„Sie sind gerade verstorben.“

Eine quadratisch aufgestellte Tischreihe, dahinter Menschen, die einer Pressekonferenz gleich zum Publikum in der Mitte sprechen. „Wir müssen Ihnen mitteilen, dass Sie gerade gestorben sind.“ Wichtig wirken sie, die Sprecherinnen und Sprecher, wenn auch nicht hochmütig.

Ein absurder, deshalb lustiger Satz. Wer tot ist, bekommt doch nichts mehr mit. Oder doch? Was geht hier vor? WO sind wir hier eigentlich?

Nur 1 Stunde dauert das Theaterstück After Life von Thorsten Bihegue, gespielt vom Dortmunder Sprechchor. Die Begrüßung „Sie sind gerade verstorben“ ist absurd und verwirrend,  das „Firmenlogo“ After Life wirkt grotesk. Was ist das für eine seltsame Gemeinschaft, die hier die Neuankömmlinge = das Publikum begrüßt? Was ist das für ein Ort, an dem es keine Liebe und keine Angst mehr gibt? Ein luftleerer Raum wie das Weltall, nur ohne Weltraumschrott?

After Life ist nach einem Film entstanden, dessen eingeblendeten Namen und Regisseur ich vergessen habe. Name dropping ist nun auch unwichtig. Wichtig sind die Erinnerungen, die man mit ins Jenseits nimmt; wer keine hat, der muß an dieser seltsamen „Firma“ After Life teilnehmen, die alles firmenartige inne hat: eine Frauenbeauftragte, ein Fundbüro, und – Besonderheit: jemand, der die verlorenen Seelen aufsammelt, eine andere katalogisiert die Träume.  Das ist berührend. Die Erinnerungen von 2 Personen werden erzählt. Und als Zuschauer-/in ist man nicht gelangweilt  oder genervt wie in der U-Bahn, wenn wildfremde ihre intimsten Dinge erzählen müssen, nach denen man nicht gefragt hatte. Das ist das ‚Faszinierende am Theater.

Niemand weiß, was nach dem Tod kommt. Umso wichtiger ist es, sich darüber Gedanken zu machen, was  danach sein könnte. After Life berührt auf besondere Weise: mehr nachdenklich als amüsiert bleibt man als lebende Theaterbesucherin zurück. Bei manchen Dingen reicht es, wenn man sich erinnern kann. Doch bei den Menschen, von denen man sich nicht verabschieden konnte und die zu früh gestorben sind – weil es die Familienmitglieder verweigerten oder Krieg und Verfolgung unmöglich machten- wünscht man sich die griechisch-antike Sage von Persephone und Demeter ins eigene Leben. Auch wenn es keine Wiederbelebung mehr geben kann: wenigstens einmal im Monat, überhaupt nur noch einmal ins Totenreich hinabsteigen können, um einem lieben Menschen Adé zu sagen. Um das zu erzählen, was man so gern gesagt hätte, was der grausige Tod aber verboten hat.

Denn im luftleeren Raum bei After Life zu sein, ohne Angst zwar, aber auch ohne Liebe…ohne Alterungsprozeß… auch das hält kein Mensch lange aus, ohne wahnsinnig zu werden.

Sehr positiv ist auch, dass das Thema Tod und Leben  in After Life abseits von religiösen Kontexten betrachtet wird.

Danke an das Theater Dortmund /Schauspiel für dieses Stück. Es ist toll, auch mal Laien, also Dortmunder Bürgerinnen und Bürger auf der Bühne zu sehen. Viel Handlung gibt es in After Life nicht – und dennoch wird es nie langweilig und man versteht den Text. Durch das Sprechen im Chor entfaltet sich eine ganz andere Wirkung: die Worte wirken deutlicher, wie mit Nachdruck gesprochen.

Die Website vom Theater Dortmund zu After Life : https://www.theaterdo.de/detail/event/19029/

 

 

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Critical Mass Dortmund am 16. Dezember 2016

Am 3. Freitag im Monat findet immer die Critical Mass Dortmund statt. Bei der Vielzahl der CMs im Ruhrgebiet und ganz NRW fällt die Auswahl, wo man hinfährt und teilnimmt, manchmal schwer…. 😉

Heute hatten wir Gäste aus Wuppertal (der sogar die ganze ! Strecke hin- und möglicherweise auch zurückfuhr), Gelsenkirchen (man kann auf diversen Zeitungsseiten im Netz lesen, daß man sogar aus der verbotenen Stadt nach Do. käme, weil der eigene Weihnachtsmarkt so mies sei), Essen – habe ich jemanden vergessen?

START wie immer um/gegen 19 Uhr am Friedensplatz beim Rathaus, Nähe U-Bahn-Station Stadtgarten.

Fahrt um die Friedenssäule zu Beginn:

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Es ist Dezember.… das heißt… ja genau…

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Dezente Weihnachts-Beleuchtung in rot, passend zum Rahmen……    🙂

 

Es geht natürlich noch schmucker:

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Nicht im Bild: dunkelblaue Christbaumkugeln, die am Rahmen unterhalb der Ladefläche hängen (Foto ist leider nix geworden…). Mir wurde vom Fahrer auf Nachfrage versichert, daß es zuhause keinen Krach gibt, würde eine Kugel während der Fahrt kaputtgehen.

Passend zur Advents- und Vorweihnachtszeit hatte dieser Fahrer auch Weihnachtspop im Gepäck. Bei der CM darf die Musik und Ausstattung auch gern mal kitisch sein ;-)))

 

Eines der am stärksten geschmückten Fahrräder…. etwas eigenwillig in der Gestaltung…..

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Die Essener-/Gelsenkirchener Vertretung mit schmucken Rädern   und praktischen Accesoires (nicht auf Weihnachten bezogen):

 

Möglicherweise frieren die Hände mit diesen „Topfhandschuhen“ auch nicht so sehr 😉

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Bei der Critical Mass Dortmund am 16. Dezember 2016 waren aber nicht nur Lastenräder dabei.

 

…wie sich damit wohl fährt? Ballonreifen können schon angenehm sein, wenn man über Pflastersteine fährt. Aber je breiter das Rad, desto mehr muß man wohl rein treten, um das schwere Ding fortzubewegen.

Die Zieleinfahrt auf dem Friedensplatz gegen 21 Uhr. Bei der – ab 19 Uhr legitimen – Fahrt durch die Fußgängerzone Westenhellweg verteilte einer der Radfahrer freundlich Flyer an die staunenden Passanten und Passantinnen. Manche feuerten uns an, nur ein einziger fluchte hörbar.

 

Es hat wieder viel Spaß gemacht, bei der CM Dortmund mitzufahren.Schön, daß Ihr aus Wuppertal, Gelsenkirchen u.a.  bei uns wart. Danke auch an die 3 Jungs, mit denen ich nachher noch Kakao bzw. Glühwein am Weihnachtsmarkt Dortmund trinken konnte, ich habe mich gefreut.

Falls die Bochumer nächste Woche ihre Weihnachtsrunde (23.12.) machen, bin ich gern dabei. Ich werde alkoholfreien Punsch mitbringen. Wer unbedingt Rum drin haben will, bringe sich diesen mit.

 

RIDE ON !!! Für eine Stadt mit weniger Streß und mehr Radverkehr statt Autos!

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Offener Brief an das Vermessungs- und Katasteramt Dortmund: Neuer Fahrradstadtplan

Foto: eigene Aufnahme von der Critical Mass vom 20. Mai 2016.

Sehr geehrte Damen und Herren des Vermessungsamtes der Stadt Dortmund,

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Sierau,

sehr geehrte Pressevertreter-/innen,

seit vergangenen Herbst wohne ich in Dortmund. Mein bevorzugtes Verkehrsmittel ist schon immer  das Fahrrad.  Fast jede Stadt gestaltet inzwischen einen eigenen Fahrradstadtplan, was durchaus Sinn macht: der Fahrradverkehr braucht andere Karten und Verkehrsinfrastruktur als der Autoverkehr. Der vorangegangene Fahrradstadtplan von 2009 war laut meiner ADFC-Kolleginnen und Kollegen nach kurzer Zeit ausverkauft.

Seit dem Jahr 2009 sind 7 Jahre vergangen.

Bereits im vergangenen Jahr 2015 sollte der Fahrradstadtplan der Stadt Dortmund erscheinen, wurde mir seitens der Stadt Dortmund auf Nachfrage mitgeteilt. Da leider im März 2016 immer noch nichts zu hören und zu lesen war, habe ich nochmals nachgefragt. In der Antwort-Mail wurde ich auf Mai 2016 vertröstet. Jetzt bin ich richtig verärgert, weil der Fahrradstadtplan, der für das Frühjahr 2016 angekündigt war, im Mai 2016 immer  noch nicht erschienen ist. Ich habe daraufhin vergangene Woche versucht, bei der Stadt Dortmund anzurufen. Eigenartige Resultate, wie man sie nur von privatwirtschaftlichen Betrügerfirmen, die was versprechen, was sie nicht halten, kennt, kamen dabei zutage.

Beim „Fahrradbeauftragten der Stadt Dortmund „(Telefon: 0231 5022522) ertönt ständig nur das Besetzt-Zeichen (Anrufzeit: ca. 14 Uhr). Die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Bürgerdienste können auch nicht viel machen, als meinen Anruf zu dieser Person weiterzuleiten, die offensichtlich ständig in der Mittagspause oder ständig auf Dienstreise ist. Beim Tiefbauamt (Telefon: 0231 5022522 und 5022668) war es ebenso. Ein Mitglied und Kollege vom ADFC sagte mir nun, dass nun das Vermessungs- und Katasteramt der Stadt Dortmund zuständig sei und er die zuständige Mitarbeiterin nicht erreiche. Schön.

Woran liegt es, dass der Fahrradstadtplan immer noch nicht erscheinen kann???

Ich selbst muß mich mit Einzelteilen des Plans von 2009 und einer zerfledderten Gesamtversion von 2000 zufrieden geben, weil kein Fahrradstadtplan mehr aufzutreiben ist.

Man muß wirklich den Eindruck haben dass Menschen, sobald sie die Ausbildung (und anschließend das Arbeitsverhältnis) zum Beamten/der Beamtin oder Angestellten der Stadtverwaltung Dortmund antreten, ihren Verstand an der Garderobe abgeben. (Ähnliches hört man beim Thema Radverkehr auch aus anderen Städten).

Ist es wirklich so schwer, mit Kolleg-/innen anderer Ämter oder Institutionen wie dem ADFC Dortmund zusammenzuarbeiten? Bei der Planung des Autoverkehrs wird doch mit Sicherheit auch das wahr- und ernstgenommen, was der ADAC sagt. Eigenartig, dass, so munkelt man, manche Mitarbeiter-/innen nicht auf den ADFC, der sich mit den Bedürfnissen des Radfahrers/der Radfahrerin am besten auskennt, zusammenarbeiten will. Nur weil man als Vermessungsbeamter  das im Raumplanungsstudium vielleicht mal anders gelernt als das, was der ADFC sagt, muß der Vorschlag des ADFC nicht falsch sein. Anders ist die Verzögerung des Erscheinens des Fahrradstadtplans und die verschnarchte Haltung der verschiedenen Ämter nicht zu erklären.

Ich selbst und auch mein Verein, der Allgemeine Deutsche Fahrradclub Kreisverband Dortmund (=ADFC Dortmund) begrüßt es natürlich, wenn immer mehr Leute Rad statt Auto fahren und sich diese Ausflugs-Broschüre „Rad & Tour“ gut verkauft ( http://www.adfc-nrw.de/kreisverbaende/kv-dortmund/aktuelles-aus-dortmund/aktuelles-versteckt/nachrichten-aus-do-detail/article/rad-tour-das-neues-fahrrad-magazin-fuer-das-oes.html ) . Diese Broschüre ist aus der Zusammenarbeit des ADFC Dortmund und den Ruhrnachrichten entstanden.

Allerdings ist dies keine Entschuldigung und Erklärung dafür, dass der Fahrradstadtplan Dortmund immer noch nicht in einer Neuauflage erschienen ist.

Denn beim Fahrradstadtplan handelt es sich um ein Werkzeug für den alltäglichen Radverkehr, nicht für den Sonntagsausflug. Es ist zu vermuten, dass dieses Bewußtsein für die Bedeutung und Wichtigkeit eines Fahrradstadtplans bei vielen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Stadt Dortmund noch nicht angekommen ist oder gänzlich fehlt. Beim Fahrradstadtplan handelt es sich um ein wichtiges Kartenwerk für den Alltag.

Wenn die Stadt Dortmund sich als „fahrradfreundlich“ bezeichnen will, muß sie noch viel tun: so auch ein aktuelles Kartenwerk veröffentlichen, bei denen nicht nur die Straßen und Plätze verzeichnet sind, sondern auch die möglichen Nebenwege, die für Radfahrerinnen und Radfahrer besser geeignet sind und vor allem auch die Gefahrenstellen (unübersichtliche Kreuzungen etc.) oder Steigungen deutlich erkennbar sind.

Radfahrerinnen und Radfahrer haben andere Bedürfnisse als der Autoverkehr und benötigen deshalb auch einen anderen Stadtplan. Die tägliche Blechlawine, die jeden Tag um den Borsigplatz und entlang der großen Hauptstraßen wie dem Südwall, Burgwall etc. rollt sollte jedem vernünftigen Menschen eine Mahnung sein, durch gutes Kartenwerk und bessere Infrastruktur (ebene, breitere und glassplitterfreie Radwege) mehr Menschen aufs Rad zu bringen. Denn es ist nicht glaubhaft, dass jede und jeder soweit von seinem Arbeitsplatz weg wohnen soll, dass sie oder er unbedingt ein Auto braucht. Es ist erschreckend und eigenartig, dass in vielen Hirnen offensichtlich immer noch die Vorstellung der Nachkriegsgeneration existiert, dass ein Radfahrer oder Radfahrerin ein armer Mensch sein muß, der sich kein Auto leisten kann, dass Autofahren „Wohlstand“ bedeuten soll. Dabei gibt es sehr viele Fahrradmodelle, die im Verhältnis so teuer sind wie ein Auto – und nicht nur mit denen man wunderbar zum Arbeitsplatz und zum Einkaufen etc. fahren kann. Wir schreiben das Jahr 2016! Und der Klimawandel ist mehr als deutlich spürbar.

Mit (nicht mehr lange freundlichem) Fahrradgeklingel

Angelika Steger, Dortmund

 

AKTUALISIERUNG: Mit über einem halben Jahr Verspätung gibt es nun den neuen Fahrradstadtplan. Es bleibt noch abzuwarten, wie dieser Plan nun bei den Leuten ankommt.

https://www.dortmund.de/de/leben_in_dortmund/nachrichtenportal/alle_nachrichten/nachricht.jsp?nid=426217