ADFC NRW, Allgemein, Landtagswahl 2017 NRW, Politik, Radverkehr

Frischer Wind für den Radverkehr in NRW

Eine Überraschung gab es am 20. Mai 2017 bei der Landesversammlung des ADFC Nordrhein-Westfalen in Neuss. Die 43 Deligierten aus den Kreis- und Ortsverbänden des Bundeslandes hatten einen Dringlichkeitsantrag für die Unterstüzung des neuen Bündnisses „Aufbruch Fahrrad: Verkehrswende für NRW“ vorliegen. Vorbild für diese neue Initiative ist der Volksentscheid Fahrrad in Berlin ( https://volksentscheid-fahrrad.de/de/willkommen-beim-volksentscheid/ ). Der ADFC Berlin hätte sich durch sein ablehnendes Verhalten gegenüber den Initiatioren des Volksentscheids sehr blamiert.  Dieser Antrag des Landesvorstandes wurde kontrovers diskutiert: manches ADFC-Mitglied gab an, diese Initiative nicht zu kennen, auch Angst vor dem möglichen Hintergrund wurde laut, man wolle sich nicht von Parteien wie der MLPD unterwandern lassen. „Wir müssen uns als ADFC nicht hinter denen verstecken“ monierte ein Mitglied. Michael Kleine-Möllhoff hielt dagegen, daß das „Aktionsbündnis Fahrrad“ keiner politischen Partei zuzuordnen sei. „Es geht auch nicht darum, immer in allen Punkten mit dieser Gruppe übereinzustimmen. Wenn wir die unterstützen, können wir mitwirken, bei den Formulierungen mitbestimmen. Wenn wir nur von außen zusehen, dann verpassen wir eine große Chance.“

Diese große Chance liegt darin, daß viele Mitglieder von „Aufbruch Fahrrad – Verkehrswende für NRW“ jünger als 50 Jahre sind. Seit Jahren kämpft der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) in nahezu allen Landesverbänden mit der Überalterung seiner aktiven Mitglieder. Die Zusammenarbeit beider Radlobby-Gruppen bringt neuen Wind in die Arbeit eines jahrzehntelang aktiven Vereins. Die Wirkung nach außen darf auch nicht unbeachtet bleiben: wer Unterstützer und aktive Mitglieder für die eigene Ehrenamts-Arbeit braucht muß seinen Mitgliedern das Gefühl geben, daß sie unterstützt und in ihren Interessen vertreten werden. Diese Unterstützung kann nur dann vorhanden sein, wenn sich Aktive von ihren Vorsitzenden und ADFC-Kollegen vertreten und anerkannt fühlen.

Monika Volkmer vom KV Aachen wies darüber hinaus auf eine vom ADFC fast unbeachtete Gruppe in der Bevölkerung hin: „Wir brauchen als ADFC nicht nur mehr Jugendliche, sondern wir brauchen auch Menschen mit Migrationshintergrund. Auch wenn wir aufgrund anderer Mentalitäten, z. B. bei dem was Frauen dürfen oder nicht dort anfangen müssen, wo wir vor 30 Jahren begonnen haben.“ Karsten Obrikat vom KV Märkischer Kreis verwies scherzhaft auf ein Mitglied, das, aus dem Bundesland Bayern, Region Franken stammend, nach Dortmund gezogen sei und und dort nun für den ADFC NRW aktiv ist.

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Nach einer lebendigen Debatte wurde diesem Dringlichkeitsantrag des Landesvorstandes  für die Unterstützung des Aktionsbündnisses mit großer Mehrheit zugestimmt.

Auch vorgestellt wurde das bereits im März gegründete Frauennetzwerk im ADFC. Derzeit gehören 3 Kreisverbände aus dem benachbarten Niedersachsen und einige aus NRW. Isabelle Klarenaar (stellv. Geschäftsführung des Landesverbandes) und Annette Quaedvlieg (Landesvorstand) erläuterten die Ziele dieses Frauennetzwerkes: Frauen seien auch im ADFC immer noch unterreprästentiert. Oft werde nicht bemerkt, wo Frauen im ADFC arbeiten würden. Neue Zielgruppen sollen angesprochen, einzeln arbeitende Mitglieder zusammengebracht werden – und das „für Leute, die das Gefühl haben, nicht die volle Stimme zu haben.“ (Zitat A. Quaedvlieg). Frauen sollen Kontakte zueinander aufbauen, Potentiale entwickeln und in Vorstandspositionen gestärkt werden.

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Nicht nur schicke, sondern auch starke Frauen fahren jede Art von Rad und arbeiten im ADFC aktiv für den Radverkehr – auch in Leitungspositionen. (Foto: K. Obrikat)

Alle Frauen, aber auch die Männer seien aufgerufen, dem Frauennetzwerk des ADFC NRW beizutreten.

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Einfluß des ADFC NRW auf die Landespolitik

Die Landtagswahl vom 14. Mai 2017 in Nordrhein-Westfalen stellte die Weichen für eine neue Landesregierung aus CDU und FDP. Die bisherigen Parteien SPD und Grüne wurden abgewählt, vor allem die SPD Essen war durch ihre Haltung zum Weiterbau des RS1 negativ aufgefallen ( Offener Brief des ADFC Essen an CDU und SPD: https://www.facebook.com/ADFC.Essen/photos/pcb.1317908344964083/1317907644964153/?type=3&theater ). Diese neue Landesregierung wird neue Minister-/innen stellen und der ADFC wird seine Arbeit gegenüber dem Verkehrsministerium neu gestalten müssen. In beiden Wahlprogrammen von CDU und FDP war nichts oder nur sehr rudimentäre Angaben zur Förderung des Radverkehrs in NRW gemacht worden. Der Chef der FDP, Christian Lindner wurde von einem Deligierten sogar mit den Worten aus der „Welt“ zitiert, daß es ein Verlust an Kultur sei, wenn es kein Automobil mehr gebe. Diese Aussage läßt wissen, welche Haltung eine der zukünftigen Regierungsparteien zum Thema Fahrrad und Mobilität hat.

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Hitzig diskutiert wurde der Antrag des Kreisverbandes Bielefeld, dass öffentliche Arbeitgeber in NRW ihren Beschäftigten geleaste Fahrräder oder Pedelecs gegen Gehaltsumwandlung zur dienstlichen und privaten Nutzung überlassen können. Ein Deligierter aus Wuppertal sieht darin nicht die erhoffte Verdrängung von Abgas erzeugenden vierrädrigen Dienstwägen, vielmehr würde aufgrund der steuerrechtlichen Bestimmungen viel Geld verloren gehen. Der Sachverhalt ist sehr kompliziert, weil öffentliche Arbeitgeber mit Steuermitteln arbeiten und die Tarifverträge im öffentlichen Dienst ein Leasing von Dienstfahrrädern nicht unbedingt zulassen (ver.di hatte sich bereits einmal dagegegen gesperrt. Dieser Antrag wurde vertagt.

 

RRX-Projekt soll Bahn und Fahrrad als Alltagsverkehrsmittel verbessern

Ein Vertreter des VRR  stellte das Projekt „RRX“ vor. Bei Befragungen von Nutzer-/innen verschiedener Bahnhöfe sollte evaluiert werden, ob und wie sich die Nutzung von Rad und Bahn für Alltagswege wie z. B. den Weg zur Arbeit, gestalten würde. Ziel des Projektes ist es, die Nutzung beider Verkehrsmittel zu optimieren.  Am Bahnhof Düsseldorf-Flughafen gibt es wohl bereits eine sichere Parkmöglichkeit für Fahrräder (Fahrradboxen).

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Doch was tut die DB AG und die AGFF (Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundliche Städte)  für das RRX-Projekt? Die Züge in NRW sind voll, da wird die Fahrradmitnahme auch mal schwierig, wenn man es nicht sicher am Startbahnhof verwahren kann. Konkrete Auskünfte konnten dazu leider nicht gegeben werden. Der VRR und die DB AG machen derzeit nicht gerade durch positive Dinge von Mit z. T. Überraschung wurde die Ankündigung der Fachtagung „Radverkehr & ÖPNV“ am 31.5. aufgenommen, für die die Anmeldefrist am Tag der Landesversammlung (20. Mai 2017) abläuft; manchem war diese Tagung nicht bekannt. Positiv zu vermerken ist, daß der VRR-Mitarbeiter auch Mitglied im ADFC NRW ist. (http://www.zukunftsnetz-mobilitaet.nrw.de)

 

Seminarangebote des Landesvorstandes zu wenig beachtet

Der Landesvorstand verwies erneut auf seine Fortbildungsangebote für Mitglieder zu den Themen Pressearbeit, Tourenleitung und Mitgliederwerbung, die nur wenig genutzt würden. Die Gründe für die Nicht-Teilnahme wurden von mehreren KV-Vertretern genannt: im Sommer finden die Freiluftveranstaltungen des ADFC statt (vor allem: geführte Touren), so daß keine Zeit für Seminare sei. Außerdem fänden die Seminare oft an schlecht erreichbaren Orten statt. Der Landesvorstand versicherte, daß in Zukunft die Seminare im Herbst und Winter stattfinden würden.

 

Am Ende eines langen Tages mit Beratungen, Diskussionen und Abstimmungen hat sich gezeigt: Vereinsarbeit kostet Kraft, vor allem wenn man seinen eigenen Antrag mangels Zustimmung aufgeben muß. Der gegenseitige rege  Austausch von Ideen fördert den Kontakt der Mitglieder untereinander. Die Erfolge (Fahrradfahrschule für Geflüchtete, geführte Touren, Einsatz für den Weiterbau des RS 1 in Essen u.a.) die der ADFC NRW für das vergangene Jahr 2016/2017 aber verbuchen kann zeigen, daß  Vereinsarbeit für den Radverkehr sich für jeden lohnt: für mehr schadstofffreie Mobilität und bessere Gesundheit aller Menschen in NRW.

Ein großes Dankeschön geht an den ADFC Neuss für die gute Wegweisung vom Hauptbahnhof zum Tagungsort, dem Rathaus und der Stadt Neuss für die Bereitstellung des Tagungsraumes.Wenn es dann auch mal noch mit der Fahrerlaubnis für Fahrräder Richtung Rathaus und zurück klappt, freut sich jede-/r Radler-/in – vor allem, wenn sie oder er Neusser Bürger-/in ist.

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