Kleinstaaterei in der Coronakrise? Gut so!

kostenloses Foto, von pexels. Kleinstaaterei: auch in Deutschland die Krisenlösung bei Covid-19!

Trotz wieder steigender Zahlen von Covid-19-Infizierten will Gesundheitsminister Josef Laumann, NRW, dass Unterricht in den Schulen stattfindet. Doch rebellische Kommunen setzen sich durch! Eine Glosse von Angelika Steger

Hinweis: dieser Text könnte ironische und satirische Elemente enthalten.

Gut so!

Das wollte man nicht glauben: NRW-Gesundheitsminister Josef Laumann ordnet die Schulöffnung in ganz NRW an. Weil die „Inzidenzwerte unter 100 liegen.“ Der Landkreis Düren und die Stadt Dortmund protestieren: sie wollen nicht, dass die Anzahl der Corona-Infizierten steigt und steigt. Verständlich, denn schlecht für die Statistik. Außerdem muss der ohnehin defizitäre Flughafen Dortmund-Holzwickede wirtschaftlich gestärkt werden: die lia-weiße Fluglinie hat angekündigt, noch mehr Flüge nach Mallorca starten zu wollen. Mehr Infizierte -das hieße keine notwendigen Flugreisen für den Strandurlaub und kein Geld für den Flughafen mehr.

Doch: Minister Laumann bleibt hart. Bundesrecht bricht Landesrecht, Landesrecht bricht Kommunalrecht. Ganz gleich ob Dortmund, Iserlohn oder Düren: die Schulen müssen offen bleiben, Wechselunterricht soll die Ansteckung vermindern. Da kann der Oberbürgermeister von Dortmund noch so oft in die Kamera motzen, wettern und zetern, Wissenschaftsignoranz hat, das haben wir in der Coronakrise gelernt, in Deutschland inzwischen Tradition wie die Kleinstaaterei im 19. Jahrhundert. Bis das Deutsche Reich 1871 als ein Land geformt werden konnte, lief viel Wasser den Rhein hinunter. Es gab es viele kleinere und größere Fürstentümer, Herzogtümer, Grafschaften, jedes mit eigenen Gesetzen, Zöllen, Währungen, Regierungen.

Und darin liegt die Chance für heute, der Lösung für die Coronakrise im 21. Jahrhundert. Auf zur Kleinstaaten-Bildung! Bayern, naja, das ist noch nie wirklich ein demokratisches Land gewesen, schon immer Königreich, auch wenn der derzeitige König, äh Ministerpräsident Markus Söder den schicken geschwungenen Bart und vornehme Haartolle von König Ludwig II. von Bayern vermissen lässt (obwohl die Friseur-/innenauch in Bayern wieder auf haben). Ab sofort begreift die Stadt Dortmund sich als Stadtstaat, Südwestfalen wird wieder zur Grafschaft Siegen-Wittgenstein unter der Herrschaft des Siegener Stadtrates, Essen und Duisburg wird vom Industrieadel Krupp regiert. Münster und das Umland gehen wieder an Preußen unter König Wilhelm II, äh Regierenden Bürgermeister von Berlin, Michael Müller, in Paderborn gibt es ohnehin ein Fürstbistum und Köln als Stadtstaat verwaltet den Rhein-Erft-Kreis gleich mit. Die Proklamation erfolgt dann per Zoom, als Hintergrundbild dient die Frankfurter Paulskirche. Zusammen erlassen sie eine eigene Impfverordnung, organsieren und führen Schnelltests selbständig durch. Und die foodsharing-Gruppen von NRW containern dafür den Astra-Zeneca-Impfstoff, den die Bundesregierung nicht mehr verimpfen will. Rebellion gegen Bundes- und Landesrecht. Mit Christian Drostens und Sandra Cieseks Konterfei als Amtssiegel. Gegen so viel Rebellion, ja da ist dann auch das kleine Düsseldorf machtlos und selbst der Bundesgesundheitsminister bekommt es bei so viel entschlossenem Tatendrang mit der Angst zu tun.. Ministerpräsident Armin Laschet wird mit sofortiger Wirkung Karnevalspräsident auf Lebenszeit, Josef Laumann sein Komparse. SO sieht moderne Pandemiebekämpfung aus! Pappnasen auf ewig zum Karneval, während verantwortungsvolle Herzoginnen und Grafen – äh Bürgermeister-/innen die Problemlösung selbst in die Hand nehmen.

Ganz Nordrhein-Westfalen ist von der Pandemiebeschleunigung bedroht?

Nein! Ein paar rebellische Bürgermeister-/innen und Landrät-/innen leisten Widerstand!

Deshalb: auf zur Kleinstaaterei!

Weiß und kalt: wenn gar nichts mehr geht

Es ist Februar 2021, der „lockdown“ wegen des verdammten Coronavirus dauert immer noch an, das gesellschaftliche Leben liegt immer noch still. Noch kann man sich aber draußen bewegen… Bis zur Nacht vom 6. Februar. Der Winter hatte beschlossen, in dieser Saison doch noch mal nach NRW zu kommen.

Zitat aus dem Newsletter des Deutschen Wetterdienstes vom Freitag, den 5. Februar 2021:

Am morgigen Samstag und auch am Sonntag verlagert sich Tief TRISTAN bis nach Benelux und führt die Warmluft weiter hinein die Mitte des Landes, wodurch sich zunehmend die Luftmassengrenze verschärfen wird. Denn in den Norden und Osten fließt ausgehend von hohem Luftdruck über dem Nordmeer und Skandinavien arktische Meereskaltluft mit östlicher Strömung ein. Dort wo sich die Luftmassen treffen, intensivieren sich die Niederschläge bis zum Abend und in einem Streifen etwa vom Münster-/Emsland bis nach Sachsen, später auch bis nach Brandenburg setzt starker Schneefall ein. Dazu kommt starker bis stürmischer Ostwind auf, der zu starken Schneeverwehungen in der Nord- und Osthälfte am frisch gefallenen Schnees führt. Nach den derzeitigen Prognosen werden sich insgesamt bis zum Montagvormittag etwa 10 bis 25 cm über 24 bis 36 Stunden ergeben. In einem Streifen von Münster- und Emsland bis nach Südniedersachsen sind 20-40 cm, lokal auch etwas mehr Zentimeter Neuschnee möglich. Da die größten
Mengen in diesem Bereich voraussichtlich über einen Zeitraum von 12 Stunden fallen wird hier auch extremes Unwetter erreicht. Von der Elbmündung bis nach Nordbrandenburg fallen die Mengen geringer aus und bewegen sich voraussichtlich zwischen 5 bis 10 cm. Neben den überregionalen Verkehrsbehinderungen mit teils unpassierbaren Verkehrswegen durch den Schneefall und die Schneeverwehung droht Schneebruch und auch Leiterseilschwingungen. Im Übergangsbereich zu Warmluft nach Süden kann es ab Samstagabend verbreitet zu überörtlichem Glatteis kommen. Dabei friert der fallende Regen womöglich über einen längeren Zeitraum am Boden und an Gegenständen fest. Der gefährdetste Bereich erstreckt sich im Westen etwa vom Niederrhein bis in die Kölner Buch über das Siegerland und Nord- und Osthessen bis ins
Vogtland und Oberfranken im Ostem. In diesen Regionen ist ein Eisansatz von mehreren Millimetern bis in den Zentimeter-Bereich möglich. Es besteht neben den Verkehrsbehinderungen durch spiegelglatte Straßen die Gefahr von Eisbruch an Bäumen und Infrastruktur (z.B. Stromleitungen).

Kaum gibt es irgendwo Schnee, werden viele Bilder der weißen, kalten Kristalle auf Facebook gestellt. Schon wieder… aber irgendwie auch angenehm, diese Bilder. Endlich mal was harmloses, auch schönes in dieser anstrengenden, frustrierenden Coronakrise. Die Fake-Jäger des Netzes, mimikama.at haben es richtig erkannt gehabt. Angesichts des Klimawandels ist es aber fast geboten, den Winter zu dokumentieren. Was war „Schnee“ und „Eis“ noch mal?

Nicht mehr ganz so frisch: platt gedrückter Schnee auf der Herderstraße Dortmund. eigenes Foto.

An sich mag ich den Winter. Kälte auszuhalten ist für mich kein Problem, denn wenn man ehrlich ist: die Temperaturen in Mitteleuropa sind wirklich auszuhalten. Wir haben kein Kontinentalklima oder gar die sehr tiefen Temperaturen am Polarkreis.

An dem Abend des 6. Februars 2021 (Samstag), als es mit dem Schnee, man muss sagen, Schnee-Sturm losging, hatte ich Schicht. Wir arbeiten für die telefonische Fahrplan- und Tarifauskunft für verschiedene Verkehrsunternehmen. Ich wußte, dass Schnee kommen sollte – aber war dann doch überrascht. Schön sah mein Rad aus.

Die Heimfahrt, besser Heim-Weg war aber weniger schön. Der Wind zog heftig, so dass ich lieber den Weg durch die Stadt nahm, weil die Häuserreihen an der Rheinischen Straße in Dortmund den Wind besser zurückhalten als im frei gelegenen Industriegebiet Westfaliastraße/Hafen. Fahren war im immer tiefer werdenden Schnee unmöglich. Also schieben. War nervend, denn ich wollte nach einer langen, anstrengenden Schicht nach Hause. Auf der Brücke der Rheinischen Straße hielt plötzlich ein Auto. Ich dachte, dass der Fahrer mich nach dem Weg fragen hätte wollen… aber er zeigte mir seinen Presseausweis, er fragte, ob ich ein kurzes Statement zum Schnee geben wolle, das sei für das ZDF. Ich stimmte lächelnd zu.

Im Schneckentempo ging es voran Richtung Innenstadt. Nur unter den Arkaden der Imbißbuden konnte ich hier und da mal vielleicht hundert Meter lang rollen. Der Schnee… Wie eine hoheitliche, aber nicht hochmütige Autorität gebietet er allen, sich langsamer zu bewegen, Pläne einzustellen oder zu verändern. Ohne Widerspruch. Es ist immer ruhiger auf den Straßen, mal schnell wohin fahren geht nicht mehr, auch Raser-/innen haben keine Chance mehr. Fast hätte man eine Tonaufnahme vom Schnee machen sollen, wenn Füße oder Fahrradreifen auf dem Schnee ihre Spuren hinterlassen. Wie ein leises Knarzen, dennoch gut vernehmbar.

Straßen im Winter: ein immer seltener werdender Anblick. Hier im Hahnenmühlenweg. Überraschenderweise sind hier viele Autler* unterwegs!

Nach Mitternacht sind nie viele Menschen unterwegs, außer vielleicht am Wochenende, wenn es keine beschissene Corona-Pandemie gibt. Durch die weißen, gefrorenen Kristalle sind es noch weniger. An der Kreuzung Brinkhoffstraße standen Fahrzeuge der Stadtverwaltung: die Straße wäre vereist und würde deshalb abgesperrt. Die ganze Szene wirkte leicht skurril. Ich musste ohnehin schieben. An einfach den Berg hinunter in die Schützenstraße rollen, davon konnte nicht die Rede sein.

Die Schützenstraße, eine der großen Ausfallstraßen der Nordstadt Dortmund, ist immer voller Autos, laut und stinkend. Mir tun die Anwohner-/innen schon immer leid. Es gilt immer, was auch deutsche Mitbürger vormachen: wer ein Auto hat, möglichst ein großes dickes, der hat es geschafft. WAS GESCHAFFT? frage ich mich immer wieder. Seit dieser Nacht war es auch für die Freunde (seltener Freundinnen) der motorisierten Stinkerkisten eng geworden. Auf dichter Schneedecke fährt und „cruist“ sich eben nicht gut. Die vermeintlichen Bewunder-/innen am Straßenrand sind verschwunden. Nach fast 2 Stunden für einen Heimweg von 4 Kilometern war ich dann zuhause.

„Sie wollen heute aber nicht mit dem Rad fahren?“ derartige Fragen bekam ich (und wohl auch manch andere Radfahrer-/in) während der Woche voller Schnee öfter gestellt. Ich wollte zurückfragen: „Warum fahren Sie Auto?“ , wäre ich nicht zu sehr mit allem anderen beschäftigt gewesen. Es ist gar nicht so einfach, sich im Schnee fortzubewegen. Was mich ärgerte: ich konnte verstärkt Autofahrer-/innen beobachten, die ihren Motor laufen ließen, anstatt vom Parkplatz gleich wegzufahren. Einer meinte, das sei notwendig, weil das Auto mehrere Tage gestanden hätte. Echt?

Manchmal hilft nur noch die Kombination Rad+ÖPNV, um voran zu kommen.

In einer Chatgruppe von Radfahrenden sprachen wir über Radfahren im Winter. Selbst die Leute mit Spikes am Rad sagten, dass sie nun aufgegeben hätten. Irgendwann heißt es dann beim Radfahren: Ne rien va plus. Ich musste mich umstellen, nach Abfahrtszeiten der Stadtbahn suchen. Zur Stadtbahn nahm ich dennoch das Rad mit – aus Gewohnheit und weil ich nicht so recht darauf vertrauen wollte, ob die Bahn nachts auch zurück fahren würde. In der Stadtbahn traf ich auch einmal einen Radfahrer – Schicksalsgeschwister im Geiste waren wir.

Mich ärgern solche Kommentare. Das ist Auto-Denke. Selbst in der Stadt findet sich immer eine Ausrede, dass man „doch mit dem Auto fahren müsse. Es nervt, es nervt! Warum fragt niemand, warum man für die 100 m zur Bäckereifiliale, Kiosk oder Bank Kraftstoff verbrauchen und Lärm erzeugen muss??? Warum fordert niemand einen besseren ÖPNV? Sind die Kuchen, Semmeln, Brot oder Zigaretten oder Getränke so schwer, dass man unbedingt ein tonnenschweres Fahrzeug für den Transport dieser Dinge braucht?

Nur jetzt im Schnee, da kam auch kein Auto weit. Ich nutzte das Rad weiterhin. Zumindest als Lastesel, um Leergut wegzubringen. Schieben ging ja noch. Es war nun Montag, der 8. Februar 2021.

Langsam geht es auch durch den Schnee.

Leergut zurück, Maske wieder abgenommen, Brille wieder aufgesetzt. Die Coronakrise macht zusätzlichen Streß. Die Brille darf nie, nie verloren gehen, deshalb nehme ich sie vor dem Einkaufen oft ab, verstaue sie sicher in der Handtasche, um mit Maske klar sehen zu können. Für die Zeit des Einkaufs geht´s auch mal ohne Brille. Heute hatte ich sie aber nicht vor dem Einkauf abgesetzt. Ich war gestreßt: erst durch den Schnee stapfen, dann der lästige, wenn auch notwendige Maskenkram, der die Brille anlaufen lässt. Nach dem Einkauf: erst mal draußen durchatmen. Doch es gab noch mal Ärger: das Schloß war eingefroren! Daran hatte ich nun wirklich nicht gedacht gehabt! Ich kann mich auch nicht erinnern, das schon mal erlebt zu haben. Man muss an so vieles denken beim Schnee, mehr Zeit und andere Wege einplanen, weil man nicht mehr wirklich Rad fahren kann. Kettenöl ins Schloß, Enteiserflüssigkeit… nichts half. Wütend trug ich erst nur die Einkäufe nach Hause, um danach wieder zu kommen und das Rad nach Hause zu tragen. Es sind „nur“ 300 bis 400 Meter vom Supermarkt zu meiner Haustür. Genervt und wütend war ich dennoch. Einen freien Tag stellt man sich anders vor! Das war der Montag, 8. Februar.

Eingefrorenes Schloß. Nichts ist nerviger!

Nach diesem Erlebnis hatte ich ein paar Tage später ein Enteiserspray bei einer Tankstelle gekauft. Schon auch lustig, mit dem Rad an einem Ort vorzufahren, wo sich viele Blechkisten treffen. Während der gesamten Schneewoche kam dieses Spray aber nicht mehr zum Einsatz, haha.

Im Film ist sowas lustig. Wenn man betroffen ist, nicht. Einkaufen ist eine Notwendigkeit, es ging auch nicht darum, dass ich unbedingt Eis oder Schokolade haben hatte wollen. Das Wetter hatte hier eine Grenze gezogen, die ich nur schwer akzeptieren hatte können. Nicht mehr oder kaum mehr radfahren können: ok. Aber dass jetzt auch das Schloß zufrieren hatte müssen… Dank des Klimawandels gibt es immer weniger richtige Winter. Vielleicht habe ich und wir alle es auch verlernt, müssen uns immer wieder darauf einstellen, bewußt machen, was – 8°C und noch niedrigere Minusgrade bedeuten.

Während der Woche fing es an zu tauen. Nach und nach konnte man wieder ein paar Abschnitte befahren. Es war aber eine Frechheit, wie lange es dauerte, bis die Schützenstraße wirklich geräumt gewesen war! Auch die größere Nebenstraße Herderstraße hätte eine Schneeräumung vertragen können. Als ich einmal zum Waschsalon fahren wollte, sah mich die Verleiherin ungläubig an. Durch den Matsch, das machte weder Spaß, noch kam man wirklich voran. So fuhr ich die Hauptstraßen, die waren wirklich geräumt. Was sonst als so umständlich erscheint, weil man nicht die bekannten Schleichwege benutzen kann, war jetzt genau richtig. Auf dem Weg zur Verleiherin von NOLA hatte ich nicht daran gedacht und mich durch den Matsch gequält. Den Weg durch die Nebenstraßen und Wege bin ich eben gewohnt. Auf z. B. der Schützenstraße und Mallinckrodtstraße radelt man nicht gern.

Winterspaziergang mal anders….. nicht so entspannend.

Warum ich mich mit einem unmotorisierten Lastenrad durch die Landschaft plagte, erst recht, als es noch gefroren hatte?

Ich hatte bei einem Getränkemarkt fränkisches Bier bestellt, noch lange, bevor der Dt. Wetterdienst den ‚Wintereinbruch‘ vermeldete. Das wollte abgeholt werden. Dafür fahre ich auch 10 Kilometer durch die Stadt, vom Norden in den Süden. Es hatte geklappt. Satte 2 Stunden für den Hinweg, beim Rückweg wählte ich die Route etwas klüger aus, weil ich dann wußte, wo der Schnee geräumt war. Ein Wahnsinn, dass man sich als Radfahrer-/in nicht darauf verlassen kann, dass die Straßen und Wege geräumt sind!

Endlich angekommen am Getränkemarkt.

Das war der einzig geräumte Weg, immer noch zu schmal für Spaziergänger*innen und Räder, aber immerhin. Entlang der Dorstfelder Allee bis zur Abbiegung zur Schnettkerbrücke konnte ich etwas flotter fahren.

Der einzig geräumte Radweg, den ich angetroffen hatte.

Ich musste den Verleiher (nicht die Verleiherin, es gibt 3 NOLAs) anrufen, dass ich später käme. Ging nicht anders. Als ich die NOLA geholt hatte, hatte er einen Schlitten dabei gehabt. Im Nachhinein hatte ich mir auch gedacht: ach wärst du besser Schlitten fahren gegangen! Ach ja…. wie man sich als Erwachsene(r) Zeit nehmen muss, auch Schönes zu tun. In der Coronakrise erscheint alles im Leben immer sinnloser. Kaum ein Hobby macht mehr Spaß.

Entlang der Emscher bei der Dorstfelder Allee. Idylle im Schnee. Wenn da nicht der Coronavirus wäre…

Emscher mit Blick Richtung Innenstadt.
Richtung Dorstfeld Süd.

Und dann war da schon der Sonnenuntergang…. Sportliche Betätigung, die hatte ich an diesem Tag wirklich genug.

Wolkig, regnerisch, 1 bis 3 °C. Corona-Update im Winter 2020/21

Einfach ist es nicht für mich, zu schreiben. Die Coronakrise dauert nun schon 1 Jahr an. 1 Jahr der Unsicherheit, wie es weitergeht. Und der fortschreitenden Traurigkeit und Trostlosigkeit. Wie schon zu Ende des 19. Jahrhunderts oder nach der Katastrophe des 2. Weltkriegs frage ich mich, ob man überhaupt noch schreiben kann und soll. Es gibt durchaus Themen für Blogeinträge….. Aber ich habe Frust, sehe keinen Sinn mehr im Schreiben. Es ist ein Zustand, als ob jemand im Leben auf „Pause“ gedrückt hätte. Und dieser Zustand dauert an. Wie lange noch?

  1. Lockdown, 2. „lockdown“ …. WIE LANGE NOCH???

Anfangs war oft die Rede davon, dass es doch auch mal gut sei, aus der alltäglichen Alltagsmühle raus zu kommen, alles in langsameren Tempo erledigen zu können. Nicht so ein Streß vor Weihnachten. Kein stressiger Arbeitsweg mehr, denn manche und mancher ist längst im „homeoffice.“ Ob es für die Psyche immer so gesund ist, die Arbeit mit nach Hause zu nehmen, sei dahingestellt. In manchen Branchen ist es schlichtweg unmöglich, von zuhause aus zu arbeiten. Bei einer Taxibusbestellung scherzte ein Kunde am Telefon einmal wie es wäre, 6 m Folie im eigenen Wohnzimmer ausrollen zu wollen. Dass die Ansteckung vermindert werden kann, weil weniger oder gar keine Menschen mehr in einem Raum sitzen, stehen oder sich bewegen, ist auch klar. Ich hätte selbst „homeoffice“ machen können, wenn ich gewollt hätte und mein Internetanschluß entsprechend ausgestattet wäre. Aber ich habe mich bewußt dagegen entschieden. Wir telefonieren für verschiedene Verkehrsunternehmen und geben Fahrplan- und Tarifauskünfte, Auskunft über verspätete Busse, verlorene Dinge in Bussen, U-Bahnen, Straßenbahnen. Einige Kunden sind höflich, sogar freundlich und dankbar. Aber es gibt einen großen Teil an Arschlöchern, die uns anschreien, anfauchen und für ihre Fehler verantwortlich machen, weil sie den Bus verpasst oder ihre Tasche mit ganz wichtigen Sachen in der Straßenbahn vergessen haben. Man muss in diesem Job aufpassen, nicht zur/zum totalen Misantroph-/in zu werden. Außerdem machen schon viele Kolleg-/innen homeoffice, so dass immer mindestens 2 Meter Abstand zwischen den Arbeitsplätzen eingehalten werden kann.

„lockdown“, dieser widerliche Anglizismus, das heißt weiterhin: keine Sportkurse, keine Probe mit anderen Musiker-/innen. Das heißt, dass mein komplettes Sozialleben zerstört ist. Kein „zoom-meeting“ , sei es zum Plausch mit Radfahrfreund*innen oder ein online-Sport-Kurs kann ein analoges, direktes Treffen ersetzen! Das unangenehme Gefühl der DatenUNsicherheit ist immer dabei, wenn man zoom nutzt, um überhaupt irgendwie in Kontakt zu bleiben oder sich weiter zu bilden. Vor der Coronakrise war dieses „tool“ fast unbekannt – mir zumindest. Die immer noch gedrückte Pausentaste ist keine „Pause“ mehr. Denn Pausen enden irgendwann. Aber wann, wann endlich endet dieser immer unerträglicher werdende „lockdown?“

Kein „zoom-meeting“ kann ein echtes Treffen zwischen Menschen ersetzen. Wenn ich mit Kolleg-/innen auch nur über belangloses rede (oder über Kund*innen lästere) geht es mir etwas besser. Menschen sind eben keine (Wild-)katzen, die von sich aus Einzelgänger sind. Soziale Kontakte seien sogar ein „Schutzfaktor“, wie Klaus Lieb vom Leibniz-Institut es beschreibt.

lockdown“ bietet auch neue Chancen: Menschen entwickeln neue Hobbies

Derartige Schlagzeilen konnte man öfter in den Medien der vergangenen Monate lesen. Die Menschen hätten jetzt mehr Zeit, so dass das eigene Leben langsamer geworden wäre und man Zeit für Hobbies hätte. Durch meinen Umzug und das damit einher gehende Chaos hatte und habe ich wenig Zeit und Ruhe. Die anfängliche Lust, eine Idee für die Gestaltung eines T-Shirts endlich wahr werden zu lassen, ist der Leere gewichen. Die gekauften Materialien liegen zuhause unbenutzt herum. Ich müsste mir nur Zeit nehmen und anfangen. Doch der lockdown kommt mir immer mehr vor wie das Nichts aus der „unendlichen Geschichte“ von Michael Ende. Das Nichts bedroht alles, was lebt, breitet sich langsam und fast unbemerkt überall aus. Manche haben sich aus Verzweiflung in das Nichts gestürzt, weil sie diese Bedrohung nicht mehr aushielten. (Für die Tröten unter den Leser-/innen, die vor lauter Wissenschaftsverehrung und Virologenanbetung jetzt nur Bahnhof verstehen: informiert euch. Lest auch mal ein phantastisches Buch, Ihr Pfeifen! Und ich meine jetzt keinen Verschwörungskram, sondern phantastische Literatur, die als solches gekennzeichnet ist, aber durchaus Symbolwirkungen auf tatsächliche Lebensumstände haben kann. Nicht umsonst gibt es viele Vergleiche zur griechischen Antike – ach huch, auch das muss man Euch erklären… wieder im Geschichtsunterricht nicht aufgepasst, was? Und wieder nur stumpfe Naturwissenschaft studiert, die nur Zahlen kennt… meine Fresse, Ihr nervt! Wie die Coronaleugner-/innen, nur anders).

Unsichtbar fürs Auge und gefährlich: der Coronavirus

Tatäschllich weist die Krankheit Covid-19 auffällige Gemeinsamkeiten mit dem „Nichts“ aus der „unendlichen Geschichte“ auf: der Coronavirus ist nicht wirklich fassbar. Für das Auge unsichtbar, wenn man nicht entsprechende Mikroskope und Labore hat. Keine Flecken auf der Haut, keine akuten, bestsimmten Regionen zuzuordnenden Schmerzen. die Krankheit Covid-19 kommt schleichend, oft unbemerkt, selbst „milde Verläufe“ machen den Menschen fertig. Der Höhepunkt sind dann Beatmung, strenge Isolation, „Kontakt“ nur mit in Kunststoff verpacktem Pflegepersonal. Kein Wunder, wenn die Menschen dann sterben, obwohl ihr Körper gesundet ist. So verständlich es ist, dass die Ärzt-/innen und Pfleger-/innen sich schützen wollen und müssen, so schrecklich ist es für jede-/n Patient-/in, wenn jemand komplett in Kunststoff eingepackt ihnen entgegentritt. Ich möchte das nicht erleben. Dann lieber gleich das Leben beenden. Die Fans des Wissenschaftsjournalismus und Wissenschaftsgläubigen, die jeden Artikel über diese tödliche Viruskrankheit lesen und jede Statistik und Zahlenwerk studieren, können das natürlich nicht nachvollziehen. Eine grundsätzliche Vorstellung in der Naturwissenschaft, in diesem Falle, der Medizin lautet: Virus bekämpfen, den Körper gesund machen. Was der Patient/die Patientin dabei denkt, wie es ihr oder ihm geistig geht, interessiert praktisch nicht. Gesunder Körper: Ziel erreicht. Wenn der Geist darnieder liegt: völlig egal. Seltsam nur, wenn Menschen dann sterben. Haha.

Die neuen Stars, die weder Musik noch Filme machen

Weißer Kittel, Erlmeyer-Kolben auf dem Tisch, daneben verschiedenste Apparaturen, eine Tür mit Zugangsbeschränkung, gelb-schwarze Warnschilder. Ist das das neue „Filmset“, die neue „Theaterbühne“, das Stück oder der Film den jetzt jede-/r sehen will? Hier an diesem Ort arbeiten die neuen Stars. Alles weiß, nüchtern, sauber, penibel sauber, gar nicht glamourös. Hm, was? Dokumentarfilmdreh? Oder Teil eines neuen Hollywood-Katastrophenfilms?

Nein. Die neuen Stars in vielen Medien sind Wissenschaftler-/innen, die vorher kaum jemand kannte. Virologie, wer denkt da schon dran, außer, wenn die nächste Thetanus-Impfung ansteht. Jetzt stehen sie seit 1 Jahr im Rampenlicht der Öffentlichkeit. Sandra Ciesek, Hendrik Steeck, Christian Drosten. Ihre Arbeit ist wichtig, soll gewürdigt werden. Wissenschaft schafft Klarheit, was wirklich ist, bis Gegenteiliges bewiesen ist. Wissenschaft hilft, Aberglauben und damit das Leid mancher Menschen zumindest einzudämmen oder abzuschaffen. Wissenschaft ist wichtig, ohne Frage. Aber: bitte hört auf, diese Wissenschaftler-/innen anzubeten. Denn manches Verhalten – diametral zu den Coronaleugner-/innen – nimmt fast religiöse Züge an. Dabei ist es genau denen, die da fast wie Götter verehrt werden, richtig unangehm. Wissenschaft und Religion vertragen sich nicht. Mein Eindruck, nachdem ich ein paar Artikel über Drosten gelesen, den NDR-podcast einmal gehört habe: sein Anliegen ist, über den Coronavirus aufzuklären. Eben das, was Wissenschaftler-/innen grundsätzlich wollen.

Erst langsam tauchen Berichte über das auf, was neben aller notwendigen Kenntnis über Covid-19 so wichtig ist: die sozialwissenschaftliche Forschung. Ja, Ihr Drosten-Anbeter (meistens Männer), auch Soziologie ist Wissenschaft! Woooow! Es ist mir unbegreiflich, wie diese Leute offensichtlich Beruhigung oder gar Trost darin sehen, nach jedem noch so kleinen Bericht zu möglicherweise „neuen Erkenntnissen“ über den Coronavirus zu schmachten und mit Inbrunst den NDR-Podcast zu hören.

Mich tröstet all das ÜBERHAUPT NICHT. Denn kein! und keine Virolog-/in kann erklären, wie sich der Coronavirus auf die Gesellschaft auswirkt, welche sozialen Folgen das hat! Wie Menschen, die Single sind und kaum Kontakt zu ihrer Familie haben, sich fühlen, was Einsamkeit ausmacht. Isolation, das ist medizinisch gesehen völlig richtig. Die Absage von Sportkursen und Musikproben, damit der Virus sich nicht übertragen kann. Aber WAS IST MIT DER PSYCHE??? Schon mal darüber nachgedacht? Och nöö, zu anstrengend. Lieber den xten Bericht über Verbreitungswege und Mutationen durchlesen. Boah. Wie mich das entsetzt und wütend macht! Ist eben auch anstrengend, dieser Mensch und sein Verhalten. So gar nicht logisch nachvollziehbar. Im Gegensatz zu Viren. Können zwar genauso „hinterfotzig“ sein, aber irgendwann ist deren Handeln klar zu erkennen.

Die Krankheit Covid-19 verstehen und anerkennen können: das heißt nicht nur zu wissen, wie der Virus aufgebaut ist, sich verbreitet und wie man ihn bekämpfen kann. (Waaas? Echt nicht? Großes Erstaunen bei den Wissenschaftsverehrern. – Coronaleugner*innen wollen loslegen mit ihrem Schmarrn). Warum das schwer fällt, warum sich eine Gesellschaft mit dieser Pandemie schwer tut, dazu sei das Interview mit dem Philosophen Konrad Paul Liessmann. empfohlen. So falsch, absurd und strafbar es ist, einen Virologen Drosten für die Corona-Pandemie verantwortlich zu machen: Menschen suchen immer nach Schuldigen, das macht die Situation erträglicher. Aus keinem anderen Grund passieren solche grausamen Dinge und Straftaten wie Mobbing oder üble Nachrede. Der Virus selbst ist nicht greifbar – im Gegensatz zu einer Person.

Auch Menschen, die die Existenz des Coronavirus anzweifeln oder gar leugnen, nerven gewaltig. Man mag wütend auf sie sein, den Wunsch haben, sie zu bestrafen. Mich nerven sie auch. Doch die Frage ist auch: warum gibt es diese Zweifel? Woher kommt diese Gruppe, die alles andere als homogen ist? die sozialwissenschaftliche Forschung ist hier noch am Anfang. Ich bin gespannt, was hier noch zutage gefördert wird. Erste Ergebnisse, die aber nicht repräsentativ sind, gibt es schon vom Soziologen Oliver Nachtwey.

Das Problem sind also nicht die „Stars“ selbst, sondern ihre „Fans.“ Viel Unverständnis, oft genug verletzende Worte schlugen mir entgegen, wenn ich mein Entsetzen über die Theaterschließungen ausdrückte. Es machte mich auch wütend, fast in die Ecke der Maskenverweigerer-/innen gedrückt zu werden. Weil ich es als ungerecht empfand, dass gerade die, die sich an alle Regeln gehalten haben, seit November ausgesperrt sind. Ich habe keine Zweifel an der Existenz des Coronavirus. Auch wenn es anstrengend, auch nervig war, im Opernhaus und Fitnessraum Maske zu tragen, vorgeschriebene Wege nutzen zu müssen anstatt die gewohnten, warten zu müssen, bis der andere am Ruderzug (oder ein anderes Gerät) fertig gewesen war.

Kein Verständnis seitens dieser Leute. Leider auch welche, die ich schätze. Es sind Leute aus der „Fahrradbubble“, die sonst die selben Sorgen und Nöte wie ich als Radfahrerin im Alltag haben. Große Kulturfreund-/innen habe ich nicht erwartet. Aber dieser heftige Gegenwind hat mich überrascht und verletzt. In der Coronakrise werden die verschiedenen Lebensentwürfe von Menschen sichtbar. Familien, v.a. mit kleineren Kindern haben nicht weniger Streß, sondern mehr („homeschooling“). Die Eltern, die auch zum Teil zur „Fahrradbubble“ gehören, sind also beschäftigt, können und machen sich nicht viel Gedanken um ausfallende Konzerte oder leere Theaterbühnen und sterbende Kneipen. Selbst Alleinstehende kapieren nicht, „warum ich denn so niedergeschlagen sei.“ Tja, wenn man immer nur zuhause am Computer gezockt hat und weiter zockt, bekommt man von der sterbenden Kultur natürlich nichts mit. Pardon, aber das ist richtig langweilig. Manch anderer geht offensichtlich in der eigenen Partnerschaft ganz wunderbar auf. Na das ist ja ganz toll für Euch. Aber hört auf, Kinder zu zeugen, die keine Zukunft haben werden. Erschreckend zu hören, dass es viele „Coronababies“ geben soll. Die Klimakrise macht keine ! Pause, während Covid-19 tobt! Schon kapiert, dass wir gerade die Lebensgrundlagen für kommende Generationen kaputt machen, wenn nicht noch stärkere Maßnahmen als das Klimapaketchen der Bundesregierung ergriffen werden?!? Das Bedürfnis nach Nähe, Trost und Liebe kann man auch stillen, ohne Nachwuchs zu zeugen. Von den miesen beruflichen Zukufntsaussichten für Frauen mal ganz abgesehen. Die Coronakrise verschärft die Situation von Frauen ohnehin noch. Steht alles in keinem wissenschaftlichen Artikel über den Coronavirus. Alleinerziehende sind doppelt schlecht dran.

Ganz paradox erscheint mir ein befreundeter Fahrradblogger, der davon schrieb, dass die Coronakrise ihm eher noch einen „boost“ verliehen“ habe. Mit großen erstaunten Augen saß ich zuhause vor dem Laptop. Was? Bitte? Die ständige Verdammung auf das Sofa (bei mir nicht vorhanden zuhause) und erzwungener Rückzug ins Private soll ihm einen zusätzlichen Schub verliehen haben? Ich war mehr als verwundert. Doch auch hier wieder die so unterschiedliche Lebenswirklichkeit: der Mann ist praktisch ein Halbprofi beim Radfahren, den Konzerte (vor allem sowas wie Oper) nicht interessieren. Wer nicht weiß, was fehlen könnte, dem fehlt auch nichts. Momentan schreibt er in seinem Blog über „indoor cycling.“ Ja, das usselige Wetter nervt schon, die Suche nach Alternativen drängt sich auf. Denn nach 2 oder 3 Stunden im Regen draußen radfahren oder 30 Minuten laufen habe ich auch genug. IndoorCycling mag sich da anbieten. Aber ich bin auch kein Hamster und keine Wüstenrennmaus im Käfig, pardon. Auf einer Art Ergometer „radfahren“ mit einem Bildschirm, der mir ganz tolle Landschaften vorgaukelt… nein danke. Wenn bewegen, dann draußen. Weiterkommen, statt auf der Stelle treten. Wenn so ein Ding wie ein Ergometer, dann im Fitnessraum. Und zwar nur zum Aufwärmen vor dem Training an den Geräten.

Weniger und nicht der selbe Sport wie vor der Coronakrise – und dennoch erschöpft

Über weniger Bewegung kann ich nicht unbedingt schreiben oder mich beschweren. Ich lege weiterhin alle Alltagswege mit dem Rad zurück. Wetterbedingt gibt es aber die richtigen Touren ab 30 km Streckenlänge nicht mehr. Nach 2 oder 3 Stunden bei Pisswetter ist es eben genug, draußen gewesen zu sein da hilft die beste Jacke nicht mehr. Schnee gibt es im Ruhrgebiet kaum, der würde die Laune etwas heben. Radfahren ist aber nun mal eine einseitige Bewegung, bei der Schultern und Rücken kaum gefordert werden, auch nicht alle Beinpartien. Es gibt vom Hochschulsport zumindest Online-Kurse. Im Frühjahr und Sommer habe ich immer wieder mal einen Kurs mitgemacht. Allerdings machte es wenig Spaß, in der eigenen Küche auf die Pilates-Übungen konzentriert zu sein, ist schwierig. Ich habe nicht den Platz, der eigentlich notwendig wäre. Und irgendwas fällt mir bei jeder Übung ins Auge, was ablenkt: der Kochtopf, der gespült werden sollte, der Einkauf, der noch auf dem Tisch steht und eingeräumt werden soll. Mit dem Schreiben von wissenschaftlichen Arbeiten ist es genauso. Mancher Wissenschaftler spricht sogar von einer „Pandemie des Bewegungsmangels.“

Zumindest habe ich es geschafft, das Laufen wieder anzufangen. Schließlich wollte ich meine Fitness für´s Floorball verbessern. Jetzt, nach dem Umzug im April 2020 gibt es keine Ausreden mehr von wegen „der Park in der Nähe gefällt mir nicht, da will ich nicht laufen.“ Müde und erschöpft bin ich trotz fehlender Sportkurse, und dennoch fühle ich, dass Schultern und Rücken was fehlt: eben die Bewegung bei den Übungen, die ich sonst im Fitnessraum beim Hochschulsport mache. Das gemeinsame Floorballspiel, nach dem ich regelmäßig völlig platt aber fröhlich bin. Wir spielen nicht so gut, aber wir spielen zum Spaß. Alles tot, weil abgesagt. Die Halle leer. Darüber, dass man sich auf dem Spielfeld beim nebeneinander her Laufen anstecken könnte, darüber hatte sich doch vorher niemand Gedanken gemacht, nicht machen müssen. Nachher hat sich jeder gewaschen, frische Kleidung angezogen – und gut war es. Der Floorballsport hat sehr unter der Coronakrise gelitten. Im Gegensatz zum in Deutschland allmächtigen Fußball durften die Spiele der Floorball-Bundesliga 2020 zunächst nicht stattfinden. Auch das macht mich grantig. Jetzt wieder… ich bin hin- und hergerissen. Einerseits soll der Coronavirus bekämpft werden. Andererseits: bitte, lasst uns wieder spielen! Wir brauchen die Bewegung, die Freude am Sport, die Gemeinschaft! Immer nur allein laufen, radfahren… ich habe schon keine Lust mehr dazu, immer allein Sport zu machen. Und diese Woche bin ich gar nicht durch den Park gelaufen. Obwohl ich stolz darauf bin, 2 bis 3 Kilometer laufen zu können, ohne nachher völlig fertig, sondern zufrieden zu sein. (Für nicht-schlanke Menschen, die aber auch nicht wirklich kugeldick sind, gibt es dafür leider keine Lobby).

Sport ist eben viel mehr als nur Bewegung, Fit halten, Gewicht halten, gesund bleiben. Sport ist Gemeinschaft. Weil es beim Hochschulsport kaum Bewertungen gibt. Denn eine Medalliengewinnerin… das war ich nie. Das zu erreichen, hatte sich mein Körper immer geweigert.

Jetzt haben mir Januar 2021. Zu Weihnachten und danach gab es immer wieder einen Livestream von einem Konzert, einer Oper. Ich hatte es tatsächlich einmal geschafft, einen Kater am nächsten Tag zu haben, obwohl alle Theater und Kneipen geschlossen sein müssen. Die Oper Frankfurt zeigte eine Aufnahme der „Fledermaus“ von Johann Strauß. Tolle Stimmen, Bühne passt auch, mancher Sänger sieht sogar noch gut aus. Mir erschien es fast wie aus einer anderen Zeit. Werden wieder Musiker-/innen so nah beieinander, was eben normal ist, nebeneinander sitzen können – mit Publikum? Mir wird so bange bei diesen Gedanken. Die Oper „Die Fledermaus“ passt aber hervorragend in die Corona-Zeit: die Hauptfigur, Graf Orlofsky ist so melancholisch wie feierwütig. In kaum einer anderen Oper wird so viel gesoffen. Und Sekt hatte ich auch, während ich allein zuhause vor dem Rechner saß. Prost. Die Übelkeit hatte ich dann, wie der Gefängnisdirektor in der Oper, am nächsten Tag in der Arbeit auch. In der Öffentlichkeit darf momentan kein Alkohol getrunken werden. Also nix mit Wegebier oder Feierabendbierchen im Park. Ja nicht versammeln, damit man sich nicht anstecken kann. Was so normal war, gilt als gefährlich, kann es sein. Die Einschränkung jede-/r Versammlungsfreiheit ist so bitter!

Danke an alle Theater, an alle Orchester, die Livestreams anbieten. Ich sehe mir immer wieder einen an. Aber so ergriffen und voll in der Musik sein… das geht zuhause nicht.

Januar 2021: müde und mürbe: wie weiter?

Von Psycholog-/innen war immer wieder der Rat zu lesen, dass man eine Struktur in den Alltag bringen solle. Feste Zeiten zum Schlafengehen, für die Arbeit, vor allem auch unbedingt einmal raus gehen. Bei mir allerdings geht diese Struktur immer mehr kaputt. Die Woche war dadurch gekennzeichnet, dass ich zu festen Zeitpunkten zum Floorball ging, eine Bandprobe hatte. Alles weg. Ich habe auch schon kein schlechtes Gefühl mehr, mittags erst aufzustehen. Auch wenn man – nicht nur bei mir wegen der Folgen des Umzugs – immer was zu tun hat. Und die „Achtsamkeits-Industrie“ , die hat jetzt Hochkonjunktur. Boah, ich kann es nicht mehr hören! Achtsam besser schlafen, Achtsam auch besser furzen,… hier, achtsam dort… ja Herrgott, jetzt reicht´s aber! Ob das irgendwas bringen würde! Alles schöne Theorie. Aber mit Praxis hat das wenig zu tun. Im Frühjahr wurde in der gleichnamigen Sendung auf DLF Nova sogar empfohlen, dass Studierende ihr Praktikum doch auf später verschieben sollten. Ja super, wenn das Praktikum aber für genau dieses Semester vorgeschlagen war?!? Und schon mal darüber nachgedacht, siebengescheite Psychologie, dass es ein Kampf ist, einen solchen Platz für ein Praktikum zu bekommen? Das „verschiebt“ man nicht einfach mal auf unbestimmte Zeit! Gab es noch keine Furz-Ratgeber von Psycholog-/innen in der Buchhandlung? Na dann wird´s aber Zeit!

Ist schon klar, dass man auch mit sich selbst klar kommen muss. Ich habe lange Tagebuch geschrieben, um meine Gedanken zu ordnen. doch seit Herbst geht das nicht mehr, ich sehe keinen Sinn mehr darin. Auch scheinbar belangloses, was ich früher Sportkolleg-/innen erzählte… auch das geht nciht mehr. Aber ich habe diese ewigen Appelle, dass ich Meditation und sonst was machen soll, richtig satt! Einsamkeit macht krank auf Dauer, da hilft auch keine Meditation! Erst recht, wenn man sieht, wie andere trotz Krise Erfolge haben, weil ein Sender ihren Beitrag angenommen hat – und meine Bewerbung abgelehnt hat! Ich wüsste gar nicht, wie ich einen ordentlichen Ton aufnehmen sollte, es hallt immer irgendwie zuhause. Denn auch das Bücherregal ist noch nicht aufgestellt. In den letzten Monaten habe ich viele schlechte Töne gehört. Es wird wohl hingenommen, weil viele Journalist-/innen im „homeoffice“ arbeiten müssen. Die Redaktion unseres Uniradios ist zu. Und kein Ende abzusehen. Wie lange noch? Ich habe Angst um manches Theater, um manche Kneipe, unseren Jazzclub. Und ich weiß nicht, ob ich ohne die leben will. Auf starbucks und amazon: darauf kann ich scheißen! Die sollen in der Krise sterben, nicht meine Friseurin! Das einzige, was mich noch am Leben erhält, ist das Saxophon. Zu spät ins Bett gehen, wie es momentan passiert, sollte ich aber nicht… denn dann bin ich am nächsten Tag müde und kann nicht den nötigen Luftstrom zum Spielen aufbauen. Seit Dezember habe ich Unterricht. Meist über zoom. Ist nur die Frage: wie lange noch. Denn für richtig guten Unterricht braucht es – wie beim Radio auch – eine ordentliche Tonqualität. Der Coronavirus macht alles kaputt. Auch bei körperlich gesunden Menschen.

Weitere Erklärungsversuche, warum es Impfgegner-/innen gibt, hier.

Zu Verschwörungstheorien und den Umgang mit deren Vertreter*innen, hier.

Warum es falsch ist, ins Sauerland zum Skifahren zu fahren und gleichzeitig nachvollziehbar ist: hier.

In den Niederlanden ist mancher schon durchgedreht. Ein Wunder ist es nicht. Wohin mit der eigenen Energie, erst recht als junger Mensch? Auch wenn die Zerstörung von Geschäften falsch ist. Eine mögliche Ursachenerklärung hier und hier. (Meine Güte, die ganzen kaputten Fahrräder. Allein das tut schon weh).

Ein Spreader der positiven Art im Hafenviertel Dortmund – Corona-Update im November 2020

Novemer 2020 – und wieder ein Lockdown wegen dem elenden Coronavirus. Nicht so streng wie im Frühjahr, aber: Kneipen udn Theater müssen geschlossen bleiben. Bitter für viele, die kaum oder gar keine Familie mehr haben, die das Konzert, die Oper oder auch die Kneipe brauchen, um nicht allein zu sein, nicht zu vereinsamen. Nach der Pause im Sommer hatte man gehofft, dass es endlich wieder ein normales Leben gibt. Leider ist dem nicht so, weil die Zahl der Infizierten im November nicht soweit gesunken ist, wie es die Regierenden gerne gehabt hätten.

HIER gibt´s lecker Essen!Auch wenn das subrosa selbst geschlossen bleiben muss. Eignes Foto

Wie sollen, wie KÖNNEN die Gastronomen und Gastronominnen überleben? Auch die Clubs wie das domicil oder das FZW Dortmund? Die privaten Theater wie Roto-Theater, Hansa-Theater Hörde, das Fletch Bizzel? Ich mache mir wirklich Sorgen. Ich will keine Stadt, die nur noch von den verdammten Ketten wie starbucks beherrscht wird! In den DLF-Nachrichten ist zu hören: Bundesfinanzminister Scholz verkündet „November-Hilfen.“ Schön. Aber geht´s auch mal einfacher, ohne 1000 Seiten Antrag und tausenderlei Nachweise? Und vor allem. geht´s mal schneller? Die Vermieter u.a. warten nämlich nicht ewig auf die Mietzahlung, die Angstellten brauchen auch in Kurzarbeit ihr Geld, sollen sie nicht arbeitslos werden. Nachdem dieser Wahnsinn nun auch im Dezember fortgeführt werden soll, sollen die November-Hilfen auch zu Dezember -HIlfen werden.

Ob es aber immer dort ankommt, überhaut beantragt wird, das ist die Frage. Erstaunlich viel der Geldmenge, die schon im Frühjahr zugesagt weurde, ist noch vorhanden – weil es niemand beantragt hatte. Seltsam. vielleicht sollte das Antragsverfahren doch nicht so aufwendig und langwierig sein. https://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/extra_3/Corona-Hilfen-Kompliziert-und-langwierig,extra18714.html

Also, merkt Euch: erst Formulare ausfüllen – dann legt die Notärztin oder Notarzt los und hilft Euch- HAHA.

Lieblingskino oder Lieblingskneipe von der Existenz bedroht: was tun?

Was kann man als Kulturliebhaber-/in , Kneipengänger-/in tun? Die gekauften Karten nicht zurückgeben, damit das Geld Künstler-/innen und den Spielstätten zugute kommt. Das Kino Schauburg Dortmund verkauft zeitweise seine snacks oder Eis – zumindest mit dem Kauf dieser Dinge damit kann man eine kleine Unterstützung leisten, wenn schon keine Filme gezeigt werden dürfen.

Das Kino Schauburg, wie es sein sollte: geöffnet! Eigenes Foto

Und man kann sich was zum Essen von den Kneipen holen. Nein, hier findet eben KEIN superspreading mit Viren jeder Art statt! In der Nordstadt ist das u.a. der Grüne Salon, der zu bestimmten Zeiten Essen ausgibt. Und Natürlich auch Das Restaurant FABULOSE VON FRAU LOSE, der Unverpackt-Und Lebensmittelrettungs-Laden im Langen August wie im Geschäft selbst in der Rheinsichen Straße.

Gerade die Leute in Kneipen, Knzertsälen und im Fitnesszentrum halten sich vorbildlichst an die Maskenpflicht. Und gerade diese werden mit dem 2. und nun auch 3. Lockdown bestraft. Ich werde bald nicht mehr fertig mit Aufregen über diese Ungerechtigkeit – ja Unverschämtheit. Seltsam nur, dass täglcih mindestens 30 Leute aber jin einem Raum sitzen. Das nennt man dann Schule. Das Corona-Virus ist wohl das einzige, das ausschläft (Zitat extra3).

Aber jetzt mal Ruhe mit der Motzerei. Das subrosa, die schönste und beste Kneipe der Nordstadt Dortmund, bestreibt ein besonderes spreading: Das subrosa in der Nordstadt ist der SUPPENSPREADER von Montag bis Freitag von 13-15 Uhr. Also HIN DA!

Gneisenaustraße 58, Ecke Feldherrnstraße.

Freundliche Bedienung auch im Lockdown: Jascha mit Kürbissuppe. eigenes Foto.

Vor der Arbeit habe ich gleich von der Kürbissuppe probiert: Mmmmh, sehr lecker! 🙂 Und gut mit Pfeffer gewürzt 😉 DANKE SUBROSA! Hab ich gleich Essen für die Pause später. Inklusive frischem Toast.

http://www.hafenschaenke.de

KORREKTUR: das Sissikingkong musste nicht schließen, es ist nur weggezogen aus der Nordstadt – was hier sehr bedauert wird. Neue Adresse: Essener Straße 10, Dortmund. Abholung von vorbestelltem Essen ist von Mittwoch bis Sonntag von 17 bis 20 Uhr möglich.

https://www.sissikingkong.de/speisekarte

Wie Fahren mit angezogener Handbremse: Leben in Corona-Zeiten – Update

Der Sommer ist vorüber. Ein paar schöne Tage gab es noch, bevor die Kühle des Herbstes klar machte, dass jetzt Schluß ist mit Freibad und vielem Draußen-Sein, dem Erleben, Treffen mit Freunden oder Verwandten. Kurzzeitig hatte man den Eindruck gewinnen können, dass der Coronavirus zurückgedrängt worden sei. Der „Lockdown“ im Frühjahr hatte viele Menschen eingeschränkt, verletzt, weil sie nicht das tun konnten, was Menschen eben tun: sich zu Partys, Konzerten etc. zu treffen. Diese ständigen Einschränkungen brachten viel Unmut hervor, so dass es wieder Partys, öffentlich wie privat, gab. Doch der Coronavirus ist längst nicht verschwunden und Party machen heißt auch für dieses elende, diffuse, so schlecht sichtbare Ding wie einen Virus: Juhuuu, ich kann mich wieder bestens verbreiten.

Tatäschlich war ich letzte Woche sogar in zwei Konzerten. Wie gut, dass sie wieder da sind, die Dortmunder Philharmoniker-/innen! Ich spürte Erleichterung und Freude, als ich das Konzerthaus betreten hatte. Allerdings… es war auch seltsam. Wenige Leute, feste Stehtische, an denen man sich melden musste, die mitgebrachte Eintrittskarte wurde gegen eine andere getauscht. Dann die Überraschung: „Ihre Jacke können Sie auf den Sitz neben sich legen.“ Und auch die Tasche! Ich staunte nicht schlecht: vor der Corona-Zeit hätte das niemand geduldet, da wäre dir sofort einer der hellbraun gewandeten Damen und heren nachgerannt und hätte dich zur Rede gestellt. An die dämlich aussehende, häßliche Maskierung hat man sich schon gewohnt. Vor noch nicht allzu langer Zeit hätte der /die LadeninhaberIn die Polizei geholt, hätte man mit maskiertem Gesicht ein Gebäude betreten.

Der Konzertsaal: seltsam leer. Ins Auge fallen sofort die roten Nashörner auf einigen Sitzen, darunter steht „bitte freihalten.“ Nur die Hälfte der Gesamtplätze ist besetzt. Wie lange hält das ein Veranstalter aus, ohne bankrott zu gehen? Man soll sich bitte nicht zu nahe kommen. Im Februar noch war ich direkt neben einer anderen Konzertbesucherin gesessen. Schon damals dachte ich entfernt daran wie es wäre… aber glauben wollte ich das damals noch nicht. Die Vorstellung, dass das kulturlle Leben komplett zum Erliegen käme, die war zu schrecklich. Ganz gleich, ob es sich um ‚klassische‘ oder Popkonzerte handeln würde. Ohne Kultur kann kein Mensch leben!

Vom Balkon aus blicke ich direkt auf die Bühne.Hm? Was ist da los? Es ist 10 vor 8, 10 Minuten vor Beginn und die Musiker-/innen sitzen schon. Mit mindestens 1 Sitzbreite Abstand. Das wirkt eigenartig. Kein gemeinsames Auftreten wie sonst, jede-/r sitzt wie fest platziert auf ihrem und seinen Platz. Manche tragen sogar dort ihre Maske. Man hat sich schon daran gewöhnt, dieses häßliche notwendige Scheißding zu tragen, wenn man sich in geschlossenen Räumen umher bewegt. Die Musiker-/innen und Dirigent Gabriel Feltz wirken dabei fast wie Vorbilder, wenn sie ihre Maske tragen und erst an ihrem Platz wieder ablegen. Es gibt viel zu verlieren: an Vertrauen, an künstlerischer Freiheit, an Geld, an kulturellen Leben. Etwas schmunzelnd dachte ich an einen fiktiven Postillon-Artikel, der als Neuheit eine bläser-kompatible Maske anpreist.

Weniger Besucher-/innen, dafür gefühlt mehr Personal. Es gab kaum einen Ort im ganzen Konzerthaus, wo kein Mensch in hellbraunem Filzblazer stand und ungefragt oder gefragt den Weg wies oder das – huch kostenlos! – Programm in die Hand drückte. Zu meinem eigenen Erstaunen empfand ich das nicht als aufdringlich. Die ausgeschilderten Wege entlang der Bar und nummerierten Tische wirkten aber fast schon lächerlich. Männleinlaufen – nur ohne Kaiser und Fürsten. Nun, wenn es hilft, dem elenden Virus das Leben zumindest schwer zu machen… bei allem Verständnis ist es anstrengend, immer an die Einhaltung all dieser Regeln zu denken.

Endlich wieder Live-Musik hören! Welche Freude… Dennoch bleibt das Gefühl, als ob man mit angezogener Handbremse fahren würde. Auf dem Programm standen Frédéric Chopins Klavierkonzert in f-moll sowie Erich Wolfgang Korngolds symphonische Serenade B-Dur. Beides Werke der Romantik und des 20. Jahrhunderts, das bedeutet: große Orchester. Warum gerade dies Werke? Warum dieses schwülstige Thema „Gefangen im Netz der Intrige?“ Das hätte es nicht gebraucht. Auch wenn man im Konzert nichts zu vermissen meinte: es blieb ein ungutes Gefühl der Unvollständigkeit, weil eben nicht so viele, nicht die volle, normale Anzahl an Musiker-/innen auftreten durften. Bis auf wenige Aussetzer ist den Dortmunder Philharmonikern* auch ein gutes Konzert gelungen. Die Freude am Spiel war allen anzumerken, das Publikum applaudierte aber eher verhalten, als ob es überlegen würde, ob Begeisterung und Freude in der Coronakrise zu zeigen überhaupt erlaubt sei. Glaubt man dem Programmhefttext von Markus Bruderreck, spiegelt Korngolds Serenade das erschrecken, die Hoffnungslosigkeit, Angst, Resignation und Hoffnung der Coronakrise wieder. Na dann passt´s ja – könnte man denken.

Aber dann doch wieder nicht. Händeschütteln oder gar Umarmen darf man sich nicht. Zu gefährlich wegen der möglichen Virusübertragung. Stattdessen stoßen Dirigent Feltz und Solist Bernd Glemser die Ellbogen aneinander. Kumpelhafte Geste? Könnte man meinen. Widersprüchlicher könnte es aber kaum sein: eine Berührung, die Verbundenheit symbolisieren soll, aber doch eine Abwehrhaltung zeigt. Mir wird immer unwohl bei dieser Art der Begegnung oder Berührung: denn als Verbundenheit kann die Berührung der Ellbogen kaum dienen. Eher daran, sich gegenseitig abzustoßen, sich durchsetzen zu wollen. Ein Symbol für die ‚Ellbogengesellschaft‘ eben. Auch wenn das an diesem Abend nicht so gemeint war.

Die gefühlte Leichtigkeit des Sommers ist vorbei. Das merkt man nicht nur an den Außentemperaturen. Diie Anzahl der Infizierten steigt wieder an. Dennoch: keine Konzertabsagen mehr bitte! Nicht nur, aber vor allem einsame Menschen brauchen Kultur! Vergesst den ewigen Streaming-Scheiß! Das kann nur vorübergehend eine Lösung sein. Menschen brauchen die Begegnung, denn wir sind keine Katzen, die Einzelgänger* sind. An dieser Stelle auch der Appell an die Politik: wenn Sie Fußballspiele erlauben, wenn sie die Wirtschaft ‚retten‘ wollen, dann kümmern Sie sich auch um die Solo-Selbständigen und Kulturschaffenden, die keine staatliche Förderung erhalten! Am 15.10.2020 gibt es dazu eine Demonstation in Düsseldorf.

Die Coronakrise bedeutet auch: jede-/r könnte ansteckend sein. Das erzeugt Mißtrauen und Unsicherheit. Ich selbst fühlte mich verletzt, als mich eine Kollegin anpflaumte, dass ich ihr zu nahe gekommen sei. Das war noch vor Einführung der Maskenpflicht. Ich war zu überrascht gewesen, um etwas zu erwidern. Aber bei aller gebotenen Vorsicht ist daran zu erinnern: NIEMAND darf wegen Covid-19 bloßgestellt oder fertiggemacht zu werden! Nicht jede-/r Infizierte ist schuld an seiner Infektion, war nicht zwangsläufig in einem Risikogebiet!

Wer noch nie oder nur selten von der Klassengemeinschaft in der Schule permanent ausgeschlossen wurde, weil man sich nicht die teueren Markenklamotten oder anderen Schrott leisten konnte, wer nicht zu denjenigen zählte, die als letztes oder gar nicht in die Mannschaft bei dem verdammten Spiel Völkerball gewählt wurde im grauslichen Schulsport, soll jetzt das Maul halten. Ich gehörte damals zu den Ausgeschlossenen, es gab keine Sozialarbeiter-/innen an dieser verdammten reaktionären Kleinstadt-schule, die diesen Konflikt beendet oder zumindest eingegriffen hätten. Denn auch wenn ich die Maskenpflicht, das Abstandsgebot, die Begrenzung von Gästen bei privaten Feiern für richtig halte: nichts ist schlimmer als soziale Isolation. Deshalb bitte von physical, nicht social distancing reden! Ganz ohne Covid-19, Lepra oder anderem Kranheitsscheiß behandeln Menschen ihre Artgenoss-/innen oft so, wie es NICHT sein sollte: als krank und aussätzig. Du gehörst NICHT dazu- das ist die vernichtende Botschaft. Darauf weist auch Unicef hin. An all die Wissenschaftsanbieter*, die ständig laut auf die Einhaltung der Corona-Regeln pochen: Lesen Sie das, bevor Sie jemanden verurteilen, die/der sich vermeintlich nicht ganz korrekt an die Regeln hält! Nur Verschwörungstheoretiker-/innen, die müssen weiterhin kritisiert werden, keine Frage.

An all die Wissenschaftsfans: Schön, dass Sie alles lesen, was der Wissenschaftsjournalismus Ihnen bietet. Machen Sie weiter so, dann haben ein paar Journalisten* weiterhin Arbeit und Einkommen. Aber denken Sie daran: Sie werden nur so lange der Wissenschaft frohlocken und gegen alle schimpfen, die auch nur einen Hauch von den Schutzmaßnahmen abrücken (weil ihnen z. B. die Maske unter die Nase gerutscht ist ganz unabsichtigt) oder das Verbot von Kulturveranstaltungen kritisieren,, solange sie selbst nicht völlig allein, isoliert im nach Desinfektion stinkenden gleißend weißen Krankenbett liegen. Mit striktem Besuchsverbot. Denn auch wenn Schutzmaßnahmen und Tests notwendig und sinnvoll sind: es muss grausam sein, einen voll verkleideten Menschen, der mich testen soll, vor mir zu haben. Ich bin die Aussätzige, die andere gefährdet. Auch wenn sich das Pflegepersonal zu Recht schützen will und muss und mehr Lohn zu bekommen hat. Das ist der Tenor. einige Menschen mussten sogar allein sterben, das ist entsetzlich. Darüber spricht niemand. Dazu muss ich auch sagen: Verstehen Sie mich nicht falsch. Den Verschwörungstheoriekram braucht auch niemand, sondern solide Wissenschaft. Wäre zu schön, wenn es überidische Mächte gäbe, die den Virus beseitigen können würden.

Und was die Party angeht: so verständlich und nachvollziehbar das Verbot für große Menschenansammlungen ist, gibt es eine Erklärung für das Bedürfnis, feiern gehen zu wollen. Die Coronakrise ist eine neue Erfahrung – und die Menschen werden lernen müssen, wie man feiern kann, ohne sich mit Covid-19 anzustecken. Kulturwissenschaftler Wolfgang Kaschuba bringt es auf den Punkt: „Epidemologen können Krankenhaus, aber nicht Gesellschaft.“

Ich hatte im Frühjahr einen runden Geburtstag. Schon allein wegen der Zahl war mir nicht nach Feiern zumute. Und wenn ich mit Menschen zusammensitzen muß, die fast wie Ladendiebe oder Ärzt-/innen aussehen (müssen), dann vergeht mir die Lust am Feiern – aber nicht am Konzertbesuch. Ich habe eine große Sehnsucht, dass das Leben endlich wieder normal wird! Dass man sich zur Begrüßung wieder umarmen kann. Dass man nicht ständig an dieses und jenes denken muss, damit Regeln eingehalten werden. Und damit sich endlich auch was in der Gesellschaft verändert, damit niemand mehr Angst vor der Zukunft (Klimawandel) haben muss. Der Radverkehr im Alltag hat in der Coronakrise zugenommen. Jetzt ist die Politik dran, endlich gute Wege und Verbindungen zu schaffen, den Autoverkehr einzuschränken. Bei meinen täglichen Fahrten scheint das noch unmöglich. Aber ich träume davon, endlich sicher und ohne jede Bedenken oder Angst unterwegs sein zu können, ohne in einer Blechkiste sitzen zu müssen.

Immer noch gefährlich für Radfahrende: die Schützenstraße Dortmund. Eigenes Foto.

„Da müssen wir jetzt durch.“

Es fing , ich meine, es war im Januar 2020, noch harmlos an. In den Nachrichten wurde darüber berichtet, dass in Starnberg in Südbayern ein Mensch an einer bisher unbekannten Krankheit, die der Grippe ähneln soll, erkrankt ist. Vorher war diese ansteckende Krankheit in China ausgebrochen und hatte viele Todesopfer gefordert. Was dabei richtig wütend macht: der Arzt, der die chinesische Regierung vor genau dieser Seuche gewarnt hatte und nicht ernst genommen worden war, starb im Februar oder März daran. Was will man von einem autoritären Regime auch anderes erwarten.

China, das ist weit weg. Reisende und ihre Angehörigen, die in Fernost gewesen waren, wurden in Germersheim im südlichen Rheinland-Pfalz, in einer Kaserne in die Quarantäne geschickt. Germersheim hatte ich bisher mit etwas Positivem, schönen verbunden: der Messe für Fahrrad-Enthusiast*innen und Nerds, SPEZI (die dieses Jahr auch ausfallen wird, https://www.spezialradmesse.de/home.html ) Sinnvoll, um die Krankheit an der Verbreitung zu hindern, aber was Quarantäne für die Betroffenen bedeutet: danach fragt niemand. Nachrichten, Gespräche zwischen Menschen, sogenannte „Experteninterviews“ sind voll von technischem Denken, Organisationsplänen, Analysen. Es war erschreckend und abstoßend, wie viel Platz in der medialen Berichterstattung diese Krankheit einnahm, deren Name nun ständig und überall auftauchte: COVID-19, ausgelöst durch den Corona-Virus. Woher der Name genau kommt und was er bedeutet, wurde in einem Video von der „Sendung mit der Maus“ sehr gut erklärt, das ich Ende März auf „Fratzenbuch Watch“ (Fachebook Watch) entdeckt hatte. Aber so richtig glaubte ich trotz täglichen Hörens der Sendung „Informationen am Abend“ von Deutschlandfunk nicht daran, welche Auswirkungen dieser kronenförmige Virus (daher der Name, lat. „Corona“ für „Krone“) haben würde. Nicht verharmlosen wollte ich das Thema, aber die Panikmache und das laute Geschrei der Boulevard-Medien ging mir mehr und mehr auf die Nerven. An meiner Arbeitsstelle sah ich oft Kolleg*innen ständig irgendwelche Artikel über angeblich oder tatsächlich neue Erkenntnisse zu diesen Virus lesen – das Robert-Koch-Institut war nicht dabei. Nicht einfach zu lesen diese Seite, manches ist für den Laien nicht verständlich aber: dort wird kein Unsinn erzählt. Mich ärgern Menschen, die immer wieder nur die Blöd-Zeitung lesen, obwohl es durchaus seriöse Angebote gibt, um sich über COVID-19 zu informieren.

Dann aber kam der erste Schock: die Stadt Dortmund verfügte, dass ab dem 12. März 2020 alle Veranstaltungen eingestellt werden sollten. Ich war gerade dabei gewesen, die letzten paar Kneipen und andere Institutionen in Dortmund mit Flyern unseres Jazzclubs domicil zu bestücken. „Das brauchst du jetzt nicht mehr tun“ sagte mir der Produktionsleiter zu mir am Telefon. Wir waren alle geschockt. Der Kneipenbetrieb lief noch, aus Protest gegen diese verdammte Situation ging ich abends im domicil ein Bier trinken. Abstand halten tat ich dabei immer, ebenso die Vereinskollegen, die ich traf. Alle waren in einer Art Schockstarre, einem Schrecken, den man nicht so schnell abschütteln kann.

Noch vor wenigen Wochen konnten wir uns beim Parcours freuen. Jetzt: gesperrt, eine fast unheimliche Stille.

Doch damit nicht genug: ab dem 17. März 2020 durfte auch der Kneipenbetrieb unseres Jazzclubs domicil nicht mehr öffnen. Die Meldungen, was alles nicht mehr sein darf, man kam schon gar nicht mehr mit, wurden in pausenloser Folge bekannt: das Stadttheater ist zu, das Konzerthaus muss seinen Betrieb einstellen, ab dem 16. März gibt es keine Hochschulsportkurse mehr. Ich fühlte mich, als ob ich eine böse Überraschung erleben müsste, an der ich keine Schuld hatte. Als ich 2003 in meiner alten Heimat das Mozart-Requiem im Chor mitgestaltete, hatte uns die Chorleiterin für das „Lacrimosa“ genau diese Stimmung als Vorstellung beim Singen mitgegeben. Dieses Stück aus dem Requiem, es passte jetzt richtig gut in diese immer absurdere Zeit, in einen Alltag, bei dessen Schnelligkeit an Veränderungen kaum mehr ein Mensch mitkommt, während draußen das öffentliche Leben still steht.

Ohne Beleuchtung und Beschriftung, leer und verlassen, wo sonst das Leben ist: der Jazzclub domicil während des Elends von Coronakrise. Eigenes Foto

Seit der Schließung aller Kinos, Clubs, Bars, Kultureinrichtungen, sprich: Beendigung des öffentlichen Lebens, lese ich fast jeden Tag die Seiten der Stadt Dortmund. Jeden Tag gibt es eine Zunahme an Infizierten, es werden aber – und das ist sehr positiv – auch die Anzahl der genesenen Menschen genannt. Die Mahnung, von anderen Menschen Abstand zu halten, wird fast gebetsmühlenartig verkündet. Ich halte mich daran, wenn ich auch zugeben muss, dass mir bisher nicht bekannt gewesen war, dass ich auch als gesunder Mensch den Virus weitergeben kann, ohne es zu merken.

Es ist klar: die Infektionsketten müssen unterbrochen werden, die Ausbreitung von COVID-19 soll zumindest verlangsamt werden. Zustände wie in Italien will man nicht, klar. Ich habe mitbekommen, was dort abgeht, aber ich hasse Leute, die mich ständig auf alles und dieses und jenes aufmerksam machen müssen, warum ich es nicht gelesen habe! Nein, ich lese nicht jeden verdammten Artikel über diese scheiß Krankheit, auch wenn es in der FAZ, dem Spiegel oder sonst einem Qualitätsmedium steht! Langsam wurde ich auch auf „pocket“, der Anzeige beim Feuerfuchs-Browser wütend, weil ständig Artikel zum Corona-Virus genannt wurden. Mit häßlichen Virus-Bildern und maskierten Menschen. Ich will das nicht sehen! Und es beruhigt mich nicht, nein, es macht nur noch wahnsinniger in dieser abartigen Zeit voller Wahnsinn!

„Man soll jetzt nicht über Italien moralisch urteilen. Die Welt ist noch am Lernen.“ Das sagte mir ein guter Freund und Journalist. Zufällig lese ich im Tagesspiegel online, dass eine Zeitung in Italien, ich glaube in der so stark betroffenen Lombardei, 10 Seiten Todesanzeigen druckt. 10 Seiten pro Tag. Gewohnt ist man vielleicht 3 oder höchstens 5 pro Ausgabe. Das zu lesen tut weh, auch, wie selbst ein in Krisengebieten erfahrener Apotheker langsam ratlos ist – einen Artikel dazu habe ich gelesen, das war in der taz. Auf Bildern, die im Internet kursieren, sieht man einen leeren Markusplatz in Venedig, einen leeren Petersplatz in Rom, leere Kanäle in Venedig… in den Nachrichten hört man, dass sich die Kanäle in Vendeig erholen, weil keine Kreuzfahrtschiffe mehr kommen. Die haben ohnehin nichts in der Stadt verloren. Tourismus: ja. Aber mit Bedacht! Doch mit Corona läuft nichts mehr, niemand kann mehr irgendwas besichtigen oder jemanden besuchen. diese Situation macht auch deutlich: die Erde braucht keine Menschen.

Jeden Abend: eine dunkle, geschlossene Schauburg (Kino). Grauenvoll, dieser Anblick.

Die Gscheiderln, die immer vorpreschen und sich als die Besten darstellen müssen, preschen auch jetzt wieder vor: das Bundesland Bayern (erstaunlicherweise hat sich dieses Möchtegern-Königreich immer noch nicht von der BRD abgespalten) verhängt Ausgangssperren. Schulunterricht ist in der ganzen BRD schon lange nicht mehr, 5 Wochen Osterferien gibt es dann sozusagen. Nur für den Weg zur Arbeit, zum Einkaufen, zum Besuch bei Ärztin oder Arzt oder zum Sport darf man raus. Ein Arbeitskollege zeigt mir ein Video, auf dem die Münchner Berufsfeuerwehr durch die Straßen fährt und Ansagen macht. Was für ein autoritärer Müll. Ich bin fassungslos. Schon interessant: gerade dieses Land, das jahrzehntelang vehement gegen alles aus dem „bösen“ Osten gewettert hat, greift nun auf genau dessen Vorgehensweise zurück, verhält sich wie der Staat, den man damals so verachtet und bekämpft hat. Aber am 3. Oktober wieder schön gegen den Polizeistaat von damals mahnen. Schuld sind immer nur die anderen, und die hocken im Osten. Weil jeder DDR-Bürger und -Bürgerin ein-/e überzeugte-/r Kommunist war. Ganz bestimmt. Nicht. Wie bin ich froh, dort nicht mehr zu wohnen. Eine Freundin in Nürnberg, die pensionierte Krankenschwester ist, sieht sich in ihrer Forderung nach Maßnahmen zur Eindämmung von Covid-19 bestätigt. Naja, ihr Beruf hat sie eben geprägt.

In Nordrhein-Westfalen, wo ich nun seit 5 Jahren wohne, geht man – zumindest bisher – besonnener vor. Es gibt kein absolutes Ausgangsverbot. Es gilt nicht mehr nur die Abstandsregel, es dürfen auch höchstens nur 2 Personen miteinander unterwegs sein, Familien ausgenommen. Der Appell, nur zu wichtigen Anlässen die Wohnung zu verlassen, folgt. Das macht für mich erst mal keinen Unterschied, weil ich meistens allein unterwegs bin. Zu meiner Freude empfiehlt die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, dass man seine Alltagswege doch mit dem Rad zurücklegen solle, weil man das allein tun könne, anstatt neben anderen in der Straßenbahn zu sitzen. Auch der ADFC NRW empfiehlt nochmals explizit das Radfahren.

https://www.adfc.de/dossier/dossier-radfahren-in-zeiten-von-corona/

Ein Gastronom versucht sein Glück mit Außenverkauf: Cocktails trinken trotz Corona. Und immer schön nur 2 Stühle nebeneinander.

Die Straßen sind fast jeden Tag ziemlich leer; oft fühle ich mich wie am Sonntag nachmittag, wenn ich über die Heiligegartenstraße, Grün- und Treibstraße zur Arbeit fahre. wie ein ewiger Sonntag nachmittag. Mein Zeitgefühl schwindet von Tag zu Tag, ich wache oft auf und wünschte, das ganze Elend mit der Krankheit COVID-19 wäre einfach nur ein böser Traum.

Wie an einem ewig andauerendem Sonntag-Nachmittag: die Treibstraße/Grüne Straße während der Corona-Krise. eigenes Foto.

Tatsächlich stelle ich bei mir selbst auch fest, dass ich mir mehr um das Wie beim ohnehin täglichen Händewaschen Gedanken mache, auf mehr Abstand als sonst in der Straßenbahn und anderswo gehe. Das offiziell verkündete Abstandsgebot ist fast paradox für mich. Die Öffentlichkeit und Gesellschaft, in der ich aufwuchs, hielt oft keinen Abstand zu mir und meinem Körper ein und benutzte meinen Körper und mich für die eigene Notgeilheit. Junge Mädchen und Frauen auf dem Dorf sind nichts wert und können ungestraft sexuell mißbraucht werden, niemand fragt, ob sie diese Berührungen wollen oder nicht. Lange Zeit forderte ich selbst, Abstand von mir zu halten, wobei das auf Dauer auch keine Lösung ist, denn: der Mensch braucht Berührungen.

https://nacktundneugierig.podigee.io/14-wissenschaft-koerperkontakt

Für Taschendiebe ist die Corona-Krise eine ganz blöde Zeit, wenn so wenige Leute unterwegs sind man sich niemandem mehr ungestraft nähern darf. Auf Facebook bekomme ich einen kleinen Shitstorm ab, weil mir die eine Pressemeldung des Kinikums Dortmund kräftig auf den Senkel geht. Vom Pressesprecher stammt dieser Text. Unmöglich! So kann man das nicht formulieren! Es geht in etwa so los: „na Ihr Egoisten? habt Ihr Euch in der Disco getroffen weil Ihr denkt, dass Ihr Euch als junge Menschen nicht anstecken könnt? […]“ In diesem Wortlaut ging es weiter. Sicher ist ein Appell zum Abstandhalten wichtig. Aber so formuliert wird niemand auf ihn, den Pressesprecher des Klinikums Dortmund hören! Das sollte genau er wissen! Als Journalistin weiß ich: SO erreicht man niemanden. Aber von den anderen Herrschaften im Fratzenbuch kapiert das niemand. Mich nerven diese Leute, die immer nur ‚technisch‘ denken. Die ständig Statistiken und Zahlen brauchen. Nein, ich will das nicht! Es macht mich und auch andere nur noch verzweifelter, wahnsinniger! Und ich kann auch auf den Podcast eines Christian Drosten getrost verzichten. Nicht, weil er ein schlechter Mensch oder schlechter Virologe wäre, sondern: ES GIBT NOCH ANDERE THEMEN ALS DIESER VERDAMMTE VIRUS im Frühjahr 2020, verdammt noch mal!!! Seine „Fans“ nerven. Bei allem Respekt und Sinnhaftigkeit von Wissenschaftsjournalismus: schweigt einfach mal einen Tag, geht in Euch und besinnt Euch auf das Nicht-Technische in der Coronakrise. Übt Euch endlich in Empathie! Das, was nicht nur mich umtreibt und sehr schmerzt: der Verlust jeder Kultur. Hört den Kulturwissenschaftler*innen und Soziolog*innen zu, anstatt die Medizin anzubeten!

https://www.deutschlandfunk.de/interview.693.de.html?drbm:date=2020-03-22

Nein, es ist nicht Sonntag nachmittag in der Fußgängerzone Westenhellweg. Im Hintergrund eine Polizeistreife.

Wie eine schleichende Krankheit verändert das Corona-Virus den Alltag. Das einzige, was von der Normalität geblieben ist, ist für mich die Fahrt zur Arbeit, meist mit dem Rad. Die Arbeit, die mein Broterwerb ist und mit meinem erlernten Beruf leider wenig zu tun hat, macht grundsätzlich Spaß. Aber sie erfüllt mich nicht und ist oft genug anstrengend. Alles, was der Kompensation für diese Anstrengung dienen würde, existiert nicht, ist wie ausradiert, plötzlich nicht mehr existent: meine Sportkurse beim Hochschulsport, alle Musikveranstaltungen. Der Anblick von geschlossenen, verschlossenen Türen erschreckt mich. Ich fühle mich wie in einem schlechten Traum, einer Zeitschleife, aus der ich nicht rauskomme. Wie Neo in „Matrix“ in verschiedenen Dimensionen sich bewegt, von denen nur eine real ist. In welcher Welt, in welcher Dimension leben wir nun? Wer oder was hat uns hierher gebracht, gegen unseren Willen?

Nicht mal mehr im Stadtgarten kann man im Abstand zueinander sitzen. Eigentlich übertrieben. Auch auf einer Sitzbank könnte man Abstand halten.

Wie lange ist das noch auszuhalten? Ich weigere mich, diesen scheinbar ewigen „Sonntag-Nachmittag“ , den man beim Durchqueren der Innenstadt spüren kann, als „Normalität“ anzuerkennen. So, wie es nun seit einigen Wochen ist, ist es nicht normal. Menschen sind keine Wildkatzen, die einzeln unterwegs sind! So sinnvoll, wie die Absagen sämtlicher Kulturveranstaltungen und das Abstandsgebot auch sind: ich kann dieses ständige „stay home – save lives“ nicht mehr hören. Dieses ständige erzwungene Alleinsein, das macht krank! Es ist paradox, wenn ständig Appelle zum Zusammenhalt verkündet werden, gleichzeitig aber Abstandhalten und Zuhausebleiben gepredigt wird. Schon bemerkt?

https://www.deutschlandfunk.de/gesellschaft-in-der-coronakrise-was-isolierung-und.676.de.html?dram:article_id=473467

Auch manche Witzeleien mit den Arbeitskolleg*innen können nicht die Freude am Sport und der dort erlebten Gemeinschaft ersetzen. Ja, ich habe schon schlechtere Arbeitsstellen gehabt und die Bedingungen sind gut, ich fahre meistens gern zur Arbeitsstelle. Das momentan viel gelobte HomeOffice funktioniert bei mir übrigens aus technischen Gründen nicht. Da ich im Service arbeite, ist mir eine Trennung von Arbeitsstätte und Zuhause auch wichtig, denn: Menschen, die bei uns anrufen, können richtige Arschlöcher sein. Deshalb ist psychische Hygiene durch physische Trennung von Arbeitsort und Wohnort so wichtig.

Das noch so gut vorgetragene Konzert im Live-Stream im Internet kann kein Live-Konzerterlebnis ersetzen. Es ist schön, wenn ein Igor Levit jeden Abend auf seinem Flügel für seine Twitter-Follower spielt. Tonqualität grauenhaft, aber: die Geste zählt. Danke für Ihre Heimkonzerte. Aber wer bezahlt ihn? Man muss es sich leisten können, sich als Künstler*in zu verschenken, wie die Neue Musikzeitung richtig schrieb. Gilt übrigens auch für den Pop-Bereich, für jede-/n, die oder der vom Musikmachen und Musik-Interpretieren den eigenen Lebensunterhalt verdient. Musik ist nicht nur schön, sie ist auch Arbeit und die muss wie jede andere Tätigkeit ordentlich bezahlt werden! Oder wie Karl Valentin richtig sagte: „Kunst ist schön, macht aber auch Arbeit.“

https://www.nmz.de/artikel/geschenke

Außerdem darf nie vergessen werden: Das Publikum ist nicht nur dafür da, die Künstler*innen zu bezahlen. Jedes Konzert, sei es ein Pop- oder Club- oder Klassikkonzert lebt davon, dass Künstler*innen auf der Bühne mit dem Publikum kommuniziert. Der Intendant des Opernhauses Dortmund hat nicht umsonst und zu Recht gesagt, dass er von per Livestream übertragenen Opern nichts hält, weil das nur „abgefilmtes Theater“ sei. Die Premiere der Oper „Die Stimme von Portici“ musste fast ohne Publikum stattfinden, nur die Presse hatte Zutritt bekommen.

https://www.deutschlandfunk.de/oper-die-stumme-von-portici-in-dortmund-revolte-im-schatten.1993.de.html?dram:article_id=472650

Der Noch-Schauspiel-Chef Kay Voges zu den verheerenden Auswirkungen auf die Kultur durch die Coronakrise: Kay Voges, Schauspiel Do zu corona: https://www.fr.de/kultur/theater/theater-regisseur-kay-voges-erwartet-viele-stuecke-ueber-corona-aeussert-befuerchtung-13654207.html

Bemerkenswert ist, dass das Corona-Virus das schafft, was der Klimawandel, der mindestens genauso bedrohlich ist für die Menschheit, nicht schafft: alle sind betroffen, allen ist dies bewußt und sie tun was dagegen. Die gesamte Welt. Der feine Unterschied: gegen Covid-19 werden sofort stark wirkende Maßnahmen ergriffen. Grundrechtseinschränkungen wie das Grundrecht auf Versammlungsfreiheit akzeptiert. Kaum Zweifler gibt es, die Leugner* werden größtenteils verachtet und zurückgedrängt. Selbst die scheinbar allmächtige Wirtschaft und Lobbyverbände ziehen mit, auch wenn es Kritik gibt. Absurderweise wollen gerade große Firmen wie adidas und Heu&Mist keine Miete mehr zahlen, weil ihre Geschäfte geschlossen bleiben müssen. Hallo? Was sollen Besitzer kleiner Läden sagen?

Ohne Zweifel wird dieser Krankheitserreger die Welt verändern, Wirtschaftsunternehmen, ganze Wirtschaftssysteme und gewohnte Lebensabläufe werden sich ändern müssen. Ein Bekannter und Stadtplaner rechnet mit einem großen Arbeitsplatzabbau in der Automobilindustrie. Und warum? Weil „Covid-19“, der Name der Krankheit, ausgelöst durch den Corona-Virus, sehr bald spürbar und tödlich verlaufen kann und so viel bedrohlicher wirkt als eine andere, schon seit Jahren existierende Bedrohung. Von Stickoxiden und anderem Dreck, der den Klimawandel auslöst, fällt leider niemand bald tot um oder bekommt schmerzende Geschwüre oder Atemnot. Anders kann man sich die Untätigkeit oder die nur schleppend eingeführten Maßnahmen für den Klimaschutz (durchgeführt von verschiedenen Regierungen) nicht erklären. Die Veränderungen im öffentlichen Leben werden größtenteils erstaunlich gut akzeptiert und hingenommen, kaum jemand klagt über die Schließung von Kneipen, Theatern, Opernhäusern, Bibliotheken, Sportstätten. Auf manchen Straßen ist es, wie schon erwähnt auffällig ruhig, was mich als Radfahrerin auch freut. Auf anderen genauso voll wie sonst (Mallinckrodtstraße in Dortmund). Und dennoch ist da IMMER dieses ungute Gefühl, dass da was nicht in Ordnung ist, wenn eine Polizeistreife langsam durch die Fußgängerzone mit dem Auto statt auf Fahrrädern fahren muss. Schlechter Traum? Wahrheit? Hat mich das Super-Auto K.I.T.T. irgendwo hingebracht, wo ich nicht hin wollte? Welcher Tag ist heute?

Im Zuge der staatlich angeordneten Stillegung des öffentlichen Lebens wurde zur Solidarität mit v.a. der „Risikogruppe“ aufgerufen. Man solle für die älteren Leute Einkaufshilfen anbieten. Gerne hätte ich dies gemacht, aber auf Nachfrage bei meinem Bekannten gab es keinen Bedarf, dass jemand mit Lastenrad für andere einkauft. Mir selbst war und ist diese Zeit der Corona-Krise auch nicht geheuer, ich bin immer noch damit beschäftigt, dieses Grauen zu erfassen, dass mich an die Stimmung des „lacrimosa“ aus dem Mozart-Requiem erinnert: die damalige Chorleiterin und Kantorin dieser Kirchengemeinde hatte uns aufgegeben, beim Singen das Gefühl einer bösen Überraschung und Fassungslosigkeit zu empfinden und dies mit unserer Stimme auszudrücken. Zwar stirbt hier im Jahr 2020 im Gegensatz zu Pestzeiten früherer Jahrhunderte nicht jede und jeder, aber wenn das Kulturleben stirbt oder darbt, stirbt auch bald der (physische) Mensch. Manche glauben sogar an eine neue Solidarität.

Daran glaube ich nicht. Die Corona-Krise führt zu Verhaltensweisen der Menschen, die erschreckend sind. So sehen die Regale im Supermarkt und in Drogerien aus, wo sonst Toilettenpapier, Küchenrollen, Taschentücher und Nudeln lagern. Alles andere als ein solidarisches Verhalten.

Keine Chance, wenn zuhause das Klopapier alle ist. Foto: A. Steger

Zwar muss ich nicht für einen Mehr-Personen-Haushalt einkaufen, dennoch machen mich solche Verhaltensweisen wütend! Wie egoistisch, aggressiv und dumm muss man sein, übermäßige Einkäufe zu tätigen??? Was soll das? Steht ein Krieg bevor? – NEIN! SCHÄMT EUCH!

WOFÜR braucht man Unmengen Küchenrollen u.ä. zuhause während der Corona-Krise???

WOFÜR braucht selbst ein mehrköpfiger Haushalt solche Unmengen an Toilettenpapier, Küchenrollen oder Taschentücher? Scheißen die sich vor Angst vor dem Coronavirus in die Hose, weshalb sie soviel Scheißpapier brauchen? Ihr seid doch nicht mehr ganz dicht!

Diese seltsame, absurde, verrückte Zeit, in der man nicht weiß, was man denken soll, in der ein Familienvater und Fahrrad-Enthusiast auf Twitter zu Recht die Frage, was nun werden soll, stellt, bringt auch neue Witze hervor. Ja, auch das habe ich bemerkt. Da ist ein Cartoon, der zwei suchende Augen zeigt, die sich in einer Art Festung, die nur aus Klopapierrollen besteht, herausschauen. Ein Videoclip zeigt eine Katze in einem Zimmer, die über eine immer höhere Rampe aus Klopapierrollen springt, dazu eine Art Sportkommentation auf französisch. Schon witzig, ja. Gleichzeitig klingt alles wie ein trauriger Nachruf auf ein Leben, das normal verlief, in dem man sich nicht ständig Gedanken darüber machen musste oder sollte, welchen Türgriff man angefasst und ob man sich ja auch immer die Hände gewaschen hat. Es strengt an, dieses Leben. Mehr als sonst. Dazu die Hysteriker mit ihren Mundschutzmasken. Boah! Bin ich hier in einem verdammten Operationssaal oder im Krankenhaus – oder auf der Straße im öffentlichen Raum?? HÖRT AUF DAMIT! Das bringt die Menschen nur noch mehr auseinander, macht sie mißtrauisch und zu Feinden! Nur bei alten Leuten verstehe ich, dass sie Masken tragen.

Der Anblick von gestapelten Stühlen im Café, und sei es nur bei einem Bäckereistand im Supermarkt, ein Absperrband am Spielplatz, an der vorderen Bustür vom Linienbus… das alles ist NICHT NORMAL. Ausnahmezustand, dauerhaft. Manche reden sogar vom Einsatz des Militärs im Inland. LASST DAS. Wir haben keinen Krieg! Das alles wirkt abweisend, lebens- und menschenfeindlich.

In der Zeit der Corona-Krise fühle ich neben all den Enttäuschungen, dem Entsetzen, der Fassungslosigkeit auch eine große Müdigkeit. Nicht nur, weil ich nicht zu den Sportkursen des Hochschulsports kann, sondern auch, weil genau in dieser Zeit die Sinnlosigkeit des menschlichen Lebens so deutlich wird. Klingt pathetisch, ist aber wahr. Und langsam habe ich keinen Bock mehr auf das ganze. Die Haltung, die auch ein Herr Harkort vertritt, so wie ihn dieser Künstler geschaffen hat.

Herrn Harkort in Hombruch passt auch etwas nicht. Mir auch.

Es gibt staatliche Hilfen für Kleinstunternehmer*innen und Kulturschaffende, ja. Aber wird das ausreichen? Ein Inhaber eines Sportfachgeschäftes sagte mir, dass er schon nach 3 Wochen einen Umsatzeinbruch von 80% hätte, nur hätte er im Gegensatz zu den Gastronomen eben noch die Ware als Gegenwert. Zwei kleinere Fahrradhändler bangen um ihre Existenz. Das alles deutet auf eine Zukunft hin, in der niemand wirklich leben will.

Hätte ich doch nie Abitur gemacht.

Hätte ich nie ein Opernhaus oder Konzertsaal betreten.

Wäre ich in dem scheiß abgelegenen Kaff geblieben, wo ich aufwachsen hatte müssen, wäre ich dumm geblieben, dann könnte ich wie andere diesen ganzen Corona-Müll einfach hinnehmen, ohne ständig nachzudenken. Oder ich wäre so ein Technik-Gläubiger und Technik-Trottel geworden, der oder die jeden Tag alles über Covid-19 liest und zu wissen glaubt, obwohl es nicht wirklich was neues gibt (ich habe da meine Zweifel). Ich hasse diese Leute! Eigentlich gehören sie alle zwangsweise in regelmäßige Soziologie- und Psychologie-Vorlesungen gesteckt. BESCHÄFTIGT EUCH GEFÄLLIGST MIT DEN SOZIALEN FOLGEN, Ihr Technik-Deppen! Und hört auf, die Naturwissenschaft anzubeten! Mancher hat schon wohl heimlich einen Drosten-Altar zuhause, so wie früher die KatholikInnen v.a. im Mai zuhause sich einen Marienaltar aufgebaut hatten, was? Man kann das kitschig und dümmlich finden, aber: der Marienkult mag auch nerven, aber er nervt nicht so sehr wie der Kult um Drosten. Wobei ich glaube, dass er selbst nicht wie ein Heiliger verehrt werden will, weil er um seine Grenzen weiß und diese Star-Verehrung nicht nötig hat.

Verstehen Sie mich nicht falsch: ich hasse VerschwörungstheoretikerInnen genauso. Von mir wird NIEMAND ANGEBETET, weder die Medizin noch die Homöopathie. Weder Herr Drosten noch irgendein bedeutender Heilpraktiker/bedeutende Heilpraktikerin. Auch wenn ich es leider nicht erleben werde: ich wünsche all den Technik-Gläubigen, die Deppen, die nur auf diese verdammten Zahlen über Covid-19 ständig spekulieren, als ob sie Börsen-Geschäfte machen würden: einmal werdet Ihr aufwachen und merken, dass Euch eure elende Naturwissenschafts-Versessenheit nicht mehr hilft. Verdammt, warum spüre ich was, was mir fehlt? Was ist das? Ich werde mich doch nicht mit Gefühlen beschäftigen müssen? Was war das noch mal? Kann man das berechnen, in Zahlen ausdrücken? Aber neeeiiin, das ist so irrational! Zu blöd, dass der Mensch keine Maschine ist! Und selbst die Gscheiderln von der Schulmedizin kapieren langsam, zumindest langsam, dass der Geist, die Psyche so wichtig für die Heilung des Körpers ist. Es ist u.a. vom „broken-heart-syndrom“ die Rede (schnauf, Glück gehabt, es wird wieder wissenschaftlich!) Und das hat NICHTS mit Homöopathie oder Verschwörungstheorien zu tun.

Anderen helfen in der Corona-Zeit… hätte ich gern gemacht. Allerdings wollte ich umziehen, raus aus einer schimmligen Wohnung, um die sich der Vermieter seit Jahren einen Scheißdreck kümmert. Nach 5 Jahren habe ich den Kampf aufgegeben, erst seit einem Jahr etwa habe ich beim Mieterbund einen Rechtsanwalt gefunden, der sich wirklich für mich einsetzt. Aber die Hunde sind schon schlau, sie wissen genau, wie weit sie gehen dürfen, um ihrer unendlichen Gier nachzukommen. Nicht, dass Mietzahlungen zu verlangen grundsätzlich falsch oder schlecht wäre. Was mich wütend macht ist die Verantwortungslosigkeit, mit der dieser Vermieter auftritt: da wird gerade mal die Fassade schön gestrichen, aber innen sind die Wände ramponiert, die Treppenstufen ausgetreten, die Wohnungstüren so windig, dass man nur dagegen hauchen muss, damit sie aufgehen. Auch als selbstbewußter Mensch kann man sich in solch einem Haus nicht mehr sicher fühlen.

Gleich eins vorneweg: schaffen Sie sich nicht so viele Bücher und CDs an. Das ist mit ein Grund, weshalb ich an einem Tag nicht fertig wurde mit dem Transport meiner Sachen. Seit dem ca. 20. April bin ich mit dem geliehenen Lastenrad fast jeden Tag mindestens 1x hin- und hergefahren, um die alte Wohnung leer zu bekommen. Auf den Straßen der Nordstadt Dortmund immer wieder Menschen, hin und wieder fordert die Polizei, meist über Lautsprecher auf, dass sie sich nicht versammeln sollen. Rein rechtlich geboten, manche mögen vielleicht auch krumme Geschäfte im Sinn haben, aber: dennoch absurd. Denn der Mensch ist keine Wildkatze, die allein durch die Gegend streift!

Zur Einsamkeit, die aufgrund des Versammlungsverbotes noch schlimmer für mich ist, kommt noch der Ärger mit dem alten Vermieter hinzu, der nun die ganze Mai-Miete sehen will, weil ich über das Kündigungsdatum des 30. April hinaus die Wohnung noch nutze. Stimmt, es sind noch ein paar Sachen drin. Diese Mail war erst mal ein Schock. Aber ich werde niemals die ganze Mai-Miete zahlen! Jetzt haben sie es eilig, bei der Aufforderung, den Schimmel endlich zu entfernen, das war scheißegal!

Sicher habe ich es einerseits gut, weil ich mir die Wohnung mit niemandem teilen muss. Aber weil meine biologische Familie kaputt ist (nur kurz: meine Mutter tut das im Kleinen, was der Wahnsinnige und Kranke auf dem US-Präsidentenstuhl im großen macht – und nein, die ARD-Serie „Mord mit Aussicht“ ist NICHT LUSTIG), besteht mein Sozialleben nunmal aus der Gemeinschaft bei Sportkursen, bei gemeinsamen Stadtrundfahrten wie der Critical Mass, der Kidical Mass , der ADFC-Sternfahrt. Das ist alles abgesagt, das Sozialleben tot. Das tut unendlich weh. Und macht mich auch unendlich wütend.

Verstehen Sie mich nicht falsch: ich kann das Versammlungsverbot nachvollziehen, auch dass man sich nicht zu nahe kommen darf. Es ist und war beim Hochschulsport nicht üblich, sich großartig wie z. B. durch eine freundschaftliche Umarmung zu berühren. Aber sich überhaupt nicht treffen dürfen, das ist so bitter, macht mich einfach nur noch fertig. Beim letzten Parcours-Kurs, der mir so viel Spaß machte, weil man dafür kein Halbprofi sein muss, hatte ich noch domicil-Flyer (domicil: Jazzclub n Dortmund) verteilt, es sah so aus, als ob man sich neben dem Sport auch mal dort treffen und nett plaudern könne. Das ist jetzt alles tot und wird es bleiben. Ich glaube aus verschiedenen Gründen nicht an eine Zeit nach Corona. Unser Trainer, kein Angestellter des Hochschulsports, lebt von u.a. diesem Kurs. Ich hatte ihn kurz nach Ausbruch der Coronakrise gefragt, per Nachricht, wie es ihm ginge. Bis heute kam keine Antwort, aber ich befürchte nichts Gutes. Es ärgert mich auch sehr, nicht im Fitnesszentrum trainieren zu können. Ich will nicht zu einer zweiten Regina Halmich werden, aber die Fehler und die Faulheit und Dummheit einer Verwandtschaft vermeiden, die nach der Fressewelle der 1960er Jahre nicht mehr aufgehört hat, zu konsumieren und heute nur über Herz-Kreislaufkrankheiten und Adipositas jammert (und dabei ganz wichtig: dicke Männer sind noch okay, aber Frauen bitte gefälligst nur, wenn sie nachweisen können, auch Kinder produziert zu haben. Dann ist die Wampe gerechtfertigt).

Was heute der Sport ist, war zuerst der Chor. Jahrelang hatte ich immer in einem Chor gesungen, es hat mir auch immer wieder geholfen, mit psychischen Schwierigkeiten fertig zu werden. Gerne hätte ich, als ich vor 5 Jahren nach Dortmund gezogen war, das Singen weiter betrieben. Der zweite Chor, bei dem ich mich vorgestellt hatte, war mir sympathisch, ich hatte auch den Eindruck, dass ich eingeladen gewesen war. Leider wurde es ncihts, weil der Chor schon zu viele Altistinnen hatte. Die Absage konnte ich dem Leiter nicht übel nehmen, dennoch war es und ist es für mich ein herber Rückschlag. Ich komme mir oft vor wie Wolfgang Borcherts Titelfigur in „draußen vor der Tür.“ Und nun habe ich es satt, so satt, immer noch zeitweise Teil einer Gemeinschaft zu sein. Im Studierendenchor damals leider traurige, alltägliche Realität, weil mal wieder jemand sein Studium abgeschlossen oder abgebrochen hat.

Zu meiner großen Verwunderung lese ich immer wieder auf dortmund.de oder den RuhrNachrichten, dass Menschen während der Corona-krise geheiratet haben. Weil ab 27.4. im ÖPNV und Geschäften und in Ämtern Masken getragen werden müssen, gerät das Leben zu einem einzigen absurden Maskenball. Die Braut mit Mundschutz, die Gäste weit auseinander stehend, als ob sie miteinander nicht szu tun haben wollten. Mich ekeln diese Masken auch deshalb an, weil sie mich an ÄrztInnen, an alles Schlechte und Schmerzhafte, Ernste erinnern. Eine Maske IST NICHT HARMLOS, sie inst ein Warnsignal! Auch wenn es für eine Medizinerin oder Pfleger Alltag sein mag, so ein elendes Ding anzuziehen, für uns Zivilisten* IST ES DAS NICHT! Ich halte zwar nichts vom Heiraten, aber: Hochzeit in Coronazeiten abzuhalten, das ist so, als ob ein Fleischer/Fleischeirn oder Gemäsehändler-/in plötzlich nur noch aus Woalle gehäkelte Würste bzw. Gemüse statt echter Ware anbieten würde und eine Kundin oder Kunde ihm dann auch noch sagen würde: jaaa, ich rieche den Duft ihrer Papaya-Früchte oder ihrer Wurst! Ganz klar. Bei einer Hochzeit, in der es auf Nähe, auf Vertrauen, auf Zusammensein ankommt Maske tragen! Wäre es doch nur Theater statt Realität gewesen!

Anfang April musste ich auch Geburtstag haben. ein runder Geburtstag, den ich nicht erleben will. Am Tag selbst kommt kaum gute Laune auf, weil diese verdammten schweren Beine mich kaum loskommen lassen. Gern wäre ich zum Schloß Hülshoff ins Münsterland gefahren, aber dort ist sogar der Park geschlossen, was mich erbost. Dann lasst doch Euren Scheiß, dort brauche ich nicht mehr hin! Ich war schon einmal dort gewesen, um Ruhe nach einer schweren Enttäuschung zu finden. Nur für eine Minitour, vorbei an einem verlassenen Biergarten, hat es gereicht. Als Kind freut man sich noch darauf, älter zu werden. Ab einem gewissen Alter ist das aber nur noch ein Graus. Nein, mir braucht niemand mit Gegenreden kommen. Schaut Euch diese verdammte Gesellschaft doch an! die Jugend wird verehrt und alles, was über 30 oder gar 40 ist, wird verachtet. Erst recht, wenn man zu den Verdammten gehört, die erst nach dem Beruf das Abitur und Studium absolvieren hatten können. Die so froh waren, das geschafft zu haben, nur um dann erneut festzustellen: sie sind nicht erwünscht. Oder man ist schlichtweg zu alt für Freundschaften oder gar Partnerschaften, das ist schmerzlich, aber nachvollziehbar, dass es so ist. Und ja: ich bin wütend und verbittert, auf all diejenigen, allen voran meine Mutter und andere Ereignisse, die mir ein Abitur in früheren Lebensjahren verweigert haben!

Literaturtip von Soiologie-Professor Stephan Lessenich: Soziologie des Alterns. (juhuu, Wissenschaft! Wenn auch keine Naturwissenschaft, ich weiß).

Im ganzen Umzugschaos, der Erschöpfung und,dem ganzen Frust über die Corona-Krise hätte ich fast mein Abitur-Zeugnis weggeworfen. Heute tropfnaß aus,dem Abfall,gefischt. Mein BA,Zeugnis muss auch noch drin stecken, macht aber nix, die Papierabholung ist nicht in den nächsten Tagen.
Dieses Versehen spiegelt aber auch die Realität wieder: dass meine Abschlüsse nichts,wert sind. Jede Absage für ein im Beruf der Journalistin so notwendiges und,wichtiges Volontariat o.ä. wurde abgelehnt bisher. Danke für michts, LWL-Industriemuseum Zeche Hannover! Entschuldigung, dass ich nicht blond oder,dürr oder nicht jung genug gewesen war!!!
Ich hätte,den Job,gerne gemacht. Erst recht, weil ich einen BA-Abschluss in Kulturgeschichte habe. Aber das ist ja nichts wert. Wer keine 25 mehr ist, kann die Schrott-Arbeiten machen, damit diese verdammte Gesellschaft funktioniert.
Mein Brotjob ist momentan nicht so schlecht,wie frühere. Aber er erfüllt mich nicht und ich will damit nicht sterben. Ich,will mit Rundfunkjournalismus mein Geld verdienen, verdammt noch mal.
Wer mir jetzt widerspricht, dass ich mich,selbst nicht abwerten soll:-das tue ich nicht, das machen all,die Institutionen, die mir Absagen schicken und sich für jüngere entscheiden. Alte Menschen, dazu gehören,auch Menschen über 30 oder ab,40 Jahren, sollen gefälligst die Schnauze halten und die Drecksarbeiten,erledigen. In unserer Gesellschaft herrscht ein Jugendwahn. Da nützt das beste Selbstbewusstsein nichts.

Wer mir,widerspricht, ich,solle mich nicht abwerten, der oder die soll mir mal flugs einen anständigen Volontariatsplatz besorgen. Und zwar nicht bei einem scheiß Anzeigenblatt oder Privatsender. Sondern bei einer anständigen Institution, die anständig bezahlt wie der WDR.

Weil das mit großer Wahrscheinlichkeit nicht passieren wird, weil ich zu alt -siehe der Wortlaut absurder Stellenanzeigen – bin und mein Arsch nicht blond und nicht,schlank genug ist (die Entscheider bei Personalfragen sind zu oft Männer), plädiere ich sehr für den Abgang,der gesamten Menschheit. Die Corona-Krise bietet die Möglichkei ,dazu. Irgendwann ist meine Geduld zu Ende. Denn ich nicht nicht so dumm, bis zum St. Nimmerleinstag zu warten.
Eine, sie mich damals aus,dem Campusradio Jena mit rausgeworfen hat, macht jetzt Volo bei Deutschlandfunk Kultur . Ich wünsche ihr von Herzen,eine immer offene Büchse der Pandora. Meine Bewerbung nur für ein Praktikum war nichts wert gewesen. Aber dann in ein paar Jahren jammern, dass die sogenannte Arbeiterschicht nicht bei den Journalisten* vertreten ist! IHR WIDERT MICH mit eurer akademischen Verlogenheit SO AN!!!

Beim WDR gibt es das Programm „Grenzenlos“, das Migrant-/innen ermöglichen soll, für den WDR zu arbeiten. Das ist richtig so und wichtig, denn es sollen diejenigen Medien gestalten, die auch hier leben. Dieses Land Deutschland besteht nunmal nicht nur aus weißgesichtigen, blau- und grünäugigen Menschen. Jeder Sender, jedes Medium, erst recht die öffentlich-rechtlichen, sollen, MÜSSEN solch auch ein Programm für Berufseinsteiger meiner Altersgruppe, ab 30 bis in die 40er Lebensjahre hinein auflegen! Und keine Ausreden, von wegen, man habe kein Geld dafür! Wofür werden Rundfunkgebühren bezahlt? Und dann ist die Kamera oder das Aufnahmegerät, das man benutzt, eben mal 2 Jahre alt! Klar, nach dem Tonband sehne ich mich auch nicht zurück. Ich wäre froh, mir ein gebrauchtes leisten zu können, was auch wirklich was taugt!

Ich lasse nun auch mein bisheriges Leben passieren und mir fällt viel auf, was nicht geklappt hat, was grundsätzlich falsch läuft. Die ganzen miesen Täterinnen und Täter, die mich gemobbt haben und die feigen, dummen Lehrer-/innen, deren verdammte Aufgabe es gewesen wäre, diese Täter zu bestrafen! Wenn die Corona-Krise überhaupt irgendeinen Nutzen, eine gute Folge haben soll, dann die: endlich eine Gesetzgebung, die ohne jede Verjährung alle, wirklich alle Mobbing-Taten und Sexualstraftaten ahndet! doch dafür müsste erst die CDU verboten werden, diese Partei verhinderte regelmäßig gerechtere Gesetze für die Opfer jeder Gewalt. Ich hasse die Täter-/innen bist heute. Und es ist ein Skandal, dass Menschen, die andere nachhaltig so verletzen, nicht lebenslang im Gefängnis sitzen müssen. Und doch, man sieht diese Verletzungen, auch wenn sie nicht auf der Haut oder in den Organen zu sehen sind, Ihr Pfeifen! Kein Friede mit den Täter-/innen, niemals! Ohne Sühne, ohne Bestrafung kein Friede, keine Ruhe für die Opfer!

Zum Vergleich: Kaugummidiebe* und Schwarzfahrer* werden hart bestraft, während Mobber weiterhin ihre tödlichen Straftaten verüben. Nur wenn sich dann jemand umbringt, dann geht wieder das allgemeine Gejammer los. Hört mir doch auf mit der Heuchelei! Schafft Gesetze, die diese Hunde bestrafen!!!

In dieser Gesellschaft will ich NICHT alt werden. Dann lieber vorher sterben, als von einer meist weiblichen, schlecht bezahlten, wenig gebildeten und immer grantigen Altenpflegerin rumgeschoben, gewaschen und im schlimmsten Falle wie ein Kind gefüttert werden müssen. Von den ersten Verfallserscheinungen, die schon mit Mitte 30 auftreten können (schwere Beine morgens, weil die verdammten Venenklappen nicht mehr so funktionieren, wie sie sollten) ganz zu schweigen. Nein, lassen wir es. So wichtig sind wir Menschen nicht.

Woooow, jetzt geht wieder die Beratungs-/Selbstbewusstsein-Stärken und blabla-Maschinerie los. Nein danke, hatte ich schon. Hören Sie auf, von den Opfern zu fordern, dass sie sich beraten lassen sollen! Bestrafen sie die Täter-/innen, die haben das bitter nötig! Ganz gleich, wie lange diese Taten schon zurück liegen, sie müssen geahndet werden! Stellen Sie Forderungen an die Täter-/innen, nicht an die Opfer! Die haben schon genug gelitten!

„Da müssen wir jetzt durch.“ Nein, müssen wir nicht. Ich glaube nicht mehr daran, dass manches nach der Coronakrise besser wird, dass z. B. dieser Wahnsinn der forderung nach immer mehr Wachstum endlich aufhört, dass die Politik sich endlich auf eine lebenswerte Zukunft einrichtet und den Klimawandel wirklich aktiv bekämpft. Dass dieser Autowahn im deutschen Straßenverkehr, der so vielen Menschen, nicht nur Radfahrenden, täglich Kraft, zuviel Nerven, zuviel Zeit und das Leben kostet, aufhört. Dafür müsste man die CDU als zukunftsfeindliche Partei verbieten. Das wird aber kein BVG durchgehen lassen. Allen voran unser „toller Wirtschaftsminister, der von mir meistgehaßte Politiker, der auch schon über Fridays for Future schimpfte, als ob da ein paar Teenager für billigere Pullis statt für ihre Zukunft protestieren wollten, ist ein Hauptverantwortlicher für die zukunftsfeindliche Politik in diesem Land.

Vielleicht bekommen manche Menschen jetzt mehr Geld, weil man den Wert ihrer Arbeit als Pflegekraft, Rettungsassistentin, Verkäuferin etc. endlich erkennt. Vielleicht. Ich habe meine Zweifel daran.

„Da müssen wir jetzt durch.“ Nein, müssen wir nicht. Von dem ganzen Elend der möglichen Partnerschaft, dem ewigen, sinnlosen Bangen und Hoffen will ich gar nicht reden. Nur so viel: wer sich bald 20 Jahre nicht für eine Frau interessiert, der soll einfach nur noch das Maul halten und mit Freundschaft sich zufrieden geben. Nach einer schweren Enttäuschung, die mir fast das Leben gekostet hätte (wooow, ja ich weiß, jetzt wird es wieder kitschig und so ganz schlimm unwissenschaftlich für die Technik-Verliebten, tut mir nicht leid für Euch Unverständigen), der Beobachtung der Gesellschaft und den Büchern der Soziologin Eva Illouz („Liebe im Kapitalismus“) habe ich es aufgegeben, in diesem Leben wirklcih noch Liebe zu finden. Von all den armen Schluckern, Trotteln und auch Psychopathen, die meinten, mich emotional (nicht finanziell) ausnutzen zu können, gar nicht zu reden. Die in einer Frau nur ihr Dummchen, das si in ihrer Unselbständigkeit bekocht, ihre Hure und Sozialarbeiterin ist, weil sie selbst unwillens oder unfähig sind, sich slebst um die eigenen Probleme zu kümmern. Lasst es einfach. Lassen wir es einfach. die Corona-Krise gibt uns die Chance dazu, endlich mit der menschlichen Existenz Schluss zu machen. Und zwar alle. Noch einmal umziehen (das habe ich gerade gemacht), noch einmal zur Arbeit gehen, noch einmal Freunde anrufen, noch einmal Radfahren, Musik hören… und dann geordnet alles menschliche Tun und Leben beenden. Die Radiosender stellen nach und nach ihren Betrieb ein, das Programm von DLF Kultur, was ich ein- oder zweimal während der Coronakrise gehört hatte, war grauenhaft gewesen. Kein Wunder, ohne Theater- oder Konzertaufführungen gibt es auch ncihts zu berichten. Irgendwann sind auch die Streaming-Tips nur kalter Kaffee.

Diejenigen, die nicht technikgläubig sind, können sich dann über zoom oder andere Konferenzplattformen dann bis zum Ableben aus den Büchern von Eva Illouz vorlesen, oder aus Albert Camus`“Die Pest.“ Weitere Literatur: Margarete Stokowskis „Untenrum frei“ für alle, die immer noch nicht wahrhaben wollen, dass Sexismus verboten und bestraft gehört.

Wer diese Verweigerungshaltung gegenüber der angeblich bevorstehenden Zukunft nach der Coronakrise nicht nachvollziehen kann oder will, dem empfehle ich dringend „Bartleby the Scrivener“von Herman Melville. Auch das eignet sich zum gegenseitigen Vorlesen.

Und ganz wichtig: der Soundtrack zum Abgang der Menschheit. Nur um die Kunst ist es schade, wenn der Mensch nicht mehr ist. Denn die Tiere können weder Kunst erschaffen noch deren Wert und Inhalt begreifen. Die Playlist zum Abgang der Menschheit:

  • Oscar Petersons Version von „summertime“
  • erst recht wegen enttäuschter Liebe: „Back tu black“ von Amy Winehouse
  • Weil ich nicht mehr kämpfen mag und kann: „Kapitulation“ von Tocotronic
  • Und wer es lieber „klassisch“ mag: Richard Strauss „Tod und Verendung“ (die negative Version seiner Komposition „Tod und Verklärung“, denn es gibt hier nichts zu verklären) oder die Bach-Kantate „ich habe genug“
  • und kurz vor Schluss, da darf es ruhig auch noch mal rührselig werden: der „Abendsegen“ aus der Oper „Hänsel und Gretel“ von Engelbert Humperndinck.

Wenn endlich Schluß ist mit allem menschlichen Leben, dann muss ich und alle anderen Opfer auch nicht mehr über die Mobber, über schlampige, verantwortungslose Vermieter, Idioten* im Straßenverkehr, über Psychopathen, die frei herumlaufen dürfen, ärgern. auch nicht über die widerlichen Trottel, die mich anmachen wollen und oftmals meine gerade andauernden schwachen Momente ausnutzen wollen (kein Mensch ist ständig 24 Stunden psychisch total stark und wehrhaft!) Keine Schmerzen mehr, auch nicht wegen Einsamkeit. Und vielleicht gibt es wie in Astrid Lindgrens „die Brüder Löwenherz“ eine zweite Welt, in der man die wenigen Menschen, die einen wirklich geliebt haben, die aber gewaltsam aus diesem Leben gerissen wurden und man wieder nur den Arschlöchern ausgesetzt war (Familie) wieder treffen kann. Von der christlichen Scheiße will ich gar nichts wissen, mit dem Müll musste ich aufwachsen. Ich wäre schon zufrieden, wie Demeter in den Hades hinabgehen zu dürfen, um Verstorbene treffen zu können und ihnen das sagen zu können, was im Leben nicht möglich gewesen war zu sagen.

Menschen sind nicht fähig, friedlich zusammen zu leben. Das zeigen die zahlreichen Konflikte im Nahen Osten, das Sterben auf dem Mittelmeer, bei dem zu viele europäische Regierungen nur zusehen. Das zeigte nicht nur meine Familie jeden Tag deutlich, deshalb bin ich auch mit 19 Jahren ausgezogen. Die Corona-Krise hat alle sozialen Verwerfungen und Probleme wie häusliche Gewalt, Gewalt gegen Flüchtlinge und Einsamkeit noch verschärft. Ich habe Kulturgeschichte und Soziologie studiert und abgeschlossen, mich immer wieder selbst reflektiert, um diese Gesellschaft zu begreifen und besser zurecht zu kommen. Aber es geht nicht weiter jetzt. In einer Stadt und Gesellschaft ohne den Jazzcoub domicil, ohne Sportkurs oder Chor will ich nicht leben. Nicht ein Traum ist in Erfüllung gegangen. Warum also weiter sinnlos dahin vegitieren? Ich habe keine Hoffnung mehr. Deshalb SCHLUSS JETZT. Mit der gesamten Menschheit. Ohne metaphysisch sein zu wollen: die Coronakrise könnte ein Zeichen dafür sein, genau das zu tun. Denn die Erde braucht keine Menschen.

Offener Brief an die Polizei Gladbeck und die Westdeutsche Allgemeine Zeitung Gladbeck: CM Gladbeck

Offener Brief an die Polizei Gladbeck und an die Westdeutsche allgemeine Zeitung Gladbeck (WAZ)

Betrifft: Critical Mass in Gladbeck, Vorfall am Freitag den 18. Oktober 2019

Sehr geehrte Medienvertreter-/innen, sehr Damen und Herren der Gladbecker Polizei, sehr geehrte Autofahrerinnen und Autofahrer.

Am 18. Oktober 2019 war ich aufgrund eines anderen Termins nicht bei der Critical Mass (kurz: CM) in Gladbeck mit dabei. Als langjährige Mitfahrerin verschiedener Critical-Mass-Treffen sehe ich es aber als geboten an, ein paar Hinweise zu den Aussagen der Gladbecker Polizei zu geben. Ich betone, dass ich für keine der im Text genannten Critical-Mass-Touren eine Organisatorin oder Veranstalterin bin. Ich bin nur eine der vielen Teilnehmerinnen und ADFC-Mitglied. Der ADFC ist ebenfalls nicht der Organisator von einer CM, Mitglieder des ADFC sind eben bei den Stadtrundfahrten der CM dabei.

Ich glaube, dass in dieser Sache einiges schiefläuft, was man an den Aussagen der Polizei Gladbeck  ablesen kann. Die Auswahl des Verkehrsmittels bestimmt das Denken und somit auch die Aussagen einer Person. Warum wollten Sie am 18. Oktober alle Fahrräder konfiszieren? Warum sollen nicht einmal im Monat eine Gruppe Radfahrende durch die Stadt Gladbeck fahren? (Bekanntgabe der Ereignisse durch verschiedene Teilnehmer auf der Facebook-Seite der CM Gladbeck).

 Die Tatsache, dass – scheinbar plötzlich – viele Radlerinnen und Radler auf einmal auftauchen und durch die Stadt fahren? Wenn Sie über eine größere Menge Radfahrerinnen und Radfahrer überrascht sind, warum sind Sie es nicht jeden Tag, wenn Massen von motorisierten Fahrzeugen, meist PKW, unsere Straßen verstopfen? Es mutet schon eigenartig an, dass niemand gegen diese Blechlawinen z. B. auf dem Innenstadtring von Dortmund, dem „Wall“ oder in Essen auf der Gladbecker Straße protestiert, aber wegen einer im Monat einmaligen größeren Menge an Radfahrer-/innen gleich eine Verkehrsbehinderung sieht, die sofort beseitigt werden müsse.

 Fahrräder sind Fahrzeuge, die auf der Straße fahren dürfen (§63a STVZO), solange es keine benutzungspflichtigen Radwege (blaue Schilder mit Fahrradsymbol) gibt. (Dass diese oft nicht benutzbar sind, weil sie zugeparkt oder verdreckt sind, ist bei einem „Verband“ wie der CM nicht von Bedeutung, sehr wohl aber im Alltagsverkehr, der auch Radverkehr ist). Einzige Ausnahme der Verweigerung, Fahrradfahrer-/innen auf die Straße zu lassen, könnte fehlendes Licht sein (§ 67 STVZO).

Sehr geehrte Damen und Herren von der Gladbecker Polizei. Ich habe den Eindruck, dass Sie fast ausschließlich wie Autofahrer-/innen denken und somit die Sicht eines Autofahrers auf den Stadtverkehr haben.

Dass es Ihnen ungewöhnlich, – vielleicht sogar bedrohlich, weil nicht beherrschbar – erscheint, wenn viele Radfahrer-/innen als große Gruppe unterwegs sind liegt schlicht und einfach daran, dass Sie diese Situation nicht oder kaum kennen. Deutschland ist leider unvernünftiger Weise immer noch ein Autofahrerland. Jeder Mensch, der/die etwas Ungewöhnliches, unbekanntes sieht, reagiert zuerst meist abweisend oder unsicher. Das ist an sich normal. Doch dabei darf man nicht stehen bleiben.  Der Autoverkehr hat in Deutschland immer noch einen großen Anteil, weshalb Sie wohl gewohnt darin sind, hauptsächlich diesen zu regulieren, vermute ich.

Fakt ist: in vielen Städten hat der Autoverkehr immer noch Vorrang, was zu Konflikten mit Radfahrer-/innen führt. Bei Stadtratsbeschlüssen wird viel mehr auf die Belange des Autoverkehrs Rücksicht genommen, die Radfahrerlobby hat meist nur wenig Stimmgewicht. Was nicht heißen soll, dass es das Engagement von z. B. VeloCityRuhr, dem ADFC oder der Initiative „I bike Nbg.“ nicht zu würdigen sei. Das zeigt sich schon allein daran, wieviel Platz dem motorisierten Verkehr zugestanden wird: mehrere Spuren für eine Richtung, während Radfahrende sich den wenigen Platz auf dem Bürgersteig teilen sollen.

Bereits im Juli 2019 wurde in den Medien berichtet, dass der Mensch zu verschwenderisch lebt und bereits die Ressourcen seiner Kinder aufbraucht https://www.umweltbundesamt.de/themen/earth-overshoot-day-2019-ressourcenbudget

Der Klimawandel ist unübersehbar und spürbar. Und dann wollen viele immer noch auf das Auto als innerstädtisches Verkehrsmittel setzen??

Als langjährige Mitfahrerin der Critical Mass in Nürnberg, Erfurt, Dortmund, Wuppertal und Bochum, Bottrop und Duisburg denke ich, dass es vergangenen Freitag den 18. Oktober 2019 bei der CM Gladbeck zu einigen Missverständnissen gekommen ist.

1.) Straßenverkehrsordnung:

Es ist erlaubt, auch als Radfahrerinnen und Radfahrer im Verband zu fahren (§ 27 1 StVO). Die Critical Mass bietet für manche Menschen auch die Gelegenheit, in friedlicher Atmosphäre Gleichgesinnte zu treffen, miteinander zu plaudern (vor allem vor und nach der Fahrt) und eine schöne Zeit zu erleben. Und das für umsonst. Nicht jede(r) hat das Geld, immer in eine Kneipe oder Lokal zu gehen, um Freunde zu treffen. Eine friedliche Versammlung von Menschen – mehr kann man sich als Ordnungshüterin, als Polizei doch nicht wünschen, oder? Wenn sich spontan ein Autokorso nach einem Fußballsieg bildet, ärgern Sie sich doch auch nicht und wollen diesen auflösen… zumindest konnte ich das noch nie beobachten.

2.) Entgegen Ihrer Befürchtung, es würde durch die vielen Radfahrer-/innen bei der CM zu Unfällen kommen, sind bei jeder CM Regeln zu beachten, die auch auf den Facebook-Seiten einer jeden Ankündigung deutlich genannt sind. Gegenseitige Rücksichtnahme, flüssiges Fahren und nicht quer in die Gruppe fahren, funktionierendes Licht, freundlicher Umgangston sind nur ein paar wichtige Regeln, an die sich jede(r) zu halten hat. Die CM Berlin hat dies auf http://criticalmass-berlin.org/critical-mass/verhaltensregeln/

gut zusammengefasst. Diese Regeln gelten für alle CMs auf der Welt.

 Wer Regeln nicht befolgt, wird meist sofort von anderen Mitfahrenden gerügt, ggf. sogar ausgeschlossen. Dies alles schließt eine besondere Rücksichtnahme für Kinder ein. Es ist deshalb nicht unverantwortlich, seine Kinder mit zur CM zu nehmen. Bei der CM in Dortmund konnte ich außerdem beobachten, dass die CM Einsatzfahrzeugen mit Blaulicht sofort Platz machte, damit sie zu ihrem Einsatz (der nicht die CM betraf) fahren konnten. Das Martinshorn ist schließlich nicht zu überhören: diejenigen, die es zuerst hören, informieren durch lautes Rufen sofort die anderen Teilnehmer-/innen, so dass alle Radfahrer/-innen hintereinanderfahren und eine lange Reihe bilden, an der jedes Einsatzfahrzeug schnell vorbeifahren kann.

Idioten gibt es überall und immer, nirgends gibt es keine ‚perfekt‘ funktionierende Gruppe. Weder bei Radfahrenden, noch bei Brillenträgern, bei Sportler-/innen oder auch Musiker-/innen etc. Bei der CM Wuppertal fuhr mir auch mal ein Radler quer durchs Feld vor mein Rad, ohne dass dafür ein Grund gegeben hätte. Ich habe ihn sofort zur Rede gestellt – da war er plötzlich ganz still. Wer z. B. Bei der Critical Mass Nürnberg kein Licht hat, darf gar nicht mitfahren.

Jeden Tag stauen sich Massen von Autos, die auch noch die Luft verschmutzen und stinken, auf den Straßen einer Stadt.Und wenn einmal im Monat eine Masse von Radlerinnen und Radlern durch die Stadt fährt, zeigen Sie sich entsetzt?

Warum sind Sie nicht entsetzt, wenn jeden Tag Massen von Autos durch die Stadt rollen oder besser – meist nur rumstehen, weil es aufgrund des Staus minutenlang (und länger) nicht weitergeht?

Die CM Dortmund in der Fußgängerzone, wo ab 20 Uhr Radfahren erlaubt ist. Und so gut sichtbar! Foto: A. Steger

3.) Hauptgrund für Unfälle mit Radfahrern: fehlende Infrastruktur und Autofahrer-Denken

Ich bin mir sicher, dass die Mehrzahl der CM-Teilnehmerinnen und Teilnehmer genau wie Sie als Polizei an einem störungsfreien Straßenverkehr interessiert sind. Das heißt: jede/r Radfahrer-/in möchte sicher unterwegs sein in der Stadt. Sicher als Radfahrer-/in unterwegs sein ist nur möglich, wenn es eine gute Radinfrastruktur gibt.

Ja, Sie haben richtig gelesen: eine INFRASTRUKTUR FÜR RADFAHRERinnen. Damit sind nicht nur Radwege gemeint (Nur ein paar Tips für eine gute Gestaltung: http://www.adfc.de/verkehr–recht/radverkehr-gestalten/uebersicht-radverkehr-gestalten) . Seltsam, dass bei Stadtratsberatungen und -beschlüssen so gut wie immer an die Bedürfnisse des Autoverkehrs gedacht wird. Der Radfahrer stört im Stadtverkehr dann nur – klar! Weil er nicht bei der Planung berücksichtigt wurde, muss er eben auf der Straße fahren, über Fußgängerüberwege fahren, gefährliche Kreuzungen nehmen, dem Autofahrer scheinbar „im Weg sein“, unfreiwillig im „Toten Winkel“ stehen, will er oder sie seinen gewünschten Weg zur Arbeit u.a. zurücklegen. Zum „Toten Winkel“, den es eigentlich nicht mehr geben müsste, finden Sie am Ende des Briefs ebenfalls noch Informationen.

Die Critical Mass weist allein durch ihre Präsenz auf die fehlende Infrastruktur hin. Auch wenn die Nürnberger Polizei von „Verkehrsbehinderung in ihrem Bericht spricht (S. 111 von: https://www.polizei.bayern.de/content/4/3/7/4/5/sicherheitsbericht_2018.pdf ), beschreibt sie die Critical Mass Nürnberg als störungsfrei. Ihre Nürnberger Kolleginnen und Kollegen sind übrigens zumindest auf Motorrädern dabei, Ihre Kölner Koll. Mit Fahrrädern, letzteres stärkt die Glaubwürdigkeit und auch ein Stück Vertrauen in Sie als Behörde. Und das können Sie sich von den Bürgerinnen und Bürgern schließlich nur wünschen. Rufen Sie die Polizei Mittelfranken in Nürnberg gerne an: sie kommt mit tausenden von Fahrradfahrer-/innen auf einmal gut zurecht ( : https://www.br.de/nachrichten/bayern/rekordbeteiligung-bei-fahrrad-demo-in-nuernberg,QqVGXuy ). ( https://www.polizei.bayern.de/?uigmd=N%C3%BCrnberg&gdts=564000001&gmds=564000&gmdklartext=90403%20N%C3%BCrnberg )

  Dass die Autofahrer-/innen sich durch die CM gestört fühlen, ist dabei völlig klar und auch beabsichtigt: einmal im Monat er-fahren Autofahrer-/innen wie es ist, ausgebremst und blockiert zu werden. So wie es Radfahrer-/innen jeden Tag im Stadtverkehr geht. Ich habe bei Mitfahrten in verschiedenen Städten beobachtet, dass Radfahrer-/innen, die den zügigen Fluss von Radfahrern an Kreuzungen sichern, indem sie sich vor die Autos stellen („corken“), dass sie das höfliche Gespräch mit Autofahrern suchten. Anfauchen oder Anschreien von Autofahrern widerspricht den Regeln einer jeden CM.

Sicherer Radverkehr braucht eine radfahrfreundliche Infrastruktur, die u. a. Der Allgemeine Deutsche Fahrradclub = ADFC immer wieder fordert und darüber informiert. Außerdem braucht es bei der Polizei und vielen Bürgerinnen und Bürgern ein Umdenken, dass Radfahren nicht nur etwas für den Sonntagsausflug ist. Das Fahrrad ist ein gleichberechtigtes Verkehrsmittel zum Auto, mit dem man zur Arbeit fährt, zum Einkaufen, zu Freizeitaktivitäten – eben was viele auch mit dem Auto machen. Erst wenn man nicht nur wie ein Autofahrer denkt, sondern auch mal vom Fahrrad aus durch die Stadt fährt, versteht man die Bedürfnisse der Radfahrer.  Auto als Statussymbol? – das war einmal, das kenne ich noch von meinem Vater; der war Jahrgang 1942. Nur in den 1950er Jahren galt jemand arm, der Rad fuhr. Mit dem Angebot an guten (und auch hochpreisigen, qualitativ sehr guten Rädern) sollte dieses Denken im Jahr 2019 eigentlich endlich Schluss sein. Erst recht in einer Zeit, in der Umdenken sehr nottut, weil der Klimawandel unsere Lebensgrundlagen bedroht. Sie möchten auch nicht, dass Ihre Enkel oder die Kinder Ihrer Enkel im Bunker aufwachsen müssen.

Wenn eine gute Infrastruktur vorhanden ist und das Denken nicht auf das Auto mehr beschränkt ist, fühlen sich alle Verkehrsteilnehmer-/innen sicher – und es gibt weniger Unfälle.

Tip: fragen Sie doch mal bei der Polizei in den Niederlanden (so weit ist das von NRW aus ja nicht) oder Kopenhagen nach. Die muss jeden Tag mit einer Masse von Fahrradfahrerinnen und Fahrradfahrern fertig werden. Konflikte, Ärger und Unfälle nicht ausgeschlossen. Sind eben alles Menschen, die auf den Sätteln sitzen. Aber es funktioniert – weil die Niederländer-/innen und Dän-/innen rechtzeitig, also schon vor Jahren mit dem Umdenken angefangen haben. In den Niederlanden waren es zu viele tote Kinder im Straßenverkehr, die zu massiven Protesten der Bevölkerung gegen die Stärke und empfundene Übermacht des motorisierten Verkehrs zu einem Umdenken geführt haben.

Ein belgischer, aus Nordbayern stammender Stadtplaner hat seine Projekte in einem sehr informativen Vortrag vorgestellt. Vor allem sein Konzept „rundum Grün“ zeigt, dass es nicht mehr Unfälle gibt, weil es mehr Radfahrende auf den Straßen gibt. Die Stadtverwaltungen haben seine Vorschläge nach anfänglicher Kritik als gut befunden: https://www.nordstadtblogger.de/wenn-die-stadt-fuer-menschen-statt-autos-gebaut-ist-stefan-bendiks-ueber-innovative-mobilitaetskonzepte-der-zukunft/

In beiden Ländern, den Niederlanden und Dänemark gilt: Nicht komplett gegen das Auto – aber mit dem Fahrrad als völlig gleichberechtigtes Verkehrsmittel im Stadtverkehr. Deutsche Autofahrer-/innen müssen lernen, mit Radfahrenden zu rechnen: sei es, wenn sie abbiegen wollen, die Autotür öffnen, die Spur wechseln etc. Nur so kann ein gutes Miteinander gelingen: durch Anerkennung des Radverkehrs, nicht durch das Tragen von Warnwesten und Helmen. Beide Maßnahmen können die/den einzelnen mehr Sicherheitsgefühl geben – aber Sicherheit bieten sie nachweislich nicht – das geschieht nur durch Anerkennung von Radfahrenden als gleichberechtigte Verkehrsteilnehmer-/innen.

Auf weiterhin friedliche und fröhliche CMs freut sich

Mit freundlichem Fahrradgeklingel

Angelika Steger

Quellen:

Verbände: § 27 StVO: https://www.gesetze-im-internet.de/stvo_2013/__27.html

Zulassung von Fahrrädern auf der Straße § 67 StVZO https://www.gesetze-im-internet.de/stvzo_2012/__67.html

Weiterführende Informationen:

Mobilität von gestern - und heute. Foto: A. Steger
Mobilität von gestern und heute. Foto: A. Steger

Da FEHLT WAS! Zum Jubiläum des Grundgesetzes.

Das Recht zu sprechen nach Artikel 5 Grundgesetz - aber gibt es auch ein Recht auf Gehört-Werden?

Im Jahr 2019 wird das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland 70 Jahre alt. Sicher ein Grund zum Feiern, dennoch ist immer Aufmerksamkeit geboten: zuviele Kräfte gibt es, die die Grundrechte einschränken oder gar abschaffen wollen. Das Grundrecht auf Asyl wurde in den 1990er Jahren abgeschafft. Die Gleichberechtigung von allen Geschlechtern ist immer noch nicht hergestellt, auch dank alter weißer Männer, die vorzugsweise in der cdu sitzen. Die verfassungsfeindlichen Kräfte behaupten auch gern, dass sie selbst in ihrer Meinungsfreiheit eingeschränkt werden. Allerdings ist es keine Meinung, wenn man gegen Gruppen von Menschen hetzt, diese beschimpft und beleidigt, obwohl sie ihnen so gar nichts an Schaden zugefügt haben. Hass auf MigrantInnen, auf Juden, auf Homosexuelle und alle, die anders sind als die heterosexuelle weiße Masse (auf Deutschland bezogen) ist deshalb einfach nur absurd und sinnlos. Leider gibt es immer wieder Leute denen man erklären muss, dass kein einziger Ausländer/keine Ausländerin einem Deutschen den Arbeitsplatz wegnimmt oder „zuviel Geld verdient.“

Beim Artikel 5 des Grundgesetzes fehlt etwas. Zwar gibt es das Recht auf Meinungsäußerung in Bild, Ton und Schrift, aber nicht das Recht, auch gehört zu werden. Denn was nützt das Schreiben, das Zeichnen und Rufen oder Schreien, wenn niemand zuhört? Mitmenschen, die nicht gehört werden und zu kurz kommen, können auch schon mal kräftig nerven. Meine Gedanken zu diesem Artikel 5.x GG habe ich der Aktion vom Deutschlandfunk „Mein Grundgesetz“ auf den Anrufbeantworter gesprochen.

Da mein Statement zu Artikel 5.x GG nicht gesendet wurde, veröffentliche ich den Text hier auf meinem Blog. WAS FEHLT: das Recht GEHÖRT ZU WERDEN.

Wo geht´s in Zukunft hin, Grundgesetz?
Wo geht´s in Zukunft hin, Grundgesetz?

Im Artikel 5 Grundgesetz fehlt etwas: das Recht, gehört zu werden. Es gibt zu viele Menschen, denen niemand zuhört. Die müssen nicht obdachlos sein, es können Menschen ohne Verwandtschaft sein oder mit verschiedenen Problemen. Alle sind sie einsam. Das sind Menschen mit z.B. Alkoholsucht oder mit leichten Behinderungen wie der Verhaltensstörung Asperger. Oder U-Bahnfahrgäste, die ungefragt mir ihr Leid erzählen. Oftmals hören sie gar nicht mehr auf damit. Ich frage mich dann: was soll ich damit? Warum halten die eine fremde Frau für ihre Ehefrau, Freundin oder gar für ihre Mutter?

 Einerseits sind es arme Menschen, aber sie nerven auch gewaltig. Manche werden auch übergriffig oder weinen beim Friseur, weil es niemanden gibt, die oder der sie in den Arm nimmt. Hier müsste es dringend staatliche Institutionen abseits der Kirche geben, die solchen Menschen Gehör gibt – für das Recht, gehört zu werden. Es geht dabei nicht um Prostitution, um Geschlechtsverkehr, sondern um Zuhören, Berührungen wie Nähe und Umarmen z. B. Das muss eine Leistung der Krankenkasse werden. Bisher bieten nur private Firmen solche Dienstleistungen an, ein Besuch eines solchen Sozialarbeiters oder Sozialarbeiterin kostet mehrere hundert Euro. Das kann sich kaum ein einsamer Mensch leisten. Denn auch wenn es lächerlich wirkt, wenn jemand auf dem Marktplatz oder in der U-Bahn von ihrer oder seiner Krankheit oder Wut über Ungerechtigkeit erzählt, steht meistens ein Schicksal, ein Mensch dahinter.  Die britische Regierung hat bereits eine Institution gegen Einsamkeit geschaffen. Das ist richtig so. Soziale Kontakte sind auch wichtig für die gesamte Gesundheit, das wird leider in Deutschland vernachlässigt.

Mit einem Schiff durch die Landschaft

Es ist schon lustig, wie verschieden Lastenräder sein können. Dass diese Art von Rädern keine Nerd-Späßchen wie z. B. Scooter-Räder, die keinen echten Nutzen haben, sind, beweist u.a. der Blog „Ohne Auto im Alltag“ sowie zahlreiche Initiativen, die Lastenräder zu günstigen Konditionen verleihen: z. B. VeloCityRuhr in Dortmund, in Essen ELA und der ADFC Unna mit ELLA und ULF. Mit ELLA hatte ich zu Wochenbeginn keinen Erfolg. Vorne zwei Räder, dazwischen die Ladefläche, hinten das einzelne Rad. Dreirädrige Liegeräder bin ich schon gefahren gewesen. Allerdings war ELLA auch mit meiner inzwischen schon jahrelangen Fahrpraxis für Lastenräder kaum zu fahren. Da half auch die E-Motor-Unterstützung nichts. Vorne schwer zu lenken und kaum unter Kontrolle zu halten, wackelte der hintere Teil wie ein Kuhschwanz. Fast schon magisch schienen die parkenden Blechkisten das Rad anziehen zu wollen.

Hier ein Bild von ELLA: https://adfc-kreis-unna.de/ausleihe/cb-items/ella-unser-elektrisches-luener-lastenrad/

Ich versuchte immer wieder, zu starten. Nach sagenhaften 1,2 km gab ich auf und gab dieses Lastenrad wieder am Lünener Hauptbahnhof zurück. Sehr schade. Ich war enttäuscht, hatte ich mich doch auf eine kleine Radtour zurück nach Dortmund gefreut. Der Mechaniker hatte mir sogar noch den Leezepatt empfohlen gehabt. Doch daraus wurde nichts. Fast hätte ich mir spontan eines der kostenpflichtigen anderen Räder ausgeliehen, aber das war nicht der Sinn der Sache. Außerdem hätte ich auch dieses Rad wieder zurückbringen müssen, wofür ich keine Zeit gehabt hätte.

Man könnte denken, dass sich Lasten mit einem zweispurigen, weil dreirädrigen Rad leichter transportieren lassen. Aber dem ist nicht so. Beim Fahrverhalten von ELLA fühlte ich mich stark an die Christiania erinnert, die ich auch mal versucht hatte, zu fahren: auch bei der Ch. befindet sich die Ladefläche zwischen den beiden Vorderrädern, der Lenker ist eine gerade Stange, wie ein Treppengeländer verläuft die Lenkerstange vor der Ladefläche. Respekt für die und den, die oder der so ein Ding fahren kann! Hier ein Bild des Modells „Christiania“, die im Dortmunder Verleih „Rudolf“ – eigentlich Rudolfine – heißen müßte. 😉

Der ADFC Unna hat aber nicht nur ein Lastenrad in seinem Verleih-Angebot. Ein Einspurer ist auch zu haben: UNser LastenFahrrad, kurz ULF. Am selben Tag, an dem ich wegen dem Rad ELLA so betrübt und enttäuscht gewesen war, buchte ich den ULF. Am Valentinstag holte ich das Rad dann ab; dank komoot war die Suche nach dem richtigen Weg einfach. Inzwischen bin ich sehr froh über dieses elektronische Navigationssystem, weil die Planung doch schneller geht als mit der Papierkarte. Letztere haben aber einen entscheidenden Vorteil: ihre Akkulaufzeit ist unschlagbar (zugegeben, mit den Updates dauert es immer etwas länger… ). Als „Backup“ habe ich immer noch die ADFC-Papierkarten mit dabei. Da es sich beim Ausleihort in Unna-Massen um ein Randgebiet der Stadt handelt, war der Weg gar nicht so weit, wie ich zuerst vermutet hatte. 13 km Wegstrecke, nach einer Stunde war ich bei „Electric Ride“ angekommen und wurde freundlich empfangen. Allerdings, ULF ist eins der wenigen nicht-elektrisch betriebenen Pferde in diesem Fahrradladen.

Und los ging´s… nach einem Stück Landstraße entlang der Felder.

Das Lastenrad ULF vom ADFC Unna.

Nebenan gibt es erst mal Mittagessen…

Schafherde beim Mittagessen auf der Weide bei Unna-Massen.
Määäh! Aber beim Essen ist es ganz stille…



  • Zugegeben, der Spiegel ist etwas spießig und den braucht auch niemand. Aber bei einem kostenlosen Leihrad motzt man nicht… abgesehen davon, dass er für die Katz ist. Ich sah darin nicht das, was man darin erkennen hätte sollen: nämlich das, was hinter dem eigenen Rücken liegt.

Der Ulf, ein niederländisches Modell von der Art „Bakfiets“, verhält sich gemächlicher und rollt langsamer als das Bullitt von Larry vs. Harry. Damit man auch mit dem Bakfiets, wörtlich übersetzt das „Wannenrad“ aber nicht baden geht, muß man Geduld haben. In die Kurve legen geht schon, aber wirklich schnell fahren kann man mit ULF nicht. Auch der Ständer unter der „bak“, der Wanne = der Lastenfläche ist etwas umständlicher zu handhaben als der vom Bullitt. Dafür ist es sehr verläßlich, auch wenn mal unvorhergesehen Hindernisse kommen, z. B. Steine aus der Wegoberfläche ragen, über die man dann drüber fahren muss. Oder eine Kurve, auf die ein Weg mit nicht ganz abgesenktem Bordstein folgt. Das alles schluckt dieses Rad, ohne zu murren. Außerdem macht die stufenlose NaVinci-Schaltung der Rohloff wirklcih Konkurrenz – auch wenn eingefleischte Rohloff-Fans mit Sicherheit was anderes behaupten 😉

Zuerst durch Dortmund-Kurl und nicht wie zuerst angenommen durch Kamen-Methler oder Wickede ging die Route auf den Körnebachradweg entlang der Bahnlinie Dortmund<>Hamm. Bei für den Februar nciht normalen Temperaturen von ca. 15 und mehr Grad Celsius zwitscherten die Vögel im Gebüsch am Wegesrand, als ob schon Frühling wäre. Ich war immer noch auf Winter eingestellt und das „bakfiets“ durfte als erste Ladung immer mehr Kleidungsstücke tragen, die mir zu warm geworden waren.


Auffällig ist die Ähnlichkeit zum sogenannten „Hollandrad.‘

Am Bahnhof Dortmund-Scharnhorst mußten die Gleise überquert werden. Auch wegen der Kurven auf dem Brückenzugang keine leichte Aufgabe, darauf zu fahren… nun, schieben ist auch keine Schande…

Der Bahnübergang am Bahnhof Do-Scharnhorst.

Kurz nach der Brücke verkündete ein Wegweiser, dass es nur noch 4,1 km bis zum Borsigplatz seien. Juhu, dachte ich mir… doch kurz darauf gab es keinen Weg mehr, nur noch Morast.

Das Baustellenschild besagt, dass der Lippeverband hier etwas baut.

Weit und breit war kein Mensch zu sehen, die Maschinen standen still. Rad und Mensch wurden unnötig dreckig. Hallo, ich bin hier nicht mit dem Downhill-Rad unterwegs! Später erfuhr ich dank eines Bekannten, dass hier tatsächlich ein Weg gebaut werden würde (sonst müßte man durch das Bahnbetriebsgelände mit den Schienen und abgestellten Zügen fahren). Bereits Ende 2018 sollte dieser Weg zwischen Scharnhorst Bahnhof und Wambel Gewerbegebiet fertig sein, jetzt ist der 31. März 2019 anberaumt. Zwar war der Morast nach ca. 200 m wieder zu Ende, doch auf dem nun wieder asphaltierten Weg mussten laange Brombeeranken den Weg versperren. Ich hatte am Bahnhof Scharnhorst kein Umleitungsschild gesehen gehabt, erst auf den Rat meines Bekannten hin fand ich bei der Rückfahrt, als ich später das Rad wieder abgab, die Umleitung.

Dann endlcih am Borsigplatz angekommen… und gleich zur Arbeit gefahren. 1 Stunde Wegzeit, die mir länger erschienen war, lag nun hinter mir.

Der Borsigplatz Dortmund. Seltsamerweise nicht so beliebt in Gelsenkirchen…

3 Tage hatte ich Ulf ausgeliehen und er hat viel erlebt. Ich fuhr mit diesem Lastenrad zur Arbeit, ca. 3 km einfache Wegstrecke. Die Kollegen staunten nicht schlecht, erst recht, weil ich den Weg von, bzw. nach Unna auf mich genommen hatte. Und der Architekt, der im selben Haus wie wir arbeitet, bekam auch Lust, das Rad auszuprobieren, auch mit Hund. Allerdings war der Vierbeiner, sonst eine freundliche Schmuserin, nicht so begeistert, was ihr Herrchen da veranstaltete… ich hatte bis zu diesem ZEitpunkt auch angenommen gehabt, dass die Plane vorne fest montiert sei. Das hat den Hund wohl gestört, dass sie nicht immer frei ihren Kopf in die Höhe recken hatte können. Aus Hundesicht verständlich. Nur hinten ist ein Fensterchen, wo man die Regenfolie aufrollen kann.

Aufgerollte Regenfolie hinten, unter dem Lenker.

Das Schöne am Lastenrad-Fahren ist, dass man mehr Aufmerksamkeit von anderen Verkehrsteilnehmern* bekommt. Dieses Rad fällt durch seine ERscheinung mehr auf. Manche Passanten* fragen, ob man damit auch Kinder mitnehmen kann. Ja, beim Bakfiets von VanAnden gibt es ein schmales Bänkchen in der Wanne, das ich allerdings immer hochgeklappt hatte, weil ich ausschließlich Dinge transportierte. Im folgenden war das Altglas und jede Menge Leergut.

ULF beladen mit einem leeren Bierkasten, Altglas, Altpapier.

…und wieder ein Aufgschau vor dem Getränkemarkt 😀 Das erste Cabrio hatte ich auch gesichtet. Seltsam. Ich fahre das ganze Jahr über Cabrio.

Über die Biermarke lässt sich streiten, aber nicht über die Mobilität in der Stadt!

Bei 19 Grad Celsisus, die inzwischen das Thermometer anzeigte, kommt man ganz schön ins Schwitzen, wenn man Lastenrad fährt. Der Bierkasten wieder voll und die Körbe und Taschen wieder leer von den Pfandflaschen, war ich froh, zur Arbeit radeln zu können. Wenn auch nicht ganz so flott und wendig wie mit dem Bullitt. Was schon bemerkenswert ist: die durch den hohen Lenker verursachte aufrechte Sitzposition hat fast was majestätisches. Demnächst also bitte ein Modell mit dem niederländischen Königswappen vorne dran ausliefern, verehrter Hersteller vanAnden… 😉

Abends, der 3. Freitag im Monat war es, wäre ich fast bei der CM Dortmund mitgefahren. Allerdings ging ein Pressetermin vor: die Premiere des Theaterstücks „Hedda Gabler“ von Henrik Ibsen am Schauspielhaus Dortmund. Nun, dann geht ULF mit mir eben ins Theater… Premierenkritik folgt auf http://www.nordstadtblogger.de .

Der ULF vor dem Schauspielhaus Dortmund.
Der ULF vor dem Schauspielhaus Dortmund.

Und hehe, ich passe noch in diese Parklücke! Sehr gut sogar, ohne dass ich mir die Tür ramme! 😀

Der ULF in einer Parklücke bei wilder Autoparkerei.
Der ULF in einer Parklücke bei wilder Autoparkerei.

Freitag nachmittag ist gefühlt noch mehr los auf den Straßen in und um die Innenstadt herum. Einmal flog mir fast die Plane weg, ich mußte anhalten, was aber kein Problem war, selbst die Autofahrer* hupten nicht… wohl auch, weil ich den eigentlich unnützen Radstreifen am Borsigplatz benutzte. Es gibt dort eine extra Ampelschaltung für Radfahrende, aber kein blaues Schild dass dieser lächerliche Streifen und Holperpiste benutzungspflichtig wäre. Sowas gibt es auch nur in Deutschland – hust*.

Was mir mit und ohne Lastenrad Angst macht, sind diese Massen an Autos. Verkehrswende ? Klimawandel? #FridaysForFuture, schon mal was davon gehört? Diese Autofahrer* offensichtlich nciht. Vor einer Zukunft, in der sich das Mobilitätsverhalten nciht ändern wird, graust mir. Angesichts dieser Blechmassen ist jede Fahrt mit dem RAd und Lastenrad eine Dmeonstration für eine bessere Zukunft. Klingt überzogen pathetisch, ist aber wahr, weil Fahrräder kein CO2 ausstoßen.

nur eine der vollgestopften Routen Richtung Borsigplatz.
nur eine der vollgestopften Routen Richtung Borsigplatz.

Nur ein paar hundert Meter weiter, in eine enge Gasse abgebogen, zwischen einem Schrebergarten-Häuschen und verfallenem Industriegelände, hat man erst mal Ruhe vom Verkehrslärm. Die Graffiti an den Wänden gehören zu einer Galerie, um diesen Teil der Weißenburger Straße, zu dem auch die Mauer vom RWE-Gelände gehört, zu verschönern. Diese Sprayereien sind also legal und durchaus sehenswert, es muß nicht immer alles gefallen.

Der ULF vor der Galerie in der Weißenburger Straße Dortmund.
Der ULF vor der Galerie in der Weißenburger Straße Dortmund.

FAZIT: So sportlich wie das Bullitt fährt sich ULF nicht, aber er ist mindest so verläßlich. So schnell haut dieses Rad nichts aus der Spur…. der extrem niedrige Einstieg ist ein Komfort-Plus (wobei die verminderte Höhe der Querstange im Rahmen eines KARGON oder Riese&Müller-Lastenrades auch ausreichend ist). Beim Bullitt heißt es immer erst einmal einen halben Can-Can tanzen, während man Jaques Offenbach im Ohr hat. Die Regenhaube ist auch nicht verkehrt, wenn sie am „bakfiets“ angebracht ist. Die NaVinci-Schaltung ist sehr zu empfehlen, weil man beim Anfahren an der Ampel oder am Hang stehend keinen Streß mehr hat. Für starke Steigungen ist ULF aber nichts, das Bullitt auch nicht wirklich, wenn es auch leichter zu fahren ist. Wer in meiner alten Heimat Nürnberg wohnt, der oder dem sei diese Rad trotz des günstigen Preises – im Vergleich zum Bullitt- nicht empfohlen.

Was nicht nachvollziehbar ist, ist die hohe Lenkerposition. Was bei einer Gazelle, also einem Hollandrad als angenehm empfunden werden mag, stört beim Lastenrad auf Dauer. Das Gesamtgewicht ist größer, weshalb ich immer einen 2. Menschen brauchte, um ULF in den Flur des Wohnhauses zu heben, um ihn nachts sicher zu verwahren. Das Bullitt habe ich, wenn auch mit Anstrengung, allein ins Haus geschafft. Wenn man länger mit dem ULF fährt, also mehr als 20 Streckenkilometer am Stück, kann man schon mal matte Arme bekommen. Oder ist es auch eine Gewohnheitssache? Nach 3 Tagen Bullitt-Fahren weiß ich auch, was ich getan habe. Nach meiner allerersten Bullitt-Fahrt hatten mir ordentlich die Arme weh getan. Dennoch werde ich ULF gerne wieder ausleihen, weil er ein verläßlicher Partner ist, mit dem man sicher Lasten transportieren kann.

EletricRide in Unna-Massen. Hier kann man ULF ausleihen.

Danke an den ADFC Unna für die Bereitstellung von ULF, UNserem LastenFahrrad! 🙂 HIER kann man ULF ausleihen. EletricRide ist auch gut mit der S-Bahn und Bus R54 zu erreichen.

Die komoot-Routen von Dortmund nach Unna – 1. Link und zurück, 2. Link:

https://www.komoot.de/tour/56552377

https://www.komoot.de/tour/56552376

Gerne werde ich wieder damit fahren, auch bei 13 km Anfahrtweg. Lustig wird es dann, wenn man vom Lastenrad wieder auf sein ’normales‘ Rad umsteigt… um vom Fleck zu kommen nach der Rückgabe von ULF, hatte ich mir mein Faltrad mitgenommen in dem „Bakfiets.“ Das ist eben das Geniale am Lastenrad, dass man sich sogar ein 2. Rad ohne Probleme mitnehmen kann! Ich hatte nicht nur einen leicht wackelnden Lenker, auch hatte ich dauerend das Gefühl, dass alles zu leicht ginge und doch was fehle… klar, ein Lastenrad lenkt sich immer schwerer, weil es im Gesamten schwerer ist.

Nach Rückgabe von ULF muss man irgendwie nach Hause kommen. Mit dem Faltrad.


Das Geschäft mit dem Sex ist verpönt – doch es läuft. Über ein verschwiegenes und verspottetes Phänomen in der Gesellschaft

Am Mittwoch abend, den 26. September 2018 lud die Mitternachtsmission zu einer Diskussionsrunde ein. Ort und Teilnehmer-/innen waren ungewöhnlich: es wurde in einer Kirche auch mit einem Prostitutionskunden und 2 Prostituierten diskutiert. Die Mitarbeiterinnen der Mitternachtsmission und der ehemalige Leiter der „Sitte“, der für das Rotlichtmilieu zuständigen Behörde gaben Ihre Erfahrungen an das Publikum weiter.

Interessant zu beobachten: Als Leser oder Leserin von Online-Nachrichten erfuhr man auf

https://www.nordstadtblogger.de/alles-nutten-oder-was-ehemaliger-chef-der-sitte-diskutiert-in-petri-kirche-ueber-die-situation-von-prostituierten/

von dieser Veranstaltung.

Auf der Seite http://www.dortmund.de wird man nur nach längerem Suchen fündig, in der Broschüre „FrauenTermineDortmund“, jedoch nicht bei den Veranstaltungsankündigungen.

Prostitution ist immer noch ein Thema, das polarisiert. Prostituierte werden in der Gesellschaft als minderwertige Menschen betrachtet und beschimpft. Bei manchen Diskussionsteilnehmern, auch auf dem Podium schien immer noch eine Unsicherheit zu existieren, das Thema wirklich anzusprechen: wenn man von „Arbeit“ spricht, kann man auch gleich klar sagen, was diese „Arbeit“ ist: eben Sex  die Befriedigung für den Kunden.  Der geladene Kunde auf dem Podium trug eine Maske, die beiden Prostituierten Perücken und Sonnenbrillen. Was einige Diskusssionsteilnehmerinnen bewegte: warum macht man diesen „Job“ überhaupt?

Zunächst wurde klar gestellt: es geht hier um eine freiwillige Tätigkeit. Auf Nachfrage wurde aber klar, dass es bei einer der beiden Prostiuierten noch einen anderen, wichtigeren Grund hatte: sie ist vor etwa 10 Jahren mit anderen Landsleuten nach Deutschland gekommen. In Rumänien herrsche bis heute Perspektivlosigkeit. Die deutschen Gesetze hatten es ihr damals verboten, einer Arbeit als z. B. als Verkäuferin nachzugehen. So hat sie sich für die Prostitution entscheiden (müssen), seit 7 Jahren übt sie diesen Beruf (der als solches nicht anerkannt ist), aus.

Das macht betroffen, dass eine Gesetzeslage Frauen ohne deutsche Staatsangehörigkeit keine andere Arbeit als die im Rotlichtmilieu möglich macht. Prostitution ist kein Problem der Damen, die diese ausüben, sondern: es ist ein gesellschaftliches Problem.

Dies ist ein weiterer Kritikpunkt: Prostitution ist nicht als Beruf anerkannt, die Damen sind nicht sozial- und krankenversichert wie andere Arbeitnehmer, wie ein DGB-Mitglied und Diskussionsteilnehmer sagte. Wenn doch die Nachfrage nach Sex nie stagniert oder gar einbricht, warum wird Prostitution nicht als eigenes Berufsfeld anerkannt? Man muß die Prostitution nicht gut finden, aber man kann ihre Existenz nicht leugnen. Warum gehen vor allem Männer zu Frauen, die ihnen Sex (u.a.) anbieten? Der Prostitutionskunde am Podium meinte, dass er mit den Damen auch vertrauliche, intime Gespräche führen könne und seine sexuellen Wünsche ausleben würde. Nach der Diskussion konnte ich mit einer Mitarbeiterin der Mitternachtsmission noch näher darüber sprechen. Die Prostituierten würden den Freiern sexuelle Wünsche erfüllen, die sie ihren Partnerinnen gegenüber nicht unbedingt äußern trauen würden – und diese würden auch diese sexuellen Praktiken möglicherweise gar nicht mitmachen. Und oft genug geht es nicht mal um Geschlechtsverkehr: „Der Mann erzählt der Prostituierten – ja ich habe meinem Chef doch gesagt, dass das nicht geht. Dem habe ich die Meinung gesagt! – Die Ehefrau weiß, dass das nicht stimmt, weil er sich das nicht traut. Aber die Prostiuierte lobt ihn dann und sagt „das hast du richtig gemacht.“ Aha, interessanter Punkt. Männer suchen hier also eine Bestätigung für sich selbst, die sie offensichtlich woanders nicht bekommen. Prostitution ist also nicht das reine Problem der Frauen, sondern eine Art Reaktion, „Problemlösung“ für partnerschaftliche Konflikte.

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Nur nebenbei waren auch männliche Prostituierte, die von Frauen gekauft werden, ein Thema bei diesem Gesprächsabend. Die Mitarbeiterin der Mitternachtsmission sagte dazu leicht scherzend: „Ich wäre da zu geizig. Die Männer wollen da oft noch vorher essen gehen, da kann man als Freierin schon mal auf 300€ kommen.“

Die Tatsache, dass Prostitution erlaubt und von den Behörden auf Hygienebestimmungen etc. regelmäßig kontrolliert wird heißt natürlich nicht, dass die Prostituierten ihre Arbeit (immer) unbedingt gern machen.  Und reine Freiwilligkeit war es auch nicht, wie eine der beiden Damen ihren Einstieg ins Rotlichtmilieu beschrieben hatte – aber eben auch keine Zwangsprostitution.  Zweifelsohne geht die Arbeit als Prostituierte an niemandem in dieser Szene spurlos vorüber. Aber deshalb verbieten? Eine einfache Antwort darauf gibt es nicht.

Eine Gesprächsteilnehmerin, Mitglied der Organisation von „Terre de femmes“ kritisierte die Prostitution scharf. Männer würden Frauen kaufen, Prostitution verletze und zerstöre Frauen, es sei reine Gewalt an Frauen. Dabei machte sie keinen Unterschied zwischen Freiwilligkeit und Zwang zur Prostitution. Die Terre-de-femmes-Vertreterin sprach sich für das „nordische Modell“ aus. In Schweden ist Prostitution per Gesetz verboten. Im Gespräch danach sagte Rainer Minzel dazu: „ich weiß nicht, wie die in Schweden das nun unter Kontrolle haben. Wenn man Prostitution verbietet heißt das nicht, dass sie verschwindet. Und dann müßte man auch die Frauen bestrafen.“ Durch das „Dortmunder Modell“ habe man es unter Kontrolle. Die Szene selbst  achtet darauf, wenn ihr was auffällt, was nach Menschenhandel oder Zwangsprostitution aussieht und würde dann sofort die Polizei informieren. Letztendlich geht es auch um das Geschäft: wenn da plötzlich ein Anbieter ist, der nicht an Behördenauflagen gebunden und billiger ist, wird das innerhalb der Szene sofort sanktioniert.

 

Kernpunkt des gesamten Gesprächsabend war der Appell der Prostituierten und des ehemaligen Leiters der „Sitte“ Rainer Minzel, dass diese Frauen endlich als gleichberechtigte Mitmenschen anerkannt werden. Auch wenn sie einen -außergewöhnlichen – Beruf ausüben. Auch wenn sie in ihrer „Arbeitskleidung“ unter anderen Menschen im Alltag auffallen wie ein Pfau unter lauter Amseln, sind Prostituierte, Männer wie Frauen Mitmenschen mit den selben Rechten wie eine Verkäufer oder eine Musikerin.

 

Weitere Informationen:

FrauenTermineDortmund: https://www.dortmund.de/media/p/frauenbuero/downloads_frauenbuero/FrauenTermineDortmund.pdf  Veranstaltungen der Stadt Dortmund zum Thema Frauen und Gleichberechtigung

Arbeit der Mitternachtsmission: http://mitternachtsmission.de/   Diese Organisation unterstützt Prostituierte und hilft ihnen, wenn sie es wollen, aus der Szene auszusteigen.

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