Allgemein, Gesellschaftskritik, Hochschulsport an der TU Dortmund, Technik im Alltag

Alltagsbeobachtungen VI. Neulich im Kopierraum.

 

InDie Gesundheit ihrer Mitarbeiter* und Studenten* liegt der Technischen Universität Dortmund sehr am Herzen. Das zeigen die Angebote, von denen auf Plakaten und in E-Mails zu lesen sind: „Pausenexpress“, damit der bei der Büroarbeit arg gebeutelte Körper aus seiner PC-Bildschirmstarre wieder herauskommt (ach, da waren noch andere Gelenke als in den Fingern, die man bewegen kann?). Wobei „Pausenexpress“ ein widersprüchliches Wort ist, denn in der Pause will man gerade keinen „Express“, also Tempo, sondern Ruhe haben. Die freundlichen Damen und Herren vom Hochschulsport, auch Pausenexpress-Trainer genannt, werden aber das Maß zwischen Ruhe und Bewegung kennen. Und ein Massageangebot für den Alltag gibt es auch. Deshalb ist dann zu einer bestimmten Zeit, ich glaube ein Wickelraum (ja der ist außerhalb der Massage-Zeit für die kleinen Scheißer-/innen) dann besetzt.

Wow. Von sowas kann man als Mitarbeiter* im Gartenbau nur träumen.

Dann gibt es noch den Personalrat, der auch ansprechbar ist, wenn der Schuh nicht im wortwörtlichen, sondern im übertragenen Sinne drückt. -Für die Studierenden gibt es die psychosoziale Beratung, wenn man nicht mehr weiter weiß.  Der Hochschulsport der TU Dortmund bietet für Mitarbeiter* und Studenten* ein breites Angebot für Bewegungsfreudige ebenso wie angehende (oder Möchte-Gern-)Leistungssportler-/innen in zum Teil renovierungsbedürftigen Räumen.

 

Allerdings…

Liebe TU Dortmund, da geht noch mehr!

Deiner Bitte, angeschlagen am Riesen-Abfallcontainer im Kopierraum,  die Kartonagen in den Raum 0.515 zu bringen und dort zu zerkleinern, kommen wir alle gern nach. Denn wir sind alle an einer guten, möglichst friedlichen Zusammenarbeit interessiert. Der Kopierraum wäre schon allein wegen des Volumens dieser Ungetümer von Kartons überfordert. An dieser Stelle könnte noch mehr für die psychische Gesundheit Deiner Mitarbeiter* und Studierenden getan werden!

Als kritische Zeitgenossin kann man an der Gesellschaft gern mal verzweifeln. Die Wut kocht hoch ob soviel Unverständnis, Starrköpfigkeit und Dummheit in der Welt. Dagegen ist selbst die Wissenschaft oft machtlos. Die Objekte und Lebewesen, die diese Wut auslösen anzugreifen ist keine Lösung und manchmal auch nicht möglich und strafbar. Und wo kann man auch nur mal laut schreien, ohne daß irgendein besorgter Bürger gleich die blauen Uniformierten holt?

Deshalb, verehrte Papier- und Karton-Verwaltung der Technischen Universität Dortmund, wenn Ihnen als Teil dieser Universität die Ordnung im Kopierraum und die friedliche Zusammenarbeit wichtig ist, machen Sie es so:

Schreiben Sie unter diesem Schild auf dem Papiercontainer im Kopierraum eine Liste, wieviele und wie große Kartons und Kartonagen sich im Raum 0.515 befinden. Dazu feste Zeiten, z. B. Dienstag 25.04.2017 , 14 Uhr. Daneben kann jede und jeder ihren oder seinen Namen schreiben, wann man kommen will, um die Kartons zu zerkleinern, nein auf die Kartons einzuschlagen, um sie zu zerkleinern. Vor dem Zertrümmern kann ein Bild  oder Name der Person, auf die man wütend ist,  auf einen der Kartons  für eine noch effektvollere Gesundheitspflege angebracht werden.

So kann man seine Wut kontrolliert herauslassen anstatt Frust innerlich anzufressen – und ohne dass man seinen Chef verprügeln oder das Interieur zerstören oder den Kollegen/die Kollegin würgen muß. Frustabbau, bevor er sich in der Seele ansammeln kann – das ist aktive Gesundheitspflege.

Nach der Zertrümmerung der Kartons kann man  wieder frisch und erholt seiner Arbeit nachgehen – und Wut rauslassen ohne jemanden sträflich weder psychisch noch physisch zu verletzen, das ist doch eine gute Idee. Psycholog-/innen raten außerdem dazu, auch mal laut loszuschreien, ganz gegen alle gesellschaftlichen Konventionen. Dafür muß es Orte geben, wo dies ohne Sanktionen und Belästigung anderer Zeitgenossen stattfinden kann. Der Raum 0.515 könnte so ein Ort sein.

Außerdem kommt man seiner auf dem Schild erwähnten Karton-Zerkleinerungspflicht  als Kopierraum-Nutzer-/in  auch nach.

Ein leerer Karton:  das ist der immer verfügbare Sandsack, der sonst nur im Boxraum hängt (von einem Boxraum beim Hochschulsport weiß ich trotz regelmäßiger Nutzung bestimmter Angebote nichts).

Auf der Tür zum Raum 0.515 muß dann ein Schild hängen: „Bitte nicht stören, Wutabbau durch Kartonagen“, um Passant-/innen nicht durch laute Schreie, die zu jeder Karton-Zertrümmerung gehören,  zu verschrecken. Wenn eine Metal-Band probt, reißt auch niemand erschrocken die Tür auf um zu fragen, was denn schlimmes passiert sei.  Sollten größere Verletzungen an den Händen oder anderswo beim Zertrümmern der Kartons entstehen, kann der Ersthelfer vom Personalrat oder ein selbiger unter den Studierenden endlich wieder sein vor Monaten oder Jahren erlerntes Können unter Beweis stellen; evtl. bietet sich eine Kooperation mit einer Berufsschule für Sanitäter-/innen an. Schließlich liegt Dir, liebe TU Dortmund, auch die psychische Gesundheit Deiner Mitarbeiter-/innen und Student-/innen am Herzen. Und das kann auch heißen: Wutabbau durch Kartonagen-Zertrümmerung.

 

In München hat man den Bedarf nach solchen Räumen schon erkannt. Und der Anbieter dieser „Wuträume“ kann gute Gewinne verzeichnen.

http://www.sueddeutsche.de/muenchen/wutraum-eroeffnet-hau-drauf-1.2496139

 

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Eigenartige Ruhe im Chaos

Die erste Semesterwoche ist rum. Während der Woche taten mir einmal die Beine weh als ob ich zuviel radgefahren wäre. Deshalb blieb das Pferd heute zuhause. Eins hat sowieso einen Platten. U-Bahn-Fahren, das heißt aber auch: Einkäufe selber schleppen müssen anstatt bequem an den Gepäckträger hängen und radfahren. Viel Auswahl an fußläufig gut erreichbaren Supermärkten hat man in der Innenstadt nicht. Das hat schon seinen Grund, die Stadt Dortmund hat entsprechende Gebote erlassen gehabt. Also rein ins stressige Gewühle der Fußgängerzone. Puh. Dabei wollte ich nur den Rewe im Einkaufszentrum „Thier-Galerie“ erreichen. Ich hasse Einkaufszentren. Und irgendwie scheint jede und jeder zu meinen, am Samstag „einkaufen gehen“ zu müssen.

Ich fand den Rewe und entdeckte zu meiner Überraschung die Imbißtheke mit den günstigen Preisen. Erst mal eine Pause einlegen. Gern kaufe ich hier nicht ein, auch wenn in dieser Filiale mehr Platz ist als in der Kaiserstraße.

In all dem Gewühle aus Farben und Werbeplakaten in Schaufenstern und auf Wänden und Tafeln (im Einkaufszentrum und auf der Straße) fielen mir zwei Werbeplakate auf, die eine eigenartige Ruhe im Chaos ausstrahlten. Keine schreiende Schrift, keine nackte Haut, die geifernd um Aufmerksamkeit heischte. Ausnahmsweise mal ein Werbeplakat, das man gern ansieht. Auch wenn man das Produkt nicht kaufen wird.

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Befreiend auch, daß es keine super-dürre und möglicherweise magersüchtige junge Frau in extra-knappen Bikini sein muß, um für dieses Schwimmbad zu werben.Und auch kein Muskelprotz mit Sixpack, dessen Körperfülle beängstigend wirkt. Beide Körperformen sind nicht attraktiv, auch wenn uns das die Werbung immer wieder weis machen will. Einzig allein die Tatsache, daß die Werbenden unbedingt meinen, daß man mit dem Auto zu ihnen kommen solle, stört. An eine mögliche Zufahrt mit dem Rad oder Rad&Bahn wurde möglicherweise schon beim Bau des Bades nicht gedacht.

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Zugegeben, ich weiß nicht, was die abgebildete Person macht (im Fernsehen moderieren, schauspielern, etc…..) Darum geht es mir auch nicht.

Dieses Plakat wirkt wie aus der Zeit gefallen. Es strahlt Ruhe aus, wirkt angenehm auf die Betrachterin. Keine grellen Farben, keine auffällige Kleidung, nicht mal ein farbiger Hintergrund und auch nicht  das aktuelle Cover der Zeitschrift ist abgebildet. Man könnte meinen, es gäbe noch das analoge Zeitalter ohne jede Art von Computer zuhause oder in der Hosentasche. Die beworbene Zeitschrift liegt auf dem Wohnzimmertisch beim (Leder-)sofa, wer nach dem Programm schauen will, blättert darin herum.

Wohlgemerkt, ich wünsche mir die Schreibmaschine NICHT ZURÜCK. Und Zeitschriften waren nur als Teenager mein Ding. Die Zeit läuft schneller, seitdem es Computer, das Internet und somit weniger Papier-Zeitungen gibt, so mein Eindruck. Man weiß schon gar nicht mehr, wann man eine Zeitschrift lesen sollte. Auch wenn es für die Augen angenehmer ist, von Papier als vom Bildschirm abzulesen. Gerade deshalb sind solche Werbeplakate angenehm. Sie fallen auf – nicht durch grelle, schreiende Farben und Schriften – sondern wegen ihrer Schlichtheit.

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Kleidungswahl beim Radfahren und: Das schwere Schicksal von Radfahrer(innen)-Hosen

Wer Fahrrad fährt, macht sich zwangsläufig Gedanken über die Kleidung, die man zum Radfahren trägt. Ganz klar: man ist dem Wetter immer ausgesetzt. In einer Blechkiste sitzend und fahrend ist die Kleidung ziemlich egal. Mit Schmunzeln, manchmal auch mit hochgezogenen Augenbrauen lese dazu Beiträge über Fahrradmode und Accesoires z. B. auf dem Blog von bikingtom. Ach ja und nicht zu vergessen die tollen Hipster-Fahrradläden wie der eine in Dortmund. Wenn man dort eingekauft hat, sieht man aus wie der eigene Großvater (was machen da eigentlich die weiblichen Hipster? Die gibt es doch auch?). Verständigung zwischen den Generationen: gelungen. Haha.

Nee Leute. Mit Anfang, Mitte 20 und selbst ab 30 muß man nicht aussehen wie der eigene Großvater (oder die eigene Großmutter). Verständigung zwischen den Generationen sieht anders aus. Abgesehen von den horrenten Preisen für diese miefigen old-fashioned Klamotten braucht man diese nicht zum Radfahren. Nur bei dem einen Critical-Mass-Fahrer, der selbst so um die 50 ist, sehen old-fashioned Fahrradklamotten cool aus. Weil sie zu seinem Typ passen.

Das Angebot an Kleidung für´s Radfahren ist riesig und wenn man nicht gerade eine Gerte ist, auch schwer zu überblicken: wo gibt es was wirklich passendes? Mein Ex-Freund schwörte auf Gore-Tex, also prüfte ich auch mal die sogenannte „Funktionskleidung.“ Lange hatte ich keine Freude daran: es gab nichts wirklich passendes und ich schwitzte mehr mit dieser Kleidung als ohne. Außerdem war es mir zu umständlich, immer diese reine Kunststoffhülle anzuziehen. Eigentlich ist Funktionskleidung doch nur was für Rad-Touren! Alltagstauglich ist Gore-Tex & Co. nicht, finde ich. Und sie wird genauso schmutzig wie „normale“ Alltagskleidung auch. Damen-Größen ab 42 sind für viele Funktionskleidungshersteller auch immer noch unbekannt. Kein Wunder: in der Sportbekleidungs-Werbung sieht man nur schlanke oder dürre Exemplare von Frauen.

In Sachen Funktionsunterwäsche fand ich erstaunlicherweise was bei meiner geschätzten Versandhändlerin, die nicht explizit Sportkleidung anbietet. Alle Damen und Herren, die als sogenannte „Plus Size“-Größe gelten, finden hier (meistens) was, ohne daß man aussehen muß wie ein alter Mann oder eine alte Frau. Allerdings hat auch diese Versandhändlerin eine seltsame Vorstellung, was Frauen als Sportbekleidung zu tragen haben. In den Katalogen werden Frauen nur bei Fitness-Sportarten gezeigt. Zur Erklärung: nicht alle Frauen machen ausschließlich Aerobic und ähnliches Zeugs als Sportbetätigung, bei dem man sich vorkommt wie beim Militär: vorne steht eine(r) und schreit Befehle, die die anderen schnell und im vorgegebenen Rhythmus auszuführen haben. Und zwar zackig. Und nicht alle Frauen tragen deshalb diese engen Caprihosen, die nichts halbes oder ganzes sind oder weite, wallende Shirts, wie sie eben von dieser Versandhändlerin angeboten werden. Das letztere ist dann was für die schwererbewegliche übergewichtige  Gymnastik-Fraktion ab 50, das Krampfadern-Geschwader. Also doch wieder in die Herren-Abteilung von C&A…. Ich bevorzuge beim Floorball-Spiel kurze, locker sitzende Hosen, ebenso beim Radfahren im Sommer für meine Touren. Die sind stabiler und haben Hosentaschen (ja! auch Frau braucht Hosentaschen, welch Wunder!) und sehen auch nicht so schlecht aus, wie immer getan wird.

Und – Überraschung! Ich trage beim Radfahren lange normale Jeanshosen. Das mag erst mal widersinnig klingen, weil eine Jeans nunmal schwerer ist als eine sogenannte „Funktionshose“ oder „Cargo-Hose.“ Tatsächlich hatte die „Cargo-Hose“mit Innenfutter vergangenen Donnerstag auf meiner Fahrt (Nordbahn- und Kohlebahntrasse) nicht zu schlecht abgeschnitten. Allerdings: Die Jeanshose ist wesentlich stabiler und scheuert nicht so schnell am Gesäß auf. Sie sitzt besser als viele Funktionshosen. Auch bei einem Sturz gibt es nicht so schnell Löcher (bzw. können die besser geflickt werden als bei Funktionskleidung). Es sitzt sich angenehmer auf dem Fahrradsattel als mit einer dünnen Funktionshose. Polster im Gesäß finde ich unangenehm. Außerdem mieft die Jeanshose nicht so sehr wie der Kunststoff. Vorteilhaft ist die Kunstfaser aber bei der Unterwäsche, weil man nicht so schnell auskühlt.

Manchmal trage ich auch Rock und Strumpfhose oder Leggins zum Radfahren. Da muß dann „nur“ die Strumpfhose dran glauben. Flicken lohnt oft nicht.

Aber die Jeanshosen und langen Hosen einer Radfahrerin haben ein schweres Schicksal. Vergangenen Donnerstag meinte eine Zug-Fahrgästin mit Rad zu mir, ich solle den flachen Stofftaschenhenkel, der am Boden lag, aufheben, sie wolle nicht das Rad darüber schieben. Ich antwortete ihr: „Keine Sorge. Das Schicksal haben alle Hosenbeine bei mir.“ Ihre Fahrradreifen waren weder naß noch besonders dreckig. Der Radfahrer, der mir gegenüber saß, grinste.  Meine Mutter hatte getobt, wenn ich mit verdreckten Hosen nach Hause kam. Meine 12 Jahre ältere Freundin in der alten Heimat hatte mich immer vorwurfsvoll angesehen. Wie kann man nur so seine Hosen behandeln!  Einmal hatte es mir die Hosenbeine sogar in die Kette gezogen; nicht schön, ich wäre fast gestürzt, die Autofahrer hinter mir hupten, weil ich nicht weiterfuhr (nicht weiterfahren konnte), aber die Erlanger Straße in Fürth war zum Glück breit genug, um rechts ran zu fahren. Die gelben Klettbänder habe ich aufgegeben, weil ich sie ständig verlor (das geht ins Geld auf Dauer). Diese Hosen trage ich nun schon lange nicht mehr, sie und andere Hosen sind nun zu kleinen praktischen Handtaschen geworden.An dieser Stelle mein herzlicher Dank an Craft-Queen Sandra Landefeld 🙂 Spät nachts höre ich immer noch ein leises Wehklagen aus meinem Kleiderschrank, wenn sich die Geister der alten mit den neuen Hosen über ihr Schicksal als Radfahrerinnen-Hosen unterhalten.

Aber so ist das nunmal.

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Die unendliche Geschichte des Semestertickets NRW

„Ihr Semesterticket ist in diesem Format nicht gültig!“ So fauchte mich gestern eine schnepfige „Zugbegleiterin“ zusammen mit ihrem siebengescheiten Kollegen an. Ich saß im Zug Richtung Lüdenscheid. Seitdem ich in NRW studiere wundere ich mich über die Form des Semestertickets: ein pdf-Dokument, das man zugeschickt bekommt und ausdrucken soll. Statt diesem Stück Papier kann man auch das pdf-Dokument auf dem smartphone-Bildschirm vorzeigen – obwohl das dann sehr klein ist – auch mit QR-Code. Sehr logisch.

Das uniformierte Paar im Zug will mir weismachen, daß mein Semesterticket ungültig sei, weil es nicht im Format A4 ausgedruckt ist. Ich sehe die beiden verwundert und auch verärgert an. Sie ließen es noch einmal durchgehen – aber das sollte ich mir merken! ich komme aus dem Staunen und Ärger über soviel Unverschämtheit und mindestens 5 Minuten dauernder Korinthenkackerei nicht mehr heraus. Als die beiden abziehen, denke ich mir meinen Teil: keine schönen Worte sind das. Später auf der Rückfahrt wird mir nur eines der beiden Gscheiderle begegnen, das dann plötzlich gaaanz ruhig ist. Nicht mal nach der Fahrkarte wird mehr gefragt.

Ich habe Verständnis dafür, daß man als Studierende nicht nur das Semesterticket, sondern auch den Personalausweis vorzeigen soll. Das mache ich auch. Aber eine Fahrkarte im Format DIN A4 ausgedruckt mit sich herumtragen??? Geht´s noch???

 

Sehr entehrte Zugbegleiter dieses Zuges, der gestern am Dienstag den 15.11.2016 um 16.34 Uhr am Dortmunder Hauptbahnhof Richtung Lüdenscheid abfuhr. Hallo an den Verkehrsverbund Rhein-Ruhr = VRR und an die DB Regio NRW.

Ich will nur weißfahren, deshalb habe ich meine Fahrkarte dabei. Allerdings, wenn man mir so kommt wie gestern ein Hinweis: ich bin nicht Ihr Mülleimer für Ihre schlechte Laune, weil Ihre Arbeitsbedingungen immer schlechter werden oder weil man Streit mit anderen Zugfahrgästen, Familie oder Kollegen oder dem Ehemann oder blabla… hatte. Dafür bin ich nicht verantwortlich, ich kann das höchstens bedauern. Denn was anderes kann nicht der Grund dafür gewesen sein, so angefaucht zu werden.  Ich verlange auch keine großartige Freundlichkeit von Zugbegleitern. Aber so wie ich gestern angemotzt und beschuldigt  wurde: DAS GEHT SO NICHT!

Ich kann mit der Hilfe von der DB Regio und dem VRR in Zukunft natürlich gern Ihrem Wunsch nachkommen, mein Semesterticket im Format DIN A4 mit mir herumzuschleppen. Dann im von Ihnen finanzierten Goldrahmen – oder besser grün-metallicfarbenem Rahmen – das paß zum VRR – und immer mit Butler, der mir dann das schwere Ding von Zeit zu Zeit abnimmt. Auch der Butler: bezahlt vom VRR. Soll laut DIE PARTEI Dortmund ohnehin der Verkehrsverbund mit den teuersten Fahrkarten in Deutschland sein. Aber wehe, wenn dann mal im Bahnhof ein Lastenaufzug für mein schwergewichtiges Semesterticket nicht funktioniert.

Tour Beginn in JenaNord

In Thüringen ist der Sachverhalt Semesterticket (=Fahrkarte) – Studierendenausweis – Kopierkarte – Bezahlfunktion wesentlich besser geregelt. Dort hat man eine Karte für alles, auf der Karte ist der Name, das Geburtsdatum und ein Paßbild vermerkt. Außerdem ist die „Thüringer Hochschul- und Studentenwerkskarte“, kurz thoska auch der Bibliotheksausweis. Gelegentlich wünschen die Zugbegleiter auch das Vorzeigen des Personalsausweises.

http://www.uni-jena.de/thoska.html

Die thoska, das bedeutet: 1 Format, 1 Karte – und keine ewige Debatte darum, ob groß oder klein, dünn oder dick, gerahmt oder lose.Die Gültigkeit wird durch einen zu Semesteranfang erfolgenden Stempel angezeigt.

Das Land Nordrhein-Westfalen und alle Universitäten sollten dringend über diese Art der Studierendenkarte nachdenken.

 

Protestaktion von DIE PARTEI DORTMUND zu den hohen Fahrkarten-Preisen des VRR:

https://www.die-partei-dortmund.de/blog/mahnwache-schwarzfahren-muss-bezahlbar-bleiben/

 

 

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What´s an app? Oder doch ned?

Menschen zu beobachten ist immer interessant. Wer es wissenschaftlich mag, die oder der studiert Soziologie. Ich hatte in meinem Erststudium Soziologie als Nebenfach, im Hauptfach Volkskunde-/Kulturgeschichte (= Kulturwissenschaft) an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Beide Fächer behandeln auf ihre Weise Alltagskultur. Dieser Blogbeitrag widmet sich einem Teil der Alltagskultur – der Mobilfunknutzung.

Im Frühjahr 2015 war es soweit: auch ich bekam ein Smartphone. Zuerst wollte ich keins, weil ich es für unnötig hielt. Zuviel Streß, die Vorstellung, ständig online und erreichbar zu sein über verschiedene Kanäle, nicht nur über das Telefonselbst, erschien mir als furchtbar. Aber irgendwie war ich auch neugierig… Reine und grundsätzliche Ablehnung alles Neuem ist mir fern, erst recht im Technikbereich.Ebenso finde ich es schwierig, wenn alle immer nur positiv über neue technische Erfindungen reden.

Das Smartphone im Frühjahr 2015 war (und ist noch) ein Nokia Lumia 610 (Mitte im Bild). Günstig von einem Freund bekommen, 30€, das paßt erst mal, dachte ich. Es hat ein angenehmes Design, das die Augen nicht überfordert; man kann die Kacheln auf dem Eröffnungs-Bildschirm in verschiedenen Farben einstellen, blau erschien mir am angenehmsten. Unterwegs auch mal E-mails lesen, weniger verpassen, gleich antworten können… keine schlechte Sache! Allerdings ist das Leben auch stressiger geworden. Es ist nicht so einfach den Drang zu unterdrücken, alle paar Minuten oder jede Viertelstunde mal nachzusehen, ob es was Neues gibt. (Gut, inzwischen mehr als früher, als der Reiz des Neuen noch größer gewesen war). Zuerst wurden eben nur 2x am Tag E-Mails beantwortet, wenn ich eben an einem Rechner saß. Manches nervt; bei anderen Sachen ist es gut, wenn man gleich antworten kann.

So nach und nach entdeckte ich die Vorteile des Smartphones. Mein Freund hatte es richtig erkannt: A. braucht ein einfaches Gerät. Allerdings fand ich es dann schon schade, was alles nicht ging mit dem Nokia Lumia 610, dem Windowsphone: die Fahrradnavigation komoot geht nicht komod mit Windowsphone. Meine Güte! Warum stellt sich Microsoft denn soo an?? Sicher ist eine Navigation drauf, die ich auch schon benutzt habe. Aber die ist für´s Autofahren und ich habe mich an einem Abend im Januar schon mal geärgert, dass ich in der Kälte und schon recht erschöpft am Abend einen riesen Bogen gefahren bin; um dann bei Ziel-Ankunft festzustellen, dass ich einfach nur dsa Campus-Gelände mit dem Rad durchqueren hätte müssen. Nur das geht eben mit einem Auto nicht. Haha.

 

In Sachen Technik bin ich in ständigem Austausch mit diesem guten Freund, der mir das Nokia Lumia 610 verkauft hat. Ich teilte ihm mein Bedauern mit, dass komoot nicht funktioniert. Bei meiner Pfingsttour durch Unterfranken 2015 hätte ich es gut gebrauchen können; der Meiningen-Haßfurt-Radweg ist so schlecht ausgeschildert, dass ich mich elend verfuhr. Ich machte die Erfahrung, dass ich immer weiterfuhr, weiterfahren konnte, auch wenn ich schon völlig erschöpft war. Ich hatte schon mit dem Gedanken gespielt, in einer der Rasthütten am Wegesrand schlafen zu müssen und die Jugendherberge in Königsberg/Unterfranken nciht mehr zu erreichen. Ein freundlicher Passant in einem Dorf brachte mich mit dem Auto dann zur Jugendherberge. Dafür war ich sehr dankbar.

Lachender Kommentar meines guten Freundes dazu: „…man hatte ja nicht absehen können, dass es solche Ausmaße annehmen würde.“ Ich muß heute noch grinsen über diesen Satz.Und sein zweiter Lieblingssatz, wenn er mich zitiert (aus dem Jahr 2014):“Frau St. braucht kein Smartphone.“ Auch diese Woche muß er sich wohl scheckig gelacht haben, als ich ihm vom Samsung-Angebot erzählte.

Was ich am Smartphone am meisten mag ist, dass man fotografieren kann. Vor ein paar Jahren hatte ein ehem. Studienkollege mir eine Digitalkamera verkauft. Gutes Stück, ich benutze es heute noch gern. Die analoge Fotografie hat nicht an Reiz und Schönheit verloren, aber sie ist eben eins: umständlich. Was war das für ein Aufwand, Bilder für den Vortrag in der Berufsschule zu bekommen… man mußte entweder Farbkopien aus Büchern machen oder selbst losziehen und – wie ich es gemacht hatte – fotografieren, den Film abgeben, auf die Bilder oder die Dias warten. Für meinen Vortrag über Bodendeckerpflanzen auf Gräbern im Rahmen der Friedhofsgärtnerausbildung hatte ich Dias nach meinen Fotografien machen lassen. Wenn man die heute sieht, wirkt das, als ob man im Museum wäre.

Auch das eher mühsame Notieren von Daten von einem Plakat braucht man nicht mehr zwangsweise machen (und wieder vergessen, bzw. den Notizzettel verlieren). Einfach das Plakat abfotografiert! Der elektronische Notizzettel verschwindet nicht so schnell, man muß aber an ihn denken. Die Auflösung ist für so ein einfaches Gerät erstaunlich gut. Nachteil: Objekte, die eigentlich näher an der Handykamera sind, erscheinen auf dem Bild weiter weg zu sein. Kleine Filme lassen sich auch drehen. Dazwischen sollte man aber auch wieder was löschen, denn: der Speicherplatz ist begrenzt.

Es war schon ein großer Sprung vom einfachen kleinen Mobiltelefon (jeder englische Muttersprachler wundert sich über das „deutsche“ Wort „Handy“, das eigentlich ein Adjektiv ist und soviel wie „praktisch“, „handlich“ bedeutet) von LG (links im Bild) zum Smartphone. Zwar gibt es beim LG auch einen Menupunkt „chat und dating“, aber bei dem kleinen Bildschirm ist alles reduziert. Die allerersten Geräte zu Beginn der 1990er Jahre waren dick und klobig, zuerst mußte man noch ein Köfferchen mit Kabel dran mit sich rumschleppen. Dann wurden die Telefone für unterwegs immer kleiner, schmaler und jetzt werden wie wieder größer, bleiben aber schmal. Man könnte ein smartphone auch „Taschencomputer“ nennen.

Bisher war ich zufrieden mit dem Smartphone „WindowsPhone“ von Nokia. Ich bin weiterhin eine Freundin von Papierkarten, deren Akkumulator nie leer wird. Dennoch, irgendwie ärgerte mich das mit komoot schon… manchmal wäre es doch gut, mal elektronisch was nachsehen zu können, was auf der Papierkarte unklar erscheint – oder man hat diese zuhause vergessen (auch schon passiert, grrr).

Viel Geld will ich für Technik grundsätzlich nicht ausgeben. Sooo wichtig wie für meinen guten Freund ist sie nicht, da gebe ich eher mehr Geld für meine geliebten Fahrräder aus. Außerdem ist da noch die Frage nach der ethischen Verantwortung… Spätestens das Theaterstück „Die Agonie und Ekstase des Steve Jobs“ am Theater Dortmund (grandios gespielt von Andreas Beck als Solopart, auch wenn Steve Jobs wohl nicht diese Leibesfülle hatte 😉 ) hat mir klar gemacht, unter welchen furchtbaren Bedingungen Elektronische Geräte meist in Asien für den europäischen Markt gefertigt werden. Dann lieber ein gebrauchtes Gerät statt ein völlig Neues; einmal Leid weniger.

Allerdings war jetzt im Sommer 2016 eine neue Sache hinzugekommen.

Seit Mai bin ich in einem anderen Sportkurs dabei. Diese Sportart hatte mir schon an der Uni Jena großen Spaß gemacht; sie war Teil des Kurses „Fit durch Spiel“, bei dem verschiedene Ballsportarten gespielt werden. Inhalt des Kurses ist vor allem die Freude an der Bewegung und das Spielerische.Einen ähnlichen Kurs gibt es beim Hochschulsport an der TU Dortmund auch, aber dort wurde nicht Floorball gespielt. Schade.

Und jetzt ist mein Sportkurs bei WhatsApp. What´s an app?

Eine Bekannte hatte mich schon vor Monaten gerügt, dass ich dieses ach so praktische „tool“ nciht nutzen würde. Wohl ist mir bei diesem Dienst bis heute nicht. Noch offensichtlicher ist hier, dass ein amerikanischer Geheimdienst die Daten aller WhatsApp-NutzerInnen sammelt. Schließlich könnten wir alle Terroristen und Terroristinnen sein, nicht nur, wenn man wütend blickende Smileys verschickt oder Schimpfwörter benutzt… uuuuuuaaaahhhh…..

Na die Sportgruppe ist es mir wert, dachte ich.

Und mein guter Freund teilt mir auf meine Anfrage, warum WhatsApp sich nicht aufs Nokia-Gerät laden lasse, mit: „Du bist genau 14 Tage zu spät dran. Windows 7.9 wird nicht mehr unterstützt.“

Arrgh. Oh Microsoft, jetzt ist es aber wirklich genug!

Im Gesichtsbuch suchte ich nach Leuten, die ein whats-app-fähiges Smartphone abzugeben hätten. Ein Kollege wunderte sich daraufhin grinsend, ob es noch nicht-whatssappfähige Handys gäbe… Und schneller als ich dachte meldete sich eine Kollegin und – nun habe ich seit Donnerstag den 14. Juli 2016 ein Samsung S 4 (rechts im Bild).

Kein einfaches Lumieren mehr, nein, jetzt wird in ganze elektronische Galaxien abgetaucht! – nein, äh aufgestiegen (wir sind ja im Weltraum, hust). An dieser Stelle noch mal großen Dank an die Kollegin! Auch wenn das Glas ein paar Brüche hat bin ich sehr zufrieden mit dem Gerät. Am Anfang war es etwas Gefrickel, die sim-Karte aus dem Nokia raus und ins samsung-Gerät  reinzubekommen, dann lief das Ding aber.

An die Bedienung muß ich mich aber gewöhnen. Die vielen zusätzlichen Funktionen (eben, weil beim Betriebssystem Android mehr Apps möglich sind) machen die Benutzerinnenoberfläche unübersichtlich. Ich suche immer noch, wo was ist. Auch ist es nervend, wenn das Bild des letzten Gesprächspartners im Facebook-Messenger immer sichtbar ist. Ich hatte heute bei Whats-App den Absende-Button plötzlich nicht mehr gefunden; weil das Konterfei eines Freundes genau über diesem lag. Allgemein bedeutet die Oberfläche des Samsung S4 mehr Streß für die Augen. Ein paar Apps habe ich schon rausgeschmissen, weil ich sie nicht will noch brauche.

Das Samsung-Smartphone ist leichter, schmäler und hat sogar ein größeres Display. Beim Fotografieren ist das Bild – so mein Eindruck – schärfer (für genaue Daten müßte ich erst nachsehen) , aber die Handhabung ist schwieriger als beim Nokia. Ich habe ein paar Mal schon ungewollt den Filmauslöser gedrückt, weil dieser auf dem Display groß zu sehen ist. Beim Nokia geht die Filmerei nicht gleich los, man muß erst umschalten, dann ist der Startknopf der selbe wie beim Fotografieren. Beim Samsung sind Film- und Foto-Startknopf auf ein und demselben Bildschirm. Außerdem weiß ich gar nicht so recht, wie ich das Ding beim Fotografieren halten soll… wenn ich es halte wie das Nokia-Teil, verstelle ich ungewollt die Lautstärke des Klingelns. So hat jedes Gerät seine Eigenheiten.

Das Nokia Lumia 610 wird nun vorerst zur „Taschenuhr“: weil ich es zeitlich immer noch nicht zum Uhrmacher (der noch was taugt, so wie ich es bisher sehe) geschafft habe, um neue Batterien bzw. Armbänder an meine Armbanduhren ranzumachen, wird das Nokia mir die Zeit sagen. Ohne Uhr unterwegs zu sein… das geht höchstens mal im Urlaub. Außerdem ist die Terminübersicht klarer strukturiert als beim Samsung. Aber immer 2 Geräte mit dabei haben? Hm.  Doof nur, dass, je mehr Funktionen ein Smartphone hat, der Akku umso schneller leer ist.

KONICA MINOLTA DIGITAL CAMERA

Digital fotografiert…

 

 

 

 

 

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