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„I do my crying in the rain“

Ostersonntag. Auch wenn man kein christlich konotiertes Fest feiert hätte man doch zumindest gern trockenes, im besten Falle SONNIGES Wetter. Oster 2017 war kaum sonnig. Es war das, was das Frühjahr eigentlich ist und das totale Gegenteil von einigen Tagen im März: naß und kalt. Einstellige Werte statt sommerlicher Temperaturen. Die Kälte wäre ja noch zu ertragen… aber die Nässe, die ist wirklich mies. Durch die Nässe wirkte die Witterung kälter, als sie wirklich war.

Das trübe kalte Wetter paßte zur Stimmung, die seit Dienstag (11. April 2017) in Dortmund herrschte.

Zum Hintergrund:Ob man Fußball mag oder nicht: der Einfluß dieses Sports mit seinen Unternehmen (auch „Fußballvereine“ genannt) ist groß und weil es sich bei Fußballspielen um Großveranstaltungen handelt, ist der gesamte öffentliche Raum betroffen. Seit dem Anschlag auf den BVB-Mannschaftsbus am Dienstag war die Stimmung angespannt, auch bei uns in der Fahrradwache, die wir am Stadion machen (https://www.adfc-nrw.de/kreisverbaende/kv-dortmund/service/service-details/article/bvb-fahrradwachen.html  ). Beim Wiederholungsspiel am Mittwoch (12. April) wurde neben der ADFC-Fahrradwache ein „verdächtiger Gegenstand“ wie es so schön im Polizeijargon heißt, gefunden. Am Freitag abend, als ich von der CM Essen am Bahnhof Dortmund zurückkam, war der Durchgangstunnel zu beiden Seiten gesperrt. Und weil das noch nicht genug beängstigend gewesen ist mußte am vergangenen Samstag ein Idiot ungefragt und achtlos seinen Rucksack IN der Fahrradwache stehen lassen. Der ganze Streß mit der Räumung des Geländes, die Aufregung darum… man weiß nicht, was drin ist. Der Polizei ist kein Vorwurf zu machen, die Beamt-/innen waren höflich (das ist nicht selbstverständlich). Aber an diesem Tag reichte es mir von den Idioten, die achtlos ihr Gelumpe irgendwo ablegen, ohne was zu sagen – oder meinen, man würde die dicke Kohle machen, indem man einen Sprengstoffanschlag auf einen Mannschaftsbus eines Fußballvereins, der börsennotiert ist, verübt. Geht mir alle zum Deifl!

Das Wetter war am Ostersonntag nicht zur Erholung angetan – aber zuhause bleiben macht die Lage auch nicht besser.

Los ging es am Dortmunder Hauptbahnhof Richtung Wuppertal. Wegen Bauarbeiten brauchte der Zug eine gefühlte Ewigkeit, um endlich in W-Oberbarmen anzukommen. Gegenüber des Bahnhofvorplatzes den Berg hinauf (die Kirche kann man als Orientierungspunkt nehmen) erreicht man die NORDBAHNTRASSE am Bahnhof Wichlinghausen. Nachteil: an dieser Stelle sind die coolen Sachen wie der Mirker Bahnhof schon nicht mehr erreichbar, wenn man Richtung Hattingen fährt. Sonst starte ich am Bahnhof W-Vohwinkel.

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Nach Durchfahrt eines Tunnels war Regen zu sehen. Also Regenkleidung an… Wäre ein Foto wert gewesen, aber vor lauter Kleidungswechsel leider vergessen. Der Witz: nach kurzer Zeit hörte der Regen wieder auf. Allerdings… die Schuhe hätten ohne Gamaschen dann doch anders ausgesehen 😛

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Stetiges Wechselspiel zwischen Sonne und Wolken.

 

Nach der Nordbahntrasse kann man auf die Kohlebahntrasse abbiegen und Richtung Hattingen fahren. In Hattingen folgte ich dem Weg Richtung Bochum. Plötzlich ist man an der Ruhr….ein Angler verließ gerade mit Sohn den Platz am Fluß.

Jetzt kann man endgültig die Regenjacke einpacken.

 

Kaum ein Mensch unterwegs! Das ist der Vorteil bei diesem Wetter. Nur Rindviecher trifft man immer an der Ruhr.

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In Bochum landete ich in Bochum-Dahlhausen. Dort wurde die Wegweisung unklar: sollte es wirklich in der Straße „Im Stapel“ weiter Richtung Weitmar und Innenstadt gehen? Am Ende dieser Straße läuft der Weg steil bergan durch einen Wald. Mit fortschreitender Zeit war es richtig kalt geworden, so daß ich die Tour in Bochum-Dahlhausen abbrach. Ganz ohne Smartphone und mit dem Fahkartenautomaten am Bahnhof Dahlhausen holte ich mir eine Verbindung. Also wieder mit der Bogestra Richung Bochum Hauptbahnhof; nur dieses Mal nicht ab Hattingen. Locker 20 Minuten fuhr die Straßenbahnlinie 318, so weit im Süden der Stadt liegt also Bochum-Dahlhausen.

Zuhause machte ich mir dann noch das Festtagsessen. Mit neuer Spezialität: Frotzelknödel. Für alle kritischen Menschen und Schwarzseher, Nihilisten, die gern frotzeln und oftmals nicht so Unrecht haben.

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Weil irgendwie jede und jeder meinte, heute Knödel machen zu müssen, war der Kloßteig ausverkauft. So mußte ich den „Reibekuchenteig“ nehmen, der einiges an Kartoffelmehl als Zugabe brauchte, damit es Knödel statt Brei wurde.

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Kleidungswahl beim Radfahren und: Das schwere Schicksal von Radfahrer(innen)-Hosen

Wer Fahrrad fährt, macht sich zwangsläufig Gedanken über die Kleidung, die man zum Radfahren trägt. Ganz klar: man ist dem Wetter immer ausgesetzt. In einer Blechkiste sitzend und fahrend ist die Kleidung ziemlich egal. Mit Schmunzeln, manchmal auch mit hochgezogenen Augenbrauen lese dazu Beiträge über Fahrradmode und Accesoires z. B. auf dem Blog von bikingtom. Ach ja und nicht zu vergessen die tollen Hipster-Fahrradläden wie der eine in Dortmund. Wenn man dort eingekauft hat, sieht man aus wie der eigene Großvater (was machen da eigentlich die weiblichen Hipster? Die gibt es doch auch?). Verständigung zwischen den Generationen: gelungen. Haha.

Nee Leute. Mit Anfang, Mitte 20 und selbst ab 30 muß man nicht aussehen wie der eigene Großvater (oder die eigene Großmutter). Verständigung zwischen den Generationen sieht anders aus. Abgesehen von den horrenten Preisen für diese miefigen old-fashioned Klamotten braucht man diese nicht zum Radfahren. Nur bei dem einen Critical-Mass-Fahrer, der selbst so um die 50 ist, sehen old-fashioned Fahrradklamotten cool aus. Weil sie zu seinem Typ passen.

Das Angebot an Kleidung für´s Radfahren ist riesig und wenn man nicht gerade eine Gerte ist, auch schwer zu überblicken: wo gibt es was wirklich passendes? Mein Ex-Freund schwörte auf Gore-Tex, also prüfte ich auch mal die sogenannte „Funktionskleidung.“ Lange hatte ich keine Freude daran: es gab nichts wirklich passendes und ich schwitzte mehr mit dieser Kleidung als ohne. Außerdem war es mir zu umständlich, immer diese reine Kunststoffhülle anzuziehen. Eigentlich ist Funktionskleidung doch nur was für Rad-Touren! Alltagstauglich ist Gore-Tex & Co. nicht, finde ich. Und sie wird genauso schmutzig wie „normale“ Alltagskleidung auch. Damen-Größen ab 42 sind für viele Funktionskleidungshersteller auch immer noch unbekannt. Kein Wunder: in der Sportbekleidungs-Werbung sieht man nur schlanke oder dürre Exemplare von Frauen.

In Sachen Funktionsunterwäsche fand ich erstaunlicherweise was bei meiner geschätzten Versandhändlerin, die nicht explizit Sportkleidung anbietet. Alle Damen und Herren, die als sogenannte „Plus Size“-Größe gelten, finden hier (meistens) was, ohne daß man aussehen muß wie ein alter Mann oder eine alte Frau. Allerdings hat auch diese Versandhändlerin eine seltsame Vorstellung, was Frauen als Sportbekleidung zu tragen haben. In den Katalogen werden Frauen nur bei Fitness-Sportarten gezeigt. Zur Erklärung: nicht alle Frauen machen ausschließlich Aerobic und ähnliches Zeugs als Sportbetätigung, bei dem man sich vorkommt wie beim Militär: vorne steht eine(r) und schreit Befehle, die die anderen schnell und im vorgegebenen Rhythmus auszuführen haben. Und zwar zackig. Und nicht alle Frauen tragen deshalb diese engen Caprihosen, die nichts halbes oder ganzes sind oder weite, wallende Shirts, wie sie eben von dieser Versandhändlerin angeboten werden. Das letztere ist dann was für die schwererbewegliche übergewichtige  Gymnastik-Fraktion ab 50, das Krampfadern-Geschwader. Also doch wieder in die Herren-Abteilung von C&A…. Ich bevorzuge beim Floorball-Spiel kurze, locker sitzende Hosen, ebenso beim Radfahren im Sommer für meine Touren. Die sind stabiler und haben Hosentaschen (ja! auch Frau braucht Hosentaschen, welch Wunder!) und sehen auch nicht so schlecht aus, wie immer getan wird.

Und – Überraschung! Ich trage beim Radfahren lange normale Jeanshosen. Das mag erst mal widersinnig klingen, weil eine Jeans nunmal schwerer ist als eine sogenannte „Funktionshose“ oder „Cargo-Hose.“ Tatsächlich hatte die „Cargo-Hose“mit Innenfutter vergangenen Donnerstag auf meiner Fahrt (Nordbahn- und Kohlebahntrasse) nicht zu schlecht abgeschnitten. Allerdings: Die Jeanshose ist wesentlich stabiler und scheuert nicht so schnell am Gesäß auf. Sie sitzt besser als viele Funktionshosen. Auch bei einem Sturz gibt es nicht so schnell Löcher (bzw. können die besser geflickt werden als bei Funktionskleidung). Es sitzt sich angenehmer auf dem Fahrradsattel als mit einer dünnen Funktionshose. Polster im Gesäß finde ich unangenehm. Außerdem mieft die Jeanshose nicht so sehr wie der Kunststoff. Vorteilhaft ist die Kunstfaser aber bei der Unterwäsche, weil man nicht so schnell auskühlt.

Manchmal trage ich auch Rock und Strumpfhose oder Leggins zum Radfahren. Da muß dann „nur“ die Strumpfhose dran glauben. Flicken lohnt oft nicht.

Aber die Jeanshosen und langen Hosen einer Radfahrerin haben ein schweres Schicksal. Vergangenen Donnerstag meinte eine Zug-Fahrgästin mit Rad zu mir, ich solle den flachen Stofftaschenhenkel, der am Boden lag, aufheben, sie wolle nicht das Rad darüber schieben. Ich antwortete ihr: „Keine Sorge. Das Schicksal haben alle Hosenbeine bei mir.“ Ihre Fahrradreifen waren weder naß noch besonders dreckig. Der Radfahrer, der mir gegenüber saß, grinste.  Meine Mutter hatte getobt, wenn ich mit verdreckten Hosen nach Hause kam. Meine 12 Jahre ältere Freundin in der alten Heimat hatte mich immer vorwurfsvoll angesehen. Wie kann man nur so seine Hosen behandeln!  Einmal hatte es mir die Hosenbeine sogar in die Kette gezogen; nicht schön, ich wäre fast gestürzt, die Autofahrer hinter mir hupten, weil ich nicht weiterfuhr (nicht weiterfahren konnte), aber die Erlanger Straße in Fürth war zum Glück breit genug, um rechts ran zu fahren. Die gelben Klettbänder habe ich aufgegeben, weil ich sie ständig verlor (das geht ins Geld auf Dauer). Diese Hosen trage ich nun schon lange nicht mehr, sie und andere Hosen sind nun zu kleinen praktischen Handtaschen geworden.An dieser Stelle mein herzlicher Dank an Craft-Queen Sandra Landefeld 🙂 Spät nachts höre ich immer noch ein leises Wehklagen aus meinem Kleiderschrank, wenn sich die Geister der alten mit den neuen Hosen über ihr Schicksal als Radfahrerinnen-Hosen unterhalten.

Aber so ist das nunmal.

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Silvesterparty auf andere Weise

Wie feiert man „Silvester?“ Obwohl dieser Tag, der nach dem greogrianischen Kalender der letzte Tag eines Jahres ist, kein religiöses Fest ist, trägt er den Namen eines Geistlichen und Religionsvertreters, nämlich dem Papst Silvester (Hintergründe und gepflegtes Halbwissen dazu liefert die allseits beliebte Seite wikipedia oder Ihr laßt Euch von einem Theologen dazu vollquatschen). Daher rührt die Frage „Was machst du an Silvester?“ fast seltsam an, eigentlich müßte man sagen: „Was machst du mit Silvester?“ 😉

Ich habe keinen Silvester „an Silvester getroffen, stattdessen machte ich mich auf nach Duisburg. Der ADFC Duisburg machte seine Silvestertour – wie viele Jahre vorher schon. Ich erfuhr erst im Jahr 2016 davon, als der ADFC Essen oder die CM Essen den Veranstaltungshinweis der „Westfalenpost“ dazu auf fb genannt hatten. Ich hätte auch in den Jazzclub gehen können, aber rund 20 € für einen Abend… naja….auch wenn die Musik gut ist.

Ab 20 Uhr traf man sich in der Geschäftsstelle, es gab heiße Getränke und Plätzchen, es gab nette Gespräche und einen freundlichen Willkommensgruß. Um 21 Uhr c.t. startete die Tour. Ja, tatsächlich, wir fuhren am 31.12.2016 freiwillig Fahrrad! 😀  Vorbei u.a. am Duisburger Theater, wo der Graf von Luxemburg seine Sause feierte (voll der Angeber! Und dabei ist der Spitzbube pleite!), vorbei an Wohnhäusern, über Brücken, entlang des Rheins und vorbei an Stahlwerken. Leider alles in Dunkelheit… dennoch schön, Duisburg mal jenseits des Schimanski-Klischees kennenzulernen.

Vergeßt Schimanski! Jetzt macht Angelika mit dem ADFC Duisburg unsicher!

In der Vorweihnachtszeit, auch Adventszeit genannt, wird es in Wohngegenden in Westeuropa immer heller und bunter, was nicht unbedingt zur besseren Verkehrssicherheit beiträgt und was die Passantin auch fälschlicherweise als Einladung zum Betreten des Vorgartens auffassen könnte. Wenn´s da so schön leuchtet, geh ich doch mal rein! 😀 Die Phantasie der Ausschmücker ist dabei schier grenzenlos.

Wir durchquerten Moers (ausgesprochen „Mörs“, im Gegensatz zu Soest, das „Soost“ ausgesprochen wird) und erlebten eine besondere Art des Weihnachtsschmucks: Das Weihnachtshaus von Leon Scheepers. Beeindruckend, was seine Eltern und er hier aufgebaut haben, auch wenn nicht jedes Teil dem Geschmack der Besucherin/des Besuchers entspricht.

 

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Sogar am Wasser kann es mit dieser Beleuchtung der Betrachterin gar warm ums Herz werden…

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Manchmal waren wir Radler-/innen auch auf ehemaligen Bahntrassen unterwegs, nicht nur bei beleuchteten….

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Wie schön, daß es auch noch einen „klassischen“ Weihnachtsartikel in diesem Garten gibt 😉

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http://www.moerserweihnachtshaus.de

 

Wir fuhren zur Halde Rockelsberg in Duisburg-Rheinhausen, ein durch Schlacke (Schlacke: Rückstände der Stahlproduktion)  entstanderer Berg. Für ehemals im Mittelgebirge wohnende Menschen eher ein größerer Hügel….. lustig dazu die Diskussion während der Radtour, was ein „Berg“ sei. …..

Der Düsseldorfer Liegeradfahrer war sportlich und fuhr den Weg hinauf… Liegerad schieben ist auch recht umständlich, außerdem fährt sich ein Lieger gut (Rückstoß am Sitz größer als beim kleinen Sattel, mit dem bekommt man Kraft beim Treten in die Pedale, so meine Erfahrung). Allerdings hatte uns der Tourenleiter auch gewarnt, daß es Querrillen auf dem Weg gab. Da der Weg nicht beleuchtet ist, ist Schieben bei einem „Hochrad“ (Bezeichnung eines Liegeradfahrers 😉 empfehlenswert.

Auf der HALDE ROCKELSBERG hat man einen wunderbaren Rundum-Blick auf Duisburg. Fachkundig informierten mich die Duisburger ADFC´ler, was das grün beleuchtete Ding sei (Schornstein des Gaskraftwerkes), warum bei der Kokerei manchmal eine hohe Flamme zu sehen ist, dies aber keine Gefahr darstellt und wo welche Stadtteile sind („..aber nein. Das ist doch…da….“ 😀

Von da oben betrachtet ist es richtig schön, das Feuerwerk zu sehen. Auch gab es hier nicht soviele Leute, die Silvesterkracher zündeten – weniger Krach und bessere Luft waren die Folge. Zwischen den farbigen Lichtblitzen in der Luft sah man es zwischen den Häusern auch immer wieder blau blinken….

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Und an den Leser der örtlichen Tageszeitung, der sich beschwert hat, der ADFC würde auch noch auf die Halde Rockelsberg fahren und Platz besetzen: wir waren so generös und haben den anderen Leuten noch genug Platz für ihre Feiern und Kracher übrig gelassen.

 

Die Rückfahrt war kürzer und in der Geschäftsstelle gab es neben den Getränken sogar warmes Essen… herzlichen Dank dafür! Danach machte sich aber die Müdigkeit bemerkbar… es war schon 3 Uhr, als ich mich langsam für die Abfahrt bereit machte. Danke an die Bahnmenschen, die mich noch zu dieser späten (frühen) Stunde nach Hause brachten.

 

 

 

 

 

 

 

 

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Critical Mass Dortmund am 16. Dezember 2016

Am 3. Freitag im Monat findet immer die Critical Mass Dortmund statt. Bei der Vielzahl der CMs im Ruhrgebiet und ganz NRW fällt die Auswahl, wo man hinfährt und teilnimmt, manchmal schwer…. 😉

Heute hatten wir Gäste aus Wuppertal (der sogar die ganze ! Strecke hin- und möglicherweise auch zurückfuhr), Gelsenkirchen (man kann auf diversen Zeitungsseiten im Netz lesen, daß man sogar aus der verbotenen Stadt nach Do. käme, weil der eigene Weihnachtsmarkt so mies sei), Essen – habe ich jemanden vergessen?

START wie immer um/gegen 19 Uhr am Friedensplatz beim Rathaus, Nähe U-Bahn-Station Stadtgarten.

Fahrt um die Friedenssäule zu Beginn:

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Es ist Dezember.… das heißt… ja genau…

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Dezente Weihnachts-Beleuchtung in rot, passend zum Rahmen……    🙂

 

Es geht natürlich noch schmucker:

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Nicht im Bild: dunkelblaue Christbaumkugeln, die am Rahmen unterhalb der Ladefläche hängen (Foto ist leider nix geworden…). Mir wurde vom Fahrer auf Nachfrage versichert, daß es zuhause keinen Krach gibt, würde eine Kugel während der Fahrt kaputtgehen.

Passend zur Advents- und Vorweihnachtszeit hatte dieser Fahrer auch Weihnachtspop im Gepäck. Bei der CM darf die Musik und Ausstattung auch gern mal kitisch sein ;-)))

 

Eines der am stärksten geschmückten Fahrräder…. etwas eigenwillig in der Gestaltung…..

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Die Essener-/Gelsenkirchener Vertretung mit schmucken Rädern   und praktischen Accesoires (nicht auf Weihnachten bezogen):

 

Möglicherweise frieren die Hände mit diesen „Topfhandschuhen“ auch nicht so sehr 😉

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Bei der Critical Mass Dortmund am 16. Dezember 2016 waren aber nicht nur Lastenräder dabei.

 

…wie sich damit wohl fährt? Ballonreifen können schon angenehm sein, wenn man über Pflastersteine fährt. Aber je breiter das Rad, desto mehr muß man wohl rein treten, um das schwere Ding fortzubewegen.

Die Zieleinfahrt auf dem Friedensplatz gegen 21 Uhr. Bei der – ab 19 Uhr legitimen – Fahrt durch die Fußgängerzone Westenhellweg verteilte einer der Radfahrer freundlich Flyer an die staunenden Passanten und Passantinnen. Manche feuerten uns an, nur ein einziger fluchte hörbar.

 

Es hat wieder viel Spaß gemacht, bei der CM Dortmund mitzufahren.Schön, daß Ihr aus Wuppertal, Gelsenkirchen u.a.  bei uns wart. Danke auch an die 3 Jungs, mit denen ich nachher noch Kakao bzw. Glühwein am Weihnachtsmarkt Dortmund trinken konnte, ich habe mich gefreut.

Falls die Bochumer nächste Woche ihre Weihnachtsrunde (23.12.) machen, bin ich gern dabei. Ich werde alkoholfreien Punsch mitbringen. Wer unbedingt Rum drin haben will, bringe sich diesen mit.

 

RIDE ON !!! Für eine Stadt mit weniger Streß und mehr Radverkehr statt Autos!

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Offener Brief an die Polizei Dortmund und die Stadt Dortmund: Zugeparkte Radwege

Sehr geehrter Herr Polizeipräsident Lange , 

sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Dr. Sierau,

Sehr geehrte Damen und Herren . 

Heute auf dem Weg zum Stadion (Fußballspiel am 3.12.2016 BVB – Borussia Mönchengladbach)  musste ich erneut feststellen ,  daß ein Polizeifahrzeug den Radweg in der Wittekindstrasse auf Höhe des Südwestfriedhofs blockierte (ca. 14 Uhr).

Kennzeichen : NRW -4-1063 .

Unter der Brücke in der selben Fahrrichtung blockiert zusätzlich ein Polizei -Motorrad den ohnehin zu schmalen Radweg.

Ein anderes Mal wurde ich von einem Polizisten aus dem Auto heraus angewiesen, in der Borsigstraße auf der Höhe Bornstraße den Radweg zu benutzen. Auf diesem Abschnitt ist er benutzungspflichtig (Beschilderung), aber höchstens 100 m lang. Danach muß man auf die Fahrbahn wechseln – kein ungefährliches Unterfangen bei der stark befahrenen Borsigstraße. Heute nun findet durch den zugeparkten Radweg eine genau widersinnige Anweisung durch einen Vertreter ein und des selben Berufsstandes statt. Wer das verstehen mag, der oder die soll mir das erklären.

Ich bitte Sie  auch als Mitglied des ADFC bei aller gebotenen Bedeutung Ihrer Arbeit in Zukunft nicht die Radwege zu blockieren. Die Polizei ist für die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer -/innen verantwortlich . Deshalb kann es nicht sein, dass man auf die Fahrbahn ausweichen soll weil der Radweg besetzt ist! Daher mutet der Kommentar des Polizisten den ich im Auto ansprach auch sinnlos und unverschämt an,  ich solle doch, nachdem ich aus Not vom Radweg auf die Straße gewechselt war,  gleich die Fahrbahn wieder verlassen.

Man stelle sich vor, jemand würde einfach so einen Gegenstand, der etwa so breit ist wie ein Auto, einfach so auf die Straße stellen, damit eine Fahrspur blockiert ist. Sofort gibt es – zu Recht – Beschwerden, in allen lokalen und regionalen Medien wird gewarnt und berichtet, man solle an dieser Stelle, die eine „Gefahrenstelle“ sei, vorsichtig fahren, vielleicht hätten sich  schon Unfälle ereignet. Jede und jeder zeigt Verständnis dafür. Deshalb empfinde nicht nur ich als Radfahrerin die Reaktion des Polizisten heute als Affront. Wir Radfahrerinnen und Radfahrer könnten jeden Tag zu jeder Stunde ständig Beschwerden über Hindernisse, schlechte, weil unebene und gefährliche Oberflächen auf Wegen, zu enges Auffahren von Autofahrer-/innen u.a. einreichen!

Es ist nicht das erste Mal dass ich feststellen muß dass Radfahrer nicht ernst genommen werden , obwohl sie schon immer Teil des Alltagsverkehrs sind. Wohl muß erst ein Radfahrer, der oder die am besten noch mit einem Polizisten bekannt oder verwandt ist, wegen des sinnlosen und gefährlichen Ausweichens auf die Fahrbahn sterben,  bevor allen Autofahrern klar und bewusst wird dass Radwege keine Park -und Halteplätze sind! Jede-/r die oder der heute Auto fährt  kann morgen ein/-e Radfahrer -/in sein. Daher ist es unverständlich ,  daß Radfahrer -/innen nicht ernst genommen und ihnen schon bei der Straßenplanung und dann im Alltag  kein Platz noch Existenz im Straßenverkehr zugerechnet und zugestanden wird .

 

Noch ein Hinweis an das Ordnungsamt der Stadt Dortmund, das für den „ruhenden  Verkehr“ , also die parkenden Autos zuständig sind:

es ist zunächst verständlich, wenn es die gesetzliche  Regel gibt, daß man bis zu 4 Minuten parken dürfte, ohne daß es eine Gesetzeswidrigkeit darstellt. Jedoch hat kaum jemand Zeit und Lust, bei jedem Fahrzeug, das den Radweg zuparkt (weil den Autofahrer-/innen gar nicht bewußt ist, daß sie hier nicht parken dürfen!), diese 4 Minuten abzuwarten. Fakt ist, daß nichts, gar nichts das Zuparken von Radwegen durch Privatfahrzeuge rechtfertigt.

Die Behörden sind aufgerufen, gegen motorisierte Falschparker von Radwegen genauso streng vorzugehen als wie sie an anderen Plätzchen Knöllchen verteilen. Ganz gleich, ob es sich um Imbiß-Einkäufer am Borsigplatz handelt oder um gedankenloses Anhalten, weil man „mal schnell Zigaretten braucht.“ Die Häufigkeit, wenn Lieferant-/innen oder Rettungsfahrzeuge Radwege zuparken, ist im Vergleich zu Privatfahrzeugen sehr gering und zumindest bei den Rettungsfahrzeugen gerechtfertigt.Bei Rettungsdienst-Fahrten geht es um die Gesundheit von Menschen. Ein Polizeifahrzeug, wenn es nicht gerade akut im Einsatz ist (heute war nichts dergleichen zu erkennen, also aktive Täterverfolgung etc.) sollte dagegen den Platz wechseln, um den Radweg, der oft die Fahrbahn des Radlers/der Radlerin ist, nicht zu blockieren. Speziell auf der Wittekindstraße Richtung Stadion fährt man als Radlerin aus Sicherheitsgründen lieber auf dem Radweg, weil der motorisierte Verkehr dort sehr stark ist und durch die Zubringer zur B1 oftmals schnell und oft genug rücksichtslos unterwegs ist. Man stellt sich ja auch nicht einfach mal auf die Fahrbahn, wenn es sich nicht gerade um einen erfolgten Verkehsunfall handelt und das eigene Fahrzeug nicht fahrtüchtig ist.

Mit verärgerten Grüßen

 

Angelika Steger

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Critical Mass in Duisburg am 28.10.2016

Am letzten Freitag im Monat findet nicht nur in Nürnberg, Bochum und sonstwo eine Critical Mass statt: auch in Duisburg hatten sich diesen Freitag 11 Radlerinnen und Radler eingefunden, um zu zeigen, dass sie auch zum Straßenverkehr gehören. Rennräder, Trekkingräder und ein Faltrad waren dabei. Zum 2. Mal bin ich mit dem Zug nach Duisburg gefahren, um deren CM = Critial Mass zu besuchen; „CM-Tourismus“ nennt man das.Bochum wäre näher gewesen, aber weil es schon beim 1. Mal eine freundliche sympathische Runde gewesen war, bin ich wieder nach Duisburg gefahren.

Dieser Bericht schildert meinen persönlichen Eindruck von der CM Duisburg. Es geht in keinster Weise darum, verschiedene CMs zu bewerten und gegenüber zu stellen oder abzuwerten. Jede CM ist wichtig, um zu zeigen: WIR RADFAHRER SIND AUCH TEIL DES STRAßENVERKEHRS. Leider hat der Monat aber zuwenig Freitage, als daß man an jeder CM in NRW teilnehmen könnte….

Das Gute am Duisburger Hauptbahnhof ist, dass der Zugang zu den Gleisen geradlinig verläuft; in Essen hingegen muß man einmal um die Ecke laufen und, wenn man am „falschen“ Ende den Bahnhof betritt, auch noch eine Treppe hoch, was als Radfahrerin nervt. In Duisburg erscheint jedoch der Gang vom Gleis bis auf den Bahnhofsvorplatz eine Ewigkeit zu dauern. Vielleicht kommt das davon, daß der Durchgang zu den Gleisen so breit und dicht mit Geschäften gesäumt ist.

Der Empfang war dieses Mal nicht nur freundlich, sondern auch lecker: ein Essener Radler bot mir Brownies an. Die probiere ich doch gerne…. die waren besser als meine, die ich vor ca. 1,5 Jahren gebacken hatte. Lockerer und nicht so süß und schwer. Dankeschön. Wenn ich es zeitlich schaffe zu backen, wird es von mir am 11.11.2016 bei der CM Essen Martinsbrezeln geben.

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Ah und da war der Button der Critical Mass Essen zum 6jährigen Jubiläum an der Lenkertasche des Brownies-Bäckers… ich konnte mit einem Fahrrad-Schlüsselanhänger, der nun an einem Lederband hängt, punkten. Und, falls wir uns in Essen treffen: ich hab noch welche und bring Dir einen mit.

Daß es Herbst ist, merkte man an diesem Abend wieder deutlich: es gab Nieselregen. Der guten Stimmung tat das Wetter aber keinen Abbruch. Schade nur, daß wir keine Musik dabei hatten; erst recht beim Kreisel-Fahren macht Radfahren mit Musik großen Spaß. Im Laufe der Tour verließen uns immer wieder Fahrer, einer kehrte am Ende wieder zur Gruppe zurück, er hatte nur Arbeitskollegen „hallo“ sagen wollen.

Duisburg ist ein Radverkehrs-Entwicklungsland, so scheint es. Die 3 Duisburger Radfahrer, die dabei waren führten uns durch die Fußgängerzone von DU-Meiderich, die auch nach 19 Uhr nciht für den Radverkehr freigegeben ist. Autos dürfen aber dort fahren.  Autos in der Fußgängerzone?

Was soll das für ein Quatsch sein? Sind Fußgänger sicher unterwegs, wenn sie auf Autos treffen, die viel Platz im fließenden wie im ruhenden Verkehr benötigen, also während der Fahrt genauso wie auf Parkflächen?

Mit dieser strengen Regelung, die den Radverkehr komplett ausschließt, werden Radfahrer-/innen einseitig als „Rowdies“ und „rücksichtslos“ gebrandmarkt; es wird suggeriert, dass jede und jeder Radler-/in alle Fußgänger auf dieser Einkaufsstraße verletzen will. Es gibt zweifelsohne diese Sorte von Radlern. Aber es ist schlichtweg falsch und eine Unverschämtheit, Fahrradfahrer-/innen generell als Rowdies zu verurteilen! Soll eine Radlerin mit Lenkerkorb, die zum Einkauf mit dem Rad in die Stadt fährt und durch eine Fußgängerzone mit dem Rad Schrittgeschwindigkeit fährt, auch ein Rowdie sein? Was sagen die Geschäftsleute in dieser Straße eigentlich dazu? Fakt ist, daß der Radverkehr auch den Umsatz vom Einzelhandelt fördert, weil Radler-/innen besser und schneller kleinere Geschäfte erreichen können und dort Lebensmittel einkaufen oder Dienstleistungen z. B. Friseur in Anspruch nehmen. Ein Rad ist schnell geparkt und braucht wesentlich weniger Platz als ein Auto.

Die Fußgängerzone DU-Meiderich ist breit genug, als daß Radfahrer-/innen und Fußgänger-/innen alle genug Platz haben. Man kann den Radverkehr zu bestimmten Zeiten erlauben und Schrittgeschwindigkeit vorschreiben; ein Großteil der Radler-/innen wird sich daran halten. In Dortmund gelten für den Radverkehr die Ausschlußzeiten von 9 oder 8 Uhr bis 19 oder 18 Uhr. Nervt zwar manchmal, aber grundsätzlich kann ich als Radlerin mit diesen Ausschlußzeiten leben.

Schade, daß es in Duisburg der Radverkehr so schwer hat. Ist das Bewußtsein für das Rad als Alltagsverkehrsmittel noch weniger bei den Verantwortlichen der Stadtverwaltung angekommen als z. B. in Dortmund? Das Bewußtsein für das Fahrrad als Alltags-Fahrzeug fehlt dort wohl ganz; und Interessenverbände haben es noch schwerer.

Deshalb: UNTERSTÜTZT DIE CRITICAL MASS in DUISBURG. Auch wenn es mühsam ist und man sich oft ärgert, daß nichts voran geht: man darf niemals nachlassen, für den Radverkehr zu kämpfen.Dazu gehört auch die Teilnahme an der CM.

Wer ein Semesterticket hat, braucht nicht zusätzlich für die Fahrt nach Duisburg zu zahlen. Also auf zur nächsten CM am 25. November! Vielleicht werden es dann doch mehr als 15 Radfahrer-/innen… ich komme gerne wieder, um freundliche Radler und Gleichgesinnte zu treffen.

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Und wer noch nie etwas von oder über die „kritische Masse“ gehört hat, dem sei dieser Link empfohlen:

Was ist eine „Critical Mass“ überhaupt?

https://de.wikipedia.org/wiki/Critical_Mass_(Aktionsform)

 

Eindrücke von der CM in Wuppertal:

https://cmwpt.wordpress.com/

 

 

 

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Alltagsbeobachtungen IV

Es gibt Momente im Alltag, da denkt  man, dass man träume, daß das nicht jetzt im Moment echt sein kann, was man da sieht. Bei einer Radtour in Thüringen war das ein Pfau – ja ein echter, lebendiger! – der plötzlich auf der Landstraße stand und mir den Weg versperrte. Ein Pfau in der Thüringer Pampa… das ist grade so, als ob der Metzger um die Ecke plötzlich zwischen Wurst und Steaks lauter dicke Salatköpfe in der Auslage liegen hat. Kann eigentlich nicht sein.

Am Montag abend vor 2 Wochen ging es mir wieder so. Auch wenn die „Erscheinung“ nicht ganz so exotisch und außergewöhnlich war.

Diese Woche war ich am Montag abend beim Fitnesstraining gewesen. Geschafft aber zufrieden stand ich mit dem Rad am Bahnsteig der Haltestelle Dortmund-Universität. Plötzlich sehe ich eine zweite Radfahrerin am Bahnsteig, eher ungewöhnlich für die Zeit zwischen 21 und 23 Uhr. Ein sehr junges Mädel mit unfaßbar dünnen Beinen und Stiefeletten mit Pfennigabsatz. Dazu trug sie einen schwarzen Minirock, ein schwarzes offenes Lederjäckchen, hatte blonde lange glatte Haare,große Augen und stark geschminkte rote Lippen. Bei diesem Anblick kann es dem Betrachter (der Betracherin auch) die Sprache verschlagen. (Für die männlichen Leser, die jetzt die Luft anhalten müssen: nein, ich habe ihre Nummer nicht notiert. Und selbst wenn, würde ich sie nicht rausrücken). Es war so angenehm: keine schaute auf die andere herab. Es stand nicht zur Debatte, warum die eine schick , und die andere praktisch angezogen war. Gleichheit. Endlich mal kein Konkurrenzdenken – wenigstens für die Warte- und Fahrtzeit der S-Bahn.

Das Fahrrad, das sie dabei hatte, war ein uraltes „Oma-„Rad, hatte aber funktionierendes Licht. Ich schmunzelte innerlich, wie man mit Schuhen, die Pfennigabsätze haben, noch radfahren können will. Flache Absätze, wenn überhaupt, sind wesentlich praktischer (und genauso elegant und fußfreundlicher) für´s Radfahren.

Das Mädel kommt auf mich zu und fragt mich, wie das mit der Fahrradmitnahme wäre, sie hätte das noch nie gemacht. Sie wolle zu einer Party fahren und nachts müsse man irgendwie heimkommen, weshalb sie das Rad dabei habe (richtige Entscheidung!). Gerne antworte ich ihr und bin ihr behilflich, Rad und Bahn ist schließlich auch mein Thema. Irgendwie fühle ich mich ihr auch verantwortlich, wie eine ältere Schwester. Mehrere Gedanken schießen mir durch den Kopf, doch mein Mund bleibt  freundlich bei der Sache: Fahrradmitnahme in der S1 in NRW.

Ich will sie nicht ständig anstarren und krame in meiner Tasche herum. Mancher Studienkollege würde jetzt wohl austicken. Auch mein Hirn rattert. Aber aus anderen Gründen.

Noch vor 10 und mehr Jahren hätte ich mir gedacht: oh Gott Mädel, wie ziehst du dich an! Kein Wunder, wenn du angegriffen wirst! Das wird vielen Mädels anerzogen. Seit einigen Jahren weiß ich, wie ungerecht und dumm diese Einstellung ist: es ist das totale victim blaming. Es gibt der Frau die Schuld an möglichen Gewaltverbrechen, die sie – meist durch Männerhand – erleiden muß. Aber keine Frau verletzt sich selbst oder bringt sich durch ihre Kleiderwahl in Gefahr!  Das Umkehren der Schuld funktioniert leider immer noch – und das ist ein riesen Skandal. Jede und jeder muß das Recht haben in unserer Gesellschaft, sich nach eigenem Geschmack/Befinden zu kleiden. Daß man sich keine verfassungsfeindlichen Dinger ans Revers hängt, versteht sich von selbst.

Auf den ersten Blick wirkt so ein junges Mädel als „leichte Beute.“ Schon allein dieser Ausdruck „Beute“ macht deutlich, wie manche Menschen immer noch denken. Wie Tiere, die sich das erhaschen, rauben, fangen, also mit Gewalt holen müssen, was sie zum Leben brauchen. Tiere können nicht anders, deshalb trifft sie keine Schuld. Menschen aber können denken! Sicher kann man es auch witzig meinen; eine damalige Freundin in der alten Heimat sprach davon, daß ein Mann, der ihr gefiele in ihr „Beuteschema“ passe. Bei allem Witz: Frauen sind keine „Beute“, die man sich einfach so gewaltsam holen kann. Auch Männer nicht. In einer freien und gerechten Gesellschaft hat sich JEDE und JEDER FREI BEWEGEN ZU KÖNNEN, ohne Schaden zu nehmen! Das muß möglich sein, sich unbeschadet in jeder Art von Kleidung in der Öffentlichkeit zu bewegen. Ob dem anderen Menschen die eigenen Klamotten gefallen oder nicht oder die Frisur, das Gesicht, die Figur…spielt keine Rolle. Man hat es zu akzeptieren.

Als wir am Dortmunder Hauptbahnhof ankamen, verabschiedete ich mich am Vorplatz von ihr und sah ihr noch nach. Was sie wohl in dieser Nacht noch erleben würde? Hoffentlich passiert ihr nichts… aber sie muß ihren eigenen Weg gehen, wird sich bewußt sein, wie sie aussieht und wirkt (denn beeindruckend kann man es schon nennen, im positiven Sinne wohlgemerkt). Warum auch im Jutesack herumlaufen? Das Leben ist zu kurz für schlechte oder häßliche Klamotten. Wenn es schon eine Party gibt, dann kann man auch was schönes anziehen, womit man sich wohlfühlt. Ganz gleich, wie jung oder alt man ist, ganz gleich, welche Figur man hat.

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