Wie Fahren mit angezogener Handbremse: Leben in Corona-Zeiten – Update

Der Sommer ist vorüber. Ein paar schöne Tage gab es noch, bevor die Kühle des Herbstes klar machte, dass jetzt Schluß ist mit Freibad und vielem Draußen-Sein, dem Erleben, Treffen mit Freunden oder Verwandten. Kurzzeitig hatte man den Eindruck gewinnen können, dass der Coronavirus zurückgedrängt worden sei. Der „Lockdown“ im Frühjahr hatte viele Menschen eingeschränkt, verletzt, weil sie nicht das tun konnten, was Menschen eben tun: sich zu Partys, Konzerten etc. zu treffen. Diese ständigen Einschränkungen brachten viel Unmut hervor, so dass es wieder Partys, öffentlich wie privat, gab. Doch der Coronavirus ist längst nicht verschwunden und Party machen heißt auch für dieses elende, diffuse, so schlecht sichtbare Ding wie einen Virus: Juhuuu, ich kann mich wieder bestens verbreiten.

Tatäschlich war ich letzte Woche sogar in zwei Konzerten. Wie gut, dass sie wieder da sind, die Dortmunder Philharmoniker-/innen! Ich spürte Erleichterung und Freude, als ich das Konzerthaus betreten hatte. Allerdings… es war auch seltsam. Wenige Leute, feste Stehtische, an denen man sich melden musste, die mitgebrachte Eintrittskarte wurde gegen eine andere getauscht. Dann die Überraschung: „Ihre Jacke können Sie auf den Sitz neben sich legen.“ Und auch die Tasche! Ich staunte nicht schlecht: vor der Corona-Zeit hätte das niemand geduldet, da wäre dir sofort einer der hellbraun gewandeten Damen und heren nachgerannt und hätte dich zur Rede gestellt. An die dämlich aussehende, häßliche Maskierung hat man sich schon gewohnt. Vor noch nicht allzu langer Zeit hätte der /die LadeninhaberIn die Polizei geholt, hätte man mit maskiertem Gesicht ein Gebäude betreten.

Der Konzertsaal: seltsam leer. Ins Auge fallen sofort die roten Nashörner auf einigen Sitzen, darunter steht „bitte freihalten.“ Nur die Hälfte der Gesamtplätze ist besetzt. Wie lange hält das ein Veranstalter aus, ohne bankrott zu gehen? Man soll sich bitte nicht zu nahe kommen. Im Februar noch war ich direkt neben einer anderen Konzertbesucherin gesessen. Schon damals dachte ich entfernt daran wie es wäre… aber glauben wollte ich das damals noch nicht. Die Vorstellung, dass das kulturlle Leben komplett zum Erliegen käme, die war zu schrecklich. Ganz gleich, ob es sich um ‚klassische‘ oder Popkonzerte handeln würde. Ohne Kultur kann kein Mensch leben!

Vom Balkon aus blicke ich direkt auf die Bühne.Hm? Was ist da los? Es ist 10 vor 8, 10 Minuten vor Beginn und die Musiker-/innen sitzen schon. Mit mindestens 1 Sitzbreite Abstand. Das wirkt eigenartig. Kein gemeinsames Auftreten wie sonst, jede-/r sitzt wie fest platziert auf ihrem und seinen Platz. Manche tragen sogar dort ihre Maske. Man hat sich schon daran gewöhnt, dieses häßliche notwendige Scheißding zu tragen, wenn man sich in geschlossenen Räumen umher bewegt. Die Musiker-/innen und Dirigent Gabriel Feltz wirken dabei fast wie Vorbilder, wenn sie ihre Maske tragen und erst an ihrem Platz wieder ablegen. Es gibt viel zu verlieren: an Vertrauen, an künstlerischer Freiheit, an Geld, an kulturellen Leben. Etwas schmunzelnd dachte ich an einen fiktiven Postillon-Artikel, der als Neuheit eine bläser-kompatible Maske anpreist.

Weniger Besucher-/innen, dafür gefühlt mehr Personal. Es gab kaum einen Ort im ganzen Konzerthaus, wo kein Mensch in hellbraunem Filzblazer stand und ungefragt oder gefragt den Weg wies oder das – huch kostenlos! – Programm in die Hand drückte. Zu meinem eigenen Erstaunen empfand ich das nicht als aufdringlich. Die ausgeschilderten Wege entlang der Bar und nummerierten Tische wirkten aber fast schon lächerlich. Männleinlaufen – nur ohne Kaiser und Fürsten. Nun, wenn es hilft, dem elenden Virus das Leben zumindest schwer zu machen… bei allem Verständnis ist es anstrengend, immer an die Einhaltung all dieser Regeln zu denken.

Endlich wieder Live-Musik hören! Welche Freude… Dennoch bleibt das Gefühl, als ob man mit angezogener Handbremse fahren würde. Auf dem Programm standen Frédéric Chopins Klavierkonzert in f-moll sowie Erich Wolfgang Korngolds symphonische Serenade B-Dur. Beides Werke der Romantik und des 20. Jahrhunderts, das bedeutet: große Orchester. Warum gerade dies Werke? Warum dieses schwülstige Thema „Gefangen im Netz der Intrige?“ Das hätte es nicht gebraucht. Auch wenn man im Konzert nichts zu vermissen meinte: es blieb ein ungutes Gefühl der Unvollständigkeit, weil eben nicht so viele, nicht die volle, normale Anzahl an Musiker-/innen auftreten durften. Bis auf wenige Aussetzer ist den Dortmunder Philharmonikern* auch ein gutes Konzert gelungen. Die Freude am Spiel war allen anzumerken, das Publikum applaudierte aber eher verhalten, als ob es überlegen würde, ob Begeisterung und Freude in der Coronakrise zu zeigen überhaupt erlaubt sei. Glaubt man dem Programmhefttext von Markus Bruderreck, spiegelt Korngolds Serenade das erschrecken, die Hoffnungslosigkeit, Angst, Resignation und Hoffnung der Coronakrise wieder. Na dann passt´s ja – könnte man denken.

Aber dann doch wieder nicht. Händeschütteln oder gar Umarmen darf man sich nicht. Zu gefährlich wegen der möglichen Virusübertragung. Stattdessen stoßen Dirigent Feltz und Solist Bernd Glemser die Ellbogen aneinander. Kumpelhafte Geste? Könnte man meinen. Widersprüchlicher könnte es aber kaum sein: eine Berührung, die Verbundenheit symbolisieren soll, aber doch eine Abwehrhaltung zeigt. Mir wird immer unwohl bei dieser Art der Begegnung oder Berührung: denn als Verbundenheit kann die Berührung der Ellbogen kaum dienen. Eher daran, sich gegenseitig abzustoßen, sich durchsetzen zu wollen. Ein Symbol für die ‚Ellbogengesellschaft‘ eben. Auch wenn das an diesem Abend nicht so gemeint war.

Die gefühlte Leichtigkeit des Sommers ist vorbei. Das merkt man nicht nur an den Außentemperaturen. Diie Anzahl der Infizierten steigt wieder an. Dennoch: keine Konzertabsagen mehr bitte! Nicht nur, aber vor allem einsame Menschen brauchen Kultur! Vergesst den ewigen Streaming-Scheiß! Das kann nur vorübergehend eine Lösung sein. Menschen brauchen die Begegnung, denn wir sind keine Katzen, die Einzelgänger* sind. An dieser Stelle auch der Appell an die Politik: wenn Sie Fußballspiele erlauben, wenn sie die Wirtschaft ‚retten‘ wollen, dann kümmern Sie sich auch um die Solo-Selbständigen und Kulturschaffenden, die keine staatliche Förderung erhalten! Am 15.10.2020 gibt es dazu eine Demonstation in Düsseldorf.

Die Coronakrise bedeutet auch: jede-/r könnte ansteckend sein. Das erzeugt Mißtrauen und Unsicherheit. Ich selbst fühlte mich verletzt, als mich eine Kollegin anpflaumte, dass ich ihr zu nahe gekommen sei. Das war noch vor Einführung der Maskenpflicht. Ich war zu überrascht gewesen, um etwas zu erwidern. Aber bei aller gebotenen Vorsicht ist daran zu erinnern: NIEMAND darf wegen Covid-19 bloßgestellt oder fertiggemacht zu werden! Nicht jede-/r Infizierte ist schuld an seiner Infektion, war nicht zwangsläufig in einem Risikogebiet!

Wer noch nie oder nur selten von der Klassengemeinschaft in der Schule permanent ausgeschlossen wurde, weil man sich nicht die teueren Markenklamotten oder anderen Schrott leisten konnte, wer nicht zu denjenigen zählte, die als letztes oder gar nicht in die Mannschaft bei dem verdammten Spiel Völkerball gewählt wurde im grauslichen Schulsport, soll jetzt das Maul halten. Ich gehörte damals zu den Ausgeschlossenen, es gab keine Sozialarbeiter-/innen an dieser verdammten reaktionären Kleinstadt-schule, die diesen Konflikt beendet oder zumindest eingegriffen hätten. Denn auch wenn ich die Maskenpflicht, das Abstandsgebot, die Begrenzung von Gästen bei privaten Feiern für richtig halte: nichts ist schlimmer als soziale Isolation. Deshalb bitte von physical, nicht social distancing reden! Ganz ohne Covid-19, Lepra oder anderem Kranheitsscheiß behandeln Menschen ihre Artgenoss-/innen oft so, wie es NICHT sein sollte: als krank und aussätzig. Du gehörst NICHT dazu- das ist die vernichtende Botschaft. Darauf weist auch Unicef hin. An all die Wissenschaftsanbieter*, die ständig laut auf die Einhaltung der Corona-Regeln pochen: Lesen Sie das, bevor Sie jemanden verurteilen, die/der sich vermeintlich nicht ganz korrekt an die Regeln hält! Nur Verschwörungstheoretiker-/innen, die müssen weiterhin kritisiert werden, keine Frage.

An all die Wissenschaftsfans: Schön, dass Sie alles lesen, was der Wissenschaftsjournalismus Ihnen bietet. Machen Sie weiter so, dann haben ein paar Journalisten* weiterhin Arbeit und Einkommen. Aber denken Sie daran: Sie werden nur so lange der Wissenschaft frohlocken und gegen alle schimpfen, die auch nur einen Hauch von den Schutzmaßnahmen abrücken (weil ihnen z. B. die Maske unter die Nase gerutscht ist ganz unabsichtigt) oder das Verbot von Kulturveranstaltungen kritisieren,, solange sie selbst nicht völlig allein, isoliert im nach Desinfektion stinkenden gleißend weißen Krankenbett liegen. Mit striktem Besuchsverbot. Denn auch wenn Schutzmaßnahmen und Tests notwendig und sinnvoll sind: es muss grausam sein, einen voll verkleideten Menschen, der mich testen soll, vor mir zu haben. Ich bin die Aussätzige, die andere gefährdet. Auch wenn sich das Pflegepersonal zu Recht schützen will und muss und mehr Lohn zu bekommen hat. Das ist der Tenor. einige Menschen mussten sogar allein sterben, das ist entsetzlich. Darüber spricht niemand. Dazu muss ich auch sagen: Verstehen Sie mich nicht falsch. Den Verschwörungstheoriekram braucht auch niemand, sondern solide Wissenschaft. Wäre zu schön, wenn es überidische Mächte gäbe, die den Virus beseitigen können würden.

Und was die Party angeht: so verständlich und nachvollziehbar das Verbot für große Menschenansammlungen ist, gibt es eine Erklärung für das Bedürfnis, feiern gehen zu wollen. Die Coronakrise ist eine neue Erfahrung – und die Menschen werden lernen müssen, wie man feiern kann, ohne sich mit Covid-19 anzustecken. Kulturwissenschaftler Wolfgang Kaschuba bringt es auf den Punkt: „Epidemologen können Krankenhaus, aber nicht Gesellschaft.“

Ich hatte im Frühjahr einen runden Geburtstag. Schon allein wegen der Zahl war mir nicht nach Feiern zumute. Und wenn ich mit Menschen zusammensitzen muß, die fast wie Ladendiebe oder Ärzt-/innen aussehen (müssen), dann vergeht mir die Lust am Feiern – aber nicht am Konzertbesuch. Ich habe eine große Sehnsucht, dass das Leben endlich wieder normal wird! Dass man sich zur Begrüßung wieder umarmen kann. Dass man nicht ständig an dieses und jenes denken muss, damit Regeln eingehalten werden. Und damit sich endlich auch was in der Gesellschaft verändert, damit niemand mehr Angst vor der Zukunft (Klimawandel) haben muss. Der Radverkehr im Alltag hat in der Coronakrise zugenommen. Jetzt ist die Politik dran, endlich gute Wege und Verbindungen zu schaffen, den Autoverkehr einzuschränken. Bei meinen täglichen Fahrten scheint das noch unmöglich. Aber ich träume davon, endlich sicher und ohne jede Bedenken oder Angst unterwegs sein zu können, ohne in einer Blechkiste sitzen zu müssen.

Immer noch gefährlich für Radfahrende: die Schützenstraße Dortmund. Eigenes Foto.

3. Philharmonisches Konzert der Dortmunder Philharmoniker am 10.11.2015

Die kindliche Lust am Lärmmachen – das kam mir in dem Sinn, als ich der Solistin  des Abends, Evelyn Glennie, zusah. Sie ist die Solistin des Schlagzeugkonzertes „Der gerettete Alberich“ von Christopher Rouse (*1949), das Konzert wurde extra für sie geschrieben. Schnell kommen Vorurteile auf, dass Schlagzeug doch nichts besonderes sei, das sei nur Krach, die Percussionisten keine echten Musiker, weil sie eben nur draufhauen können. Aber halt: Percussion bedeutet nicht nur draufhauen können! Rhythmus und Fingerfertigkeit sind gefragt.

Schlagzeugkonzerte sind was Seltenes, denn Schlagwerk spielt meist nicht die Hauptrolle in der Musik für Orchester. Mächtig viel Schlagwerk ist bei diesem Konzert auf der Bühne aufgebaut: ganz links liegen auf dem Boden mehrere Guiros, eine Art Holzratsche, die mit einem darüber gestrichenen Stab gespielt werden (ratterndes, knatterndes Geräusch). Dazu muß sich die Solistin bücken… Evelyn Glennie macht das mit einer Ruhe und ohne Schwierigkeiten, als dass ihr z. B. ihre langen grauen Haare irgendwie im Weg wären… Bemerkenswert auch, dass sie komplett barfuß auf der Bühne umhergeht!  Wohl, um den Rhythmus noch mehr zu spüren, weil ihre Ohren selbst kaum was hören, seit dem 12. Lebensjahr ist dies schon so. An sich ist es einem sonst unangenehm, wenn man auf einer Fläche steht und diese vor Musik/Rhythmus bebt… Die nackten Füße  fallen nur nicht weiter auf, weil sie weit geschwungene Hosen trägt. Neben den Guiros Bongos, Tom-Toms, Timbales…. auf der rechten Seite neben dem Dirigentenpult (vom Publikum aus gesehen) ein Marimbaphon und bei der letzten ‚Station‘ ein Drumset wie bei einer Rockband oder BigBand. Und daneben ganz am Rand noch eine Art Metallschüssel, die an zwei Fäden hängt: Steel Pan. Wenn man darauf mit Stöckchen schlägt, erinnert das an Calypso, an Hawaii. Während der Aufführung muß die Solistin immer wieder hin- und hergehen, um die einzelnen Schlaginstrumente zu spielen; obwohl man ihr einmal ansieht, wie ihre Hand vor Aufregung zittert, kommt dennoch auf der Bühne keine Unruhe auf. Die Orchestermusikerinnen und -musiker lassen sich nicht aus der Ruhe bringen; nur im letzten Teil mehrkt man, dass Solistin und Orchester nicht ganz im Takt sind (bei der Passage, die nach BigBand klingt).

Ah und dann sind da natürlich noch die drei Schlagwerker im Orchester selbst: die Pauken, einerder die Glockentöne mit dem Hammer anschlägt und einer mit Glockenspiel, Gong und einer Metallwand, die immer wieder mal geschüttelt  wird, so dass es ein blechernes Geräusch gibt. Wenn alle drei und die Solistin zeitgleich aktiv sind und durch das zurückgenommene Orchester mehr zu hören sind dann wirkt es wie das, was ‚Konzert‘ bedeutet: ein Wettstreit. Allerdings einer, bei dem man schmunzeln muß. Hier geht es nicht darum, den andern fertig zu machen, sondern darum, miteinander zu spielen. Und das klappt erstaunlich gut! Am schönsten ist es, wenn Orchester und Schlagwerk direkt in Dialog treten: ganz deutlich merkt man das beim Klang des Marimbaphons mit der Harfe. Das hätte noch ein paar schöne Takte so weitergehen können….

Als Thema hatte Komponist Christopher Rouse die Geschichte aus Richard wagners „Nibelungen“ als Vorlage genommen. Die Figur Alberich wird in der Oper „Das Rheingold“ von den Rheintöchtern verspottet, all seine Mühe nützten nichts.  Schließlich schmiedet er nicht nur den Unheil bringenden Ring, sondern verflucht auch die LiebeIm Laufe der „Fantasie für Solo-Schlagzeug und Orchester“ wie das Konzert auch genannt wird, werden Motive aus allen Teilen des „Rings verwendet, Rouse beginnt mit dem Ende der „Götterdämmerung“, der Solistenpart ist Alberich, der – musikalisch gesehen – auf die Bühne stürmt. Die Musik schwillt im letzten Satz immer mehr und mehr zu einem bedrohlichen Sturm an, das Drumset wird heftigst traktiert, alles ist in Bewegung – ein Höllenlärm. Und dann plötzlich: fast Stille. Am Ende sind nur noch die Kontrabässe zu hören. Entgegen jeden Vorurteils mit sauberem, leisen, schönem Klang, kein Knarzen und Kratzen stören diesen Schluß. Laut und leise bestimmen das Konzert, mit vielen Nuancen – das macht es so spannend, zuzuhören. Die Guiro, die das Konzert begonnen hat, beschließt es auch wieder. Alberichs Wüten hat ein Ende.

Als Zugabe machte Evelyn Glennie eine Ansprache ans Publikum – sehr erstaunlich für jemanden, der/die nicht hört. Denn wer nciht hört, der spricht meist nicht, auch wenn die Sprechwerkzeuge in Ordnung sind, ganz einfach, weil er/sie ncihts hört. Es folgte ein Solo auf der Snaredrum, das Instrument, dass sie nach eigener Aussage mit auf eine einsame Insel nehmen würde…. dabei lotet sie alle Spielmöglichkeiten aus, die es bei einer Trommel gibt: verschiedene Haltungen der Sticks, mit verschiedenen Teilen des Sticks auf die Membran schlagen, das ergibt jedes Mal ein anderes Geräusch. Nichts, dass man sich stundenlang anhört – aber im Zusammenspiel mit dem Orchester ein insgesamt lohnenswertes Konzert! Am Ende gab es höflichen Applaus, auch ein paar begeisterte waren wohl dabei, auch einige Buh-Rufe. Als Solistin wirkt Evelyn Glennie auch nicht überheblich. Sie spricht mit dem Publikum und geht am Ende zu den Percussionisten im Orchester und bedankt sich für das Zusammen-Spielen.

Umrahmt wurde das zugegeben doch schräge Schlagzeugkonzert von Richard STrauss´Tondichtung über den größten Schürzenjäger der Geschichte, „Don Juan.“ Naja, wer Strauß mag. Für die Dauer dieser Tondichtung ist seine Musik ok, ein paar schöne Passagen sind zumindest dabei.

Am Ende nach der Pause gab es Beethovens 7. Symphonie. Jetzt würden auch die Kritiker-/innen des Schlagzeugkonzerts milde gestimmt und friedlich in den Abend entlassen…Es war wunderbar, diese Musik mal live statt nur von CD zu hören. Ich entdeckte manches, was ich beim CD-Hören überhört hatte… Im Programmheft sind außerdem ein paar interessante Details zu lesen, dass die Uraufführung dieser Symphonie den Gefallenen der Napoleonischen Kriege gewidmet gewesen war (daher der 2. Satz als eine Art Trauermusik). Auch soll dieser 2. Satz Beethovens Trauer über eine verlorene Liebe zeigen; einer Frau, der er sehnsuchtsvolle briefe geschrieben haben soll, deren Identität aber bis heute nicht geklärt ist.

Das Orchester spielte wunderbar – aber ich wurde während der ganzen Symphonie und danach den Eindruck nciht los, dass die Musikerinnen und Musiker mit diesem Dirigenten Mario Venzago irgendwie nicht können. Da wird schon öfter mal grimmig zum Dirigenten geschaut oder genervt oder gleichgültig oder gelangweilt die Noten angesehen beim Spielen. Venzago jedoch macht unverzagt weiter, manchmal wirkt es fast zum Lachen, weil er sich gar so weit vorbeugt um den Celli den Einsatz zu geben oder ihnen zu sagen, wie sie spielen sollen. Gehört hat man diese scheinbare oder tatsächliche Unstimmigkeit zwischen Dirigent und Orchester aber nicht. Das sind eben Profis…

verführungs_kunst: 3. Philharmonisches Konzert im Konzerthaus Dortmund.

Weitere Aufführung: MIttwoch, 11. November, 20 Uhr.

https://www.konzerthaus-dortmund.de/de/programm/konzertkalender/100221140/

WP_001407