dieser Planung wird automatisch daovn ausgegangen, dass Radfahrende immer nur geradeaus fahren. Eigenartig nur, dass sie auch mal abbiegen wollen! Würde ich für meinen Arbeitsweg, ganz gleich ob ab der Kreuzung Unionstraße oder aus der Gegenrichtung vom Hafen kommend, diesen Radweg benutzen, müßte ich immer -genau genommen rechtswidrig – mit dem Rad den Fußgängerüberweg über die Westfaliastraße (Bild unten) und über die Königsbergstraße nehmen, um auf der rechten Straßenseite zu sein. Dieser – schilderkonforme – Weg ist umständlich und zeitaufwendig. Kein! Autofahrende*r würde solch eine Wegeführung lange dulden!

Blick von der Königsbergstraße aus auf die Westfaliastraße Richtung Hafen. Auf der linken, also falschen Seite der benutzungspflichtige gemeinsame Rad- und Fußweg.

Warum Radfahrende nicht wie alle anderen Fahrzeuglenker*innen auf der Straße fahren, sich links, bzw. rechts einordnen und damit sicher und in einem Zug abbiegen sollen (und danach sofort die Kreuzung wieder freigeben zu können), ist mir ein Rätsel. Sicher sind Radfahrende langsamer, nicht immer kann man sie gleich überholen. Da ist eben Geduld gefragt für ein paar Sekunden, genauso wie bei aus- und einparkenden Blechkisten in der Innenstadt, die den Weg versperren und die meine eigene Weiterfahrt verzögern. Seltsamerweise wird das von den meistens Autofahrenden seltener als störend und zeitraubend empfunden, während ich mir als Radfahrerin, nicht nur auf der auf der Westfaliastraße aber öfter ein lautes „Raaadweeg!“ aus dem Autofenster anhören darf, als ob ich keine Fahrberechtigung und Existenzberechtigung auf der Straße hätte. Wow, wie die sich auskennen, obwohl sie nur in ihrem Auto sitzen. Demnächst erzähle ich auch einer Pilotin, wie sie wo zu fliegen hat. Haha.

Huch,endlich geschafft! Abgebogen in die Königsbergstraße. sie führt über die Westfaliastraße und verbindet diese mit der Huckarder Straße.

Auf der Straße wird man als Radfahrende gesehen, weil man eben nicht „plötzlich“ von links, also vom Radweg kommt, um die Straße queren zu können. Rechtzeitige Handzeichen machen den Richtungswechsel klar. Mit einem Bewußtsein, dass Radfahrende gleichberechtigte Verkehrsteilnehmer* sind, dass Fahrradfahrer*innen zum Straßenverkehr selbstverständlich dazugehören, könnte es auf der Straße ein gutes Miteinander geben. In anderen Ländern klappt das schon längst, das Abendland ist dort nicht untergangen und keinem Mann ist irgendein Körperteil deshalb abgefallen. Leider hat sich in den letzten Jahrzehnten aber in vielen Hirnen die Ansicht durchgesetzt, dass nur motorisierten Fahrzeugen und ihren Insassen die Straße gehört. Das Auto als Teil der Persönlichkeit. Die gesamte Verkehrspolitik des 20. Jahrhunderts – und heute zum großen Teil immer noch – ist auf den motorisierten Verkehr ausgerichtet. Wenn das, was Autofahrende anrichten, nicht so schlimm wäre – die meisten Unfälle werden von motorisierten Fahrzeuglenker*innen verursacht, von der Luftverschmutzung mal ganz abgesehen – und nicht solch verheerende Auswirkungen auf die Umwelt hätten, könne man sagen: naja, lass Ihnen ihre Spinnerei. Angesichts der vielen Ghostbikes, auch in Dortmund, ist dem aber nicht so. Das Auto ist kein harmloses Verkehrsmittel.

Ein weiterer Grund für die Ablehnung der Benutzungspflicht dieses Radwegs in der Westfaliastraße sind die hohen Bordsteinkanten. Locker 20 cm hoch, sind sie höchstens war für Downhill- und Mountainbikefreund*innen, deren Territorium aber nicht die Teerstraße in der Stadt ist. Flüssiges, zügiges Fahren, das für alle Verkehrsteilnehmer*innen möglich sein muss, ist an dieser Stelle nicht möglich. Würde, ich , vom Containerhafen kommend, diesen Radweg benutzen wollen, müßte ich die Westfaliastraße queren, auf der rechten Fahrbahnseite anhalten und das Rad die Bordsteinkante hochheben. Es ist nicht ungefährlich, auf der Straße, mit dem Rad anzuhalten. Umständlicher geht es nicht. Hier ist NICHTS DURCHDACHT für den Radverkehr. Ich möchte die Autofahrer*innen sehen, die erst aussteigen und eine Schranke hochkurbeln müssen, durchfahren, die Schranke wieder runterkurbeln, um weiterfahren zu können. Auf dem folgenden Bild ist der zu hohe Bordstein deutlich zu erkennen. Bordsteine gehören abgesenkt!

Querung Westfaliastraße: der Bordstein ist weder gegenüber der Einmündung des Container-Hafen-Radwegs, (der ist gegenüber der Böschung neben der Bake) noch im weiteren Verlauf- nicht abgesenkt.
Nur schräg gegenüber findet sich eine Bordsteinabsenkung: weil dort ein Parkplatz ist. Der Bahnverkehr an dieser Stelle ist stillgelegt.

Um wenigstens nicht auf der Straße stehen und das Rad den Bordstein hochheben zu müssen, muss man entweder links (aus Blickrichtung der Fotografin) zur Einmündung der Mallinckrodtstraße fahren und mit dem motorisierten Verkehr zusammenzutreffen oder ein Stück nach rechts (vor den Autos im Bild) fahren, um eine abgesenkte Bordsteinkante zu haben. Beide Stellen der Bordsteinabsenkungen sind ungünstig, umständlich und auch nicht ungefährlich. Die motorisierten Verkehrsteilnehmer*innen, die von der Mallninckrodtstraße sind zu Recht möglicherweise verwundert, wenn ich neben ihnen auftauche, um sicher abbiegen zu können. Da ich von der Seite komme, ist es – zumindest bei Tag oft gut möglich (und muss es auch bei Nacht sein), Blickkontakt zum Fahrerhaus bzw. deren Insassen aufzunehmen. Wenn die Damen und Herren außerdem das Blinken nicht vergessen, weiß ich auch Bescheid, wo sie hin wollen und es enstehen zumindest selten potenzielle Unfallsituationen.

Um nicht über zu hohe Bordsteine hopsen zu müssen (jedes Lager am Rad stöhnt dann auf), müsste man die Westfaliastraße schräg queren. Sehr umständlich. Auch Radfahrende wollen zügig zum Ziel, z. B. zur Arbeit kommen – ohne unnötige Umwege und Schlangenlinien!

Einziger abgesenkter Bordstein auf der linken Seite der Westfaliastraße, wo der Radweg läuft – weil dort ein Parkplatz ist.

Der Beinahe-Unfall gestern, der mich so geschockt hatte, fand in der Gegenrichtung statt. Ich war auf dem Heimweg, der von der Huckarder Straße auf die Königsbergstraße und von dort aus auf der Westfaliastraße Richtung Hafen verläuft. Nach der Einmündung Mallinckrodtstraße, aus der der LKW gefahren kam, der mich fast getroffen hätte, (nur für motorisierten Verkehr) biege ich in den Radweg ein, der zwischen Mallinckrodtstraße und Containerhafen Richtung Nordstadt verläuft.

Gleich rechts nach dem Verkehrsschild: die Abfahrt von der Mallinckrodtstraße für den motorisierten Verkehr. Dahinter: die Eimündung des Radwegs entlang des Containerhafens. Eigenes Foto.

Es gibt an dieser Stelle nichts, was die Sicht stören könnte. Am Freitag abend bin ich auf dieser Straße gefahren, mit Licht. Der LKW kam von rechts, hätte mich also aus dem Fahrerhaus-Seitenfenster sehen müssen – auch bei Dunkelheit, auch unter dieser Brücke. Selbst wenn man meint, nichts zu sehen, ist Vorsicht geboten! Denn: es könnte immer ein Fahrzeug kommen.

Wohlgemerkt: ich habe keine Haß auf den/die FahrerIn des LKWs. Aber die Tatsache, dass trotz guter Sichtverhältnisse sie oder er das eigene, viel größere Fahrzeug einfach weiterrollen hat lassen zeugt doch davon, dass man nicht mit querenden Verkehr, der nicht mindestens Autogröße hat, gerechnet hat. Ein großer Fehler, denn: Radfahrende und Fußgängerinnen sind gleichberechtigte Verkehrsteilnehmerinnen, die jederzeit und auf und neben Straßen (außer Autobahnen) unterwegs sein können! Auch an einem Freitag abend im November in einem Industriegebiet. Jeder noch so enge Lieferterminplan sollte, MUSS EIN MENSCHENLEBEN WERT SEIN, dass man bremst und wartet! – Anstatt zu denken: „um die Zeit kommt doch niemand.“

Was dringend notwendig ist: dass motorisierte Verkehrsteilnehmer*innen ein Bewußtsein entwickeln, dass Radfahren im Alltag auf der Straße völlig normal ist. Das wünsche ich mir von allen, die ein Auto oder LKW steuern. Dass man mit dem Rad nicht nur am Sonntag nachmmittag zum Ausflug (mit oder ohne Kinder) fährt. Radfahrende sind gleichberechtigter Teil des Straßenverkehrs. Die hellste oder grellste Kleidung und auch kein Fahrradhelm kann das Defizit an Aufmerksamkeit, Umsicht und Rücksicht anderer Verkehrsteilnehmer*nnen, vor allem von motorisierten, ausgleichen. Auch wenn sich manche oder mancher mit der Styroporhalbkugel am Kopf subjektiv sicherer fühlt. Entscheidend ist, dass man funktionierendes Licht hat und ein verkehrssicheres Fahrrad fährt.

Radfahren – natürlich mit Licht.

Umso größer das Fahrzeug, umso größer der Schaden, den man als Fahrer-/in damit anrichten kann – das sollten sich vor allem LKW-Fahrer*innen klar machen. Ein Denken wie „ich bin hier der Größte, mir gehört die Straße“ ist völlig fehl am Platz. Selbst mit einem Lastenrad kann ich mehr Blödsinn anstellen als mit einem ordinären Rad.

Völlig ohne LKW-Verkehr wird es auch in Zukunft nicht gehen, jedoch muss in Sachen #Verkehrswende dringend mehr Güterverkehr auf die Schiene verlagert werden. Längere Lieferzeiten würden für entspannteres Fahren und auch mehr Rücksicht sorgen – und der/die einzelne muss akzeptieren können, dass das Paket eben nicht heute ankommt, gerade das Mehl im Supermarkt ausverkauft ist oder es in der Bäckereifiliale keine Nußschnecken mehr gibt. Nicht, um die Menschen zu ärgern, sondern: um ein entschleunigteres Leben zu haben, in dem man auf der Straße keine Angst um sein/ihr Leben haben muss. Außerdem trägt weniger motorisierter Verkehr zum Klimaschutz bei.

Die Stadt Dortmund ist aufgerufen, die Benutzungspflicht für diesen gemeinsamen Rad- und Fußweg in der Westfaliasstraße aufzuheben und ein schlüssiges Wegekonzept zu erarbeiten. Dieses ständige Hin und Her in der Wegeführung für Radfahrende ist ein Unding und führt bei ALLEN Verkehrsteilnehmenden zu großer Unsicherheit. Die Konzepte der Dutch Cycling Embassy enthalten dafür gute Anregungen. Die Vortragsreihe, die im September dazu stattgefunden hat, kann man hier nachhören und -sehen.

Passt auf Euch auf, da draußen. Und helft Euch gegenseitig, auch wenn „nichts passiert“ ist wie letzten Freitag. Ein paar freundliche Worte können schon unterstützend wirken. Denn der Schock wirkte auch eine Stunde später noch nach: außer Radiohören und 1 Bier trinken konnte ich zuhause nichts machen. Eine freundliche, unaufdringliche Ansprache und ein Stück Trost wären sehr hilfreich gewesen.

Weiterführende Links:

  • Forderungen des ADFC Berlin für LKW-Fahrer*innen: Diese Verkehrsteilnehmer*innen sind die Hauptursache für Radunfälle mit Todesfolge. Das ist auch durchaus auf Dortmund zu übertragen, auch wenn die Stadt kleiner ist.
  • Seite der Dutch Cycling Embassy hier.
  • Nicht jeder Weg im Alltag muss mit dem Auto zurückgelegt werden. Warum weniger Autos mehr Lebensqualität für alle bedeuten: der Verkehrsforscher Hermann Knoflacher im Interview mit der ZEIT. und dem ManagerMagazin.
  • Interview mit einer Überlebenden eines Unfalls, bei der ein Schwerlaster sie schwer verletzte. Beate Flanz hatte auch den Gedanken, doch besser nicht überlebt zu haben.

Wie Fahren mit angezogener Handbremse: Leben in Corona-Zeiten – Update

Der Sommer ist vorüber. Ein paar schöne Tage gab es noch, bevor die Kühle des Herbstes klar machte, dass jetzt Schluß ist mit Freibad und vielem Draußen-Sein, dem Erleben, Treffen mit Freunden oder Verwandten. Kurzzeitig hatte man den Eindruck gewinnen können, dass der Coronavirus zurückgedrängt worden sei. Der „Lockdown“ im Frühjahr hatte viele Menschen eingeschränkt, verletzt, weil sie nicht das tun konnten, was Menschen eben tun: sich zu Partys, Konzerten etc. zu treffen. Diese ständigen Einschränkungen brachten viel Unmut hervor, so dass es wieder Partys, öffentlich wie privat, gab. Doch der Coronavirus ist längst nicht verschwunden und Party machen heißt auch für dieses elende, diffuse, so schlecht sichtbare Ding wie einen Virus: Juhuuu, ich kann mich wieder bestens verbreiten.

Tatäschlich war ich letzte Woche sogar in zwei Konzerten. Wie gut, dass sie wieder da sind, die Dortmunder Philharmoniker-/innen! Ich spürte Erleichterung und Freude, als ich das Konzerthaus betreten hatte. Allerdings… es war auch seltsam. Wenige Leute, feste Stehtische, an denen man sich melden musste, die mitgebrachte Eintrittskarte wurde gegen eine andere getauscht. Dann die Überraschung: „Ihre Jacke können Sie auf den Sitz neben sich legen.“ Und auch die Tasche! Ich staunte nicht schlecht: vor der Corona-Zeit hätte das niemand geduldet, da wäre dir sofort einer der hellbraun gewandeten Damen und heren nachgerannt und hätte dich zur Rede gestellt. An die dämlich aussehende, häßliche Maskierung hat man sich schon gewohnt. Vor noch nicht allzu langer Zeit hätte der /die LadeninhaberIn die Polizei geholt, hätte man mit maskiertem Gesicht ein Gebäude betreten.

Der Konzertsaal: seltsam leer. Ins Auge fallen sofort die roten Nashörner auf einigen Sitzen, darunter steht „bitte freihalten.“ Nur die Hälfte der Gesamtplätze ist besetzt. Wie lange hält das ein Veranstalter aus, ohne bankrott zu gehen? Man soll sich bitte nicht zu nahe kommen. Im Februar noch war ich direkt neben einer anderen Konzertbesucherin gesessen. Schon damals dachte ich entfernt daran wie es wäre… aber glauben wollte ich das damals noch nicht. Die Vorstellung, dass das kulturlle Leben komplett zum Erliegen käme, die war zu schrecklich. Ganz gleich, ob es sich um ‚klassische‘ oder Popkonzerte handeln würde. Ohne Kultur kann kein Mensch leben!

Vom Balkon aus blicke ich direkt auf die Bühne.Hm? Was ist da los? Es ist 10 vor 8, 10 Minuten vor Beginn und die Musiker-/innen sitzen schon. Mit mindestens 1 Sitzbreite Abstand. Das wirkt eigenartig. Kein gemeinsames Auftreten wie sonst, jede-/r sitzt wie fest platziert auf ihrem und seinen Platz. Manche tragen sogar dort ihre Maske. Man hat sich schon daran gewöhnt, dieses häßliche notwendige Scheißding zu tragen, wenn man sich in geschlossenen Räumen umher bewegt. Die Musiker-/innen und Dirigent Gabriel Feltz wirken dabei fast wie Vorbilder, wenn sie ihre Maske tragen und erst an ihrem Platz wieder ablegen. Es gibt viel zu verlieren: an Vertrauen, an künstlerischer Freiheit, an Geld, an kulturellen Leben. Etwas schmunzelnd dachte ich an einen fiktiven Postillon-Artikel, der als Neuheit eine bläser-kompatible Maske anpreist.

Weniger Besucher-/innen, dafür gefühlt mehr Personal. Es gab kaum einen Ort im ganzen Konzerthaus, wo kein Mensch in hellbraunem Filzblazer stand und ungefragt oder gefragt den Weg wies oder das – huch kostenlos! – Programm in die Hand drückte. Zu meinem eigenen Erstaunen empfand ich das nicht als aufdringlich. Die ausgeschilderten Wege entlang der Bar und nummerierten Tische wirkten aber fast schon lächerlich. Männleinlaufen – nur ohne Kaiser und Fürsten. Nun, wenn es hilft, dem elenden Virus das Leben zumindest schwer zu machen… bei allem Verständnis ist es anstrengend, immer an die Einhaltung all dieser Regeln zu denken.

Endlich wieder Live-Musik hören! Welche Freude… Dennoch bleibt das Gefühl, als ob man mit angezogener Handbremse fahren würde. Auf dem Programm standen Frédéric Chopins Klavierkonzert in f-moll sowie Erich Wolfgang Korngolds symphonische Serenade B-Dur. Beides Werke der Romantik und des 20. Jahrhunderts, das bedeutet: große Orchester. Warum gerade dies Werke? Warum dieses schwülstige Thema „Gefangen im Netz der Intrige?“ Das hätte es nicht gebraucht. Auch wenn man im Konzert nichts zu vermissen meinte: es blieb ein ungutes Gefühl der Unvollständigkeit, weil eben nicht so viele, nicht die volle, normale Anzahl an Musiker-/innen auftreten durften. Bis auf wenige Aussetzer ist den Dortmunder Philharmonikern* auch ein gutes Konzert gelungen. Die Freude am Spiel war allen anzumerken, das Publikum applaudierte aber eher verhalten, als ob es überlegen würde, ob Begeisterung und Freude in der Coronakrise zu zeigen überhaupt erlaubt sei. Glaubt man dem Programmhefttext von Markus Bruderreck, spiegelt Korngolds Serenade das erschrecken, die Hoffnungslosigkeit, Angst, Resignation und Hoffnung der Coronakrise wieder. Na dann passt´s ja – könnte man denken.

Aber dann doch wieder nicht. Händeschütteln oder gar Umarmen darf man sich nicht. Zu gefährlich wegen der möglichen Virusübertragung. Stattdessen stoßen Dirigent Feltz und Solist Bernd Glemser die Ellbogen aneinander. Kumpelhafte Geste? Könnte man meinen. Widersprüchlicher könnte es aber kaum sein: eine Berührung, die Verbundenheit symbolisieren soll, aber doch eine Abwehrhaltung zeigt. Mir wird immer unwohl bei dieser Art der Begegnung oder Berührung: denn als Verbundenheit kann die Berührung der Ellbogen kaum dienen. Eher daran, sich gegenseitig abzustoßen, sich durchsetzen zu wollen. Ein Symbol für die ‚Ellbogengesellschaft‘ eben. Auch wenn das an diesem Abend nicht so gemeint war.

Die gefühlte Leichtigkeit des Sommers ist vorbei. Das merkt man nicht nur an den Außentemperaturen. Diie Anzahl der Infizierten steigt wieder an. Dennoch: keine Konzertabsagen mehr bitte! Nicht nur, aber vor allem einsame Menschen brauchen Kultur! Vergesst den ewigen Streaming-Scheiß! Das kann nur vorübergehend eine Lösung sein. Menschen brauchen die Begegnung, denn wir sind keine Katzen, die Einzelgänger* sind. An dieser Stelle auch der Appell an die Politik: wenn Sie Fußballspiele erlauben, wenn sie die Wirtschaft ‚retten‘ wollen, dann kümmern Sie sich auch um die Solo-Selbständigen und Kulturschaffenden, die keine staatliche Förderung erhalten! Am 15.10.2020 gibt es dazu eine Demonstation in Düsseldorf.

Die Coronakrise bedeutet auch: jede-/r könnte ansteckend sein. Das erzeugt Mißtrauen und Unsicherheit. Ich selbst fühlte mich verletzt, als mich eine Kollegin anpflaumte, dass ich ihr zu nahe gekommen sei. Das war noch vor Einführung der Maskenpflicht. Ich war zu überrascht gewesen, um etwas zu erwidern. Aber bei aller gebotenen Vorsicht ist daran zu erinnern: NIEMAND darf wegen Covid-19 bloßgestellt oder fertiggemacht zu werden! Nicht jede-/r Infizierte ist schuld an seiner Infektion, war nicht zwangsläufig in einem Risikogebiet!

Wer noch nie oder nur selten von der Klassengemeinschaft in der Schule permanent ausgeschlossen wurde, weil man sich nicht die teueren Markenklamotten oder anderen Schrott leisten konnte, wer nicht zu denjenigen zählte, die als letztes oder gar nicht in die Mannschaft bei dem verdammten Spiel Völkerball gewählt wurde im grauslichen Schulsport, soll jetzt das Maul halten. Ich gehörte damals zu den Ausgeschlossenen, es gab keine Sozialarbeiter-/innen an dieser verdammten reaktionären Kleinstadt-schule, die diesen Konflikt beendet oder zumindest eingegriffen hätten. Denn auch wenn ich die Maskenpflicht, das Abstandsgebot, die Begrenzung von Gästen bei privaten Feiern für richtig halte: nichts ist schlimmer als soziale Isolation. Deshalb bitte von physical, nicht social distancing reden! Ganz ohne Covid-19, Lepra oder anderem Kranheitsscheiß behandeln Menschen ihre Artgenoss-/innen oft so, wie es NICHT sein sollte: als krank und aussätzig. Du gehörst NICHT dazu- das ist die vernichtende Botschaft. Darauf weist auch Unicef hin. An all die Wissenschaftsanbieter*, die ständig laut auf die Einhaltung der Corona-Regeln pochen: Lesen Sie das, bevor Sie jemanden verurteilen, die/der sich vermeintlich nicht ganz korrekt an die Regeln hält! Nur Verschwörungstheoretiker-/innen, die müssen weiterhin kritisiert werden, keine Frage.

An all die Wissenschaftsfans: Schön, dass Sie alles lesen, was der Wissenschaftsjournalismus Ihnen bietet. Machen Sie weiter so, dann haben ein paar Journalisten* weiterhin Arbeit und Einkommen. Aber denken Sie daran: Sie werden nur so lange der Wissenschaft frohlocken und gegen alle schimpfen, die auch nur einen Hauch von den Schutzmaßnahmen abrücken (weil ihnen z. B. die Maske unter die Nase gerutscht ist ganz unabsichtigt) oder das Verbot von Kulturveranstaltungen kritisieren,, solange sie selbst nicht völlig allein, isoliert im nach Desinfektion stinkenden gleißend weißen Krankenbett liegen. Mit striktem Besuchsverbot. Denn auch wenn Schutzmaßnahmen und Tests notwendig und sinnvoll sind: es muss grausam sein, einen voll verkleideten Menschen, der mich testen soll, vor mir zu haben. Ich bin die Aussätzige, die andere gefährdet. Auch wenn sich das Pflegepersonal zu Recht schützen will und muss und mehr Lohn zu bekommen hat. Das ist der Tenor. einige Menschen mussten sogar allein sterben, das ist entsetzlich. Darüber spricht niemand. Dazu muss ich auch sagen: Verstehen Sie mich nicht falsch. Den Verschwörungstheoriekram braucht auch niemand, sondern solide Wissenschaft. Wäre zu schön, wenn es überidische Mächte gäbe, die den Virus beseitigen können würden.

Und was die Party angeht: so verständlich und nachvollziehbar das Verbot für große Menschenansammlungen ist, gibt es eine Erklärung für das Bedürfnis, feiern gehen zu wollen. Die Coronakrise ist eine neue Erfahrung – und die Menschen werden lernen müssen, wie man feiern kann, ohne sich mit Covid-19 anzustecken. Kulturwissenschaftler Wolfgang Kaschuba bringt es auf den Punkt: „Epidemologen können Krankenhaus, aber nicht Gesellschaft.“

Ich hatte im Frühjahr einen runden Geburtstag. Schon allein wegen der Zahl war mir nicht nach Feiern zumute. Und wenn ich mit Menschen zusammensitzen muß, die fast wie Ladendiebe oder Ärzt-/innen aussehen (müssen), dann vergeht mir die Lust am Feiern – aber nicht am Konzertbesuch. Ich habe eine große Sehnsucht, dass das Leben endlich wieder normal wird! Dass man sich zur Begrüßung wieder umarmen kann. Dass man nicht ständig an dieses und jenes denken muss, damit Regeln eingehalten werden. Und damit sich endlich auch was in der Gesellschaft verändert, damit niemand mehr Angst vor der Zukunft (Klimawandel) haben muss. Der Radverkehr im Alltag hat in der Coronakrise zugenommen. Jetzt ist die Politik dran, endlich gute Wege und Verbindungen zu schaffen, den Autoverkehr einzuschränken. Bei meinen täglichen Fahrten scheint das noch unmöglich. Aber ich träume davon, endlich sicher und ohne jede Bedenken oder Angst unterwegs sein zu können, ohne in einer Blechkiste sitzen zu müssen.

Immer noch gefährlich für Radfahrende: die Schützenstraße Dortmund. Eigenes Foto.

Umsteigen – immer gern? Stadt Dortmund wirbt mit Kampagne umsteiGERN für´s Radfahren in der Stadt

Im Frühjahr 2020 rief die Stadt Dortmund dazu auf, dass man sich melden solle. Die eigene Radfahr-Geschichte von Dortmund sollte in einer Kampagne erzählt werden. Die Coronakrise hatte den Start verschoben. Nun kann man in der ganzen Stadt auf Litfaßsäulen die neuen Models des Radverkehrs Dortmund bewundern.

Unser Oberbürgermeister macht es vor.

Oberbürgermeister Ulrich Sierau wirbt für das Rad als Alltagsverkehrsmittel. eigenes Foto

Auch ich habe überlegt, mitzumachen. Nach meinem Umzug im Frühjahr wohne ich auch in einem ruhigeren Teil der Nordstadt, so dass ich nicht jeden Tag beim Radfahren so viel Stress habe, wie es am Borsigplatz der Fall gewesen war. Meine Radfahr-Geschichte wäre kaum positiv ausgefallen, wie es diese Kampagne verlangt. Allerdings habe ich mich dann entschieden, die eigene Modelkarriere doch nicht zu starten. Wer nämlich als Botschafter* für umsteiGERN agiert, landet automatisch auf eben so einem Plakat wie ein gewisser Uli. Und das ganz ohne Modelmaße, Schminke, hochhackigen unbequemen Schuhen und ohne die neuesten Klamotten am eigenen Körper. Wow.

Warum ich auf den Ruhm, den „Fame“, zumindest als C-Promi verzichte?

Weil die Stadt Dortmund mit ihrer Kampagne umsteiGERN Werbung für etwas macht, das es nicht gibt. Es ist löblich, dass das Thema Radverkehr zumindest im Fokus der Verwaltung und auch der Politik steht, dass man z. B. den „Radwall“ entlang des Ostwalls bauen will. dass man das Thema immer wieder in Pressemeldungen verlauten lässt. Aber: Worten müssen zeitnah Taten folgen! Wer am Ostwall mit dem Rad fahren will, muss sich an zahllosen Auto-Parkplätzen vorbei mühsam durch den Parkplatzsuchverkehr von platzraubenden Blechkisten kämpfen. Das Radfahren dort macht keinen Spaß, weil man – anders als auf dem Plakat von Sebina behauptet, eben kein „Go and Go“ hat.

Leider oft ein Stop and Go statt Go and Go: der Radverkehr in der Stadt Dortmund.

Außerdem wollen auch Radfahrende zügig vorankommen und nicht ständig hinter stinkenden PKWs auf die Weiterfahrt warten müssen. Verkehrslärm inklusive. Absurderweise gibt es dann auch noch Einfahrt-Verboten-Schilder, bevor man den Brüderweg queren möchte, um Richtung Südwall bzw. Friedensplatz zu fahren. Streng genommen muss man, nachdem man den Abenteuerride des Autoparkplatzes erfolgreich überlebt hat, links auf den Gehweg ein Stückchen fahren, um die Ampel der Fuß- und Radfahrer*querung des Brüderwegs zu erreichen. Das Niveau des nächsten Spielelevels „How to survive as a German cyclist“ soll schließlich nicht in entspanntes oder gar freudiges Radfahren herabsinken. Das HighLevel konnte ich im August 2019 erleben, als ich bei Grün den Südwall von der Elisabethstraße kommend, queren wollte, um zum Stadtgarten zu gelangen. Ein Raser überholte die wartenden Autos und raste genau vor mir vorbei. Das Lastenrad ohne Motor, das ich dabei hatte, hatte mir wohl das Leben gerettet, weil ich mit diesem nicht so schnell auf die Straße treten hatte können. Körperlich unverletzt, war der Schock über so viel Verantwortungslosigkeit und Unfähigkeit groß. Die Wut über solche Arschlöcher und über einen schlampigen und völlig gleichgültigen Gesetzgeber und Bundesbenzinkanister – äh Verkehrsminister – bleibt. Außer dem Anruf der Polizei am nächsten Tag, dass die Anzeige eingegangen sei, habe ich nichts mehr gehört. Aber nein doch, Strafen wie in der Schweiz, den Niederlanden oder Dänemark wären viiieel zu unverhältnismäßig! Mit anderen Worten: dem Gesetzgeber sind nicht-motorisierte Verkehrsteilnehmer* scheißegal. Nicht der Raser/die Raserin ist schuld, sondern Ihr, weil Ihr keine depperten Protektoren an Armen und Beinen sowie eine Styroporhalbkugel auf dem Kopf getragen habt. Haha.

Ist nett gemeint, diese Kampagne. Aber bisher hatte kein-/e Politiker-/in und auch niemand aus der Verwaltung wirklich den Mut, wirklich was Wirksames für den Radverkehr zu tun. Außer Farbe auf die Straße zu pinseln, ist der Stadt noch nicht viel eingefallen. Ok, es gibt jetzt zwei Fahrradbeauftragte, deren Macht und Einfluß aber begrenzt ist. Die Angst vor den scheinbar vielen erbosten Autofahrer-/innen, die ihr (Vor-)recht durch #MehrPlatzfürsRad beschnitten sehen, ist leider zu groß. Rückgrat muss man eben haben. Stadtplaner Stefan Bendiks drückte es bei einem Vortrag im Baukunstarchiv Dortmund sinngemäß so aus: „zuerst schimpfen sie alle, weil sie nicht mehr mit dem Auto in die Innenstadt fahren und parken können. Aber dann merken sie, was los ist: dass man plötzlich Platz hat, um in Ruhe auf der Parkbank sitzen zu können und die eigenen Kinder spielen lassen kann, weil nicht mehr die Gefahr droht, sie könnten überfahren werden.“ Ebenso verhält es sich mit anständigen, weil genügend breiten Fahrradwegen, übersichtlichen Kreuzungen und auf den Radverkehr abgestimmten Ampelanlagen. Den „Toten Winkel“ gibt es nicht mehr. Aber nein, viiiieel zu anstrengend. Müsste man sein Hirn komplett anders strukturieren, anders denken, wenn das Auto nicht mehr das Alltagsverkehrsmittel ist.

Sport- und Spielplatz nur weiter draußen in abgesperrten Bereichen: in der Innenstadt wird immer noch zu viel Platz von Autos blockiert.

UmsteiGERN erinnert mich etwas an den Film (auf arte) einiger tschechischer Kunststudierender vor ein paar Jahren, die in einer Kunstaktion Werbung für einen großen Supermarkt gemacht haben. Ein gigantisches Einkaufsparadies sollte der „tschechische Traum“ sein. Werbeprospekte wurden gedruckt, es gab sogar einen Popsong für diesen Markt, große Werbeplakate waren in der Stadt zu finden. Am Tag der scheinbaren Eröffnung kamen viele Leute auf den Platz, einer der Kunststudierenden trat als Marktleiter auf – um das Einkaufsparadies zu enthüllen – und zu zeigen, dass es hier nur einen leeren Platz gab. Das ganze war nicht nur eine Kunstaktion, sondern auch ein Test, wie Leute auf Werbung reagieren würden. Auch hier wurde – wenn auch aus anderen Gründen – Werbung für etwas gemacht, was es nicht gibt. Der Stadt Dortmund rennt aber wegen der Werbung für umsteigGERN niemand die Bude ein. Dafür ist Radfahren im Alltag nicht gewöhnlich genug und nicht attraktiv. Man kann nur hoffen, dass nach der Kommunalwahl am 13. September endlich jemand die Eier hat, konsequent durchdachte Maßnahmen FÜR DEN RADVERKEHR IN DORTMUND durchzusetzen – damit wirklich viele Menschen vom Auto auf das Rad umsteiGERN.

Seite der Kampagne umsteiGERN der Stadt Dortmund hier.

Foderungskatalog von Aufbruch Fahrrad für die Förderung des Radverkehrs hier.

Zeit kann man nutzen, wenn man sie vorher einsparen konnte: das geht aber nur, wenn man in Dortmund die Schleichwege ohne Bettelameln und vielem Verkehr kennt.