Die Last der Lastenrad-Ausleihe

Lastenräder sieht man immer häufiger im täglichen Straßenverkehr. Die Fahrer-/innen bringen damit ihre Kinder zum Kindergarten, so daß nicht noch mehr „Elterntaxis“, also PKWFahrer-/innen mit meist übergroßen Autos, sogenannten SUVs die öffentlichen Straßen benutzen und für noch mehr Straßenverkehr, Lärm und Abgase sorgen. Oder es wird beim Baumarkt, Getränkemarkt oder eben im Supermarkt eingekauft. Lastenräder sind größer als ein normales Zweirad, brauchen aber wesentlich weniger Platz als ein PKW – diese Räder sind wie gemacht für den Stadtverkehr. Denn die meisten Autofahrer-/innen transportieren meist nur eine Einkaufstasche und nicht, wie oft behauptet, gleich einen Kofferraum voller Waren oder täglich die fußkranke Verwandten zum Arzt/Ärztin.

Es macht durchaus Sinn, daß nicht jede*r ein Auto besitzt, denn es gibt Mietmodelle für Autos, z. B. carsharing. So könnte man auch über den Besitz von Lastenrädern denken. Abgesehen davon, daß mir das nötige Kleingeld für so ein tolles Rad fehlt, wüßte ich auch nicht, wo ich es sicher abstellen kann. Deshalb müssen vernünftige Leihsysteme her. In den letzten Jahren hat sich in Dortmund schon etwas getan. Aber das Angebot an Leih-Lastenrädern in Dortmund reicht bei weitem noch nicht aus, v.a. in den Sommermonaten. Im folgenden gibt es einen Überblick über die Verleihsituation von Lastenrädern im Stadtgebiet Dortmund.

Als ich 2015 nach Dortmund kam, sah ich zufällig einen Vertreter der Initiative VeloCityRuhr auf dem Campus mit einem roten Bullitt fahren. Die Infos waren bald besorgt, das Lastenrad immer wieder ausgeliehen. Einen Fahrbericht darüber kann man hier nachlesen.

Ein einziges Lastenrad für eine Stadt mit 500.000 bis 600.000 Einwohner-/innen? Es war klar, daß das nicht ausreicht. Und bei allem Enthusiasmus stößt man bei einem Lastenrad ohne Motor auch bald an die eigenen Grenzen… ab 10 Streckenkilometern mit mehr oder minder vollgeladener Wanne wird die Fahrt bei eher hügeligem Gelände zur Schinderei. Ich probierte den ULF aus, das Unnaer Lastenrad. Große Ladefläche, ruhiger Gang, gemütliches Rad. Auch diese Ausleihe ist kostenlos, es wird um Spenden gebeten. Soweit zu den Vorteilen. Der Nachteil dieses Rades: weiter Anfahrtsweg (rund 12 km) und als eine Art Hollandrad nicht wirklich für hügeliges Gelände, wie es zwischen der Verleihstation, der Radstation am Lünener Hauptbahnhof und Dortmund, meinem Wohnort, zu finden ist, geeignet. Man merkt bei diesem „bakfiets“, daß es für die Ebene gemacht ist – da rollt es auch mal schneller als 15 km/h. Aber ja nichts überstürzen, 20 km/h, da ist dann beim ULF aber wirklich Schluß mit der „Schnellfahrerei.“

Auch das Essener Lastenrad ELa (auch ein Bullitt wie der rote Rudolf) probierte ich in meinem Enthusiasmus aus. doch das war dann wirklich zu viel, 40 km Anfahrt zu haben. (Inzwischen gibt es auch E-Lastenräder in Essen zu leihen). Zurück brachte ich das Rad mit dem Zug, was auch keine Freude macht. Schon ein normales Rad ohne große Ladefläche auf einen Bahnsteig zu bringen ist in Deutschland eine Katastrophe, bei der „Pommesbude mit Gleisanschluß“ wie ein ehemaliger Oberbürgermeister den Dortmunder Hauptbahnhof zu Recht mal spöttisch nannte. Dort wird seit Jahren gebaut und gemacht. Und hey, ein Riese+Müller Packster 60 passt sogar in den neu errichteten Aufzug zu Gleis 23! (Warum das wichtig ist, dazu später mehr).

Im Frühjahr des Jahres 2020, als der Schock über die Coronakrise Geschäfte, das öffentliche Leben und auch den Geist eines jeden denkenden Menschen nahezu lahm legte, gab es eine unter den wenig guten Nachrichten: die Bezirksvertretung Innenstadt Nord hatte drei Leih-Lastenräder angeschafft, die nun ab sofort ausgeliehen werden können. Meine Freude war groß, endlich nicht mehr so lange Anfahrtswege zu haben. Das NOrdstadt-LAstenrad , kurz die NOLA würde ich nun öfter fahren.

Nicht so schwer wie ein Bullitt und sehr wendig: das NOLA, Modell: KARGON One. Eigenes Foto

Die ideale Fahrrad-Ausleihe sieht gewöhnlich so aus: 24 Stunden verfügbar, mit einer App zu buchen und durch einen Klick auf das smartphone oder die Abgabe an einer festen Station zurückzugeben. Das ist bei den 3 NOLAS, von denen zwei Räder auch Kindersitze haben, nicht so. Die Stadt Dortmund, bzw. die Bezirksvertretung mit ihrem Quartiersmanagement ist immer auf Institutionen angewiesen, die für sie die Ausleihe organsieren. Es gibt seit dem Beginn drei Verleih-Stellen: den Langen August (ein privates Kulturzentrum), die Firma GrünBau (Garten- und Landschaftsbauunternehmen) und den Fahrradladen 2WheelGarage. Beim LangenAugust übernimmt ein Ehrenamtlicher die Ausleihe und da es nicht seine Hauptaufgabe wie die Ausübung eines Berufes ist, kann er nicht immer vor Ort sein.

Ohne Motor, aber so wendig, daß man auch durch die nervigste aller Umlaufsperren in Dortmund kommt: mit der NOLA im Fredenbaumpark, kurz vor den Bootshäusern am Dortmund-Ems-Kanal.

Bei den anderen beiden KARGON-Lastenrädern NOLA ist die Zeit der Ausleihe an die Ladenöffnugnszeiten gekoppelt. Das ist verständlich, denn sowohl die 2WheelGarage wie auch GrünBau sind nur Dienstleister für den eigentlichen Ausleiher, das Quartiersmanagement Nordstadt. Ein Betrieb oder ein Laden können nicht wie eine App 24 Stunden agieren. Für Menschen, die das Lastenrad ausleihen möchten, um eben mal nicht das Auto für z. B. den Wocheneinkauf zu benutzen, sind diese beschränkten Zeiten aber von Nachteil. Bei GrünBau muss die NOLA um spätestens 15.30 Uhr zurück gegeben worden sein, bei der 2WheelGarage ist die dealine 18 Uhr, am donnerstag 15 Uhr, in den Wintermonaten ist der Laden samstags geschlossen. Aus Sicht der Ladenbesitzer*innen völlig verständlich – aber eben nicht so, wie es eigentlich bei Leihrädern, ganz gleich ob Lastenrad oder Tourenrad sein sollte. In Mannheim gibt es derzeit solch ein Verleihsystem mit 24-Stunden-Ausleihe. Da werde ich richtig neidisch! https://www.vrn.de/verbund/presse/pressemeldungen/pm/016410/index.html

Da ich leider kein Geld für eine neue Waschmaschine habe, die alte hat wohl die letzten beiden Umzüge nicht überlebt, ist die Lastenradausleihe für mich sehr wichtig. Durch die eingeschränkten Ausleihzeiten bin ich oft in Eile, muss zusehen, daß ich rechtzeitig beim Waschsalon bin, die Wäsche möglichst mit dem Lastenrad nach Hause bringe, um dann das Leihfahrzeug zum 2-3 km entfernten Verleiher zu bringen. Oft genug, auch ausgelöst durch andere ungute Umstände (Mattigkeit durch die Periode, Erschöpfung durch die Verdienstarbeit), musste ich nach Abgabe der NOLA die zwei dicken großen Taschen mit der nassen Wäsche mit dem normalen Rad nach Hause schieben. Auch bei nur 2-3 Kilometern eine Schinderei.

Man muss auch aufmerksam sein, damit nichts passiert: es gibt genug Idioten, die „Hilfe“ anbieten, dich aber nur ausrauben wollen. Hatte ich schon erlebt, ich wußte mich zu verteidigen. Dies gilt nicht nur für das Problemviertel Nordstadt Dortmund. Das Lastenrad NOLA ist Ausdruck der anderen Nordstadt, die eben nicht durch dicke Autos, Patriarchat, Armut allein und Kriminalität geprägt ist. Diese Personengruppe, zu der auch ich gehöre, ist allerdings in der Minderheit. Noch dazu sind alleinstehende Frauen, selbständig mit (Lastenrad)rad unterwegs, vielen Bewohnern hier mindestens suspekt. Diese Verachtung spüre ich jeden Tag von den männlichen Nachbarn. Ich bin die einzige Frau im Mietshaus. Wer jetzt die Klischeekiste gegen Migranten auspacken will: ich kenne es von früher auch nicht anders, nur waren die widerlichen Patriarchen männlich, katholisch und weiß. Von wem die Verachtung voller Sexismus und Misogynie kommt, ist mir egal – eins steht aber fest: Es muss endlich Schluß mit dieser Bosheit gegenüber Frauen, ganz gleich welcher Hautfarbe und Herkunft!

Ja, ich bin noch so old fashioned und bringe die nasse Wäsche nach Hause. Trocknerbetrieb im Waschsalon kostet zusätzlich Geld und Zeit, außerdem vertragen nicht alle Kleidungsstücke die geblasene heiße Luft. Nur wenn´s wirklich mal frostig draußen ist, ist es mit der Wäschetrocknung an der Leine schwierig. „Dank“ Klimawandel wird es aber immer seltener richtig Winter und damit selten richtig kalt.

Viel zu eng: Fußwege durch Dortmunds Straßen dank parkendem Blech.

Ich habe Verständnis für alle Verleiher der NOLAs, daß sie unmöglich 24 Stunden für eine Ausleihe zur Verfügung stehen können. Dennoch bleibt die Situation für die Ausleihe von Lastenrädern unbefriedigend.

Schauen wir doch mal… in den Südwesten!

Mehr aus Langweile oder weil ich was anderes suchte, stöberte ich auf der Seite http://www.cargobike.jetzt herum. Vielleicht gibt es ja doch noch eine andere Möglichkeit, an ein Lastenrad zu kommen…. Beim ULF war ich im Osten von Dortmund gewesen, schauen wir doch mal in… den Südwesten! tatsächlich gibt es in der Nachbarstadt Witten an der Ruhr ein E-Lastenrad zu leihen! Juhuu! 😀 Die „Pottkutsche„, ein Bullitt, Modell Bluebird mit geräumiger Ladefläche, Regenhaube und – nicht selbstverständlich – Gepäckträger hinten. Derzeit (Stand: Januar 2022) ist der Standort des Dienstleisters für die Initiative, die hinter der Pottkutsche steht, das Radcafé im Augustaviertel. Schwupps, habe ich mit der Pottkutschen-Ausleihe gleich mal meine Kenntnisse der Stadt Witten erweitert! Der Sattel (die Ausstattung ab Werk) ist für Damenhintern etwas unbequem, aber für meine Strecken bis 20 Kilometer noch ok.

Ich bin ja froh und dankbar, daß ich überhaupt an ein E-Lastenrad komme – das „nur“ einen Anfahrtsweg von 15 Kilometern hat. Zur Pottkutsche wird es noch einen ausführlicheren Artikel geben. Auch beim Wittener Lastenrad muss man die Ausleihzeitenbeachten (im Winter: bis 17 Uhr Abholung und Rückgabe). Spenden sind immer gern gesehen, es fehlt außerdem noch ein Restbetrag, damit ein zweites Lastenrad angeschafft werden kann, denn: auch in Witten ist emissionsfreie Transport-Mobilität sehr gefragt! Man muss mindestens einen Monat im Voraus buchen, um die Pottkutsche fahren zu können.

Mit dem normalen Rad eine Plage, mti dem Lastenrad locker zu machen: der Getränkekauf.

Meine absolute Favoritin, die ich sehr liebe (ok, ich gebe zu, Dinge kann man nicht lieben, also nicht wirklich) und sehr gern fahre, hat ihren Standort 35 Kilometer entfernt. Momentan leider nicht buchbar (Dezember 2021 /Januar 2022 wegen Reparaturarbeiten und Wechsel des Dienstleisters). Manche halten mich für verrückt, daß ich so weit fahre. Aber wenn man als Geringverdienerin schon die Möglichkeit hat, mal ein top Rad der höheren Preisklasse zu fahren, dann nimmt man auch längere Wege dafür in Kauf. Außerdem sind 35 bis 40 Kilometer Strecke mit einem E-Lastenrad locker zu bewältigen.

Ach GErda, schade, daß wir uns derzeit nicht treffen können. Kein Lastenrad fährt sich besser als ein Packster 60 von Riese und Müller. Mit keinem fühle ich mich so sicher wie mit diesem Rad. Übrigens, weder GErda noch ich sind Fußballfans, bestenfalls Sympathisantinnen der jeweiligen Vereine, bzw. Aktiengesellschaften. 😉 Ein einziges Mal hat mich der Motor in all den Jahren der Ausleihe verlassen, so daß ich nur mit Muskelkraft das schwere Rad fahren und mit dem Zug zurück zum Verleiher bringen hatte müssen. Und huhu, das Packster 60 passt in den neuen Aufzug am Dortmunder Hauptbahnhof!

Im Herbst 2021 las ich, daß nun endlich ein kommerzieller Anbieter von Elektro-Lastenrädern in Dortmund sei. Ich war neugierig und las mir alle Artikel und die Seite von der Firma Sigo sharing durch. Nur 7 Kilometer Anfahrtsweg, die Preise auch ok das sah nach einem guten und erreichbaren Angebot für Leih-Lastenräder, noch dazu mit Elektrounterstützung, aus. die Ausleihe erfolgt automatisch per App, also unabhängig von irgendwelchen Ladenöffnungszeiten. Im November lieh ich ein Rad, um bei einem Bekannten, der rund 15 Kilometer entfernt wohnt, die Wäsche zu waschen und auch zum Trocknen aufhängen zu können. Die Freude über das Sigo-Lastenrad währte aber nur kurz: nach nur 5 gefahrenen Kilometern verabschiedete sich der Motor. Danke auch! Ich hatte noch rund 30 Kilemeter insgesamt vor mir! dieser Abend war eine einzige Schinderei gewesen. Mich machte das wirklich wütend, weil ich von einem kommerziellen Anbieter schon erwarten kann, daß alles funktioniert. Ein heulend pfeifender Motor, der nicht funktioniert… man könnte glatt abergläubisch werden, wenn man das Sigo-Lastenrad fährt.

Wer reitet so spät durch Nacht und Wind? Leider nicht so praktisch, wie es aussieht: ein Lastenrad von der Firma sigo-sharing. Eigenes Foto.

Im Gespräch mit einem Bekannten, der in Köln bei einem anderen Verleiher von (Lasten)rädern arbeitet, sprach ich die Sigo-Räder an. Er sagte mir, daß Motoren einer chinesischen Billigmarke verbaut seien. Ich stöhnte auf. Was nützt ein Elektro-Lastenrad, wenn ich mit nicht auf den Motor verlassen kann???

Auf einer Erkundungstour auf den Teilstücken des Radschnellwegs 1 in Bochum im November erzählte mir ein Teilnehmer, daß auch er als Mieter von sigo-Rädern die selben Erfahrungen gemacht habe. Der Motor fiele eben öfter aus. Wie bitte? soll das der „Normalzustand“ sein?

Den Namen Sigo kannte ich schon. In Bochum können Mieter*innen eines Wohnblocks diese Räder ausleihen.

https://www.bogestra.de/news-liste/news/article/neue-e-lastenraeder-fuer-bochum-bogestra-vivawest-und-sigo-starten-durch.html

Am 2. Januar 2022 wollte ich dem grauen Lastenrad mit dem grünen Firmenzeichen noch mal eine Chance geben. Es sollte eine Spaßtour werden, 30 Kilometer am südlichen Rand von Dortmund entlang und wieder zurück zur Vreleihstation vor den Studierendenwohnhäusern. Doch die Tragödie schrieb sich fort. Das selbe Elend. Glücklicherweise war ich noch nicht weit gefahren, keine fünf Kilometer von der Verleihstation entfernt. .

Die Verleihstation von sigo sharing in der Ostenbergstraße 99 in Dortmund.

Verärgert war ich dennoch. Ausflug unmöglich, Tag versaut! Ist ja ganz wundervoll, wenn man beim Kund*innentelefon immer jemanden erreicht, Verständnis für den eigenen Ärger und „Credits“ bekommt, auch Kostenerlaß. Auch das hatte mir der Bochumer Radfahrer erzählt: dass man oft Bonuspunkte bekäme. Sicher war ich froh, nichts für die verpatzte Ausliehe zahlen zu müssen. Ich habe momentan absurd viele Bonuspunkte, sogenannte „credits.“ Aber ist das der Sinn der Sache? Weder die Firma Sigo noch ich haben was davon: Sigo macht auf absehbare Zeit Verluste bis zum Konkurs, ich kann die „Credits“ nicht einlösen, weil der Motor nicht funktioniert. Heute übrigens bei beiden Rädern. Wäre eben zu schön gewesen, ohne Aufgabenerfüllung (Wäsche sauber bekommen), also ohne Streß mit dem E-Lastenrad unterwegs zu sein. Knurr.

Und ja, es gibt sogar noch ein E-Lastenrad in Dortmund. Aber das ist kein offiziell ausleihbares Rad, sondern im Privatbesitz eines Bekannten. Wenn er es für seine Familie braucht, ist es verständlicherweise nicht verfügbar. Ich freue mich immer, wenn ich das URBAN ARROW fahren kann. Meine Nummer 2 nach dem Packster 60 von Riese und Müller.

Mit dem Cabrio am Phönixsee in Dortmund.

Et maintenant? Wie geht´s jetzt weiter?

Ich weiß nicht, ob ich noch mal Zeit und Nerven investiere, um die knapp 7 Kilometer Anfahrt für das sigo-Lastenrad auf mich zu nehmen – wenn ohnehin zu erwarten ist, daß es wieder nicht funktionieren wird. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, was schief gelaufen sein soll, was ich falsch gemacht haben sollte…. ich bin schon viele Lastenräder, mit und ohne Motor gefahren. Dennoch schrieb ich in meiner Beschwerde, daß ich mich gern mit dem Techniker/der Technikerin treffen würde, damit sie oder er mir das Rad noch mal genauer erklärt. Langsam vermute ich auch Vandalismus oder Wettereinflüsse als Ursache dieser zu häufigen Motorschäden. Finden Marder Elektromotoren-Leitungen genauso spannend wie die von Verbrennermotoren? Dann hat eines dieser Viecher vielleicht am sigo-Lastenrad was durchgebissen (und nicht überlebt).

Der ADFC Unna , mir bisher durch den ULF bekannt,war mit seinen Ortsverbänden in der letzten Zeit auch nicht untätig: auf der letzten Ciritcal Mass Dortmund sah ich zu meiner Freude ein E-Lastenrad aus der südlichen Nachbarstadt Schwerte, die Schwester (oder Bruder) des Riese + Müller Packster 60: das Modell load. Klar wurde mit dem Fahrer und Mieter des Rades gleich gefachsimpelt und gespaßt 😀 . Im Januar werde ich damit zu einem 15 Kilometer entfernten Ärztintermin fahren. Ich freue mich schon darauf. Wie nach Witten sind es auch „nur“ 15 Kilometer Anfahrt bis nach Schwerte – allerdings mit stärkeren Steigungen. Doch ich lasse nichts unversucht, trotz geringem Budget gute Lastenräder fahren und dabei von einem eigenen träumen zu können. Radfahren ist Leidenschaft. Meine Spende fällt eben nicht so üppig aus, wird aber gegeben, weil ich dankbar für die Leihräder bin. Wenn Technik das Leben der Menschen erleichtert, ohne die Umwelt zu sehr zu gefährden, soll sie das tun.

Schade eben, daß sich die Stadt Dortmund immer noch schwer tut, ein richtiges Verleihsystem für Elektroräder, insbesondere E-Lastenräder auf die Beine zu stellen. Das könnte in Kooperation mit nextbike erfolgen. Wenn überhaupt, findet die Ausleihe nur immer mit bestimmten kleinen, kaum bekannten Aktionen wie „Lappenlos“ statt. Ein Lastenrad zur Miete bekommt auch nur, wer bestimmte Voraussetzungen dafür erfüllt. Mit einer richtigen Ausleihe von (Lasten)rädern hat das nichts zu tun. Stattdessen machen die Stadtwerke, DEW 21 weiterhin schön Werbung für „mehr blauen Himmel“, den ein Autofahrer im E-Auto sitzend, auf seinen Ausflügen sehen soll. Seltsam, den blauen Himmel sieht man eigentlich vor allem beim Radfahren und Spazierengehen. „E fahren“ heißt eben nicht nur Auto, sondern auch Radfahren. Das sollte allen, der Stadt wie den Stadtwerken eigentlich klar sein, wenn sie immer von der „emissionsfreien Innenstadt“ sprechen.

Critical Mass Dortmund am 16. Dezember 2016

Am 3. Freitag im Monat findet immer die Critical Mass Dortmund statt. Bei der Vielzahl der CMs im Ruhrgebiet und ganz NRW fällt die Auswahl, wo man hinfährt und teilnimmt, manchmal schwer…. 😉

Heute hatten wir Gäste aus Wuppertal (der sogar die ganze ! Strecke hin- und möglicherweise auch zurückfuhr), Gelsenkirchen (man kann auf diversen Zeitungsseiten im Netz lesen, daß man sogar aus der verbotenen Stadt nach Do. käme, weil der eigene Weihnachtsmarkt so mies sei), Essen – habe ich jemanden vergessen?

START wie immer um/gegen 19 Uhr am Friedensplatz beim Rathaus, Nähe U-Bahn-Station Stadtgarten.

Fahrt um die Friedenssäule zu Beginn:

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Es ist Dezember.… das heißt… ja genau…

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Dezente Weihnachts-Beleuchtung in rot, passend zum Rahmen……    🙂

 

Es geht natürlich noch schmucker:

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Nicht im Bild: dunkelblaue Christbaumkugeln, die am Rahmen unterhalb der Ladefläche hängen (Foto ist leider nix geworden…). Mir wurde vom Fahrer auf Nachfrage versichert, daß es zuhause keinen Krach gibt, würde eine Kugel während der Fahrt kaputtgehen.

Passend zur Advents- und Vorweihnachtszeit hatte dieser Fahrer auch Weihnachtspop im Gepäck. Bei der CM darf die Musik und Ausstattung auch gern mal kitisch sein ;-)))

 

Eines der am stärksten geschmückten Fahrräder…. etwas eigenwillig in der Gestaltung…..

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Die Essener-/Gelsenkirchener Vertretung mit schmucken Rädern   und praktischen Accesoires (nicht auf Weihnachten bezogen):

 

Möglicherweise frieren die Hände mit diesen „Topfhandschuhen“ auch nicht so sehr 😉

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Bei der Critical Mass Dortmund am 16. Dezember 2016 waren aber nicht nur Lastenräder dabei.

 

…wie sich damit wohl fährt? Ballonreifen können schon angenehm sein, wenn man über Pflastersteine fährt. Aber je breiter das Rad, desto mehr muß man wohl rein treten, um das schwere Ding fortzubewegen.

Die Zieleinfahrt auf dem Friedensplatz gegen 21 Uhr. Bei der – ab 19 Uhr legitimen – Fahrt durch die Fußgängerzone Westenhellweg verteilte einer der Radfahrer freundlich Flyer an die staunenden Passanten und Passantinnen. Manche feuerten uns an, nur ein einziger fluchte hörbar.

 

Es hat wieder viel Spaß gemacht, bei der CM Dortmund mitzufahren.Schön, daß Ihr aus Wuppertal, Gelsenkirchen u.a.  bei uns wart. Danke auch an die 3 Jungs, mit denen ich nachher noch Kakao bzw. Glühwein am Weihnachtsmarkt Dortmund trinken konnte, ich habe mich gefreut.

Falls die Bochumer nächste Woche ihre Weihnachtsrunde (23.12.) machen, bin ich gern dabei. Ich werde alkoholfreien Punsch mitbringen. Wer unbedingt Rum drin haben will, bringe sich diesen mit.

 

RIDE ON !!! Für eine Stadt mit weniger Streß und mehr Radverkehr statt Autos!

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Offener Brief zur Sendung: „Ritzelzähler und Warnwestenträger“ von Ralf Homann in der Sendereihe „ZündfunkGenerator“ auf Bayern2Radio

Betrifft: Sendung „ritzelzähler und Warnwestenträger“ von Ralf Homann

in Bayern2Radio, Sendereihe Zündfunk Generator

Sendung: http://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/zuendfunk/politik-gesellschaft/argumente-gegenfahrradfahren-100.html

 

Sehr geehrter Herr Homann,

Ihre Haltung gegenüber den Fahrradfahrer-/innen und dem Radverkehr ist kurzsichtig und unreflektiert. Sie versuchen, Fußgänger-/innen gegen Radfahrer-/innen auszuspielen. Das ist dumm und vor allem: sinnlos und unfair. Die Argumente, die Sie gegen das Radfahren aufführen, sind Wasser auf die Mühlen der AutofahrerInnenlobby. Das haben Sie sich wohl nicht bewußt gemacht, bevor Sie mit der Sendungsplanung begonnen haben.

Ich kann nur erahnen, warum Sie wirklich gegen das Radfahren sind. Ich sage jetzt nicht was ich Ihnen gegenüber als erstes gedacht habe als Sie wörtlich in der Sendung sagten: „…deshalb: Radfahrer raus aus der Stadt.“ Da kommt mir echt das Kotzen und wütend macht es mich auch. Dann treten Sie doch den Stadtplanungsverantwortlichen in Dänemark und Holland gegenüber! Sind Sie so mutig gegen diese Leute, die für einen erfolgreichen Radverkehr IN DER STADT gesorgt haben, mit Ihren Argumenten entgegenzutreten?? DAS möchte ich als überzeugte Fahrradfahrerin (gendern ist übrigens nicht verboten, nur so nebenbei) und ADFC-Mitglied sehen und hören!!!

Möglicherweise nervt Sie an den Radfahrer-/innen manches miese Verhalten wie das Sich-Zwischen-FußgängerInnen-Durchschlängeln, auf dem Gehweg fahren oder knapp vorbeisausen. Weil Sie meist Fußgänger sind. Das nervt mich als Fußgängerin an manchen Radler-/innen auch. Aber woher kommt es? Nicht unbedingt daher, dass vielen RadlerInnen die Fußgänger egal sind. Man muß genauer hinsehen. Oft liegt es daran, dass die Wegführung für RadfahrerInnen derart ungünstig sind dass man gezwungen ist, zumindest ein paar hundert Meter lang auf einem Gehweg auszuweichen. Verlangen Sie mal von AutofahrerInnen ständig, dass sie eine Umleitung, die einen wesentlich längeren Weg und damit mehr Zeitbedarf bedeutet, IMMER fahren zu müssen. Da wäre das Geschrei groß.

Es ist auch schwach, dass Sie nur eine Studie aus der Schweiz zitieren. Im Sendegebiet des Bayerischen Rundfunks und im Rest der Republik befinden wir uns nicht in der Schweiz. Daher kann diese Studie für Städte in Deutschland kaum oder gar nicht herhalten. Und der wahre Grund dafür, dass junge Leute in der Schweiz die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen liegt weniger (oder gar nicht) daran, dass diese NutzerInnen öffentlicher Verkehrsmittel so gern Straßenbahn oder Bus fahren. Es liegt nur daran, dass sie kostenlos WLAN nutzen können. Und der Vertreter dieser Körperschaft des öffentlichen Rechts für Fußverkehr muß mächtig viel Zeit haben, wenn er für das Zu-Fuß-Gehen plädiert. Und immer einen Diener oder Dienerin, die oder der ihm die Sachen hinterherträgt. Nichts nervt mehr, wenn man z. B. Seine Einkäufe von der Haltestelle nach Haus schleppen muß. Außerdem ist man als NutzerIn öffentlicher Verkehrsmittel immer von einem Fahrplan und Abfahrtsort abhängig. Das nervt und kostet sinnlos Zeit.

Bevorzugen sie wirklich öffentliche Verkehrsmittel und Fußgänger-Sein?? Also volle Bahnen, stickige Luft und oft genug unfreundliche und boshafte andere Fahrgäste, die immer was zu nörgeln haben?? Ich nicht! Ich bin heilfroh, wenn ich mal nicht die Straßenbahn oder Bus nehmen muß! Und manchmal fehlt einem auch das nötige Kleingeld für öffentliche Verkehrsmittel (schwarzfahren ist auch keine Alternative).

Wer wenig Geld hat nimmt sich bei längerer Abwesenheit von zuhaus was zu Essen mit – und das ist ein Stück Gewicht, dass das Fahrrad besser trägt in der Satteltasche als der Rücken (auch wenn man das Rad mit eigener Kraft vorantreiben muß).

Heute abend werde ich im Nachbarort ein Laientheater besuchen. Die Nahverkehrsverbindung zeigt mir 7 Laufminuten an. Das dauert mir zu lange, weil auch nicht gesagt ist, ob ich es gleich und damit rechtzeitig finde (in diesem Ort ist idiotischerweise heute noch die Veranstaltung „Autofrühling.“) Nach dem Theaterstück werde ich dank Fahrrad schneller beim Bahnhof sein – und nicht zu selten habe ich oft noch einen früheren Zug dank Fahrradfahren bekommen und mußte keine Stunde dumm an einem blöden (Provinz)bahnhof rumsitzen. Radfahren ist sinnvoll, auch weil es ein guter und immer vorhandener (weil fahrplanUNabhängiger) Zubringer zum Bahnhof ist.

Wohl haben Sie sich nur Gedanken gemacht, was Sie an Radfahrer-/innen nervt. Warum machen Sie sich nicht Gedanken darum, was Sie an AutofahrerInnen nervt?? DAS Verhalten von Autofahrer-/innen ist wirklich nervend und oft genug auch tödlich!! Denn AutofahrerInnen sind die stärksten Verkehrsteilnehmer-/innen – und sollten sich gerade dies bewußt machen, um eben NICHT andere zu gefährden. Wie oft bin ich als Radfahrerin schon aus dem Autofenster heraus angeschrien worden. Leider hatte ich aufgrund der Überraschung keine passende Gegenwehr bereit. Der Polizei, vor allem der bayerischen ist das scheißegal. Auf die kann man pfeifen. Den Schaden, manchmal den körperlichen aber vor allem den psychischen hat die oder der Radfahrer-/in. Im Laufe der Jahre läßt sich eine Radikalisierung als Radfahrerin nicht vermeiden, vornehm ausgedrückt (wobei ich auch genug anständige AutofahrerInnen kenne).

Es wird immer nur auf die RadfahrerInnen geschimpft, als ob es nur rücksichtslose Fahrradfahrer-/innen gäbe. Es muß endlich in die Köpfe rein dass a)die rücksichtslosen Radfahrer-/innen auch andere RadlerInnen nerven und b)es keine Allgemeinverurteilung geben darf.

Und noch was zum Erscheinungsbild des Radfahrers (meist ist dieser männlich bei dieser Sache), das Sie kritisieren:

  1. Es wird auch in Radfahrer-/innenkreisen gern mal über die Funktionskleidungs-Träger gespottet. Eigentlich ist diese Kleidung für lange Distanzen des Radfahrens gedacht, also für Rennen oder Radreisen. Es sieht – da gebe ich Ihnen recht – seltsam aus, wenn solche Leute dann die Kleidung auch im Alltag tragen. Ist eben eine Frage, in was man sich wohlfühlt oder ob man meint, einem vermeintlichen Trend folgen zu müssen. Ich schmunzel drüber. Die müssen auch Geld haben, denn diese Kleidung ist teuer (und nicht unbedingt umweltfreundlich, weil Kunststoff) – was dafür spricht, dass eine bestimmte Gesellschaftsgruppe diese Kleidung gern trägt. Kleine Anekdote: bei einer Radtour durchs Schwarzatal in Thüringen wurde ich öfter verwundert (vielleicht sogar entsetzt) angeguckt, weil ich – ach KEINE Funktionskleidung – trug. Haha. Weil ich mich nach einem kurzen Ausprobieren von Funktionskleidung vor 10 Jahren dann doch für ’normale‘ Alltagskleidung entschieden habe: weil ich mich darin eben wohler fühle.
  2. Die ganzen Nerds wie Fixie-Fahrer (meist männlich) : man kann sie belächeln, über sie lästern. Ich war letztes Mal selbst in so einem Nerd-Laden, aber nur deshalb, weil dieser Laden im Auftrag einer Initiative ein Lastenrad verleiht. Sie werden es nicht glauben: manche dieser Nerds schauen auf solche schnöden und einfachen Radlerinnen wie mich herab. Doch es kümmert mich nicht. Ich sehe sie als gleichberechtigte an, weil sie ebenso für das Radfahren sind wie ich, manchmal sogar noch extremistischer. Es gilt eben das Nürnberger Sprichwort: „Der Herrgott hat ann großn Diergaddn.“ (Der Herrgott hat einen großen Tiergarten).

 

Außerdem: Fahrradfahrer-/innen SIND UMWELTFREUNDE UND -FREUNDINNEN. Auch wenn ein asphaltierter Weg auch schöner zu befahren ist als ein „naturbelassener Weg.“ Ein Radweg versiegelt weniger Fläche als eine Autostraße! Gut, über die Mountainbikerei kann man diskutieren, ob man jetzt unbedingt in den Bergen mit dem Rad rumfahren muß. Ich selbst fahre kein Mountainbike.

Gerne dürfen sie Fahrradfahrer-/innen kritisieren, Herr Homann. Aber dann bitte mit fundierterer Recherche und ohne verschiedene Gruppen – wie hier Radfahrer-/innen gegen Fußgänger-/innen – gegeneinander auszuspielen. Gut ist, dass Sie eine Vertreterin des ADFC mit in den Beitrag genommen haben.

Tip: fahren Sie doch mal mit einem ADFC-Mitglied durch Ihre Heimatstadt. Sie werden die ganze Vekehrslandschaft mit komplett anderen Augen sehen. Für die gute Hose oder den guten Rock gibt es ganz un-nerdige Schtzmöglichkeiten von der Kette. Und Sie müssen auch nicht das schleppen, was Sie dabei haben.

Mit freundlichem Fahrradgeklingel

Angelika Steger