Die gefährlich rollende Wand

Trotz guter Sichtverhältnisse werden Radfahrende von LKW-Fahrenden "übersehen." Vergangenen Freitag hatte ich solch ein Erlebnis - fast. Foto: pexels-photo by Vlad Cheu

Es kam plötzlich. Man vertraut schließlich anderen Verkehrsteilnehmer*innen ein Stück weit, dass sie sich an das Gebot Vorfahrtsgewährung halten – man muss es auch, sonst könnte man sich nie wieder nach draußen trauen. Oft habe ich als Alltags-Radfahrerin über derartige oder ähnlich geartete Unfälle gelesen – nun wäre es mir gestern abend selbst fast passiert. Während ich die Westfaliastraße entlang fahre, kommt ein*e LKW-Fahrer*in von rechts aus der Mallinckrodtstraße. Ich fahre – selbstverständlich mit funktionierendem Licht am Rad – direkt auf ihn oder sie zu, durch das Fahrerhausfenster MUSS ich sichtbar sein. Ich verlasse mich darauf, bin müde nach der Arbeit und habe keinen Nerv für Konflikte. Doch es kommt anders.

Ich bin an diesem Abend nicht sonderlich schnell, will aber die Stelle zügig passieren. Als ich etwa auf halber Höhe der LKW-Breite bin, kommt der Schock: die dichte, beleuchtete Wand kommt immer näher! Kann man so blind sein? Oder unaufmerksam, gedankenlos? Ich kann noch abdrehen und mich auf den Gehsteig hinter mir retten. Dann sehe ich, weshalb der / die Fahrerin des Logistikunternehmens wohl hauptsächlich angehalten hat: aus meiner Fahrtrichtung kommt ein*e anderer LKW-Fahrer*in angefahren. Ich bin zu schockiert, um laut zu schreien vor Wut und Entsetzen. Nur vorwurfsvolle Blicke Richtung Fahrer*haus kann ich ausrichten. Das dunkle Etwas von dem man als Außenstehender nicht weiß, was warum darin vorgeht. Die Kommunikation mit motorisierten Verkehrsteilnehmer*innen ist immer schwieriger als mit Zweiradfahrenden.

Der andere LKW-Fahrer*in ist vorbeigefahren, in Richtung Hafen. Ich warte einen Moment, bis ich vor dem stehenden LKW das Rad vorbei schiebe. Extra langsam. Mein Gedanke: Freundchen, du sollst mir zum Nachdenken kommen! Eigentlich sollte man jetzt ein paar Worte, möglichst ohne Wut, wechseln. Aber ich kann auf der anderen Seite nur da stehen und in Richtung des dunklen Flecks schauen, hinter dem hoffentlich Menschen sitzen, die selbstkritisch über ihr Handeln nachdenken. Nach ein paar Momenten des Stillstands bewegt sich jede-/r wieder und fährt ihres und seines Weges. Welch Erstaunen auch, dass um 20.30 Uhr in einem Industriegebiet in Dortmund auch Radfahrende unterwegs sein können – man mag es nicht für möglich halten!

Ich wollte mir gar nicht so genau ausmalen, was passieren hätte können. Ich kenne genug furchtbare Unfälle (Zahlen von 2019 hier), oft mit Todesfolge. Und ohne gegen LKW-Fahrende schimpfen zu wollen: ihr Verhalten trägt oft dazu bei, dass es überhaupt zu Unfällen kommt. Immer nur das Tragen von schreiend gelber Neonkleidung und das Tragen eines Helms von Radfahrenden zu fordern, greift zu kurz, gibt den Opfern statt den Verursachern die Schuld am Unfall, an den Verletzungen. Ich bin weder Schüler*lotsin, noch Verkehrspolizistin noch Müllwerkerin. Wahnwesten erzeugen bei mir vor allem eins: Augenkrebs. Ganz zu schweigen von der elenden Schwitzerei durch den dichten Kunststoff. Was „Warnwesten“ (vor was soll bitte gewarnt werden?) bei mir NICHT ERZEUGEN: ein Gefühl von Sicherheit und Vertrauen in andere, vor allem motorisierte Verkehrsteilnehmer*innen, dass sie mich respektieren und damit möglichst keinen Unfall verursachen.

Die Behauptung, Radfahren sei überhaupt viel zu gefährlich, ist Unsinn. Auch in anderen Ländern funktioniert der Stadtverkehr mit hohem Radfahrer*anteil. Von Zeitungsberichten und Formulierungen, dass der fehlende Helm oder die nicht vorhandene, schreiend gelbe Wahnweste die Unfallursache gewesen sei, soll man sich nicht abschrecken lassen.

Dieser Vorfall am Freitag, den 6. November 2020, der fast zu einem tödlichen Unfall geworden wäre, hat mich schockiert. Die Ursache dieses Beinahe-Unfalls liegt aber nicht nur im Verhalten des/der LKW-Fahrerin begründet. Schuld an manchen Unfällen, wenn auch nicht diesem Beinahe-Unfall ist auch die miese, weil völlig unzureichende Verkehrsinfrastruktur der Stadt Dortmund. Im folgenden werde ich einige Stellen meines Arbeitswegs zeigen und erläutern, warum diese – auch bei StVO-konformen Verhalten von Radfahrenden gefährlich für sie ist.

Beginn der Westfaliastraße am Eck zur Unionstraße. Benutzungspflichtiger Radweg auf der falschen Seite. eigenes Foto.

Entlang der Westfaliastraße existiert tatsächlich ein gemeinsamer Rad- und Fußweg, durch niedrige Sträucher von der Fahrbahn getrennt. Die Idee der Trennung entspricht der Protected Bike Lane, kurz PBL, was zunächst positiv ist. Allerdings ist dieser Weg dennoch UNbenutzbar, weil er zu schmal ist. Denn er ist nicht nur als gemeinsamer Rad- und Fußweg, sondern auch als Zweirichtungsradweg beschildert. WIE SOLL man dort fahren können OHNE ZUSAMMENZUSTOßEN? Nicht-motorisierte Verkehrsteilnehmer*innen sollen sich dort auf 2 Metern Breite zusammendrängen, während Auto- und LKW-Fahrerinnen viel Platz, der meiste Platz im gesamten Straßenraum zugestanden wird. Eine einzige Zumutung. Aber es fährt wohl niemand vom Tiefbauamt oder der Polizei bewußt in der Westfaliastraße noch sonstwo Rad, sonst würden deartige Mißstände mehr Eingang ins Bewußtsein und Handeln dieser Personen finden. Vor allem bei Polizist*innen ist eine große Ablehnung, fast schon Abscheu zu spüren, wenn man Kritik an derartigen Wegen übt, wenn sie vom Baum der Erkenntnis essen sollen. Kritik an Bestehendem oder Zweifel scheinen offenbar mehr Schmerz als eine Gewinnung von neuen, sinnvollen Erkenntnissen zu bedeuten.

Der gemeinsame Rad- und Fußweg entlang der Westfaliastraße läuft nur auf der linken, also falschen Seite. Bei dieser Planung wird automatisch daovn ausgegangen, dass Radfahrende immer nur geradeaus fahren. Eigenartig nur, dass sie auch mal abbiegen wollen! Würde ich für meinen Arbeitsweg, ganz gleich ob ab der Kreuzung Unionstraße oder aus der Gegenrichtung vom Hafen kommend, diesen Radweg benutzen, müßte ich immer -genau genommen rechtswidrig – mit dem Rad den Fußgängerüberweg über die Westfaliastraße (Bild unten) und über die Königsbergstraße nehmen, um auf der rechten Straßenseite zu sein. Dieser – schilderkonforme – Weg ist umständlich und zeitaufwendig. Kein! Autofahrende*r würde solch eine Wegeführung lange dulden!

Blick von der Königsbergstraße aus auf die Westfaliastraße Richtung Hafen. Auf der linken, also falschen Seite der benutzungspflichtige gemeinsame Rad- und Fußweg.

Warum Radfahrende nicht wie alle anderen Fahrzeuglenker*innen auf der Straße fahren, sich links, bzw. rechts einordnen und damit sicher und in einem Zug abbiegen sollen (und danach sofort die Kreuzung wieder freigeben zu können), ist mir ein Rätsel. Sicher sind Radfahrende langsamer, nicht immer kann man sie gleich überholen. Da ist eben Geduld gefragt für ein paar Sekunden, genauso wie bei aus- und einparkenden Blechkisten in der Innenstadt, die den Weg versperren und die meine eigene Weiterfahrt verzögern. Seltsamerweise wird das von den meistens Autofahrenden seltener als störend und zeitraubend empfunden, während ich mir als Radfahrerin, nicht nur auf der auf der Westfaliastraße aber öfter ein lautes „Raaadweeg!“ aus dem Autofenster anhören darf, als ob ich keine Fahrberechtigung und Existenzberechtigung auf der Straße hätte. Wow, wie die sich auskennen, obwohl sie nur in ihrem Auto sitzen. Demnächst erzähle ich auch einer Pilotin, wie sie wo zu fliegen hat. Haha.

Huch,endlich geschafft! Abgebogen in die Königsbergstraße. sie führt über die Westfaliastraße und verbindet diese mit der Huckarder Straße.

Auf der Straße wird man als Radfahrende gesehen, weil man eben nicht „plötzlich“ von links, also vom Radweg kommt, um die Straße queren zu können. Rechtzeitige Handzeichen machen den Richtungswechsel klar. Mit einem Bewußtsein, dass Radfahrende gleichberechtigte Verkehrsteilnehmer* sind, dass Fahrradfahrer*innen zum Straßenverkehr selbstverständlich dazugehören, könnte es auf der Straße ein gutes Miteinander geben. In anderen Ländern klappt das schon längst, das Abendland ist dort nicht untergangen und keinem Mann ist irgendein Körperteil deshalb abgefallen. Leider hat sich in den letzten Jahrzehnten aber in vielen Hirnen die Ansicht durchgesetzt, dass nur motorisierten Fahrzeugen und ihren Insassen die Straße gehört. Das Auto als Teil der Persönlichkeit. Die gesamte Verkehrspolitik des 20. Jahrhunderts – und heute zum großen Teil immer noch – ist auf den motorisierten Verkehr ausgerichtet. Wenn das, was Autofahrende anrichten, nicht so schlimm wäre – die meisten Unfälle werden von motorisierten Fahrzeuglenker*innen verursacht, von der Luftverschmutzung mal ganz abgesehen – und nicht solch verheerende Auswirkungen auf die Umwelt hätten, könne man sagen: naja, lass Ihnen ihre Spinnerei. Angesichts der vielen Ghostbikes, auch in Dortmund, ist dem aber nicht so. Das Auto ist kein harmloses Verkehrsmittel.

Ein weiterer Grund für die Ablehnung der Benutzungspflicht dieses Radwegs in der Westfaliastraße sind die hohen Bordsteinkanten. Locker 20 cm hoch, sind sie höchstens war für Downhill- und Mountainbikefreund*innen, deren Territorium aber nicht die Teerstraße in der Stadt ist. Flüssiges, zügiges Fahren, das für alle Verkehrsteilnehmer*innen möglich sein muss, ist an dieser Stelle nicht möglich. Würde, ich , vom Containerhafen kommend, diesen Radweg benutzen wollen, müßte ich die Westfaliastraße queren, auf der rechten Fahrbahnseite anhalten und das Rad die Bordsteinkante hochheben. Es ist nicht ungefährlich, auf der Straße, mit dem Rad anzuhalten. Umständlicher geht es nicht. Hier ist NICHTS DURCHDACHT für den Radverkehr. Ich möchte die Autofahrer*innen sehen, die erst aussteigen und eine Schranke hochkurbeln müssen, durchfahren, die Schranke wieder runterkurbeln, um weiterfahren zu können. Auf dem folgenden Bild ist der zu hohe Bordstein deutlich zu erkennen. Bordsteine gehören abgesenkt!

Querung Westfaliastraße: der Bordstein ist weder gegenüber der Einmündung des Container-Hafen-Radwegs, (der ist gegenüber der Böschung neben der Bake) noch im weiteren Verlauf- nicht abgesenkt.
Nur schräg gegenüber findet sich eine Bordsteinabsenkung: weil dort ein Parkplatz ist. Der Bahnverkehr an dieser Stelle ist stillgelegt.

Um wenigstens nicht auf der Straße stehen und das Rad den Bordstein hochheben zu müssen, muss man entweder links (aus Blickrichtung der Fotografin) zur Einmündung der Mallinckrodtstraße fahren und mit dem motorisierten Verkehr zusammenzutreffen oder ein Stück nach rechts (vor den Autos im Bild) fahren, um eine abgesenkte Bordsteinkante zu haben. Beide Stellen der Bordsteinabsenkungen sind ungünstig, umständlich und auch nicht ungefährlich. Die motorisierten Verkehrsteilnehmer*innen, die von der Mallninckrodtstraße sind zu Recht möglicherweise verwundert, wenn ich neben ihnen auftauche, um sicher abbiegen zu können. Da ich von der Seite komme, ist es – zumindest bei Tag oft gut möglich (und muss es auch bei Nacht sein), Blickkontakt zum Fahrerhaus bzw. deren Insassen aufzunehmen. Wenn die Damen und Herren außerdem das Blinken nicht vergessen, weiß ich auch Bescheid, wo sie hin wollen und es enstehen zumindest selten potenzielle Unfallsituationen.

Um nicht über zu hohe Bordsteine hopsen zu müssen (jedes Lager am Rad stöhnt dann auf), müsste man die Westfaliastraße schräg queren. Sehr umständlich. Auch Radfahrende wollen zügig zum Ziel, z. B. zur Arbeit kommen – ohne unnötige Umwege und Schlangenlinien!

Einziger abgesenkter Bordstein auf der linken Seite der Westfaliastraße, wo der Radweg läuft – weil dort ein Parkplatz ist.

Der Beinahe-Unfall gestern, der mich so geschockt hatte, fand in der Gegenrichtung statt. Ich war auf dem Heimweg, der von der Huckarder Straße auf die Königsbergstraße und von dort aus auf der Westfaliastraße Richtung Hafen verläuft. Nach der Einmündung Mallinckrodtstraße, aus der der LKW gefahren kam, der mich fast getroffen hätte, (nur für motorisierten Verkehr) biege ich in den Radweg ein, der zwischen Mallinckrodtstraße und Containerhafen Richtung Nordstadt verläuft.

Gleich rechts nach dem Verkehrsschild: die Abfahrt von der Mallinckrodtstraße für den motorisierten Verkehr. Dahinter: die Eimündung des Radwegs entlang des Containerhafens. Eigenes Foto.

Es gibt an dieser Stelle nichts, was die Sicht stören könnte. Am Freitag abend bin ich auf dieser Straße gefahren, mit Licht. Der LKW kam von rechts, hätte mich also aus dem Fahrerhaus-Seitenfenster sehen müssen – auch bei Dunkelheit, auch unter dieser Brücke. Selbst wenn man meint, nichts zu sehen, ist Vorsicht geboten! Denn: es könnte immer ein Fahrzeug kommen.

Wohlgemerkt: ich habe keine Haß auf den/die FahrerIn des LKWs. Aber die Tatsache, dass trotz guter Sichtverhältnisse sie oder er das eigene, viel größere Fahrzeug einfach weiterrollen hat lassen zeugt doch davon, dass man nicht mit querenden Verkehr, der nicht mindestens Autogröße hat, gerechnet hat. Ein großer Fehler, denn: Radfahrende und Fußgängerinnen sind gleichberechtigte Verkehrsteilnehmerinnen, die jederzeit und auf und neben Straßen (außer Autobahnen) unterwegs sein können! Auch an einem Freitag abend im November in einem Industriegebiet. Jeder noch so enge Lieferterminplan sollte, MUSS EIN MENSCHENLEBEN WERT SEIN, dass man bremst und wartet! – Anstatt zu denken: „um die Zeit kommt doch niemand.“

Was dringend notwendig ist: dass motorisierte Verkehrsteilnehmer*innen ein Bewußtsein entwickeln, dass Radfahren im Alltag auf der Straße völlig normal ist. Das wünsche ich mir von allen, die ein Auto oder LKW steuern. Dass man mit dem Rad nicht nur am Sonntag nachmmittag zum Ausflug (mit oder ohne Kinder) fährt. Radfahrende sind gleichberechtigter Teil des Straßenverkehrs. Die hellste oder grellste Kleidung und auch kein Fahrradhelm kann das Defizit an Aufmerksamkeit, Umsicht und Rücksicht anderer Verkehrsteilnehmer*nnen, vor allem von motorisierten, ausgleichen. Auch wenn sich manche oder mancher mit der Styroporhalbkugel am Kopf subjektiv sicherer fühlt. Entscheidend ist, dass man funktionierendes Licht hat und ein verkehrssicheres Fahrrad fährt.

Radfahren – natürlich mit Licht.

Umso größer das Fahrzeug, umso größer der Schaden, den man als Fahrer-/in damit anrichten kann – das sollten sich vor allem LKW-Fahrer*innen klar machen. Ein Denken wie „ich bin hier der Größte, mir gehört die Straße“ ist völlig fehl am Platz. Selbst mit einem Lastenrad kann ich mehr Blödsinn anstellen als mit einem ordinären Rad.

Völlig ohne LKW-Verkehr wird es auch in Zukunft nicht gehen, jedoch muss in Sachen #Verkehrswende dringend mehr Güterverkehr auf die Schiene verlagert werden. Längere Lieferzeiten würden für entspannteres Fahren und auch mehr Rücksicht sorgen – und der/die einzelne muss akzeptieren können, dass das Paket eben nicht heute ankommt, gerade das Mehl im Supermarkt ausverkauft ist oder es in der Bäckereifiliale keine Nußschnecken mehr gibt. Nicht, um die Menschen zu ärgern, sondern: um ein entschleunigteres Leben zu haben, in dem man auf der Straße keine Angst um sein/ihr Leben haben muss. Außerdem trägt weniger motorisierter Verkehr zum Klimaschutz bei.

Die Stadt Dortmund ist aufgerufen, die Benutzungspflicht für diesen gemeinsamen Rad- und Fußweg in der Westfaliasstraße aufzuheben und ein schlüssiges Wegekonzept zu erarbeiten. Dieses ständige Hin und Her in der Wegeführung für Radfahrende ist ein Unding und führt bei ALLEN Verkehrsteilnehmenden zu großer Unsicherheit. Die Konzepte der Dutch Cycling Embassy enthalten dafür gute Anregungen. Die Vortragsreihe, die im September dazu stattgefunden hat, kann man hier nachhören und -sehen.

Passt auf Euch auf, da draußen. Und helft Euch gegenseitig, auch wenn „nichts passiert“ ist wie letzten Freitag. Ein paar freundliche Worte können schon unterstützend wirken. Denn der Schock wirkte auch eine Stunde später noch nach: außer Radiohören und 1 Bier trinken konnte ich zuhause nichts machen. Eine freundliche, unaufdringliche Ansprache und ein Stück Trost wären sehr hilfreich gewesen.

Weiterführende Links:

  • Forderungen des ADFC Berlin für LKW-Fahrer*innen: Diese Verkehrsteilnehmer*innen sind die Hauptursache für Radunfälle mit Todesfolge. Das ist auch durchaus auf Dortmund zu übertragen, auch wenn die Stadt kleiner ist.
  • Seite der Dutch Cycling Embassy hier.
  • Nicht jeder Weg im Alltag muss mit dem Auto zurückgelegt werden. Warum weniger Autos mehr Lebensqualität für alle bedeuten: der Verkehrsforscher Hermann Knoflacher im Interview mit der ZEIT. und dem ManagerMagazin.
  • Interview mit einer Überlebenden eines Unfalls, bei der ein Schwerlaster sie schwer verletzte. Beate Flanz hatte auch den Gedanken, doch besser nicht überlebt zu haben.

Das braucht man jetzt.

Vor ein paar Wochen schon hat der Blogger von Warum ich Rad fahre von seiner Winterausrüstung geschrieben und gefragt, wie es andere machen. Zwischen den Jahren ist nun etwas Zeit zum Durchatmen und – Briefe und Blogeinträge schreiben. Voilá , hier ist meine Winterausrüstung, beschrieben in meinem Blog fahrrad3gruen.

Dank Klimawandel braucht man fast immer einen Garderobenschrank mit verschieden warmen Sachen für unterwegs in der Tasche. Der Dezember 2019 war ungewöhnlich und beängstigend mild, Minustemperaturen gab es nicht, oft war es frühlingshaftes Wetter, was eben die Temperaturen betraf. Die Weihnachtstage waren verregnet und nicht wirklich kalt. Aber seit Freitag etwa kann man mit nur + 2 Grad Celsius wenigstens den Winter erahnen. Wie gut, dass ich zur Spazierfahrt heute meinen Schlüssel- und Mützensack eingepackt hatte. Darin: die Basic-Winterausrüstung.

Armstulpen oder Armlinge aus Polyacryl

Diese Armlinge oder Armstulpen habe ich mir selbst gestrickt. Ja, sogar ans Stricken habe ich mich getraut, sonst häkel ich nur, weil es einfacher ist und schneller geht. Der Anlass dafür war ursprünglich ein anderer: ein Manko und blöde Idee der Bekleidungsindustrie ausgleichen. Dieses Manko nennt die Modebranche „Dreiviertelärmel“ und dieser Unsinn kommt auch nur bei der Damenmode vor. Das Shirt kann noch so schön sein, noch so gut passen… die Ärmel sind nur und absichtlich nur 3/4 lang. Deshalb begann ich 2011 überhaupt wieder mit dem Häkeln (ich hatte mir schwarze Armstulpen gemacht). Weil die meisten Funktionsklamotten immer irgendwie nicht passen oder mir der Stoff unangenehm ist, habe ich eben selbst was ausprobiert. Inzwischen möchte ich die gehäkelten und gestrickten Teile nicht mehr missen. Bei diesen gilt es aber eine Sache zu beachten, wenn man auch eine gehäkelte/gestrickte Mütze tragen will.

Für den Kopf im Winter die richtige Bedeckung…..

Nur eine Wollmütze reicht nicht. Das Problem ist nämlich: selbst bei der dicksten Wolle zieht der Wind durch. Ein ehemaliger Studienkollege meinte einmal lachend über ein Häkelstück von mir: „das hat ja Löcher!“ Das ist eben so, Teil dieser Handarbeitstechnik. Andernfalls müsste man sich Mützen nähen. (Zu den höheren Weihen der Nähkunst bin ich noch nicht gekommen). Deshalb hatte ich in selbst gehäkelte Mützen immer ein Stück T-Shirt-Stoff eingenäht. Dann hat der Wind zwar nicht mehr gezogen, aber so richtig gepasst hat die Mütze nicht (mehr). Das war frustrierend gewesen. Erst später erfuhr ich in einem Handarbeitsladen, dass es Fleeceteile zum Einnähen gibt. Diese Mütze auf dem Bild hat eine liebe Bekannte und Fahrradfreundin gehäkelt. Nochmals besten Dank dafür! Es ist die erste Beanie-Mütze, die ich gern trage („Beanie“ ist eine Mütze, die ein Stückchen nach hinten hängt und eine Bohnenform hat, deshalb „Beanie“). Zuerst hatte ich nämlich immer an Schlafmütze gedacht gehabt. Darunter trage ich entweder ein „Buff-„Tuch (hier: das hellblaue links im Bild), was viele Außensportler-/innen bestimmt schon kennen. Es ist als Kopfbedeckung oder Loop um den Hals verwendbar. Beim Hersteller mit dem großen Laufvogel im Logo bin ich außerdem fündig geworden. Diese Mütze, hier die schwarze im Bild, ist aus einem dünnen Kunst-Stoff, der bei zweistelligen Temperaturen auch mal ausreicht. Unter der Mütze sitzt er super, ohne dass was verrutscht. Wenn der Wind allerdings recht zieht muss man aufpassen, dass die Wollmütze nicht davon fliegt, weil sie durch die Zwischenschicht weniger Haftung am Kopf hat. Mit beiden „Unterlegscheiben“, dem buff-Tuch und der Engelbert-Strauss-Mütze friert man am Kopf nicht mehr. Nachteil: man muss immer an 2 Teile denken, die man mitnehmen muss und nirgends liegen lassen darf.

Bei der Winterkleidung gilt also das Zwiebelprinzip. Das bedeutet, dass man mehrere Schichten anzieht. Wenn es wärmer wird, kann man eine Schicht ausziehen, so dass man nicht unnötig schwitzt und wieder eine Schicht anlegen, wenn es kälter wird.

die Zwiebel macht´s vor: meherere Schichten wärmen, bzw. schützen den Kern.

Wenn es allerdings für unsere Breiten richtig kalt ist, die Temperatur also unter 0 Grad Celsisus steigt (die Skandinavier-/innen, Osteuropäer-/innen und Polarbewohner-/innen lächeln dabei nur müde, ich weiß 😉 ), dann braucht es noch was ganz anderes: eine sogenannte Skimaske. Als ich vor ein paar Jahren dieses Ding für 50€ kaufte, haben mich Freunde für verrückt erklärt. Vielleicht hatte es auch noch mehr gekostet. Diese Herrschaften fahren im Winter aber fast nur Auto, haben es also nicht erfasst, was Investitionen für das Radfahren – nicht nur im Winter – bedeuten, warum sie sehr sinnvoll sind. Das Mundstück kann man herunterklappen. Und ganz ehrlich, verehrte Einzelhändler-/innen und Banker-/innen: das Ding ist viel zu teuer, als dass man damit einen Laden überfällt. Deshalb: keine Sorge, wenn ich bei Euch mit diesem Ding auftauche 😀

Kopf und Halswärmer, der nur noch ein Halstuch, keinen zusätzlichen dicken Loop braucht.

Überhaupt sind solche „Skimasken“ ganz unpraktisch für jedwede mehr oder wenige illegale Tätigkeit, schreibt Der Postillon richtig in seinem Artikel. https://www.der-postillon.com/2019/12/hacker-video.html

Diese sportive Version eines Hals- und Kopfwärmers brauchte noch eine modische Schwester (oder Bruder). Also habe ich noch mal die Häkelnadel geschwungen. Wenn man keine Noten dafür bekommt und keine nervende – meist weibliche – Lehrkraft hat, macht Handarbeiten das richtig Spaß. die Technik des Häkelns verzeiht auch mehr Fehler als die des Strickens. Nervig war nur die notwendige Stoffeinlage wegen des schon erwähnten Windzuges. Eine Lehre daraus: Reiner Baumwollstoff eines alten T-Shirts wärmt nicht. Aaah, hätte ich doch vorher wissen können…. Seufzend hatte ich daraufhin noch einzelne Wollstränge eingehäkelt. Keine top Lösung, verschenken würde ich den Loop (eine Art Woll-Ring um den Hals) nicht, aber ich selbst fühle mich wohl darin. Nachteil: die Brille läuft immer an, wenn man sich einen derartig hohen Loop, der bis zur Nase reicht, überzieht. Auf jeden Fall wärmt das Ding und sieht nicht gaaanz so ‚bedrohlich‘ aus wie die oben beschriebene, schwarze, sportive Version, ist also eher für den Alltag geeignet. Bei längeren Touren würde die dickere wollige Schicht auf Dauer aber eher stören als nutzen.

Warmer, gehäkelter Loop mit Windschutz innen

Vor ein paar Jahren im Herbst hatte es mich mal böse erwischt. Nicht nachgedacht und zu wenig, bzw. zu dünne Handschuhe und Mützen dabei gehabt, die bei Pausen auch als Sitzkissen dienen, damit man nicht krank wird. Die erste Blasenentzündung war die Folge. Boah, ekelhaft dieses Zeugs. Also habe ich mir ein Kissen für unterwegs gehäkelt, was aber zu groß wurde (bei einer Demo bekam ich spontan mal ein faltbares aus Kunststoff geschenkt, was wesentlich transportabler ist und auch seinen Dienst tut). Doch noch was anderes tut dem Hintern und allen Organen im Bauchbereich gut: eine wärmende Sitzunterlage beim Radfahren. Weil es im Handel entweder nur welche gegen Regen oder häßliche Alt-Oma-Teile gibt, habe ich wieder zu meiner 9 mm (bzw. 4 mm) und Wolle gegriffen. Dann noch Spanngummi besorgt und – juhuu, die Hinternwärmer in schicken, modischen Farben waren fertig.

Die Hippie-Version in leuchtendem Orange und Dunkelblau:

durch den Gummizug unten (nicht im Bild) passt sich der Sattelüberzug jeder Sattelgröße an.

Der neutrale, blau-grün-türkise, gut passend zu z. B. roten Rädern:

Für einen Bekannten, der gern historische Räder fährt und ebenso angezogen ist mit Bundhose, Pullover und Schiebermütze, ist dieses Modell, das Vintage-Modell entstanden. Leider hat er es verschmäht 😀

Die Vintage-Version eines Hinternwärmers=Sattelüberzug für das Radfahren im Winter. Im Hintergrund das rote Gummiband, mit dem man den Überzug fixieren kann.

Einziger Problempunkt bleiben: die Füße. die werden beim Radfahren immer kalt, zusammen mit den Händen. Es gibt Überschuhe zu kaufen, ebenso Einlegesohlen. Letztere habe ich vergangenes Jahr im Schlussverkauf erstanden, seitdem aber nicht gebraucht. Wenn es so kalt bleibt, werden sie aber wohl verwendet werden. Überschuhe habe ich noch nicht getestet. Leggins/lange, anliegende Hose und eine dickere Hose drüber (z.B. von der Firma mit dem großen Laufvogel – schützt auch vor Wind und leichtem Regen) sind ohnehin obligatorisch.

Wem meine selbstgehäkelten (außer der Mütze) Modelle gefallen, darf sich gern mit Farbwunsch an mich wenden, indem sie oder er unter diesem Beitrag kommentiert. Nennen Sie mir Ihre Mailadresse und ich werde mich melden. Bis dahin: gute Fahrt – nicht nur im Winter. RIDE ON!

Auch andere Blogger* schreiben über das Radfahren und die richtige, sprich passende, weil wärmende Kleidung im Winter:

Radfahren im Winter: https://warumichradfahre.blog/2019/11/12/der-winter-kommt-bestimmt/

Kleidung im Winter: https://mahler-net.eu/zum-alltagsradeln-gehort-auch-mal-nass-werden-holz-fur-die-warme-dusche-und-ein-ausflug ……………………….. https://mahler-net.eu/und-wie-macht-ihr-das-im-winter

Städte- (und Fußball)diplomatie ;-)

Seitdem ich in Dortmund wohne, habe ich das Lastenradfahren kennenlernen können. In der alten Heimat fuhr ich mit Hänger, Kupplung am Oberrohr, aber damit hatte ich leider viel Unheil und einmal auch Schiffbruch erlebt. Ein Idiot unter den Getränkehändlern hatte mich sogar mal beleidigen müssen, weil die Deichsel gebrochen gewesen war (er hat später seine gerechte Strafe bekommen gehabt). Seitdem ich den „Roten Rudolf“ von VeloCityRuhr gefahren bin, will ich nichts anderes als ein Lastenrad mehr, um Getränkekästen, Altpapier oder einfach Taschen mit Sportsachen oder Schreibmaterial sicher transportieren zu können. Das ist nämlich der entscheidende Punkt: die Sicherheit beim Transport. Kein Gewackel mehr, kein Ausscheren, keine kaputtgehende Deichsel mehr. Auch wenn jedes Lastenrad einen größeren Wendekreis hat, hat man als Fahrerin die Ladung immer im Blick. Auch eine offen gelassene Tasche, wenn sie denn nicht bis zum Rand bepackt ist, kippt nicht unbedingt auf der Ladefläche um und man ärgert sich nicht, dass man (fast) was verloren hat. Allerdings ist ein Lastenrad, soll es ein gutes und passendes Modell sein, genauso unbezahlbar für mich wie ein Anhänger für das Rad.

In der Vergangenheit konnte ich schon mehrere Lastenräder testen. Das gemächliche „Bakfiets“, das eher was für eine Parade als für ein Rennen ist (der ULF vom ADFC Unna) , das Bullitt von Punta Velo aus Essen, das sowas wie der Platzhirsch im Ruhrgebiet geworden ist: viele fahren dieses Modell, das sieht es vor allem bei den zahlreichen Critical Mass-Touren in den verschiedenen Städten. Vorteil: wendig, nicht so schwer wie die holländischen Modelle. Auch eine Radkutsche durfte ich kurzzeitig mal ausprobieren, sie gehört dem ADFC Neuss. Etwas schwerfälliger als das Bullitt, aber mit niederem Durchstieg – nicht nur eine Erleichterung, wenn frau mal Rock trägt. Und doch flotter als der ULF, das Bakfiets Rad (Fahrbericht hier).

Alle Modelle gibt es auch mit E-Motor, nur macht der das Rad natürlich teurer und schwerer. So schön wie z. B. der ULF in der Ebene dahingleitet, so wünschte man sich bei den zahlreichen Anstiegen in und um Unna schon die Unterstützung durch die elektrischen Pferde, die die Fahrerin oder Fahrer unterstützen würden. In den Niederlanden stört es nicht, dass ein Lastenrad einen massiven Rahmen und Gewicht hat. In hügeligem Gelände ist das Fahren damit eine Herausforderung. Vorteil: den ULF bringt so schnell nichts aus der Ruhe und aus der Spur… eilig haben darf man es mit ihm aber nicht.

Beim Lastenradrennen dieses Jahres fand auch wieder das E-Bike-Festival in Dortmund statt. Erstmals konnte ich ein Riese-und-Müller-Lastenrad probefahren. Wow, ging das ab! Ich wollte es nicht mehr hergeben… Knackpunkt ist aber auch hier der Preis: 5000€ Minimum, je nach Ausstattung. R+M ist der Mercedes unter den Rädern, schon immer. Aber eben sehr verlässlich. Im Jahr 2003 hatte ich mir ein Faltrad leisten können, es wurde ein rotes Birdy, das ich immer noch fahre, wenn es auch hier und da manchmal zickt, wenn es wieder auseinander gefalten wurde, will der hintere Mechanismus nicht richtig einrasten, braucht einige Zeit, bis man wieder normal fahren kann.

Ein Bekannter der CM Bottrop hatte Mitte Oktober einen Artikel auf Facebook genannt, in dem von dem neuen Lastenrad, das die Stadtentwicklungsgesellschaft (= SEG) Gelsenkirchen nun ausleihen würde, berichtet wurde. Auch wenn es auf dem Artikel-Bild nicht zu sehen gewesen war, hatte ich die Marke gleich erkannt. Es war MEIN TRAUMMODELL, ein Riese und Müller Packster 60! Das musste ich unbedingt fahren!

Riese und Müller-Familie: das Modell Packster 60 und das Birdy red. Lastenrad und Faltrad gehören zusammen. Fotos: A. Steger

Den ersten Tag der Abholung von GErda, wie das Lastenrad von Gelsenkirchen-Ückendorf heißt, habe ich in einem Brief an einen ADFC-Kollegen beschrieben. Zuerst war es schwierig, das richtige Haus zu finden, weil die SEG dort offensichtlich frisch eingezogen ist und an der Hauswand, vollgestellt mit Gerüst, keine Hausnummer zu sehen gewesen war. Die BoGeStra hatte mir doch keinen Unsinn erzählt, dass ich an der Haltestelle „Stephanstraße“ aussteigen sollte? Nein, es war schon richtig. Nur: in diesem Teil der Stadt war ich selbst mit der Critical Mass Gelesenkirchen noch nicht gewesen. Etwas verwundert war ich, dass ich außer meinem Ausweis (so üblich) auch noch mal meine Telefonnummer angeben sollte. Eigentlich steht alles im Ausleihsystem drin. Aber gut, viellelicht ist man mit den Modalitäten noch nicht so vertraut. Da ist also Geduld bei der Ausleiherin gefragt.

Mit der GErda entlang der Kray-Wanner-Bahn und der Erzbahntrasse. Fotos: A. Steger

Was für eine Freude, mit diesem Rad zu fahren! Wenn es bergauf geht oder man eine Anstrengung merkt, helfen die elektrischen Pferde nach und schieben an. Eine große Erleichterung.

Nun die erste Begegnung und Fahrt, geschildert in dem Brief an den ADFC-Kollegen:

[…] Hilfsbereite Anwohner, darunter ein Kioskbesitzer gaben mir aber bereitwillig Auskunft. Die Bochumer Straße an dieser Stelle in Gelsenkirchen ist schon krass: viele Läden stehen leer oder die Häuser sind heruntergekommen. In der Dortmunder Nordstadt, wo ich wohne, gibt es ähnlich aussehende Straßenzüge, auch in anderen Teilen der Stadt.

Ich wollte die Route messen, wie lange ich mit Pause brauchen würde. In Bochum wollte ich was zu essen kaufen, doch interessanterweise traf ich erst auf vegetarische Imbißbuden, dann nervte mich eine gar nicht schlampig aussehende Bettlerin. Ich hatte sehr Hunger, es war 15 Uhr und ich hatte noch kein Mittagessen o.ä. gehabt. Auf gut Glück fuhr ich in die Herner Straße… die Frikadellen bei Dönnighaus sind eindeutig versalzen, wie ich feststellen musste, aber ich traf eine Bekannte aus der Dortmunder Nordstadt mit ihrem hellblauen Brompton. Wir fuhren gemeinsam Richtung Dortmund, es war nett, wenn für meinen müden Kopf auch anstrengend, weil sie soviel redete. Und sie heizte ein! Ich staunte nicht schlecht, wie sie mit den kleinen 16-Zoll-Rädchen ihres Bromptons mit mir oben auf war, während ich mithilfe der elektrischen Pferde 25, mal 22 Sachen drauf hatte. Leider vergaß ich immer wieder, komoot wieder zu aktivieren, das war schade, so war es ein verkorkster Streckenverlauf. Aber was soll ich mich beschweren, hatte ich doch so eine nette Begegnung gehabt.

Westpark Bochum: das Ende, bzw. der Anfang der Erzbahntrasse.
Westpark Bochum: das Ende, bzw. der Anfang der Erzbahntrasse.

Auf halben Weg in der Borussiastraße lernte ich durch St. den Laden „Rudat“ kennen, dort kann man, wie die Werbung verheißt, „Biere aus aller Welt“ kaufen. Kaum war ich drin, traute ich meinen Augen nicht: es gab dort Bier aus der Fränkischen Schweiz! Ich spürte fast Sehnsucht, denn in Breitenlesau war ich bei meiner eigenen Radtour vorbei gefahren. Fast jedes Dorf dort hat seine Brauerei. In Gelsenkirchen hatte ich auch eine „Trinkhalle“, ähnlich der in der Herner Straße in Bochum, gesehen, die Bier der Brauerei Meister aus Untermerzbach hatte. Wahnsinn. Ist übrigens bezahlbar, 85 Ct habe ich für eine Flasche Krug-Bräu heute bezahlt.

Als wir uns in der Innenstadt am Friedensplatz verabschiedet hatten, musste ich mich erst mal hinsetzen, um runter zu kommen. Ist eben auch anstrengend, meine Pause in Bochum war auch zu kurz gewesen.  Glücklicherweise stellte mir ein Bekannter eine sichere Unterstellmöglichkeit zur Verfügung.

Morgen fahre ich wieder damit, möglicherweise bin ich auch bei der CM Bochum dabei. Heimfahren mit der freundlcihen Unterstützung von elektrischen Pferden machen eine weniger anstrengende Hin- und Rückfahrt möglich. Ich hoffe, dass ich mein altes Stadtrad flott kriege, ich hatte den Sattel abgemacht, weil beim schwarzen Lastenrad Bullitt von Euch Essenern, bzw. von  dem einen VCR-Mensch, ich für die Nutzungsdauer den Sattel austauschen hatte müssen. Seitdem habe ich leider meinen Sattel nicht mehr auf das Stadtrad gemacht. Es soll in der Garage meines Bekannten stehen, wenn ich mit dem lastenrad Gerda unterwegs bin, damit ich immer mobil bin.

Gute Nacht, immer gute Fahrt und freundliche Fahrradgrüße,

Radweg Kray-Wanner-Bahn bei Gelsenkirchen Richtung Bochum.
Radweg Kray-Wanner-Bahn bei Gelsenkirchen Richtung Bochum.

Allerdings wurde es nichts mit der alten Stadtgurke als Zubringer-Rad: ich hatte übersehen, dass ein Stück fehlte, das Gegenstück von unten, um den Sattel festzumachen. Das nervte gewaltig. Ich finde diese Schraube nicht mehr. Auch ein Fahrradhändler in der Nähe hatte mir nicht helfen können, offensichtlich handelt es sich um ein altes Modell mit alten Maßen. Kommt mir seltsam vor, aber so ist es wohl… als Laie schraubt man auch nicht jeden Tag einen Sattel auf ein Sattelrohr, es fehlt die Übung. Seufzend und genervt steht das elende Ding nun ohne Sattel in der fremden Garage, ich nahm ein anderes Rad als Zubringer zum Standort des Lastenrades GErda. Einmal nahm ich auch ein Leihrad von nextbike, glücklicherweise gibt es jetzt auch in der Nordstadt Standorte, mit den dringend neuen, benötigten Rädern.

Am Freitag fuhr ich dann mit Karacho nach Bochum, leider durch die Arbeit und auch Rest-Erschöpfung vom Vortag war die Eile geboten. Unterwegs fuhr plötzlich ein Handwerker-Auto auf den Radweg, genau vor der Ampel. Ich protestierte. Der Fahrer stieg aus und meinte, dass ich ihm helfen müsse. Hm? Ich bin doch keine Automechanikerin! Er hatte plötzlcih eine Spraydose in der Hand und bat mich, das Spray hier in den Motor in dieses Rohr da zu sprühen, während er den Motor anließ. Ich las „Bremsenreiniger.“ Na wird schon stimmen…. der Motor heulte laut auf, rauchte und stank. Da stimmte was nicht, das merkt man auch als Laie. Soll mir aber egal sein, mir gehört die Kiste nicht. Der Herr war zufrieden, bedankte sich und ich konnte weiter fahren. Er hatte schon gemerkt, dass ich es eilig hatte… später, als ich den Castroper Hellweg (Routenvorschlag von komoot) bergab fuhr, klingelte plötzlich das Telefon. Warum gerade jetzt??? Rückruf eines Möbelhandels, man hätte die Marke samt Ersatzteil für meinen Elektroherd gefunden, man brauche nur noch den Kaufbeleg. Ob den mein Vormieterden noch hat, wird sich zeigen. Ich wäre froh, den Backofen wieder normal nutzen zu können, erst recht in der kalten Jahreszeit. Alles passierte innerhalb der 45 Fahrminuten bis nach Bochum zum Rathaus, dem Treffpunkt der CM. Da muss man schon einen klaren Kopf behalten, damit im Straßenverkehr nichts passiert… seufz.

Fast 20 Kilometer ging die Critical Mass durch Bochum. Schön, wenn man mit Gleichgesinnten fahren und nett plaudern kann. Einmal hatte ich auch gekorkt, das Lastenrad bietet sich dafür gut an. Eine Mitfahrerin meinte zu mir: „hoffentlich reicht der Akku.“ Ja, er reichte bis ca. 1,5 km vor der Garage 😉 Nur eins hatte ich nicht bedacht: die Lichtanlage speist sich auch nur aus dem Akkumulator…ähem…

GErda und ich bei der CM Bochum am 26.10.2019

Schon spannend, welche Kommentare manchmal kommen… ein Bullitt-Fahrer meinte, dass ihm der Rahmen des Riese und Müller-Lastenrades Packster 60 überhaupt nicht gefalle. Das Zwischenrohr unten „könne man gleich ganz lassen.“ Ich entgegnete, dass ich genau das gern habe, weil der Einstieg nicht so hoch wie beim Bullitt ist. Außerdem hätten die Ingenieur*e von r+m was dagegen…. Samstag abend wunderte ich mich über ein Bullitt, das einen Rennlenker bekommen hatte und mit dem jemand Bahnradfahren betrieb. Das wirkt schon seltsam bei einem Lastenrad, genauso wie dicke Packtaschen und Gepäckträger am Rennrad. Eigentlich haben beide Räder andere Einsatzzwecke. Aber wenn diejenigen sich damit wohl fühlen, sollen sie solche Räder fahren.

Am Ende war die Anstrengung doch auch zu spüren, wenn auch nicht so stark wie nach der Fahrt mit Lastenrädern ohne Motor. Um 1 Uhr zuhause, die Taschen abladen, das Lastenrad sicher in der Garage abstellen… erst um 3 Uhr konnte ich wirklich schlafen gehen. Dennoch schlief ich erstaunlich gut, trotz der späten Zeit.

Auf zum Container in der Stadt und Getränkemarkt nach Dortmund-Oespel!

Samstag war trotz müder Beine Arbeitstag für GErda und mich. Altpapier wegfahren, weil die Tonne im Hof mal wieder (auch dank zweier Einzüge) überquillt, Altglas und Leergut wegbringen. Viel Arbeit, die aber dank Elektromotor besser zu erledigen war.

GErda und ich sind gute Freundinnen geworden. Am Mittwoch hatte ich mich noch über die Untätigkeit und Gleichgültigkeit des Technikers in der Redaktion geärgert. Die Kommunikation mit den eigenen Artgenossen* ist oft schwieriger als mit jedem Tier. Ich hatte nur unruhig geschlafen gehabt. So ging es am Donnerstag, den Abholtag von GErda zunächst nur mit Ärger weiter, weil ich gerädert und frustriert aufgewacht war.
Allerdings, die Kommunikation mit der GErda (fränkisch: Gerdda“) aus der “verbotenen Stadt verlief reibungslos. Schon nach den ersten paar Minuten haben wir uns,super verstanden. Ihr ist Fußball so wurscht wie mir.
Wir sind gerne miteinander unterwegs. Am Samstag den 26.10. spielte der FC Schalke 04 gegen den BVB, also Herne West gegen Lüdenscheid. Weil sie sich doch ihrer STadt verbunden fühlt, habe ich ihr eines meiner blauen Tücher umgebunden. Als Diplomatin hat man schließlich fast alle Farben bei Tüchern und Schals vorrätig 😀 Ich selbst trug eine schwarze Weste und ein gelbes Shirt, zu Gelb passen auch modetechnisch nur wenige Farben.

Der Weg zu diesem besonderen Getränkemarkt, den ich am Donnerstag durch St. schon kennengelernt hatte, ist rund 10 Kilometer entfernt, also ist es ein Stück zu fahren. Leider gibt es dann immer wieder Hindernisse wie diese Drängelgitter. Zwischen manchen kommt man noch durch, bei manchen auch nicht. Mit dem Trekkingrad braucht man sich keine Gedanken machen, deshalb war es mit dem Lastenrad an manchen Stellen eine böse Überraschung. Später fand ich bei dem einen Nebenweg, den ich bisher in der Nähe Dorstfelder Allee nicht genutzt hatte, eine freie Durchfahrt auf der einen Seite. Ein Umweg Richtungder Technischen Universität Dortmund, die ich passierte, war des trotzdem gewesen. Der kürzeste Weg geht an der DASA vorbei, doch wer über die A40 radeln will, muss wieder Drängelgitter entlang des Friedrich-Henkel-Wegs passieren. Mit dem Lastenrad ist das unmöglich. Also muss man den Umweg entlang der Dorstfelder Allee nehmen und am Kreisel rechts in die Emil-Figge-Straße einbiegen.

Fast kein Durchkommen entlang der Straße Twerskuhle. Foto: A. Steger
Fast kein Durchkommen entlang der Straße Twerskuhle.

Am Getränkemarkt angekommen. Hier und da gibt es neugierige Blicke, was da auf dem ‚Autoparkplatz‘ steht 😉

Auch ein Fahrzeug – und WAS FÜR EINS!
Erfolgreich eingekauft, sicher transportiert… mit einer Spezialität aus der alten Heimat.
Durch Dortmund-Oespel... hier und da versucht man den historischen Ortskern zu erhalten. Foto: A. Steger
Durch Dortmund-Oespel… hier und da versucht man den historischen Ortskern zu erhalten.

Wie praktisch, dass ein paar Meter weiter ein Altglascontainer gewesen war… 😉

Neben den Drängelgittern gibt es ein weiteres Problem, das jede und jeden Radler-/in nervt, auch ohne Lastenrad: die Parkmöglichkeiten. Deutschland ist ein Entwicklungsland in Sachen Rad-Infrastruktur. Jeder Mensch, erst recht die Führungspersonen in Wirtschaft und Politik benutzen High-Tech-Geräte für ihre Kommunikation und für ihre Blechkisten. Aber die Radwege und Gesetze sind so historisch wie die Pferdekutsche. Hm, warum fährt dann kein Politiker mit dem Ochsengespann vor, wenn sie oder er selbst so ein Mobilitäts-Hornochse ist?

An dieser Stelle: Parken ist Pest und Cholera zugleich. Wie ich es auch mache, ist es falsch: entweder ich blockiere den Fußweg wie auf dem Bild oder mehrere Abstellplätze für Räder. Anpfiff gab es keinen, ein gutes Gefühl hatte ich nicht. Und mit dem Schweben über allen Dingen hat es wegen mangelnder Zauberkräfte nicht geklappt.

Parken am Supermarkt in der Kaiserstraße. Nebenan läuft noch ein benutzungspflichtiger Radweg.
Der benutzungspflichtige Radweg in der Kaiserstraße 'Dortmund auf der Höhe des Supermarktes mit Stellplätzen für die Kunden*fahrräder.
Der benutzungspflichtige Radweg entlang der Kaiserstraße Dortmund.

Am Sonntag konnte es für GErda und mich ruhiger angehen. Wir fuhren eine Runde um den Campus Nord der TU Dortmund, bevor ich zum Fitnesstraining ging.

Sonntagsrunde. Weg bei Stockumer Straße.
Sonntagsrunde. Weg bei Stockumer Straße.
Durch die Felder…

Unterwegs in einer Nebenstraße an der Ampel: ich halte an, weil diese Rot zeigt. Hinter mir höre ich die Ankunft eines Autos. die Ampel springt auf Grün, ich fahre los. Plötzlich hinter mir „hey, hey hey!“ – Da war wohl jemand überrascht, wie schnell ein Fahrrad abziehen kann. Hehe. 😀

In der Abendsonne.
In der Abendsonne
Alte und neue Mobilität.
Auf dem Campus Nord der TU Dortmund: die Zahnräder. Näheres ist auf der Tafel nachzulesen.
Auf dem Campus Nord der TU Dortmund: die Zahnräder. Näheres ist auf der Tafel nachzulesen.
Aussicht auf Dortmund entlang der B1 / A40. Das Rauschen des Autoverkehrs ist überall zu hören.
Aussicht auf Dortmund entlang der B1 / A40. Das Rauschen des Autoverkehrs ist überall zu hören.
Auf dieser Strecke bin ich auch einem leibhaftigen Pferd begegnet und unfreiwillig durch deren Kot gefahren.
Auf dieser Strecke bin ich auch einem leibhaftigen Pferd begegnet und unfreiwillig durch deren Kot gefahren.

Wer sich unter den motorisierten Verkehrsteilnehmer*n oder auch Fußgänger*n beschwert: es ist die Wegbeschaffenheit bzw. die schlechte Baustellengestaltung, die uns Radfahrenden zwingt, auszuweichen. Die Lange Straße musste ich öfter passieren, die Baustelle zwingt mich, dass ich links auf dem Gehweg vorbei muss. Auch wenn der Fußweg an dieser Stelle meistens breit genug ist, macht es mir Unbehagen, dort mit dem Rad oder Lastenrad ein Stück auf der linken Seite vorbei zu müssen. Ganz uncool, Stadt Dortmund! Ebenso ist es an der Rheinischen Straße (Bild), Abzweig vom Wall (=Innenstadtring). Die Fahrbahn für geradeaus fahrende Radler ist gesperrt. Seltsam. Sollen die sich jetzt in Luft auflösen? Die Orientierung an den Fußgänger*ampeln ist wohl das Beste: Wenn dort grün ist, kann man selbst auch fahren.

Baustellenchaos am Wall, nahe dem Dortmunder U, Einbiegung Rheinische Straße.
Baustellenchaos am Wall, nahe dem Dortmunder U, Einbiegung Rheinische Straße.

Auch so eine Straße, auf der man nicht gern fährt, aber oft genug muss, weil es keine Alternative gibt. Wer sich aufregt, warum ich oft zwischen den Schienen radel, dem und der sei gesagt: ich lasse mich so ungern von plötzlich öffnenden Autotüren von parkenden Autos vom Rad stoßen. Das nennt man dann „Dooring-Unfall.“ Wäre der Parkraum rechts weg und stattdessen ein Radweg, wäre die Situation soviel entspannter. Aber Deutschland ist nunmal Entwicklungsland in Sachen Verkehrsinfrastruktur.

Schienen und Enge durch zuviele Parkplätze sorgen für eine unsichere Fahrt mit dem Rad. Straße Oestermärsch in Dortmund.
Schienen und Enge durch zuviele Parkplätze sorgen für eine unsichere Fahrt mit dem Rad. Straße Oestermärsch in Dortmund.

GErda in der Hallerey, einem Naturschutzgebiet nahe Dortmund-Wischlingen.

Bei Herne traf ich auf außergewöhnliche Kunstwerke. Sah aus, als ob die Überwachung unserer Gesellschaft kritisiert werden sollte… interessant sieht es aus!

Außergewöhnliche Kunstwerke bei Herne. Kennt das jemand? Von welchem/-r Künstler/in stammt das?
Außergewöhnliche Kunstwerke bei Herne. Kennt das jemand? Von welchem/-r Künstler/in stammt das?

Kurz danach traf ich auf kein Kunstwerk, aber eine gesperrte Brücke. Das konnte ich aufgrund der fortgeschrittenen Zeit aber nun wirklich nicht brauchen! Eine freundliche Spaziergängerin sagte mir, wie ich dennoch weiterkäme. „Niederbochum“ würde das Gebiet hier heißen. Die vielen schmalen Wege sind nicht ausgeschildert, wer hier nicht regelmäßig spazieren geht, findet sich nur mit Karte zurecht. Unterwegs musste ich das Rad schieben, weil mitten im Wald grobe Steine wie aus einem Gleisbett auf dem Boden lagen. Dank der elektronischen Karte von komoot fand ich nach einem kurzen Schlenker dann doch auf die Erzbahntrasse. Wurde auch Zeit! Jetzt weiß ich, wie es beim Abzweig „Zeche Hannover“ aussieht… Weit war es nicht zur Trasse gewesen, aber den Weg zu finden, das war die Kunst gewesen!

Hier geht´s nicht weiter...blöd, wenn man sich nicht auskennt!
Hier geht´s nicht weiter…blöd, wenn man sich nicht auskennt!

Am Montag hieß es Abschied neben von GErda, dem Lastenrad von Riese + Müller, Modell Packster 60. Ich brachte sie wieder nach Gelsenkirchen in ihre Heimat zurück. Ihr Fazit: in Dortmund war es ganz schön! Und es gibt verkehrstechnisch ähnliche Schwierigkeiten. Sie wünscht sich, dass ich demnächst mit ihr bei der CM Gelsenkirchen mitfahre. Na das lässt sich einrichten… damit sie auch durch ihre Stadt rollt. Demnächst auch öfter, dafür bietet die Stadtentwicklungsgesellschaft Gelsenkirchen das Lastenrad an. Für weniger Autoverkehr und Städte für Menschen anstatt Autos! Tschüss liebe GErda, ich komme gern wieder.

Im Spiegel

Ausleihstation der Stadtentwicklungsgesellschaft (SEG) Gelsenkirchen: Infos hier.

Artikel des Stadtspiegels über das Lastenrad GErda für Ückendorf hier.

Seite des Herstellers Riese und Müller hier.

Fast alle Touren, die ich mit GErda gefahren bin:

Von Gelsenkirchen nach Dortmund: https://www.komoot.de/tour/100756289

Auf dem Weg zur Critical Mass Bochum: https://www.komoot.de/tour/100938933

Heimfahrt von der CM Bochum: https://www.komoot.de/tour/100977330

eine der Besorgungsfahrten am Samstag: https://www.komoot.de/tour/101168576

Heimfahrt vom Getränkemarkt mit Brotzeitstopp: https://www.komoot.de/tour/101168522

Runde um den Campus Nord der TU Dortmund mit Abkürzung: https://www.komoot.de/tour/101379926

Teilstrecke der Rückfahrt nach Gelsenkirchen: https://www.komoot.de/tour/101476852

Ab der Hallerey nach Gelsenkirchen: https://www.komoot.de/tour/101490189

Mit einem Schiff durch die Landschaft

Es ist schon lustig, wie verschieden Lastenräder sein können. Dass diese Art von Rädern keine Nerd-Späßchen wie z. B. Scooter-Räder, die keinen echten Nutzen haben, sind, beweist u.a. der Blog „Ohne Auto im Alltag“ sowie zahlreiche Initiativen, die Lastenräder zu günstigen Konditionen verleihen: z. B. VeloCityRuhr in Dortmund, in Essen ELA und der ADFC Unna mit ELLA und ULF. Mit ELLA hatte ich zu Wochenbeginn keinen Erfolg. Vorne zwei Räder, dazwischen die Ladefläche, hinten das einzelne Rad. Dreirädrige Liegeräder bin ich schon gefahren gewesen. Allerdings war ELLA auch mit meiner inzwischen schon jahrelangen Fahrpraxis für Lastenräder kaum zu fahren. Da half auch die E-Motor-Unterstützung nichts. Vorne schwer zu lenken und kaum unter Kontrolle zu halten, wackelte der hintere Teil wie ein Kuhschwanz. Fast schon magisch schienen die parkenden Blechkisten das Rad anziehen zu wollen.

Hier ein Bild von ELLA: https://adfc-kreis-unna.de/ausleihe/cb-items/ella-unser-elektrisches-luener-lastenrad/

Ich versuchte immer wieder, zu starten. Nach sagenhaften 1,2 km gab ich auf und gab dieses Lastenrad wieder am Lünener Hauptbahnhof zurück. Sehr schade. Ich war enttäuscht, hatte ich mich doch auf eine kleine Radtour zurück nach Dortmund gefreut. Der Mechaniker hatte mir sogar noch den Leezepatt empfohlen gehabt. Doch daraus wurde nichts. Fast hätte ich mir spontan eines der kostenpflichtigen anderen Räder ausgeliehen, aber das war nicht der Sinn der Sache. Außerdem hätte ich auch dieses Rad wieder zurückbringen müssen, wofür ich keine Zeit gehabt hätte.

Man könnte denken, dass sich Lasten mit einem zweispurigen, weil dreirädrigen Rad leichter transportieren lassen. Aber dem ist nicht so. Beim Fahrverhalten von ELLA fühlte ich mich stark an die Christiania erinnert, die ich auch mal versucht hatte, zu fahren: auch bei der Ch. befindet sich die Ladefläche zwischen den beiden Vorderrädern, der Lenker ist eine gerade Stange, wie ein Treppengeländer verläuft die Lenkerstange vor der Ladefläche. Respekt für die und den, die oder der so ein Ding fahren kann! Hier ein Bild des Modells „Christiania“, die im Dortmunder Verleih „Rudolf“ – eigentlich Rudolfine – heißen müßte. 😉

Der ADFC Unna hat aber nicht nur ein Lastenrad in seinem Verleih-Angebot. Ein Einspurer ist auch zu haben: UNser LastenFahrrad, kurz ULF. Am selben Tag, an dem ich wegen dem Rad ELLA so betrübt und enttäuscht gewesen war, buchte ich den ULF. Am Valentinstag holte ich das Rad dann ab; dank komoot war die Suche nach dem richtigen Weg einfach. Inzwischen bin ich sehr froh über dieses elektronische Navigationssystem, weil die Planung doch schneller geht als mit der Papierkarte. Letztere haben aber einen entscheidenden Vorteil: ihre Akkulaufzeit ist unschlagbar (zugegeben, mit den Updates dauert es immer etwas länger… ). Als „Backup“ habe ich immer noch die ADFC-Papierkarten mit dabei. Da es sich beim Ausleihort in Unna-Massen um ein Randgebiet der Stadt handelt, war der Weg gar nicht so weit, wie ich zuerst vermutet hatte. 13 km Wegstrecke, nach einer Stunde war ich bei „Electric Ride“ angekommen und wurde freundlich empfangen. Allerdings, ULF ist eins der wenigen nicht-elektrisch betriebenen Pferde in diesem Fahrradladen.

Und los ging´s… nach einem Stück Landstraße entlang der Felder.

Das Lastenrad ULF vom ADFC Unna.

Nebenan gibt es erst mal Mittagessen…

Schafherde beim Mittagessen auf der Weide bei Unna-Massen.
Määäh! Aber beim Essen ist es ganz stille…



  • Zugegeben, der Spiegel ist etwas spießig und den braucht auch niemand. Aber bei einem kostenlosen Leihrad motzt man nicht… abgesehen davon, dass er für die Katz ist. Ich sah darin nicht das, was man darin erkennen hätte sollen: nämlich das, was hinter dem eigenen Rücken liegt.

Der Ulf, ein niederländisches Modell von der Art „Bakfiets“, verhält sich gemächlicher und rollt langsamer als das Bullitt von Larry vs. Harry. Damit man auch mit dem Bakfiets, wörtlich übersetzt das „Wannenrad“ aber nicht baden geht, muß man Geduld haben. In die Kurve legen geht schon, aber wirklich schnell fahren kann man mit ULF nicht. Auch der Ständer unter der „bak“, der Wanne = der Lastenfläche ist etwas umständlicher zu handhaben als der vom Bullitt. Dafür ist es sehr verläßlich, auch wenn mal unvorhergesehen Hindernisse kommen, z. B. Steine aus der Wegoberfläche ragen, über die man dann drüber fahren muss. Oder eine Kurve, auf die ein Weg mit nicht ganz abgesenktem Bordstein folgt. Das alles schluckt dieses Rad, ohne zu murren. Außerdem macht die stufenlose NaVinci-Schaltung der Rohloff wirklcih Konkurrenz – auch wenn eingefleischte Rohloff-Fans mit Sicherheit was anderes behaupten 😉

Zuerst durch Dortmund-Kurl und nicht wie zuerst angenommen durch Kamen-Methler oder Wickede ging die Route auf den Körnebachradweg entlang der Bahnlinie Dortmund<>Hamm. Bei für den Februar nciht normalen Temperaturen von ca. 15 und mehr Grad Celsius zwitscherten die Vögel im Gebüsch am Wegesrand, als ob schon Frühling wäre. Ich war immer noch auf Winter eingestellt und das „bakfiets“ durfte als erste Ladung immer mehr Kleidungsstücke tragen, die mir zu warm geworden waren.


Auffällig ist die Ähnlichkeit zum sogenannten „Hollandrad.‘

Am Bahnhof Dortmund-Scharnhorst mußten die Gleise überquert werden. Auch wegen der Kurven auf dem Brückenzugang keine leichte Aufgabe, darauf zu fahren… nun, schieben ist auch keine Schande…

Der Bahnübergang am Bahnhof Do-Scharnhorst.

Kurz nach der Brücke verkündete ein Wegweiser, dass es nur noch 4,1 km bis zum Borsigplatz seien. Juhu, dachte ich mir… doch kurz darauf gab es keinen Weg mehr, nur noch Morast.

Das Baustellenschild besagt, dass der Lippeverband hier etwas baut.

Weit und breit war kein Mensch zu sehen, die Maschinen standen still. Rad und Mensch wurden unnötig dreckig. Hallo, ich bin hier nicht mit dem Downhill-Rad unterwegs! Später erfuhr ich dank eines Bekannten, dass hier tatsächlich ein Weg gebaut werden würde (sonst müßte man durch das Bahnbetriebsgelände mit den Schienen und abgestellten Zügen fahren). Bereits Ende 2018 sollte dieser Weg zwischen Scharnhorst Bahnhof und Wambel Gewerbegebiet fertig sein, jetzt ist der 31. März 2019 anberaumt. Zwar war der Morast nach ca. 200 m wieder zu Ende, doch auf dem nun wieder asphaltierten Weg mussten laange Brombeeranken den Weg versperren. Ich hatte am Bahnhof Scharnhorst kein Umleitungsschild gesehen gehabt, erst auf den Rat meines Bekannten hin fand ich bei der Rückfahrt, als ich später das Rad wieder abgab, die Umleitung.

Dann endlcih am Borsigplatz angekommen… und gleich zur Arbeit gefahren. 1 Stunde Wegzeit, die mir länger erschienen war, lag nun hinter mir.

Der Borsigplatz Dortmund. Seltsamerweise nicht so beliebt in Gelsenkirchen…

3 Tage hatte ich Ulf ausgeliehen und er hat viel erlebt. Ich fuhr mit diesem Lastenrad zur Arbeit, ca. 3 km einfache Wegstrecke. Die Kollegen staunten nicht schlecht, erst recht, weil ich den Weg von, bzw. nach Unna auf mich genommen hatte. Und der Architekt, der im selben Haus wie wir arbeitet, bekam auch Lust, das Rad auszuprobieren, auch mit Hund. Allerdings war der Vierbeiner, sonst eine freundliche Schmuserin, nicht so begeistert, was ihr Herrchen da veranstaltete… ich hatte bis zu diesem ZEitpunkt auch angenommen gehabt, dass die Plane vorne fest montiert sei. Das hat den Hund wohl gestört, dass sie nicht immer frei ihren Kopf in die Höhe recken hatte können. Aus Hundesicht verständlich. Nur hinten ist ein Fensterchen, wo man die Regenfolie aufrollen kann.

Aufgerollte Regenfolie hinten, unter dem Lenker.

Das Schöne am Lastenrad-Fahren ist, dass man mehr Aufmerksamkeit von anderen Verkehrsteilnehmern* bekommt. Dieses Rad fällt durch seine ERscheinung mehr auf. Manche Passanten* fragen, ob man damit auch Kinder mitnehmen kann. Ja, beim Bakfiets von VanAnden gibt es ein schmales Bänkchen in der Wanne, das ich allerdings immer hochgeklappt hatte, weil ich ausschließlich Dinge transportierte. Im folgenden war das Altglas und jede Menge Leergut.

ULF beladen mit einem leeren Bierkasten, Altglas, Altpapier.

…und wieder ein Aufgschau vor dem Getränkemarkt 😀 Das erste Cabrio hatte ich auch gesichtet. Seltsam. Ich fahre das ganze Jahr über Cabrio.

Über die Biermarke lässt sich streiten, aber nicht über die Mobilität in der Stadt!

Bei 19 Grad Celsisus, die inzwischen das Thermometer anzeigte, kommt man ganz schön ins Schwitzen, wenn man Lastenrad fährt. Der Bierkasten wieder voll und die Körbe und Taschen wieder leer von den Pfandflaschen, war ich froh, zur Arbeit radeln zu können. Wenn auch nicht ganz so flott und wendig wie mit dem Bullitt. Was schon bemerkenswert ist: die durch den hohen Lenker verursachte aufrechte Sitzposition hat fast was majestätisches. Demnächst also bitte ein Modell mit dem niederländischen Königswappen vorne dran ausliefern, verehrter Hersteller vanAnden… 😉

Abends, der 3. Freitag im Monat war es, wäre ich fast bei der CM Dortmund mitgefahren. Allerdings ging ein Pressetermin vor: die Premiere des Theaterstücks „Hedda Gabler“ von Henrik Ibsen am Schauspielhaus Dortmund. Nun, dann geht ULF mit mir eben ins Theater… Premierenkritik folgt auf http://www.nordstadtblogger.de .

Der ULF vor dem Schauspielhaus Dortmund.
Der ULF vor dem Schauspielhaus Dortmund.

Und hehe, ich passe noch in diese Parklücke! Sehr gut sogar, ohne dass ich mir die Tür ramme! 😀

Der ULF in einer Parklücke bei wilder Autoparkerei.
Der ULF in einer Parklücke bei wilder Autoparkerei.

Freitag nachmittag ist gefühlt noch mehr los auf den Straßen in und um die Innenstadt herum. Einmal flog mir fast die Plane weg, ich mußte anhalten, was aber kein Problem war, selbst die Autofahrer* hupten nicht… wohl auch, weil ich den eigentlich unnützen Radstreifen am Borsigplatz benutzte. Es gibt dort eine extra Ampelschaltung für Radfahrende, aber kein blaues Schild dass dieser lächerliche Streifen und Holperpiste benutzungspflichtig wäre. Sowas gibt es auch nur in Deutschland – hust*.

Was mir mit und ohne Lastenrad Angst macht, sind diese Massen an Autos. Verkehrswende ? Klimawandel? #FridaysForFuture, schon mal was davon gehört? Diese Autofahrer* offensichtlich nciht. Vor einer Zukunft, in der sich das Mobilitätsverhalten nciht ändern wird, graust mir. Angesichts dieser Blechmassen ist jede Fahrt mit dem RAd und Lastenrad eine Dmeonstration für eine bessere Zukunft. Klingt überzogen pathetisch, ist aber wahr, weil Fahrräder kein CO2 ausstoßen.

nur eine der vollgestopften Routen Richtung Borsigplatz.
nur eine der vollgestopften Routen Richtung Borsigplatz.

Nur ein paar hundert Meter weiter, in eine enge Gasse abgebogen, zwischen einem Schrebergarten-Häuschen und verfallenem Industriegelände, hat man erst mal Ruhe vom Verkehrslärm. Die Graffiti an den Wänden gehören zu einer Galerie, um diesen Teil der Weißenburger Straße, zu dem auch die Mauer vom RWE-Gelände gehört, zu verschönern. Diese Sprayereien sind also legal und durchaus sehenswert, es muß nicht immer alles gefallen.

Der ULF vor der Galerie in der Weißenburger Straße Dortmund.
Der ULF vor der Galerie in der Weißenburger Straße Dortmund.

FAZIT: So sportlich wie das Bullitt fährt sich ULF nicht, aber er ist mindest so verläßlich. So schnell haut dieses Rad nichts aus der Spur…. der extrem niedrige Einstieg ist ein Komfort-Plus (wobei die verminderte Höhe der Querstange im Rahmen eines KARGON oder Riese&Müller-Lastenrades auch ausreichend ist). Beim Bullitt heißt es immer erst einmal einen halben Can-Can tanzen, während man Jaques Offenbach im Ohr hat. Die Regenhaube ist auch nicht verkehrt, wenn sie am „bakfiets“ angebracht ist. Die NaVinci-Schaltung ist sehr zu empfehlen, weil man beim Anfahren an der Ampel oder am Hang stehend keinen Streß mehr hat. Für starke Steigungen ist ULF aber nichts, das Bullitt auch nicht wirklich, wenn es auch leichter zu fahren ist. Wer in meiner alten Heimat Nürnberg wohnt, der oder dem sei diese Rad trotz des günstigen Preises – im Vergleich zum Bullitt- nicht empfohlen.

Was nicht nachvollziehbar ist, ist die hohe Lenkerposition. Was bei einer Gazelle, also einem Hollandrad als angenehm empfunden werden mag, stört beim Lastenrad auf Dauer. Das Gesamtgewicht ist größer, weshalb ich immer einen 2. Menschen brauchte, um ULF in den Flur des Wohnhauses zu heben, um ihn nachts sicher zu verwahren. Das Bullitt habe ich, wenn auch mit Anstrengung, allein ins Haus geschafft. Wenn man länger mit dem ULF fährt, also mehr als 20 Streckenkilometer am Stück, kann man schon mal matte Arme bekommen. Oder ist es auch eine Gewohnheitssache? Nach 3 Tagen Bullitt-Fahren weiß ich auch, was ich getan habe. Nach meiner allerersten Bullitt-Fahrt hatten mir ordentlich die Arme weh getan. Dennoch werde ich ULF gerne wieder ausleihen, weil er ein verläßlicher Partner ist, mit dem man sicher Lasten transportieren kann.

EletricRide in Unna-Massen. Hier kann man ULF ausleihen.

Danke an den ADFC Unna für die Bereitstellung von ULF, UNserem LastenFahrrad! 🙂 HIER kann man ULF ausleihen. EletricRide ist auch gut mit der S-Bahn und Bus R54 zu erreichen.

Die komoot-Routen von Dortmund nach Unna – 1. Link und zurück, 2. Link:

https://www.komoot.de/tour/56552377

https://www.komoot.de/tour/56552376

Gerne werde ich wieder damit fahren, auch bei 13 km Anfahrtweg. Lustig wird es dann, wenn man vom Lastenrad wieder auf sein ’normales‘ Rad umsteigt… um vom Fleck zu kommen nach der Rückgabe von ULF, hatte ich mir mein Faltrad mitgenommen in dem „Bakfiets.“ Das ist eben das Geniale am Lastenrad, dass man sich sogar ein 2. Rad ohne Probleme mitnehmen kann! Ich hatte nicht nur einen leicht wackelnden Lenker, auch hatte ich dauerend das Gefühl, dass alles zu leicht ginge und doch was fehle… klar, ein Lastenrad lenkt sich immer schwerer, weil es im Gesamten schwerer ist.

Nach Rückgabe von ULF muss man irgendwie nach Hause kommen. Mit dem Faltrad.


Fliegen auf 2 Rädern will gelernt sein

Ein Sitz, kein Sattel. Die Polsterung sieht aus wie ein grober, dunkelgrauer kratzender Putzschwamm beim Geschirrspülen. Ein langes Rohr, dass das kleinere Vorderrad mit dem größeren Hinterrad verbindet, läuft unter dem Sitz hindurch.. Und wo ist der Lenker? Ah so, der läuft unter dem Sitz durch, die Griffe schauen links und rechts vom Sitz hervor. Das ist der Grundaufbau eines Liegerades. Genau, deshalb liegt man mehr, als man sitzt, während man Rad fährt. Die Beine in der Waagrechten nach vorne über dem kleinen Vorderrad auf den Pedalen. Sieht seltsam aus,  klingt verrückt, ist es auch und das beste: es funktioniert. Aber man braucht Geduld, es zu lernen.

Vor ca. 10 Jahren bin ich schon mal Liegerad gefahren. Ein Nürnberger ADFC-Kollege hatte mich auf diese außergewöhnliche Fahrradgattung aufmerksam gemacht, einmal war ich mit ihm auf der Spezialradmesse (SPEZI) in Germersheim im Süden von Rheinland-Pfalz. Ich hatte Geschmack an dieser Art des Radfahrens gefunden: man kann schnell beschleunigen, es macht riesen Spaß, der Gegenwind braucht die Fahrerin nur noch wenig zu kümmern. Der ganze Beckenbereich ist entspannter, weil man mit seinem Gewicht nicht auf den Sattel drückt.  Mit dem ausgeliehenden FLUX C 500 erlebte ich Fahrspaß pur, ein richtiger Rausch hatte mich ergriffen. Doch leider war es vor ca. 10 Jahren Herbst gewesen, ich hatte das nasse Laub auf dem Weg vergessen  – und wusch! flog ich hin. Das Gute am Liegerad: man kann nicht tief fallen. Das schlechtes: es gut dennoch weh. Die ganze Beinseite war blau und geprellt.

Es hatte große Mühe gemacht, das FLUX C 500 damals auszuleihen: ich mußte mit dem Zug erst nach Ansbach fahren, das bedeutete hin und zurück mehree Stunden Fahrt. Und dann das vergleichsweise schwere Liegerad in den Zug hieven, der noch so häßliche alte Klapptüren hatte…

Von damals habe ich nur Bilder von einem entwickelten Film, die (noch) nicht digitalisiert sind.

Der Traum vom Liegerad-Fahren blieb, aber Geld, eins zu kaufen, hatte ich keins. Wenn man es einmal gelernt hat, will man nie wieder absteigen.

Heute, 10 Jahre und zwei Umzüge in eine andere Stadt später ergibt es sich, dass ich im Monat nicht nur eine Critical Mass mitfahren kann. Hier und da gibt es nette Kontakte, man findet Gleichgesinnte. In Gelsenkirchen gibt es offenbar eine Liegerad-Szene, die ganz fußballfern und über Stadtgrenzen hinweg ihre Leidenschaft pflegt. G. mit seinem gelben Velomobil (ein Liegerad mit Verkleidung rundherum, sieht lustig aus und ist super schnell!) ist einer davon. Weil ihm der Arzt irgendwann auch das Rennradfahren verbot, fährt er Liegerad. Einige Exemplare, darunter auch ein Dreispurer (Scorpion von HP Velotechnik) besitzt er nun schon. Und mir versprach er, dass ich eins leihen könne. Hey cool, endlich nach 10 Jahren wieder Liegerad fahren!

Von einem Kollegen aus eben dieser Stadt hatte ich mir schon Ausflugstips geben lassen, was ich alles sehen könnte: Schloß Berge, Schloß Horst… (nein, das „böse“ Stadion der „Blauen“ steht nicht auf meiner Sightseeing-Liste 😀 ) ich malte mir einen ruhigen Freitag nachmittag aus, der evtl. sogar mit der Critical Mass in Bochum enden könnte. Im Gegensatz zu Nürnberg und Ansbach, der Region Nordbayern sind die Städte im Ruhrgebiet sehr nah beieinander. Bochum sollte also bis abends erreichbar sein.

Doch Fahrräder sind eigenwillig. Fast wie echte Pferde auch, sagen sie nicht zu jeder und jedem sofort „ja.“ G. stellte das Rahmenrohr so ein, dass ich mit den Beinen bequem die Pedale vorn an der Spitze erreichte. Ich dachte, ich kann es noch…. aber immer wieder kippte ich um. Es ist genau so, als wenn man Radfahren lernt: der Kopf kapiert, dass man das Gleichgewicht halten kann, aber der Körper braucht länger, um es zu kapieren. „Du mußt die Beine oben halten, lenken und treten, lenken und treten!“ sagte G. immer wieder. Er feuerte mich an, schob an – und irgendwann konnte ich das erste Stück, den kurzen Radweg entlang der U-Bahn-Haltestelle frei fahren. Juhuu! Die Gelsenkirchener Jugend, die an der Haltestelle abhing, hatte an diesem Nachmittag eine besondere Unterhaltung 😉

Nach ein paar technischen Schwierigkeiten konnten wir abends dann losfahren. Ich wollte es noch bis nach Bochum zum Hbf schaffen, von dort aus mit dem Zug nach Haus fahren. G. schob wieder an – mit Gepäck radeln am Liegerad war noch mal eine ganz andere Herausforderung – und ich fuhr auf der Trasse, vorbei an der Zeche Consol los. Wieder war er da, der Rausch der Geschwindigkeit. Und G. hinter mir plötzlich verschwunden.

Ich freute mich, merkte aber auch, wie erschöpft ich war. Ich habe dann unfreiwillig heftig angehalten, es ist nichts passiert, der Untergrund war ja weich und außer mal umkippen ist nichts passiert. Ich glaube, ich hatte auch etwas Muffensausen bekommen, weil der Weg an dieser Stelle kurz vor der A42 so ist wie der, an dem ich vor 10 Jahren mit dem Flux C 500 gestürzt war: es geht auf jeder Seite schön bergab. Arrgh. Ich machte erst mal Rast, denn ich hatte immer nur etwas, aber nie sehr viel gegessen. Ich war tagsüber ungewollt immer wieder müde, obwohl ich morgens das Gefühl gehabt hatte, ausgeschlafen zu sein.

Ich merkte: ich muß Geduld mit mir selber haben, mal tief durchatmen – dann kann ich wieder losfahren und es klappt auch.

An der Kreuzung, an der es zur Autobahn 42 rein und auf der anderen seite zur Zoom Erlebeniswelt geht, legte ich mcih wieder hin. Ein Autofahrer, der an der Ampel wartete, fragte sogar, ob ich Hilfe brauche. Sehr freundlich, wow, das überraschte mich.

Ich war verwirrt, WO es weiterginge… ich merkte, dass ich richtig k.o. war. Zuerst wollte ich zur Zoom E. fahren, doch dann sah ich die Zufahrt zur Trasse. Ich schob das Rad runter, dann hieß es: aufsteigen und wieder losfahren… wie einfach das auf dem „Hochrad“ (so nennt der ADFC-Kollege aus Nürnberg immer die Fahrräder) doch ist!

Ich war immer noch unsicher, doch ich fuhr los. Und hui, nach ein paar Versuchen, einmal Fluchen und tief Druchatmen klappte es!

Allerdings merkte ich auch, dass mein Kopf und Nacken irgendwie keine passende Position hatten. Das Fahren hätte so schön sein können, wenn ich nicht die ganze Zeit das Gefühl gehabt hätte, dass die Kopfhaltung nicht stimmt und ich eine unangenehme Verspannung spüre. Ich fuhr eine ganze Weile, die Schaltung zickte manchmal, aber im großen und ganzen funktionierte es. Wenn mir jemand entgegen kam, war ich nicht mehr so panisch. Allerdings, wenn zwei nebeneinander fahren, das macht mich immer noch unsicher.

Später dann, auf dem Weg Richtung Erzbahnbude gibt es immer wieder Brücken, die hone Wände links und rechts des Weges haben. Ich dachte auch erst, dass mir die Zäune auf den Brücken Sicherheit geben.

Da gibt es doch das mehrere hundert Meter lange Stück als Brücke, bei dem links und rechts Metallwände sind, danach erreicht man die Erzbahnbude. Langsam überwog der Gedanke: „Warum tue ich mir das an?“ vor „Liegeradfahren macht Spaß.“ Zwei Schlaumeier kamen mir entgegen, nebeneinander, und das bei der relativ engen Brücke. Ich schaffte es noch, ihnen zuzurufen, sie mögen doch bitte hintereinander fahren, ich glaube sie taten es auch, aber zusammen mit der Erschöpfung verlor ich den Mut und fuhr gegen die Wand. Juhu, auch das Knie angehauen und noch mehr Prellungen (aber keine offenen Wunden). Ich war wütend und genervt, aber ich hatte keine Kraft mehr, zu fluchen (auch wenn es notwendig gewesen wäre). Die beiden entshculdigten sich, ich erklärte ihnen die Sache, sie fragten, ob sie helfen könnten… nun, was sollten sie auch tun, ich war froh, dass sie mir überhaupt zuhörten.

Die Erzbahnbude hatte noch offen, ich fragte nach Kaffee, der war verständlicherweise aus. Ein Eis füllte meinen Zuckerhaushalt auf. Aber nachher merkte ich: heute kann ich mit diesem Rad nicht mehr fahren. J., der soeben die Bude geschlossen hatte, war plötzlich neben mir und meinte, er würde mir ein Taxi rufen. Ich hatte keine Lust, die restlichen 6 km bis zur Jahrhunderthalle zu schieben!

Das ist echt eine Gelsenkirchen-Woche: Montag war ich bei der CM, heute kam ich so schnell aus GE nicht raus, weil Julian mich zu einer Kreuzung in GE begleitete. Nach mehreren Telefonaten wußten die Taxifritzen endlich, WO sie hinkommen sollten. Es hat mich schon gewurmt, 23 € für ein Taxi ausgeben zu müssen, um nach Bochum Hbf zu kommen. Aber gut, das war eben ein Notfall…. Und wie ich zu Julian sagte: „man muß nicht gleich Bungee-jumping machen, aber wenn man sich gar nichts traut, ist das Leben elend langweilig.“

Das Liegerad passte gut in den Zug und in den Aufzug. Was ich sonst nie mache, habe ich heute gemacht: ich bin mit der U-Bahn die eine Station ab Hbf zu der Station  gefahren, von der aus die Ux99 zu mir nach Hause fährt.

An den Beinen habe ich viele Veilchen, das rechte Knie tut noch etwas weh, beugen geht, wenn auch mit leichten Schmerzen. Dennoch bin ich froh, es heute mich getraut zu haben, Liegerad gefahren zu sein. Ich war heute morgen erneut  mit Frust aufgewacht. Irgendwas muß man tun, sich aufmachen… Der Lenker sollte nach unten gebogen sein, damit beim Sitzen, ohne dass ich fahre, der Lenker nicht gegen die Beine drückt. Aber wenn man umonst ein Liegrad nutzen kann, motzt man nicht. Jede-/r hat eben einen anderen Körper, G. paßt auf dieses Liegerad eben besser drauf.Das Liegerad bleibt die nächsten Tage erst mal im Stall, abgesperrt.  Aber ich werde wieder losfahren – bis ich so sicher bin wie auf dem „Hochrad.“

Mein herzlicher Dank gilt G., seine Geduld bei der Liegerad-Fahrschule ist unbezahlbar. Er hat an mich geglaubt und mich immer wieder angefeuert. Meine Mutter hätte nur ständig panisch geschrieen, weil alles ach so gefährlich ist (deshalb, meine Damen, zuhause bleiben und sich einschließen – haha!) Und danke an J. und die Erzbahnbude für die Hilfe, damit ich ohne Streß und sicher nach Hause kam.

 

 

 

 

 

 

 

Alles für die Katz? – Kunst am Zug

Die Deutsche Bahn Aktiengesellschaft hat es nicht gern, wenn man ihre Fahrzeuge bearbeitet. Aber verehrte DB AG, Euer Knallrot tut schon in den Augen weh. Wie wäre es mit einem dezenteren Rot?

Da freue ich mich doch immer wieder über Graffiti auf Zügen und auf langweiligen, öden Bahnhofswänden. Ich finde, dass es sich farblich gut ergänzt. Auch wenn ich nicht unbedingt immer weiß, was sich genau hinter manchem „tag“ (Namenskürzel), vermeintlichen Gekritzel oder „Geschmiere“ oder anderen Zeichen verbirgt. Das wissen nur Szenekenner (meist Männer, seltener Frauen).

 

Ah, und noch so nebenbei: ich war´s nicht. Denn so gut malen bzw. sprayen kann ich nicht 😉

Kunst am Zug, entdeckt am 6. Juni 2018 in Dortmund.

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KUNST am ZUG: Alles für die Katz?

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Vor ein paar Jahren am Bahnhof „Neue Schenke“ in Jena/Thüringen entdeckt. Leider wurde es von der DB AG beseitigt.

Hier  auf http://www.fahrrad3gruen.wordpress.com bekommen dieses Bilder ein bleibendes Denkmal.

Are you where you want to be?

Eine Frage, die man sich am Bahnhof durchaus stellen kann.

Uniform am Bhf. Neue Schenke

Einhörner müssen nicht immer schlank und rank sein 😉 so wie wir Menschen auch.

Seit Jahren marode: die Rad-Infrastruktur im Stadtgebiet Dortmund. 1. Kinder- und Jugendsternfahrt macht auf Gefahren für Radfahrer-/innen aufmerksam.

Eigentlich war nur geplant, als Ordnerin bei der Jugendsternfahrt heute am Sonntag, den 10. September 2017 in Dortmund dabei zu sein. Was heute jedoch zu hören war, ist so sagenhaft, daß es eines Kommentars bedarf. Denn die getroffenen Aussagen sind so von Unwissenheit und Gedankenlosigkeit geprägt, daß es jeden vernünftigen Menschen verägert und wütend macht. Diese Aussagen wurden auch nicht von irgendwelchen zufällig befragten Passanten getroffen, sondern von Amtspersonen. Genau diese sollten sich eigentlich genauer überlegen, WAS  sie sagen. Unreflektiert oder einseitig irgendwas daherreden, das kann gerne am Stammtisch gemacht werden – aber nicht bei einer Kinder- und Jugendsternfahrt. Erwachsene haben immer noch eine Vorbildfunktion für die Heranwachsenden.

26 Räder wurden gezählt, schade, daß es nicht mehr waren. Auch waren mehr Erwachsene als Kinder dabei. Es hatte auch Zubringer-Routen gegeben, d.h. man trifft sich im Stadtteil an einem vorher bekanntgegebenen Punkt und ein-/e Tourenleiter-/in führt dann die Gruppe zum offiziellen Startpunkt. Schade, aus einigen Stadtteilen kam außer den Tourenleiter-/innen niemand mit. Der ADFC Dortmund hatte das ganze vorbereitet, die ADFC-Jugend war der Ausrichter dieser Sternfahrt. Für ihre Arbeit und Organisation an dieser Stelle ein Lob – allerdings wäre es sinnvoll, beim nächsten Mal über eine andere Vorgehensweise nachzudenken, wie man für die Sternfahrt wirbt. Allein die zeitweise dunklen Wolken waren heute nicht für die mangelnde Anzahl an Teilnehmer-/innen für die Sternfahrt verantwortlich. Es blieb während der gesamten Sternfahrt trocken.

Um 14 Uhr startete die Kinder- und Jugendsternfahrt der Radfahrjugend des ADFC Dortmund am Fritz-Henßler-Haus. Zu meiner Verwunderung fuhren 5 (später 6) Polizei-Motorräder mit, vorneweg ein Polizeiauto. Motorräder sind ja noch ok, weil es Zweiräder sind. Auch bei der Critical Mass in Nürnberg fährt die Polizei mit Motorrädern mit. Aber warum ein Polizeiauto vorne? Sehr glaubwürdig ist das nicht.  Warum fährt niemand von der Fahrradstaffel der Polizei Dortmund mit?

Auf Nachfrage wurde mir gesagt, daß die Fahrradstaffel nur 7 Beamt-/innen inne habe. Sie seien heute alle im Einsatz. Naja, das kann man als Zivilistin jetzt nicht nachprüfen. Polizisten und Polizistinnen auf Fahrrädern wären wesentlich glaubwürdiger und gleichberechtigte Teilnehmer-/innen gewesen. Bei der Critical Mass Essen vergangenen Herbst war die Fahrradstaffel auch mal dabei gewesen und hatte ein positives Fazit der Tour gezogen. Also, geht doch.

Während der Sternfahrt gab es am Hauptbahnhof, im Kreuzviertel am Theodor-Fliedner-Heim und am Jugendamt Aktionen und Kundgebungen. Die Jugendfeuerwehr zeigt die Rettung eines Verletzten, die Naturfreundejugend veranstaltete ein Quiz zum Wissen über Verkehrsregeln.Die Kinder- und Jugendsternfahrt soll auch Spaß machen und nicht nur Protest sein. Die Forderungen der Radfahrjugend stand auf Stoffbannern geschrieben und wurde von den Kindern und Jugendlichen an den einzelnen Stationen hochgehalten: „radfreundliche Ampelschaltungen,“ „Weg mit Pollern, denn sie zerstören Leben“ „gute Fahrradparkplätze statt Felgenbrecher“ u.a. war darauf zu lesen. Diese Forderungen der ADFC-Jugend können nur unterstützt werden. Aber werden sie von der Stadt Dortmund und der Polizei auch ernst genommen?

 

Und natürlich wurden alle diese Forderungen von den Verantwortlichen mit einem verständnisvollem Lächeln zur Kenntnis genommen; man sei ganz der Meinung der Kinder und Jugendlichen. Schöne Symbolpolitik. Toll.

Was danach von seiten der Polizei und später dem Jugendamtsleiter folgte, war jedoch sagenhaft: anstatt sich der Probleme des Radverkehrs WIRKLICH! anzunehmen, wurde wieder mit der unseligen Helmdiskussion begonnen. Ich habe eigentlich keine Bock mehr auf diese Diskussion. Ja genau! Wir Radfahrerinnen und Radfahrer haben diese verdammte Symbolpolitik, die nur an den Symptomen herumdiskutiert und nur punktuell Linderung bringt anstatt die Ursachen zu bekämpfen, gründlich satt!

Glauben Sie ernsthaft, Polizei und der Herr Jugendamtsleiter, daß ein Helm Kinder und Jugendliche – und auch die Erwachsenen – ernsthaft im Alltags-Radverkehr komplett schützt???

Sehen Sie nicht, wie schmal die Radwege sind, in welchem miesen Zustand (Oberfläche marode, Rillen, uneben wegen Baumwurzeln, verdreckt durch Glasscherben etc.)??? Merken Sie nicht, daß es diese schlechten Wege sind, die das Radfahren in Dortmund gefährlich machen?

Merken Sie nicht, daß dem Autoverkehr seit Jahrzehnten eine Vorrangstellung eingeräumt wird, sprich: dass die meisten Straßen nur für Autos gebaut sind und werden? Dass diese Vorrangstellung dazu führt, daß Autofahrer-/innen eine Narrenfreiheit verspüren und somit Radfahrer-/innen zu eng überholen, schneiden, unachtsam die Autotür aufreißen, so daß man dagegen fährt, die Fahrradwege so selbstverständlich zuparken, als ob es ein ausgeschriebener Parkplatz wäre???

DAS SIND DIE WAHREN URSACHEN FÜR DIE GEFAHREN, die radfahrende Kinder und Jugendliche in Dortmund bedrohen! Mit dem Tragen eines Helms kann man diesen Gefahren nicht begegnen.

Der VCD (Verkehrsclub Deutschland) macht ebenfalls darauf aufmerksam: https://www.vcd.org/themen/radverkehr/helmpflicht/

Andere Länder – ich glaube, eins ist sogar der direkte Nachbar des Bundeslandes Nordrhein-Westfalen und hat noch eine Monarchie – lachen über uns Deutsche, die sich freiwillig eine häßliche Styropor-Kugel auf den Kopf stülpen. Dort trägt kaum jemand Helm, denn es ist schlicht und einfach nicht notwendig. Wer sich sicher auf der Straße und im Stadtverkehr fühlen kann weil sie oder er nicht befürchten muß, daß man vom Autofahrer (oder der Autofahrerin) wieder abgedrängt, aus dem offenen Fenster heraus beleidigt und angeschrien wird, der oder die braucht keinen Helm!

Wir Radfahrerinnen und Radfahrer wollen wie alle Bürger-/innen eine lebenswerte Stadt, bei der wir Zweiradfahrer ohne Motor gleichberechtigt sind. Ein Großteil von uns hat keinen Bock mehr, immer dem Autoverkehr das von den „Motorsportfreunden“ empfundende Vorrecht auf Platz und Existenz einzuräumen. Das Ende unserer Geduld ist ERREICHT. Nicht umsonst gibt es den Allgemeinen Deutschen Fahrradclub ADFC, die Initiative VeloCityRuhr, Bündnis RadFairkehr und IbikeNürnberg (beide letztere in Nürnberg ansässig), die Critical-Mass-Bewegung (> http://www.itstartedwithafight.de & http://itstartedwithafight.de/critical-mass-deutschland/ )

 

Wohlgemerkt: ich bin nicht gegen den Fahrradhelm an sich, aber dieses ständige, gebetsmühlenartige Verkünden des Helms als Allheilmittel gegen alle Gefahren für Radfahrerinnen kotzt mich gewaltig an. Den Kindern wurde heute ein völlig falsches Bild vermittelt: mit dem Helm allein bist du sicher. Eben nicht. Es sind die schlechten Wege, die Arroganz, die Aggressivität und die Ungeduld vieler Autofahrer-/innen, die Kinder und Jugendliche – und alle radfahrenden Menschen – in Dortmund und anderswo gefährden.

Ein Teilnehmer und Bekannter von mir trägt aus Überzeugung Helm – aber es fällt ihm nicht ein, mir ständig erzählen zu müssen, ich solle auch einen tragen. Fahrradhelm zu tragen ist die eine eigene freie Entscheidung – und keine Pflicht.

Es ist absolut nicht nachvollziehbar, weshalb bei der Station am Polizeipräsidium nur über der Helm als sinnvolles Mittel für Verkehrssicherheit angepriesen wurde. Die Krönung erfolgte dann noch dadurch, daß der Polizeibeamte Sch. die Angebote für Fahrradhelme bei Discounter-Supermärkten als preisgünstige Modelle empfahl. (Dass der Verkehrsunterricht für die Grundschüler-/innen zu erwähnen und zu würdigen ist, steht außer Frage).

Aha. Und die Polizeiuniformen werden bei C&A bestellt. Ich dachte bisher immer, daß der Polizeidienst körperlich so anstrengend sein kann, daß die Jacke und Hose mehr aushalten müßten als nur einen einfachen Schlag mit Händen oder Beinen. Die Polizei glaubt doch nicht ernsthaft, daß ein Helmmodell vom Discounter seinen Zweck – dem Schutz des Kopfes (und nur des Kopfes, nicht den Schutz von Armen, Beinen oder überhaupt des Körpers!)- erfüllen kann?!?

Es ist schon klar: die Polizei kann die Verkehrsinfrastruktur nicht zu einer radfreundlichen Umgebung machen. Das ist die Aufgabe der Stadtverwaltung. Was die Polizei aber tun kann: sich mehr – oder überhaupt! – sich mit den Belangen von Radfahrer-/innen befassen! Eine Teilnehmerin nahm das Angebot, Fragen an die Polizei zu stellen, an. Die Antwort auf ihre Frage war kurzsichtig und nur eine Ausrede. Sie war für einen begangenen Fehler von 2 Streifenpolizisten gemaßregelt worden. Dabei ging es nicht darum, daß sie ihren Fehler nicht einsehen wollte; es ging um die Art und Weise, wie die beiden Beamten mit ihr umgegangen waren: sie ließen die Radfahrerin, nachdem sie diese angehalten hatten nicht ausreden , hörten ihren Argumenten nicht zu, machten sie nur runter. Toll gemacht. So stärkt man das Ansehen der eigenen Behörde. Glückwunsch. Und dann noch Geldstrafe androhen. Man hatte grad den Eindruck, die beiden hätten Spaß an ihrer Maßregelung. Hätten die Beamten sich auch nur genauer die Stelle Kreuzung Bornstraße/Heroldstraße angeschaut hätten sie gemerkt, wie schlecht die Verkehrsführung für Radfahrer-/innen dort ist. Kein-/e! Autofahrer-/in würde es dulden, große Umwege fahren zu müssen! Auch wir Radfahrer-/innen haben das Recht, zügig und sicher zum Ziel zu kommen! Wehe es ist mal eine Umleitung… sofort beschwert sich ein Autofahrer. Und wir Radfahrer-/innen sollen das Maul halten. Nee, bestimmt nicht!

Sich die Verkehrsführung genau ansehen, das würde konkret heißen: breiterer, sicherer Übergang der Herolstraße über die Bornstraße für Fußgänger-/innen UND RADFAHRER-/INNEN. Genügend lange Ampelschaltungen damit man als Radfahrer-/in nicht unfreiwillig mit den manchmal sehr langsamen Fußgänger-/innen ins Gehege kommt. Wegen ein paar Schnarchnasen hat auch ein Radfahrer weder Lust noch Zeit, in der Mitte auf der Vekehrsinsel zusätzlich warten zu müssen. Und im übrigen sind wir nicht der emotionale Mülleimer für niemanden, auch nicht für Polizisten. Im o.g. Fall konnte man den Eindruck gewinnen. Es war wie ein Machtmißbrauch: anstatt sich mit der Sache wirklcih zu befassen, wird eine Radfahrerin beschuldigt. Dabei hat sie sich höflich verhalten – was von der Polizei ja gefordert wird. Leider war die Reaktion unverschämt, unhöflich und von Nichtwissen und Gedankenlosigkeit geprägt. Das erzeugt statt Achtung nur Wut für diese Polizeibeamten beim Bürger.

Es geht dabei nicht darum, die Polizei im gesamten zu diskreditieren. In anderen Situationen hat diese Radfahrerin und Bürgerin gute Erfahrungen mit der Polizei Dortmund gemacht.

Zwei Sternfahrt-Teilnehmerinnen und Erzieherinnen machten auf die miese Verkehrssituation an ihrem Arbeitsort, der Kindertagesstätte am Theodor–Fliedner-Heim, aufmerksam. Zu kurze Ampelschaltungen, Autofahrer-/innen, die sich nicht an Geschwindigkeitsbegrenzungen halten, gefährden das Leben nicht nur der Kinder (meist unter 3 Jahren), sondern auch die der Senioren im Theodor–Fliedner-Heim.  Seit 6 Jahren ärgern sich die Erzieherinnen schon über diese Verkehrssituation. Passiert ist bisher – nichts. Dabei sind Kinder (und Jugendliche) der Gesellschaft doch angeblich soviel wert: wenn die Nachricht einer Kindesentführung oder gar Mord die Runde macht, ist die Welle der Empörung groß, die/der Täter-/in muß gar Morddrohungen fürchten. Die Gefahr, von einer Blechkiste getötet zu werden, wird offensichtlich stark unterschätzt….

An der Station beim Jugendamt war zu bemerken, daß der Leiter dieses Amtes zwischen Alltags- und Reiseverkehr mit dem Rad nicht zu unterscheiden weiß. Auch er lobte die Kinder ausschließlich dafür, daß sie Helme trugen. Er betonte, daß seine Behörde sich für die Belange von Kindern einsetze. Letzteres ist zweifelsohne zu würdigen. Nach der Logik des Helmtragens müßte meine Generation – noch vor 1990 geboren – nahezu ausgestorben sein. In den 1980er und 1990er Jahren dachte niemand an einen „Fahrradhelm.“

Aber bitte, warum kommt der Jugendamtsleiter mit dem Skifahren in seiner Freizeit daher, wenn es um die Frage geht, ob man im ALLTAGSverkehr Helm trägt oder nicht??? Es ist ein riesen Unterschied, ob im ich im Alltag mit dem Rad unterwegs bin oder ob ich (Rad-)Sport in meiner Freizeit betreibe! Wie ein anderer Teilnehmer heute richtig sagte: „ich will im Alltag sicher unterwegs sein können, ohne mich panzern zu müssen.“ Daraufhin fiel dem Jugendamtsleiter und Helmfreund nichts mehr ein. Beim ADFC Nürnberg besteht z. B. nur bei Mountainbiketouren Helmpflicht. Der Grund liegt klar auf der Hand: hier handelt es sich um Sport, um die Fahrt in unebenem Gelände, das mehr und echte, weil andere Gefahren birgt als der Straßenverkehr. Bei Rennradtouren empfiehlt sich auch das Tragen eines Helms. Aber wegen ein paar Kilometer zur Arbeitsstätte oder zum Einkauf? – Nee!

 

Daher noch einige Forderungen an den Jugendamtsleiter und manche Damen und Herren in Uniform, oder sagen wir mal, Tips, die heute ausgeblieben sind:

  • setzen Sie sich, wenn Sie als Polizeibeamter/in nicht der Fahrradstaffel angehören, öfter mal auf´s Rad und fahren Sie durch die Stadt. Was spüren Sie, was fällt Ihnen auf? Wie reagieren die Autofahrer-/inne auf Sie als Radfahrer-/in?
  • >>> Na, mal wieder unfreiwillig über Glasscherben gefahren?  >>> Plötzlich überrascht gewesen, weil der Radweg – noch dazu benutzungspflichtig – ohne Vorwarnung endet und man plötzlich ungeschützt auf der Fahrbahn steht? >>>Einem herannahendem Auto (das eher selten die vorgeschriebenen 50 km/h fährt) fast einen „Kuß“ an die Breitseite gegeben? >>> Plötzlich gewundert, daß eine Blechkiste den – meist benutzungspflichtigen Radweg ,den Sie gerade befahren, versperrt?

Eine Aktion gegen Falschparker als freundlicher Hinweis. Danke an den VCD. Diese einfache Karte löste bei der Ablage auf die Windschutzscheibe sogar schon Wutgeschrei aus, als ob man den heiligen Sportwagen zerkratzt hätte.

  • Achten Sie verstärkt darauf, wie Autofahrer-/innen sich gegenüber Radfahrer-/innen verhalten. Auch wenn es in der Radfahr-Zunft Chaoten gibt: die meisten Unfälle werden durch den motorisierten Verkehr verursacht. Wir Zivilisten, die wir Radfahrer-/innen nunmal sind, dürfen es nicht, aber die Polizei dürfte es: die Raser, Drängler, Radweg-Blockierer (die „nur mal schnell Zigaretten holen wollen – interessanterweise sind es meist Männer), die Brüller und Schreier, die Radfahrer-/innen bedrohen:  festhalten.
  • Und dann: In einen Raum setzen, zum Schweigen bringen – und sie zwingen, daß sie uns Radfahrer-/innen zuhören.
  • Radfahrer-/innen sollten dabei vorne stehen und den „motorsportfreunden“ mit ruhigen Worten und einer Präsentation erklären, warum sie wie gefahren sind und warum es – tatsächlich oder scheinbar – zum Konflikt mit den anwesenden Autofahrer-/innen gekommen ist.  Auch wenn noch nicht wirklich was passiert ist, selbst nicht ein kleiner Lackschaden, ist die Situation im alltäglichen Straßenverkehr so aufgeheizt, daß selbst ein ruhiger sachlicher Ton nicht mehr beim Gegenüber ankommt. Na dann…. braucht sich kein Autofahrer/keine Autofahrerin mehr wundern, wenn die Wut bei radfahrenden Menschen steigt und steigt.
  • In Berlin ist die Situation schon so weit eskaliert, daß Radfahrer-/innen sich nicht mehr an Regeln halten. Irgendwann hat man keine Geduld mehr. Es werden immer mehr Menschen, die erkennen, daß man mit dem Rad die meisten Alltagswege zurücklegen kann. Und nun fordern sie ihr Recht, ihre Gleichberechtigung auf den Straßen. Das heißt für Berlin UND DORTMUND: man muß dem Autoverkehr Platz wegnehmen! Denn bisher hat der radfahrende Mensch viel zu wenig Platz! Leider sind viele Lokalpolitiker-/innen dazu nicht mutig oder nicht willens genug. Auch die erfolglose Suche nach Bauingenieur-/innen bei der Stadt Dortmund spielt eine Rolle, wie zu erfahren war.

 

  • Hören Sie zu, bevor Sie verurteilen oder beurteilen. Die beiden o.g. Beamten im Mai an der Kreuzung Herold-/Bornstraße waren leider nicht fähig dazu. Meistens sind Radfahrer-/innen einsichtig, weshalb sie einen Fehler gemacht haben sollen. Keine-/r macht gern oder aus Mutwillen Fehler. Aber an vielen Stellen ist die Verkehrsführung so beschissen – man muß es so deutlich sagen – dass man Fehler machen muß. Ja, Sie haben richtig gelesen! Wenn der benutzungspflichtige Radweg mit Glasscherben voll ist fahre ich NICHT darauf, wenn es nur eine Fußgängerampel gibt, obwohl es eine im FAHRRADSTADTPLAN eingezeichnete Route ist, fahre ich verdammt noch mal dort entlang!
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  • An dieser Stelle sei bemerkt: Radfahren heißt nicht rasen, sondern fahren, also die Fußgänger-/innen leben lassen und ihnen ein Existenz- und Platzrecht gewähren.

 

  • Dringend: eine Änderung in der Fahrschullehrer-Ausbildung! Wie oft wird man selbst von Fahrlehrern angeschrien und wie ein lästiges Insekt behandelt daß sie am liebsten tot schlagen möchten. Und dazu eine verpflichtende Nachschulung von bereits ausgebildeten Fahrlehrern, damit sie die Belange des Radfahrers/der Radfahrerin nicht nur kennenlernen, sondern diese ihnen auch bewußt werden!

 

Nach all diesen Erfahrungen – ich fahre schon seit über 20 Jahren 99% meiner Alltags- und Reisewege mit dem Rad – kann ich mich über unser Land nur wundern. Deutschland = Fahrrad-Entwicklungsland. Als ob Piech, Zetsche & Co. sich über den Bau und Verkauf von Postkutschen  statt Autos Gedanken machen. Und die „Pferde“ heißen dann „Opel Kadett“, „VW Touran“, „Mercedes C-Klasse“, „Audi TT“ usw. Ah ja. Seltsam nur, daß dann keine Pferdekacke auf den Straßen rumliegt. Dafür gibt es jede Menge unsichtbaren Feinstaub, der die Menschen immer kränker macht. Ist eben nicht sofort und nicht so deutlich sichtbar, als wenn jemand droht, an Ebola zu krepieren oder mit einer Waffe zu schießen. Angeblich sind allen doch die Kinder und Jugendlichen bei der Sternfahrt in Dortmund heute so wichtig… warum gibt es dann keine radikalen Verändungen und Verbesserungen in der Fahrradinfrastruktur? Fahrräder machen weder Dreck noch nehmen sie soviel Platz weg wie die immer größer und wuchtiger werdenden Autos (SUV und ähnlicher Unsinn in der Stadt). In den meisten Blechkisten sitzt nur ein Mensch, der durch die Stadt fährt. Und das bei mind. 4 Sitzplätzen. Ganz schön effizient und sinnvoll.

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Der Helm soll´s richten mit der Sicherheit. Tut er aber nicht. Was wirklich schützt ist eine fahrradfreundliche Verkehrsinfrastruktur. Und die ist eben komplizierter und aufwendiger als die Bestellung von x Helmen. Darüber freut sich nur der Hersteller, aber es nützt kein-/eRadfahrerin wirklich.

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Für bessere Luft, erst recht in den Städten: die Forderung des ADFC Nordrhein-Westfalen. https://www.adfc-nrw.de/fahrradland-nrw.html

 

Zur Situation Autofahrer-/innen und Radfahrer-/innen:

Was nicht nur Kinder und Jugendliche beim Radfahren schützt und was nicht:

http://www.zeit.de/mobilitaet/2017-06/radfahren-grossstadt-strassenverkehr-gefahren-bloggerin-interview

Und auf dem Blog: http://www.radelmaedchen.de

http://www.fr.de/panorama/verkehrssicherheit-fahrradhelm-hilft-aber-a-1347657

http://fahrradzukunft.de/25/motorisierte-gewalt/

Alltagsbeobachtungen VI. Neulich im Kopierraum.

 

InDie Gesundheit ihrer Mitarbeiter* und Studenten* liegt der Technischen Universität Dortmund sehr am Herzen. Das zeigen die Angebote, von denen auf Plakaten und in E-Mails zu lesen sind: „Pausenexpress“, damit der bei der Büroarbeit arg gebeutelte Körper aus seiner PC-Bildschirmstarre wieder herauskommt (ach, da waren noch andere Gelenke als in den Fingern, die man bewegen kann?). Wobei „Pausenexpress“ ein widersprüchliches Wort ist, denn in der Pause will man gerade keinen „Express“, also Tempo, sondern Ruhe haben. Die freundlichen Damen und Herren vom Hochschulsport, auch Pausenexpress-Trainer genannt, werden aber das Maß zwischen Ruhe und Bewegung kennen. Und ein Massageangebot für den Alltag gibt es auch. Deshalb ist dann zu einer bestimmten Zeit, ich glaube ein Wickelraum (ja der ist außerhalb der Massage-Zeit für die kleinen Scheißer-/innen) dann besetzt.

Wow. Von sowas kann man als Mitarbeiter* im Gartenbau nur träumen.

Dann gibt es noch den Personalrat, der auch ansprechbar ist, wenn der Schuh nicht im wortwörtlichen, sondern im übertragenen Sinne drückt. -Für die Studierenden gibt es die psychosoziale Beratung, wenn man nicht mehr weiter weiß.  Der Hochschulsport der TU Dortmund bietet für Mitarbeiter* und Studenten* ein breites Angebot für Bewegungsfreudige ebenso wie angehende (oder Möchte-Gern-)Leistungssportler-/innen in zum Teil renovierungsbedürftigen Räumen.

 

Allerdings…

Liebe TU Dortmund, da geht noch mehr!

Deiner Bitte, angeschlagen am Riesen-Abfallcontainer im Kopierraum,  die Kartonagen in den Raum 0.515 zu bringen und dort zu zerkleinern, kommen wir alle gern nach. Denn wir sind alle an einer guten, möglichst friedlichen Zusammenarbeit interessiert. Der Kopierraum wäre schon allein wegen des Volumens dieser Ungetümer von Kartons überfordert. An dieser Stelle könnte noch mehr für die psychische Gesundheit Deiner Mitarbeiter* und Studierenden getan werden!

Als kritische Zeitgenossin kann man an der Gesellschaft gern mal verzweifeln. Die Wut kocht hoch ob soviel Unverständnis, Starrköpfigkeit und Dummheit in der Welt. Dagegen ist selbst die Wissenschaft oft machtlos. Die Objekte und Lebewesen, die diese Wut auslösen anzugreifen ist keine Lösung und manchmal auch nicht möglich und strafbar. Und wo kann man auch nur mal laut schreien, ohne daß irgendein besorgter Bürger gleich die blauen Uniformierten holt?

Deshalb, verehrte Papier- und Karton-Verwaltung der Technischen Universität Dortmund, wenn Ihnen als Teil dieser Universität die Ordnung im Kopierraum und die friedliche Zusammenarbeit wichtig ist, machen Sie es so:

Schreiben Sie unter diesem Schild auf dem Papiercontainer im Kopierraum eine Liste, wieviele und wie große Kartons und Kartonagen sich im Raum 0.515 befinden. Dazu feste Zeiten, z. B. Dienstag 25.04.2017 , 14 Uhr. Daneben kann jede und jeder ihren oder seinen Namen schreiben, wann man kommen will, um die Kartons zu zerkleinern, nein auf die Kartons einzuschlagen, um sie zu zerkleinern. Vor dem Zertrümmern kann ein Bild  oder Name der Person, auf die man wütend ist,  auf einen der Kartons  für eine noch effektvollere Gesundheitspflege angebracht werden.

So kann man seine Wut kontrolliert herauslassen anstatt Frust innerlich anzufressen – und ohne dass man seinen Chef verprügeln oder das Interieur zerstören oder den Kollegen/die Kollegin würgen muß. Frustabbau, bevor er sich in der Seele ansammeln kann – das ist aktive Gesundheitspflege.

Nach der Zertrümmerung der Kartons kann man  wieder frisch und erholt seiner Arbeit nachgehen – und Wut rauslassen ohne jemanden sträflich weder psychisch noch physisch zu verletzen, das ist doch eine gute Idee. Psycholog-/innen raten außerdem dazu, auch mal laut loszuschreien, ganz gegen alle gesellschaftlichen Konventionen. Dafür muß es Orte geben, wo dies ohne Sanktionen und Belästigung anderer Zeitgenossen stattfinden kann. Der Raum 0.515 könnte so ein Ort sein.

Außerdem kommt man seiner auf dem Schild erwähnten Karton-Zerkleinerungspflicht  als Kopierraum-Nutzer-/in  auch nach.

Ein leerer Karton:  das ist der immer verfügbare Sandsack, der sonst nur im Boxraum hängt (von einem Boxraum beim Hochschulsport weiß ich trotz regelmäßiger Nutzung bestimmter Angebote nichts).

Auf der Tür zum Raum 0.515 muß dann ein Schild hängen: „Bitte nicht stören, Wutabbau durch Kartonagen“, um Passant-/innen nicht durch laute Schreie, die zu jeder Karton-Zertrümmerung gehören,  zu verschrecken. Wenn eine Metal-Band probt, reißt auch niemand erschrocken die Tür auf um zu fragen, was denn schlimmes passiert sei.  Sollten größere Verletzungen an den Händen oder anderswo beim Zertrümmern der Kartons entstehen, kann der Ersthelfer vom Personalrat oder ein selbiger unter den Studierenden endlich wieder sein vor Monaten oder Jahren erlerntes Können unter Beweis stellen; evtl. bietet sich eine Kooperation mit einer Berufsschule für Sanitäter-/innen an. Schließlich liegt Dir, liebe TU Dortmund, auch die psychische Gesundheit Deiner Mitarbeiter-/innen und Student-/innen am Herzen. Und das kann auch heißen: Wutabbau durch Kartonagen-Zertrümmerung.

 

In München hat man den Bedarf nach solchen Räumen schon erkannt. Und der Anbieter dieser „Wuträume“ kann gute Gewinne verzeichnen.

http://www.sueddeutsche.de/muenchen/wutraum-eroeffnet-hau-drauf-1.2496139

 

Eigenartige Ruhe im Chaos

Die erste Semesterwoche ist rum. Während der Woche taten mir einmal die Beine weh als ob ich zuviel radgefahren wäre. Deshalb blieb das Pferd heute zuhause. Eins hat sowieso einen Platten. U-Bahn-Fahren, das heißt aber auch: Einkäufe selber schleppen müssen anstatt bequem an den Gepäckträger hängen und radfahren. Viel Auswahl an fußläufig gut erreichbaren Supermärkten hat man in der Innenstadt nicht. Das hat schon seinen Grund, die Stadt Dortmund hat entsprechende Gebote erlassen gehabt. Also rein ins stressige Gewühle der Fußgängerzone. Puh. Dabei wollte ich nur den Rewe im Einkaufszentrum „Thier-Galerie“ erreichen. Ich hasse Einkaufszentren. Und irgendwie scheint jede und jeder zu meinen, am Samstag „einkaufen gehen“ zu müssen.

Ich fand den Rewe und entdeckte zu meiner Überraschung die Imbißtheke mit den günstigen Preisen. Erst mal eine Pause einlegen. Gern kaufe ich hier nicht ein, auch wenn in dieser Filiale mehr Platz ist als in der Kaiserstraße.

In all dem Gewühle aus Farben und Werbeplakaten in Schaufenstern und auf Wänden und Tafeln (im Einkaufszentrum und auf der Straße) fielen mir zwei Werbeplakate auf, die eine eigenartige Ruhe im Chaos ausstrahlten. Keine schreiende Schrift, keine nackte Haut, die geifernd um Aufmerksamkeit heischte. Ausnahmsweise mal ein Werbeplakat, das man gern ansieht. Auch wenn man das Produkt nicht kaufen wird.

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Befreiend auch, daß es keine super-dürre und möglicherweise magersüchtige junge Frau in extra-knappen Bikini sein muß, um für dieses Schwimmbad zu werben.Und auch kein Muskelprotz mit Sixpack, dessen Körperfülle beängstigend wirkt. Beide Körperformen sind nicht attraktiv, auch wenn uns das die Werbung immer wieder weis machen will. Einzig allein die Tatsache, daß die Werbenden unbedingt meinen, daß man mit dem Auto zu ihnen kommen solle, stört. An eine mögliche Zufahrt mit dem Rad oder Rad&Bahn wurde möglicherweise schon beim Bau des Bades nicht gedacht.

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Zugegeben, ich weiß nicht, was die abgebildete Person macht (im Fernsehen moderieren, schauspielern, etc…..) Darum geht es mir auch nicht.

Dieses Plakat wirkt wie aus der Zeit gefallen. Es strahlt Ruhe aus, wirkt angenehm auf die Betrachterin. Keine grellen Farben, keine auffällige Kleidung, nicht mal ein farbiger Hintergrund und auch nicht  das aktuelle Cover der Zeitschrift ist abgebildet. Man könnte meinen, es gäbe noch das analoge Zeitalter ohne jede Art von Computer zuhause oder in der Hosentasche. Die beworbene Zeitschrift liegt auf dem Wohnzimmertisch beim (Leder-)sofa, wer nach dem Programm schauen will, blättert darin herum.

Wohlgemerkt, ich wünsche mir die Schreibmaschine NICHT ZURÜCK. Und Zeitschriften waren nur als Teenager mein Ding. Die Zeit läuft schneller, seitdem es Computer, das Internet und somit weniger Papier-Zeitungen gibt, so mein Eindruck. Man weiß schon gar nicht mehr, wann man eine Zeitschrift lesen sollte. Auch wenn es für die Augen angenehmer ist, von Papier als vom Bildschirm abzulesen. Gerade deshalb sind solche Werbeplakate angenehm. Sie fallen auf – nicht durch grelle, schreiende Farben und Schriften – sondern wegen ihrer Schlichtheit.

Kleidungswahl beim Radfahren und: Das schwere Schicksal von Radfahrer(innen)-Hosen

Wer Fahrrad fährt, macht sich zwangsläufig Gedanken über die Kleidung, die man zum Radfahren trägt. Ganz klar: man ist dem Wetter immer ausgesetzt. In einer Blechkiste sitzend und fahrend ist die Kleidung ziemlich egal. Mit Schmunzeln, manchmal auch mit hochgezogenen Augenbrauen lese dazu Beiträge über Fahrradmode und Accesoires z. B. auf dem Blog von bikingtom. Ach ja und nicht zu vergessen die tollen Hipster-Fahrradläden wie der eine in Dortmund. Wenn man dort eingekauft hat, sieht man aus wie der eigene Großvater (was machen da eigentlich die weiblichen Hipster? Die gibt es doch auch?). Verständigung zwischen den Generationen: gelungen. Haha.

Nee Leute. Mit Anfang, Mitte 20 und selbst ab 30 muß man nicht aussehen wie der eigene Großvater (oder die eigene Großmutter). Verständigung zwischen den Generationen sieht anders aus. Abgesehen von den horrenten Preisen für diese miefigen old-fashioned Klamotten braucht man diese nicht zum Radfahren. Nur bei dem einen Critical-Mass-Fahrer, der selbst so um die 50 ist, sehen old-fashioned Fahrradklamotten cool aus. Weil sie zu seinem Typ passen.

Das Angebot an Kleidung für´s Radfahren ist riesig und wenn man nicht gerade eine Gerte ist, auch schwer zu überblicken: wo gibt es was wirklich passendes? Mein Ex-Freund schwörte auf Gore-Tex, also prüfte ich auch mal die sogenannte „Funktionskleidung.“ Lange hatte ich keine Freude daran: es gab nichts wirklich passendes und ich schwitzte mehr mit dieser Kleidung als ohne. Außerdem war es mir zu umständlich, immer diese reine Kunststoffhülle anzuziehen. Eigentlich ist Funktionskleidung doch nur was für Rad-Touren! Alltagstauglich ist Gore-Tex & Co. nicht, finde ich. Und sie wird genauso schmutzig wie „normale“ Alltagskleidung auch. Damen-Größen ab 42 sind für viele Funktionskleidungshersteller auch immer noch unbekannt. Kein Wunder: in der Sportbekleidungs-Werbung sieht man nur schlanke oder dürre Exemplare von Frauen.

In Sachen Funktionsunterwäsche fand ich erstaunlicherweise was bei meiner geschätzten Versandhändlerin, die nicht explizit Sportkleidung anbietet. Alle Damen und Herren, die als sogenannte „Plus Size“-Größe gelten, finden hier (meistens) was, ohne daß man aussehen muß wie ein alter Mann oder eine alte Frau. Allerdings hat auch diese Versandhändlerin eine seltsame Vorstellung, was Frauen als Sportbekleidung zu tragen haben. In den Katalogen werden Frauen nur bei Fitness-Sportarten gezeigt. Zur Erklärung: nicht alle Frauen machen ausschließlich Aerobic und ähnliches Zeugs als Sportbetätigung, bei dem man sich vorkommt wie beim Militär: vorne steht eine(r) und schreit Befehle, die die anderen schnell und im vorgegebenen Rhythmus auszuführen haben. Und zwar zackig. Und nicht alle Frauen tragen deshalb diese engen Caprihosen, die nichts halbes oder ganzes sind oder weite, wallende Shirts, wie sie eben von dieser Versandhändlerin angeboten werden. Das letztere ist dann was für die schwererbewegliche übergewichtige  Gymnastik-Fraktion ab 50, das Krampfadern-Geschwader. Also doch wieder in die Herren-Abteilung von C&A…. Ich bevorzuge beim Floorball-Spiel kurze, locker sitzende Hosen, ebenso beim Radfahren im Sommer für meine Touren. Die sind stabiler und haben Hosentaschen (ja! auch Frau braucht Hosentaschen, welch Wunder!) und sehen auch nicht so schlecht aus, wie immer getan wird.

Und – Überraschung! Ich trage beim Radfahren lange normale Jeanshosen. Das mag erst mal widersinnig klingen, weil eine Jeans nunmal schwerer ist als eine sogenannte „Funktionshose“ oder „Cargo-Hose.“ Tatsächlich hatte die „Cargo-Hose“mit Innenfutter vergangenen Donnerstag auf meiner Fahrt (Nordbahn- und Kohlebahntrasse) nicht zu schlecht abgeschnitten. Allerdings: Die Jeanshose ist wesentlich stabiler und scheuert nicht so schnell am Gesäß auf. Sie sitzt besser als viele Funktionshosen. Auch bei einem Sturz gibt es nicht so schnell Löcher (bzw. können die besser geflickt werden als bei Funktionskleidung). Es sitzt sich angenehmer auf dem Fahrradsattel als mit einer dünnen Funktionshose. Polster im Gesäß finde ich unangenehm. Außerdem mieft die Jeanshose nicht so sehr wie der Kunststoff. Vorteilhaft ist die Kunstfaser aber bei der Unterwäsche, weil man nicht so schnell auskühlt.

Manchmal trage ich auch Rock und Strumpfhose oder Leggins zum Radfahren. Da muß dann „nur“ die Strumpfhose dran glauben. Flicken lohnt oft nicht.

Aber die Jeanshosen und langen Hosen einer Radfahrerin haben ein schweres Schicksal. Vergangenen Donnerstag meinte eine Zug-Fahrgästin mit Rad zu mir, ich solle den flachen Stofftaschenhenkel, der am Boden lag, aufheben, sie wolle nicht das Rad darüber schieben. Ich antwortete ihr: „Keine Sorge. Das Schicksal haben alle Hosenbeine bei mir.“ Ihre Fahrradreifen waren weder naß noch besonders dreckig. Der Radfahrer, der mir gegenüber saß, grinste.  Meine Mutter hatte getobt, wenn ich mit verdreckten Hosen nach Hause kam. Meine 12 Jahre ältere Freundin in der alten Heimat hatte mich immer vorwurfsvoll angesehen. Wie kann man nur so seine Hosen behandeln!  Einmal hatte es mir die Hosenbeine sogar in die Kette gezogen; nicht schön, ich wäre fast gestürzt, die Autofahrer hinter mir hupten, weil ich nicht weiterfuhr (nicht weiterfahren konnte), aber die Erlanger Straße in Fürth war zum Glück breit genug, um rechts ran zu fahren. Die gelben Klettbänder habe ich aufgegeben, weil ich sie ständig verlor (das geht ins Geld auf Dauer). Diese Hosen trage ich nun schon lange nicht mehr, sie und andere Hosen sind nun zu kleinen praktischen Handtaschen geworden.An dieser Stelle mein herzlicher Dank an Craft-Queen Sandra Landefeld 🙂 Spät nachts höre ich immer noch ein leises Wehklagen aus meinem Kleiderschrank, wenn sich die Geister der alten mit den neuen Hosen über ihr Schicksal als Radfahrerinnen-Hosen unterhalten.

Aber so ist das nunmal.

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