Geiles Wetter? Naja…

Schon Juni… in Zeiten der #Coronakrise kann man schon mal die zeitliche Orientierung verlieren. Auch wenn man fast jeden Tag zur Arbeit fährt. Langsam gibt es in jedem Bundesland Lockerungen, damit das gesellschaftliche Leben endlich, endlich wieder stattfinden kann. Geht es weiter, das Leben?

Regen, aber nicht unbedingt Kälte auf dem Arbeitsweg.

Es scheint so. Ich bin eher mißtrauisch, was die Zukunft angeht (siehe mein letzter Blogeintrag „Da müssen wir jetzt durch.“). Die gehaßte, verurteilte Maske muss ich jetzt auch aufsetzen, bei mir ist es ein Stofffetzen. Ob es was bringt, sei dahingestellt. Blöd komme ich mir vor, als ob ich den Laden, den ich damit betrete, überfallen würde wollen. Der Sicherheitsdienst eines Drogeriemarktes konnte über diese Worte aber sogar lachen. Andere bekommen leider durch ihre Tätigkeit als Wachhund am Eingang von Supermarkt, Drogeriemarkt u.a. plötzlich ein künstliches Selbstbewußtsein, das gern in Imponiergehabe gipfelt. Einfach nur dumm. Kaum gibt man manchen Menschen Macht, schnappen sie über. Armselige Gestalten eigentlich.

Ohne Maske oder Stofffetzen kommt man in kein Gebäude während der #Coronakrise.

Und jetzt also Juni. Die Kühle der Eisheiligen im Mai ist längst vorbei, der Sommer steht nicht mehr in den Startlöchern, er ist schon da. Zumindest der Frühsommer (oder, was meinen die Expert-/innen, verehrter @DWD , Deutscher Wetterdienst?). Plötzlich sind Hosen und Röcke kürzer, die Unverschämten unter den Damen tragen untenrum kurz, ohne sich vorher die Überreste der Evolution abrasiert zu haben. SKANDAL! SO unordentlich in der Öffentlichkeit herumlaufen, ja geht´s denn noch?

Ich gehöre auch zu diesen Unverschämten. Weil ich keinen Bock auf dieses Schönheitsdiktat habe. Auch wenn ich noch die dummen Bemerkungen mancher Gleichaltriger – wohlgemerkt meist Frauen – im Ohr habe, dass das „unhygienisch“ und „unordentlich“ sei. Die ehemalige Chorleiterin meines Studierendenchores hatte das auch bemängelt, wenn ich keine Feinstrumpfhose tragen wollte. Die Überreste der Evolution, also die Haare auf den Beinen, deren Betrachtung oft genug auch Haare auf den Zähnen erfordert, sind KEIN ZEICHEN von Nicht-Hygiene oder Alter. Sie sind seit dem Erwachsenwerden einfach DA. Oder wer würde einem Mann mit behaarten Beinen Vorwürfe machen, er sei nicht ordentlich? Die Haare im Gesicht, auch Bart genannt, will auch niemand zwangsrasieren (auch wenn man darüber streiten kann, ob ein Bart á la Johannes Brahms oder Karl Marx gut aussieht. Muss die jeweilige Partnerin oder Partner wissen).

Und das wird eben bei dieser Witterung mit Temperaturen 25°C und mehr plus strahlendem Sonnenschein so deutlich.

„Ist das Wetter bei euch auch so geil?“ fragte mich ein Freund vergangenes Wochenende am Telefon. Während der Coronakrise telefonieren wir öfter, was mir aufgrund der stark eingeschränkten Sozialkontakte gut tut. So vieles hätte ich zu sagen, zu fragen, aber ich weiß oft nicht, wohin damit. Eigentlich sollte ich jetzt, statt Blog zu schreiben, auch besser schlafen, morgen muss ich verhältnismäßig bald raus, um zu dem verdammten Waschsalon zu fahren.

auf zum Waschsalon und Waschmittel nicht vergessen!

Die Waschmaschine ist leider defekt, Kurzschluss, der zum Stromausfall führte, nach dem Wasserkocher das 2. Ding, das nach dem Umzug verreckt ist (Wasserkocher habe ich genug). „Waschsalon ist doch günstiger“ meinte heute ein Bekannter und regelmäßiger Besucher des Massen-Katzenfernsehens, das die Bullaugen der Waschmaschinen sind. Aber es ist viel stressiger: erst Lastenrad ausleihen, Wäsche zum Salon fahren (etwas weiter weg, weil das Publikum im eigenen Stadtteil eher nervt, zumindest das im Waschsalon). Dabei muss ich oft an den Film „Mein wunderbarer Waschsalon“ denken, den wir damals als SoziologieStudis an der Uni Jena angesehen hatten. Eine traurige Geschichte darüber. was Rassismus kaputt machen kann. Aber zurück zur Realität im Heute : Wäsche sortieren, rein richten in die Trommeln… kurz Pause, dann retour. Und mittag das Rad wieder zurück geben müssen, weil danach leider wieder der Brotjob ruft. (Zugegeben, ich bin auch kein As im Organisieren).

Sommerabend am Phönixsee Dortmund.

Das alles geht bei dem „geilen“ Wetter nicht so gut. Radfahren, dazu gehören eben auch die alltäglichen Besorgungsfahrten mit dem Lastenrad, ist wesentlich angenehmer bei Temperaturen um die 15 oder max 18°C. Denn so schön es ist, keine dicke Jacke, Mütze, Handschuhe oder klobige, weil stabile Schuhe gegen Nässe und Kälte zu brauchen: die Hitze knallt gnadenlos herunter und verbrennt die Haut. Stechviecher surren herum und stürzen sich auf das leckere Menschenblut (ein Segen ist es, wenn man welches hat, was sie nicht mögen!). Und es gibt leider auch immer Zeitgenossen*, die schauen dich schief an, wenn du schwitzt. Zur Erinnerung: man MUSS schwitzen, sonst würde man ersticken. Auch bei regelmäßiger Wäsche. Nun, ich weiß nicht, ob es für den Menschen angenehmer wäre, zu hecheln wie ein Hund… Umso wärmer es ist, umso besser fliegen auch die Pollen. Gerne hätte ich auf diese verdammte Zivilisationskrankheit namens Heuschnupfen verzichtet. Ohne Sonnenbrille, auch wenn sie nicht mehr ganz der aktuellen Sehstärke entspricht, geht es bei grellem Sonnenschein nicht mehr. Momentan fehlt mir auch das Geld für den dringend benötigten Sonnenschutz in der Wohnung, einem Plisee.

Ob das Wetter, sonnung und warm nun toll ist oder nicht: das ist immer eine Frage der Perspektive. Besagter Freund war schon immer eher einer, der leicht friert. Allerdings kann man auch nicht immer festlegen, dass schlanke Menschen leicht frieren und dicke eher nicht (die Bezeichnung „dick“ ist nicht negativ gemeint. Meine leichte Wampe ist mir im Gegensatz zu anderen Personen oder Dingen schon immer treu). Eine ehemalige Chefin meines damaligen Nebenjobs als Studierende hatte die Figur einer Tonne, sie fror nach eigener Auskunft leicht. Ebenso ein Bekannter heute. Ein ehemaliger Chorkollege, Statur Rainer Calmund, also auch eine Tonne, lief sogar bei Minustemperaturen mit offener Jacke herum, meine war dann immer geschlossen. Was endlich aufzuhören hat, ist zweierlei: die Verachtung für Menschen mit behaarten Beinen und das Dicken-Bashing.

Es gibt aber auch noch eine andere Sache, die bei mir Unbehagen bei strahlendem Sonnenschein und gleißender Helligkeit auslöst: Ist das normal, dass an zwei aufeinanderfolgenden Tagen, 15, und dann plötzlich 25°C gemessen werden? In den Nachrichten wird immer wieder über Trockenheit berichtet, wie sehr Bäume und die Landwirtschaft leiden würden. Danke Ihr dummen Menschen für den Klimawandel. Auch deshalb mag ich zwar den Sommer – aber nicht diese extreme Hitze. Ich versuche, das meinige dafür zu tun. Man kann nur hoffen, dass es die Menschheit schafft, diese Katastrophe Klimawandel noch abzuwenden.

Schon zu spät, um den Klimawandel aufzuhalten?

Offener Brief an die Polizei Gladbeck und die Westdeutsche Allgemeine Zeitung Gladbeck: CM Gladbeck

Offener Brief an die Polizei Gladbeck und an die Westdeutsche allgemeine Zeitung Gladbeck (WAZ)

Betrifft: Critical Mass in Gladbeck, Vorfall am Freitag den 18. Oktober 2019

Sehr geehrte Medienvertreter-/innen, sehr Damen und Herren der Gladbecker Polizei, sehr geehrte Autofahrerinnen und Autofahrer.

Am 18. Oktober 2019 war ich aufgrund eines anderen Termins nicht bei der Critical Mass (kurz: CM) in Gladbeck mit dabei. Als langjährige Mitfahrerin verschiedener Critical-Mass-Treffen sehe ich es aber als geboten an, ein paar Hinweise zu den Aussagen der Gladbecker Polizei zu geben. Ich betone, dass ich für keine der im Text genannten Critical-Mass-Touren eine Organisatorin oder Veranstalterin bin. Ich bin nur eine der vielen Teilnehmerinnen und ADFC-Mitglied. Der ADFC ist ebenfalls nicht der Organisator von einer CM, Mitglieder des ADFC sind eben bei den Stadtrundfahrten der CM dabei.

Ich glaube, dass in dieser Sache einiges schiefläuft, was man an den Aussagen der Polizei Gladbeck  ablesen kann. Die Auswahl des Verkehrsmittels bestimmt das Denken und somit auch die Aussagen einer Person. Warum wollten Sie am 18. Oktober alle Fahrräder konfiszieren? Warum sollen nicht einmal im Monat eine Gruppe Radfahrende durch die Stadt Gladbeck fahren? (Bekanntgabe der Ereignisse durch verschiedene Teilnehmer auf der Facebook-Seite der CM Gladbeck).

 Die Tatsache, dass – scheinbar plötzlich – viele Radlerinnen und Radler auf einmal auftauchen und durch die Stadt fahren? Wenn Sie über eine größere Menge Radfahrerinnen und Radfahrer überrascht sind, warum sind Sie es nicht jeden Tag, wenn Massen von motorisierten Fahrzeugen, meist PKW, unsere Straßen verstopfen? Es mutet schon eigenartig an, dass niemand gegen diese Blechlawinen z. B. auf dem Innenstadtring von Dortmund, dem „Wall“ oder in Essen auf der Gladbecker Straße protestiert, aber wegen einer im Monat einmaligen größeren Menge an Radfahrer-/innen gleich eine Verkehrsbehinderung sieht, die sofort beseitigt werden müsse.

 Fahrräder sind Fahrzeuge, die auf der Straße fahren dürfen (§63a STVZO), solange es keine benutzungspflichtigen Radwege (blaue Schilder mit Fahrradsymbol) gibt. (Dass diese oft nicht benutzbar sind, weil sie zugeparkt oder verdreckt sind, ist bei einem „Verband“ wie der CM nicht von Bedeutung, sehr wohl aber im Alltagsverkehr, der auch Radverkehr ist). Einzige Ausnahme der Verweigerung, Fahrradfahrer-/innen auf die Straße zu lassen, könnte fehlendes Licht sein (§ 67 STVZO).

Sehr geehrte Damen und Herren von der Gladbecker Polizei. Ich habe den Eindruck, dass Sie fast ausschließlich wie Autofahrer-/innen denken und somit die Sicht eines Autofahrers auf den Stadtverkehr haben.

Dass es Ihnen ungewöhnlich, – vielleicht sogar bedrohlich, weil nicht beherrschbar – erscheint, wenn viele Radfahrer-/innen als große Gruppe unterwegs sind liegt schlicht und einfach daran, dass Sie diese Situation nicht oder kaum kennen. Deutschland ist leider unvernünftiger Weise immer noch ein Autofahrerland. Jeder Mensch, der/die etwas Ungewöhnliches, unbekanntes sieht, reagiert zuerst meist abweisend oder unsicher. Das ist an sich normal. Doch dabei darf man nicht stehen bleiben.  Der Autoverkehr hat in Deutschland immer noch einen großen Anteil, weshalb Sie wohl gewohnt darin sind, hauptsächlich diesen zu regulieren, vermute ich.

Fakt ist: in vielen Städten hat der Autoverkehr immer noch Vorrang, was zu Konflikten mit Radfahrer-/innen führt. Bei Stadtratsbeschlüssen wird viel mehr auf die Belange des Autoverkehrs Rücksicht genommen, die Radfahrerlobby hat meist nur wenig Stimmgewicht. Was nicht heißen soll, dass es das Engagement von z. B. VeloCityRuhr, dem ADFC oder der Initiative „I bike Nbg.“ nicht zu würdigen sei. Das zeigt sich schon allein daran, wieviel Platz dem motorisierten Verkehr zugestanden wird: mehrere Spuren für eine Richtung, während Radfahrende sich den wenigen Platz auf dem Bürgersteig teilen sollen.

Bereits im Juli 2019 wurde in den Medien berichtet, dass der Mensch zu verschwenderisch lebt und bereits die Ressourcen seiner Kinder aufbraucht https://www.umweltbundesamt.de/themen/earth-overshoot-day-2019-ressourcenbudget

Der Klimawandel ist unübersehbar und spürbar. Und dann wollen viele immer noch auf das Auto als innerstädtisches Verkehrsmittel setzen??

Als langjährige Mitfahrerin der Critical Mass in Nürnberg, Erfurt, Dortmund, Wuppertal und Bochum, Bottrop und Duisburg denke ich, dass es vergangenen Freitag den 18. Oktober 2019 bei der CM Gladbeck zu einigen Missverständnissen gekommen ist.

1.) Straßenverkehrsordnung:

Es ist erlaubt, auch als Radfahrerinnen und Radfahrer im Verband zu fahren (§ 27 1 StVO). Die Critical Mass bietet für manche Menschen auch die Gelegenheit, in friedlicher Atmosphäre Gleichgesinnte zu treffen, miteinander zu plaudern (vor allem vor und nach der Fahrt) und eine schöne Zeit zu erleben. Und das für umsonst. Nicht jede(r) hat das Geld, immer in eine Kneipe oder Lokal zu gehen, um Freunde zu treffen. Eine friedliche Versammlung von Menschen – mehr kann man sich als Ordnungshüterin, als Polizei doch nicht wünschen, oder? Wenn sich spontan ein Autokorso nach einem Fußballsieg bildet, ärgern Sie sich doch auch nicht und wollen diesen auflösen… zumindest konnte ich das noch nie beobachten.

2.) Entgegen Ihrer Befürchtung, es würde durch die vielen Radfahrer-/innen bei der CM zu Unfällen kommen, sind bei jeder CM Regeln zu beachten, die auch auf den Facebook-Seiten einer jeden Ankündigung deutlich genannt sind. Gegenseitige Rücksichtnahme, flüssiges Fahren und nicht quer in die Gruppe fahren, funktionierendes Licht, freundlicher Umgangston sind nur ein paar wichtige Regeln, an die sich jede(r) zu halten hat. Die CM Berlin hat dies auf http://criticalmass-berlin.org/critical-mass/verhaltensregeln/

gut zusammengefasst. Diese Regeln gelten für alle CMs auf der Welt.

 Wer Regeln nicht befolgt, wird meist sofort von anderen Mitfahrenden gerügt, ggf. sogar ausgeschlossen. Dies alles schließt eine besondere Rücksichtnahme für Kinder ein. Es ist deshalb nicht unverantwortlich, seine Kinder mit zur CM zu nehmen. Bei der CM in Dortmund konnte ich außerdem beobachten, dass die CM Einsatzfahrzeugen mit Blaulicht sofort Platz machte, damit sie zu ihrem Einsatz (der nicht die CM betraf) fahren konnten. Das Martinshorn ist schließlich nicht zu überhören: diejenigen, die es zuerst hören, informieren durch lautes Rufen sofort die anderen Teilnehmer-/innen, so dass alle Radfahrer/-innen hintereinanderfahren und eine lange Reihe bilden, an der jedes Einsatzfahrzeug schnell vorbeifahren kann.

Idioten gibt es überall und immer, nirgends gibt es keine ‚perfekt‘ funktionierende Gruppe. Weder bei Radfahrenden, noch bei Brillenträgern, bei Sportler-/innen oder auch Musiker-/innen etc. Bei der CM Wuppertal fuhr mir auch mal ein Radler quer durchs Feld vor mein Rad, ohne dass dafür ein Grund gegeben hätte. Ich habe ihn sofort zur Rede gestellt – da war er plötzlich ganz still. Wer z. B. Bei der Critical Mass Nürnberg kein Licht hat, darf gar nicht mitfahren.

Jeden Tag stauen sich Massen von Autos, die auch noch die Luft verschmutzen und stinken, auf den Straßen einer Stadt.Und wenn einmal im Monat eine Masse von Radlerinnen und Radlern durch die Stadt fährt, zeigen Sie sich entsetzt?

Warum sind Sie nicht entsetzt, wenn jeden Tag Massen von Autos durch die Stadt rollen oder besser – meist nur rumstehen, weil es aufgrund des Staus minutenlang (und länger) nicht weitergeht?

Die CM Dortmund in der Fußgängerzone, wo ab 20 Uhr Radfahren erlaubt ist. Und so gut sichtbar! Foto: A. Steger

3.) Hauptgrund für Unfälle mit Radfahrern: fehlende Infrastruktur und Autofahrer-Denken

Ich bin mir sicher, dass die Mehrzahl der CM-Teilnehmerinnen und Teilnehmer genau wie Sie als Polizei an einem störungsfreien Straßenverkehr interessiert sind. Das heißt: jede/r Radfahrer-/in möchte sicher unterwegs sein in der Stadt. Sicher als Radfahrer-/in unterwegs sein ist nur möglich, wenn es eine gute Radinfrastruktur gibt.

Ja, Sie haben richtig gelesen: eine INFRASTRUKTUR FÜR RADFAHRERinnen. Damit sind nicht nur Radwege gemeint (Nur ein paar Tips für eine gute Gestaltung: http://www.adfc.de/verkehr–recht/radverkehr-gestalten/uebersicht-radverkehr-gestalten) . Seltsam, dass bei Stadtratsberatungen und -beschlüssen so gut wie immer an die Bedürfnisse des Autoverkehrs gedacht wird. Der Radfahrer stört im Stadtverkehr dann nur – klar! Weil er nicht bei der Planung berücksichtigt wurde, muss er eben auf der Straße fahren, über Fußgängerüberwege fahren, gefährliche Kreuzungen nehmen, dem Autofahrer scheinbar „im Weg sein“, unfreiwillig im „Toten Winkel“ stehen, will er oder sie seinen gewünschten Weg zur Arbeit u.a. zurücklegen. Zum „Toten Winkel“, den es eigentlich nicht mehr geben müsste, finden Sie am Ende des Briefs ebenfalls noch Informationen.

Die Critical Mass weist allein durch ihre Präsenz auf die fehlende Infrastruktur hin. Auch wenn die Nürnberger Polizei von „Verkehrsbehinderung in ihrem Bericht spricht (S. 111 von: https://www.polizei.bayern.de/content/4/3/7/4/5/sicherheitsbericht_2018.pdf ), beschreibt sie die Critical Mass Nürnberg als störungsfrei. Ihre Nürnberger Kolleginnen und Kollegen sind übrigens zumindest auf Motorrädern dabei, Ihre Kölner Koll. Mit Fahrrädern, letzteres stärkt die Glaubwürdigkeit und auch ein Stück Vertrauen in Sie als Behörde. Und das können Sie sich von den Bürgerinnen und Bürgern schließlich nur wünschen. Rufen Sie die Polizei Mittelfranken in Nürnberg gerne an: sie kommt mit tausenden von Fahrradfahrer-/innen auf einmal gut zurecht ( : https://www.br.de/nachrichten/bayern/rekordbeteiligung-bei-fahrrad-demo-in-nuernberg,QqVGXuy ). ( https://www.polizei.bayern.de/?uigmd=N%C3%BCrnberg&gdts=564000001&gmds=564000&gmdklartext=90403%20N%C3%BCrnberg )

  Dass die Autofahrer-/innen sich durch die CM gestört fühlen, ist dabei völlig klar und auch beabsichtigt: einmal im Monat er-fahren Autofahrer-/innen wie es ist, ausgebremst und blockiert zu werden. So wie es Radfahrer-/innen jeden Tag im Stadtverkehr geht. Ich habe bei Mitfahrten in verschiedenen Städten beobachtet, dass Radfahrer-/innen, die den zügigen Fluss von Radfahrern an Kreuzungen sichern, indem sie sich vor die Autos stellen („corken“), dass sie das höfliche Gespräch mit Autofahrern suchten. Anfauchen oder Anschreien von Autofahrern widerspricht den Regeln einer jeden CM.

Sicherer Radverkehr braucht eine radfahrfreundliche Infrastruktur, die u. a. Der Allgemeine Deutsche Fahrradclub = ADFC immer wieder fordert und darüber informiert. Außerdem braucht es bei der Polizei und vielen Bürgerinnen und Bürgern ein Umdenken, dass Radfahren nicht nur etwas für den Sonntagsausflug ist. Das Fahrrad ist ein gleichberechtigtes Verkehrsmittel zum Auto, mit dem man zur Arbeit fährt, zum Einkaufen, zu Freizeitaktivitäten – eben was viele auch mit dem Auto machen. Erst wenn man nicht nur wie ein Autofahrer denkt, sondern auch mal vom Fahrrad aus durch die Stadt fährt, versteht man die Bedürfnisse der Radfahrer.  Auto als Statussymbol? – das war einmal, das kenne ich noch von meinem Vater; der war Jahrgang 1942. Nur in den 1950er Jahren galt jemand arm, der Rad fuhr. Mit dem Angebot an guten (und auch hochpreisigen, qualitativ sehr guten Rädern) sollte dieses Denken im Jahr 2019 eigentlich endlich Schluss sein. Erst recht in einer Zeit, in der Umdenken sehr nottut, weil der Klimawandel unsere Lebensgrundlagen bedroht. Sie möchten auch nicht, dass Ihre Enkel oder die Kinder Ihrer Enkel im Bunker aufwachsen müssen.

Wenn eine gute Infrastruktur vorhanden ist und das Denken nicht auf das Auto mehr beschränkt ist, fühlen sich alle Verkehrsteilnehmer-/innen sicher – und es gibt weniger Unfälle.

Tip: fragen Sie doch mal bei der Polizei in den Niederlanden (so weit ist das von NRW aus ja nicht) oder Kopenhagen nach. Die muss jeden Tag mit einer Masse von Fahrradfahrerinnen und Fahrradfahrern fertig werden. Konflikte, Ärger und Unfälle nicht ausgeschlossen. Sind eben alles Menschen, die auf den Sätteln sitzen. Aber es funktioniert – weil die Niederländer-/innen und Dän-/innen rechtzeitig, also schon vor Jahren mit dem Umdenken angefangen haben. In den Niederlanden waren es zu viele tote Kinder im Straßenverkehr, die zu massiven Protesten der Bevölkerung gegen die Stärke und empfundene Übermacht des motorisierten Verkehrs zu einem Umdenken geführt haben.

Ein belgischer, aus Nordbayern stammender Stadtplaner hat seine Projekte in einem sehr informativen Vortrag vorgestellt. Vor allem sein Konzept „rundum Grün“ zeigt, dass es nicht mehr Unfälle gibt, weil es mehr Radfahrende auf den Straßen gibt. Die Stadtverwaltungen haben seine Vorschläge nach anfänglicher Kritik als gut befunden: https://www.nordstadtblogger.de/wenn-die-stadt-fuer-menschen-statt-autos-gebaut-ist-stefan-bendiks-ueber-innovative-mobilitaetskonzepte-der-zukunft/

In beiden Ländern, den Niederlanden und Dänemark gilt: Nicht komplett gegen das Auto – aber mit dem Fahrrad als völlig gleichberechtigtes Verkehrsmittel im Stadtverkehr. Deutsche Autofahrer-/innen müssen lernen, mit Radfahrenden zu rechnen: sei es, wenn sie abbiegen wollen, die Autotür öffnen, die Spur wechseln etc. Nur so kann ein gutes Miteinander gelingen: durch Anerkennung des Radverkehrs, nicht durch das Tragen von Warnwesten und Helmen. Beide Maßnahmen können die/den einzelnen mehr Sicherheitsgefühl geben – aber Sicherheit bieten sie nachweislich nicht – das geschieht nur durch Anerkennung von Radfahrenden als gleichberechtigte Verkehrsteilnehmer-/innen.

Auf weiterhin friedliche und fröhliche CMs freut sich

Mit freundlichem Fahrradgeklingel

Angelika Steger

Quellen:

Verbände: § 27 StVO: https://www.gesetze-im-internet.de/stvo_2013/__27.html

Zulassung von Fahrrädern auf der Straße § 67 StVZO https://www.gesetze-im-internet.de/stvzo_2012/__67.html

Weiterführende Informationen:

Mobilität von gestern - und heute. Foto: A. Steger
Mobilität von gestern und heute. Foto: A. Steger