Die Last der Lastenrad-Ausleihe

Lastenräder sieht man immer häufiger im täglichen Straßenverkehr. Die Fahrer-/innen bringen damit ihre Kinder zum Kindergarten, so daß nicht noch mehr „Elterntaxis“, also PKWFahrer-/innen mit meist übergroßen Autos, sogenannten SUVs die öffentlichen Straßen benutzen und für noch mehr Straßenverkehr, Lärm und Abgase sorgen. Oder es wird beim Baumarkt, Getränkemarkt oder eben im Supermarkt eingekauft. Lastenräder sind größer als ein normales Zweirad, brauchen aber wesentlich weniger Platz als ein PKW – diese Räder sind wie gemacht für den Stadtverkehr. Denn die meisten Autofahrer-/innen transportieren meist nur eine Einkaufstasche und nicht, wie oft behauptet, gleich einen Kofferraum voller Waren oder täglich die fußkranke Verwandten zum Arzt/Ärztin.

Es macht durchaus Sinn, daß nicht jede*r ein Auto besitzt, denn es gibt Mietmodelle für Autos, z. B. carsharing. So könnte man auch über den Besitz von Lastenrädern denken. Abgesehen davon, daß mir das nötige Kleingeld für so ein tolles Rad fehlt, wüßte ich auch nicht, wo ich es sicher abstellen kann. Deshalb müssen vernünftige Leihsysteme her. In den letzten Jahren hat sich in Dortmund schon etwas getan. Aber das Angebot an Leih-Lastenrädern in Dortmund reicht bei weitem noch nicht aus, v.a. in den Sommermonaten. Im folgenden gibt es einen Überblick über die Verleihsituation von Lastenrädern im Stadtgebiet Dortmund.

Als ich 2015 nach Dortmund kam, sah ich zufällig einen Vertreter der Initiative VeloCityRuhr auf dem Campus mit einem roten Bullitt fahren. Die Infos waren bald besorgt, das Lastenrad immer wieder ausgeliehen. Einen Fahrbericht darüber kann man hier nachlesen.

Ein einziges Lastenrad für eine Stadt mit 500.000 bis 600.000 Einwohner-/innen? Es war klar, daß das nicht ausreicht. Und bei allem Enthusiasmus stößt man bei einem Lastenrad ohne Motor auch bald an die eigenen Grenzen… ab 10 Streckenkilometern mit mehr oder minder vollgeladener Wanne wird die Fahrt bei eher hügeligem Gelände zur Schinderei. Ich probierte den ULF aus, das Unnaer Lastenrad. Große Ladefläche, ruhiger Gang, gemütliches Rad. Auch diese Ausleihe ist kostenlos, es wird um Spenden gebeten. Soweit zu den Vorteilen. Der Nachteil dieses Rades: weiter Anfahrtsweg (rund 12 km) und als eine Art Hollandrad nicht wirklich für hügeliges Gelände, wie es zwischen der Verleihstation, der Radstation am Lünener Hauptbahnhof und Dortmund, meinem Wohnort, zu finden ist, geeignet. Man merkt bei diesem „bakfiets“, daß es für die Ebene gemacht ist – da rollt es auch mal schneller als 15 km/h. Aber ja nichts überstürzen, 20 km/h, da ist dann beim ULF aber wirklich Schluß mit der „Schnellfahrerei.“

Auch das Essener Lastenrad ELa (auch ein Bullitt wie der rote Rudolf) probierte ich in meinem Enthusiasmus aus. doch das war dann wirklich zu viel, 40 km Anfahrt zu haben. (Inzwischen gibt es auch E-Lastenräder in Essen zu leihen). Zurück brachte ich das Rad mit dem Zug, was auch keine Freude macht. Schon ein normales Rad ohne große Ladefläche auf einen Bahnsteig zu bringen ist in Deutschland eine Katastrophe, bei der „Pommesbude mit Gleisanschluß“ wie ein ehemaliger Oberbürgermeister den Dortmunder Hauptbahnhof zu Recht mal spöttisch nannte. Dort wird seit Jahren gebaut und gemacht. Und hey, ein Riese+Müller Packster 60 passt sogar in den neu errichteten Aufzug zu Gleis 23! (Warum das wichtig ist, dazu später mehr).

Im Frühjahr des Jahres 2020, als der Schock über die Coronakrise Geschäfte, das öffentliche Leben und auch den Geist eines jeden denkenden Menschen nahezu lahm legte, gab es eine unter den wenig guten Nachrichten: die Bezirksvertretung Innenstadt Nord hatte drei Leih-Lastenräder angeschafft, die nun ab sofort ausgeliehen werden können. Meine Freude war groß, endlich nicht mehr so lange Anfahrtswege zu haben. Das NOrdstadt-LAstenrad , kurz die NOLA würde ich nun öfter fahren.

Nicht so schwer wie ein Bullitt und sehr wendig: das NOLA, Modell: KARGON One. Eigenes Foto

Die ideale Fahrrad-Ausleihe sieht gewöhnlich so aus: 24 Stunden verfügbar, mit einer App zu buchen und durch einen Klick auf das smartphone oder die Abgabe an einer festen Station zurückzugeben. Das ist bei den 3 NOLAS, von denen zwei Räder auch Kindersitze haben, nicht so. Die Stadt Dortmund, bzw. die Bezirksvertretung mit ihrem Quartiersmanagement ist immer auf Institutionen angewiesen, die für sie die Ausleihe organsieren. Es gibt seit dem Beginn drei Verleih-Stellen: den Langen August (ein privates Kulturzentrum), die Firma GrünBau (Garten- und Landschaftsbauunternehmen) und den Fahrradladen 2WheelGarage. Beim LangenAugust übernimmt ein Ehrenamtlicher die Ausleihe und da es nicht seine Hauptaufgabe wie die Ausübung eines Berufes ist, kann er nicht immer vor Ort sein.

Ohne Motor, aber so wendig, daß man auch durch die nervigste aller Umlaufsperren in Dortmund kommt: mit der NOLA im Fredenbaumpark, kurz vor den Bootshäusern am Dortmund-Ems-Kanal.

Bei den anderen beiden KARGON-Lastenrädern NOLA ist die Zeit der Ausleihe an die Ladenöffnugnszeiten gekoppelt. Das ist verständlich, denn sowohl die 2WheelGarage wie auch GrünBau sind nur Dienstleister für den eigentlichen Ausleiher, das Quartiersmanagement Nordstadt. Ein Betrieb oder ein Laden können nicht wie eine App 24 Stunden agieren. Für Menschen, die das Lastenrad ausleihen möchten, um eben mal nicht das Auto für z. B. den Wocheneinkauf zu benutzen, sind diese beschränkten Zeiten aber von Nachteil. Bei GrünBau muss die NOLA um spätestens 15.30 Uhr zurück gegeben worden sein, bei der 2WheelGarage ist die dealine 18 Uhr, am donnerstag 15 Uhr, in den Wintermonaten ist der Laden samstags geschlossen. Aus Sicht der Ladenbesitzer*innen völlig verständlich – aber eben nicht so, wie es eigentlich bei Leihrädern, ganz gleich ob Lastenrad oder Tourenrad sein sollte. In Mannheim gibt es derzeit solch ein Verleihsystem mit 24-Stunden-Ausleihe. Da werde ich richtig neidisch! https://www.vrn.de/verbund/presse/pressemeldungen/pm/016410/index.html

Da ich leider kein Geld für eine neue Waschmaschine habe, die alte hat wohl die letzten beiden Umzüge nicht überlebt, ist die Lastenradausleihe für mich sehr wichtig. Durch die eingeschränkten Ausleihzeiten bin ich oft in Eile, muss zusehen, daß ich rechtzeitig beim Waschsalon bin, die Wäsche möglichst mit dem Lastenrad nach Hause bringe, um dann das Leihfahrzeug zum 2-3 km entfernten Verleiher zu bringen. Oft genug, auch ausgelöst durch andere ungute Umstände (Mattigkeit durch die Periode, Erschöpfung durch die Verdienstarbeit), musste ich nach Abgabe der NOLA die zwei dicken großen Taschen mit der nassen Wäsche mit dem normalen Rad nach Hause schieben. Auch bei nur 2-3 Kilometern eine Schinderei.

Man muss auch aufmerksam sein, damit nichts passiert: es gibt genug Idioten, die „Hilfe“ anbieten, dich aber nur ausrauben wollen. Hatte ich schon erlebt, ich wußte mich zu verteidigen. Dies gilt nicht nur für das Problemviertel Nordstadt Dortmund. Das Lastenrad NOLA ist Ausdruck der anderen Nordstadt, die eben nicht durch dicke Autos, Patriarchat, Armut allein und Kriminalität geprägt ist. Diese Personengruppe, zu der auch ich gehöre, ist allerdings in der Minderheit. Noch dazu sind alleinstehende Frauen, selbständig mit (Lastenrad)rad unterwegs, vielen Bewohnern hier mindestens suspekt. Diese Verachtung spüre ich jeden Tag von den männlichen Nachbarn. Ich bin die einzige Frau im Mietshaus. Wer jetzt die Klischeekiste gegen Migranten auspacken will: ich kenne es von früher auch nicht anders, nur waren die widerlichen Patriarchen männlich, katholisch und weiß. Von wem die Verachtung voller Sexismus und Misogynie kommt, ist mir egal – eins steht aber fest: Es muss endlich Schluß mit dieser Bosheit gegenüber Frauen, ganz gleich welcher Hautfarbe und Herkunft!

Ja, ich bin noch so old fashioned und bringe die nasse Wäsche nach Hause. Trocknerbetrieb im Waschsalon kostet zusätzlich Geld und Zeit, außerdem vertragen nicht alle Kleidungsstücke die geblasene heiße Luft. Nur wenn´s wirklich mal frostig draußen ist, ist es mit der Wäschetrocknung an der Leine schwierig. „Dank“ Klimawandel wird es aber immer seltener richtig Winter und damit selten richtig kalt.

Viel zu eng: Fußwege durch Dortmunds Straßen dank parkendem Blech.

Ich habe Verständnis für alle Verleiher der NOLAs, daß sie unmöglich 24 Stunden für eine Ausleihe zur Verfügung stehen können. Dennoch bleibt die Situation für die Ausleihe von Lastenrädern unbefriedigend.

Schauen wir doch mal… in den Südwesten!

Mehr aus Langweile oder weil ich was anderes suchte, stöberte ich auf der Seite http://www.cargobike.jetzt herum. Vielleicht gibt es ja doch noch eine andere Möglichkeit, an ein Lastenrad zu kommen…. Beim ULF war ich im Osten von Dortmund gewesen, schauen wir doch mal in… den Südwesten! tatsächlich gibt es in der Nachbarstadt Witten an der Ruhr ein E-Lastenrad zu leihen! Juhuu! 😀 Die „Pottkutsche„, ein Bullitt, Modell Bluebird mit geräumiger Ladefläche, Regenhaube und – nicht selbstverständlich – Gepäckträger hinten. Derzeit (Stand: Januar 2022) ist der Standort des Dienstleisters für die Initiative, die hinter der Pottkutsche steht, das Radcafé im Augustaviertel. Schwupps, habe ich mit der Pottkutschen-Ausleihe gleich mal meine Kenntnisse der Stadt Witten erweitert! Der Sattel (die Ausstattung ab Werk) ist für Damenhintern etwas unbequem, aber für meine Strecken bis 20 Kilometer noch ok.

Ich bin ja froh und dankbar, daß ich überhaupt an ein E-Lastenrad komme – das „nur“ einen Anfahrtsweg von 15 Kilometern hat. Zur Pottkutsche wird es noch einen ausführlicheren Artikel geben. Auch beim Wittener Lastenrad muss man die Ausleihzeitenbeachten (im Winter: bis 17 Uhr Abholung und Rückgabe). Spenden sind immer gern gesehen, es fehlt außerdem noch ein Restbetrag, damit ein zweites Lastenrad angeschafft werden kann, denn: auch in Witten ist emissionsfreie Transport-Mobilität sehr gefragt! Man muss mindestens einen Monat im Voraus buchen, um die Pottkutsche fahren zu können.

Mit dem normalen Rad eine Plage, mti dem Lastenrad locker zu machen: der Getränkekauf.

Meine absolute Favoritin, die ich sehr liebe (ok, ich gebe zu, Dinge kann man nicht lieben, also nicht wirklich) und sehr gern fahre, hat ihren Standort 35 Kilometer entfernt. Momentan leider nicht buchbar (Dezember 2021 /Januar 2022 wegen Reparaturarbeiten und Wechsel des Dienstleisters). Manche halten mich für verrückt, daß ich so weit fahre. Aber wenn man als Geringverdienerin schon die Möglichkeit hat, mal ein top Rad der höheren Preisklasse zu fahren, dann nimmt man auch längere Wege dafür in Kauf. Außerdem sind 35 bis 40 Kilometer Strecke mit einem E-Lastenrad locker zu bewältigen.

Ach GErda, schade, daß wir uns derzeit nicht treffen können. Kein Lastenrad fährt sich besser als ein Packster 60 von Riese und Müller. Mit keinem fühle ich mich so sicher wie mit diesem Rad. Übrigens, weder GErda noch ich sind Fußballfans, bestenfalls Sympathisantinnen der jeweiligen Vereine, bzw. Aktiengesellschaften. 😉 Ein einziges Mal hat mich der Motor in all den Jahren der Ausleihe verlassen, so daß ich nur mit Muskelkraft das schwere Rad fahren und mit dem Zug zurück zum Verleiher bringen hatte müssen. Und huhu, das Packster 60 passt in den neuen Aufzug am Dortmunder Hauptbahnhof!

Im Herbst 2021 las ich, daß nun endlich ein kommerzieller Anbieter von Elektro-Lastenrädern in Dortmund sei. Ich war neugierig und las mir alle Artikel und die Seite von der Firma Sigo sharing durch. Nur 7 Kilometer Anfahrtsweg, die Preise auch ok das sah nach einem guten und erreichbaren Angebot für Leih-Lastenräder, noch dazu mit Elektrounterstützung, aus. die Ausleihe erfolgt automatisch per App, also unabhängig von irgendwelchen Ladenöffnungszeiten. Im November lieh ich ein Rad, um bei einem Bekannten, der rund 15 Kilometer entfernt wohnt, die Wäsche zu waschen und auch zum Trocknen aufhängen zu können. Die Freude über das Sigo-Lastenrad währte aber nur kurz: nach nur 5 gefahrenen Kilometern verabschiedete sich der Motor. Danke auch! Ich hatte noch rund 30 Kilemeter insgesamt vor mir! dieser Abend war eine einzige Schinderei gewesen. Mich machte das wirklich wütend, weil ich von einem kommerziellen Anbieter schon erwarten kann, daß alles funktioniert. Ein heulend pfeifender Motor, der nicht funktioniert… man könnte glatt abergläubisch werden, wenn man das Sigo-Lastenrad fährt.

Wer reitet so spät durch Nacht und Wind? Leider nicht so praktisch, wie es aussieht: ein Lastenrad von der Firma sigo-sharing. Eigenes Foto.

Im Gespräch mit einem Bekannten, der in Köln bei einem anderen Verleiher von (Lasten)rädern arbeitet, sprach ich die Sigo-Räder an. Er sagte mir, daß Motoren einer chinesischen Billigmarke verbaut seien. Ich stöhnte auf. Was nützt ein Elektro-Lastenrad, wenn ich mit nicht auf den Motor verlassen kann???

Auf einer Erkundungstour auf den Teilstücken des Radschnellwegs 1 in Bochum im November erzählte mir ein Teilnehmer, daß auch er als Mieter von sigo-Rädern die selben Erfahrungen gemacht habe. Der Motor fiele eben öfter aus. Wie bitte? soll das der „Normalzustand“ sein?

Den Namen Sigo kannte ich schon. In Bochum können Mieter*innen eines Wohnblocks diese Räder ausleihen.

https://www.bogestra.de/news-liste/news/article/neue-e-lastenraeder-fuer-bochum-bogestra-vivawest-und-sigo-starten-durch.html

Am 2. Januar 2022 wollte ich dem grauen Lastenrad mit dem grünen Firmenzeichen noch mal eine Chance geben. Es sollte eine Spaßtour werden, 30 Kilometer am südlichen Rand von Dortmund entlang und wieder zurück zur Vreleihstation vor den Studierendenwohnhäusern. Doch die Tragödie schrieb sich fort. Das selbe Elend. Glücklicherweise war ich noch nicht weit gefahren, keine fünf Kilometer von der Verleihstation entfernt. .

Die Verleihstation von sigo sharing in der Ostenbergstraße 99 in Dortmund.

Verärgert war ich dennoch. Ausflug unmöglich, Tag versaut! Ist ja ganz wundervoll, wenn man beim Kund*innentelefon immer jemanden erreicht, Verständnis für den eigenen Ärger und „Credits“ bekommt, auch Kostenerlaß. Auch das hatte mir der Bochumer Radfahrer erzählt: dass man oft Bonuspunkte bekäme. Sicher war ich froh, nichts für die verpatzte Ausliehe zahlen zu müssen. Ich habe momentan absurd viele Bonuspunkte, sogenannte „credits.“ Aber ist das der Sinn der Sache? Weder die Firma Sigo noch ich haben was davon: Sigo macht auf absehbare Zeit Verluste bis zum Konkurs, ich kann die „Credits“ nicht einlösen, weil der Motor nicht funktioniert. Heute übrigens bei beiden Rädern. Wäre eben zu schön gewesen, ohne Aufgabenerfüllung (Wäsche sauber bekommen), also ohne Streß mit dem E-Lastenrad unterwegs zu sein. Knurr.

Und ja, es gibt sogar noch ein E-Lastenrad in Dortmund. Aber das ist kein offiziell ausleihbares Rad, sondern im Privatbesitz eines Bekannten. Wenn er es für seine Familie braucht, ist es verständlicherweise nicht verfügbar. Ich freue mich immer, wenn ich das URBAN ARROW fahren kann. Meine Nummer 2 nach dem Packster 60 von Riese und Müller.

Mit dem Cabrio am Phönixsee in Dortmund.

Et maintenant? Wie geht´s jetzt weiter?

Ich weiß nicht, ob ich noch mal Zeit und Nerven investiere, um die knapp 7 Kilometer Anfahrt für das sigo-Lastenrad auf mich zu nehmen – wenn ohnehin zu erwarten ist, daß es wieder nicht funktionieren wird. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, was schief gelaufen sein soll, was ich falsch gemacht haben sollte…. ich bin schon viele Lastenräder, mit und ohne Motor gefahren. Dennoch schrieb ich in meiner Beschwerde, daß ich mich gern mit dem Techniker/der Technikerin treffen würde, damit sie oder er mir das Rad noch mal genauer erklärt. Langsam vermute ich auch Vandalismus oder Wettereinflüsse als Ursache dieser zu häufigen Motorschäden. Finden Marder Elektromotoren-Leitungen genauso spannend wie die von Verbrennermotoren? Dann hat eines dieser Viecher vielleicht am sigo-Lastenrad was durchgebissen (und nicht überlebt).

Der ADFC Unna , mir bisher durch den ULF bekannt,war mit seinen Ortsverbänden in der letzten Zeit auch nicht untätig: auf der letzten Ciritcal Mass Dortmund sah ich zu meiner Freude ein E-Lastenrad aus der südlichen Nachbarstadt Schwerte, die Schwester (oder Bruder) des Riese + Müller Packster 60: das Modell load. Klar wurde mit dem Fahrer und Mieter des Rades gleich gefachsimpelt und gespaßt 😀 . Im Januar werde ich damit zu einem 15 Kilometer entfernten Ärztintermin fahren. Ich freue mich schon darauf. Wie nach Witten sind es auch „nur“ 15 Kilometer Anfahrt bis nach Schwerte – allerdings mit stärkeren Steigungen. Doch ich lasse nichts unversucht, trotz geringem Budget gute Lastenräder fahren und dabei von einem eigenen träumen zu können. Radfahren ist Leidenschaft. Meine Spende fällt eben nicht so üppig aus, wird aber gegeben, weil ich dankbar für die Leihräder bin. Wenn Technik das Leben der Menschen erleichtert, ohne die Umwelt zu sehr zu gefährden, soll sie das tun.

Schade eben, daß sich die Stadt Dortmund immer noch schwer tut, ein richtiges Verleihsystem für Elektroräder, insbesondere E-Lastenräder auf die Beine zu stellen. Das könnte in Kooperation mit nextbike erfolgen. Wenn überhaupt, findet die Ausleihe nur immer mit bestimmten kleinen, kaum bekannten Aktionen wie „Lappenlos“ statt. Ein Lastenrad zur Miete bekommt auch nur, wer bestimmte Voraussetzungen dafür erfüllt. Mit einer richtigen Ausleihe von (Lasten)rädern hat das nichts zu tun. Stattdessen machen die Stadtwerke, DEW 21 weiterhin schön Werbung für „mehr blauen Himmel“, den ein Autofahrer im E-Auto sitzend, auf seinen Ausflügen sehen soll. Seltsam, den blauen Himmel sieht man eigentlich vor allem beim Radfahren und Spazierengehen. „E fahren“ heißt eben nicht nur Auto, sondern auch Radfahren. Das sollte allen, der Stadt wie den Stadtwerken eigentlich klar sein, wenn sie immer von der „emissionsfreien Innenstadt“ sprechen.

Am niederen Rhein – wo mag das sein?

Die Zeit drängt. Tag um Tag sitzt man am Schreibtisch, die Arbeit SOLL ENDLICH! fertig werden. Doch es geht nicht weiter… man mag schon gar nicht mehr sitzen. Man weiß schon nicht mehr, wie die Luft draußen vor der Tür ist…so ging es mir vergangene Woche. Die für das Frühjahr ungewohnt hohen Temperaturen, an denen sich viele Mitmenschen so enthusiastisch erfreuen, freuen auch die Pollen. Und ja, wegen mir sollen sie auch alle fliegen, es soll ja was wachsen, blühen und Früchte bringen wie jedes Jahr. Aber warum, warum macht das Immunsystem bei Pollenflug solch einen Terror, daß man wegen verstopfter Atemwege kaum mehr schlafen kann?? An jedem Tag des Jahres fliegt richtig gefährlicher Dreck durch die Luft, nämlich: Abgase von Kraftfahrzeugen. Doch da regt sich kein Immunsystem auf – zumindest nicht so akut wie bei den Pollen.

Die nervige, aber völlig unnötige Pollenallergie war verantwortlich dafür, daß ich nicht weiterkam mit dem Schreiben. Einmal gab ich entnervt auf und machte mit dem Rad wenigstens eine kleine Fahrt um den Block. Am Samstag abend gab die Gruppe von „Mask and Music“ unserer Universität eine tolle Vorstellung der Musicalfassung von „Addams Family.“ Eine willkommene Abwechslung, denn Schreiben-Müssen (und den Abschluß haben wollen)  von Arbeiten macht auch einsam. Wegen der Pollenallergie, die zu ständiger Mattigkeit führt, konnte ich auch die regulären anderen Termine der Woche, die Gesellschaft versprechen, nicht wahrnehmen. Am Samstag abend auf dem Weg zur Musicalvorstellung mußte ich ungewollt auch noch auf einen Rassisten treffen. Ja, Rassismus hat viele Gesichter, denn Dummheit und Stumpfheit kennen keine Grenzen. Zuerst dichtet man nicht-deutsch aussehenden Menschen was an, weil vielleicht einer, der auch so aussieht oder auch aus einem bestimmten Land kommt, einen Fehler gemacht hat. Dann sind für viele Deutsche alle Menschen aus …. faul/dumm/gewalttätig usw. Es geht aber auch noch perfider: wer aus dem „falschen“ Bundesland kommt, wird ebenfalls rassistisch angefeindet. Schon das 3. Mal in meinem Leben, schon das 2. Mal in NRW. Was bleibt, ist diesen Idioten eine immer offene Büchse der Pandora zu wünschen. Und zum Glück werden auch schlechte Wünsche wahr – auch wenn die Geschädigten das leider nicht immer mitbekommen. Rassismus und Mobbing müssen zu Straftatbeständen werden! Denn diese Taten verletzen die Seele. Körperliche Gewalt verletzt den Körper, das wird vom Gesetzgeber bestraft – doch das ist zuwenig.

Ich glaube jetzt zu wissen, wie sich nicht-deutsch aussehende Menschen fühlen, die Rassismus erfahren müssen. Nicht erst seit den o.g. Erlebnissen verurteile ich Rassismus als menschenfeindlich, als Dummheit – und: Rassismus ist ein Verbrechen, keine Meinungsäußerung.

Den Sonntag nutzte ich für die Vorbereitungen. Die Strecke war festgelegt, die Taschen gepackt, noch einmal Fitnesstraining gemacht – und dann mußte am Sonntag abend die Brille brechen. Genau in der Mitte. Nach fast 7 langen Jahren hat meine Brille nun ihren Dienst quittiert. Schon vor Monaten hatte ich an eine neue gedacht, aber das Vorhaben immer wieder verschoben. Dabei hatte ich um 10 Uhr in Duisburg sein wollen. Von dort aus sollte es nach Xanten gehen. Das konnte ich jetzt vergessen.

Montag morgen nach schlechtem Schlaf erst mal zum Optiker, ein Notfall war zu lösen. Die alten Gläser konnten in ein neues Gestell, um überhaupt eine Brille zu haben. Dann: eine neue aussuchen. Ich betrachtete es nicht mehr so sehr als „Staatsakt“, auch wenn Brillen einen großen Anteil daran haben, wie man aussieht und bei anderen ankommt. Es war jetzt schlicht eine Notwendigkeit, um wieder ordentlich sehen und agieren zu können. Früher hätte ich den Optiker, der mich bediente, vielleicht als „affig“ bezeichnet, weil er manchmal komisch lachte und leicht übertrieben hantierte. Bei genauerem Hinsehen wurde aber klar, daß er über Fachwissen verfügte und mir auch klar sagte, was Sache war – das ist nicht selbstverständlich. Ich gab letztendlich mehr Geld aus, als ich wollte, aber: ich bekam Qualität dafür. Während die alten Gläser in ein neues, wenn auch nicht ganz passendes Gestell gearbeitet wurden, frühstückte ich in einem hippen Großstadt-Szene-Lokal, bei dem man sofort mit „du“ angeredet wird und das bei allem Wohlgeschmack der Speisen überteuert ist. Mein favorisierter Kaffee-Trink-Laden, das „Wohnzimmer“ hatte am Montag erst ab 17 Uhr auf. An meinem Geburtstag wollte ich es mir gut gehen lassen, ein Stück schönes Leben haben, wenn schon soviel Unsinn wie eine kaputte Brille und rassistische Beleidigungen  sein müssen.

Und: tataa! Die alte neue Brille war gegen 13 Uhr fertig. Zugverbindung rausgesucht…. und ab zum Hauptbahnhof! Ab Duisburg würde ich es nicht mehr schaffen… aber ab Rheinberg. Es blieb noch Zeit für die Entgegennahme eines Gratulationsanrufes, was mich sehr freute und wieder aufbaute.

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Endlich GEHT ES LOS!!!

Am Vormittag war der Himmel noch düster gewesen, wolkenverhangen. Und es war kühl, so wie es im Frühjahr – eigentlich – ist. Am frühen Nachmittag, als ich am Hauptbahnhof Dortmund losfuhr, wurde es – wie plötzlich – wärmer. Und in Rheinberg total sonnig. Die Jacke, die morgens noch so notwendig gewesen war, konnte jetzt praktisch „spazierengefahren“ werden. Ebenso die Regenjacke. Aber wehe, man hat mal keine von beiden dabei….

In Rheinberg gab es erst kurze Verwirrung, dann kam ich mit einer Hundespaziergängerin in einen netten Plausch, der sich nicht nur um die Wegrichtung drehte. Der große schöne Berner Sennenhund benahm sich auch anständig; überhaupt reagieren die meisten großen Hunde viel cooler auf mich als Fahrradfahrerin als es die -hust*- kleinen „Hunde“ tun. Die Erziehung macht´s aus, und die macht nunmal der Mensch, nicht das Tier.

Ähnlich wie im Ruhrgebiet kommt man erst mal an Industrieanlagen vorbei….

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…die sich dann kurioserweise mit ländlich anmutenden Sträßchen abwechseln. Also kurios für die und den, wer nicht im Ruhrgebiet aufgewachsen ist.

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Nach ca. 2 Streckenkilometern taucht er dann auf, der Rhein, also der „Alte Rhein“ (zumindest entnahm ich das der Karte so).

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Die Weite der Rheinwiesen, die auch dem Überflutungsschutz dienen. Die Anzahl der vierbeinigen Rindviecher nahm auch immer mehr zu, je weiter ich mich ins Land bewegte. Im Hintergrund sieht man immer wieder Schiffe vorbeiziehen…

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Bei fast andächtiger Stille auf den Weiden herrschte in den Bäumen Hochbetrieb. Der Immobilienmarkt der Krähen ist heiß umkämpft.

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Das Frühstück war doch schon eine Weile her… jetzt war es Zeit für die Brotzeit. Die erste Bank seit langem… nicht der schönste Platz (wenige km weiter wäre eine schönere Bank gewesen), weil immer wieder ein Güllewagen vorbeifuhr. Die Fracht wurde aber außerhalb meines Blickfeldes ausgebracht, weshalb das nicht so tragisch war.

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Während der Brotzeit mußte ich grinsend an den Spaß-Artikel vom Postillon denken, während der Güllewagen immer wieder zum Hof, an dem mein Weg vorbeiführte, lag und dann erneut zu den Feldern aufbrach.

http://www.der-postillon.com/2015/09/ekelhaft-landwirt-verteilt.html

 

Es dauert eine ganze Weile, bis man direkt am Rhein entlang fährt. Jetzt ist zumindest Wesel am Rhein im Blick.

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Selten, daß mir auch soviele Liegeradfahrer-/innen entgegenkommen… einer fuhr ein flux C500, ein Modell, das ich vor langen Jahren ausgeliehen hatte. Ich konnte kaum meine Begeisterung kund tun – da war er schon weg 😉 Die Dinger sind sowas von flott! Es war so wunderbar zu fahren, daß ich es nicht mehr hergeben wollte… das nötige Kleingeld, um so ein tolles Reise-Gefährt zu kaufen, fehlt mir leider immer noch.

 

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Spätestens jetzt kommt ein Urlaubsgefühl auf.

 

Es ist kein Geheimnis, daß die Landschaft die Menschen, die in ihr wohnen, prägt. Auch wenn heute nur noch wenige Menschen von der Landwirtschaft leben, so wirkt eine bestimmte Einstellung sich selbst und Fremden gegenüber fort: karge Böden, die wenig Ertrag bringen sorgen nicht gerade für gute Laune oder große Offenheit und Freundlichkeit gegenüber anderen Zeitgenossen. Ich weiß nicht, wie es um die Bodenbeschaffenheit am Niederrhein steht. Aber wenn man sich nicht ständig (mit und ohne Motorenunterstützung) eine Steigung hinauf plagen muß, scheint das für eher gute Stimmung zu sorgen. Ich wurde so oft von wildfremden Menschen gegrüßt, hier und da ergab sich auch ein netter kurzer Plausch. Undenkbar in anderen Gegenden dieses Landes. Der Niederrhein… tut grundsätzlich wohl, so mein Eindruck.

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So langsam wird es auch Abend… an der Bislicher Insel vor Xanten.

 

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Glück gehabt! Auf der richtigen Rheinseite gelandet. Denn die Fähre fährt nur bis 19 Uhr.

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…denn mit dem Radl schwimmen wäre dann doch etwas – anstrengend…

 

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Zwar folgte ich der Römer-Lippe-Route nicht immer, streifte aber immer wieder Teile von ihr. Das wird die nächste größere Tour 🙂

Und jetzt… fast schon in der einzigen Stadt dieses Landes, deren Name mit „X“ beginnt….

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Wow, ich kann es immer noch nicht glauben, als ich diesen Magnolienbaum am Ortsanfang von Xanten sah. Anfang April und die Magnolie steht in voller Blüte! In anderen Gegenden ist gar nicht daran zu denken, überhaupt eine Magnolie zu pflanzen, weil das Klima viel zu rauh ist. Und wenn sie blüht, dann frühestens im Mai.

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 Xanten am Abend.

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Komisch, daß hier nur an Auto-Parkplätze gedacht wird. Und wo bindet man seine Kutschpferde an? Siegfried ist doch zu Pferd unterwegs…..

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Aber… die Residenz von Ritter Siegfried (aus der Nibelungen-Sage) hatte ich mir schon anders vorgestellt!

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Abendessen zum Geburtstag in der Kneipe „Börse.“ Eine etwas ruppig-freundliche Bedienung, aber das paßte zum Laden 😉

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Sauerbraten mit Kartoffeln und Apfelkompott.

Leider sind die Jugendherbergen alle meist wegen doofer Schulklassen komplett ausgebucht. Eine private Zimmervermietung hatte sich zu meiner Überraschung doch noch gemeldet gehabt. Ich hatte eine eher bodenständige, einheimische Zimmerwirtin erwartet. Zu meiner Überraschung war sie alles andere als das… eher, sagen wir mal, alternativ eingestellt. Die Zimmer waren klein, einfach eingerichtet, genau richtig für bescheidene Ansprüche. Die Matratze hätte etwas härter sein können, damit man besser schlafen kann. Bad und Toilette auf dem Flur. Aber was soll man sagen… besser als draußen auf der Parkbank schlafen.

Zugegeben, am Abend hätte ich gern etwas Gesellschaft gehabt.

 

Am nächsten Tag.

Gefrühstückt habe ich an einem großen Tisch im Ladengeschäft, das der Zimmerwirtin gehört. Schon kurios… ich kam mir vor wie das menschliche Dekorationsobjekt für all die schönen Tassen und guten Tees, die hier herumstehen 😀

Der Tag war genauso sonnig und hell wie gestern: ein Traumwetter zum Radeln. Noch hatte ich Zeit, so daß ich erst mal in Ruhe auf einer Parkbank saß und weiter an einem Tuch häkelte. So nach und nach kamen die Leute aus den Häusern heraus, stellten ihre Waren vor die Tür und  machten ihre Läden auf.

Durch das Klever Tor aus der Stadt hinaus. Ich war gar nicht so traurig, jetzt nicht die fette große Römer-Besichtigungs-Tour zu machen; das war nicht Sinn und Zweck meiner Reise.

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So, jetzt aber doch ein Stück Geschichte.

 

Die Kriemhild-Mühle an der nördlichen Stadtmauer wirkt irgendwie deplaziert, so hineingequetscht mit ihren riesigen Flügeln. Die Art des Häuserbaus, bzw. die Verwendung von Ziegelstein als Baumaterial läßt schon an die Niederlande denken, die Windmühle hier auch. Aber irgendwie… scheint sie nicht ins Stadt-Bild an diesem Eck zu passen. Innen in der Kriemhild-Mühle ist ein Bioladen und Bäckerei.

 

Und hier ein Stück römische Geschichte. Die eine Mauer des Archäologischen Parks, den man für stolze 9€ besichtigen kann. Es war umstritten gewesen, ob man ihn baut, denn alles ist nur Rekonstruktion von dem, was die Römer damals gebaut hatten. Ich komme nicht umhin, auch an Asterix und Obelix, so ganz un-historische Figuren, zu denken… (Obelix: „Rööömer!“)

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Jetzt ist man draußen aus der Stadt…und es geht erst mal entspannt am Xantener Südsee und Nordsee vorbei. Die neu gebaute Jugendherberge streifte ich auch.

 

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Noch sind die Tische leer Anfang April….

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Die Wegweisung war etwas verwirrend, weil nicht ausgeschildert… aber laut Karte sollte es an einer Kirche vorbei wieder auf den rechten Weg gehen. Nächste Station: Kalkar! Der Wohnort von Studienkollegen.

 

Pah, Ihr könnt mich alle mal… Schafe bei der Mittagspause kurz vor Kalkar. Richtig ländlich hier… oder wurde mir nicht gesagt, Kalkar sei eine Stadt? 😛

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Genau, das was die Schafe machen, mach ich jetzt auch. Unter der Linde gegenüber dem Rathaus.

Angekommen mittags in Kalkar. So weit, wie ich veranschlagt hatte, war die Strecke gar nicht.

 

Nach der Mittagspause war mein Ziel Kleve, von dort aus nahm ich den Zug Richtung Dortmund. Auf dem Radweg zwischen Kalkar und Kleve ist den Planern offensichtlich nicht mehr viel eingefallen, es geht leider nur an einer häßlichen vielbefahrenen Bundesstraße entlang. Für Excursionen, ob es vielleicht nicht doch ruhigere Nebenwege gäbe, hatte ich leider keine Zeit mehr, denn: „…aber der Wagen, der rollt.“ Eine mögliche Residenz am Niederrhein für mich habe ich dann doch noch entdeckt:

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..aber wo ist das 2. Türmchen hin? Hmmm……

 

Gerne wäre ich noch länger geblieben… abends war leider Arbeit am Stadion angesagt. Der kurze April ist voll mit Heimspielen des BVB. Doch diese Reise wird nicht die letzte sein, die ich an den Niederrhein unternehmen werde. Dort kann man zumindest vom Meer träumen…

Neues im Alltäglichen entdecken

Tagtäglich fährt oder läuft man daran vorbei. In der Eile oder aus Unachtsamkeit bemerkt man gar nicht, was hier eigentlich ist: Kunst im öffentlichen Raum, Kunst im Alltag. Bei den Dortmunder Spaziergängen und Radtouren kann man Kunst leibhaftig und lebendig erleben.

„Nordwärts“ ist das  auf 10 Jahre angelegte Projekt der Radtour-Serie, die am Donnerstag den 1. September zum 2. Mal stattfand.Die meisten besuchten Kunstobjekte sind Teil der „EmscherKunst.“Zumindest 8 Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren gekommen.

 

In lockerer Atmosphäre fuhr man auf einer Strecke von 8 km durch die Stadt, lauschte dem Vortrag von Astrid Wendelstigh und konnte die Kunstwerke ansehen, manchmal sogar ausprobieren – und wurde dann auch überrascht.

  1. Station am Dortmunder U: Ah, wie gut dass wir uns vor dem Regenschauer in die Trinkhalle flüchten können!

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Die Trinkhalle. Einst errichtet nahe der Zechen, um die Arbeiterinnen und Arbeiter mit alkoholfreien Getränken zu versorgen, entwickelten sich die „Büdchen“, die „Kioske“ oder „Spätis“ zu soziokulturellen Zentren der Gesellschaft.

Doch die Künstlerin Lena Dues spielt uns einen Streich: hier ist gar keine Trinkhalle 😉 Sie hat die Fähnchen selbst als Kunstobjekte gestaltet. Die Fähnchen sind nur Schmuck, kein Kiosk ist hinter den Fähnchen, sondern ein Büro. Auf dem Platz vor der „Trinkhalle“ stehen die orangen Container, die Informationspunkte für die Emscher-Kunst (bis 18 Uhr geöffnet) sind.

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Container im Regen

 

Die Radtour zur Kunst im öffentlichen Raum geht weiter um das Dortmunder U herum. Zwei Feuerwehrautos stehen davor, doch die Atmosphäre ist entspannt (wohl nur eine Bereitschaftstätigkeit heute, noch kein Einsatz). Bei der Tour und anhand der alten Wegeweiser wird klar, wie groß das Gelände der ehemaligen Union-Brauerei Dortmund überhaupt ist… wir biegen ein in eine Nebengasse, die sehr heruntergekommen wirkt, ihr Name „Übelgönne.“ Woher wohl dieser Name kommt… Wildes Grün sprießt am Wegesrand und aus Mauerritzen , Autos parken auf einer Seite. Fast unscheinbar wirkt das 2. öffentliche Kunstobjekt, das man im Vorbeifahren fast übersieht: die „Knutschecke“ von Holger Küper.

Großformatige Bilder von küssenden Paaren sind auf der Backsteinmauer zu sehen, allesamt mit Personen aus Dortmund (wer mag, kann sich auch von vom Künstler fotografieren lassen). Der Künstler will diesen häßlichen Ort in einen Liebes-Ort verwandeln, Licht und Sorglosigkeit hineinbringen, wenigstens für wenige Augenblicke den Geist in eine Traumwelt versetzen.Den Alltag eine Zeitlang vergessen – und ein Lächeln im Gesicht haben, das soll die Betrachterin oder der Betrachter der „Knutschecke“ empfinden.Eine schöne  Sache und in seiner Art der Gestaltung paßt das Werk gut in diese Gasse namens „Übelgönne.“  Jede(r) sollte jemanden zum Küssen haben, meint Holger Küper – ein schöner Plan.

Leider gibt es auch Leute, die unnötige Symbole auf die Kunstwerke schmieren müssen. Sie sind nicht Teil des Werks von Holger Küper. http://www.emscherkunst.de/knutschecke/

 

Die Fahrradhäuschen sind Bestandteil in vielen Stadtteilen Dortmunds (http://www.vcd-dortmund.de/cms/front_content.php?idcat=23 ). Wenn sich genug Interessierte finden, kann ein neues Haus aufgebaut werden, wo man sein Fahrrad sicher lagern kann. Dafür fällt eine geringe Jahresgebühr an. Nicht in jedem Wohnhaus gibt es sichere und gute Abstellmöglichkeiten für das Rad.

Die Studentin der Kunstakademie Münster, Lioba Knape hat so ein Fahrradhäuschen mit Kupferplatten eingekleidet, Arbeitstitel ihres Werks „CU“ („see you“ oder auch die englische Aussprache des chemischen Elements Kupfer). Ohne den Vortrag von Astrid Wendelstigh wäre man wohl an dem Kunstwerk vorbeigefahren, weil die Kupfereinkleidung die selbe Farbe hat (wohl auch durch Umwelteinwirkung entstanden) wie alle Fahrradhäuschen auch. Ein Schild erinnert daran, dass es sich bei der Einkleidung des Fahrradhäuschens im Unionviertel nahe der S-Bahnstation Dortmund West (Lange Straße/Sternstraße) um ein Kunstobjekt der „EmscherKunst“ handelt.

Laut der Künstlerin sollen alle Spuren des Alltags auf dem Kupfer festgehalten und später auf Papier übertragen in eine Ausstellung gebracht werden; das Kunstwerk ist ein Experiment zwischen Alltagsgebrauch, Architektur und Kunst. Wer hier drauf sprüht oder malt wird wohl nicht damit rechnen müssen, dass der städtische Reinigungstrupp kommt und die „Fettecke“ wegputzt…….

Das 4. öffentlich zugängliche Kunstwerk würde man auch übersehen, weil es zum einen unscheinbar ist, zum anderen an der stark befahrenen Rheinischen Straße liegt.Der Künstler und Produktdesigner von z. B. Lampen, Samuel Treindl hat zwei übrig gebliebene Buchstaben einer Leuchtreklame genutzt, „ö“ und „l.“ Früher wurden hier wohl einmal Möbel verkauft.Samuel Treindl ergänzt diese Buchstaben zu Vögel. Für nichts wird hier geworben, nichts wird verkauft, denn das Ladenlokal gibt es längst nicht mehr, das Haus ist heruntergekommen, es gab keine Intervention, keine Erneuerung, Das neue Wort liefert keine Information. „Ich schaue in den Himmel und sehe Vögel.“ So einfach kann Kunst sein. Wer dieses Werk nicht kennt, wird sich über das Wort „Vögel“ wundern, im Vorbeifahren wird man es aber nicht als Kunstwerk wahrnehmen.

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Haus Rheinische Straße 131: „Vögel“

Irgendwie zum Schmunzeln, andererseits kommt man nciht umhin sich zu fragen, warum nicht wenigstens  ein paar Sachen an der Fassade neu gemacht wurden. Die Sinnlosigkeit des Wortes „Vögel“ ist Programm, fast eine Art von Dada.

 

Die nächste Station gleich einem monströsen antiken Tempel, der im Laufe der Zeit dunkel und unbegehbar geworden ist: das alte Hoesch-Verwaltungsgebäude (ehemaliger Firmensitz der Union AG für Berbau, Eisen- und Stahl-Industrie in Dortmund). Über dem Eingangsportal steht in grünspan-gefärbten Kupferbuchstaben:

„Es lobt den Mann die Arbeit und die Tat.“

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Die koreanischen Künstlerinnen Eu Sun Ko, Hyuna Kang und Shinah Lee wollten diese altmodische pathetische Sprache, die nur an die Leistung von Männern denkt, so nicht hinnehmen. Kurzerhand entwarfen Sie eine Postkarte, bei der man durch leichte Verwacklung den Satz lesen kann:

Es lobt die Frau die Arbeit und die Tat.

Die Arbeit der Frauen ist auch zu würdigen, nicht nur die der Männer.

Was mit dem Gebäude nun geschehen soll, nachdem es ein Schweizer Investor gekauft hat, ist noch nicht sicher.

 

Stadtauswärts fahren wir weiter, die Dorstfelder Allee entlang. Im Hintergrund sieht man zwei Brücken für die Autobahn sowie die Stadtbahn. Beide sind aber nur das Hintergrundrauschen für die Kunstwerke.

Was soll das denn sein? Ein Hinkelstein von Obelix auf 4 Füßen?

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..ob darin goldene Schätze zu finden sind? „Zur kleinen Weile“ vom Künstler*kollektiv raumlabor

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Ein rätselhaftes Kunstwerk.So wie es mitten in der Landschaft am Wegesrand von der Straße und Radweg steht, fällt der große Stein auf. Die Neugierde treibt die Besucherinnen und Besucher dann doch hinein in den goldenen Innenraum. Es ist überraschend und angenehm hell da drin. Licht, Wärme und Schutz soll den Leuten in der „kleinen Weile“, wie das Kunstwerk heißt, vermittelt werden. Durch die goldene Farbe und die Öffnung oben ist es erstaunlich hell da drin.Aber Wärme und Schutz habe ich da drin nicht empfunden. Es ist eher ein eher banges Gefühl, weil man nicht weiß, wo die Wand beginnt und der Boden und Grund aufhört. Ein jüngerer Besucher konnte einem Bahnradfahrer gleich im Kreis herumrennen. Die eigene Stimme klingen wie… im Weltraum, wie in einem Popsong, bei dem die menschliche Stimme elektronisch verzerrt klingt. Heimelig klingt das nciht. Kein Gefühl der Bedrohung oder Angst, ber auch kein heimeliges Gefühl. So bleibt man auch nur eine „kleine Weile“ in diesem Kunstwerk, bevor man wieder herausklettert.

 

 

Das letzte Kunstobjekt der Tour würde man als Radler-/in übersehen, wenn man nicht gerade auf Kunst-Tour ist. Einem Steg am Fluß oder See gleich führt das Werk „Kunstpause“ durch einen Haselnußhain, den sonst nur überzeugte Haselnußfans kennen. Tatsächlich befindet sich unter der Stadtbahn- und Autobahnbrücke  eine Art kleines Haselnußstrauch-Wäldchen. Und tatsächlich: nachdem man durch den Haselnußhain gestreift ist, kann man sich wie an einem Flußufer auf Holzstufen niederlassen. Pause von der Kunst oder Kunstpause, also mal keine Skulptur, kein Bild ansehen?

 

Mit der „Kunstpause“ endete die Radtour „Nordwärts“ im Rahmen der EmscherKunst 2016 in Dortmund. Es hat Spaß gemacht, mitzufahren und neue Ecken der Stadt sowie Kunstwerke zu entdecken, die man sonst übersehen hätte. Es muß nicht immer alles gefallen, wichtig ist, dass man sich immer wieder aufmacht und neugeirig bleibt, was es in der eigenen Stadt so gibt und was passiert. Offenheit und Neugierde machen eine Stadt und die darin lebenden Menschen lebendig und können positiv auf die Zukunftsgestaltung wirken.

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Kunst im öffentlichen Raum: Das Museum für Kunst und Kulturgeschichte Dortmund bietet mit Frau Dr. Rosemarie E. Pahlke regelmäßig geführte Spaziergänge und Radtouren an. Heute hat Astrid Wendelstigh von der Initiative „VeloKitchenDortmund“ die Tour geführt. Herzlichen Dank dafür!

http://www.kunst-im-oeffentlichen-raum.dortmund.de

http://www.emscherkunst.de

http://www.velocityruhr.net

Fahrrad3Grün – woher der Name stammt

Namen sind recht wichtig: sie entscheiden, ob man sich an etwas oder jemanden wieder erinnert, ob man etwas über diesen Menschen oder diese Sache im Kopf behält.

Als ich meinen Blog eröffnet habe war klar, dass es vor allem um Fahrradthemen gehen soll. Und alles, was einem beim  Radeln begegnet. Deshalb der Namensteil: FAHRRAD.

Die 3 steht für das Dreieck, daß das Rad ausmacht: vom Menschen, der auf dem Rad sitzt, laufen 2 gedachte Linien zur hinteren Nabe und eine andere Linie zum Vorderrad. Der Mensch ist der Antrieb; doch es braucht die anderen beiden Ecken, damit das Rad sich bewegen kann, die Fahrt losgeht.

 

Grün:

Gern radelt man durchs Grüne. Als Radlfahrer oder Radlfahrerin ist man froh über eine grüne Ampel (die nciht gleich wieder umschaltet). Grün ist auch ein Appell: Freie Fahrt für Radfahrer und Radfahrerinnen!

 

Leider ist nur in sehr wenigen Köpfen angekommen, dass das Rad auch ein – oder vor allem ein – Alltagsfahrzeug ist. Heute hatte sich eine Bedienung der Cafeteria des stw lächelnd gewundert, dass ich mich in der Toilette umgezogen hatte („du bist ja eine Nummer“). Tja. Was nützt ein noch schönes Kleid, wenn´s an den Beinen doch recht frisch ist beim Radeln… sind schließlich doch 8 km Heimweg.