„Sie sind gerade verstorben.“

Eine quadratisch aufgestellte Tischreihe, dahinter Menschen, die einer Pressekonferenz gleich zum Publikum in der Mitte sprechen. „Wir müssen Ihnen mitteilen, dass Sie gerade gestorben sind.“ Wichtig wirken sie, die Sprecherinnen und Sprecher, wenn auch nicht hochmütig.

Ein absurder, deshalb lustiger Satz. Wer tot ist, bekommt doch nichts mehr mit. Oder doch? Was geht hier vor? WO sind wir hier eigentlich?

Nur 1 Stunde dauert das Theaterstück After Life von Thorsten Bihegue, gespielt vom Dortmunder Sprechchor. Die Begrüßung „Sie sind gerade verstorben“ ist absurd und verwirrend,  das „Firmenlogo“ After Life wirkt grotesk. Was ist das für eine seltsame Gemeinschaft, die hier die Neuankömmlinge = das Publikum begrüßt? Was ist das für ein Ort, an dem es keine Liebe und keine Angst mehr gibt? Ein luftleerer Raum wie das Weltall, nur ohne Weltraumschrott?

After Life ist nach einem Film entstanden, dessen eingeblendeten Namen und Regisseur ich vergessen habe. Name dropping ist nun auch unwichtig. Wichtig sind die Erinnerungen, die man mit ins Jenseits nimmt; wer keine hat, der muß an dieser seltsamen „Firma“ After Life teilnehmen, die alles firmenartige inne hat: eine Frauenbeauftragte, ein Fundbüro, und – Besonderheit: jemand, der die verlorenen Seelen aufsammelt, eine andere katalogisiert die Träume.  Das ist berührend. Die Erinnerungen von 2 Personen werden erzählt. Und als Zuschauer-/in ist man nicht gelangweilt  oder genervt wie in der U-Bahn, wenn wildfremde ihre intimsten Dinge erzählen müssen, nach denen man nicht gefragt hatte. Das ist das ‚Faszinierende am Theater.

Niemand weiß, was nach dem Tod kommt. Umso wichtiger ist es, sich darüber Gedanken zu machen, was  danach sein könnte. After Life berührt auf besondere Weise: mehr nachdenklich als amüsiert bleibt man als lebende Theaterbesucherin zurück. Bei manchen Dingen reicht es, wenn man sich erinnern kann. Doch bei den Menschen, von denen man sich nicht verabschieden konnte und die zu früh gestorben sind – weil es die Familienmitglieder verweigerten oder Krieg und Verfolgung unmöglich machten- wünscht man sich die griechisch-antike Sage von Persephone und Demeter ins eigene Leben. Auch wenn es keine Wiederbelebung mehr geben kann: wenigstens einmal im Monat, überhaupt nur noch einmal ins Totenreich hinabsteigen können, um einem lieben Menschen Adé zu sagen. Um das zu erzählen, was man so gern gesagt hätte, was der grausige Tod aber verboten hat.

Denn im luftleeren Raum bei After Life zu sein, ohne Angst zwar, aber auch ohne Liebe…ohne Alterungsprozeß… auch das hält kein Mensch lange aus, ohne wahnsinnig zu werden.

Sehr positiv ist auch, dass das Thema Tod und Leben  in After Life abseits von religiösen Kontexten betrachtet wird.

Danke an das Theater Dortmund /Schauspiel für dieses Stück. Es ist toll, auch mal Laien, also Dortmunder Bürgerinnen und Bürger auf der Bühne zu sehen. Viel Handlung gibt es in After Life nicht – und dennoch wird es nie langweilig und man versteht den Text. Durch das Sprechen im Chor entfaltet sich eine ganz andere Wirkung: die Worte wirken deutlicher, wie mit Nachdruck gesprochen.

Die Website vom Theater Dortmund zu After Life : https://www.theaterdo.de/detail/event/19029/

 

 

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Keine Sonne mehr in Sunset Boulevard 10086

„…ich gab der Welt Träume aus Licht.“ (Norma Desmond)

Faszinierend muß es gewesen sein, damals, zu Beginn des 20. Jahrhunderts ein „Lichtspielhaus“ zu besuchen. Das „Kino“ war noch jung, die Bilder noch wackelig und stumm, dazu hörte man immer Musik vom Klavier oder Salonorchester. Der Stummfilm verlangte nach expressiven Gesten und ausdrucksstarken Gesichtern. Sprache spielte keinerlei Rolle.

Das Licht: essenziell für das Kino, essenziell für das Leben. Hollywood als Ort, an dem die Sonne immer scheint, die Sterne immer glitzern. Aber Norma Desmond, der rund 50jährige Stummfilmstar hat den Anschluß an das neue Medium „Tonfilm“ verpaßt. Mit einem Gesichtsausdruck könne sie alles sagen! Sie sei immer noch groß, die Bilder seien es, die klein geworden seien! Aber niemand will sie mehr engagieren. Umgeben von Erinnerungen an ihre Erfolge lebt sie in ihrer Villa am Sunset Boulevard 10086. Das Licht ist trüb geworden, der Sonnenschein der Dämmerung gewichen.Und doch,  sie hofft, daß ihr Stern wieder aufgehen möge, daß sie wieder auftreten kann: im Film, für den sie lebt. Das Theater Dortmund bringt „Sunset Boulevard 10086“ mit Pia Douwes in der Hauptrolle auf die Bühne.

Es ist zu begrüßen, daß sich das Theater für die „symphonic version“, bei der die Keyboard-Samples ausnotiert sind, entschieden hat. Die Swing-Musik macht Spaß, fast möchte man aufstehen und mitanzen, wenn das gesamte Filmset „Movie´s a Circus“ singt. Schön wäre es gewesen, wenn die Sänger und Sängerinnen noch mehr getanzt hätten; die Musik verlangt sehr danach. Die Bühne ist schnell und unkompliziert von einem gedachten Swimmingpool auf Normas Anwesen zu einer Bar umzuwandeln.

Beim Silvester-Tango im Hause von Norma Desmond ist ein Akkordeon, eine Geige und eine Gitarre zu hören – die Zuschauerin sieht aber keine Gitarre, das wirkt verwirrend. Störend ist  die Stimmverstärkung: vor allem der Gesant von Norma Desmond kommt nur als laut und als gleichtönig rüber, Störgeräusche nicht ausgeschlossen. Schon bei „Next to Normal“ ist diese fehlerhafte Technik (weil die Musicaldarsteller mit Mikrophon singen) negativ aufgefallen ( https://fahrrad3gruen.wordpress.com/?s=next+to+normal ). Etwas weniger Vibrato hätte der Textverständlichkeit auch gedient, denn das alles vermindert den Musikgenuß. Schauspielerisch ist Pia Douwes jedoch sehr glaubwürdig; sie ist Norma Desmond, in all ihrer ehemaligen Größe, Enttäuschung, Verzweiflung und Einsamkeit.

Gesanglich überzeugt haben dagegen die Sänger-/innen der Nebenrollen: Hannes Brock als Butler und Ex-Mann Max, dessen wohlklingender Stimme man gern zuhört. Morgan Moody als Mr. Obercool hat mit der Rolle des Artie Green seine Paraderolle, es macht großen Spaß, ihm dabei zuzusehen. Den erfolglosen Schriftsteller Joe Gillis (Oliver Arno) versteht man meistens, leider wird im Chor mit Orchesterbegleitung auf Dauer ein immer unverständlicher lauter Klangteppich. Schade um die schöne Musik…  Wietske van Tongeren als Betty Schaefer ist witzig, nicht zu rührselig, obwohl sie in genau derselben schwierigen Situation wie viele andere in Hollywood ist. Herrlich, weil nicht rührselig ist das Liebesduett zwischen Betty und Joe. Da merkt man:  die beiden gehören zusammen! Jeder junge Mensch will dort sein Glück versuchen, reich und berühmt werden. Man  spricht immer wieder vor oder wird doch nicht zum Regisseur vorgelassen, das Drehbuch von vornherein abgelehnt. Es weht ein kalter Wind im sonnig warmen Hollywood am Sunset Boulevard.

Die Bühne wird nahtlos und fast ständig umgewandelt: mal als Villa von Norma Desmond, dann als Filmset, dann als Straße, auf der Joe seinen Gläubigern entkommen muß. Der Wandel erfolgt ohne daß die Zuschauerin irritiert sein müßte. Die Verfolgungsjagd, ein großer Spaß für die Zuschauerin, gerät leider wegen ein paar Schwächen aber zu einem unglaubwürdigen Ereignis: da muß Joe die Stoßstange halten, um im Auto zu sitzen, die Theater-Mitarbeiter, die den Rauch als stilisierte Autoabgase verbreiten, sind für die Zuschauerin sichtbar. Besser gelungen, wenn auch weniger rasant ist die Verfolgungsjagd in „Jonny spielt auf“ am Theater Hagen ( https://fahrrad3gruen.wordpress.com/2016/03/10/zum-bahnhof-zum-bahnhof/ ).

Paradox ist, wie alt der Regisseur Cecil B. DeMille ist. Weißhaarig und am Stock laufend kommt er ans Set, während junge Menschen um ihn herum wirbeln. Irgendein Historienschinken wird gedreht, Frauen in leichten goldenen Gewändern mit Sternenkranz am Kopf und Männer in pseudo-römischen Uniformen laufen herum. Bei aller Strenge Hollywoods wirkt die Traumfabrik mit diesen Figuren recht lächerlich.Aber solange der „Goldglanz im Altenheim“ (Zitat der SZ anläßlich einer Oscar-Verleihung) an der Macht ist, wird sich an dem Erfolgsdruck, der Arroganz von Produzenten, der Macht des Geldes und dem Egoismus einzelner nichts ändern.

Interessant ist die Personenkonstellation: Dieses Mal liebt eine alte Dackelin einen Jungspund. Großer Aufschrei. Eine Kombination, die gesellschaftlich nicht anerkannt ist. Dagegen soll es „normal“ sein, daß ein alter Mann (also 10 oder gar 20 Jahre älter als die Frau) eine viel jüngere Frau zur Partnerin hat. Es ist Zufall und auch Geldnot und Existenznot, die den erfolglosen Schriftsteller Joe Gillis in die Villa des ehemaligen Stummfilmstars treibt. Sie hat die Kohle, er lernt den Luxus kennen und genießen, auch wenn „die Alte“ natürlich nervt. Es wirkt lächerlich, wenn Joe in bester „Bodyguard“-Manier Norma die Treppe hinaufträgt. Diese Paarbindung kann nicht lang gut gehen… Dass das „Liebe“ zwischen Menschen sein soll, deren Altersunterschied so groß ist, ist sehr unwahrscheinlich wenn nicht sogar unmöglich. Eine(r) von beiden wird immer ausgenutzt, sei es emotional oder finanziell. Joe sagt am Ende einen wahren Satz: „Es ist keine Schande, 50 zu sein. Aber es ist bescheuert, dann auf 20 zu machen.“ Leider regiert aber der Jugendwahn, der aus Norma Desmond eine verzweifelte Frau macht, die nicht zu ihrem Alter stehen kann (und will), weil das, wofür sie gelebt hat, sie nicht mehr will: der Film in Hollywood.

Musical kann Spaß machen, erst recht, wenn die Musik Spaß macht. Swing und swingartige Musik macht großen Spaß, macht Laune, selbst zu tanzen. Die Standing Ovations am Ende des 1. Akts und zum Schluß sind jedoch aufgrund der technischen Schwächen und schlechten Textverständlichkeit nicht nachzuvollziehen. Schade eigentlich.

Sunset Boulevard, Musical von Andrew Lloyd Webber nach einem Film von Billy Wilder (1950) am Theater Dortmund.

 

Weitere Aufführungen:

https://www.theaterdo.de/detail/event/1238/?not=1&cHash=8f9b5dce97f0bdeab0629eb932843d6b&sword_list%5B%5D=Boulevard&no_cache=1

Kein stolzer Held

Mehrere sich kreuzende, übereinander gelegte Baumstämme auf der Bühne. Zweit Gestalten in Lodenmänteln und Karohemden sitzen auf den Baumstämmen, man hört Kuhglocken: Hirten, die ihre Kuh- oder Schafherden hüten. Idylle auf einer Alpenwiese.Scheinbar. Es regnet immer wieder, manchmal gibt es auch Gewitter – die Natur bedroht den Menschen in der rauen Alpenregion immer wieder.

Im Kinder- und Jugendtheater (KJT) Dortmund läuft „Wilhelm Tell“ von Friedrich Schiller. Am 4. Mail 2016 habe ich mir das Stück einmal angesehen. Den Stoff kannte ich schon, ein gewisser Rossini hat dazu mal Musik geschrieben – jetzt wurde es Zeit für das Schauspiel des Sohns vom Gärtner des badischen (oder württembergischen?) Fürsten. Das Thema Freiheit muß für Friedrich Schiller auch sehr wichtig gewesen sein,wurde seine persönliche Freiheit doch ebenso bedroht wie die von Wilhelm Tell.

Bevor der berühmte Schuß auf den Apfel stattfinden kann wird der Zuschauerin die Lebenswelt der Bewohnerinnen und Bewohner in den Teilen der Schweiz um das Jahr 1300 gezeigt. Der Reichsvogt, der anstelle des österreichischen Kaisers hier regiert, tut dies mit einer Willkür und Grausamkeit, die kaum zu ertragen ist, auch wenn diese Greueltaten auf der Bühne des KJT nur angedeutet werden: Soldaten können einen Verdächtigen nicht finden, also morden sie dessen Herde (man hört die nachgeahmten Schreie des sterbenden Viehs, aber keine zerfetzten Tierleiber) und vernichten somit die Lebensgrundlage des Hirten Baumgart. Baumgart hat einen anderen Vogt erschlagen, weil dieser nicht nur sein Haus verwüsten, sondern auch seine Frau vergewaltigen wollte. Absolutismus und Leibeigenschaft in reinster Form und mit voller Gewalt.Die Regeln von Achtung vor dem Leben und Besitz des anderen gelten nciht für den Reichsvogt; er holt sich mit Gewalt alles, was er will (Schafe, Geld, Sex u. a.). Heuchlerisch klingt da die Rede von Gessler über das gesetzlose Volk, das ihm nicht gehorchen wolle.

Wenn man sich dies bewußt macht, was Absolutismus und Monarchie als Regierungsform bedeuten so erschreckt es, dass es heute im 21. Jahrhundert noch Menschen gibt, die sich einen König oder Fürsten wünschen; „einen starken Mann“, der alles regelt. Grausame Vorstellung.Manche und Mancher hat aus der Geschichte nichts gelernt.

Die Menschen in den Alpentälern der Schweiz haben genug von den Grausamkeiten des Reichvogts Gessler.. Aus verschiedenen Landesteilen, die heute die Kantone (z. B. Uri) sind, kommen sie zusammen, um Umsturzpläne gegen den Tyrannen zu besprechen. Wilhelm Tell selbst ist nicht dabei, er will abwarten, weil er meint, dass vor allem Herrscher, die schnell an die Macht kommen, auch schnell wieder verschwinden würden. Diese Ansicht Tells bestätigt sich in einer Begegnung mit dem Reichsvogt, von der Tell erzählt: der Vogt sei ihm mal in den Bergen begegnet, allein. Der Weg war zu schmal, als dass man sich ausweichen hätte können. Der Reichsvogt war allein und unsicher, fast angstvoll – und Tell der eigentlich stärkere, mächtigere als Mensch. Leider hat der Reichsvogt aber mehr Macht – auch über Tell.  Das Wohl seiner Familie ist Wilhelm wichtiger. In dieser Haltung kommt einer der zentralen Konflikte dieses Dramas vor:

Soll man sich für die Allgemeinheit einsetzen und seine eigene Familie dafür ggf. im Stich lassen? Oder ist es legitim, wenn man zuerst auf die eigenen Leute achtet? Der Vowurf des Egoismus steht im Raum, ganz gleich, wie man sich entscheidet.

Es ist zum Teil mühsam, den Monologen der Schauspieler zu folgen, weil sie „nur“ erzählen, was sie erlebt haben – so wie im griechischen antiken Theater. Aber das ist eben Schiller. Vielleicht hätte man den Text hier und da noch etwas kürzen sollen.

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Ganz zurückziehen ins Private kann aber auch Tell sich nicht. Die Ruhe hat Wilhelm Tell nur, wenn er dem Reichsvogt nciht begegnet – seine Sicherheit ist trügerisch.  Weil er sich weigert, dem im Ort aufgestellten Hut des Vogts zu grüßen, stellt ihn der Reichsvogt Gessler zur Rede. Jede(r) weiß, wie lächerlich das ist; selbst die Soldaten lästern über den Hut – aber der Wille des Diktators gilt, mag er noch so ein dummer oder schwacher Mensch sein – dies ist bis heute so. Tell soll den Apfel vom Kopf seines Sohnes schießen. Später wird ihm seine Frau Vorwürfe machen, doch Tell muß sich dem perfiden und brutalen Willen des Mächtigen beugen.

„Wilhelm Tell“ mag mancher und manchem in der Sprache verstaubt klingen (bei den langen Monologen gab es schon eher mal Geflüster im jungen Publikum), auf menschlicher Ebene spiegelt das Drama einen weiteren aktuellen Konflikt wider: soll ich in Zeiten von Hartz IV anderen helfen trotz Gefahr, finanziell und materiell abzustürzen oder soll ich nur für mich selbst sorgen? Wilhelm Tell hat den flüchtigen Baumgart über den See gesetzt, der Fährmann hat sich aufgrund des starken Sturms geweigert, seine Arbeit zu tun. Die Überfahrt gelingt, Baumgart kann fliehen – doch Tells Frau ist entsetzt, dass ihr Mann sich dieser Gefahr ausgesetzt hat.

Doch auch wenn Wilhelm Tell mit seiner guten Treffsicherheit den Apfel statt seinen Sohn trifft, ist die Schreckensherrschaft nicht vorbei. Erst wenn die Diktatoren nicht mehr sind, hat die Gewalt ein Ende, können sich die Menschen selbst organisieren und frei sein.

Frieden gibt es noch lange nicht. Mit Heugabeln und Äxten kommen die Hirten am Ende auf die Bühne gelaufen, eine Geräuschkulisse deutet blutige Kämpfe an. Tell sitzt nachdenklich mit hängendem Kopf und ohne seinem Hut auf einem Baumstamm. Er ist kein stolzer Held, wie ihn die anderen gern hätten; er rühmt sich nicht, denn er hatte nicht zum Mörder werden wollen; gilt nicht für den einfachen Mann die selbe Regel wie für den Sohn des Kaisers, dass man seinen Vater ehren solle? Die Willkür und Grausamkeit eines sadistischen Fürsten hebeln all diese Regeln aus; sie gelten nciht mehr.

Freiheit – auch ein aktueller Stoff.

Freiheit wünscht sich jede und jeder; niemand möchte in ihrem und seinen Denken eingeengt werden, in ihrem oder seinem Handeln behindert werden. Die meisten der jugendlichen ZuschauerInnen werden wohl kaum solch starke Grenzen von ihren Eltern aufgezeigt bekommen haben, die sie in ihrer Entwicklung behindern; finanziell und materiell schränkt Hartz IV die Menschen elend ein.

Freiheit bedeutet aber auch: für sich selbst und andere Verantwortung übernehmen. Wenn mir niemand vorschreibt, was ich zu tun und zu lassen habe, muß ich mir selbst Gedanken machen, wie ich mich organisiere, was ich mache oder nicht mache. Das kann auch anstrengend, nervend oder furchtbar sein – doch es ist wichtig, dass man sich dieser Verantwortung stellt. Nur dann kann man auch wirklich leben, anstatt wie eine Marionette von anderen für deren Willen mißbraucht werden; sei es dass man emotional, materiell oder finanziell ausgenutzt wird.

Freiheit erscheint manchen Menschen auch trügerisch. Sie scheuen die Verantwortung oder haben nie gelernt, sie für sich und andere zu übernehmen. Immer brauchen sie jemanden der oder die ihnen sagt, wo es langgeht. Diesen Leuten erscheint es verführerisch, solche Machthaber wie Reichsvogt Gessler zu haben – trotz der damit verbundenen Unterdrückung, weil Einschränkung der eigenen persönlichen Freiheit. Lieber kuschen, solange der Kühlschrank noch voll ist und man regelmäßig Nachschub an Essen und anderen materiellen Dingen bekommt. Wen kümmert Politik, wen kümmert Gesellschaft, die Not der anderen, die vielleicht grade nicht so aussehen und sprechen wie wir?

 

Trotz allen Ernstes machte es großen Spaß, „Wilhelm Tell“ auf der Bühne des Kinder- und Jugendtheaters zu sehen. Dafür sorgte ein gut aufgelegtes Ensemble, das auch mit der Ersatzbesetzung durch die Regisseurin überzeugen konnte (an dieser Stelle meine Genesungswünsche für den erkrankten Schauspieler). Zwar wirkte sie als kleiner Soldat weniger bedrohlich, konnte dieses Manko aber durch eine laute, ausdrucksstarke Stimme ausgleichen. Putzig erschien der Schauspieler von Tells Sohn, dem man das Klein-Kind-Sein in seinem großen Erwachsenenkörper nicht so recht abnehmen wollte – dennoch wurde die Handlung klar. Große Bewunderung verdienen die Musiker und Musikerinnen. Wie man aus Plastikrohren, Staubsaugerschläuchen sowie Benzintrichtern sich Alphörner bauen kann… und dann auch noch Töne herausbekommt! Tolle Idee! Trotz der Belustigung für die Musik sind die „Alphörner“ aber nicht nur lustig. Sie spiegeln im Klang und Ausdruck den Ernst der Lage wider, indem sie als Signal bei Aufständen gegen den Reichsvogt dienen.Hier und da hätte man sich auf der Bühne etwas Gras- oder Moosmatten gewünscht, ist doch ständig von Schafen und Weiden die Rede; die Baumstämme allein wirken doch recht kahl.

Und hey liebe Schülerinnen und Schüler: ab sofort könnt Ihr mit geflügelten Sprüchen bei Euren LehrerInnen angeben. 😀 Ich habe selbst gemerkt: aha, daher kommt als dieser Spruch! (z. B. „Wer viel bedenkt, wird wenig leisten“ stammt aus dem Drama „Wilhelm Tell“ von Friedrich Schiller). Die Szene, als Tells Frau das geschlachtete Tier aufschneidet, mag auf Euch brutal gewirkt haben; aber jede(r) braucht eben auch was zu essen, auch Fleisch. Die Wurst, die man abgepackt kauft, ist nicht anders entstanden als durch Schlachtung. Wobei die Menschen um 1300 niemals soviel Fleisch gegessen haben wie es viele heute tun (und über ihren hohen Fleischkonsum nachdenken sollten).

Wilhelm Tell, Schauspiel von Friedrich Schiller

am Kinder- und Jugendtheater des Theaters Dortmund

http://www.theaterdo.de/detail/event/16813/

Nächste Vorstellungen: 8, 9., 10. und 12 Juni 2016 – ANSEHEN! (und die Karten werden knapp….)

 

 

 

 

 

 

Der „Rosenkavalier“ am Opernhaus Dortmund

Ich habe lange überlegt, ob ich mir das antun soll: 4 Stunden Musik von Richard Strauß. Auf 3sat hatte ich schon einmal die halbe Oper „Der Rosenkavalier“ gesehen, in der Pause abgeschalten, weil ich die Musik nicht mehr ausgehalten habe.

Jetzt nach einigen Jahren höre ich Musik anders. Und nehme auch den Inhalt anders wahr.

Wohl hatten viele keine Lust, sich aus dem schönen Sonnenschein hinein ins dunkle, im Foyer mit künstlichem Licht beleuchtete Opernhaus zu begeben. Das Parkett war halbleer, auf den Logen und auf der Empore waren auch kaum Zuschauer-/innen. 18 Uhr Freitag ist wohl für einige eine ungünstige Zeit. Und ja, 19.30 Uhr ist eher die passende Zeit für den Beginn einer Oper. Doch Richard Strauß hat für den „Rosenkavalier“ 4 Stunden Musik komponiert, daher mußte die Vorstellung schon um 18 Uhr anfangen.

Zum Inhalt: Die Feldmarschallin, Therese von irgendwas (phantasisch: Emily Newton)  (natürlich ist man vom Hochadel) ist unglücklich verheiratet wie soviele Frauen im 18. Jahrhundert. „Der Rosenkavalier“ wurde 1908/09 geschrieben, spielt aber in der Zeit der österreichischen Kaiserin Maria Theresia. Als Adlige hat sie aber die Möglichkeit, ungestraft sich einen Liebhaber zu nehmen: den jungen Grafen Octavian (frech und einfallsreich gegen den brutalen Verwandten von Ochs: Ileana Mateescu). Gleich zu Beginn sieht man die beiden sich im Bett vergnügen, leider ist die Frau beim Sex wieder unten, bevor sie ihm, die wesentlich ältere Frau, die Richtung weist. Die Geschlechterrollen sind im 18. Jahrhundert noch ganz klar verteilt. Eine Frau hat sich immer unterzuordnen. Wobei man es als adlige Frau noch ein großes Stück leichter hat. Selbst wenn man beim Sex mit dem Liebhaber ungewollt ein Kind gezeugt hat, muß das nicht zum Skandal werden – das Kind wird eben ins Kloster gesteckt. Die Feldmarschallin wird aber so um die 50 Jahre alt sein, weshalb der Sex mit Octavian keine Folgen haben wird.

Als sich Besuch ankündigt, muß sich Octavian im Schlafzimmer der Feldmarschallin schnell verstecken. Zuerst vermutet sie  die Rückkunft ihres Mannes, der irgendwo im Kaiserreich Bären und Luchse jagt (Artenschutz gab es damals noch nicht). Doch der ungewollte Ehemann, von dem Therese so enttäuscht ist, taucht nie in der Handlung des „Rosenkavalier“ auf.

Der Vetter der Feldmarschallin, der grobschlächtige Baron von Ochs  auf Lerchenau tritt auf. Großer Name und Landadel, aber kein Geld hat er und vor allem: keine Manieren. Er begrapscht und verfolgt die angebliche Kammerdienerin Mariandl (die niemand anderer ist als Ochtavian in Frauenkleidern). Das ist schön komödiantisch, der Witz wird aber durch die rohe sexuelle Gewalt des Baron von Ochs getrübt. Er braucht von seiner Cousine eine Empfehlung für einen „Rosenkavalier“, einen Adligen, der seiner zukünftigen Ehefrau eine silberne Rose überbringt mit der Frage, ob sie mit der Heirat einverstanden sei (Hugo von Hoffmannsthal hat sich diesen „Brauch“ ausgedacht, den gab es nicht wirklich).

Octavian wird als junger Adliger die Rose der Sophie (Ashley Thouret) überbringen – und wie es die lebenserfahrene, selbstreflektierende Feldmarschallin vorausgesagt hat („Du wirst eine jüngere Frau statt meiner nehmen“) verliebt sich Octavian in Sophie. Diese Liebe scheint zunächst aussichtslos: denn Baron von Ochs stürmt mit seiner besoffenen Bande ins Haus der von Faninal und pöbeln herum, was das Zeug hält. Während von Ochs sich an die entsetzte und enttäuschte Sophie versucht ranzumachen, wird in kürzester Zeit das Hauspersonal von Sophies Vater  von Fannial terrorisiert, auch gern mal die Einrichtung verwüstet. Das Schlimme dabei ist zum einen die Zügellosigkeit und Grobhheit derer „auf Lerchenau“, für die Frauen auch nur Dinge sind, die man nach Belieben benutzen kann  – zum anderen auch, dass der Vater von Sophie das ganze Spiel mitspielt, anstatt den Mißhandler seiner Tochter vor die Tür zu weisen.

Das ist eindeutig keine Komödie mehr. Das ist Gesellschaftskritik.

Und wer jetzt sagt, dass dies doch nicht so ernst zu nehmen sei, weil die Oper „Der Rosenkavalier“ von Richard Strauß im 18. Jahrhundert spielt, hat übersehen, dass es derartige Menschentypen bis heute gibt.Auch wenn sie nicht immer gleich so grob und platt auftreten wie der Baron von Ochs auf Lerchenau.  Sexuelle Gewalt nimmt leider kein Ende, auch wenn das Bewußtsein dafür heute viel größer geworden ist und es Strafgesetze gibt (die aber längst nicht weit genug gehen!). Und dazu das patriarchalische Denken, das Frauen als Ware statt als Menschen deklariert, die keine Rechte haben.

Die Umwelt dieses Barons, der Essen, Trinken und Sex als einzigen Lebensinhalt hat, ist auch ratlos, wie sie ihn loswerden kann… denn er ist  beratungsresistent. Selbst wenn er sich blamiert: es kümmert ihn nicht. Gesellschaftliche Regeln und Konventionen gelten für ihn nicht. Das läßt die Kinnlade erstaunt und entsetzt heruntersinken. Sagt mal, hat der noch alle??? WIE WEHRT MAN SICH GEGEN SOLCHE PERSONEN??? Als Zuschauerin hätte man große Lust, den von Ochs einfach zu erschießen. Blöd nur, dass die Oper dann urplötzlich zu Ende wäre.

Da hilft nur eins: ein erfolgreiches Strafverfahren mit jahrelanger Haft oder:

EINE LIST.

Und die gelingt, auch mit Hilfe der schmierigen Skandaljournalisten hervorragend. Die beiden und Octavian und die Feldmarschallin schaffen es, den scheinbar gegen alle Kritik immun befindlichen Baron von Ochs dermaßen zu blamieren, dass er sich trollen muß. Der Dummkopf von Sophies Vater ist nun auch aufgewacht und will keine Verheiratung mit diesem Holzklotz mehr. So ein Dummkopf. Hatte auch nur das eigene Ansehen statt das Wohl seiner Tochter im Kopf! Pfui!

Sicher geht es im „Rosenkavalier“ auch noch um was anderes: um die Zeit. Die Feldmarschallin weiß, dass ihre Liebesbeziehung zu Octavian nicht ewig sein kann. Die „Zeit läuft ihr davon“, die als schön bezeichnete Zeit hatte sie mit ihrem Ehemann nicht, weil sich dieser nicht für sie interessiert. Und jetzt läuft ihr die Zeit mit Octavian davon, sie weiß, dass sie wieder allein sein wird, weil der junge Graf eine andere heiraten wird. Ach könnte man die Zeit in schönen Augenblicken doch anhalten und der Arroganz der Zeit Einhalt gebieten.

 

Ein Studienkollege meinte, dass die Musik des „Rosenkavaliers“ so schön wäre, dass man dazu nur noch träumend in der mit warmen Wasser gefüllten Badewanne liegen möge. Das Schlußduett von Sophie und Octavian lädt durchaus dazu ein. Zurück bleibt trotz aller Komödie und Liebelei dennoch ein fader, bitter Nachgeschmack über das, was Männer Frauen antun können. Ein Freund, der Opern liebt meinte gar, er würde sich genau wegen dieser offenen Gewalt gegen Frauen diese Oper nicht ansehen wollen. Doch soll man nicht zeigen (dürfen), was „sich nicht gehört“ oder was die Gesellschaft nicht sehen will?

So abstoßend die Gewalt gegen Frauen auch ist: sie soll auf der Bühne gezeigt werden bis zu einem erträglichen Maß. Nur weil etwas nicht gezeigt wird heißt es nicht, dass es nicht existieren würde!  Denn der Inhalt sagt auch viel über die Gesellschaft aus (in diesem Fall in der Hauptsache aber nicht nur über die des 18. Jh.), die es duldet, dass Frauen unglücklich in ihrer Ehe sind, nicht gefragt werden, wen sie heiraten wollen (dass sie heiraten wollen, wird ohnehin vorausgesetzt und ist eine finanzielle Notwendigkeit – in manchen Gegenden bis heute) und die jede Gewalt gegen Frauen ungestraft duldet. Hauptsache die Töchter machen „eine gute Partie“ und haben einen reichen Ehemann. Gefühle spielen dabei keine Rolle.

 

Ob Sophie und Octavian glücklich werden als Paar? Zumindest hat Octavian Manieren, wenn er auch so forsch und möglicherweise beim Sex noch unbeholfen und grob ist…. vielleicht hat er durch die Affäre mit der Marschallin auch schon ein Stück gelernt, wie man mit Frauen umgeht. Vielleicht wäre auch eine Feldmarschallin in ihrer verstecktesten Überzeugung lieber Single geblieben, weil die Männer die Frauen ohnehin nur ausnutzen? Das wäre im 18. Jahrhundert kaum möglich gewesen, als Frau unverheiratet zu bleiben.

 

Fazit: „Der Rosenkavalier“ am Theater Dortmund ist hörens- und sehenswert, aber man muß die sexuelle Gewalt, die auf der Bühne gezeigt wird (und u. a. auf großen Volksfesten wie dem Oktoberfest immer noch trauriger Alltag ist), aushalten können. Der großartigen Leistung der Sängerinnen und Sänger sowie den Dortmunder Philharmonikern und der abwechslungsreichen Inszenierung  ist es zu verdanken, dass die Oper im gesamten eine gelungene Sache geworden ist. Im Gegensatz zur Fernsehübertragung habe ich mich nicht gelangweilt, auch wenn manche Teile langwierig sind und ggf. eine Kürzung vertragen hätten.

 

Der Rosenkavalier, Oper von Richard Strauß am Opernhaus Dortmund

http://www.theaterdo.de/detail/event/16012/

nächste Vorstellung: 7. Mai 2016, 18 Uhr. Die sehr informative Einführung gibt es bereits um 17.15 Uhr im Foyer.

 

 

 

Die Liebe in Zeiten der Glasfaser – Schauspiel am Theater Dortmund

Im Nachhinein habe ich es bereut, nicht zur Premiere des Musicals „Next to Normal“ im Opernhaus gegangen zu sein. Doch da ich sehr oft im Opernhaus bin, sollte das Schauspiel auch wieder Beachtung finden… der Titel des Stücks klang vielversprechend. Wie gestalten sich Beziehungen, die über lange Distanzen gehalten werden sollen

Bis ca. Dezember 2016 wird im Schauspielhaus umgebaut, weshalb einige Vorstellungen im „Megastore“ draußen in Dortmund-Hörde stattfinden. Es ist nicht so einfach, dort hinzukommen. Von welcher der U-Bahnstationen aus man auch noch fährt, sind es locker 12 Radelminuten bis zum „Megastore für Mega-Theater“, wie es in großen Lettern auf dem Container prangt, in dem das Schauspiel Dortmund nun Platz findet. Auf die Buslinie  ist Samstag abend nicht unbedingt Verlaß.

Nun habe ich hingefunden, die Garderobe kostet nichts, es gibt nur eine Toilette. Wenn man durch die Räumlichkeiten läuft, eine Art Vorhalle mit Garderobe und daran anschließend eine große Halle, die in kleinere Räume eingeteilt ist. Ein Raum davon dient als Aufführungsort, man wird  an das Theaterhaus Jena erinnert. Keine schöne Erinnerung für mich, denn bei aller Freude am Theater kam ich mir in Jena immer vor wie im Heizungskeller und Abstellraum. Ein Jammer, dass in Jena IMMER  solche Verhältnisse herrschen. In Dortmund glücklicherweise nur  zeitlich begrenzt. Sicher kann eine Art „Baustellensituation“ der Kreativität auch förderlich sein. Auf Dauer wirkt alles aber sehr bemüht, platt und auch irgendwie nervig auf mich als Zuschauerin. Irgendwann aber sicher ist es dann nämlich auch gut mit der Improvisation, wenn man keine ordentlichen Kulissen hat.

Das Stück „Die Liebe in Zeiten der Glasfaser“ dreht sich um 2 Paare, die sich aus beruflichen Gründen für einige Monate trennen müssen und auch wollen: Prof. Wolf Adam (Uwe Schmieder), der als Mediensoziologe für einen Lehrauftrag nach Aalborg in Dänemark geht, seine Lebensgefährtin Helena (Friederike Tiefenbacher), eine Schauspielerin, die für ein Theaterprojekt „Fuck YEurope“* nach Breslau geht  – und die jüngere Fraktion:Studentin Antonia (Julia Schubert), die ihre Masterarbeit bei Prof. Adam schreiben soll und ein Auslandssemester in Rom macht und ihr Freund Tomasz (Peer Oscar Musinowski), der als einziger zurückbleibt. Für Tomasz scheint es bei IKEA auf der Karriereleiter aufwärts zu gehen.Die „Business Leadership Competence“ = BLC*(Führungskompetenz im Unternehmen) ist ein Förderprogramm für vielversprechende IKEA-Angestellte, das Autorität, sicherheit, Anerkennung verspricht – aber auch die Gefahr des Ausgesiebt-Werdens beinhaltet.  Anfangs spielen sie noch vergnügt Tischtennis, während die Zuschauerinnen eintrudeln, der Eingang ist neben der Bühne nicht hinter dem Zuschauerraum, wie man es sonst kennt. Der Zugang ist ebenerdig, die Bühne ist nicht erhöht. Ausverkauft ist das Theaterstück nicht. Ob es manchmal kalt wird, weil Decken auf jedem Stuhl liegen?

Tomasz ist anfangs eine Art Ansager mit Mikrophon, der erklärt, wie die Geschichte ungefährt ablaufen wird, man erfährt z. B. dass einer der Beteiligten sterben wird. Er trägt ein blau glänzendes Oberteil, später eine Art Overall, passend zu seinem Beruf als Logistiker bei IKEA. Umständliche, fast verlegene Abschiedsszenen spielen sich dann ab. Die Abwesenheit der einzelnen Figuren wird durch verschiedene Räume dargestellt: außer Tomasz hat jede(r) seine eigenen Raum, der das eigne Zimmer in der fremden Stadt ist: ein Metallgestell auf Rollen, umspannt von durchsichtiger Folie.Das Innere ist mit Kissen, Stühlen und anderen Einrichtungsgegenständen ausgefüllt.  Jede(r) hat sein Laptop vor sich, wenn ein Telefonat über skype stattfindet (Untertitel des Stücks „Ein Stück skype“), sind die hellen Bühnenvorhänge zugezogen und die beiden Gesichter der Telefonierenden tauchen übergroß auf dem Vorhang auf. Der skype-Klingelton in Form einer Popsong-Melodie arrangiert, kündigt das jeweilige Telefonat an.Wenn die Figuren sich dann doch mal direkt treffen statt nur übers Internet zu telefonieren, stehen und laufen sie vor den Folienquadern.

„Die Liebe in Zeiten der Glasfaser“ soll darstellen, was passiert, wenn Beziehungen zu Fernbeziehungen werden. Die Frage, ob und wieviel Gemeinsamkeit (noch) herrscht, ob man dem oder der anderen noch vertrauen kann oder was die Beziehung letztendlich kaputt macht… all das kommt nur versteckt bei mir als Zuschauerin an.Im Vordergrund sind leider platte, weil so überdeutliche Charaktere: der Professor, der immer nur beim Vornamen genannt wird („Wolf“), der ganz klar was mit einer Studentin hat, sind doch in seiner Seminarliste nur  Teilnehmerinnen verzeichnet, Antonia, die zumindest irgendeine Art von Verhältnis mit dem Prof. Adam hat, bei dem sie auch noch Masterarbeit schreiben soll und Helena, die zuerst noch ganz freimütig erzählt, sie würde abends noch heftig feiern gehen mit den anderen Schauspielkollegen in Breslau („ich habe auf dem Tisch getanzt.“) Antonia ist ein braves und doch auch rotzfreches, immer gut aussehendes Mäuschen mit Rehaugen, das immer dann zu weinen anfängt, wenn sie merkt (wie sie selber einmal sagt), dass sie keine Argumente hat, um sich durchzusetzen. Ein billiger, mieser Trick. Leider fallen darauf immer wieder Leute rein, nicht nur Männer. Mich nerven solche Damen gewaltig! Verstanden hat sie ihren Freund Tomasz noch nie („ich interessiere mich auch nicht für seine Möbel“), er kapiert auch nicht, was sie wirklich macht, wenn sie über ASMR* (Autonomous Sensory Meridian Response) ihre Abschlußarbeit schreibt. Das einzige, was die beiden, so vermutet man stark, zusammengehalten hat, war das „harte Petting“ (Zitat von Antonia). Das geht selbst natürlich über skype nicht. Sehr teeniehaft und auch lächerlich und auch hilflos, wie Antonia einen Zungenkuß vor dem Bildschirm versucht. Anfangs ist sie noch total hilflos und hat Horror vor dem „gruseligen Mitbewohner.“ Später hört man sie auf italienisch mit einem möglicherweise anderen  WG-Mitbewohner reden, der -ach welch Unhöflichkeit – ins Zimmer getreten ist, während sie mit Tomasz telefoniert. „Wir wollen ausgehen.“ Das ist für das einfachere Hirn von Tomasz zuviel. Er dreht durch, als der Gründer von IKEA zu ihm an die Arbeitsstelle kommt und er nicht die Anerkennung erfährt, die er sich erhofft hat. Das Aussieben beim BLC* hat stattgefunden.  Ein durchaus mögliches Szenario, gut gespielt.

Sehr bald wird auch klar, wieviel man sich gegenseitig vorspielt und auch vorlügt, wenn die Beziehung fast nur noch über Skype läuft.Ein Stück Selbstironie ist wohl auch dabei, als Helena in einem der ersten skype-Telefonate sagt: „Die machen in Polen (man bedenke dabei auch die derzeitige Kulturpolitik im Nachbarland)  so krasses politisches Theater. Das braucht man als Schauspielerin.“ So sehr wie Helena über das gemeinsame Feiern mit den Kollegen (die „Kollegen“ werden von den Zuschauern „dargestellt“, indem die Schauspielerin das Laptop vor einen der Zuschauer hält) begeistert erzählt, so wird bald klar, dass ihr die zugeteilte Rolle als „Nazi-Schlampe“ nicht gefällt. Läuft eben doch nicht so toll, wie man es sich gewünscht htte. Symbolhaft dafür: der Rock, den sie tragen soll, paßt nicht. Die erwarteten blonden Haare hat sie auch nicht. Etwas schmunzeln mußte ich über den gefüllten BH, den sie im „Stück des Stücks“ in Breslau tragen soll.Andere Damen haben genauso (un)freiwillig schon natürliche Füllung, die genug ist…. Das ganze spitzt sich zu, weil sie eine Vergewaltigungsszene spielen soll. Nach Aussage des Produktionsdramaturgen kam die Idee zu dieser Szene von der Schauspielerin Friederike Tiefenbacher selbst.  Es ist grausam, wie die Regisseur_innen nur ganz nüchtern Ansagen treffen, Helenas Spiel sei immer noch nicht realistisch genug. Das ist schon klar, dass hier das Regietheater damit auf die Schippe genommen werden soll. Aber muß es solch eine grausame Szene sein? Auch wenn es nur angedeutet ist weiß jeder, welches grausame Verbrechen damit dargestellt wird. Ich hatte, weil diese Szene auch einige Zeit dauert überlegt, in diesem Moment zu gehen. Leider saß ich jedoch so ungünstig, dass ich einige Leute aufscheuchen hätte müssen. Also pardon, das muß wirklich so nicht sein, wenn man das Regietheater kritisieren will! Diese Szene schockt nicht nur, sie widert an und läßt einen getroffen und verletzt zurück. Das Thema Vergewaltigung kann man auch anders behandeln!

Wolf ist ratlos ob solcher Szenen, die Helena spielen soll. „Ist das deine Wahrheit?“ fragt er sie über Skype. Es wird klar, dass Helena an diesem Punkt ihren Job haßt. Die Frage bleibt, was man einer Schauspielerin oder einem Schauspieler zumuten kann und darf,  damit sie oder er nicht seine Würde, ihr und sein Menschsein verliert. Letztendlich ist es dann doch nciht so toll in Breslau und in Aalborg: das Stück wird verboten, Helenas Rolle ist gestrichen und Wolfs Wohnhaus ist tief verschneit, so dass er nicht mehr raus kann. ein mysteriöses europaweites Flugverbot macht jeden Besuch fast unmöglich. Studentin Antonia hat es satt, immer nur die „Sekretärin“ für den Prof. Wolf Adam zu sein, das Thema ASMR* nervt sie sowieso (im ZÜNDFUNKvom 22.01.2016 sagte Moderatorin F. Storz zu Recht sie würde bei dem blöden Geflüstere und Geraschel, das beruhigend wirken soll und auf youtube anzuhören ist, richtig aggressiv werden) – und hält ihrem Prof eine laute Standpauke. Das kann der wiederum überhaupt nicht verstehen, dass sie sich ihre Karriere im Institut selbst kaputt macht. Es spricht Bände, dass der Prof bei einem Vortrag auf die auf dem Bauch liegende Antonia (auf dem Tisch liegend) immer wieder seine Hände legt und umher streicht. Das sind wohl seine Gedanken, was er noch so gern von Antonia gehabt hätte…. Sein Auftritt als Teufel mit der Maske, wie er über eine Luftmatratze streicht und solche ASMR-Geräusche erzeugt, während Antonia spricht machen deutlich, wie blank die Nerven liegen und das dieses seltsame ASMR alles andere als beruhigend wirkt.

Am Ende stirbt einer, der dann in der Schlußszene noch mal als Engel in durchsichtiger Plastikfolie auftaucht (und auch ein eingepacktes IKEA-Möbelstück sein könnte). Das Leben geht weiter – aber wie? Ist es besser, gar keine Beziehungen zu haben, weil man dann keine (0der weniger tiefgehende) Enttäuschungen erfährt? Wie behält man das Vertrauen und die Liebe zueinander, wenn man eine Fernbeziehung führt oder führen muss? Leider wird das, um was es im Titel „Die Liebe in Zeiten der Glasfaser“ wirklich gehen soll, nicht so deutlich klar, wie ich es mir gewünscht hätte.

Im Vordergrund sind die Figuren, die die Klischees vollständig ausfüllen: der eher stumpfsinnige IKEA-Logistik-Mitarbeiter  Tomasz und seine noch halb-teeniehafte Freundin Antonia, die ihm zum Beweis „wir sind frei!“ ein blutiges Tampon vor die skype-Kamera hält (wie lange ist es schon her, dass sie Sex mit Tomasz hatte? Kann man noch Vertrauen ineinander haben?), der Professor, der ein oder mehrere Techtelmechtel mit „seinen“ Studentinnen hat. Es gab sogar Kritiker-/innen, so konnte ich im Pressespiegel nachlesen, die der Vergewaltigungsszene was Humoriges abgewinnen konnten. Nein, in dem Stück ist sehr wenig bis gar kein Humor.

Es wäre besser gewesen, statt der klischeehaften Charakterzeichnungen – das Stück wurde mit den Schauspieler-/innen entwickelt, es gab keine Vorlage – eben das in den Vordergrund zu stellen, was „die Liebe in Zeiten den Glasfaser“ ausmacht und was sie kaputtmacht: das Sich-Auseinander-Leben, das Fremdwerden oder auch Sich-Wieder-Begegnen-Können, das gegenseitige Anlügen oder doch die Wahrheit erzählen. Nur an wenigen Punkten kommt dies im Stück raus (Helena sehr bemüht:“Man kann doch nicht immer mit den selben Worten eine Mail beenden“).

Beim Nachgesprach in der von gelben Leuchtröhren bekränzten Bar (bei diesen Wellblechwänden muß man sich wie in dem MAN-Haus im Freilichtmusieum Bad Windsheim fühlen- alles andere als gemütlich) betonte die Schauspielerin Julia Schneider die Ambivalenz der Figur Antonia: einerseits spielt sie immer das arme, hilflose  Mäuschen, das unterstützt werden will, andererseits haßt sie diese Rolle auch. Und einmal hat sie auch genug von der dienenden Rolle für den Professor, den selbst die Studentin Antonia immer „Wolf“ nennt (hui, wie persönlich! Und das zu einem Prof?). Diese Ambivalenz der Figur Antonia  ist bei mir angekommen. Dennoch läßt mich „Die Liebe in Zeiten der Glasfaser“ enttäuscht und ratlos und auch teilweise geschockt zurück. Wer es sich ansehen mag: bitte. Empfehlen kann ich es nicht.

„Die Liebe in Zeiten der Glasfaser“ , Regie Ed Hauswirth am Theater Dortmund

http://www.theaterdo.de/detail/event/16780/

Weitere Vorstellungen:

MIttwoch 30. März 2016, 19.30 Uhr im „Megastore“

17. April 2016

27. April 2016

 

* Die mit * gekennzeichneten Wörter und Abkürzungen sind dem Programm-Faltblatt zum Theaterstück „Die Liebe in Zeiten der Glasfaser“ entnommen.

„Kiss me Kate“ , Musical von Cole Porter am Opernhaus Dortmund

Was tun gegen schlechte Laune, Unzufriedenheit und Einsamkeit? Man muß nicht gleich zur/zum Psychologen(in) gehen. Sondern ins Theater. Erst gestern hatte ich in der Redaktionskonferenz von terzwerk mitbekommen, dass manche Vorstellungen des Theaters Dortmund kostenfrei für Studis der TU sind. Ich staunte nicht schlecht. Musical ist an sich nicht so mein Fall; die ich bisher gesehen hatte („The last five years“ am Stadttheater Fürth langweilten mich. Keine Frage, dass die beiden Schauspieler, eine frau und ein Mann, dennoch was geleistet haben. Auch wenn ein Musical selten den inhaltlichen Tiefgang bietet den eine Oper hat ist es schon bewundernswert, wie jemand singen und tanzen kann, ohne dabei sich anmerken zu lassen, dass man außer Atem ist. Ablenkung vom Alltagsfrust hatte ich heute dringend gebraucht; und da kam mir Cole Porter mit „Kiss me Kate“ grade recht. So wie es zu Beginn heißt: „forget your present, forget your past.“ Genau das wollte ich heut abend tun. Und es wurde mir im Opernhaus Dortmund an diesem Abend nicht langweilig. Trotz der fehlenden inhaltlichen Tiefe.

Schon zu Beginn macht die Musik einfach Spaß. Ich möchte grad aufstehen und mittanzen, Hände und Füße wippen sowieso mit. Ein Orchester, das gut spielt und Spaß an der Musik hat und mit dem , was auf der Bühne geschieht, gut harmoniert. Das „Spiel im Spiel“ (im Musical „Kiss me Kate“ proben Schauspieler-/innen Shakespeares „Der Widerspenstigen Zähmung) sorgt für zusätzliche Gags. Bill Calhoun (gespielt von Josef Hofmann) soll Baptista Minola, den Vater der beiden ledigen Töchter spielen. Der große Kragen und seine Kleidung verleihen dieser Figur immer etwas tollpatschiges. Erst recht, weil seine widerspenstige Tochter Katherina, wenn sie neben ihm steht, größer als er ist.

Spiel im Spiel: In Baltimore also finden die letzten Proben einer fahrenden Theatertruppe statt. Sie wollen „Der Widerspenstigen Zählmung“ von William Shakespeare aufführen. Regisseur, Hauptdarsteller und Ex-Mann Fred und seine Ex-Frau Lilli Vanessi streiten sich privat wie auf der Bühne; Lilli hat passenderweise auch noch die die Rolle der widerspenstigen, grantigen, immer wütenden Katherina in Shakespeares Stück inne. Ein an Lilli falsch zugestllter Liebesbrief von Fred  an seine neue Flamme Lois sorgt zusätzlich für Lillis Zorn. Die Fortsetzung der Vorstellung ist gefährdet… noch dazu tauchen zwei Gangster im Nadelstreif auf, um Spielschulden (angeblich von Fred) einzutreiben. Es ist herrlich witzig, wie die beiden in bester Wiener Schmäh, auf Österreichisch reden – fies, frech, boshaft und mit rauhem, fordernden Charme. Der Inspzizient Ralph kann einem fast leid tun bei dem chaotischen Chef, damit die Organisation dennoch noch glatt läuft…

Mit der Treue, da nimmt es in dieser Theatertruppe niemand so wirklich ernst. Dafür ist es ein Musial, das Theater, das Illusion bietet. Das, was im wahren Leben nicht ist und auch keinen (langen) Bestand hätte. Wie Nedime Ince als Lois Lane singt: „I love you in my own way.“ Wenn eine Affäre ums Eck kommt, die Diamant-Armbänder oder schöne neue Kleider verspricht – warum sollte Lois als  arme Theaterschauspielerin nein sagen? Sie ist kein Kind von Traurigkeit und will den Sex auch nicht nur wegen der versprochenen Geschenke haben. Über negative Folgen von Affären reden wir mal nicht… dafür ist es ein Musical. Die Tanzeinlagen und Gesang sind jedes Mal ein Genuß für die Zuschauer-/innen.

Allerdings fällt auf, dass nur die weiblichen Darsteller in Strapsen tanzen und im Rampenlicht stehen, nur am Rande sieht man manchmal einen nackten männlichen Oberkörper.

„Kiss me Kate“ – das ist nicht „nur“ guter Swing und das sind nicht nur tolle Tanzeinlagen, das ist auch das ewige Spiel zwischen den Geschlechtern, warum man sich nicht mehr versteht, warum Frau „plötzlich“ so kratzbürstig und boshaft ist. Gerade letzteres hat mir gut gefallen: Shakespeares Figur „Katherina“ , wie sie „I hate men“ mit einer Vehemenz singt und sogar dem Dirigenten den Stab aus der Hand reißt. Und sie fragt, wozu die Männer überhaupt da sind, denn sie würden doch nur Ärger in Form eines Kindes bringen, nur sie hätten Spaß beim Sex, bzw. geht es nur um sie, die Männer und ihre sexuelle Lust. Wie zeitlos und wahr das ist! Erst vor kurzem wurde wieder irgendein seltsames Medikament vorgestellt, dass lustlosen Frauen zu mehr Freude am Sex verhelfen soll. Sieht man sich die Sache genauer an, geht es gar nicht um die Lust der Frau sondern allein darum, möglichst immer dem Mann als Sexpartnerin zur Verfügung zu stehen. Pfui Deifl! Nein, nicht mit uns!

Hinter der Bosheit und Kratzbürstigkeit der Figur „Katherina“ in „Der Widerspenstigen Zähmung“ kann Enttäuschung über die Nicht-Anerkennung ihrer selbst stecken, auch fehlendes Geliebt-Sein (nicht im Sinne von Sex).

Die „Lösung“ , um Katherina klein zu kriegen und gefügig zu machen, sind für ihren Verehrer Petruchio (Figur Fred) Schlaf – und Nahrungsentzug. Nach heutigen Maßstäben wäre der Ehemann Petruchio nicht nur ein notgeiler Arsch und Schürzenjäger, sondern auch ein Folterer, ein Straftäter. Katarinas Bekenntnis dann, daß doch von Frauen nichts Böses kommen könne und Frauen nur zur Versorgung und Freude des Mannes da seien: hätte man die Theaterbesucher-/innen gefragt, hätten viele diesen Sexismus verneint. Auf der Musical-Bühne gibt es nur Illusion. Also Hirn ausschalten und nur genießen? Leider können wohl viele Rezipient_innen dennoch Dichtung und Realität nicht auseinanderhalten. Sieht man sich die Wirklichkeit an, existieren diese höchst fragwürdigen Zustände, werden gelebt und nicht hinterfragt. Es ist ein Skandal, dass bis heute im 21. Jahrhundert immer noch die meisten Frauen allein für Kinder und Haushalt da sind und höchstens Teilzeit oder in schlecht bezahlten Jobs arbeiten. Nicht anders funktioniert leider auch die Wirtschaft in Deutschland weil viele ARbeitgeber davon ausgehen, dass die Frau zuhause bleibt oder höchstens Teilzeit arbeitet. Nein danke, sage ich da nur.

Klar wäre es Quark, jetzt das Theater zu beschimpfen, sie würden ein frauenfeindliches Stück spielen. Theaterstücke sind immer ein Spiegel ihrer Zeit. Die Entstehungszeit von Cole Porters „Kiss me Kate“ war eine frauenfeindliche Zeit., die nur mit schönen Farben und Glanz von Konsumgütern übertüncht wurde. Jede Theaterbesucherin und jeder Theaterbesucher ist aufgefordert, bei allem Spaß an der Musik, dem Tanz und den bunten Kostümen die untertänigen Worte der Figur Katharina zu reflektieren, um im Leben, in der Realität Ungerechtigkeiten und sexistischen Vorurteilen (vor allem gegenüber Frauen) entgegenzuwirken oder gar nicht zuzulassen.

Kiss me, Kate , Musical von Cole Porter, Theater Dortmund. Weitere Vorstellungen: http://www.theaterdo.de/detail/event/16026/

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