ADFC NRW, Allgemein, FAHRRAD, Politik, Radverkehr, Stadtrundfahrt

Seltener Anblick im Stadtgebiet Essen

Wolkenverhangener Himmel, die Temperaturen um 20°C, die Regenwahrscheinlichkeit hoch: bei diesem Wetter geht nicht jeder gern raus. Dass es sich trotzdem lohnt, bei nicht so sommerlicher Witterung sich auf´s Rad zu schwingen, bewiesen die rund 800 Radlerinnen und Radler der Fahrradsternfahrt in Essen am 2. Juli 2017. Höchste Zeit, daß es – zumindest temporär – in Essen mehr Fahrräder als Autos gibt! Die Fahrradsternfahrt erfolgte in der Zusammenarbeit des ADFC Essen, der „Grünen Hauptstadt Essen 2017“ und anderen Verbänden.

Start an der Messe / Gruga um 13.15 Uhr.

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Die Ordner_/innen des ADFC Essen sichtbar durch Warnwesten. Sie  begleiten die gesamte Tour, fahren links und rechts entlang des Trosses.

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Vor Zeche Zollverein: Zwangspause durch Feuerwehreinsatz an der Zeche selbst. Kurz vorher waren die Einsatzfahrzeuge an uns Radler-/innen vorbeigesaust, die Rettungsgasse wurde eingehalten. Da heißt es erst mal warten… manche Teilnehmer-/innen nutzten die Pause von vielleicht 10 oder 15 Minuten für wichtige Geschäfte oder zur Stärkung des eigenen Motors.

 

Unterwegs gab es einmal Regen, der nicht aufhören wollte… war abzusehen. Dennoch, meist schwitzt man schon allein beim Tragen der Regenkleidung selbst. Wie schön, daß später die Sonne rauskam, auch beim Zielort, dem Berliner Platz, bzw. der Einfahrt auf den Limbecker Platz.

Kuriositäten, die ich als Ordnerin erlebt habe: ein Beifahrer in einem Auto fragt mich – nicht unbedingt schlecht gelaunt, ob wir Bier dabei hätten, man müsse jetzt warten. Einmal schien es auch ein wenig verständisvolles Gespräch mit einer älteren Autofahrerin gegeben zu haben, das ich nicht verfolgen konnte. Ein weiterer Autofahrer wollte wissen, wo wir in zollverein abbiegen; er war mit Familie unterwegs. Ich gab ihm einen Flyer: „schade, daß Sie nciht bei uns dabei sind.“ – „Ich wußte nichts davon.“ Hatten die Medien nicht deutlich genug auf die Fahrradsternfahrt Essen 2017 hingewiesen?

 

Einmal im Jahr ohne Behinderung und dumme Bemerkungen am Limbecker Platz einfahren… Außer Einsatzfahrzeugen heißt es am 2. Juli 2017: Autos raus aus der Stadt!

Außer Lieferfahrzeugen und Einsatzfahrzeugen haben Autos in der Stadt auch nichts verloren. Ständig wird über zu schlechte Luft geklagt, Enge, „fehlende Parkplätze“… ist es wirklich für soviele Menschen so schwer, auf das Auto zugunsten der Gesellschaft zu verzichten???

 

Die Spitze mit den Fahrrad-Polizisten und dem ADFC Essen.

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Huch, wo kommen denn all die vielen Radfahrer-/innen her? Und was ist das für ein komisches Ding, das niedrige? Kann man damit überhaupt fahren? Ist das nicht gefährlich? Einfach mal das Liegerad ausprobieren!

 

 

Die Kunstinstallation am Limbecker Platz. Von weiten könnte man an Hühner denken, die in der Luft Rad fahren.

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Die Grüne Hauptstadt Essen: Eine echte Luftnummer. Schön anzusehen, aber es steckt nicht viel dahinter.

Ein Video zur Einfahrt am Limbecker Platz:

https://www.dropbox.com/s/25rksjbehy7086n/20170702_151846.mp4?dl=0

 

Es hat Spaß gemacht, bei der Fahrrad-Sternfahrt 2017 in Essen mitzufahren. Den Organisatoren ist zu danken, ein guter Wille ist bei der Stadtverwaltung und der „Grünen Hauptstadt Essen“ erkennbar. Es reicht aber nicht, wenn man einen sogenannten „City Tree“ am Hauptbahnhof aufstellt oder ein großer Stahlkonzern plötzlich Blumen- und Kräuterbeete auf seinem Gelände anlegt. Wenn eine Stadt grün sein will, müssen tiefergreifende Maßnahmen ergriffen werden: Konsequente Förderung des Radverkehrs, z. B. den Weiterbau des RS1  – RadSCHNELLweg, nicht „Radautobahn“ – auf dem Bahndamm am Viehofer Platz. Fahrverbote für Fahrzeuge in der Innenstadt. Nur wer sich sicher fühlt, fährt Rad. Deshalb braucht es sichere Verbindungen und, wo es möglich ist, genügend breite Radwege. Wo genügend Platz ist für alle Verkehrsteilnehmer-/innen, gibt es weniger Ärger zwischen allen, man kommt entspannter am Ziel an. Und das wünscht sich doch jede und jeder – oder?

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ADFC NRW, Allgemein, Landtagswahl 2017 NRW, Politik, Radverkehr

Frischer Wind für den Radverkehr in NRW

Eine Überraschung gab es am 20. Mai 2017 bei der Landesversammlung des ADFC Nordrhein-Westfalen in Neuss. Die 43 Deligierten aus den Kreis- und Ortsverbänden des Bundeslandes hatten einen Dringlichkeitsantrag für die Unterstüzung des neuen Bündnisses „Aufbruch Fahrrad: Verkehrswende für NRW“ vorliegen. Vorbild für diese neue Initiative ist der Volksentscheid Fahrrad in Berlin ( https://volksentscheid-fahrrad.de/de/willkommen-beim-volksentscheid/ ). Der ADFC Berlin hätte sich durch sein ablehnendes Verhalten gegenüber den Initiatioren des Volksentscheids sehr blamiert.  Dieser Antrag des Landesvorstandes wurde kontrovers diskutiert: manches ADFC-Mitglied gab an, diese Initiative nicht zu kennen, auch Angst vor dem möglichen Hintergrund wurde laut, man wolle sich nicht von Parteien wie der MLPD unterwandern lassen. „Wir müssen uns als ADFC nicht hinter denen verstecken“ monierte ein Mitglied. Michael Kleine-Möllhoff hielt dagegen, daß das „Aktionsbündnis Fahrrad“ keiner politischen Partei zuzuordnen sei. „Es geht auch nicht darum, immer in allen Punkten mit dieser Gruppe übereinzustimmen. Wenn wir die unterstützen, können wir mitwirken, bei den Formulierungen mitbestimmen. Wenn wir nur von außen zusehen, dann verpassen wir eine große Chance.“

Diese große Chance liegt darin, daß viele Mitglieder von „Aufbruch Fahrrad – Verkehrswende für NRW“ jünger als 50 Jahre sind. Seit Jahren kämpft der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) in nahezu allen Landesverbänden mit der Überalterung seiner aktiven Mitglieder. Die Zusammenarbeit beider Radlobby-Gruppen bringt neuen Wind in die Arbeit eines jahrzehntelang aktiven Vereins. Die Wirkung nach außen darf auch nicht unbeachtet bleiben: wer Unterstützer und aktive Mitglieder für die eigene Ehrenamts-Arbeit braucht muß seinen Mitgliedern das Gefühl geben, daß sie unterstützt und in ihren Interessen vertreten werden. Diese Unterstützung kann nur dann vorhanden sein, wenn sich Aktive von ihren Vorsitzenden und ADFC-Kollegen vertreten und anerkannt fühlen.

Monika Volkmer vom KV Aachen wies darüber hinaus auf eine vom ADFC fast unbeachtete Gruppe in der Bevölkerung hin: „Wir brauchen als ADFC nicht nur mehr Jugendliche, sondern wir brauchen auch Menschen mit Migrationshintergrund. Auch wenn wir aufgrund anderer Mentalitäten, z. B. bei dem was Frauen dürfen oder nicht dort anfangen müssen, wo wir vor 30 Jahren begonnen haben.“ Karsten Obrikat vom KV Märkischer Kreis verwies scherzhaft auf ein Mitglied, das, aus dem Bundesland Bayern, Region Franken stammend, nach Dortmund gezogen sei und und dort nun für den ADFC NRW aktiv ist.

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Nach einer lebendigen Debatte wurde diesem Dringlichkeitsantrag des Landesvorstandes  für die Unterstützung des Aktionsbündnisses mit großer Mehrheit zugestimmt.

Auch vorgestellt wurde das bereits im März gegründete Frauennetzwerk im ADFC. Derzeit gehören 3 Kreisverbände aus dem benachbarten Niedersachsen und einige aus NRW. Isabelle Klarenaar (stellv. Geschäftsführung des Landesverbandes) und Annette Quaedvlieg (Landesvorstand) erläuterten die Ziele dieses Frauennetzwerkes: Frauen seien auch im ADFC immer noch unterreprästentiert. Oft werde nicht bemerkt, wo Frauen im ADFC arbeiten würden. Neue Zielgruppen sollen angesprochen, einzeln arbeitende Mitglieder zusammengebracht werden – und das „für Leute, die das Gefühl haben, nicht die volle Stimme zu haben.“ (Zitat A. Quaedvlieg). Frauen sollen Kontakte zueinander aufbauen, Potentiale entwickeln und in Vorstandspositionen gestärkt werden.

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Nicht nur schicke, sondern auch starke Frauen fahren jede Art von Rad und arbeiten im ADFC aktiv für den Radverkehr – auch in Leitungspositionen. (Foto: K. Obrikat)

Alle Frauen, aber auch die Männer seien aufgerufen, dem Frauennetzwerk des ADFC NRW beizutreten.

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Einfluß des ADFC NRW auf die Landespolitik

Die Landtagswahl vom 14. Mai 2017 in Nordrhein-Westfalen stellte die Weichen für eine neue Landesregierung aus CDU und FDP. Die bisherigen Parteien SPD und Grüne wurden abgewählt, vor allem die SPD Essen war durch ihre Haltung zum Weiterbau des RS1 negativ aufgefallen ( Offener Brief des ADFC Essen an CDU und SPD: https://www.facebook.com/ADFC.Essen/photos/pcb.1317908344964083/1317907644964153/?type=3&theater ). Diese neue Landesregierung wird neue Minister-/innen stellen und der ADFC wird seine Arbeit gegenüber dem Verkehrsministerium neu gestalten müssen. In beiden Wahlprogrammen von CDU und FDP war nichts oder nur sehr rudimentäre Angaben zur Förderung des Radverkehrs in NRW gemacht worden. Der Chef der FDP, Christian Lindner wurde von einem Deligierten sogar mit den Worten aus der „Welt“ zitiert, daß es ein Verlust an Kultur sei, wenn es kein Automobil mehr gebe. Diese Aussage läßt wissen, welche Haltung eine der zukünftigen Regierungsparteien zum Thema Fahrrad und Mobilität hat.

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Hitzig diskutiert wurde der Antrag des Kreisverbandes Bielefeld, dass öffentliche Arbeitgeber in NRW ihren Beschäftigten geleaste Fahrräder oder Pedelecs gegen Gehaltsumwandlung zur dienstlichen und privaten Nutzung überlassen können. Ein Deligierter aus Wuppertal sieht darin nicht die erhoffte Verdrängung von Abgas erzeugenden vierrädrigen Dienstwägen, vielmehr würde aufgrund der steuerrechtlichen Bestimmungen viel Geld verloren gehen. Der Sachverhalt ist sehr kompliziert, weil öffentliche Arbeitgeber mit Steuermitteln arbeiten und die Tarifverträge im öffentlichen Dienst ein Leasing von Dienstfahrrädern nicht unbedingt zulassen (ver.di hatte sich bereits einmal dagegegen gesperrt. Dieser Antrag wurde vertagt.

 

RRX-Projekt soll Bahn und Fahrrad als Alltagsverkehrsmittel verbessern

Ein Vertreter des VRR  stellte das Projekt „RRX“ vor. Bei Befragungen von Nutzer-/innen verschiedener Bahnhöfe sollte evaluiert werden, ob und wie sich die Nutzung von Rad und Bahn für Alltagswege wie z. B. den Weg zur Arbeit, gestalten würde. Ziel des Projektes ist es, die Nutzung beider Verkehrsmittel zu optimieren.  Am Bahnhof Düsseldorf-Flughafen gibt es wohl bereits eine sichere Parkmöglichkeit für Fahrräder (Fahrradboxen).

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Doch was tut die DB AG und die AGFF (Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundliche Städte)  für das RRX-Projekt? Die Züge in NRW sind voll, da wird die Fahrradmitnahme auch mal schwierig, wenn man es nicht sicher am Startbahnhof verwahren kann. Konkrete Auskünfte konnten dazu leider nicht gegeben werden. Der VRR und die DB AG machen derzeit nicht gerade durch positive Dinge von Mit z. T. Überraschung wurde die Ankündigung der Fachtagung „Radverkehr & ÖPNV“ am 31.5. aufgenommen, für die die Anmeldefrist am Tag der Landesversammlung (20. Mai 2017) abläuft; manchem war diese Tagung nicht bekannt. Positiv zu vermerken ist, daß der VRR-Mitarbeiter auch Mitglied im ADFC NRW ist. (http://www.zukunftsnetz-mobilitaet.nrw.de)

 

Seminarangebote des Landesvorstandes zu wenig beachtet

Der Landesvorstand verwies erneut auf seine Fortbildungsangebote für Mitglieder zu den Themen Pressearbeit, Tourenleitung und Mitgliederwerbung, die nur wenig genutzt würden. Die Gründe für die Nicht-Teilnahme wurden von mehreren KV-Vertretern genannt: im Sommer finden die Freiluftveranstaltungen des ADFC statt (vor allem: geführte Touren), so daß keine Zeit für Seminare sei. Außerdem fänden die Seminare oft an schlecht erreichbaren Orten statt. Der Landesvorstand versicherte, daß in Zukunft die Seminare im Herbst und Winter stattfinden würden.

 

Am Ende eines langen Tages mit Beratungen, Diskussionen und Abstimmungen hat sich gezeigt: Vereinsarbeit kostet Kraft, vor allem wenn man seinen eigenen Antrag mangels Zustimmung aufgeben muß. Der gegenseitige rege  Austausch von Ideen fördert den Kontakt der Mitglieder untereinander. Die Erfolge (Fahrradfahrschule für Geflüchtete, geführte Touren, Einsatz für den Weiterbau des RS 1 in Essen u.a.) die der ADFC NRW für das vergangene Jahr 2016/2017 aber verbuchen kann zeigen, daß  Vereinsarbeit für den Radverkehr sich für jeden lohnt: für mehr schadstofffreie Mobilität und bessere Gesundheit aller Menschen in NRW.

Ein großes Dankeschön geht an den ADFC Neuss für die gute Wegweisung vom Hauptbahnhof zum Tagungsort, dem Rathaus und der Stadt Neuss für die Bereitstellung des Tagungsraumes.Wenn es dann auch mal noch mit der Fahrerlaubnis für Fahrräder Richtung Rathaus und zurück klappt, freut sich jede-/r Radler-/in – vor allem, wenn sie oder er Neusser Bürger-/in ist.

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