Wo geht´s hin, Masterplan Mobilität 2030?

Es ist voll im Foyer des Dortmunder Rathauses an diesem Dienstag abend (25. Juni 2019). In der Mitte sind Stühle aufgestellt, rundherum gibt es Schautafeln und Tische zu verschiedenen Themen wie z. B. „Öffentlicher Raum“, „Fußverkehr und Barrierefreiheit“ , „Radverkehr“ u.a. Die Stadt Dortmund veranstaltet wieder eine sogenannte „Dialogveranstaltung“, bei der Bürger-/innen ihre Vorschläge, Kritik, Anregungen oder Lob für die Verkehrsinfrastruktur in Dortmund äußern können. Und davon gab es sehr viel, vor allem viel Kritik. Die Stadtverwaltung will jedoch nicht nur Kritik entgegennehmen, sie will auch über den Stand der Planungen des „Masterplans 2030“ informieren. Die Zielkonzepte dieses Plans sind hier erläutert.

Anne Berndt und ihr Kollege von der Stadtverwaltung erklären am Stand „Öffentlicher Raum“ die einzelnen Felder, die mit Fotos und Texten auf dem Tisch angeordnet sind. Wo fühlt man sich unsicher, weil die Straße so eng ist, dass man als Radfahrerin knapp überholt wird? Wo fehlt ein barrierefreier Zugang zur Haltestelle für Menschen mit Rollatoren? Solche Fragen bringen die Teilnehmer-/innen am Tisch auch in Rage: Radfahrer seien doch so rücksichtslos gegenüber Behinderten, würden sich nicht an Verkehrsregeln halten. Anne Berndt weist die beiden Streithähne darauf hin, dass hier jetzt kein Platz für deren Konflikt sei – es gehe um allgemeine Kritik oder Lob und Anregungen für den Masterplan Mobilität 2030. Auf der Schautafel hinter dem Tisch mit Fotos und Texten von Plätzen und Straßen von Dortmund (und zum Vergleich aus anderen Städten) ist ein Stadtplan zu sehen. Rote Klebepunkte für Gefahrenstellen, grüne Punkte für Orte, an denen man sich gerne aufhält, können an diesem Stadtplan vergeben werden. Am Ende sieht man: Rot überwiegt. Auch die Stadt Dortmund wurde nicht für Fußgänger-/innen und somit für Menschen gebaut, sondern für Autos. Es gibt kaum einen Platz, der nicht wirklich autofrei ist, so dass Kinder gefahrlos laufen und spielen könnten. Selbst vor einem Park gibt es Stellplätze für Autos, denn der Park muss mit dem Auto angefahren werden, um darin spazieren zu gehen, zu grillen oder zu spielen. Absurd. Am zu weiten Anfahrtsweg kann es aber nicht liegen, dass die Nutzung von genau dem Verkehrsmittel, das am meisten Dreck macht, unabdingbar erscheint.

Der Borsigplatz, Einmündung Brackeler Straße. Als Radfahrerin hat man wegen der kurzen Ampelschaltung nicht viel Zeit, um queren zu können. Foto: eigene Aufnahme.

Beispiel Borsigplatz. In der Mitte befindet sich eine Grünfläche, die mit Bäumen umrandet ist. die Grünfläche kann aber, außer bei Festveranstaltungen, nicht betreten werden. Die Straßenbahn durchquert den Platz, um die Grünfläche brüllt tags und nachts der Verkehr. Zwei Fahrspuren hat der motorisierte Verkehr, für den Radverkehr bleibt eine kümmerliche Spur von nicht mal 1,50 m Breite und einer unzuverlässigen Fahrradampel. Oft genug wird man als Radfahrende abgedrängt, oft genug auch aus dem Auto heraus beschimpft und bedroht. Obwohl Fahrräder längst keine Billigware mehr sind, werden Menschen mit diesem Fahrzeug als „arm“ und ihr Gefährt als „minderwertig“ betrachtet. Ein Trugschluß. In vielen gesellschaftlichen Schichten dieses Landes ist immer noch die Überzeugung verbreitet „wenn du ein Auto hast, dann hast du es geschafft.“ Traurig, dass diese Denke, die schon mein Vater, ein Nachkriegskind, hatte, immer noch nicht passé ist. Schlechte Luft durch zuviele Autos und ihre Abgase, Blechkisten, die öffentlichen Raum besetzen, als ob es ihr Privatbesitz wäre – und das im kinderreichsten Stadtteil Dortmunds. Wie wäre es, die Parkplätze am Borsigplatz und in den Nebenstraßen (fast) komplett zu streichen und Platz für Sitzbänke, Sandkästen und andere Spielflächen zu schaffen? Würde das den sonst ach so geachteten Kindern nicht gut tun? Wollen nicht die meisten Eltern nur das Beste für ihre Kinder? Offensichtlich nicht, wenn man sich die täglichen Massen an Blechkisten ansieht, die nicht nur durch Dortmund rollen und die meiste Zeit nur herumstehen.

Der Borsigplatz, Durchfahrtstrecke der Straßenbahn von der Oestermärsch aus. Rund um den Platz gibt es schon ein paar Sitzbänke, auf denen nicht nur Saufkumpanen sitzen – dennoch besitzen Autos mehr vom Borsigplatz als Menschen. Foto: A. St.

Auch für den Fußverkehr ist am Borsigplatz nicht wirklich Platz. Der Fußweg um den Borsigplatz herum ist vergleichsweise eng, oft verschmutzt und die Querung der Zufahrtsstraßen nicht immer mit Ampeln abgesichert. Falls es, wie an der Brackeler Straße (Bild weiter oben) eine Lichtsignalanlage gibt, muss man als Radfahrer* oder Fußgänger* erst ‚betteln‘, damit am sicher bei Grün die Brackeler Straße queren kann. Hier sind die Prioritäten klar verteilt, seit über 30 Jahren und das bei fortschreitendem Klimawandel. Eigentlich weiß das doch jede-/r, sollte man denken, dass dies nicht sinnvoll für eine gute Zukunft ist. Aber auf seine eigenen Gewohnheiten, die eigene Bequemlichkeit, die man von seinem/ihrem „Personenkraftwagen“ hat, verzichten? Niemals!

Bei der Dialogveranstaltung wurden viele tolle Vorschläge gezeigt, was auch in anderen Städten möglich gemacht wurde: Parkplätze wurden gestrichen, das Zufahrtsrecht für den Autoverkehr aufgehoben. Es sind Plätze entstanden, wo sich die Anwohner-/innen begegnen können, weil dort nun Parkbänke zum Verweilen einladen und man dort mit Rad, Roller u.ä. fahren kann, Kinder haben Platz zum spielen. Was so schön aussieht, wurde oft hart erkämpft, denn: der öffentliche Raum ist rar und man muss dem motorisierten Verkehr Platz wegnehmen, um Platz für Menschen statt Autos zu schaffen. All die schönen Pläne der Stadtplanung nützen leider wenig bis nichts, wenn die Politik sie nicht umsetzt, weil sie kleinlaut Angst hat, Wählerstimmen, die leider oft Autofahrerstimmen sind, zu verlieren.

„Die Verkehrswende kommt, weil der Klimawandelt nicht geht“

davon ist Wolfgang Aichinger von der Agora Verkehrswende, einer gemeinnützigen GmbH, die zur Stiftung Mercator gehört, überzeugt. Bei der Dialogveranstaltung zum „Masterplan Mobilität 2030“ ist er als Redner und Impulsgeber geladen. Einige Zuhörer-/innen sehen sich in seinen Worten bestätigt, sie brauchen fast keinen Impulsgeber mehr. Er beklagt, dass sich seit 1990 nichts getan habe, um 40% Emissionen einzusparen, wie es die Bundesregierung geplant hatte.

Bei der Verkehrswende geht es nicht darum, Menschen mit Auto zu diskreditieren. „Verkehrswende“ meint, dass sich radikal und umfassend unser Mobilitätsverhalten ändern muss. Wenn Parkplätze wegfallen, müssen andere Möglichkeiten der Mobilität geschaffen werden. Aichinger dazu: „Die Verkehrswende gelingt mit der Mobilitäts- und Energiewende.“ Er nennt ein paar Bereiche, die besser verbunden oder/und ausgebaut werden müssten: im öffentlichen (Nah-)verkehr das Umland mit der Stadt, eine Neugestaltung des öffentlichen Raums in der Stadt (s. Beispiel Borsigplatz). Die aktuelle Instrastruktur vermittele eine Ungleichheit. Wie wahr. Fazit: „Es wurde zu wenig für den Rad- und Fußverkehr getan.“ Das sei auch bei den Preisen so: In München sind die Parkgebühren seit 2004 gleich geblieben, dagegen steigt der Preis für eine Fahrkarte im Nahverkehr um 40-60%. Absurd.

„Technik allein hilft nicht“

Aber nein, das Auto braucht nicht komplett verschwinden, das Elektroauto sei die Lösung, so wird oft arguementiert, auch von offizieller Seite des Bundesverkehrsministeriums. „Förderung Elektromobilität“ ist ein Thema, um den Klimawandel anzugehen. Schön, wenn es nicht mehr stinkt, wenn man als Radfahrer* oder Fußgänger* unterwegs ist in der Stadt. Aber huch, warum ist es immer noch so eng? Weil auch ein E-Auto Platz braucht, genauso viel wie ein Diesel oder Benziner. Laut dem Verkehrsforscher Wolfgang Aichinger werden 20 bis 30% der Fläche für den „ruhenden Verkehr“, also parkenden Fahrzeugen, verbraucht. 97% der Zeit ist Stehzeit, in der das Auto gar nicht gebraucht und gefahren wird. 90% sind parkende Autos, gerechnet von der gesamten Flotte.

„Niemandem Mobilität verwehren, aber beim ruhenden Verkehr gibt es Ineffizienz im öffentlichen Raum“

Ein nachhaltiger Stadtverkehr ist nicht nur Klimaschutz: die Luftqualität und die Verkehrssicherheit wird verbessert, weil weniger Fahrzeuge mit Emissionen unterwegs sind. Das bedeutet auch: weniger Lärm, Gesundheitsförderung, Quartiersbelebung und – welch Erstaunen bei manchen Einzelhändlern: Wirtschaftsbelebung. Denn wer zu Rad oder Fuß unterwegs ist, sieht wirklich, was in den Schaufenstern ist und kauft ein. Wieso viele Einzelhändler* wie in Essen-Rüttenscheid immer noch glauben, dass mit einem Verbot des motorisierten Individualverkehrs auf der „Rü“ ihr Geschäft und das Leben im Stadtteil zugrunde gehe, bleibt ein Rätsel.

Hier soll sich Rad- und Fußverkehr den Platz teilen. Geht nur nicht gut, weil aus der Fußgänger-Einkaufszone meist viele Leute auf diese Strecke strömen. Foto: A. St.
Fast übersehen: das „Umleitungsschild“, mit dem Radfahrer* auf den Bürgersteig entlang des Königwalls geschickt werden. Sehr unklug. Foto: A.St.

Ein Blick zu den Nachbarn im Süden zeigt genau diesen Effekt. Wolfgang Aichinger nennt als Beispiel die Stadt Wien. Weil die Parkplätze reduziert worden waren, war diese Straße als Druchgangsstraße für Autofahrer* unattraktiv geworden. Den Hauseigentümern* ist das so wichtig, dass sie diese Maßnahme finanziert hätten, die Stadtverwaltung musste nur die Planung übernehmen. Die Folge: es gab mehr Einkäufe in den Ladengeschäften. Kein Bürgerkrieg, kein Konkurs. Welch Wunder, das auch in Essen und Dortmund, z. B. in der Kaiserstraße möglich wäre. Mit dem Rad dort einkaufen zu wollen, ist immer noch eine Schlingerfahrt zwischen parkenden Blechkisten, um irgendwo zu parken. Fahrradparkplätze? Fehlanzeige. Nur vor dem kleinen Supermarkt gibt es Abstellbügel. Die Firma mit den vier roten Buchstaben tut was für ihr „grünes, nachhaltiges“ Image, das sie in der Werbung proklamiert.

Die Kaiserstraße in Dortmund. Zwar für Radfahrer* befahrbar, aber wo man hier von der Straße zu den Geschäften kommen soll und wo man sein Rad abstellen soll… ob das der Geist des Oberbürgermeisters oder Tiefbauamtleiters weiß? Foto: A. St.

Auch Stadtplaner Aichinger weiß, dass Händler* immer noch glauben, dass der KfZ-Verkehr wichtiger als der Rad- und Fußverkehr sei. Dabei leide aber die Nachbarschaft, wenn viel motorisierter Verkehr rolle und keine Kreuzung sicher für den nicht-motorisierten Verkehr zu queren sei. Der öffentliche Raum habe nicht nur als Begegnungsort eine wichtige Rolle, sondern diene auch als Ausgleich für Mieter*, die nur eine kleine Wohnung haben. In Krefeld gebe es ein Beispiel: Spielplatz vor Straße. In Wien wirkt ein Straßenumbau der Aufhitzung von Gebäuden im Sommer entgegen, indem die Straße zur „kühlen Meile“ wird: https://derstandard.at/2000101313349/Die-Wiener-Zieglergasse-wird-zur-kuehlen-Meile

Der Kampf um den öffentlichen Raum ist natürlich nicht neu. Parken von motorisierten Fahrzeugen ist und war meistens umsonst, wer dafür zahlen soll, ist oft verärgert oder gar wütend. Für Aichinger haben auch Falschparker Werte vergessen, die es wieder durchzusetzen gilt. Diesen Autobesitzern* ist oft genug nicht bewußt, was sie mit ihrem Fehltritt anrichten. „Einfach vorbei gehen“ oder mit dem Rad vorbei fahren birgt oft große Gefahr, vom fließenden Verkehr erfasst und verletzt zu werden. Und ein Kinderwagen oder Rollator kann leider nicht hochkant vorbei geschoben werden, weil parkende Autos nur nur 1 m Gehwegbreite lassen . Parken im öffentlichen Raum ist Privatisierung des öffentlichen Raums – und das muss laut dem Verkehrsforscher der Agora Verkehrswende, Wolfgang Aichinger, gestoppt werden.

Was tut die Stadt Dortmund?

Man kann nicht behaupten, die Stadt Dortmund würde gar nichts für den Rad- und Fußverkehr tun. Es gibt zumindest einen Fahrradbeauftragten der Stadt. Der Oberbürgermeister fährt meist mit dem Rad zur Arbeit, es gibt ein paar wenige passable, wenn auch nicht gute Radwege. Der Kirchentag wurde als so positiv für den Rad- und Fußverkehr hervorgehoben. Tatsächlich war die Innenstadt für die Zeit vom 19.6. bis zum 23.6.19 weitgehend autofrei, auch manche Kreuzung am Innenstadtring, dem „Wall“ war gesperrt. Aber das war eine temporäre Maßnahme, die bis auf ein paar maulende Autofahrer* niemand verärgert hat. Wenn es eine dauerhafte Maßnahme wäre, dann wäre das Geschrei groß, mancher sähe sogar den Untergang Dortmunds in nicht-sportlicher Sicht voraus.

Es ist positiv, dass es solche Dialogveranstaltungen überhaupt gibt, dass die Bürger-/innen gehört werden. Positiv ist auch, dass das „Machen“ für alle Akteure, dem Tiefbauamt, der Planersocietät und der Stadtverwaltung im Vordergrund steht. An Ideen und Plänen mangelt es auch nicht, wie die vielen Schautafeln und Bilder von anderen Städten oder kleinen, erfolgten Maßnahmen in Dortmund zeigen. Anne Berndt von der Stadtverwaltung, die am Stand „Öffentlicher Raum“ mit den Besuchern* spricht, sagt: „Das muss dann die Politik machen.“ Ein Stadtratsbeschluss muss her – und das dauert. Am besten man packt den Oberbürgermeister und die Stadträtinnen und Stadträte alle auf mehrere Lastenräder – und dann ab nach Kopenhagen. Dort können sie sich ansehen, wie gute, menschenfreundliche Stadtplanung geht. Übrigens: die Dänen haben mit dieser Planung gerade dann angefangen, als die Stadt pleite war, der Ausbau für den Autoverkehr zu teuer gewesen war. Das war vor 20 oder 30 Jahren so. Hier in Deutschland wurde schon seit 30 und mehr Jahren nichts, bzw. sehr wenig für den Rad- und Fußverkehr getan.

Michael Frehn von der Planersocietät, die mit der Stadtverwaltung den „Masterplan Mobilität 2030“ erarbeitet, erläutert den aktuellen Stand der Verkehrsinfrastruktur in Dortmund. beim Radverkehr hätte es in den letzten Jahren eine Steigerung gegeben. In Hamburg seit der Anteil von 9% im Jahr 2002 auf 15% im Jahr 2017 gestiegen. 2013 waren es in Dortmund mickrige 6%, was am großen Unsicherheitsgefühl vieler Radfahrenden liege. Eine Unsicherheit, die täglich mitfährt. Wenn man auf einer ohnehin engen Straße wie der Oestermärsch fährt, die noch dazu Straßenbahnschienen führt, braucht man Mut – das sollte man für´s Radfahren eigentlich nicht brauchen müssen, sondern nur für’s Bergsteigen oder Höhlenklettern!

Zugeparkt, eng und noch voll von vier Schienen: die Straße Oestermärsch in Dortmund.

Oder auch die seit Monaten nicht existente Radverkehrsführung an der Baustelle Dortmunder U/Königswall. Man überlebt als Radfahrerin eigentlich nur, wenn man sich an der roten Ampel vor die Autos stellt, weil man dann von allen anderen gesehen und wahrgenommen wird. Der von der Straße getrennte, sonst benutzungspflichtig Radweg ist von der Baustelle besetzt. Am Eck Schmiedingstraße/ Königswall war ein Haus abgerissen worden – das ist also folglich keine 1-Tages-Baustelle.

Königswall/Kreuzung Schmiedingstraße von einer Verkehrsinsel aus.Wo die Baumreihe an der Kurve beginnt, beginnt auch die Gefahrenzone für Radfahrer*, weil die Baustelle keine Wegeführung für diese hat. Foto: A. St.

Laut Fehn habe es bei den Verkehrsunfällen eine Stagnation gegeben, sie läge bei 10 Toten pro Jahr, 40% seien davon Radfahrende und Fußgänger*. Schwierig dabei ist, dass zwischen den beiden Gruppen nicht differenziert wird, zumindest bei seinem Vortrag nicht. Schwerverletzte gäbe es 290 pro Jahr. Auch die Schulwegsicherheit spiele eine Rolle. Dass dabei aber endlich konkrete Maßnahmen gegen Elterntaxis und für eine andere Mobilität der Kinder ergriffen werden, erwähnte der Verkehrsplaner leider nicht. Und bitte bei den „präventiven Maßnahmen“ auf Helmkampagnen und Wahnwesten-Aktionen verzichten, denn: die machen die Straßen nicht sicherer, weil immer noch sichere, breite Wege, am besten getrennt von dem Autoverkehr, nur für Radfahrende und Fußgänger fehlen! Nur wenn man den Autos mindestens eine Spur streicht, wird der Schulweg sicherer! Und auch der Weg für alle anderen nicht-motorisierten Verkehrsteilnehmer!

Verkehrsplaner Michael Fehn gestand zu Ende seines Vortrags ein, dass der stehende PKW-Verkehr wachse, was auch an der Fehlsteuerung der Stadtverwaltung gelegen habe: Die Straße ist ein billiger Parkraum, billiger als das Parkhaus. Deshalb wolle man das Bewohnerparken ausweiten. Aber mal ehrlich: ist das als so schön und sicher benannte Kreuzviertel mit seinen Jugendstilvillen und -häusern wirklich schön, wenn bald jede Straße immer so zugeparkt ist?

Sonnenstraße im Kreuzviertel, auch immer gut zugeparkt. Die Einbahnstraße ist für Radfahrende in der Gegenrichtung frei gegeben. Aber dennoch: zu eng für Radfahrende. Foto: A. St.

Fazit: Liebe Stadtverwaltung, denken Sie doch mal darüber nach, ob man noch mal und noch mal ein Fahrzeug zulassen muss. Warum funktioniert das Carsharing so schlecht? Warum muss jede-/r, nicht nur im Kreuzviertel ein eigenes Auto besitzen? Sind die alle fußkrank? Wohl kaum! Auch wenn es hier und da schöne Ecken im Kreuzviertel gibt: das Radfahren und laufen macht dort genauso wenig Spaß wie in der Nordstadt, am Borsigplatz. Weil es zuviele Autos gibt. Viel zu viele. Sagt auch ein Fachmann hier.

Weitere Informationen:

Luftbelastung in NRW, auch Stadt Dortmund:

https://www.lanuv.nrw.de/umwelt/luft/immissionen/aktuelle-luftqualitaet/

Der Luftreinhalteplan der Stadt Dortmund: https://www.dortmund.de/de/leben_in_dortmund/umwelt/umweltamt/immissionsschutz/luft_luftreinhaltung/luftreinhaltung/index.html

Die Seite der Agora Verkehrswende: https://www.agora-verkehrswende.de/

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Wie ich mir Weihnachten wünsche

..und das nicht nur im Jahr 2o17.

Dieser Kommentar wurde auch in der Sendung „Heiligenmorgen“ am 24.12.2o17 von 9-12 Uhr auf eldoradio* UKW Dortmund 93.o und http://www.eldoradio.de gesendet.

Weihnachten? – Nein danke!

Schneebedeckte Hügel, kleine Häuschen in einem Tal, eine Kirche, geschmückte Weihnachtsbäume im und am Haus, so stellen sich viele Weihnachten vor. Dazu traditionelles Essen, meist Braten, viele Geschenke und alle sind freundlich und gut zueinander.

Störgeräusch

Aber so ist Weihnachten nicht. Erst recht nicht dort, wo ich aufgewachsen bin. „Zuhause“ ist das für mich schon lange nicht mehr.

Der Heiligabend lief jedes Jahr nach dem selben Schema ab:

Morgens aus dem eigenen Waldgrundstück einen Baum holen. Keine schöne Tanne mit weichen Nadeln, nein eine kratzige Fichte. „Picea abies“, wie das Kraut in der botanischen Fachsprache heißt, ist auch noch „Baum des Jahres 2017. Dieses häßliche Ding! Dann zuhause schmücken, Mittag essen… danach mußten wir Kinder ins Bett, weil das Christkind und meine Mutter in geheimer Mission im Wohnzimmer zugange waren. Um 17 Uhr war Pflichttermin: Gottesdienst. Und nicht nur einer.

Gut, das gemeinsame Schmücken vom Baum hat auch mir Spaß gemacht. Und sicher hat mir auch das eine oder andere Geschenk gefallen. Aber immer diese Gier, mit der sich alle auf die Geschenke stürzten, zum Kotzen. Und warum, warum immer so ein Theater ums Essen?  Wird hier für die Bundeskanzlerin gekocht?? -“Neeein, hier fehlt noch etwas Sahne!“ – „Spinnst du, da kommt doch kein Essig rein!“ – „Mußt du wieder die Tischdecke vollsauen?!“ – „nein, pass auf! Die Zuckerdose fällt gleich in die Schüssel!“ 

 Zum Essen daheim kamen immer noch die Verwandtenbesuche. Ständig ist man im Streß: weil man immer zum Gottesdienst rennen muß (und wehe, man kommt zu spät), weil man kochen und den Saustall in der Küche wieder aufräumen muß (und wehe, es bleibt auch nur ein Krümel Dreck auf der Arbeitsplatte) oder weil man selbst essen muß. Selbst freundlich vorgetragene Kritik  darf nicht vorgebracht werden: aber nein, niemals! Jedes noch so verbrannte oder einfach ungeliebte Essen (Rote Bete – bääääh!) muß gelobt werden. Ebenso dürfen Geschenke nicht zurückgegeben werden, auch wenn man die pinke Bluse am liebsten verbrennen würde.

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Weihnachten, das stelle ich mir anders vor. Weg von der Verlogenheit, daß alles immer perfekt sein muß. Weg von dem Zwang, zur Kirche zu gehen. Wenn man nicht mehr an den angeblich existierenden Gott glaubt: warum soll ich dann zur Kirche gehen? Nur, um auf dem Land „gesehen“ zu werden und „mein Ansehen“ zu wahren?

Mein Weihnachten würde so aussehen: im Freundeskreis sich treffen, gemeinsam essen. Das erfordert schon auch Organisation und Vorbereitung, aber wenn mal der Salat nicht so gelungen ist – dann wird das in der Runde zwar gesagt, aber es ist keine Katastrophe. Nach dem Essen muß auch nicht gleich hektisch aufgeräumt werden, weil am nächsten Tag schon die nächste Fressrunde – äh das Festessen mit den Verwandten ansteht. Stattdessen kann man einfach noch schön zusammen sitzen und sich unterhalten, Bier trinken. Echte Zuwendung, echter „Friede auf Erden“, wie er in der Weihnachtsbotschaft ständig herausposaunt wird, der ist dann möglich. Weil keine und keiner ständig mit Äußerlichkeiten beschäftigt sind. Und wer mag, der trifft sich am 2. Weihnachtsfeiertag zum Spaziergang oder einer kleinen Radtour. Das wäre mein Weihnachten.

Aber leider denken viele hier immer noch traditionell. Deshalb bleibe ich an Weihnachten alleine.

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Seit Jahren marode: die Rad-Infrastruktur im Stadtgebiet Dortmund. 1. Kinder- und Jugendsternfahrt macht auf Gefahren für Radfahrer-/innen aufmerksam.

Eigentlich war nur geplant, als Ordnerin bei der Jugendsternfahrt heute am Sonntag, den 10. September 2017 in Dortmund dabei zu sein. Was heute jedoch zu hören war, ist so sagenhaft, daß es eines Kommentars bedarf. Denn die getroffenen Aussagen sind so von Unwissenheit und Gedankenlosigkeit geprägt, daß es jeden vernünftigen Menschen verägert und wütend macht. Diese Aussagen wurden auch nicht von irgendwelchen zufällig befragten Passanten getroffen, sondern von Amtspersonen. Genau diese sollten sich eigentlich genauer überlegen, WAS  sie sagen. Unreflektiert oder einseitig irgendwas daherreden, das kann gerne am Stammtisch gemacht werden – aber nicht bei einer Kinder- und Jugendsternfahrt. Erwachsene haben immer noch eine Vorbildfunktion für die Heranwachsenden.

26 Räder wurden gezählt, schade, daß es nicht mehr waren. Auch waren mehr Erwachsene als Kinder dabei. Es hatte auch Zubringer-Routen gegeben, d.h. man trifft sich im Stadtteil an einem vorher bekanntgegebenen Punkt und ein-/e Tourenleiter-/in führt dann die Gruppe zum offiziellen Startpunkt. Schade, aus einigen Stadtteilen kam außer den Tourenleiter-/innen niemand mit. Der ADFC Dortmund hatte das ganze vorbereitet, die ADFC-Jugend war der Ausrichter dieser Sternfahrt. Für ihre Arbeit und Organisation an dieser Stelle ein Lob – allerdings wäre es sinnvoll, beim nächsten Mal über eine andere Vorgehensweise nachzudenken, wie man für die Sternfahrt wirbt. Allein die zeitweise dunklen Wolken waren heute nicht für die mangelnde Anzahl an Teilnehmer-/innen für die Sternfahrt verantwortlich. Es blieb während der gesamten Sternfahrt trocken.

Um 14 Uhr startete die Kinder- und Jugendsternfahrt der Radfahrjugend des ADFC Dortmund am Fritz-Henßler-Haus. Zu meiner Verwunderung fuhren 5 (später 6) Polizei-Motorräder mit, vorneweg ein Polizeiauto. Motorräder sind ja noch ok, weil es Zweiräder sind. Auch bei der Critical Mass in Nürnberg fährt die Polizei mit Motorrädern mit. Aber warum ein Polizeiauto vorne? Sehr glaubwürdig ist das nicht.  Warum fährt niemand von der Fahrradstaffel der Polizei Dortmund mit?

Auf Nachfrage wurde mir gesagt, daß die Fahrradstaffel nur 7 Beamt-/innen inne habe. Sie seien heute alle im Einsatz. Naja, das kann man als Zivilistin jetzt nicht nachprüfen. Polizisten und Polizistinnen auf Fahrrädern wären wesentlich glaubwürdiger und gleichberechtigte Teilnehmer-/innen gewesen. Bei der Critical Mass Essen vergangenen Herbst war die Fahrradstaffel auch mal dabei gewesen und hatte ein positives Fazit der Tour gezogen. Also, geht doch.

Während der Sternfahrt gab es am Hauptbahnhof, im Kreuzviertel am Theodor-Fliedner-Heim und am Jugendamt Aktionen und Kundgebungen. Die Jugendfeuerwehr zeigt die Rettung eines Verletzten, die Naturfreundejugend veranstaltete ein Quiz zum Wissen über Verkehrsregeln.Die Kinder- und Jugendsternfahrt soll auch Spaß machen und nicht nur Protest sein. Die Forderungen der Radfahrjugend stand auf Stoffbannern geschrieben und wurde von den Kindern und Jugendlichen an den einzelnen Stationen hochgehalten: „radfreundliche Ampelschaltungen,“ „Weg mit Pollern, denn sie zerstören Leben“ „gute Fahrradparkplätze statt Felgenbrecher“ u.a. war darauf zu lesen. Diese Forderungen der ADFC-Jugend können nur unterstützt werden. Aber werden sie von der Stadt Dortmund und der Polizei auch ernst genommen?

 

Und natürlich wurden alle diese Forderungen von den Verantwortlichen mit einem verständnisvollem Lächeln zur Kenntnis genommen; man sei ganz der Meinung der Kinder und Jugendlichen. Schöne Symbolpolitik. Toll.

Was danach von seiten der Polizei und später dem Jugendamtsleiter folgte, war jedoch sagenhaft: anstatt sich der Probleme des Radverkehrs WIRKLICH! anzunehmen, wurde wieder mit der unseligen Helmdiskussion begonnen. Ich habe eigentlich keine Bock mehr auf diese Diskussion. Ja genau! Wir Radfahrerinnen und Radfahrer haben diese verdammte Symbolpolitik, die nur an den Symptomen herumdiskutiert und nur punktuell Linderung bringt anstatt die Ursachen zu bekämpfen, gründlich satt!

Glauben Sie ernsthaft, Polizei und der Herr Jugendamtsleiter, daß ein Helm Kinder und Jugendliche – und auch die Erwachsenen – ernsthaft im Alltags-Radverkehr komplett schützt???

Sehen Sie nicht, wie schmal die Radwege sind, in welchem miesen Zustand (Oberfläche marode, Rillen, uneben wegen Baumwurzeln, verdreckt durch Glasscherben etc.)??? Merken Sie nicht, daß es diese schlechten Wege sind, die das Radfahren in Dortmund gefährlich machen?

Merken Sie nicht, daß dem Autoverkehr seit Jahrzehnten eine Vorrangstellung eingeräumt wird, sprich: dass die meisten Straßen nur für Autos gebaut sind und werden? Dass diese Vorrangstellung dazu führt, daß Autofahrer-/innen eine Narrenfreiheit verspüren und somit Radfahrer-/innen zu eng überholen, schneiden, unachtsam die Autotür aufreißen, so daß man dagegen fährt, die Fahrradwege so selbstverständlich zuparken, als ob es ein ausgeschriebener Parkplatz wäre???

DAS SIND DIE WAHREN URSACHEN FÜR DIE GEFAHREN, die radfahrende Kinder und Jugendliche in Dortmund bedrohen! Mit dem Tragen eines Helms kann man diesen Gefahren nicht begegnen.

Der VCD (Verkehrsclub Deutschland) macht ebenfalls darauf aufmerksam: https://www.vcd.org/themen/radverkehr/helmpflicht/

Andere Länder – ich glaube, eins ist sogar der direkte Nachbar des Bundeslandes Nordrhein-Westfalen und hat noch eine Monarchie – lachen über uns Deutsche, die sich freiwillig eine häßliche Styropor-Kugel auf den Kopf stülpen. Dort trägt kaum jemand Helm, denn es ist schlicht und einfach nicht notwendig. Wer sich sicher auf der Straße und im Stadtverkehr fühlen kann weil sie oder er nicht befürchten muß, daß man vom Autofahrer (oder der Autofahrerin) wieder abgedrängt, aus dem offenen Fenster heraus beleidigt und angeschrien wird, der oder die braucht keinen Helm!

Wir Radfahrerinnen und Radfahrer wollen wie alle Bürger-/innen eine lebenswerte Stadt, bei der wir Zweiradfahrer ohne Motor gleichberechtigt sind. Ein Großteil von uns hat keinen Bock mehr, immer dem Autoverkehr das von den „Motorsportfreunden“ empfundende Vorrecht auf Platz und Existenz einzuräumen. Das Ende unserer Geduld ist ERREICHT. Nicht umsonst gibt es den Allgemeinen Deutschen Fahrradclub ADFC, die Initiative VeloCityRuhr, Bündnis RadFairkehr und IbikeNürnberg (beide letztere in Nürnberg ansässig), die Critical-Mass-Bewegung (> http://www.itstartedwithafight.de & http://itstartedwithafight.de/critical-mass-deutschland/ )

 

Wohlgemerkt: ich bin nicht gegen den Fahrradhelm an sich, aber dieses ständige, gebetsmühlenartige Verkünden des Helms als Allheilmittel gegen alle Gefahren für Radfahrerinnen kotzt mich gewaltig an. Den Kindern wurde heute ein völlig falsches Bild vermittelt: mit dem Helm allein bist du sicher. Eben nicht. Es sind die schlechten Wege, die Arroganz, die Aggressivität und die Ungeduld vieler Autofahrer-/innen, die Kinder und Jugendliche – und alle radfahrenden Menschen – in Dortmund und anderswo gefährden.

Ein Teilnehmer und Bekannter von mir trägt aus Überzeugung Helm – aber es fällt ihm nicht ein, mir ständig erzählen zu müssen, ich solle auch einen tragen. Fahrradhelm zu tragen ist die eine eigene freie Entscheidung – und keine Pflicht.

Es ist absolut nicht nachvollziehbar, weshalb bei der Station am Polizeipräsidium nur über der Helm als sinnvolles Mittel für Verkehrssicherheit angepriesen wurde. Die Krönung erfolgte dann noch dadurch, daß der Polizeibeamte Sch. die Angebote für Fahrradhelme bei Discounter-Supermärkten als preisgünstige Modelle empfahl. (Dass der Verkehrsunterricht für die Grundschüler-/innen zu erwähnen und zu würdigen ist, steht außer Frage).

Aha. Und die Polizeiuniformen werden bei C&A bestellt. Ich dachte bisher immer, daß der Polizeidienst körperlich so anstrengend sein kann, daß die Jacke und Hose mehr aushalten müßten als nur einen einfachen Schlag mit Händen oder Beinen. Die Polizei glaubt doch nicht ernsthaft, daß ein Helmmodell vom Discounter seinen Zweck – dem Schutz des Kopfes (und nur des Kopfes, nicht den Schutz von Armen, Beinen oder überhaupt des Körpers!)- erfüllen kann?!?

Es ist schon klar: die Polizei kann die Verkehrsinfrastruktur nicht zu einer radfreundlichen Umgebung machen. Das ist die Aufgabe der Stadtverwaltung. Was die Polizei aber tun kann: sich mehr – oder überhaupt! – sich mit den Belangen von Radfahrer-/innen befassen! Eine Teilnehmerin nahm das Angebot, Fragen an die Polizei zu stellen, an. Die Antwort auf ihre Frage war kurzsichtig und nur eine Ausrede. Sie war für einen begangenen Fehler von 2 Streifenpolizisten gemaßregelt worden. Dabei ging es nicht darum, daß sie ihren Fehler nicht einsehen wollte; es ging um die Art und Weise, wie die beiden Beamten mit ihr umgegangen waren: sie ließen die Radfahrerin, nachdem sie diese angehalten hatten nicht ausreden , hörten ihren Argumenten nicht zu, machten sie nur runter. Toll gemacht. So stärkt man das Ansehen der eigenen Behörde. Glückwunsch. Und dann noch Geldstrafe androhen. Man hatte grad den Eindruck, die beiden hätten Spaß an ihrer Maßregelung. Hätten die Beamten sich auch nur genauer die Stelle Kreuzung Bornstraße/Heroldstraße angeschaut hätten sie gemerkt, wie schlecht die Verkehrsführung für Radfahrer-/innen dort ist. Kein-/e! Autofahrer-/in würde es dulden, große Umwege fahren zu müssen! Auch wir Radfahrer-/innen haben das Recht, zügig und sicher zum Ziel zu kommen! Wehe es ist mal eine Umleitung… sofort beschwert sich ein Autofahrer. Und wir Radfahrer-/innen sollen das Maul halten. Nee, bestimmt nicht!

Sich die Verkehrsführung genau ansehen, das würde konkret heißen: breiterer, sicherer Übergang der Herolstraße über die Bornstraße für Fußgänger-/innen UND RADFAHRER-/INNEN. Genügend lange Ampelschaltungen damit man als Radfahrer-/in nicht unfreiwillig mit den manchmal sehr langsamen Fußgänger-/innen ins Gehege kommt. Wegen ein paar Schnarchnasen hat auch ein Radfahrer weder Lust noch Zeit, in der Mitte auf der Vekehrsinsel zusätzlich warten zu müssen. Und im übrigen sind wir nicht der emotionale Mülleimer für niemanden, auch nicht für Polizisten. Im o.g. Fall konnte man den Eindruck gewinnen. Es war wie ein Machtmißbrauch: anstatt sich mit der Sache wirklcih zu befassen, wird eine Radfahrerin beschuldigt. Dabei hat sie sich höflich verhalten – was von der Polizei ja gefordert wird. Leider war die Reaktion unverschämt, unhöflich und von Nichtwissen und Gedankenlosigkeit geprägt. Das erzeugt statt Achtung nur Wut für diese Polizeibeamten beim Bürger.

Es geht dabei nicht darum, die Polizei im gesamten zu diskreditieren. In anderen Situationen hat diese Radfahrerin und Bürgerin gute Erfahrungen mit der Polizei Dortmund gemacht.

Zwei Sternfahrt-Teilnehmerinnen und Erzieherinnen machten auf die miese Verkehrssituation an ihrem Arbeitsort, der Kindertagesstätte am Theodor–Fliedner-Heim, aufmerksam. Zu kurze Ampelschaltungen, Autofahrer-/innen, die sich nicht an Geschwindigkeitsbegrenzungen halten, gefährden das Leben nicht nur der Kinder (meist unter 3 Jahren), sondern auch die der Senioren im Theodor–Fliedner-Heim.  Seit 6 Jahren ärgern sich die Erzieherinnen schon über diese Verkehrssituation. Passiert ist bisher – nichts. Dabei sind Kinder (und Jugendliche) der Gesellschaft doch angeblich soviel wert: wenn die Nachricht einer Kindesentführung oder gar Mord die Runde macht, ist die Welle der Empörung groß, die/der Täter-/in muß gar Morddrohungen fürchten. Die Gefahr, von einer Blechkiste getötet zu werden, wird offensichtlich stark unterschätzt….

An der Station beim Jugendamt war zu bemerken, daß der Leiter dieses Amtes zwischen Alltags- und Reiseverkehr mit dem Rad nicht zu unterscheiden weiß. Auch er lobte die Kinder ausschließlich dafür, daß sie Helme trugen. Er betonte, daß seine Behörde sich für die Belange von Kindern einsetze. Letzteres ist zweifelsohne zu würdigen. Nach der Logik des Helmtragens müßte meine Generation – noch vor 1990 geboren – nahezu ausgestorben sein. In den 1980er und 1990er Jahren dachte niemand an einen „Fahrradhelm.“

Aber bitte, warum kommt der Jugendamtsleiter mit dem Skifahren in seiner Freizeit daher, wenn es um die Frage geht, ob man im ALLTAGSverkehr Helm trägt oder nicht??? Es ist ein riesen Unterschied, ob im ich im Alltag mit dem Rad unterwegs bin oder ob ich (Rad-)Sport in meiner Freizeit betreibe! Wie ein anderer Teilnehmer heute richtig sagte: „ich will im Alltag sicher unterwegs sein können, ohne mich panzern zu müssen.“ Daraufhin fiel dem Jugendamtsleiter und Helmfreund nichts mehr ein. Beim ADFC Nürnberg besteht z. B. nur bei Mountainbiketouren Helmpflicht. Der Grund liegt klar auf der Hand: hier handelt es sich um Sport, um die Fahrt in unebenem Gelände, das mehr und echte, weil andere Gefahren birgt als der Straßenverkehr. Bei Rennradtouren empfiehlt sich auch das Tragen eines Helms. Aber wegen ein paar Kilometer zur Arbeitsstätte oder zum Einkauf? – Nee!

 

Daher noch einige Forderungen an den Jugendamtsleiter und manche Damen und Herren in Uniform, oder sagen wir mal, Tips, die heute ausgeblieben sind:

  • setzen Sie sich, wenn Sie als Polizeibeamter/in nicht der Fahrradstaffel angehören, öfter mal auf´s Rad und fahren Sie durch die Stadt. Was spüren Sie, was fällt Ihnen auf? Wie reagieren die Autofahrer-/inne auf Sie als Radfahrer-/in?
  • >>> Na, mal wieder unfreiwillig über Glasscherben gefahren?  >>> Plötzlich überrascht gewesen, weil der Radweg – noch dazu benutzungspflichtig – ohne Vorwarnung endet und man plötzlich ungeschützt auf der Fahrbahn steht? >>>Einem herannahendem Auto (das eher selten die vorgeschriebenen 50 km/h fährt) fast einen „Kuß“ an die Breitseite gegeben? >>> Plötzlich gewundert, daß eine Blechkiste den – meist benutzungspflichtigen Radweg ,den Sie gerade befahren, versperrt?

Eine Aktion gegen Falschparker als freundlicher Hinweis. Danke an den VCD. Diese einfache Karte löste bei der Ablage auf die Windschutzscheibe sogar schon Wutgeschrei aus, als ob man den heiligen Sportwagen zerkratzt hätte.

  • Achten Sie verstärkt darauf, wie Autofahrer-/innen sich gegenüber Radfahrer-/innen verhalten. Auch wenn es in der Radfahr-Zunft Chaoten gibt: die meisten Unfälle werden durch den motorisierten Verkehr verursacht. Wir Zivilisten, die wir Radfahrer-/innen nunmal sind, dürfen es nicht, aber die Polizei dürfte es: die Raser, Drängler, Radweg-Blockierer (die „nur mal schnell Zigaretten holen wollen – interessanterweise sind es meist Männer), die Brüller und Schreier, die Radfahrer-/innen bedrohen:  festhalten.
  • Und dann: In einen Raum setzen, zum Schweigen bringen – und sie zwingen, daß sie uns Radfahrer-/innen zuhören.
  • Radfahrer-/innen sollten dabei vorne stehen und den „motorsportfreunden“ mit ruhigen Worten und einer Präsentation erklären, warum sie wie gefahren sind und warum es – tatsächlich oder scheinbar – zum Konflikt mit den anwesenden Autofahrer-/innen gekommen ist.  Auch wenn noch nicht wirklich was passiert ist, selbst nicht ein kleiner Lackschaden, ist die Situation im alltäglichen Straßenverkehr so aufgeheizt, daß selbst ein ruhiger sachlicher Ton nicht mehr beim Gegenüber ankommt. Na dann…. braucht sich kein Autofahrer/keine Autofahrerin mehr wundern, wenn die Wut bei radfahrenden Menschen steigt und steigt.
  • In Berlin ist die Situation schon so weit eskaliert, daß Radfahrer-/innen sich nicht mehr an Regeln halten. Irgendwann hat man keine Geduld mehr. Es werden immer mehr Menschen, die erkennen, daß man mit dem Rad die meisten Alltagswege zurücklegen kann. Und nun fordern sie ihr Recht, ihre Gleichberechtigung auf den Straßen. Das heißt für Berlin UND DORTMUND: man muß dem Autoverkehr Platz wegnehmen! Denn bisher hat der radfahrende Mensch viel zu wenig Platz! Leider sind viele Lokalpolitiker-/innen dazu nicht mutig oder nicht willens genug. Auch die erfolglose Suche nach Bauingenieur-/innen bei der Stadt Dortmund spielt eine Rolle, wie zu erfahren war.

 

  • Hören Sie zu, bevor Sie verurteilen oder beurteilen. Die beiden o.g. Beamten im Mai an der Kreuzung Herold-/Bornstraße waren leider nicht fähig dazu. Meistens sind Radfahrer-/innen einsichtig, weshalb sie einen Fehler gemacht haben sollen. Keine-/r macht gern oder aus Mutwillen Fehler. Aber an vielen Stellen ist die Verkehrsführung so beschissen – man muß es so deutlich sagen – dass man Fehler machen muß. Ja, Sie haben richtig gelesen! Wenn der benutzungspflichtige Radweg mit Glasscherben voll ist fahre ich NICHT darauf, wenn es nur eine Fußgängerampel gibt, obwohl es eine im FAHRRADSTADTPLAN eingezeichnete Route ist, fahre ich verdammt noch mal dort entlang!
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  • An dieser Stelle sei bemerkt: Radfahren heißt nicht rasen, sondern fahren, also die Fußgänger-/innen leben lassen und ihnen ein Existenz- und Platzrecht gewähren.

 

  • Dringend: eine Änderung in der Fahrschullehrer-Ausbildung! Wie oft wird man selbst von Fahrlehrern angeschrien und wie ein lästiges Insekt behandelt daß sie am liebsten tot schlagen möchten. Und dazu eine verpflichtende Nachschulung von bereits ausgebildeten Fahrlehrern, damit sie die Belange des Radfahrers/der Radfahrerin nicht nur kennenlernen, sondern diese ihnen auch bewußt werden!

 

Nach all diesen Erfahrungen – ich fahre schon seit über 20 Jahren 99% meiner Alltags- und Reisewege mit dem Rad – kann ich mich über unser Land nur wundern. Deutschland = Fahrrad-Entwicklungsland. Als ob Piech, Zetsche & Co. sich über den Bau und Verkauf von Postkutschen  statt Autos Gedanken machen. Und die „Pferde“ heißen dann „Opel Kadett“, „VW Touran“, „Mercedes C-Klasse“, „Audi TT“ usw. Ah ja. Seltsam nur, daß dann keine Pferdekacke auf den Straßen rumliegt. Dafür gibt es jede Menge unsichtbaren Feinstaub, der die Menschen immer kränker macht. Ist eben nicht sofort und nicht so deutlich sichtbar, als wenn jemand droht, an Ebola zu krepieren oder mit einer Waffe zu schießen. Angeblich sind allen doch die Kinder und Jugendlichen bei der Sternfahrt in Dortmund heute so wichtig… warum gibt es dann keine radikalen Verändungen und Verbesserungen in der Fahrradinfrastruktur? Fahrräder machen weder Dreck noch nehmen sie soviel Platz weg wie die immer größer und wuchtiger werdenden Autos (SUV und ähnlicher Unsinn in der Stadt). In den meisten Blechkisten sitzt nur ein Mensch, der durch die Stadt fährt. Und das bei mind. 4 Sitzplätzen. Ganz schön effizient und sinnvoll.

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Der Helm soll´s richten mit der Sicherheit. Tut er aber nicht. Was wirklich schützt ist eine fahrradfreundliche Verkehrsinfrastruktur. Und die ist eben komplizierter und aufwendiger als die Bestellung von x Helmen. Darüber freut sich nur der Hersteller, aber es nützt kein-/eRadfahrerin wirklich.

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Für bessere Luft, erst recht in den Städten: die Forderung des ADFC Nordrhein-Westfalen. https://www.adfc-nrw.de/fahrradland-nrw.html

 

Zur Situation Autofahrer-/innen und Radfahrer-/innen:

Was nicht nur Kinder und Jugendliche beim Radfahren schützt und was nicht:

http://www.zeit.de/mobilitaet/2017-06/radfahren-grossstadt-strassenverkehr-gefahren-bloggerin-interview

Und auf dem Blog: http://www.radelmaedchen.de

http://www.fr.de/panorama/verkehrssicherheit-fahrradhelm-hilft-aber-a-1347657

http://fahrradzukunft.de/25/motorisierte-gewalt/

Nordrunde durch Dortmund

Auf der Suche nach einer möglichen Feierabendrunde habe ich mal wieder den Fahrradstadtplan studiert… es kann doch nicht sein, daß es nichts wenigstens annähernd adäquates wie die Erzbahntrasse zwischen Bochum und Essen-Zollverein auch für Dortmund gibt! Für´s Freibad war es schon zu spät, der Wind relativ heftig… und das Lastenrad des Typs BULLITT, ausgeliehen von VeloCityRuhr noch verfügbar. Also auf, um den hohen Norden Dortmunds zu erkunden.

Eine zentraler, gut erreichbarer Ort für den Start ist der Borsigplatz.Genau, das ist der Platz, wo die schwarz-gelben Fahnen hoch an den Laternenmasten hängen und wo Fußballfans feuchte Augen bekommen. Von dort aus geht es auf die Borsigstraße und dann die häßliche Bornstraße Richtung Dortmund- Eving. Der Radweg, der leider benutzungspflichtig ist, taugt nichts: viel zu schmal, wenn auch meistens sauber und späer im Nichts endend.

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Über die Eisenstraße und Burgholzstraße fährt man entlang des Nordfriedhofs; das Grün nimmt schon an dieser Stelle leicht zu. Links in die Osterfeldstraße abgebogen, ist man schon in EVING. Ein Stadtteil, der mehr wirkt wie ein größeres Dorf. Leider auch hier endet der Radweg einfach auf der Fahrbahn und noch dazu an einer Bushaltestelle… ist nur eine Frage der Zeit, bis es mal zwischen motorisierten Verkehr und Radfahrer-/innen kracht, ganz ohne Mutwillen seitens der Radfahrenden.

 

Nach ca. 3 km am Ende der Wildbergstraße: endlich fängt der Wald, das dichte Grün an!  „Süggel“ oder „Süggelrand“ heißt das Waldgebiet, das bald in ein Waldstück namens „Grävingholz“ übergeht. Die Wegweisung am Waldrand ist anfangs etwas verwirrend, letztendlich hatte ich aber die richtige Abbiegung gefunden: Den R 8, geradeaus in den Wald hinein.

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Der Rote Rudolf freute sich sichtlich, mal nicht nur schwere Lasten innerhalb von dicht an dicht stehenden Häusern zu transportieren, sondern eine Ausflugsfahrt zu machen.

 

 

Der Ausblick auf Holthausen (hinter dem Hügel)  , nachdem man den Wald verlassen hat.

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Bemerkenswert: man hört hier wirklich keine Autos, keine Autobahn. Nur landwirtschaftliche Geräte, momentan bei der Getreideernte und Heu- bzw. Strohballen-Herstellung. Auch das gibt es in Dortmund…

 

Weiter auf dem R 8 nach Holthausen.

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Den Bewohnern am Wegesrand guten Tag sagen… manchmal kommen auch Reiter entgegen auf diesem Weg, daher etwas aufpassen.

 

 

Weiter  bergab auf der Kamphecke…

 

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Fast wie im hohen Norden 😉 und nicht mal sooo steil die Anstiege!

 

 

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Eine grüne Bushaltestelle gleich neben dem Maisfeld… da geht dem Städter doch das Herz auf! 😀 Und der Linienbus fährt 1x in der Stunde, auch sonn- und feiertags… das ist schon viel für eine ländliche Gegend. Einmal überholte mich diese Buslinie, ein putzig wirkender Mercedes-Kleinbus. In Nürnberg kurvt auch sowas rum… irgendwie putzig diese kleinen Busse.

Und wieder einen Stadtteil kennengelernt… Schwieringhausen.

Sieht gar nicht aus, als ob es zur Stadt Dortmund gehöre…

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Laut Stadtplan sollte es links auf der Alt-Mengeder Straße zum Dortmund-Ems-Kanal gehen. Eine freundliche Autofahrerin, die gerade neben mir hielt, um zu parken, gab mir aber einen anderen Rat. Rechts in die Ortschaft rein, dann rechts in die Sackgasse… und gleich wieder rechts bei der Schranke, die in den Wald hineinführt. Lustigerweise gab es zwei Schranken, eine davon hatte einen Durchlaß für Fußgänger, das Bullitt passte gerade so durch.Ein Weg mit Kennzeichen „Verbot für Fahrzeuge aller Art“… pffft. Der Weg wird ausprobiert. Nach einem kurzen Weg durch ´s Gebüsch von Brennesseln und Brombeeren stand ich plötzlich am Dortmund-Ems-Kanal.

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Am Kanal überkommt mich oft die Sehnsucht nach dem richtigen Norden…

 

Unscheinbar: das ist die Verbindung Schwieringhausen zum Dortmund-Ems-Kanal.

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Entlang des Kanals zurück in die Nordstadt Dortmund…

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Unterwegs noch Abendessen. Schöner kann es kaum sein als hier…  🙂

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Der Weg auf dieser Seite – links in Richung Industriehafen und Nordstadt  – unterscheidet sich in seiner Beschaffenheit kaum von dem auf der anderen Seite. Aber wie ich es geahnt hatte, ist er nicht komplett durchgängig. Wegen eines Betriebsgebäudes der Kanalwirtschaft mußte ich auf eine Landstraße ausweichen und fuhr auf der Holthausener Straße Richtung Nordstadt… auf der Fürst-Hardenberg-Allee soll es mal wieder zum Dortmund-Ems-Kanal abgehen, aber mit dem Bullitt war es letztendlich doch angenehmer, die Straße zu fahren. Bis auf wenige landwirtschaftliche Fahrzeuge war nicht soviel los. Dadurch, daß ich nicht am Kanal fahren konnte, lernte ich den Stadtteil, der praktisch zum Industriehafen gehört, kennen: Dortmund-Lindenhorst. Allerdings, außer Firmengebäuden und Geschäften wie Auto- und Motorradhändlern scheint es kaum Wohnungen in Lindenhorst zu geben…

Die Fürst-Hardenberg-Allee und die Lindenhorster Straße brachten mich zurück in die Nordstadt von Dortmund zum Fredenbaum-Park und Borsigplatz. Am Ende verlief die Strecke etwas anders als geplant, dennoch war es eine schöne Tour für eine Feierabend-Runde.

 

Meinen herzlichen Dank an VeloCityRuhr für den möglichen Verleih des Lastenrads Roter Rudolf! 🙂  RIDE ON!

 

Gibt´s das auch im Ruhrgebiet?

Seit November 2015 wohne ich nun schon im Ruhrpott und bewußt oder unbewußt vergleiche ich das, was die neue Umgebung von der alten unterscheidet. In Thüringen, genauer gesagt in Jena, mußte ich nur vor die Haustür treten und hatte Wald und eine Burgruine vor mir (die Lobdeburg, der fränkischen Herren von Lobde, im 17. Jahrhundert bereits aufgegeben). Der Kontrast zum Ruhrpott fällt auf den ersten Blick krass aus: dichte Besiedelung, erst mal muß man eine ganze Weile durch die Stadt fahren, bis man im Grünen ist…

Schon bei der Fahrt zum Haus Kemnade vor ein paar Wochen ist mir eine Burg aufgefallen gewesen. Fährt man durch´s Saaletal, hat man alle paar Kilometer eine Ruine oben am Waldhang stehen. Wer sich also berufen fühlt, sich dort ein schickes Wochenendhaus zu erbauen….

Seit November 2015 versuche ich anhand des Fahrradstadtplans Dortmund eine Feierabendrunde zu erstellen, die – auch – durch´s Grüne geht. und Seit November 2015 sehe ich ein Ziel auf der Karte, das ich endlich mal erreichen will – aber im Winter einmal nicht geschafft hatte. Der Weg war doch weiter als geschätzt gewesen und die Steigungen stärker als gedacht.

Es ist: die HOHENSYBURG.

Bisher nur vom Hörensagen bekannt und durch ein paar Bilder von VeloCityRuhr im Netz, wollte ich diese Burgruine am südlichsten Rand von Dortmund einmal erklimmen – trotz der heftigen Steigungen. In früheren Jahrzehnten soll Hohensyburg sogar ein beliebtes Ausflugsziel gewesen sein.

Karsten W. kam mit dem Rennrad mit und feuerte mich zuverlässig an, damit ich die Auf und Abs auf dem Weg zur Burgruine Hohensyburg schaffte. Ich fühlte mich glatt wie zuhause in der alten Heimat!

 

Der Vorteil, wenn es nicht so sonnig ist: es sind weniger Leute unterwegs. Am Parkplatz vom Casino herrschte zwar reger Betrieb, aber bei der Ruine Hohensyburg war kaum eine Besucherin. Der Ruin kommt wohl erst dann, wenn man das Casino verläßt…

 

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Von dieser Anhöhe aus kann man ins, ich glaube Lennetal sehen. Die Häuser müssen zu Ortsteilen von Hagen gehören, am Fuß des Berges muß der Hengsteysee sein – so sieht es auf der Landkarte aus. Sehen kann man den langgezogenen Hengsteysee von der Hohensyburg aus nicht.

 

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Der Durchgang zum Kriegerdenkmal.

Der Radweg Richtung Dortmund Zentrum ist ausgeschildert, aber nach den starken Anstiegen hatte ich wenig Lust, noch mal mit einem Faltrad und 8 Gängen mehrere Berge hochzufahren, bzw. zu schieben. Auch Schwerte hat einen Bahnhof… und so sausten wir fröhlich den Berg hinunter und die elektrischen Pferde brachten uns nach Hause.

Weitere Infos:

http://www.ruhr-guide.de/freizeit/burgen-und-schloesser/die-hohensyburg-in-dortmund/11,0,0.html

Aber dennoch: es ist schöner, mit dem RAD zur HOHENSYBURG zu FAHREN, nicht mit dem Auto, wie in dem Link genannt.

Kartenmaterial, erhältlich hier:

http://geoweb1.digistadtdo.de/OWSServiceProxy/client/radwege.jsp

https://www.dortmund.de/de/leben_in_dortmund/planen_bauen_wohnen/vermessungs_und_katasteramt/karten_und_geodaten/stadtplaene__uebersichten_und_orientierungskarten/index.html

Der Weg R33 führt zur Hohensyburg. Unabdingbar ist dennoch die Verwendung entweder des Fahrradstadtplans Dortmund oder eines elektronischen Navigationssystems wie komoot.

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Alltagsbeobachtungen VII: Unsere Arbeit am Westfalenstadion, die ADFC-Fahrradwache.

An die Leute, die immer wieder zu uns als Fahrradwächterinnen kommen, um Ihr Gepäck abzugeben:

Wir machen unsere Arbeit gerne und geben auch noch freundlich Auskunft für Sachen, die uns nichts angehen – die Gepäckabgabe-und Aufbewahrung. Das wurde mehrere Male vorher schon gesagt: im Zwitscherfunk =Twitter ebenso wie mündlich und auf Plakaten an der Wache.
Was aber gar nicht geht: nichts sagen und einfach seine Tasche über den Zaun auf unser Gelände schmeißen, während wir mit der Abfertigung der Räder beschäftigt sind. Im Gegensatz zur Hydra hat jede von uns nur 1 Kopf und nur 2 Augen und kann nur 1 Menschen auf einmal zuhören. Das sind meistens, Radfahrer-/innen, die zu uns kommen und ihr Rad parken wollen. Und genau dafür und nur dafür sind wir da, weil wir ehrenamtliche Arbeit für den Allgemeinen Deutschen Fahrradclub, Kreisverband Dortmund e. V. machen. Infos dazu gibt es hier:

https://www.adfc-nrw.de/kreisverbaende/kv-dortmund/service/service-details/article/bvb-fahrradwachen.html

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Die Fahhradwache am Westfalenstadion. Das dunkelgraue Häuschen ist die Helmbude = eine Gepäckabgabestelle. Der Container mit dem BVB-Logo ist ein Fanartikel-Verkaufsstand.

 

Die zahlreichen Anfragen, sein Gepäck abgeben zu wollen zeigt auch, daß  die Ordner an den Stadiontoren offensichtlich falsch informiert sind und die Fans zu uns in die Fahrradwache statt in die unmittelbar daneben liegende Helmbude zu schicken. Außerdem scheint es immer noch zu wenige Abgabestellen für die ganzen Handtaschen, Rucksäcke bis zu dicken großen Reisekoffern zu geben. Wenn man von weiter her anreist und vor dem Spiel das Hotel, in dem man übernachtet hatte, verlassen hat, um erst das Fußballspiel zu sehen und danach wieder nach Hause zu fahren/zu fliegen kann es zugegebenermaßen schwierig sein, den Koffer irgendwo sicher zwischenzulagern. Die Fahrradwache am Westfalenstadion ist aber der falsche Ort dazu.

Der BVB ist aufgerufen, für mehr Gepäckabgabestellen zu sorgen und dies auch auf allen Kanälen öffentlich mitzuteilen, damit auch die letzten nicht erst 5 Minuten vor Spielbeginn merken, daß sie mit ihren Taschen nicht ins Stadion können. Außerdem soll er bitte den Ordnern an den Stadiontoren genau sagen, wo Gepäck abgegeben werden kann – eben nicht in der Fahrradwache, die zufällig unmittelbar neben der Helmbude=eine Gepäckabgabe von mehreren, liegt.

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Eingang der Fahrradwache.
Eigentlich sollte jede und jedem klar sein, was diese Gedankenlosigkeit und Dummheit für Folgen hat: weiträumige Polizeiabsperrung, verärgerte Fans, die Umwege bei dem Weg aus dem Stadion nehmen müssen und ihre Räder mit über 1 Stunde Verspätung erst holen konnten, weil der Bombenentschärfer erst anreisen musste. Damit haben Sie sich mega Freunde gemacht und Ärger eingehandelt, entehrte Taschenbesitzer! Ein Jungspund nahm es offensichtlich als lustig an, durch die Absperrung zu rennen, angefeuert von einem etwas älteren Mädel, die prompt eine Anzeige von der Polizei bekam (wie der Vorwurf genau lautete, war nicht auszumachen). Wohl hatten beide nicht den Ernst der Lage erkannt und mußten auf die leider harte Tour ihre Leichtfertigkeit büßen. Danke an die Fans, die trotz der langwierigen Warterei geduldig geblieben sind und nachher noch ihre Räder von uns kontrollieren haben lassen. Danke auch an die Polizei (Münster, nicht Dortmund), die ruhig und besonnen gearbeitet hat, die Fahrradwache rundherum gesichert und uns nicht gehetzt hat, als wir die Fahrradwache verlassen mußten.

Eigentlich sollte man nach den Ereignissen der vergangenen Wochen wissen, dass es nicht so toll ist, seine Tasche irgendwo einfach stehen zu lassen ohne was zu sagen. Es waren noch ca.  45 Minuten bis Spielbeginn, als die Tasche wohl über den Zaun geworfen worden war. – deshalb wäre noch gut  Zeit für die Abgabe an den consignes gewesen. Aber mancher braucht wohl Post von der Polizei, um das zu begreifen 😑😒
Ich wünsche mir in Zukunft normale Spieltage ohne solche Idioten!

Angelika Steger & Kolleg-/innen vom ADFC Dortmund e. V.

Eigenartige Ruhe im Chaos

Die erste Semesterwoche ist rum. Während der Woche taten mir einmal die Beine weh als ob ich zuviel radgefahren wäre. Deshalb blieb das Pferd heute zuhause. Eins hat sowieso einen Platten. U-Bahn-Fahren, das heißt aber auch: Einkäufe selber schleppen müssen anstatt bequem an den Gepäckträger hängen und radfahren. Viel Auswahl an fußläufig gut erreichbaren Supermärkten hat man in der Innenstadt nicht. Das hat schon seinen Grund, die Stadt Dortmund hat entsprechende Gebote erlassen gehabt. Also rein ins stressige Gewühle der Fußgängerzone. Puh. Dabei wollte ich nur den Rewe im Einkaufszentrum „Thier-Galerie“ erreichen. Ich hasse Einkaufszentren. Und irgendwie scheint jede und jeder zu meinen, am Samstag „einkaufen gehen“ zu müssen.

Ich fand den Rewe und entdeckte zu meiner Überraschung die Imbißtheke mit den günstigen Preisen. Erst mal eine Pause einlegen. Gern kaufe ich hier nicht ein, auch wenn in dieser Filiale mehr Platz ist als in der Kaiserstraße.

In all dem Gewühle aus Farben und Werbeplakaten in Schaufenstern und auf Wänden und Tafeln (im Einkaufszentrum und auf der Straße) fielen mir zwei Werbeplakate auf, die eine eigenartige Ruhe im Chaos ausstrahlten. Keine schreiende Schrift, keine nackte Haut, die geifernd um Aufmerksamkeit heischte. Ausnahmsweise mal ein Werbeplakat, das man gern ansieht. Auch wenn man das Produkt nicht kaufen wird.

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Befreiend auch, daß es keine super-dürre und möglicherweise magersüchtige junge Frau in extra-knappen Bikini sein muß, um für dieses Schwimmbad zu werben.Und auch kein Muskelprotz mit Sixpack, dessen Körperfülle beängstigend wirkt. Beide Körperformen sind nicht attraktiv, auch wenn uns das die Werbung immer wieder weis machen will. Einzig allein die Tatsache, daß die Werbenden unbedingt meinen, daß man mit dem Auto zu ihnen kommen solle, stört. An eine mögliche Zufahrt mit dem Rad oder Rad&Bahn wurde möglicherweise schon beim Bau des Bades nicht gedacht.

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Zugegeben, ich weiß nicht, was die abgebildete Person macht (im Fernsehen moderieren, schauspielern, etc…..) Darum geht es mir auch nicht.

Dieses Plakat wirkt wie aus der Zeit gefallen. Es strahlt Ruhe aus, wirkt angenehm auf die Betrachterin. Keine grellen Farben, keine auffällige Kleidung, nicht mal ein farbiger Hintergrund und auch nicht  das aktuelle Cover der Zeitschrift ist abgebildet. Man könnte meinen, es gäbe noch das analoge Zeitalter ohne jede Art von Computer zuhause oder in der Hosentasche. Die beworbene Zeitschrift liegt auf dem Wohnzimmertisch beim (Leder-)sofa, wer nach dem Programm schauen will, blättert darin herum.

Wohlgemerkt, ich wünsche mir die Schreibmaschine NICHT ZURÜCK. Und Zeitschriften waren nur als Teenager mein Ding. Die Zeit läuft schneller, seitdem es Computer, das Internet und somit weniger Papier-Zeitungen gibt, so mein Eindruck. Man weiß schon gar nicht mehr, wann man eine Zeitschrift lesen sollte. Auch wenn es für die Augen angenehmer ist, von Papier als vom Bildschirm abzulesen. Gerade deshalb sind solche Werbeplakate angenehm. Sie fallen auf – nicht durch grelle, schreiende Farben und Schriften – sondern wegen ihrer Schlichtheit.