Allgemein, FAHRRAD, Radverkehr, Reise, Verkehrsmittel für Reisen

Am niederen Rhein – wo mag das sein?

Die Zeit drängt. Tag um Tag sitzt man am Schreibtisch, die Arbeit SOLL ENDLICH! fertig werden. Doch es geht nicht weiter… man mag schon gar nicht mehr sitzen. Man weiß schon nicht mehr, wie die Luft draußen vor der Tür ist…so ging es mir vergangene Woche. Die für das Frühjahr ungewohnt hohen Temperaturen, an denen sich viele Mitmenschen so enthusiastisch erfreuen, freuen auch die Pollen. Und ja, wegen mir sollen sie auch alle fliegen, es soll ja was wachsen, blühen und Früchte bringen wie jedes Jahr. Aber warum, warum macht das Immunsystem bei Pollenflug solch einen Terror, daß man wegen verstopfter Atemwege kaum mehr schlafen kann?? An jedem Tag des Jahres fliegt richtig gefährlicher Dreck durch die Luft, nämlich: Abgase von Kraftfahrzeugen. Doch da regt sich kein Immunsystem auf – zumindest nicht so akut wie bei den Pollen.

Die nervige, aber völlig unnötige Pollenallergie war verantwortlich dafür, daß ich nicht weiterkam mit dem Schreiben. Einmal gab ich entnervt auf und machte mit dem Rad wenigstens eine kleine Fahrt um den Block. Am Samstag abend gab die Gruppe von „Mask and Music“ unserer Universität eine tolle Vorstellung der Musicalfassung von „Addams Family.“ Eine willkommene Abwechslung, denn Schreiben-Müssen (und den Abschluß haben wollen)  von Arbeiten macht auch einsam. Wegen der Pollenallergie, die zu ständiger Mattigkeit führt, konnte ich auch die regulären anderen Termine der Woche, die Gesellschaft versprechen, nicht wahrnehmen. Am Samstag abend auf dem Weg zur Musicalvorstellung mußte ich ungewollt auch noch auf einen Rassisten treffen. Ja, Rassismus hat viele Gesichter, denn Dummheit und Stumpfheit kennen keine Grenzen. Zuerst dichtet man nicht-deutsch aussehenden Menschen was an, weil vielleicht einer, der auch so aussieht oder auch aus einem bestimmten Land kommt, einen Fehler gemacht hat. Dann sind für viele Deutsche alle Menschen aus …. faul/dumm/gewalttätig usw. Es geht aber auch noch perfider: wer aus dem „falschen“ Bundesland kommt, wird ebenfalls rassistisch angefeindet. Schon das 3. Mal in meinem Leben, schon das 2. Mal in NRW. Was bleibt, ist diesen Idioten eine immer offene Büchse der Pandora zu wünschen. Und zum Glück werden auch schlechte Wünsche wahr – auch wenn die Geschädigten das leider nicht immer mitbekommen. Rassismus und Mobbing müssen zu Straftatbeständen werden! Denn diese Taten verletzen die Seele. Körperliche Gewalt verletzt den Körper, das wird vom Gesetzgeber bestraft – doch das ist zuwenig.

Ich glaube jetzt zu wissen, wie sich nicht-deutsch aussehende Menschen fühlen, die Rassismus erfahren müssen. Nicht erst seit den o.g. Erlebnissen verurteile ich Rassismus als menschenfeindlich, als Dummheit – und: Rassismus ist ein Verbrechen, keine Meinungsäußerung.

Den Sonntag nutzte ich für die Vorbereitungen. Die Strecke war festgelegt, die Taschen gepackt, noch einmal Fitnesstraining gemacht – und dann mußte am Sonntag abend die Brille brechen. Genau in der Mitte. Nach fast 7 langen Jahren hat meine Brille nun ihren Dienst quittiert. Schon vor Monaten hatte ich an eine neue gedacht, aber das Vorhaben immer wieder verschoben. Dabei hatte ich um 10 Uhr in Duisburg sein wollen. Von dort aus sollte es nach Xanten gehen. Das konnte ich jetzt vergessen.

Montag morgen nach schlechtem Schlaf erst mal zum Optiker, ein Notfall war zu lösen. Die alten Gläser konnten in ein neues Gestell, um überhaupt eine Brille zu haben. Dann: eine neue aussuchen. Ich betrachtete es nicht mehr so sehr als „Staatsakt“, auch wenn Brillen einen großen Anteil daran haben, wie man aussieht und bei anderen ankommt. Es war jetzt schlicht eine Notwendigkeit, um wieder ordentlich sehen und agieren zu können. Früher hätte ich den Optiker, der mich bediente, vielleicht als „affig“ bezeichnet, weil er manchmal komisch lachte und leicht übertrieben hantierte. Bei genauerem Hinsehen wurde aber klar, daß er über Fachwissen verfügte und mir auch klar sagte, was Sache war – das ist nicht selbstverständlich. Ich gab letztendlich mehr Geld aus, als ich wollte, aber: ich bekam Qualität dafür. Während die alten Gläser in ein neues, wenn auch nicht ganz passendes Gestell gearbeitet wurden, frühstückte ich in einem hippen Großstadt-Szene-Lokal, bei dem man sofort mit „du“ angeredet wird und das bei allem Wohlgeschmack der Speisen überteuert ist. Mein favorisierter Kaffee-Trink-Laden, das „Wohnzimmer“ hatte am Montag erst ab 17 Uhr auf. An meinem Geburtstag wollte ich es mir gut gehen lassen, ein Stück schönes Leben haben, wenn schon soviel Unsinn wie eine kaputte Brille und rassistische Beleidigungen  sein müssen.

Und: tataa! Die alte neue Brille war gegen 13 Uhr fertig. Zugverbindung rausgesucht…. und ab zum Hauptbahnhof! Ab Duisburg würde ich es nicht mehr schaffen… aber ab Rheinberg. Es blieb noch Zeit für die Entgegennahme eines Gratulationsanrufes, was mich sehr freute und wieder aufbaute.

20170403_142503

Endlich GEHT ES LOS!!!

Am Vormittag war der Himmel noch düster gewesen, wolkenverhangen. Und es war kühl, so wie es im Frühjahr – eigentlich – ist. Am frühen Nachmittag, als ich am Hauptbahnhof Dortmund losfuhr, wurde es – wie plötzlich – wärmer. Und in Rheinberg total sonnig. Die Jacke, die morgens noch so notwendig gewesen war, konnte jetzt praktisch „spazierengefahren“ werden. Ebenso die Regenjacke. Aber wehe, man hat mal keine von beiden dabei….

In Rheinberg gab es erst kurze Verwirrung, dann kam ich mit einer Hundespaziergängerin in einen netten Plausch, der sich nicht nur um die Wegrichtung drehte. Der große schöne Berner Sennenhund benahm sich auch anständig; überhaupt reagieren die meisten großen Hunde viel cooler auf mich als Fahrradfahrerin als es die -hust*- kleinen „Hunde“ tun. Die Erziehung macht´s aus, und die macht nunmal der Mensch, nicht das Tier.

Ähnlich wie im Ruhrgebiet kommt man erst mal an Industrieanlagen vorbei….

20170403_160401

 

…die sich dann kurioserweise mit ländlich anmutenden Sträßchen abwechseln. Also kurios für die und den, wer nicht im Ruhrgebiet aufgewachsen ist.

20170403_160837

20170403_160844

 

 

 

Nach ca. 2 Streckenkilometern taucht er dann auf, der Rhein, also der „Alte Rhein“ (zumindest entnahm ich das der Karte so).

20170403_161042

 

Die Weite der Rheinwiesen, die auch dem Überflutungsschutz dienen. Die Anzahl der vierbeinigen Rindviecher nahm auch immer mehr zu, je weiter ich mich ins Land bewegte. Im Hintergrund sieht man immer wieder Schiffe vorbeiziehen…

20170403_172924

 

Bei fast andächtiger Stille auf den Weiden herrschte in den Bäumen Hochbetrieb. Der Immobilienmarkt der Krähen ist heiß umkämpft.

20170403_161920

 

Das Frühstück war doch schon eine Weile her… jetzt war es Zeit für die Brotzeit. Die erste Bank seit langem… nicht der schönste Platz (wenige km weiter wäre eine schönere Bank gewesen), weil immer wieder ein Güllewagen vorbeifuhr. Die Fracht wurde aber außerhalb meines Blickfeldes ausgebracht, weshalb das nicht so tragisch war.

20170403_172936

 

Während der Brotzeit mußte ich grinsend an den Spaß-Artikel vom Postillon denken, während der Güllewagen immer wieder zum Hof, an dem mein Weg vorbeiführte, lag und dann erneut zu den Feldern aufbrach.

http://www.der-postillon.com/2015/09/ekelhaft-landwirt-verteilt.html

 

Es dauert eine ganze Weile, bis man direkt am Rhein entlang fährt. Jetzt ist zumindest Wesel am Rhein im Blick.

20170403_175128

Selten, daß mir auch soviele Liegeradfahrer-/innen entgegenkommen… einer fuhr ein flux C500, ein Modell, das ich vor langen Jahren ausgeliehen hatte. Ich konnte kaum meine Begeisterung kund tun – da war er schon weg 😉 Die Dinger sind sowas von flott! Es war so wunderbar zu fahren, daß ich es nicht mehr hergeben wollte… das nötige Kleingeld, um so ein tolles Reise-Gefährt zu kaufen, fehlt mir leider immer noch.

 

20170403_180436

Spätestens jetzt kommt ein Urlaubsgefühl auf.

 

Es ist kein Geheimnis, daß die Landschaft die Menschen, die in ihr wohnen, prägt. Auch wenn heute nur noch wenige Menschen von der Landwirtschaft leben, so wirkt eine bestimmte Einstellung sich selbst und Fremden gegenüber fort: karge Böden, die wenig Ertrag bringen sorgen nicht gerade für gute Laune oder große Offenheit und Freundlichkeit gegenüber anderen Zeitgenossen. Ich weiß nicht, wie es um die Bodenbeschaffenheit am Niederrhein steht. Aber wenn man sich nicht ständig (mit und ohne Motorenunterstützung) eine Steigung hinauf plagen muß, scheint das für eher gute Stimmung zu sorgen. Ich wurde so oft von wildfremden Menschen gegrüßt, hier und da ergab sich auch ein netter kurzer Plausch. Undenkbar in anderen Gegenden dieses Landes. Der Niederrhein… tut grundsätzlich wohl, so mein Eindruck.

20170403_183410

20170403_185727

So langsam wird es auch Abend… an der Bislicher Insel vor Xanten.

 

20170403_190210

 

Glück gehabt! Auf der richtigen Rheinseite gelandet. Denn die Fähre fährt nur bis 19 Uhr.

20170403_191058

…denn mit dem Radl schwimmen wäre dann doch etwas – anstrengend…

 

20170403_19022520170403_185754

 

20170403_191112

Zwar folgte ich der Römer-Lippe-Route nicht immer, streifte aber immer wieder Teile von ihr. Das wird die nächste größere Tour 🙂

Und jetzt… fast schon in der einzigen Stadt dieses Landes, deren Name mit „X“ beginnt….

20170403_191149

 

Wow, ich kann es immer noch nicht glauben, als ich diesen Magnolienbaum am Ortsanfang von Xanten sah. Anfang April und die Magnolie steht in voller Blüte! In anderen Gegenden ist gar nicht daran zu denken, überhaupt eine Magnolie zu pflanzen, weil das Klima viel zu rauh ist. Und wenn sie blüht, dann frühestens im Mai.

20170403_192518

 

 Xanten am Abend.

20170403_19315520170403_193205

 

Komisch, daß hier nur an Auto-Parkplätze gedacht wird. Und wo bindet man seine Kutschpferde an? Siegfried ist doch zu Pferd unterwegs…..

20170404_105839

 

Aber… die Residenz von Ritter Siegfried (aus der Nibelungen-Sage) hatte ich mir schon anders vorgestellt!

20170403_193306

 

Abendessen zum Geburtstag in der Kneipe „Börse.“ Eine etwas ruppig-freundliche Bedienung, aber das paßte zum Laden 😉

20170403_212820_LLS

Sauerbraten mit Kartoffeln und Apfelkompott.

Leider sind die Jugendherbergen alle meist wegen doofer Schulklassen komplett ausgebucht. Eine private Zimmervermietung hatte sich zu meiner Überraschung doch noch gemeldet gehabt. Ich hatte eine eher bodenständige, einheimische Zimmerwirtin erwartet. Zu meiner Überraschung war sie alles andere als das… eher, sagen wir mal, alternativ eingestellt. Die Zimmer waren klein, einfach eingerichtet, genau richtig für bescheidene Ansprüche. Die Matratze hätte etwas härter sein können, damit man besser schlafen kann. Bad und Toilette auf dem Flur. Aber was soll man sagen… besser als draußen auf der Parkbank schlafen.

Zugegeben, am Abend hätte ich gern etwas Gesellschaft gehabt.

 

Am nächsten Tag.

Gefrühstückt habe ich an einem großen Tisch im Ladengeschäft, das der Zimmerwirtin gehört. Schon kurios… ich kam mir vor wie das menschliche Dekorationsobjekt für all die schönen Tassen und guten Tees, die hier herumstehen 😀

Der Tag war genauso sonnig und hell wie gestern: ein Traumwetter zum Radeln. Noch hatte ich Zeit, so daß ich erst mal in Ruhe auf einer Parkbank saß und weiter an einem Tuch häkelte. So nach und nach kamen die Leute aus den Häusern heraus, stellten ihre Waren vor die Tür und  machten ihre Läden auf.

Durch das Klever Tor aus der Stadt hinaus. Ich war gar nicht so traurig, jetzt nicht die fette große Römer-Besichtigungs-Tour zu machen; das war nicht Sinn und Zweck meiner Reise.

20170404_101637

 

So, jetzt aber doch ein Stück Geschichte.

 

Die Kriemhild-Mühle an der nördlichen Stadtmauer wirkt irgendwie deplaziert, so hineingequetscht mit ihren riesigen Flügeln. Die Art des Häuserbaus, bzw. die Verwendung von Ziegelstein als Baumaterial läßt schon an die Niederlande denken, die Windmühle hier auch. Aber irgendwie… scheint sie nicht ins Stadt-Bild an diesem Eck zu passen. Innen in der Kriemhild-Mühle ist ein Bioladen und Bäckerei.

 

Und hier ein Stück römische Geschichte. Die eine Mauer des Archäologischen Parks, den man für stolze 9€ besichtigen kann. Es war umstritten gewesen, ob man ihn baut, denn alles ist nur Rekonstruktion von dem, was die Römer damals gebaut hatten. Ich komme nicht umhin, auch an Asterix und Obelix, so ganz un-historische Figuren, zu denken… (Obelix: „Rööömer!“)

20170404_110117

 

Jetzt ist man draußen aus der Stadt…und es geht erst mal entspannt am Xantener Südsee und Nordsee vorbei. Die neu gebaute Jugendherberge streifte ich auch.

 

20170404_113340

 

Noch sind die Tische leer Anfang April….

20170404_113658_Richtone(HDR)

Die Wegweisung war etwas verwirrend, weil nicht ausgeschildert… aber laut Karte sollte es an einer Kirche vorbei wieder auf den rechten Weg gehen. Nächste Station: Kalkar! Der Wohnort von Studienkollegen.

 

Pah, Ihr könnt mich alle mal… Schafe bei der Mittagspause kurz vor Kalkar. Richtig ländlich hier… oder wurde mir nicht gesagt, Kalkar sei eine Stadt? 😛

20170404_122925

 

 

 

20170404_12341920170404_123456

 

 

Genau, das was die Schafe machen, mach ich jetzt auch. Unter der Linde gegenüber dem Rathaus.

Angekommen mittags in Kalkar. So weit, wie ich veranschlagt hatte, war die Strecke gar nicht.

 

Nach der Mittagspause war mein Ziel Kleve, von dort aus nahm ich den Zug Richtung Dortmund. Auf dem Radweg zwischen Kalkar und Kleve ist den Planern offensichtlich nicht mehr viel eingefallen, es geht leider nur an einer häßlichen vielbefahrenen Bundesstraße entlang. Für Excursionen, ob es vielleicht nicht doch ruhigere Nebenwege gäbe, hatte ich leider keine Zeit mehr, denn: „…aber der Wagen, der rollt.“ Eine mögliche Residenz am Niederrhein für mich habe ich dann doch noch entdeckt:

20170404_140126

..aber wo ist das 2. Türmchen hin? Hmmm……

 

Gerne wäre ich noch länger geblieben… abends war leider Arbeit am Stadion angesagt. Der kurze April ist voll mit Heimspielen des BVB. Doch diese Reise wird nicht die letzte sein, die ich an den Niederrhein unternehmen werde. Dort kann man zumindest vom Meer träumen…

Advertisements
Standard
Allgemein, FAHRRAD, Kunstkritik, Stadtrundfahrt

Neues im Alltäglichen entdecken

Tagtäglich fährt oder läuft man daran vorbei. In der Eile oder aus Unachtsamkeit bemerkt man gar nicht, was hier eigentlich ist: Kunst im öffentlichen Raum, Kunst im Alltag. Bei den Dortmunder Spaziergängen und Radtouren kann man Kunst leibhaftig und lebendig erleben.

„Nordwärts“ ist das  auf 10 Jahre angelegte Projekt der Radtour-Serie, die am Donnerstag den 1. September zum 2. Mal stattfand.Die meisten besuchten Kunstobjekte sind Teil der „EmscherKunst.“Zumindest 8 Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren gekommen.

 

In lockerer Atmosphäre fuhr man auf einer Strecke von 8 km durch die Stadt, lauschte dem Vortrag von Astrid Wendelstigh und konnte die Kunstwerke ansehen, manchmal sogar ausprobieren – und wurde dann auch überrascht.

  1. Station am Dortmunder U: Ah, wie gut dass wir uns vor dem Regenschauer in die Trinkhalle flüchten können!

KONICA MINOLTA DIGITAL CAMERA

 

Die Trinkhalle. Einst errichtet nahe der Zechen, um die Arbeiterinnen und Arbeiter mit alkoholfreien Getränken zu versorgen, entwickelten sich die „Büdchen“, die „Kioske“ oder „Spätis“ zu soziokulturellen Zentren der Gesellschaft.

Doch die Künstlerin Lena Dues spielt uns einen Streich: hier ist gar keine Trinkhalle 😉 Sie hat die Fähnchen selbst als Kunstobjekte gestaltet. Die Fähnchen sind nur Schmuck, kein Kiosk ist hinter den Fähnchen, sondern ein Büro. Auf dem Platz vor der „Trinkhalle“ stehen die orangen Container, die Informationspunkte für die Emscher-Kunst (bis 18 Uhr geöffnet) sind.

KONICA MINOLTA DIGITAL CAMERA

Container im Regen

 

Die Radtour zur Kunst im öffentlichen Raum geht weiter um das Dortmunder U herum. Zwei Feuerwehrautos stehen davor, doch die Atmosphäre ist entspannt (wohl nur eine Bereitschaftstätigkeit heute, noch kein Einsatz). Bei der Tour und anhand der alten Wegeweiser wird klar, wie groß das Gelände der ehemaligen Union-Brauerei Dortmund überhaupt ist… wir biegen ein in eine Nebengasse, die sehr heruntergekommen wirkt, ihr Name „Übelgönne.“ Woher wohl dieser Name kommt… Wildes Grün sprießt am Wegesrand und aus Mauerritzen , Autos parken auf einer Seite. Fast unscheinbar wirkt das 2. öffentliche Kunstobjekt, das man im Vorbeifahren fast übersieht: die „Knutschecke“ von Holger Küper.

Großformatige Bilder von küssenden Paaren sind auf der Backsteinmauer zu sehen, allesamt mit Personen aus Dortmund (wer mag, kann sich auch von vom Künstler fotografieren lassen). Der Künstler will diesen häßlichen Ort in einen Liebes-Ort verwandeln, Licht und Sorglosigkeit hineinbringen, wenigstens für wenige Augenblicke den Geist in eine Traumwelt versetzen.Den Alltag eine Zeitlang vergessen – und ein Lächeln im Gesicht haben, das soll die Betrachterin oder der Betrachter der „Knutschecke“ empfinden.Eine schöne  Sache und in seiner Art der Gestaltung paßt das Werk gut in diese Gasse namens „Übelgönne.“  Jede(r) sollte jemanden zum Küssen haben, meint Holger Küper – ein schöner Plan.

Leider gibt es auch Leute, die unnötige Symbole auf die Kunstwerke schmieren müssen. Sie sind nicht Teil des Werks von Holger Küper. http://www.emscherkunst.de/knutschecke/

 

Die Fahrradhäuschen sind Bestandteil in vielen Stadtteilen Dortmunds (http://www.vcd-dortmund.de/cms/front_content.php?idcat=23 ). Wenn sich genug Interessierte finden, kann ein neues Haus aufgebaut werden, wo man sein Fahrrad sicher lagern kann. Dafür fällt eine geringe Jahresgebühr an. Nicht in jedem Wohnhaus gibt es sichere und gute Abstellmöglichkeiten für das Rad.

Die Studentin der Kunstakademie Münster, Lioba Knape hat so ein Fahrradhäuschen mit Kupferplatten eingekleidet, Arbeitstitel ihres Werks „CU“ („see you“ oder auch die englische Aussprache des chemischen Elements Kupfer). Ohne den Vortrag von Astrid Wendelstigh wäre man wohl an dem Kunstwerk vorbeigefahren, weil die Kupfereinkleidung die selbe Farbe hat (wohl auch durch Umwelteinwirkung entstanden) wie alle Fahrradhäuschen auch. Ein Schild erinnert daran, dass es sich bei der Einkleidung des Fahrradhäuschens im Unionviertel nahe der S-Bahnstation Dortmund West (Lange Straße/Sternstraße) um ein Kunstobjekt der „EmscherKunst“ handelt.

Laut der Künstlerin sollen alle Spuren des Alltags auf dem Kupfer festgehalten und später auf Papier übertragen in eine Ausstellung gebracht werden; das Kunstwerk ist ein Experiment zwischen Alltagsgebrauch, Architektur und Kunst. Wer hier drauf sprüht oder malt wird wohl nicht damit rechnen müssen, dass der städtische Reinigungstrupp kommt und die „Fettecke“ wegputzt…….

Das 4. öffentlich zugängliche Kunstwerk würde man auch übersehen, weil es zum einen unscheinbar ist, zum anderen an der stark befahrenen Rheinischen Straße liegt.Der Künstler und Produktdesigner von z. B. Lampen, Samuel Treindl hat zwei übrig gebliebene Buchstaben einer Leuchtreklame genutzt, „ö“ und „l.“ Früher wurden hier wohl einmal Möbel verkauft.Samuel Treindl ergänzt diese Buchstaben zu Vögel. Für nichts wird hier geworben, nichts wird verkauft, denn das Ladenlokal gibt es längst nicht mehr, das Haus ist heruntergekommen, es gab keine Intervention, keine Erneuerung, Das neue Wort liefert keine Information. „Ich schaue in den Himmel und sehe Vögel.“ So einfach kann Kunst sein. Wer dieses Werk nicht kennt, wird sich über das Wort „Vögel“ wundern, im Vorbeifahren wird man es aber nicht als Kunstwerk wahrnehmen.

KONICA MINOLTA DIGITAL CAMERA

Haus Rheinische Straße 131: „Vögel“

Irgendwie zum Schmunzeln, andererseits kommt man nciht umhin sich zu fragen, warum nicht wenigstens  ein paar Sachen an der Fassade neu gemacht wurden. Die Sinnlosigkeit des Wortes „Vögel“ ist Programm, fast eine Art von Dada.

 

Die nächste Station gleich einem monströsen antiken Tempel, der im Laufe der Zeit dunkel und unbegehbar geworden ist: das alte Hoesch-Verwaltungsgebäude (ehemaliger Firmensitz der Union AG für Berbau, Eisen- und Stahl-Industrie in Dortmund). Über dem Eingangsportal steht in grünspan-gefärbten Kupferbuchstaben:

„Es lobt den Mann die Arbeit und die Tat.“

KONICA MINOLTA DIGITAL CAMERAKONICA MINOLTA DIGITAL CAMERA

Die koreanischen Künstlerinnen Eu Sun Ko, Hyuna Kang und Shinah Lee wollten diese altmodische pathetische Sprache, die nur an die Leistung von Männern denkt, so nicht hinnehmen. Kurzerhand entwarfen Sie eine Postkarte, bei der man durch leichte Verwacklung den Satz lesen kann:

Es lobt die Frau die Arbeit und die Tat.

Die Arbeit der Frauen ist auch zu würdigen, nicht nur die der Männer.

Was mit dem Gebäude nun geschehen soll, nachdem es ein Schweizer Investor gekauft hat, ist noch nicht sicher.

 

Stadtauswärts fahren wir weiter, die Dorstfelder Allee entlang. Im Hintergrund sieht man zwei Brücken für die Autobahn sowie die Stadtbahn. Beide sind aber nur das Hintergrundrauschen für die Kunstwerke.

Was soll das denn sein? Ein Hinkelstein von Obelix auf 4 Füßen?

KONICA MINOLTA DIGITAL CAMERA

..ob darin goldene Schätze zu finden sind? „Zur kleinen Weile“ vom Künstler*kollektiv raumlabor

KONICA MINOLTA DIGITAL CAMERA

Ein rätselhaftes Kunstwerk.So wie es mitten in der Landschaft am Wegesrand von der Straße und Radweg steht, fällt der große Stein auf. Die Neugierde treibt die Besucherinnen und Besucher dann doch hinein in den goldenen Innenraum. Es ist überraschend und angenehm hell da drin. Licht, Wärme und Schutz soll den Leuten in der „kleinen Weile“, wie das Kunstwerk heißt, vermittelt werden. Durch die goldene Farbe und die Öffnung oben ist es erstaunlich hell da drin.Aber Wärme und Schutz habe ich da drin nicht empfunden. Es ist eher ein eher banges Gefühl, weil man nicht weiß, wo die Wand beginnt und der Boden und Grund aufhört. Ein jüngerer Besucher konnte einem Bahnradfahrer gleich im Kreis herumrennen. Die eigene Stimme klingen wie… im Weltraum, wie in einem Popsong, bei dem die menschliche Stimme elektronisch verzerrt klingt. Heimelig klingt das nciht. Kein Gefühl der Bedrohung oder Angst, ber auch kein heimeliges Gefühl. So bleibt man auch nur eine „kleine Weile“ in diesem Kunstwerk, bevor man wieder herausklettert.

 

 

Das letzte Kunstobjekt der Tour würde man als Radler-/in übersehen, wenn man nicht gerade auf Kunst-Tour ist. Einem Steg am Fluß oder See gleich führt das Werk „Kunstpause“ durch einen Haselnußhain, den sonst nur überzeugte Haselnußfans kennen. Tatsächlich befindet sich unter der Stadtbahn- und Autobahnbrücke  eine Art kleines Haselnußstrauch-Wäldchen. Und tatsächlich: nachdem man durch den Haselnußhain gestreift ist, kann man sich wie an einem Flußufer auf Holzstufen niederlassen. Pause von der Kunst oder Kunstpause, also mal keine Skulptur, kein Bild ansehen?

 

Mit der „Kunstpause“ endete die Radtour „Nordwärts“ im Rahmen der EmscherKunst 2016 in Dortmund. Es hat Spaß gemacht, mitzufahren und neue Ecken der Stadt sowie Kunstwerke zu entdecken, die man sonst übersehen hätte. Es muß nicht immer alles gefallen, wichtig ist, dass man sich immer wieder aufmacht und neugeirig bleibt, was es in der eigenen Stadt so gibt und was passiert. Offenheit und Neugierde machen eine Stadt und die darin lebenden Menschen lebendig und können positiv auf die Zukunftsgestaltung wirken.

KONICA MINOLTA DIGITAL CAMERA

Kunst im öffentlichen Raum: Das Museum für Kunst und Kulturgeschichte Dortmund bietet mit Frau Dr. Rosemarie E. Pahlke regelmäßig geführte Spaziergänge und Radtouren an. Heute hat Astrid Wendelstigh von der Initiative „VeloKitchenDortmund“ die Tour geführt. Herzlichen Dank dafür!

http://www.kunst-im-oeffentlichen-raum.dortmund.de

http://www.emscherkunst.de

http://www.velocityruhr.net

Standard
Allgemein

Fahrrad3Grün – woher der Name stammt

Namen sind recht wichtig: sie entscheiden, ob man sich an etwas oder jemanden wieder erinnert, ob man etwas über diesen Menschen oder diese Sache im Kopf behält.

Als ich meinen Blog eröffnet habe war klar, dass es vor allem um Fahrradthemen gehen soll. Und alles, was einem beim  Radeln begegnet. Deshalb der Namensteil: FAHRRAD.

Die 3 steht für das Dreieck, daß das Rad ausmacht: vom Menschen, der auf dem Rad sitzt, laufen 2 gedachte Linien zur hinteren Nabe und eine andere Linie zum Vorderrad. Der Mensch ist der Antrieb; doch es braucht die anderen beiden Ecken, damit das Rad sich bewegen kann, die Fahrt losgeht.

 

Grün:

Gern radelt man durchs Grüne. Als Radlfahrer oder Radlfahrerin ist man froh über eine grüne Ampel (die nciht gleich wieder umschaltet). Grün ist auch ein Appell: Freie Fahrt für Radfahrer und Radfahrerinnen!

 

Leider ist nur in sehr wenigen Köpfen angekommen, dass das Rad auch ein – oder vor allem ein – Alltagsfahrzeug ist. Heute hatte sich eine Bedienung der Cafeteria des stw lächelnd gewundert, dass ich mich in der Toilette umgezogen hatte („du bist ja eine Nummer“). Tja. Was nützt ein noch schönes Kleid, wenn´s an den Beinen doch recht frisch ist beim Radeln… sind schließlich doch 8 km Heimweg.

Standard