Die Last der Lastenrad-Ausleihe

Lastenräder sieht man immer häufiger im täglichen Straßenverkehr. Die Fahrer-/innen bringen damit ihre Kinder zum Kindergarten, so daß nicht noch mehr „Elterntaxis“, also PKWFahrer-/innen mit meist übergroßen Autos, sogenannten SUVs die öffentlichen Straßen benutzen und für noch mehr Straßenverkehr, Lärm und Abgase sorgen. Oder es wird beim Baumarkt, Getränkemarkt oder eben im Supermarkt eingekauft. Lastenräder sind größer als ein normales Zweirad, brauchen aber wesentlich weniger Platz als ein PKW – diese Räder sind wie gemacht für den Stadtverkehr. Denn die meisten Autofahrer-/innen transportieren meist nur eine Einkaufstasche und nicht, wie oft behauptet, gleich einen Kofferraum voller Waren oder täglich die fußkranke Verwandten zum Arzt/Ärztin.

Es macht durchaus Sinn, daß nicht jede*r ein Auto besitzt, denn es gibt Mietmodelle für Autos, z. B. carsharing. So könnte man auch über den Besitz von Lastenrädern denken. Abgesehen davon, daß mir das nötige Kleingeld für so ein tolles Rad fehlt, wüßte ich auch nicht, wo ich es sicher abstellen kann. Deshalb müssen vernünftige Leihsysteme her. In den letzten Jahren hat sich in Dortmund schon etwas getan. Aber das Angebot an Leih-Lastenrädern in Dortmund reicht bei weitem noch nicht aus, v.a. in den Sommermonaten. Im folgenden gibt es einen Überblick über die Verleihsituation von Lastenrädern im Stadtgebiet Dortmund.

Als ich 2015 nach Dortmund kam, sah ich zufällig einen Vertreter der Initiative VeloCityRuhr auf dem Campus mit einem roten Bullitt fahren. Die Infos waren bald besorgt, das Lastenrad immer wieder ausgeliehen. Einen Fahrbericht darüber kann man hier nachlesen.

Ein einziges Lastenrad für eine Stadt mit 500.000 bis 600.000 Einwohner-/innen? Es war klar, daß das nicht ausreicht. Und bei allem Enthusiasmus stößt man bei einem Lastenrad ohne Motor auch bald an die eigenen Grenzen… ab 10 Streckenkilometern mit mehr oder minder vollgeladener Wanne wird die Fahrt bei eher hügeligem Gelände zur Schinderei. Ich probierte den ULF aus, das Unnaer Lastenrad. Große Ladefläche, ruhiger Gang, gemütliches Rad. Auch diese Ausleihe ist kostenlos, es wird um Spenden gebeten. Soweit zu den Vorteilen. Der Nachteil dieses Rades: weiter Anfahrtsweg (rund 12 km) und als eine Art Hollandrad nicht wirklich für hügeliges Gelände, wie es zwischen der Verleihstation, der Radstation am Lünener Hauptbahnhof und Dortmund, meinem Wohnort, zu finden ist, geeignet. Man merkt bei diesem „bakfiets“, daß es für die Ebene gemacht ist – da rollt es auch mal schneller als 15 km/h. Aber ja nichts überstürzen, 20 km/h, da ist dann beim ULF aber wirklich Schluß mit der „Schnellfahrerei.“

Auch das Essener Lastenrad ELa (auch ein Bullitt wie der rote Rudolf) probierte ich in meinem Enthusiasmus aus. doch das war dann wirklich zu viel, 40 km Anfahrt zu haben. (Inzwischen gibt es auch E-Lastenräder in Essen zu leihen). Zurück brachte ich das Rad mit dem Zug, was auch keine Freude macht. Schon ein normales Rad ohne große Ladefläche auf einen Bahnsteig zu bringen ist in Deutschland eine Katastrophe, bei der „Pommesbude mit Gleisanschluß“ wie ein ehemaliger Oberbürgermeister den Dortmunder Hauptbahnhof zu Recht mal spöttisch nannte. Dort wird seit Jahren gebaut und gemacht. Und hey, ein Riese+Müller Packster 60 passt sogar in den neu errichteten Aufzug zu Gleis 23! (Warum das wichtig ist, dazu später mehr).

Im Frühjahr des Jahres 2020, als der Schock über die Coronakrise Geschäfte, das öffentliche Leben und auch den Geist eines jeden denkenden Menschen nahezu lahm legte, gab es eine unter den wenig guten Nachrichten: die Bezirksvertretung Innenstadt Nord hatte drei Leih-Lastenräder angeschafft, die nun ab sofort ausgeliehen werden können. Meine Freude war groß, endlich nicht mehr so lange Anfahrtswege zu haben. Das NOrdstadt-LAstenrad , kurz die NOLA würde ich nun öfter fahren.

Nicht so schwer wie ein Bullitt und sehr wendig: das NOLA, Modell: KARGON One. Eigenes Foto

Die ideale Fahrrad-Ausleihe sieht gewöhnlich so aus: 24 Stunden verfügbar, mit einer App zu buchen und durch einen Klick auf das smartphone oder die Abgabe an einer festen Station zurückzugeben. Das ist bei den 3 NOLAS, von denen zwei Räder auch Kindersitze haben, nicht so. Die Stadt Dortmund, bzw. die Bezirksvertretung mit ihrem Quartiersmanagement ist immer auf Institutionen angewiesen, die für sie die Ausleihe organsieren. Es gibt seit dem Beginn drei Verleih-Stellen: den Langen August (ein privates Kulturzentrum), die Firma GrünBau (Garten- und Landschaftsbauunternehmen) und den Fahrradladen 2WheelGarage. Beim LangenAugust übernimmt ein Ehrenamtlicher die Ausleihe und da es nicht seine Hauptaufgabe wie die Ausübung eines Berufes ist, kann er nicht immer vor Ort sein.

Ohne Motor, aber so wendig, daß man auch durch die nervigste aller Umlaufsperren in Dortmund kommt: mit der NOLA im Fredenbaumpark, kurz vor den Bootshäusern am Dortmund-Ems-Kanal.

Bei den anderen beiden KARGON-Lastenrädern NOLA ist die Zeit der Ausleihe an die Ladenöffnugnszeiten gekoppelt. Das ist verständlich, denn sowohl die 2WheelGarage wie auch GrünBau sind nur Dienstleister für den eigentlichen Ausleiher, das Quartiersmanagement Nordstadt. Ein Betrieb oder ein Laden können nicht wie eine App 24 Stunden agieren. Für Menschen, die das Lastenrad ausleihen möchten, um eben mal nicht das Auto für z. B. den Wocheneinkauf zu benutzen, sind diese beschränkten Zeiten aber von Nachteil. Bei GrünBau muss die NOLA um spätestens 15.30 Uhr zurück gegeben worden sein, bei der 2WheelGarage ist die dealine 18 Uhr, am donnerstag 15 Uhr, in den Wintermonaten ist der Laden samstags geschlossen. Aus Sicht der Ladenbesitzer*innen völlig verständlich – aber eben nicht so, wie es eigentlich bei Leihrädern, ganz gleich ob Lastenrad oder Tourenrad sein sollte. In Mannheim gibt es derzeit solch ein Verleihsystem mit 24-Stunden-Ausleihe. Da werde ich richtig neidisch! https://www.vrn.de/verbund/presse/pressemeldungen/pm/016410/index.html

Da ich leider kein Geld für eine neue Waschmaschine habe, die alte hat wohl die letzten beiden Umzüge nicht überlebt, ist die Lastenradausleihe für mich sehr wichtig. Durch die eingeschränkten Ausleihzeiten bin ich oft in Eile, muss zusehen, daß ich rechtzeitig beim Waschsalon bin, die Wäsche möglichst mit dem Lastenrad nach Hause bringe, um dann das Leihfahrzeug zum 2-3 km entfernten Verleiher zu bringen. Oft genug, auch ausgelöst durch andere ungute Umstände (Mattigkeit durch die Periode, Erschöpfung durch die Verdienstarbeit), musste ich nach Abgabe der NOLA die zwei dicken großen Taschen mit der nassen Wäsche mit dem normalen Rad nach Hause schieben. Auch bei nur 2-3 Kilometern eine Schinderei.

Man muss auch aufmerksam sein, damit nichts passiert: es gibt genug Idioten, die „Hilfe“ anbieten, dich aber nur ausrauben wollen. Hatte ich schon erlebt, ich wußte mich zu verteidigen. Dies gilt nicht nur für das Problemviertel Nordstadt Dortmund. Das Lastenrad NOLA ist Ausdruck der anderen Nordstadt, die eben nicht durch dicke Autos, Patriarchat, Armut allein und Kriminalität geprägt ist. Diese Personengruppe, zu der auch ich gehöre, ist allerdings in der Minderheit. Noch dazu sind alleinstehende Frauen, selbständig mit (Lastenrad)rad unterwegs, vielen Bewohnern hier mindestens suspekt. Diese Verachtung spüre ich jeden Tag von den männlichen Nachbarn. Ich bin die einzige Frau im Mietshaus. Wer jetzt die Klischeekiste gegen Migranten auspacken will: ich kenne es von früher auch nicht anders, nur waren die widerlichen Patriarchen männlich, katholisch und weiß. Von wem die Verachtung voller Sexismus und Misogynie kommt, ist mir egal – eins steht aber fest: Es muss endlich Schluß mit dieser Bosheit gegenüber Frauen, ganz gleich welcher Hautfarbe und Herkunft!

Ja, ich bin noch so old fashioned und bringe die nasse Wäsche nach Hause. Trocknerbetrieb im Waschsalon kostet zusätzlich Geld und Zeit, außerdem vertragen nicht alle Kleidungsstücke die geblasene heiße Luft. Nur wenn´s wirklich mal frostig draußen ist, ist es mit der Wäschetrocknung an der Leine schwierig. „Dank“ Klimawandel wird es aber immer seltener richtig Winter und damit selten richtig kalt.

Viel zu eng: Fußwege durch Dortmunds Straßen dank parkendem Blech.

Ich habe Verständnis für alle Verleiher der NOLAs, daß sie unmöglich 24 Stunden für eine Ausleihe zur Verfügung stehen können. Dennoch bleibt die Situation für die Ausleihe von Lastenrädern unbefriedigend.

Schauen wir doch mal… in den Südwesten!

Mehr aus Langweile oder weil ich was anderes suchte, stöberte ich auf der Seite http://www.cargobike.jetzt herum. Vielleicht gibt es ja doch noch eine andere Möglichkeit, an ein Lastenrad zu kommen…. Beim ULF war ich im Osten von Dortmund gewesen, schauen wir doch mal in… den Südwesten! tatsächlich gibt es in der Nachbarstadt Witten an der Ruhr ein E-Lastenrad zu leihen! Juhuu! 😀 Die „Pottkutsche„, ein Bullitt, Modell Bluebird mit geräumiger Ladefläche, Regenhaube und – nicht selbstverständlich – Gepäckträger hinten. Derzeit (Stand: Januar 2022) ist der Standort des Dienstleisters für die Initiative, die hinter der Pottkutsche steht, das Radcafé im Augustaviertel. Schwupps, habe ich mit der Pottkutschen-Ausleihe gleich mal meine Kenntnisse der Stadt Witten erweitert! Der Sattel (die Ausstattung ab Werk) ist für Damenhintern etwas unbequem, aber für meine Strecken bis 20 Kilometer noch ok.

Ich bin ja froh und dankbar, daß ich überhaupt an ein E-Lastenrad komme – das „nur“ einen Anfahrtsweg von 15 Kilometern hat. Zur Pottkutsche wird es noch einen ausführlicheren Artikel geben. Auch beim Wittener Lastenrad muss man die Ausleihzeitenbeachten (im Winter: bis 17 Uhr Abholung und Rückgabe). Spenden sind immer gern gesehen, es fehlt außerdem noch ein Restbetrag, damit ein zweites Lastenrad angeschafft werden kann, denn: auch in Witten ist emissionsfreie Transport-Mobilität sehr gefragt! Man muss mindestens einen Monat im Voraus buchen, um die Pottkutsche fahren zu können.

Mit dem normalen Rad eine Plage, mti dem Lastenrad locker zu machen: der Getränkekauf.

Meine absolute Favoritin, die ich sehr liebe (ok, ich gebe zu, Dinge kann man nicht lieben, also nicht wirklich) und sehr gern fahre, hat ihren Standort 35 Kilometer entfernt. Momentan leider nicht buchbar (Dezember 2021 /Januar 2022 wegen Reparaturarbeiten und Wechsel des Dienstleisters). Manche halten mich für verrückt, daß ich so weit fahre. Aber wenn man als Geringverdienerin schon die Möglichkeit hat, mal ein top Rad der höheren Preisklasse zu fahren, dann nimmt man auch längere Wege dafür in Kauf. Außerdem sind 35 bis 40 Kilometer Strecke mit einem E-Lastenrad locker zu bewältigen.

Ach GErda, schade, daß wir uns derzeit nicht treffen können. Kein Lastenrad fährt sich besser als ein Packster 60 von Riese und Müller. Mit keinem fühle ich mich so sicher wie mit diesem Rad. Übrigens, weder GErda noch ich sind Fußballfans, bestenfalls Sympathisantinnen der jeweiligen Vereine, bzw. Aktiengesellschaften. 😉 Ein einziges Mal hat mich der Motor in all den Jahren der Ausleihe verlassen, so daß ich nur mit Muskelkraft das schwere Rad fahren und mit dem Zug zurück zum Verleiher bringen hatte müssen. Und huhu, das Packster 60 passt in den neuen Aufzug am Dortmunder Hauptbahnhof!

Im Herbst 2021 las ich, daß nun endlich ein kommerzieller Anbieter von Elektro-Lastenrädern in Dortmund sei. Ich war neugierig und las mir alle Artikel und die Seite von der Firma Sigo sharing durch. Nur 7 Kilometer Anfahrtsweg, die Preise auch ok das sah nach einem guten und erreichbaren Angebot für Leih-Lastenräder, noch dazu mit Elektrounterstützung, aus. die Ausleihe erfolgt automatisch per App, also unabhängig von irgendwelchen Ladenöffnungszeiten. Im November lieh ich ein Rad, um bei einem Bekannten, der rund 15 Kilometer entfernt wohnt, die Wäsche zu waschen und auch zum Trocknen aufhängen zu können. Die Freude über das Sigo-Lastenrad währte aber nur kurz: nach nur 5 gefahrenen Kilometern verabschiedete sich der Motor. Danke auch! Ich hatte noch rund 30 Kilemeter insgesamt vor mir! dieser Abend war eine einzige Schinderei gewesen. Mich machte das wirklich wütend, weil ich von einem kommerziellen Anbieter schon erwarten kann, daß alles funktioniert. Ein heulend pfeifender Motor, der nicht funktioniert… man könnte glatt abergläubisch werden, wenn man das Sigo-Lastenrad fährt.

Wer reitet so spät durch Nacht und Wind? Leider nicht so praktisch, wie es aussieht: ein Lastenrad von der Firma sigo-sharing. Eigenes Foto.

Im Gespräch mit einem Bekannten, der in Köln bei einem anderen Verleiher von (Lasten)rädern arbeitet, sprach ich die Sigo-Räder an. Er sagte mir, daß Motoren einer chinesischen Billigmarke verbaut seien. Ich stöhnte auf. Was nützt ein Elektro-Lastenrad, wenn ich mit nicht auf den Motor verlassen kann???

Auf einer Erkundungstour auf den Teilstücken des Radschnellwegs 1 in Bochum im November erzählte mir ein Teilnehmer, daß auch er als Mieter von sigo-Rädern die selben Erfahrungen gemacht habe. Der Motor fiele eben öfter aus. Wie bitte? soll das der „Normalzustand“ sein?

Den Namen Sigo kannte ich schon. In Bochum können Mieter*innen eines Wohnblocks diese Räder ausleihen.

https://www.bogestra.de/news-liste/news/article/neue-e-lastenraeder-fuer-bochum-bogestra-vivawest-und-sigo-starten-durch.html

Am 2. Januar 2022 wollte ich dem grauen Lastenrad mit dem grünen Firmenzeichen noch mal eine Chance geben. Es sollte eine Spaßtour werden, 30 Kilometer am südlichen Rand von Dortmund entlang und wieder zurück zur Vreleihstation vor den Studierendenwohnhäusern. Doch die Tragödie schrieb sich fort. Das selbe Elend. Glücklicherweise war ich noch nicht weit gefahren, keine fünf Kilometer von der Verleihstation entfernt. .

Die Verleihstation von sigo sharing in der Ostenbergstraße 99 in Dortmund.

Verärgert war ich dennoch. Ausflug unmöglich, Tag versaut! Ist ja ganz wundervoll, wenn man beim Kund*innentelefon immer jemanden erreicht, Verständnis für den eigenen Ärger und „Credits“ bekommt, auch Kostenerlaß. Auch das hatte mir der Bochumer Radfahrer erzählt: dass man oft Bonuspunkte bekäme. Sicher war ich froh, nichts für die verpatzte Ausliehe zahlen zu müssen. Ich habe momentan absurd viele Bonuspunkte, sogenannte „credits.“ Aber ist das der Sinn der Sache? Weder die Firma Sigo noch ich haben was davon: Sigo macht auf absehbare Zeit Verluste bis zum Konkurs, ich kann die „Credits“ nicht einlösen, weil der Motor nicht funktioniert. Heute übrigens bei beiden Rädern. Wäre eben zu schön gewesen, ohne Aufgabenerfüllung (Wäsche sauber bekommen), also ohne Streß mit dem E-Lastenrad unterwegs zu sein. Knurr.

Und ja, es gibt sogar noch ein E-Lastenrad in Dortmund. Aber das ist kein offiziell ausleihbares Rad, sondern im Privatbesitz eines Bekannten. Wenn er es für seine Familie braucht, ist es verständlicherweise nicht verfügbar. Ich freue mich immer, wenn ich das URBAN ARROW fahren kann. Meine Nummer 2 nach dem Packster 60 von Riese und Müller.

Mit dem Cabrio am Phönixsee in Dortmund.

Et maintenant? Wie geht´s jetzt weiter?

Ich weiß nicht, ob ich noch mal Zeit und Nerven investiere, um die knapp 7 Kilometer Anfahrt für das sigo-Lastenrad auf mich zu nehmen – wenn ohnehin zu erwarten ist, daß es wieder nicht funktionieren wird. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, was schief gelaufen sein soll, was ich falsch gemacht haben sollte…. ich bin schon viele Lastenräder, mit und ohne Motor gefahren. Dennoch schrieb ich in meiner Beschwerde, daß ich mich gern mit dem Techniker/der Technikerin treffen würde, damit sie oder er mir das Rad noch mal genauer erklärt. Langsam vermute ich auch Vandalismus oder Wettereinflüsse als Ursache dieser zu häufigen Motorschäden. Finden Marder Elektromotoren-Leitungen genauso spannend wie die von Verbrennermotoren? Dann hat eines dieser Viecher vielleicht am sigo-Lastenrad was durchgebissen (und nicht überlebt).

Der ADFC Unna , mir bisher durch den ULF bekannt,war mit seinen Ortsverbänden in der letzten Zeit auch nicht untätig: auf der letzten Ciritcal Mass Dortmund sah ich zu meiner Freude ein E-Lastenrad aus der südlichen Nachbarstadt Schwerte, die Schwester (oder Bruder) des Riese + Müller Packster 60: das Modell load. Klar wurde mit dem Fahrer und Mieter des Rades gleich gefachsimpelt und gespaßt 😀 . Im Januar werde ich damit zu einem 15 Kilometer entfernten Ärztintermin fahren. Ich freue mich schon darauf. Wie nach Witten sind es auch „nur“ 15 Kilometer Anfahrt bis nach Schwerte – allerdings mit stärkeren Steigungen. Doch ich lasse nichts unversucht, trotz geringem Budget gute Lastenräder fahren und dabei von einem eigenen träumen zu können. Radfahren ist Leidenschaft. Meine Spende fällt eben nicht so üppig aus, wird aber gegeben, weil ich dankbar für die Leihräder bin. Wenn Technik das Leben der Menschen erleichtert, ohne die Umwelt zu sehr zu gefährden, soll sie das tun.

Schade eben, daß sich die Stadt Dortmund immer noch schwer tut, ein richtiges Verleihsystem für Elektroräder, insbesondere E-Lastenräder auf die Beine zu stellen. Das könnte in Kooperation mit nextbike erfolgen. Wenn überhaupt, findet die Ausleihe nur immer mit bestimmten kleinen, kaum bekannten Aktionen wie „Lappenlos“ statt. Ein Lastenrad zur Miete bekommt auch nur, wer bestimmte Voraussetzungen dafür erfüllt. Mit einer richtigen Ausleihe von (Lasten)rädern hat das nichts zu tun. Stattdessen machen die Stadtwerke, DEW 21 weiterhin schön Werbung für „mehr blauen Himmel“, den ein Autofahrer im E-Auto sitzend, auf seinen Ausflügen sehen soll. Seltsam, den blauen Himmel sieht man eigentlich vor allem beim Radfahren und Spazierengehen. „E fahren“ heißt eben nicht nur Auto, sondern auch Radfahren. Das sollte allen, der Stadt wie den Stadtwerken eigentlich klar sein, wenn sie immer von der „emissionsfreien Innenstadt“ sprechen.

Was für 1 verrücktes Fahrrad-Wochenende! 3. und letzter Teil: Fahrradsternfahrt Ruhr am 19. September 2021

Am Freitag, den 17. September, den 3. Freitag im Monat gab es regulär die Critical Mass Dortmund. Ich war nur ein Stück, ca. 18 km Strecke, mitgefahren. Dank Periode war ich richtig fertig, spürte dazu ein großes Tief… schade um die nette Unterhaltung, die ich in diesem Moment hatte, ich musste erst mal adé sagen und die Mitfahrt beenden. Interessant, daß dieser Radler auch in der Nordstadt wohnt! So fühle ich mich nicht mehr so allein mit meiner Not auf der Straße. Plötzlich vom Rad fallen vor Erschöpfung und mehrere Stürze dadurch auslösen, das musste nicht sein. Ich war zumindest ein Stück bei der CM mitgefahren.

Samstag, den 18. September die Kidical Mass... und dann am Sonntag, den 19. September die FAHRRADSTERNFAHRT RUHR!

Was ist eine Sternfahrt überhaupt?

Bei einer Sternfahrt treffen sich Radfahrer*innen an verschiedenen Orten und radeln, den Strahlen eines Sterns gleich, auf ein gemeinsames Ziel zu. Im Jahr 2021 war dieses Ziel Lünen, bzw. der Seepark Lünen-Horstmar.

In Bochum hatte ich sie schon mal erlebt, Hagen leider verpasst gehabt….nun wollte ich ab dem Westfalenstadion mit nach Lünen fahren. Allerdings machte der Körper nicht so mit. Die Anstrengungen der vergangenen Tage war zu spüren, Samstag abend hatte ich noch zwei kleinere Aufgaben bei der Museumsnacht Dortmund übernommen gehabt.. Hätte ich doch ein Rad mit E-Motor! So habe ich leider die Fahrt über die B 1 und den Tunnel Wambel verpasst.

Großen Spaß bei der Durch-Radelung des Tunnels Wambel. sonst fahren hier nur Autos.

Aber der Grant war groß – groß genug, um die Wut in Muskelkraft umzusetzen. Ich fuhr auf eigenen Wegen Richtung Norden, Richtung Lünen. Ich wunderte mich etwas, daß die Sternfahrt nicht durch die Nordstadt ging! Da geht es doch nach Lünen!

Auf der häßlichen Bundesstraße, der Walter-Kohlmann-Straße ging es ab Stadtgrenze Dortmund flott Richtung Lünen, dem Ziel der Sternfahrt. Ich sah immer wieder auf Critical Maps nach dem aktuellen Standort der Radfahrer-/innen. Zu meiner Freude waren die einzelne Fahrerin und die vielen nicht mehr weit voneinander entfernt. Die Autos neben mir: plötzlich im Stau. ein dunkler Audi hupte. Tja Junge, nicht nur du musst warten. Er zeigte Tendenzen, auf den Standstreifen alle anderen überholen zu wollen. doch auf dem fuhr ich. Nee Freundchen, da kommst du nciht durch! dachte ich mir. Plötzlich war auf der Spur, auf der ich fuhr, ein Fahrrad-Piktogramm. Sachen gibt´s….

Und dann sah ich die vielen Radfahrer-/innen. Ein paar hatten sich schon wieder abgesetzt, diese kleine Gruppe von vielleicht 6 Radler-/innen war mir entgegen gekommen. „Seid Ihr die Sternfahrt?“ – „nee, aber dort!“ Ich tat einen Freudenschrei. Ich hatte die Sternfahrt doch noch erwischt! Allerdings, das Klientel hier war ein anderes als gestern. Hier war alles dabei, auch die Chaoten. Wenige Jugendliche, (zu) viele ältere Leute. Viele gelbe Wahnwesten, teiwleise mit ADFC-Aufdruck. Auch optisch wurde so das Problem der Überalterung vieler ADFC-Kreisverbände deutlich.

An dieser Stelle sei angemerkt: der Allgemeine Deutsche Fahrradclub bleibt ein wichtiger Akteur für die Verkehrswende, für die dringend umzusetzende Flächtengerechtigkeit des Verkehrsraumes. Ich persönlich habe mich auch schon mit bestimmten Mitgliedern und Vorsitzenden verkracht – was aber an deren Persönlichkeit und Fehlern auf beiden Seiten lag – nicht an der politischen Agenda des ADFC. Es kommt eben immer auf die Menschen drauf an, die im jeweiligen Kreisverband aktiv sind. In Iserlohn wird Autowerbung im Fahrradmagazin des ADFC geduldet, weil die Zuständigen nicht kapieren, daß und wie falsch das ist. Demnächst: Metzgerei-Werbung im Vegetarier*magazin. Merkste was? Ich habe 10 Jahre in Fürth bei Nürnberg gewohnt, war dort im KV Nürnberg aktiv. Bis heute blicke ich sehnsüchtig auf deren Tourenprogramm und die Zeit dort zurück.. Alle KVs, die ich danach kennenlernte, waren eine einzige Enttäuschung (über den aktuellen kann ich nicht so viel sagen, da ich dort nicht aktiv bin). Der KV Nürnberg hat viele Mitglieder, die eben so was wie dieses vielseitige Tourenprogramm tragen: es gibt nicht nur verschiedene Geschwindigkeitslevel von gemütlich bis sportlich (15 km/h bis 21 km/ und mehr), sondern auch extra Rennrad- und Mountainbiketouren, Thementouren, Stadtteil-Kennenlerntouren für Neubürger-/innen. Die Leute dort waren (und sind wohl auch heute noch) keine gefrusteten oder/und Rentner-/innen, wie ich sie nach meiner Nürnberger zeit erleben hatte müssen, sonder wach, fit und engagiert und lassen sich nicht so schnell entmutigen..

Wie bei einer CM auch lockt das Radfahren immer verschiedenste Menschentypen an, oft genug auch seltsame, eigenartige oder schlichtweg nervige Zeitgenossen. Bisher waren die Nervensägen fast immer Männer, so meine Beobachtung. Ich hatte eine Bekannte entdeckt, die ich freundlich grüßte. War erst mal nett. allerdings hatte sie einen unmöglichen Schreihals im Schlepptau, den sie kannte. Der Typ war unerträglich! Ich habe Verständnis, wenn sich jemand über etwas aufregt, was gerade passiert ist, weil es für Radfahrende ärgerlich ist. Aber dieser Pfeifendeckel musste wie ein Marktschreier irgendwas erzählen, was ihm am Freitag widerfahren sei. Ehrlich, das interessiert hier NIEMANDEN! Ganz sauber war der Typ nicht. Und ob das alles so stimmt…oh nerv mich nicht mit deinem Sermon, als ob du ein Teenager wärst, der das noch nicht kapiert! Man muss bei rassistischen Äußerungen immer widersprechen, aber hier wußte ich nicht so recht, wie ich dran war. Wohl war mir bei dieser Unterhaltung nicht. Ich merkte bald, daß es keinen Sinn hatte, mit diesem Dummkpf auch nur ein vernünftiges Wort zu reden, er hielt sich für die Weisheit schlechthin. Als er im Kreisel vor dem Seepark abbiegen wollte, stürmte ich davon.

Der Seepark in Lünen-Horstmar war das Ziel der Fahrradsternfahrt Ruhr 2021, ein schöner Ort. Und ich hatte endlich den Horstmarer See gefunden! Seltsam… so lange wohne ich schon im Ruhrgebiet und das hier war immer noch terra inkognita für mich bisher gewesen. Schön, danach einige bekannte Gesichter und Freunde zu treffen! 🙂 vor lauter plaudern und Hallo sagen kam ich gar nicht zur Toilette!

Auf einer Bühne gab es Live-Musik, meist aus Jazz und Swing, leider keine Fahrradsongs – und Redebeiträge. Danke Herr Bürgermeister in Lünen, die Forderungen für besseren Radverkehr gibt es schon, die brauchen sie nicht mehr breit walzen! Und ja, die Fahrt hierher war sicher – weil die Polizei die Route abgesichert hat! In der folgenden Rede reagierte der Landesvorsitzende Axel Fell darauf passend: die Politik solle endlich machen, denn sie sitzt in den Rathäusen wo über Verkehrsplanung und Änderung der Verkehrsinfrastruktur entschieden wird. Es brauche genügend Personal, damit die beschlossenen Maßnahmen für den Radverkehr umgesetzt werden können. Ein gutes Radgesetz muss endlich her. Bei allem gebotenen politischen Ernst soll eine Sternfahrt aber auch Spaß machen – und den hatten wir beim Radfahren und miteinander klönen.

Die nächste Fahrradsternfahrt Ruhr wird nach Gladbeck gehen. Das Datum dafür ist noch nicht bekannt.

Danke an alle, die bei der Organisation mitgeholen haben und an die Polizei, die die Route abgesichert hatte.

Allen Radfahrer-/innen mit zwei oder drei Rädern, mit Lastenrad, Tandem, Faltrad oder Pedal-Bike allzeit eine gute Fahrt! Zeigen wir, daß es im Alltag auf dem Weg zur ARbeit, zur Kita, zum Einkaufen u.a. auch ohne Auto klappt!

Erobert die Stadt! Kidical Masses und Sternfahrt Ruhr im September 2021

Zu viele Privat-PKWs auf den Straßen, Engstellen, Falschparker*innen, deren Verhalten nicht gemaßregelt wird, Glasscherben und anderer Schmutz au Fuß- und Radwegen… das Radfahren in deutschen Städten ist noch lange nicht sicher. Wenn Menschen zum Umsteigen vom Auto auf das Rad bewegt werden sollen, braucht es sichere und gute Wege, um zur Arbeit, zur Kita oder zum Einkaufen fahren zu können. Die absurde Größe von Autos, vor allem des sogenannten „sportive Utility Vehicle“, kurz SUV macht es unmöglich, als Fahrer-/in eines solchen Fahrzeugs überhaupt ein Kind auf der Straße zu sehen. Diese „Autos“, die mehr Panzer als Auto sind, überragen ein 5- oder auch 10-jähriges Kind schon mit der Motorhaube. Platz zum Spielen bleibt ohnehin kaum, Parkplätze sind wichtiger, auf denen das Blech 23 Stunden am Tag rumsteht. Spiel-Platz, das ist nicht nur der separierte Bereich mit Rutsche und ‚Schaukel, das muss auch der Bürgersteig oder die Straße sein können!

Diese Zustände gilt es zu ändern. Die Stadt muss den Menschen, nicht privaten Fahrzeugen gehören. Dafür gibt es auch im Jahr 2021 wieder eine KIDDICAL MASS in DORTMUND, zeitgleich in vielen anderen Städten.

am: Samstag, den 18. September 2021

Start: 14 Uhr auf dem Friedensplatz in Dortmund

Ende: Tremoniapark (auf den flyern steht noch Westpark).

Es gibt auch Zubringer aus verschiedenen Stadtteilen, mit denen die Kinder und ihre Eltern zum zentralten Treffpunkt Friedenspaltz radeln können. Die Kidical Mass und all ihre Zubringer werden von der Polizei begleitet.

Genau Abfahrtszeiten und Orte für die Zubringer aus den Stadtteilen hier .

Dieses Wochenende in der Septembermitte ist ein richtiges Fahrradwochenende.

Am SONNTAG , den 19.09.2021 geht es für die Erwachsenen gleich weiter weiter: mit der STERNFAHRT RUHR 2021. In Lünen wird es zusätzlich eine Kidical Mass geben. Aus verschiedenen Städten raden Menschen nach Lünen, von der Ruhr zur Lippe und zeigen, da man auch ohne Auto und ohne klimschädliche Abgase gut vorankommt und sein/ihr Ziel erreichen kann. Für die Erreichung der Klimaziele ist das Fahrrad das Verkehrsmittle Nummer 1.

Die Zubringer-Routen sind die gedachten einzelnen Strahlen der Sterne, die Mitte und der Treffpunkt ist im Jahr 2021 die StadtLünen, nördlich von Dortmund, kurz vor dem Münsterland.

Zubringer-Routen und Abfahrtszeitpunkte hier.

Alle weiteren Infos zur Sternfahrt Ruhr hier.

Auch hier gilt das Motto: Verkehrswende JETZT!

Für sichere Wege im Alltag wie in der Freizeit!

Start: in Witten, Rathausplatz um 12.00 Uhr

Treffpunkt: 15.30 Uhr in Lünen-Horstmar, Seepark

Insgesamte Länge: ca. 34 km Strecke

Radfahrende bei der Demo im Juni 2021 Foto: Aufbruch Fahrrad

Parking Day im Kaiserstraßenviertel Dortmund am 17. September 2021

Die Stadt für Menschen statt Autos!

Ab 15 Uhr zeigen die Menschen in der Arndtstraße (Seitenstraße der Kaiserstraße), was alles möglcih ist, wenn nicht Autos die Straße zuparken. Zusammen in Ruhe sitzen, Kuchen essen, plaudern… vieles ist möglich. Nähere Infos bei der Nachbarschaftsinitiative KAISERN! .

Fahrrad-Termine in Dortmund im Juni 2021

Einmal 100 km weit durchs Ruhrgebiet – das sollte der Radschnellweg 1 sein, von Hamm bis nach Duisburg. 2020 sollte er fertig sein, die Stadt Dortmund wollte ihn bis 2024 fertiggestellt haben. Nun wird vom Jahr 2030 geredet.

Radfahren dort, wo sonst nur viele Autofahrende täglich fahren: B1 und B 54 werden zum Radschnellweg

Das wollen die Radinitiativen Aufbruch Fahrrad Dortmund und Fridays For Future nicht hinnehmen. Unter dem Motto „Wir lassen uns nicht länger veräppeln“ packen sie es selbst an und machen – zumindest temporär – die großen Autostraßen Bundesstraße 1 (B1) und B 54 zu Radschnellwegen. Mit Polizeibegleitung werden Radfahrende, die gleichberechtigter Teil des Straßenverkehrs sind, am Samstag über diese Auto-Schnellwege fahren.

Treffpunkt: Samstag, den 5. Juni, 2021, 16 Uhr Friedensplatz (nicht wie vorher angegeben Hansaplatz)

Infos: http://www.radschnellbahn.de

Radfahrende auf die Autobahn! Foto: Aufbruch Fahrrad

Die Heiligegartenstraße wird am Weltfahrradtag am 3. Juni 2021 temporär mit einer PopUpBikeLane ausgestattet.

Schon zu Beginn der Corona-Pandemie wurde Kritik laut, daß die Stadt Dortmund keine PopUp-Radwege angelegt habe. Der Radverkehr hatte während der Coronakrise weltweit einen großen Boom erlebt, wie nicht nur die Verkaufszahlen für Fahrräder, sondern auch die steigende Anzahl von Radfahrenden auf den Straßen gezeigt hatte. Coronakonform unterwegs sein, das geht am besten mit dem Rad, weil mit diesem Verkehrsmittel die Abstände zum gegenüber gut einzuhalten sind.

Die Heiligegartenstraße in Dortmund ist in ihrer Fortführung zur Treibstraße und Grüne Straße im Westen auf der einen und Jägerstraße auf der anderen wie gemacht für eine PopUp-Bikelane, also einem geschützten Radfahrstreifen, um ohne große Umwege vom Bezirk Innenstadt Ost nach in den Westen der Stadt zu gelangen.

Die Heiligegartenstraße Dortmund Richtung Jägerstraße. eigenes Foto.

Verkehrswende von unten

Was die Stadt Dortmund nicht tut, das machen dann eben die Fahrrad-Verbände, „von unten.“

Am 3. Juni ist Weltfahrradtag. Diesen wichtigen Feier-Tag wollen Aufbruch Fahrrad und VeloCityRuhr feiern! Ab 15 Uhr wird ein PopUp-Radfahrstreifen in der Linie der Heiligegartenstraße – Treibstraße – Jägerstraße angelegt sein. Gemeinsam mit großen und kleinen Teddys werden Radfahrende für sichere Wege für kleine und große Verkehrsteilnehmer*innen demonstrieren. Denn für sichere Wege braucht es einen breiten Radfahrstreifen mit Qualität ohne faule Kompromisse.

Treffpunkt: Donnerstag, 3. Juni 2021, ab 15 Uhr am Freiherr-von-Stein-Platz gegenüber der Polizeiwache.

Hier wird die PopUpBikeLane am 3. Juni entlang laufen. eigenes Foto
Die Treibstraße als Fortsetzung der Heiligegartenstraße: eine wichtige Verbindung Richtung Weststadt.

Hat den Bogen raus: mit einem Urban Arrow durch die Stadt

Manchmal hat man Glück. Manchmal meldet sich jemand, wenn man etwas sucht. In einer Critical-Mass-Gruppe hatte ich gefragt, ob jemand in meiner Stadt auch ein Lastenrad mit E-Motorenunterstützung verleihen könnte. Und siehe da, es meldete sich jemand. GErda wohnt ja in Gelsenkirchen, der „verbotenen“ Stadt, der Weg dorthin ist für die Ausleihe schon immer weiter und langwieriger. Die Ausleihe in meiner Wahl-Heimatstadt bot die Möglichkeit, ein weiteres Modell, das ich noch nicht kannte, auszuprobieren.

Irgendwo muss man sein Auto ja parken können!

Es ist das Modell Urban Arrow eines niederländischen Herstellers. Hm, so ein ähnliches hatte ich doch schon? Ja, der ULF vom ADFC Unna, auch ein bakfiets von der Marke vanAndel. Doch auch wenn beide Räder aus dem selben Land kommen, eine ähnlich große „Wanne“ als Transportfläche haben, so sind sie doch verschieden. Beide sind für die Stadt, weniger für lange Touren gemacht – in Sachen Fahrkomfort gibt es aber einige Unterschiede. Das lässt sich auch feststellen, obgleich der ULF von van Andel im Gegensatz zum Urban Arrow keinen Motor hat.

Aufbau und Rahmengestaltung

Man sieht es auf den ersten Blick: ein wirklich sportliches Rad ist das Urban Arrow nicht. Der gesamte Rahmen hat dickere Rohre, der Einstieg ist tief, der Sattel leicht nach hinten geneigt. Wie beim klassischen Holland-Rad eben. So vergleichsweise leicht wie GErda aus Gelsenkirchen lässt es sich auch nicht anheben, wenn man mal ein Hindernis vor sich hat. An einem Tordurchgang muss ich das Urban Arrow regelmäßig anheben, weil es sonst auf der Kuppe am Boden aufliegt. Selbst der Gepäckträger besteht aus relativ dicken Streben und ist im Rahmen integriert. Je nach Größe der Greifringe an der Satteltasche passt aber eine Ortlieb-Tasche an diese kräftige Transportpferd.

Nicht unwichtig: ein Gepäckträger am Lastenrad – und wenn es nur für die Versorgungstasche ist.

Tiefer und deshalb bequemer Einstieg: Wie die GErda, das Packster 60 von Riese und Müller ist das Urban Arrow ein rockfreundliches Rad. Ein großer Pluspunkt. Was allerdings am Anfang irritiert, ist das hohe Dach, das in Richtung der/des Fahrer-/in zeigt. Manchmal bin ich mit dem Gesicht dagegen gestoßen. Jedes (Lasten-)rad ist eben anders. Trotz des vergleichsweise hohen Daches behält man aber während der Fahrt immer den Überblick. Denn die Sitzposition ist wie beim Hollandrad aufrecht. Der Lenker ist aber glücklicherweise nicht gar so hoch wie beim ULF, dem Lastenrad von vanAndel, was für ein angenehmes, fast hoheitliches Fahrgefühl sorgt. Jetzt bitte noch das königliche Wappen der Niederlande vorne drauf 😀

Alles im Blick: der Lenker mit Bordcomputer u.a. am Urban Arrow.

Jedes Lastenrad ist anders. Meistens fahre ich von den E-Lastenrädern, die leihbar sind, das Packster 60 von Riese und Müller mit Kettenschaltung, die GErda. Deshalb gab es bei der ersten Fahrt mit dem Urban Arrow wieder lustige Dinge zu erleben. Weil ich die Kettenschaltung gewöhnt bin, habe ich vor dem Anhalten mit dem Urban Arrow immer schön brav runter geschalten oder vor der Ampel hektisch schalten wollen. „Brauchst du aber nicht“ flüsterte mir daraufhin die NuVinci-Schaltung beruhigend zu. Ich musste schmunzeln. Diese Schaltung war gewöhnungsbedürftig – aber ich gewöhne mich immer wieder gerne und bald daran. Die Nu-Vinci-Schaltung reagiert intuitiv, stufenlos, das ist eine große Erleichterung beim Radeln. Für Zahlenfans und Statistik-Fanatiker*innen aber ein Graus (nee, nix gibt es da in Sachen Zahlenanzeige am mechanischen Display!)

Der Bordcomputer ist an sich übersichtlich gestaltet. Was mich aber immer verwirrt, ist die Einstellung der Unterstützung in die verschiedenen Stufen Eco, Tour, EMTB, Turbo. Im Gegensatz zum kleinen Display am Packster 60 muss man beim Urban Arrow auf der linken Lenkerseite die gewünschte Stufe drücken. An der Ampel anfahren… huch, warum geht das plötzlich so schwer? Hatte ich doch versehentlich den Motor ausgeschalten! 😉 Oder: hui, warum plötzlich die Sport-Unterstützung? Eine Sache, woran ich mich immer wieder gewöhnen muss. Nach der ersten Fahrt weiß ich aber wieder: Vorsicht beim linken Lenkergriff…. und es läuft ohne falsche Motoreinstellungen.

Hoch zulaufendes Dach: daran muss man sich immer wieder gewöhnen.

Einsatz des Urban Arrow : ein Lastenrad für die Stadt

Die Finanzierung der eigenen Waschmaschine lässt noch auf sich warten. Also trug das Urban Arrow für mich zuverlässig und sicher meine Wäsche zum Waschsalon.

Angekommen: Erst mal Kofferraumdeckel hoch und abladen 😉

Während die Maschinen arbeiteten, ging ich in der nahe gelegenen Kaiserstraße einkaufen. Das Schöne am Lastenrad ist ja: es passt viel rein. Ich muss mir keine Sorgen machen, etwas nicht sicher transportieren zu können. Einen Parkplatz finde ich auch immer. Unfassbar war jedoch an dieser Stelle Ecke Gerichtsstraße / Hamburger Straße in Dortmund ein Falschparker etwas weiter hinter dem geparkten Lastenrad. Ein SUV-Pickup auf dem Gehweg. Mit einer Dreistigkeit und Selbstverständlichkeit parkte er vor einer Werkstatt. Offensichtlich gab es was abzuholen. Als ich gegen 18.30 Uhr zurück kam, stand er immer noch da. Einzelne Passant*innen kamen noch durch – was aber nicht heißt, dass er dort zu parken hat!

Vollgeladen: 2 große Taschen mit gewaschener, nasser Wäsche und eine Tasche mit Supermarkteinkäufen.

Auch vollgeladen ließ sich das Urban Arrow super fahren. Kein Gewackel, kein Murren. Die „Wanne“ ist tief, so passte alles schön rein. Thema Dreistigkeit: als ich im Waschsalon die zweite Tasche mit der gewaschenen Wäsche holte, musste tatsächlich eine Passantin in die Ladefläche glotzen, das Regendach war ja offen. Nur gut, dass ich die erste Tasche schon vor das Lastenrad gestellt hatte, so dass es unmöglich war, einfach in die Ladefläche zu fassen! Gekaufte Lebensmittel zu stehlen… sollte eigentlich hierzulande nicht notwendig sein. Aber Deppen, die es unbedingt tun müssen, gibt es immer. Ein strenger Blick durch die Scheibe und mein baldiges Auftauchen draußen vor dem Waschsalon genügte, dass sich diese Frau verziehen musste.

Das Urban Arrow verzeiht sogar die blöden Unebenheiten, die es überall auf Deutschlands Straßen und Wegen gibt: selbst abgesenkte Bordsteine sind nicht wirklich eben. Aber wer will schon alle paar Meter absteigen und schieben? Als ich im Sommer für einen Abend in Nijmegen / Niederlande war, schaute ich zweimal auf den Boden, warum es kein Gerumpel gab und sich so schön und störungsfrei fahren hatte können!

Und ab nach Hause über den Gerichtsplatz und die Schleichwege. Das nächste zoom-meeting wartet
.

Fazit

Das Urban Arrow ist ein gute Kompromiß zwischen sportlichem Lastenrad und Hollandrad. Es liegt gut auf der Straße, läuft ruhig, ohne behäbig wie das Lastenrad von van Andel zu sein. Das Design ist trotz des sehr dicken Sattelrohres dennoch sportlich orientiert: das macht der bogenförmige Rahmen um die Transportfläche aus und wirkt jeder Behäbigkeit entgegen. Das Transportvolumen ist ordentlich, man muss aber beim Verladen von schweren Lasten aufpassen, dass man sich nicht „verhebt“, also im eigenen Bewegungsapparat keine Verletzung („Hexenschuss“ u.ä.) zufügt, weil man die Lasten tiefer in die Transportbox lassen bzw. abladen muss. Pluspunkt ist auch der Gepäckträger. Nicht nur, weil in der Coronakrise alle Kneipen zu haben und Bäckereifilialen früher am Tag schließen, habe ich meist mein eigenes Essen dabei. Das will ebenfalls verstaut werden. Außerdem muss nicht die neueste Speisekarte auf der frisch gewaschenen Wäsche landen…. Nachteil ist natürlich das höhere Gewicht, das ist klar. Ein Kaltblüter ist eben was anderes als ein kräftiges Reit- und Packpferd wie das Packster 60 von Riese und Müller. Vorteil ist natürlich auch, dass der Verleiher für mich leichter zu erreichen ist. Ich bin auch trotz mancher Nachteile und mancher gewöhnungsbedürftigen Eigenschaften gern mit dem Urban Arrow gefahren. Für die Miete in Höhe eines von mir gebackenen Kuchens gerne immer wieder. 🙂 Herzlichen Dank an den Verleiher !

Bogenförmiges Regendach, bogenförmiger Rahmen der Transportfläche: zusammen ein sportliches Design beim Lastenrad Urban Arrow.

Die gefährlich rollende Wand

Trotz guter Sichtverhältnisse werden Radfahrende von LKW-Fahrenden "übersehen." Vergangenen Freitag hatte ich solch ein Erlebnis - fast. Foto: pexels-photo by Vlad Cheu

Es kam plötzlich. Man vertraut schließlich anderen Verkehrsteilnehmer*innen ein Stück weit, dass sie sich an das Gebot Vorfahrtsgewährung halten – man muss es auch, sonst könnte man sich nie wieder nach draußen trauen. Oft habe ich als Alltags-Radfahrerin über derartige oder ähnlich geartete Unfälle gelesen – nun wäre es mir gestern abend selbst fast passiert. Während ich die Westfaliastraße entlang fahre, kommt ein*e LKW-Fahrer*in von rechts aus der Mallinckrodtstraße. Ich fahre – selbstverständlich mit funktionierendem Licht am Rad – direkt auf ihn oder sie zu, durch das Fahrerhausfenster MUSS ich sichtbar sein. Ich verlasse mich darauf, bin müde nach der Arbeit und habe keinen Nerv für Konflikte. Doch es kommt anders.

Ich bin an diesem Abend nicht sonderlich schnell, will aber die Stelle zügig passieren. Als ich etwa auf halber Höhe der LKW-Breite bin, kommt der Schock: die dichte, beleuchtete Wand kommt immer näher! Kann man so blind sein? Oder unaufmerksam, gedankenlos? Ich kann noch abdrehen und mich auf den Gehsteig hinter mir retten. Dann sehe ich, weshalb der / die Fahrerin des Logistikunternehmens wohl hauptsächlich angehalten hat: aus meiner Fahrtrichtung kommt ein*e anderer LKW-Fahrer*in angefahren. Ich bin zu schockiert, um laut zu schreien vor Wut und Entsetzen. Nur vorwurfsvolle Blicke Richtung Fahrer*haus kann ich ausrichten. Das dunkle Etwas von dem man als Außenstehender nicht weiß, was warum darin vorgeht. Die Kommunikation mit motorisierten Verkehrsteilnehmer*innen ist immer schwieriger als mit Zweiradfahrenden.

Der andere LKW-Fahrer*in ist vorbeigefahren, in Richtung Hafen. Ich warte einen Moment, bis ich vor dem stehenden LKW das Rad vorbei schiebe. Extra langsam. Mein Gedanke: Freundchen, du sollst mir zum Nachdenken kommen! Eigentlich sollte man jetzt ein paar Worte, möglichst ohne Wut, wechseln. Aber ich kann auf der anderen Seite nur da stehen und in Richtung des dunklen Flecks schauen, hinter dem hoffentlich Menschen sitzen, die selbstkritisch über ihr Handeln nachdenken. Nach ein paar Momenten des Stillstands bewegt sich jede-/r wieder und fährt ihres und seines Weges. Welch Erstaunen auch, dass um 20.30 Uhr in einem Industriegebiet in Dortmund auch Radfahrende unterwegs sein können – man mag es nicht für möglich halten!

Ich wollte mir gar nicht so genau ausmalen, was passieren hätte können. Ich kenne genug furchtbare Unfälle (Zahlen von 2019 hier), oft mit Todesfolge. Und ohne gegen LKW-Fahrende schimpfen zu wollen: ihr Verhalten trägt oft dazu bei, dass es überhaupt zu Unfällen kommt. Immer nur das Tragen von schreiend gelber Neonkleidung und das Tragen eines Helms von Radfahrenden zu fordern, greift zu kurz, gibt den Opfern statt den Verursachern die Schuld am Unfall, an den Verletzungen. Ich bin weder Schüler*lotsin, noch Verkehrspolizistin noch Müllwerkerin. Wahnwesten erzeugen bei mir vor allem eins: Augenkrebs. Ganz zu schweigen von der elenden Schwitzerei durch den dichten Kunststoff. Was „Warnwesten“ (vor was soll bitte gewarnt werden?) bei mir NICHT ERZEUGEN: ein Gefühl von Sicherheit und Vertrauen in andere, vor allem motorisierte Verkehrsteilnehmer*innen, dass sie mich respektieren und damit möglichst keinen Unfall verursachen.

Die Behauptung, Radfahren sei überhaupt viel zu gefährlich, ist Unsinn. Auch in anderen Ländern funktioniert der Stadtverkehr mit hohem Radfahrer*anteil. Von Zeitungsberichten und Formulierungen, dass der fehlende Helm oder die nicht vorhandene, schreiend gelbe Wahnweste die Unfallursache gewesen sei, soll man sich nicht abschrecken lassen.

Dieser Vorfall am Freitag, den 6. November 2020, der fast zu einem tödlichen Unfall geworden wäre, hat mich schockiert. Die Ursache dieses Beinahe-Unfalls liegt aber nicht nur im Verhalten des/der LKW-Fahrerin begründet. Schuld an manchen Unfällen, wenn auch nicht diesem Beinahe-Unfall ist auch die miese, weil völlig unzureichende Verkehrsinfrastruktur der Stadt Dortmund. Im folgenden werde ich einige Stellen meines Arbeitswegs zeigen und erläutern, warum diese – auch bei StVO-konformen Verhalten von Radfahrenden gefährlich für sie ist.

Beginn der Westfaliastraße am Eck zur Unionstraße. Benutzungspflichtiger Radweg auf der falschen Seite. eigenes Foto.

Entlang der Westfaliastraße existiert tatsächlich ein gemeinsamer Rad- und Fußweg, durch niedrige Sträucher von der Fahrbahn getrennt. Die Idee der Trennung entspricht der Protected Bike Lane, kurz PBL, was zunächst positiv ist. Allerdings ist dieser Weg dennoch UNbenutzbar, weil er zu schmal ist. Denn er ist nicht nur als gemeinsamer Rad- und Fußweg, sondern auch als Zweirichtungsradweg beschildert. WIE SOLL man dort fahren können OHNE ZUSAMMENZUSTOßEN? Nicht-motorisierte Verkehrsteilnehmer*innen sollen sich dort auf 2 Metern Breite zusammendrängen, während Auto- und LKW-Fahrerinnen viel Platz, der meiste Platz im gesamten Straßenraum zugestanden wird. Eine einzige Zumutung. Aber es fährt wohl niemand vom Tiefbauamt oder der Polizei bewußt in der Westfaliastraße noch sonstwo Rad, sonst würden deartige Mißstände mehr Eingang ins Bewußtsein und Handeln dieser Personen finden. Vor allem bei Polizist*innen ist eine große Ablehnung, fast schon Abscheu zu spüren, wenn man Kritik an derartigen Wegen übt, wenn sie vom Baum der Erkenntnis essen sollen. Kritik an Bestehendem oder Zweifel scheinen offenbar mehr Schmerz als eine Gewinnung von neuen, sinnvollen Erkenntnissen zu bedeuten.

Der gemeinsame Rad- und Fußweg entlang der Westfaliastraße läuft nur auf der linken, also falschen Seite. Bei dieser Planung wird automatisch daovn ausgegangen, dass Radfahrende immer nur geradeaus fahren. Eigenartig nur, dass sie auch mal abbiegen wollen! Würde ich für meinen Arbeitsweg, ganz gleich ob ab der Kreuzung Unionstraße oder aus der Gegenrichtung vom Hafen kommend, diesen Radweg benutzen, müßte ich immer -genau genommen rechtswidrig – mit dem Rad den Fußgängerüberweg über die Westfaliastraße (Bild unten) und über die Königsbergstraße nehmen, um auf der rechten Straßenseite zu sein. Dieser – schilderkonforme – Weg ist umständlich und zeitaufwendig. Kein! Autofahrende*r würde solch eine Wegeführung lange dulden!

Blick von der Königsbergstraße aus auf die Westfaliastraße Richtung Hafen. Auf der linken, also falschen Seite der benutzungspflichtige gemeinsame Rad- und Fußweg.

Warum Radfahrende nicht wie alle anderen Fahrzeuglenker*innen auf der Straße fahren, sich links, bzw. rechts einordnen und damit sicher und in einem Zug abbiegen sollen (und danach sofort die Kreuzung wieder freigeben zu können), ist mir ein Rätsel. Sicher sind Radfahrende langsamer, nicht immer kann man sie gleich überholen. Da ist eben Geduld gefragt für ein paar Sekunden, genauso wie bei aus- und einparkenden Blechkisten in der Innenstadt, die den Weg versperren und die meine eigene Weiterfahrt verzögern. Seltsamerweise wird das von den meistens Autofahrenden seltener als störend und zeitraubend empfunden, während ich mir als Radfahrerin, nicht nur auf der auf der Westfaliastraße aber öfter ein lautes „Raaadweeg!“ aus dem Autofenster anhören darf, als ob ich keine Fahrberechtigung und Existenzberechtigung auf der Straße hätte. Wow, wie die sich auskennen, obwohl sie nur in ihrem Auto sitzen. Demnächst erzähle ich auch einer Pilotin, wie sie wo zu fliegen hat. Haha.

Huch,endlich geschafft! Abgebogen in die Königsbergstraße. sie führt über die Westfaliastraße und verbindet diese mit der Huckarder Straße.

Auf der Straße wird man als Radfahrende gesehen, weil man eben nicht „plötzlich“ von links, also vom Radweg kommt, um die Straße queren zu können. Rechtzeitige Handzeichen machen den Richtungswechsel klar. Mit einem Bewußtsein, dass Radfahrende gleichberechtigte Verkehrsteilnehmer* sind, dass Fahrradfahrer*innen zum Straßenverkehr selbstverständlich dazugehören, könnte es auf der Straße ein gutes Miteinander geben. In anderen Ländern klappt das schon längst, das Abendland ist dort nicht untergangen und keinem Mann ist irgendein Körperteil deshalb abgefallen. Leider hat sich in den letzten Jahrzehnten aber in vielen Hirnen die Ansicht durchgesetzt, dass nur motorisierten Fahrzeugen und ihren Insassen die Straße gehört. Das Auto als Teil der Persönlichkeit. Die gesamte Verkehrspolitik des 20. Jahrhunderts – und heute zum großen Teil immer noch – ist auf den motorisierten Verkehr ausgerichtet. Wenn das, was Autofahrende anrichten, nicht so schlimm wäre – die meisten Unfälle werden von motorisierten Fahrzeuglenker*innen verursacht, von der Luftverschmutzung mal ganz abgesehen – und nicht solch verheerende Auswirkungen auf die Umwelt hätten, könne man sagen: naja, lass Ihnen ihre Spinnerei. Angesichts der vielen Ghostbikes, auch in Dortmund, ist dem aber nicht so. Das Auto ist kein harmloses Verkehrsmittel.

Ein weiterer Grund für die Ablehnung der Benutzungspflicht dieses Radwegs in der Westfaliastraße sind die hohen Bordsteinkanten. Locker 20 cm hoch, sind sie höchstens war für Downhill- und Mountainbikefreund*innen, deren Territorium aber nicht die Teerstraße in der Stadt ist. Flüssiges, zügiges Fahren, das für alle Verkehrsteilnehmer*innen möglich sein muss, ist an dieser Stelle nicht möglich. Würde, ich , vom Containerhafen kommend, diesen Radweg benutzen wollen, müßte ich die Westfaliastraße queren, auf der rechten Fahrbahnseite anhalten und das Rad die Bordsteinkante hochheben. Es ist nicht ungefährlich, auf der Straße, mit dem Rad anzuhalten. Umständlicher geht es nicht. Hier ist NICHTS DURCHDACHT für den Radverkehr. Ich möchte die Autofahrer*innen sehen, die erst aussteigen und eine Schranke hochkurbeln müssen, durchfahren, die Schranke wieder runterkurbeln, um weiterfahren zu können. Auf dem folgenden Bild ist der zu hohe Bordstein deutlich zu erkennen. Bordsteine gehören abgesenkt!

Querung Westfaliastraße: der Bordstein ist weder gegenüber der Einmündung des Container-Hafen-Radwegs, (der ist gegenüber der Böschung neben der Bake) noch im weiteren Verlauf- nicht abgesenkt.
Nur schräg gegenüber findet sich eine Bordsteinabsenkung: weil dort ein Parkplatz ist. Der Bahnverkehr an dieser Stelle ist stillgelegt.

Um wenigstens nicht auf der Straße stehen und das Rad den Bordstein hochheben zu müssen, muss man entweder links (aus Blickrichtung der Fotografin) zur Einmündung der Mallinckrodtstraße fahren und mit dem motorisierten Verkehr zusammenzutreffen oder ein Stück nach rechts (vor den Autos im Bild) fahren, um eine abgesenkte Bordsteinkante zu haben. Beide Stellen der Bordsteinabsenkungen sind ungünstig, umständlich und auch nicht ungefährlich. Die motorisierten Verkehrsteilnehmer*innen, die von der Mallninckrodtstraße sind zu Recht möglicherweise verwundert, wenn ich neben ihnen auftauche, um sicher abbiegen zu können. Da ich von der Seite komme, ist es – zumindest bei Tag oft gut möglich (und muss es auch bei Nacht sein), Blickkontakt zum Fahrerhaus bzw. deren Insassen aufzunehmen. Wenn die Damen und Herren außerdem das Blinken nicht vergessen, weiß ich auch Bescheid, wo sie hin wollen und es enstehen zumindest selten potenzielle Unfallsituationen.

Um nicht über zu hohe Bordsteine hopsen zu müssen (jedes Lager am Rad stöhnt dann auf), müsste man die Westfaliastraße schräg queren. Sehr umständlich. Auch Radfahrende wollen zügig zum Ziel, z. B. zur Arbeit kommen – ohne unnötige Umwege und Schlangenlinien!

Einziger abgesenkter Bordstein auf der linken Seite der Westfaliastraße, wo der Radweg läuft – weil dort ein Parkplatz ist.

Der Beinahe-Unfall gestern, der mich so geschockt hatte, fand in der Gegenrichtung statt. Ich war auf dem Heimweg, der von der Huckarder Straße auf die Königsbergstraße und von dort aus auf der Westfaliastraße Richtung Hafen verläuft. Nach der Einmündung Mallinckrodtstraße, aus der der LKW gefahren kam, der mich fast getroffen hätte, (nur für motorisierten Verkehr) biege ich in den Radweg ein, der zwischen Mallinckrodtstraße und Containerhafen Richtung Nordstadt verläuft.

Gleich rechts nach dem Verkehrsschild: die Abfahrt von der Mallinckrodtstraße für den motorisierten Verkehr. Dahinter: die Eimündung des Radwegs entlang des Containerhafens. Eigenes Foto.

Es gibt an dieser Stelle nichts, was die Sicht stören könnte. Am Freitag abend bin ich auf dieser Straße gefahren, mit Licht. Der LKW kam von rechts, hätte mich also aus dem Fahrerhaus-Seitenfenster sehen müssen – auch bei Dunkelheit, auch unter dieser Brücke. Selbst wenn man meint, nichts zu sehen, ist Vorsicht geboten! Denn: es könnte immer ein Fahrzeug kommen.

Wohlgemerkt: ich habe keine Haß auf den/die FahrerIn des LKWs. Aber die Tatsache, dass trotz guter Sichtverhältnisse sie oder er das eigene, viel größere Fahrzeug einfach weiterrollen hat lassen zeugt doch davon, dass man nicht mit querenden Verkehr, der nicht mindestens Autogröße hat, gerechnet hat. Ein großer Fehler, denn: Radfahrende und Fußgängerinnen sind gleichberechtigte Verkehrsteilnehmerinnen, die jederzeit und auf und neben Straßen (außer Autobahnen) unterwegs sein können! Auch an einem Freitag abend im November in einem Industriegebiet. Jeder noch so enge Lieferterminplan sollte, MUSS EIN MENSCHENLEBEN WERT SEIN, dass man bremst und wartet! – Anstatt zu denken: „um die Zeit kommt doch niemand.“

Was dringend notwendig ist: dass motorisierte Verkehrsteilnehmer*innen ein Bewußtsein entwickeln, dass Radfahren im Alltag auf der Straße völlig normal ist. Das wünsche ich mir von allen, die ein Auto oder LKW steuern. Dass man mit dem Rad nicht nur am Sonntag nachmmittag zum Ausflug (mit oder ohne Kinder) fährt. Radfahrende sind gleichberechtigter Teil des Straßenverkehrs. Die hellste oder grellste Kleidung und auch kein Fahrradhelm kann das Defizit an Aufmerksamkeit, Umsicht und Rücksicht anderer Verkehrsteilnehmer*nnen, vor allem von motorisierten, ausgleichen. Auch wenn sich manche oder mancher mit der Styroporhalbkugel am Kopf subjektiv sicherer fühlt. Entscheidend ist, dass man funktionierendes Licht hat und ein verkehrssicheres Fahrrad fährt.

Radfahren – natürlich mit Licht.

Umso größer das Fahrzeug, umso größer der Schaden, den man als Fahrer-/in damit anrichten kann – das sollten sich vor allem LKW-Fahrer*innen klar machen. Ein Denken wie „ich bin hier der Größte, mir gehört die Straße“ ist völlig fehl am Platz. Selbst mit einem Lastenrad kann ich mehr Blödsinn anstellen als mit einem ordinären Rad.

Völlig ohne LKW-Verkehr wird es auch in Zukunft nicht gehen, jedoch muss in Sachen #Verkehrswende dringend mehr Güterverkehr auf die Schiene verlagert werden. Längere Lieferzeiten würden für entspannteres Fahren und auch mehr Rücksicht sorgen – und der/die einzelne muss akzeptieren können, dass das Paket eben nicht heute ankommt, gerade das Mehl im Supermarkt ausverkauft ist oder es in der Bäckereifiliale keine Nußschnecken mehr gibt. Nicht, um die Menschen zu ärgern, sondern: um ein entschleunigteres Leben zu haben, in dem man auf der Straße keine Angst um sein/ihr Leben haben muss. Außerdem trägt weniger motorisierter Verkehr zum Klimaschutz bei.

Die Stadt Dortmund ist aufgerufen, die Benutzungspflicht für diesen gemeinsamen Rad- und Fußweg in der Westfaliasstraße aufzuheben und ein schlüssiges Wegekonzept zu erarbeiten. Dieses ständige Hin und Her in der Wegeführung für Radfahrende ist ein Unding und führt bei ALLEN Verkehrsteilnehmenden zu großer Unsicherheit. Die Konzepte der Dutch Cycling Embassy enthalten dafür gute Anregungen. Die Vortragsreihe, die im September dazu stattgefunden hat, kann man hier nachhören und -sehen.

Passt auf Euch auf, da draußen. Und helft Euch gegenseitig, auch wenn „nichts passiert“ ist wie letzten Freitag. Ein paar freundliche Worte können schon unterstützend wirken. Denn der Schock wirkte auch eine Stunde später noch nach: außer Radiohören und 1 Bier trinken konnte ich zuhause nichts machen. Eine freundliche, unaufdringliche Ansprache und ein Stück Trost wären sehr hilfreich gewesen.

Weiterführende Links:

  • Forderungen des ADFC Berlin für LKW-Fahrer*innen: Diese Verkehrsteilnehmer*innen sind die Hauptursache für Radunfälle mit Todesfolge. Das ist auch durchaus auf Dortmund zu übertragen, auch wenn die Stadt kleiner ist.
  • Seite der Dutch Cycling Embassy hier.
  • Nicht jeder Weg im Alltag muss mit dem Auto zurückgelegt werden. Warum weniger Autos mehr Lebensqualität für alle bedeuten: der Verkehrsforscher Hermann Knoflacher im Interview mit der ZEIT. und dem ManagerMagazin.
  • Interview mit einer Überlebenden eines Unfalls, bei der ein Schwerlaster sie schwer verletzte. Beate Flanz hatte auch den Gedanken, doch besser nicht überlebt zu haben.

Umsteigen – immer gern? Stadt Dortmund wirbt mit Kampagne umsteiGERN für´s Radfahren in der Stadt

Im Frühjahr 2020 rief die Stadt Dortmund dazu auf, dass man sich melden solle. Die eigene Radfahr-Geschichte von Dortmund sollte in einer Kampagne erzählt werden. Die Coronakrise hatte den Start verschoben. Nun kann man in der ganzen Stadt auf Litfaßsäulen die neuen Models des Radverkehrs Dortmund bewundern.

Unser Oberbürgermeister macht es vor.

Oberbürgermeister Ulrich Sierau wirbt für das Rad als Alltagsverkehrsmittel. eigenes Foto

Auch ich habe überlegt, mitzumachen. Nach meinem Umzug im Frühjahr wohne ich auch in einem ruhigeren Teil der Nordstadt, so dass ich nicht jeden Tag beim Radfahren so viel Stress habe, wie es am Borsigplatz der Fall gewesen war. Meine Radfahr-Geschichte wäre kaum positiv ausgefallen, wie es diese Kampagne verlangt. Allerdings habe ich mich dann entschieden, die eigene Modelkarriere doch nicht zu starten. Wer nämlich als Botschafter* für umsteiGERN agiert, landet automatisch auf eben so einem Plakat wie ein gewisser Uli. Und das ganz ohne Modelmaße, Schminke, hochhackigen unbequemen Schuhen und ohne die neuesten Klamotten am eigenen Körper. Wow.

Warum ich auf den Ruhm, den „Fame“, zumindest als C-Promi verzichte?

Weil die Stadt Dortmund mit ihrer Kampagne umsteiGERN Werbung für etwas macht, das es nicht gibt. Es ist löblich, dass das Thema Radverkehr zumindest im Fokus der Verwaltung und auch der Politik steht, dass man z. B. den „Radwall“ entlang des Ostwalls bauen will. dass man das Thema immer wieder in Pressemeldungen verlauten lässt. Aber: Worten müssen zeitnah Taten folgen! Wer am Ostwall mit dem Rad fahren will, muss sich an zahllosen Auto-Parkplätzen vorbei mühsam durch den Parkplatzsuchverkehr von platzraubenden Blechkisten kämpfen. Das Radfahren dort macht keinen Spaß, weil man – anders als auf dem Plakat von Sebina behauptet, eben kein „Go and Go“ hat.

Leider oft ein Stop and Go statt Go and Go: der Radverkehr in der Stadt Dortmund.

Außerdem wollen auch Radfahrende zügig vorankommen und nicht ständig hinter stinkenden PKWs auf die Weiterfahrt warten müssen. Verkehrslärm inklusive. Absurderweise gibt es dann auch noch Einfahrt-Verboten-Schilder, bevor man den Brüderweg queren möchte, um Richtung Südwall bzw. Friedensplatz zu fahren. Streng genommen muss man, nachdem man den Abenteuerride des Autoparkplatzes erfolgreich überlebt hat, links auf den Gehweg ein Stückchen fahren, um die Ampel der Fuß- und Radfahrer*querung des Brüderwegs zu erreichen. Das Niveau des nächsten Spielelevels „How to survive as a German cyclist“ soll schließlich nicht in entspanntes oder gar freudiges Radfahren herabsinken. Das HighLevel konnte ich im August 2019 erleben, als ich bei Grün den Südwall von der Elisabethstraße kommend, queren wollte, um zum Stadtgarten zu gelangen. Ein Raser überholte die wartenden Autos und raste genau vor mir vorbei. Das Lastenrad ohne Motor, das ich dabei hatte, hatte mir wohl das Leben gerettet, weil ich mit diesem nicht so schnell auf die Straße treten hatte können. Körperlich unverletzt, war der Schock über so viel Verantwortungslosigkeit und Unfähigkeit groß. Die Wut über solche Arschlöcher und über einen schlampigen und völlig gleichgültigen Gesetzgeber und Bundesbenzinkanister – äh Verkehrsminister – bleibt. Außer dem Anruf der Polizei am nächsten Tag, dass die Anzeige eingegangen sei, habe ich nichts mehr gehört. Aber nein doch, Strafen wie in der Schweiz, den Niederlanden oder Dänemark wären viiieel zu unverhältnismäßig! Mit anderen Worten: dem Gesetzgeber sind nicht-motorisierte Verkehrsteilnehmer* scheißegal. Nicht der Raser/die Raserin ist schuld, sondern Ihr, weil Ihr keine depperten Protektoren an Armen und Beinen sowie eine Styroporhalbkugel auf dem Kopf getragen habt. Haha.

Ist nett gemeint, diese Kampagne. Aber bisher hatte kein-/e Politiker-/in und auch niemand aus der Verwaltung wirklich den Mut, wirklich was Wirksames für den Radverkehr zu tun. Außer Farbe auf die Straße zu pinseln, ist der Stadt noch nicht viel eingefallen. Ok, es gibt jetzt zwei Fahrradbeauftragte, deren Macht und Einfluß aber begrenzt ist. Die Angst vor den scheinbar vielen erbosten Autofahrer-/innen, die ihr (Vor-)recht durch #MehrPlatzfürsRad beschnitten sehen, ist leider zu groß. Rückgrat muss man eben haben. Stadtplaner Stefan Bendiks drückte es bei einem Vortrag im Baukunstarchiv Dortmund sinngemäß so aus: „zuerst schimpfen sie alle, weil sie nicht mehr mit dem Auto in die Innenstadt fahren und parken können. Aber dann merken sie, was los ist: dass man plötzlich Platz hat, um in Ruhe auf der Parkbank sitzen zu können und die eigenen Kinder spielen lassen kann, weil nicht mehr die Gefahr droht, sie könnten überfahren werden.“ Ebenso verhält es sich mit anständigen, weil genügend breiten Fahrradwegen, übersichtlichen Kreuzungen und auf den Radverkehr abgestimmten Ampelanlagen. Den „Toten Winkel“ gibt es nicht mehr. Aber nein, viiiieel zu anstrengend. Müsste man sein Hirn komplett anders strukturieren, anders denken, wenn das Auto nicht mehr das Alltagsverkehrsmittel ist.

Sport- und Spielplatz nur weiter draußen in abgesperrten Bereichen: in der Innenstadt wird immer noch zu viel Platz von Autos blockiert.

UmsteiGERN erinnert mich etwas an den Film (auf arte) einiger tschechischer Kunststudierender vor ein paar Jahren, die in einer Kunstaktion Werbung für einen großen Supermarkt gemacht haben. Ein gigantisches Einkaufsparadies sollte der „tschechische Traum“ sein. Werbeprospekte wurden gedruckt, es gab sogar einen Popsong für diesen Markt, große Werbeplakate waren in der Stadt zu finden. Am Tag der scheinbaren Eröffnung kamen viele Leute auf den Platz, einer der Kunststudierenden trat als Marktleiter auf – um das Einkaufsparadies zu enthüllen – und zu zeigen, dass es hier nur einen leeren Platz gab. Das ganze war nicht nur eine Kunstaktion, sondern auch ein Test, wie Leute auf Werbung reagieren würden. Auch hier wurde – wenn auch aus anderen Gründen – Werbung für etwas gemacht, was es nicht gibt. Der Stadt Dortmund rennt aber wegen der Werbung für umsteigGERN niemand die Bude ein. Dafür ist Radfahren im Alltag nicht gewöhnlich genug und nicht attraktiv. Man kann nur hoffen, dass nach der Kommunalwahl am 13. September endlich jemand die Eier hat, konsequent durchdachte Maßnahmen FÜR DEN RADVERKEHR IN DORTMUND durchzusetzen – damit wirklich viele Menschen vom Auto auf das Rad umsteiGERN.

Seite der Kampagne umsteiGERN der Stadt Dortmund hier.

Foderungskatalog von Aufbruch Fahrrad für die Förderung des Radverkehrs hier.

Zeit kann man nutzen, wenn man sie vorher einsparen konnte: das geht aber nur, wenn man in Dortmund die Schleichwege ohne Bettelameln und vielem Verkehr kennt.

Offener Brief an die Polizei Gladbeck und die Westdeutsche Allgemeine Zeitung Gladbeck: CM Gladbeck

Offener Brief an die Polizei Gladbeck und an die Westdeutsche allgemeine Zeitung Gladbeck (WAZ)

Betrifft: Critical Mass in Gladbeck, Vorfall am Freitag den 18. Oktober 2019

Sehr geehrte Medienvertreter-/innen, sehr Damen und Herren der Gladbecker Polizei, sehr geehrte Autofahrerinnen und Autofahrer.

Am 18. Oktober 2019 war ich aufgrund eines anderen Termins nicht bei der Critical Mass (kurz: CM) in Gladbeck mit dabei. Als langjährige Mitfahrerin verschiedener Critical-Mass-Treffen sehe ich es aber als geboten an, ein paar Hinweise zu den Aussagen der Gladbecker Polizei zu geben. Ich betone, dass ich für keine der im Text genannten Critical-Mass-Touren eine Organisatorin oder Veranstalterin bin. Ich bin nur eine der vielen Teilnehmerinnen und ADFC-Mitglied. Der ADFC ist ebenfalls nicht der Organisator von einer CM, Mitglieder des ADFC sind eben bei den Stadtrundfahrten der CM dabei.

Ich glaube, dass in dieser Sache einiges schiefläuft, was man an den Aussagen der Polizei Gladbeck  ablesen kann. Die Auswahl des Verkehrsmittels bestimmt das Denken und somit auch die Aussagen einer Person. Warum wollten Sie am 18. Oktober alle Fahrräder konfiszieren? Warum sollen nicht einmal im Monat eine Gruppe Radfahrende durch die Stadt Gladbeck fahren? (Bekanntgabe der Ereignisse durch verschiedene Teilnehmer auf der Facebook-Seite der CM Gladbeck).

 Die Tatsache, dass – scheinbar plötzlich – viele Radlerinnen und Radler auf einmal auftauchen und durch die Stadt fahren? Wenn Sie über eine größere Menge Radfahrerinnen und Radfahrer überrascht sind, warum sind Sie es nicht jeden Tag, wenn Massen von motorisierten Fahrzeugen, meist PKW, unsere Straßen verstopfen? Es mutet schon eigenartig an, dass niemand gegen diese Blechlawinen z. B. auf dem Innenstadtring von Dortmund, dem „Wall“ oder in Essen auf der Gladbecker Straße protestiert, aber wegen einer im Monat einmaligen größeren Menge an Radfahrer-/innen gleich eine Verkehrsbehinderung sieht, die sofort beseitigt werden müsse.

 Fahrräder sind Fahrzeuge, die auf der Straße fahren dürfen (§63a STVZO), solange es keine benutzungspflichtigen Radwege (blaue Schilder mit Fahrradsymbol) gibt. (Dass diese oft nicht benutzbar sind, weil sie zugeparkt oder verdreckt sind, ist bei einem „Verband“ wie der CM nicht von Bedeutung, sehr wohl aber im Alltagsverkehr, der auch Radverkehr ist). Einzige Ausnahme der Verweigerung, Fahrradfahrer-/innen auf die Straße zu lassen, könnte fehlendes Licht sein (§ 67 STVZO).

Sehr geehrte Damen und Herren von der Gladbecker Polizei. Ich habe den Eindruck, dass Sie fast ausschließlich wie Autofahrer-/innen denken und somit die Sicht eines Autofahrers auf den Stadtverkehr haben.

Dass es Ihnen ungewöhnlich, – vielleicht sogar bedrohlich, weil nicht beherrschbar – erscheint, wenn viele Radfahrer-/innen als große Gruppe unterwegs sind liegt schlicht und einfach daran, dass Sie diese Situation nicht oder kaum kennen. Deutschland ist leider unvernünftiger Weise immer noch ein Autofahrerland. Jeder Mensch, der/die etwas Ungewöhnliches, unbekanntes sieht, reagiert zuerst meist abweisend oder unsicher. Das ist an sich normal. Doch dabei darf man nicht stehen bleiben.  Der Autoverkehr hat in Deutschland immer noch einen großen Anteil, weshalb Sie wohl gewohnt darin sind, hauptsächlich diesen zu regulieren, vermute ich.

Fakt ist: in vielen Städten hat der Autoverkehr immer noch Vorrang, was zu Konflikten mit Radfahrer-/innen führt. Bei Stadtratsbeschlüssen wird viel mehr auf die Belange des Autoverkehrs Rücksicht genommen, die Radfahrerlobby hat meist nur wenig Stimmgewicht. Was nicht heißen soll, dass es das Engagement von z. B. VeloCityRuhr, dem ADFC oder der Initiative „I bike Nbg.“ nicht zu würdigen sei. Das zeigt sich schon allein daran, wieviel Platz dem motorisierten Verkehr zugestanden wird: mehrere Spuren für eine Richtung, während Radfahrende sich den wenigen Platz auf dem Bürgersteig teilen sollen.

Bereits im Juli 2019 wurde in den Medien berichtet, dass der Mensch zu verschwenderisch lebt und bereits die Ressourcen seiner Kinder aufbraucht https://www.umweltbundesamt.de/themen/earth-overshoot-day-2019-ressourcenbudget

Der Klimawandel ist unübersehbar und spürbar. Und dann wollen viele immer noch auf das Auto als innerstädtisches Verkehrsmittel setzen??

Als langjährige Mitfahrerin der Critical Mass in Nürnberg, Erfurt, Dortmund, Wuppertal und Bochum, Bottrop und Duisburg denke ich, dass es vergangenen Freitag den 18. Oktober 2019 bei der CM Gladbeck zu einigen Missverständnissen gekommen ist.

1.) Straßenverkehrsordnung:

Es ist erlaubt, auch als Radfahrerinnen und Radfahrer im Verband zu fahren (§ 27 1 StVO). Die Critical Mass bietet für manche Menschen auch die Gelegenheit, in friedlicher Atmosphäre Gleichgesinnte zu treffen, miteinander zu plaudern (vor allem vor und nach der Fahrt) und eine schöne Zeit zu erleben. Und das für umsonst. Nicht jede(r) hat das Geld, immer in eine Kneipe oder Lokal zu gehen, um Freunde zu treffen. Eine friedliche Versammlung von Menschen – mehr kann man sich als Ordnungshüterin, als Polizei doch nicht wünschen, oder? Wenn sich spontan ein Autokorso nach einem Fußballsieg bildet, ärgern Sie sich doch auch nicht und wollen diesen auflösen… zumindest konnte ich das noch nie beobachten.

2.) Entgegen Ihrer Befürchtung, es würde durch die vielen Radfahrer-/innen bei der CM zu Unfällen kommen, sind bei jeder CM Regeln zu beachten, die auch auf den Facebook-Seiten einer jeden Ankündigung deutlich genannt sind. Gegenseitige Rücksichtnahme, flüssiges Fahren und nicht quer in die Gruppe fahren, funktionierendes Licht, freundlicher Umgangston sind nur ein paar wichtige Regeln, an die sich jede(r) zu halten hat. Die CM Berlin hat dies auf http://criticalmass-berlin.org/critical-mass/verhaltensregeln/

gut zusammengefasst. Diese Regeln gelten für alle CMs auf der Welt.

 Wer Regeln nicht befolgt, wird meist sofort von anderen Mitfahrenden gerügt, ggf. sogar ausgeschlossen. Dies alles schließt eine besondere Rücksichtnahme für Kinder ein. Es ist deshalb nicht unverantwortlich, seine Kinder mit zur CM zu nehmen. Bei der CM in Dortmund konnte ich außerdem beobachten, dass die CM Einsatzfahrzeugen mit Blaulicht sofort Platz machte, damit sie zu ihrem Einsatz (der nicht die CM betraf) fahren konnten. Das Martinshorn ist schließlich nicht zu überhören: diejenigen, die es zuerst hören, informieren durch lautes Rufen sofort die anderen Teilnehmer-/innen, so dass alle Radfahrer/-innen hintereinanderfahren und eine lange Reihe bilden, an der jedes Einsatzfahrzeug schnell vorbeifahren kann.

Idioten gibt es überall und immer, nirgends gibt es keine ‚perfekt‘ funktionierende Gruppe. Weder bei Radfahrenden, noch bei Brillenträgern, bei Sportler-/innen oder auch Musiker-/innen etc. Bei der CM Wuppertal fuhr mir auch mal ein Radler quer durchs Feld vor mein Rad, ohne dass dafür ein Grund gegeben hätte. Ich habe ihn sofort zur Rede gestellt – da war er plötzlich ganz still. Wer z. B. Bei der Critical Mass Nürnberg kein Licht hat, darf gar nicht mitfahren.

Jeden Tag stauen sich Massen von Autos, die auch noch die Luft verschmutzen und stinken, auf den Straßen einer Stadt.Und wenn einmal im Monat eine Masse von Radlerinnen und Radlern durch die Stadt fährt, zeigen Sie sich entsetzt?

Warum sind Sie nicht entsetzt, wenn jeden Tag Massen von Autos durch die Stadt rollen oder besser – meist nur rumstehen, weil es aufgrund des Staus minutenlang (und länger) nicht weitergeht?

Die CM Dortmund in der Fußgängerzone, wo ab 20 Uhr Radfahren erlaubt ist. Und so gut sichtbar! Foto: A. Steger

3.) Hauptgrund für Unfälle mit Radfahrern: fehlende Infrastruktur und Autofahrer-Denken

Ich bin mir sicher, dass die Mehrzahl der CM-Teilnehmerinnen und Teilnehmer genau wie Sie als Polizei an einem störungsfreien Straßenverkehr interessiert sind. Das heißt: jede/r Radfahrer-/in möchte sicher unterwegs sein in der Stadt. Sicher als Radfahrer-/in unterwegs sein ist nur möglich, wenn es eine gute Radinfrastruktur gibt.

Ja, Sie haben richtig gelesen: eine INFRASTRUKTUR FÜR RADFAHRERinnen. Damit sind nicht nur Radwege gemeint (Nur ein paar Tips für eine gute Gestaltung: http://www.adfc.de/verkehr–recht/radverkehr-gestalten/uebersicht-radverkehr-gestalten) . Seltsam, dass bei Stadtratsberatungen und -beschlüssen so gut wie immer an die Bedürfnisse des Autoverkehrs gedacht wird. Der Radfahrer stört im Stadtverkehr dann nur – klar! Weil er nicht bei der Planung berücksichtigt wurde, muss er eben auf der Straße fahren, über Fußgängerüberwege fahren, gefährliche Kreuzungen nehmen, dem Autofahrer scheinbar „im Weg sein“, unfreiwillig im „Toten Winkel“ stehen, will er oder sie seinen gewünschten Weg zur Arbeit u.a. zurücklegen. Zum „Toten Winkel“, den es eigentlich nicht mehr geben müsste, finden Sie am Ende des Briefs ebenfalls noch Informationen.

Die Critical Mass weist allein durch ihre Präsenz auf die fehlende Infrastruktur hin. Auch wenn die Nürnberger Polizei von „Verkehrsbehinderung in ihrem Bericht spricht (S. 111 von: https://www.polizei.bayern.de/content/4/3/7/4/5/sicherheitsbericht_2018.pdf ), beschreibt sie die Critical Mass Nürnberg als störungsfrei. Ihre Nürnberger Kolleginnen und Kollegen sind übrigens zumindest auf Motorrädern dabei, Ihre Kölner Koll. Mit Fahrrädern, letzteres stärkt die Glaubwürdigkeit und auch ein Stück Vertrauen in Sie als Behörde. Und das können Sie sich von den Bürgerinnen und Bürgern schließlich nur wünschen. Rufen Sie die Polizei Mittelfranken in Nürnberg gerne an: sie kommt mit tausenden von Fahrradfahrer-/innen auf einmal gut zurecht ( : https://www.br.de/nachrichten/bayern/rekordbeteiligung-bei-fahrrad-demo-in-nuernberg,QqVGXuy ). ( https://www.polizei.bayern.de/?uigmd=N%C3%BCrnberg&gdts=564000001&gmds=564000&gmdklartext=90403%20N%C3%BCrnberg )

  Dass die Autofahrer-/innen sich durch die CM gestört fühlen, ist dabei völlig klar und auch beabsichtigt: einmal im Monat er-fahren Autofahrer-/innen wie es ist, ausgebremst und blockiert zu werden. So wie es Radfahrer-/innen jeden Tag im Stadtverkehr geht. Ich habe bei Mitfahrten in verschiedenen Städten beobachtet, dass Radfahrer-/innen, die den zügigen Fluss von Radfahrern an Kreuzungen sichern, indem sie sich vor die Autos stellen („corken“), dass sie das höfliche Gespräch mit Autofahrern suchten. Anfauchen oder Anschreien von Autofahrern widerspricht den Regeln einer jeden CM.

Sicherer Radverkehr braucht eine radfahrfreundliche Infrastruktur, die u. a. Der Allgemeine Deutsche Fahrradclub = ADFC immer wieder fordert und darüber informiert. Außerdem braucht es bei der Polizei und vielen Bürgerinnen und Bürgern ein Umdenken, dass Radfahren nicht nur etwas für den Sonntagsausflug ist. Das Fahrrad ist ein gleichberechtigtes Verkehrsmittel zum Auto, mit dem man zur Arbeit fährt, zum Einkaufen, zu Freizeitaktivitäten – eben was viele auch mit dem Auto machen. Erst wenn man nicht nur wie ein Autofahrer denkt, sondern auch mal vom Fahrrad aus durch die Stadt fährt, versteht man die Bedürfnisse der Radfahrer.  Auto als Statussymbol? – das war einmal, das kenne ich noch von meinem Vater; der war Jahrgang 1942. Nur in den 1950er Jahren galt jemand arm, der Rad fuhr. Mit dem Angebot an guten (und auch hochpreisigen, qualitativ sehr guten Rädern) sollte dieses Denken im Jahr 2019 eigentlich endlich Schluss sein. Erst recht in einer Zeit, in der Umdenken sehr nottut, weil der Klimawandel unsere Lebensgrundlagen bedroht. Sie möchten auch nicht, dass Ihre Enkel oder die Kinder Ihrer Enkel im Bunker aufwachsen müssen.

Wenn eine gute Infrastruktur vorhanden ist und das Denken nicht auf das Auto mehr beschränkt ist, fühlen sich alle Verkehrsteilnehmer-/innen sicher – und es gibt weniger Unfälle.

Tip: fragen Sie doch mal bei der Polizei in den Niederlanden (so weit ist das von NRW aus ja nicht) oder Kopenhagen nach. Die muss jeden Tag mit einer Masse von Fahrradfahrerinnen und Fahrradfahrern fertig werden. Konflikte, Ärger und Unfälle nicht ausgeschlossen. Sind eben alles Menschen, die auf den Sätteln sitzen. Aber es funktioniert – weil die Niederländer-/innen und Dän-/innen rechtzeitig, also schon vor Jahren mit dem Umdenken angefangen haben. In den Niederlanden waren es zu viele tote Kinder im Straßenverkehr, die zu massiven Protesten der Bevölkerung gegen die Stärke und empfundene Übermacht des motorisierten Verkehrs zu einem Umdenken geführt haben.

Ein belgischer, aus Nordbayern stammender Stadtplaner hat seine Projekte in einem sehr informativen Vortrag vorgestellt. Vor allem sein Konzept „rundum Grün“ zeigt, dass es nicht mehr Unfälle gibt, weil es mehr Radfahrende auf den Straßen gibt. Die Stadtverwaltungen haben seine Vorschläge nach anfänglicher Kritik als gut befunden: https://www.nordstadtblogger.de/wenn-die-stadt-fuer-menschen-statt-autos-gebaut-ist-stefan-bendiks-ueber-innovative-mobilitaetskonzepte-der-zukunft/

In beiden Ländern, den Niederlanden und Dänemark gilt: Nicht komplett gegen das Auto – aber mit dem Fahrrad als völlig gleichberechtigtes Verkehrsmittel im Stadtverkehr. Deutsche Autofahrer-/innen müssen lernen, mit Radfahrenden zu rechnen: sei es, wenn sie abbiegen wollen, die Autotür öffnen, die Spur wechseln etc. Nur so kann ein gutes Miteinander gelingen: durch Anerkennung des Radverkehrs, nicht durch das Tragen von Warnwesten und Helmen. Beide Maßnahmen können die/den einzelnen mehr Sicherheitsgefühl geben – aber Sicherheit bieten sie nachweislich nicht – das geschieht nur durch Anerkennung von Radfahrenden als gleichberechtigte Verkehrsteilnehmer-/innen.

Auf weiterhin friedliche und fröhliche CMs freut sich

Mit freundlichem Fahrradgeklingel

Angelika Steger

Quellen:

Verbände: § 27 StVO: https://www.gesetze-im-internet.de/stvo_2013/__27.html

Zulassung von Fahrrädern auf der Straße § 67 StVZO https://www.gesetze-im-internet.de/stvzo_2012/__67.html

Weiterführende Informationen:

Mobilität von gestern - und heute. Foto: A. Steger
Mobilität von gestern und heute. Foto: A. Steger

Städte- (und Fußball)diplomatie ;-)

Seitdem ich in Dortmund wohne, habe ich das Lastenradfahren kennenlernen können. In der alten Heimat fuhr ich mit Hänger, Kupplung am Oberrohr, aber damit hatte ich leider viel Unheil und einmal auch Schiffbruch erlebt. Ein Idiot unter den Getränkehändlern hatte mich sogar mal beleidigen müssen, weil die Deichsel gebrochen gewesen war (er hat später seine gerechte Strafe bekommen gehabt). Seitdem ich den „Roten Rudolf“ von VeloCityRuhr gefahren bin, will ich nichts anderes als ein Lastenrad mehr, um Getränkekästen, Altpapier oder einfach Taschen mit Sportsachen oder Schreibmaterial sicher transportieren zu können. Das ist nämlich der entscheidende Punkt: die Sicherheit beim Transport. Kein Gewackel mehr, kein Ausscheren, keine kaputtgehende Deichsel mehr. Auch wenn jedes Lastenrad einen größeren Wendekreis hat, hat man als Fahrerin die Ladung immer im Blick. Auch eine offen gelassene Tasche, wenn sie denn nicht bis zum Rand bepackt ist, kippt nicht unbedingt auf der Ladefläche um und man ärgert sich nicht, dass man (fast) was verloren hat. Allerdings ist ein Lastenrad, soll es ein gutes und passendes Modell sein, genauso unbezahlbar für mich wie ein Anhänger für das Rad.

In der Vergangenheit konnte ich schon mehrere Lastenräder testen. Das gemächliche „Bakfiets“, das eher was für eine Parade als für ein Rennen ist (der ULF vom ADFC Unna) , das Bullitt von Punta Velo aus Essen, das sowas wie der Platzhirsch im Ruhrgebiet geworden ist: viele fahren dieses Modell, das sieht es vor allem bei den zahlreichen Critical Mass-Touren in den verschiedenen Städten. Vorteil: wendig, nicht so schwer wie die holländischen Modelle. Auch eine Radkutsche durfte ich kurzzeitig mal ausprobieren, sie gehört dem ADFC Neuss. Etwas schwerfälliger als das Bullitt, aber mit niederem Durchstieg – nicht nur eine Erleichterung, wenn frau mal Rock trägt. Und doch flotter als der ULF, das Bakfiets Rad (Fahrbericht hier).

Alle Modelle gibt es auch mit E-Motor, nur macht der das Rad natürlich teurer und schwerer. So schön wie z. B. der ULF in der Ebene dahingleitet, so wünschte man sich bei den zahlreichen Anstiegen in und um Unna schon die Unterstützung durch die elektrischen Pferde, die die Fahrerin oder Fahrer unterstützen würden. In den Niederlanden stört es nicht, dass ein Lastenrad einen massiven Rahmen und Gewicht hat. In hügeligem Gelände ist das Fahren damit eine Herausforderung. Vorteil: den ULF bringt so schnell nichts aus der Ruhe und aus der Spur… eilig haben darf man es mit ihm aber nicht.

Beim Lastenradrennen dieses Jahres fand auch wieder das E-Bike-Festival in Dortmund statt. Erstmals konnte ich ein Riese-und-Müller-Lastenrad probefahren. Wow, ging das ab! Ich wollte es nicht mehr hergeben… Knackpunkt ist aber auch hier der Preis: 5000€ Minimum, je nach Ausstattung. R+M ist der Mercedes unter den Rädern, schon immer. Aber eben sehr verlässlich. Im Jahr 2003 hatte ich mir ein Faltrad leisten können, es wurde ein rotes Birdy, das ich immer noch fahre, wenn es auch hier und da manchmal zickt, wenn es wieder auseinander gefalten wurde, will der hintere Mechanismus nicht richtig einrasten, braucht einige Zeit, bis man wieder normal fahren kann.

Ein Bekannter der CM Bottrop hatte Mitte Oktober einen Artikel auf Facebook genannt, in dem von dem neuen Lastenrad, das die Stadtentwicklungsgesellschaft (= SEG) Gelsenkirchen nun ausleihen würde, berichtet wurde. Auch wenn es auf dem Artikel-Bild nicht zu sehen gewesen war, hatte ich die Marke gleich erkannt. Es war MEIN TRAUMMODELL, ein Riese und Müller Packster 60! Das musste ich unbedingt fahren!

Riese und Müller-Familie: das Modell Packster 60 und das Birdy red. Lastenrad und Faltrad gehören zusammen. Fotos: A. Steger

Den ersten Tag der Abholung von GErda, wie das Lastenrad von Gelsenkirchen-Ückendorf heißt, habe ich in einem Brief an einen ADFC-Kollegen beschrieben. Zuerst war es schwierig, das richtige Haus zu finden, weil die SEG dort offensichtlich frisch eingezogen ist und an der Hauswand, vollgestellt mit Gerüst, keine Hausnummer zu sehen gewesen war. Die BoGeStra hatte mir doch keinen Unsinn erzählt, dass ich an der Haltestelle „Stephanstraße“ aussteigen sollte? Nein, es war schon richtig. Nur: in diesem Teil der Stadt war ich selbst mit der Critical Mass Gelesenkirchen noch nicht gewesen. Etwas verwundert war ich, dass ich außer meinem Ausweis (so üblich) auch noch mal meine Telefonnummer angeben sollte. Eigentlich steht alles im Ausleihsystem drin. Aber gut, viellelicht ist man mit den Modalitäten noch nicht so vertraut. Da ist also Geduld bei der Ausleiherin gefragt.

Mit der GErda entlang der Kray-Wanner-Bahn und der Erzbahntrasse. Fotos: A. Steger

Was für eine Freude, mit diesem Rad zu fahren! Wenn es bergauf geht oder man eine Anstrengung merkt, helfen die elektrischen Pferde nach und schieben an. Eine große Erleichterung.

Nun die erste Begegnung und Fahrt, geschildert in dem Brief an den ADFC-Kollegen:

[…] Hilfsbereite Anwohner, darunter ein Kioskbesitzer gaben mir aber bereitwillig Auskunft. Die Bochumer Straße an dieser Stelle in Gelsenkirchen ist schon krass: viele Läden stehen leer oder die Häuser sind heruntergekommen. In der Dortmunder Nordstadt, wo ich wohne, gibt es ähnlich aussehende Straßenzüge, auch in anderen Teilen der Stadt.

Ich wollte die Route messen, wie lange ich mit Pause brauchen würde. In Bochum wollte ich was zu essen kaufen, doch interessanterweise traf ich erst auf vegetarische Imbißbuden, dann nervte mich eine gar nicht schlampig aussehende Bettlerin. Ich hatte sehr Hunger, es war 15 Uhr und ich hatte noch kein Mittagessen o.ä. gehabt. Auf gut Glück fuhr ich in die Herner Straße… die Frikadellen bei Dönnighaus sind eindeutig versalzen, wie ich feststellen musste, aber ich traf eine Bekannte aus der Dortmunder Nordstadt mit ihrem hellblauen Brompton. Wir fuhren gemeinsam Richtung Dortmund, es war nett, wenn für meinen müden Kopf auch anstrengend, weil sie soviel redete. Und sie heizte ein! Ich staunte nicht schlecht, wie sie mit den kleinen 16-Zoll-Rädchen ihres Bromptons mit mir oben auf war, während ich mithilfe der elektrischen Pferde 25, mal 22 Sachen drauf hatte. Leider vergaß ich immer wieder, komoot wieder zu aktivieren, das war schade, so war es ein verkorkster Streckenverlauf. Aber was soll ich mich beschweren, hatte ich doch so eine nette Begegnung gehabt.

Westpark Bochum: das Ende, bzw. der Anfang der Erzbahntrasse.
Westpark Bochum: das Ende, bzw. der Anfang der Erzbahntrasse.

Auf halben Weg in der Borussiastraße lernte ich durch St. den Laden „Rudat“ kennen, dort kann man, wie die Werbung verheißt, „Biere aus aller Welt“ kaufen. Kaum war ich drin, traute ich meinen Augen nicht: es gab dort Bier aus der Fränkischen Schweiz! Ich spürte fast Sehnsucht, denn in Breitenlesau war ich bei meiner eigenen Radtour vorbei gefahren. Fast jedes Dorf dort hat seine Brauerei. In Gelsenkirchen hatte ich auch eine „Trinkhalle“, ähnlich der in der Herner Straße in Bochum, gesehen, die Bier der Brauerei Meister aus Untermerzbach hatte. Wahnsinn. Ist übrigens bezahlbar, 85 Ct habe ich für eine Flasche Krug-Bräu heute bezahlt.

Als wir uns in der Innenstadt am Friedensplatz verabschiedet hatten, musste ich mich erst mal hinsetzen, um runter zu kommen. Ist eben auch anstrengend, meine Pause in Bochum war auch zu kurz gewesen.  Glücklicherweise stellte mir ein Bekannter eine sichere Unterstellmöglichkeit zur Verfügung.

Morgen fahre ich wieder damit, möglicherweise bin ich auch bei der CM Bochum dabei. Heimfahren mit der freundlcihen Unterstützung von elektrischen Pferden machen eine weniger anstrengende Hin- und Rückfahrt möglich. Ich hoffe, dass ich mein altes Stadtrad flott kriege, ich hatte den Sattel abgemacht, weil beim schwarzen Lastenrad Bullitt von Euch Essenern, bzw. von  dem einen VCR-Mensch, ich für die Nutzungsdauer den Sattel austauschen hatte müssen. Seitdem habe ich leider meinen Sattel nicht mehr auf das Stadtrad gemacht. Es soll in der Garage meines Bekannten stehen, wenn ich mit dem lastenrad Gerda unterwegs bin, damit ich immer mobil bin.

Gute Nacht, immer gute Fahrt und freundliche Fahrradgrüße,

Radweg Kray-Wanner-Bahn bei Gelsenkirchen Richtung Bochum.
Radweg Kray-Wanner-Bahn bei Gelsenkirchen Richtung Bochum.

Allerdings wurde es nichts mit der alten Stadtgurke als Zubringer-Rad: ich hatte übersehen, dass ein Stück fehlte, das Gegenstück von unten, um den Sattel festzumachen. Das nervte gewaltig. Ich finde diese Schraube nicht mehr. Auch ein Fahrradhändler in der Nähe hatte mir nicht helfen können, offensichtlich handelt es sich um ein altes Modell mit alten Maßen. Kommt mir seltsam vor, aber so ist es wohl… als Laie schraubt man auch nicht jeden Tag einen Sattel auf ein Sattelrohr, es fehlt die Übung. Seufzend und genervt steht das elende Ding nun ohne Sattel in der fremden Garage, ich nahm ein anderes Rad als Zubringer zum Standort des Lastenrades GErda. Einmal nahm ich auch ein Leihrad von nextbike, glücklicherweise gibt es jetzt auch in der Nordstadt Standorte, mit den dringend neuen, benötigten Rädern.

Am Freitag fuhr ich dann mit Karacho nach Bochum, leider durch die Arbeit und auch Rest-Erschöpfung vom Vortag war die Eile geboten. Unterwegs fuhr plötzlich ein Handwerker-Auto auf den Radweg, genau vor der Ampel. Ich protestierte. Der Fahrer stieg aus und meinte, dass ich ihm helfen müsse. Hm? Ich bin doch keine Automechanikerin! Er hatte plötzlcih eine Spraydose in der Hand und bat mich, das Spray hier in den Motor in dieses Rohr da zu sprühen, während er den Motor anließ. Ich las „Bremsenreiniger.“ Na wird schon stimmen…. der Motor heulte laut auf, rauchte und stank. Da stimmte was nicht, das merkt man auch als Laie. Soll mir aber egal sein, mir gehört die Kiste nicht. Der Herr war zufrieden, bedankte sich und ich konnte weiter fahren. Er hatte schon gemerkt, dass ich es eilig hatte… später, als ich den Castroper Hellweg (Routenvorschlag von komoot) bergab fuhr, klingelte plötzlich das Telefon. Warum gerade jetzt??? Rückruf eines Möbelhandels, man hätte die Marke samt Ersatzteil für meinen Elektroherd gefunden, man brauche nur noch den Kaufbeleg. Ob den mein Vormieterden noch hat, wird sich zeigen. Ich wäre froh, den Backofen wieder normal nutzen zu können, erst recht in der kalten Jahreszeit. Alles passierte innerhalb der 45 Fahrminuten bis nach Bochum zum Rathaus, dem Treffpunkt der CM. Da muss man schon einen klaren Kopf behalten, damit im Straßenverkehr nichts passiert… seufz.

Fast 20 Kilometer ging die Critical Mass durch Bochum. Schön, wenn man mit Gleichgesinnten fahren und nett plaudern kann. Einmal hatte ich auch gekorkt, das Lastenrad bietet sich dafür gut an. Eine Mitfahrerin meinte zu mir: „hoffentlich reicht der Akku.“ Ja, er reichte bis ca. 1,5 km vor der Garage 😉 Nur eins hatte ich nicht bedacht: die Lichtanlage speist sich auch nur aus dem Akkumulator…ähem…

GErda und ich bei der CM Bochum am 26.10.2019

Schon spannend, welche Kommentare manchmal kommen… ein Bullitt-Fahrer meinte, dass ihm der Rahmen des Riese und Müller-Lastenrades Packster 60 überhaupt nicht gefalle. Das Zwischenrohr unten „könne man gleich ganz lassen.“ Ich entgegnete, dass ich genau das gern habe, weil der Einstieg nicht so hoch wie beim Bullitt ist. Außerdem hätten die Ingenieur*e von r+m was dagegen…. Samstag abend wunderte ich mich über ein Bullitt, das einen Rennlenker bekommen hatte und mit dem jemand Bahnradfahren betrieb. Das wirkt schon seltsam bei einem Lastenrad, genauso wie dicke Packtaschen und Gepäckträger am Rennrad. Eigentlich haben beide Räder andere Einsatzzwecke. Aber wenn diejenigen sich damit wohl fühlen, sollen sie solche Räder fahren.

Am Ende war die Anstrengung doch auch zu spüren, wenn auch nicht so stark wie nach der Fahrt mit Lastenrädern ohne Motor. Um 1 Uhr zuhause, die Taschen abladen, das Lastenrad sicher in der Garage abstellen… erst um 3 Uhr konnte ich wirklich schlafen gehen. Dennoch schlief ich erstaunlich gut, trotz der späten Zeit.

Auf zum Container in der Stadt und Getränkemarkt nach Dortmund-Oespel!

Samstag war trotz müder Beine Arbeitstag für GErda und mich. Altpapier wegfahren, weil die Tonne im Hof mal wieder (auch dank zweier Einzüge) überquillt, Altglas und Leergut wegbringen. Viel Arbeit, die aber dank Elektromotor besser zu erledigen war.

GErda und ich sind gute Freundinnen geworden. Am Mittwoch hatte ich mich noch über die Untätigkeit und Gleichgültigkeit des Technikers in der Redaktion geärgert. Die Kommunikation mit den eigenen Artgenossen* ist oft schwieriger als mit jedem Tier. Ich hatte nur unruhig geschlafen gehabt. So ging es am Donnerstag, den Abholtag von GErda zunächst nur mit Ärger weiter, weil ich gerädert und frustriert aufgewacht war.
Allerdings, die Kommunikation mit der GErda (fränkisch: Gerdda“) aus der “verbotenen Stadt verlief reibungslos. Schon nach den ersten paar Minuten haben wir uns,super verstanden. Ihr ist Fußball so wurscht wie mir.
Wir sind gerne miteinander unterwegs. Am Samstag den 26.10. spielte der FC Schalke 04 gegen den BVB, also Herne West gegen Lüdenscheid. Weil sie sich doch ihrer STadt verbunden fühlt, habe ich ihr eines meiner blauen Tücher umgebunden. Als Diplomatin hat man schließlich fast alle Farben bei Tüchern und Schals vorrätig 😀 Ich selbst trug eine schwarze Weste und ein gelbes Shirt, zu Gelb passen auch modetechnisch nur wenige Farben.

Der Weg zu diesem besonderen Getränkemarkt, den ich am Donnerstag durch St. schon kennengelernt hatte, ist rund 10 Kilometer entfernt, also ist es ein Stück zu fahren. Leider gibt es dann immer wieder Hindernisse wie diese Drängelgitter. Zwischen manchen kommt man noch durch, bei manchen auch nicht. Mit dem Trekkingrad braucht man sich keine Gedanken machen, deshalb war es mit dem Lastenrad an manchen Stellen eine böse Überraschung. Später fand ich bei dem einen Nebenweg, den ich bisher in der Nähe Dorstfelder Allee nicht genutzt hatte, eine freie Durchfahrt auf der einen Seite. Ein Umweg Richtungder Technischen Universität Dortmund, die ich passierte, war des trotzdem gewesen. Der kürzeste Weg geht an der DASA vorbei, doch wer über die A40 radeln will, muss wieder Drängelgitter entlang des Friedrich-Henkel-Wegs passieren. Mit dem Lastenrad ist das unmöglich. Also muss man den Umweg entlang der Dorstfelder Allee nehmen und am Kreisel rechts in die Emil-Figge-Straße einbiegen.

Fast kein Durchkommen entlang der Straße Twerskuhle. Foto: A. Steger
Fast kein Durchkommen entlang der Straße Twerskuhle.

Am Getränkemarkt angekommen. Hier und da gibt es neugierige Blicke, was da auf dem ‚Autoparkplatz‘ steht 😉

Auch ein Fahrzeug – und WAS FÜR EINS!
Erfolgreich eingekauft, sicher transportiert… mit einer Spezialität aus der alten Heimat.
Durch Dortmund-Oespel... hier und da versucht man den historischen Ortskern zu erhalten. Foto: A. Steger
Durch Dortmund-Oespel… hier und da versucht man den historischen Ortskern zu erhalten.

Wie praktisch, dass ein paar Meter weiter ein Altglascontainer gewesen war… 😉

Neben den Drängelgittern gibt es ein weiteres Problem, das jede und jeden Radler-/in nervt, auch ohne Lastenrad: die Parkmöglichkeiten. Deutschland ist ein Entwicklungsland in Sachen Rad-Infrastruktur. Jeder Mensch, erst recht die Führungspersonen in Wirtschaft und Politik benutzen High-Tech-Geräte für ihre Kommunikation und für ihre Blechkisten. Aber die Radwege und Gesetze sind so historisch wie die Pferdekutsche. Hm, warum fährt dann kein Politiker mit dem Ochsengespann vor, wenn sie oder er selbst so ein Mobilitäts-Hornochse ist?

An dieser Stelle: Parken ist Pest und Cholera zugleich. Wie ich es auch mache, ist es falsch: entweder ich blockiere den Fußweg wie auf dem Bild oder mehrere Abstellplätze für Räder. Anpfiff gab es keinen, ein gutes Gefühl hatte ich nicht. Und mit dem Schweben über allen Dingen hat es wegen mangelnder Zauberkräfte nicht geklappt.

Parken am Supermarkt in der Kaiserstraße. Nebenan läuft noch ein benutzungspflichtiger Radweg.
Der benutzungspflichtige Radweg in der Kaiserstraße 'Dortmund auf der Höhe des Supermarktes mit Stellplätzen für die Kunden*fahrräder.
Der benutzungspflichtige Radweg entlang der Kaiserstraße Dortmund.

Am Sonntag konnte es für GErda und mich ruhiger angehen. Wir fuhren eine Runde um den Campus Nord der TU Dortmund, bevor ich zum Fitnesstraining ging.

Sonntagsrunde. Weg bei Stockumer Straße.
Sonntagsrunde. Weg bei Stockumer Straße.
Durch die Felder…

Unterwegs in einer Nebenstraße an der Ampel: ich halte an, weil diese Rot zeigt. Hinter mir höre ich die Ankunft eines Autos. die Ampel springt auf Grün, ich fahre los. Plötzlich hinter mir „hey, hey hey!“ – Da war wohl jemand überrascht, wie schnell ein Fahrrad abziehen kann. Hehe. 😀

In der Abendsonne.
In der Abendsonne
Alte und neue Mobilität.
Auf dem Campus Nord der TU Dortmund: die Zahnräder. Näheres ist auf der Tafel nachzulesen.
Auf dem Campus Nord der TU Dortmund: die Zahnräder. Näheres ist auf der Tafel nachzulesen.
Aussicht auf Dortmund entlang der B1 / A40. Das Rauschen des Autoverkehrs ist überall zu hören.
Aussicht auf Dortmund entlang der B1 / A40. Das Rauschen des Autoverkehrs ist überall zu hören.
Auf dieser Strecke bin ich auch einem leibhaftigen Pferd begegnet und unfreiwillig durch deren Kot gefahren.
Auf dieser Strecke bin ich auch einem leibhaftigen Pferd begegnet und unfreiwillig durch deren Kot gefahren.

Wer sich unter den motorisierten Verkehrsteilnehmer*n oder auch Fußgänger*n beschwert: es ist die Wegbeschaffenheit bzw. die schlechte Baustellengestaltung, die uns Radfahrenden zwingt, auszuweichen. Die Lange Straße musste ich öfter passieren, die Baustelle zwingt mich, dass ich links auf dem Gehweg vorbei muss. Auch wenn der Fußweg an dieser Stelle meistens breit genug ist, macht es mir Unbehagen, dort mit dem Rad oder Lastenrad ein Stück auf der linken Seite vorbei zu müssen. Ganz uncool, Stadt Dortmund! Ebenso ist es an der Rheinischen Straße (Bild), Abzweig vom Wall (=Innenstadtring). Die Fahrbahn für geradeaus fahrende Radler ist gesperrt. Seltsam. Sollen die sich jetzt in Luft auflösen? Die Orientierung an den Fußgänger*ampeln ist wohl das Beste: Wenn dort grün ist, kann man selbst auch fahren.

Baustellenchaos am Wall, nahe dem Dortmunder U, Einbiegung Rheinische Straße.
Baustellenchaos am Wall, nahe dem Dortmunder U, Einbiegung Rheinische Straße.

Auch so eine Straße, auf der man nicht gern fährt, aber oft genug muss, weil es keine Alternative gibt. Wer sich aufregt, warum ich oft zwischen den Schienen radel, dem und der sei gesagt: ich lasse mich so ungern von plötzlich öffnenden Autotüren von parkenden Autos vom Rad stoßen. Das nennt man dann „Dooring-Unfall.“ Wäre der Parkraum rechts weg und stattdessen ein Radweg, wäre die Situation soviel entspannter. Aber Deutschland ist nunmal Entwicklungsland in Sachen Verkehrsinfrastruktur.

Schienen und Enge durch zuviele Parkplätze sorgen für eine unsichere Fahrt mit dem Rad. Straße Oestermärsch in Dortmund.
Schienen und Enge durch zuviele Parkplätze sorgen für eine unsichere Fahrt mit dem Rad. Straße Oestermärsch in Dortmund.

GErda in der Hallerey, einem Naturschutzgebiet nahe Dortmund-Wischlingen.

Bei Herne traf ich auf außergewöhnliche Kunstwerke. Sah aus, als ob die Überwachung unserer Gesellschaft kritisiert werden sollte… interessant sieht es aus!

Außergewöhnliche Kunstwerke bei Herne. Kennt das jemand? Von welchem/-r Künstler/in stammt das?
Außergewöhnliche Kunstwerke bei Herne. Kennt das jemand? Von welchem/-r Künstler/in stammt das?

Kurz danach traf ich auf kein Kunstwerk, aber eine gesperrte Brücke. Das konnte ich aufgrund der fortgeschrittenen Zeit aber nun wirklich nicht brauchen! Eine freundliche Spaziergängerin sagte mir, wie ich dennoch weiterkäme. „Niederbochum“ würde das Gebiet hier heißen. Die vielen schmalen Wege sind nicht ausgeschildert, wer hier nicht regelmäßig spazieren geht, findet sich nur mit Karte zurecht. Unterwegs musste ich das Rad schieben, weil mitten im Wald grobe Steine wie aus einem Gleisbett auf dem Boden lagen. Dank der elektronischen Karte von komoot fand ich nach einem kurzen Schlenker dann doch auf die Erzbahntrasse. Wurde auch Zeit! Jetzt weiß ich, wie es beim Abzweig „Zeche Hannover“ aussieht… Weit war es nicht zur Trasse gewesen, aber den Weg zu finden, das war die Kunst gewesen!

Hier geht´s nicht weiter...blöd, wenn man sich nicht auskennt!
Hier geht´s nicht weiter…blöd, wenn man sich nicht auskennt!

Am Montag hieß es Abschied neben von GErda, dem Lastenrad von Riese + Müller, Modell Packster 60. Ich brachte sie wieder nach Gelsenkirchen in ihre Heimat zurück. Ihr Fazit: in Dortmund war es ganz schön! Und es gibt verkehrstechnisch ähnliche Schwierigkeiten. Sie wünscht sich, dass ich demnächst mit ihr bei der CM Gelsenkirchen mitfahre. Na das lässt sich einrichten… damit sie auch durch ihre Stadt rollt. Demnächst auch öfter, dafür bietet die Stadtentwicklungsgesellschaft Gelsenkirchen das Lastenrad an. Für weniger Autoverkehr und Städte für Menschen anstatt Autos! Tschüss liebe GErda, ich komme gern wieder.

Im Spiegel

Ausleihstation der Stadtentwicklungsgesellschaft (SEG) Gelsenkirchen: Infos hier.

Artikel des Stadtspiegels über das Lastenrad GErda für Ückendorf hier.

Seite des Herstellers Riese und Müller hier.

Fast alle Touren, die ich mit GErda gefahren bin:

Von Gelsenkirchen nach Dortmund: https://www.komoot.de/tour/100756289

Auf dem Weg zur Critical Mass Bochum: https://www.komoot.de/tour/100938933

Heimfahrt von der CM Bochum: https://www.komoot.de/tour/100977330

eine der Besorgungsfahrten am Samstag: https://www.komoot.de/tour/101168576

Heimfahrt vom Getränkemarkt mit Brotzeitstopp: https://www.komoot.de/tour/101168522

Runde um den Campus Nord der TU Dortmund mit Abkürzung: https://www.komoot.de/tour/101379926

Teilstrecke der Rückfahrt nach Gelsenkirchen: https://www.komoot.de/tour/101476852

Ab der Hallerey nach Gelsenkirchen: https://www.komoot.de/tour/101490189

Keinen Bock auf Einheitsfeierei

Der 3. Oktober ist der „Tag der deutschen Einheit.“ Ursprünglich wollte ich zu diesem Thema ein paar persönliche Gedanken schreiben, aber eine wichtige Klausur einen Tag davor nahm alle Kräfte in Anspruch. Deshalb gibt es hier einen anderen Bericht von dem, was an diesem Tag im Jahr 2019 auch stattgefunden hat: Das Lastenradrennen Münster im Rahmen des Sparkassen Münsterland Giro-Radrennens. Aus Osnabrück, meiner alten Heimat Nürnberg, Augsburg, Berlin, Kiel und von anderswo waren die Teilnehmer-/innen gekommen.

Am Start, wartend auf die anderen. Bei allen Lastenradrennen gilt Helmpflicht.

Zugegeben, es war schon etwas gewagt, in Münster teilzunehmen. Es war so, als ob die Rennradfahrerin der Kreisliga gegen Judith Arndt antritt, eine gute Hobbysportlerin gegen einen Vollprofi und Leistungssportlerin. Und ja, es ärgerte mich schon, dass ich so müde Beine hatte, die beiden Klausuren in der letzten Woche hatten mich doch angestrengt, der Sport hatte zurückstehen müssen. Beim Lastenrad-Rennen steht jedoch immer der Spaß im Vordergrund, nicht der Leistungsgedanke des Sports. Viele Teilnehmer-/innen haben auch eigene Lastenräder, d.h. sie fahren öfter damit als jemand, die/der sich eins leihen muss. War für mich natürlich ein Nachteil.

Nach mehr als einer halben Stunde, nachdem die Herren, auch je 4 pro Rennen, gestartet waren, ging es für uns Frauen endlich los! Leider fing es zu regnen an, der Regen kam immer wieder… das sorgte für einen kleinen Unsicherheitsmoment.

Die Damen am Start des Münsterraner Lastenradrennens. Foto: Ronja. Danke dafür.
LOS GEHT´S!

Die anderen Teilnehmerinnen erzählten mir, dass selbst in der, man kann sagen Fahrradhauptstadt von Europa, Kopenhagen, auch nur wenige Frauen am Start eines solchen Rennens gewesen waren. In Münster waren wir, meine ich, insgesamt 7 Fahrerinnen. Sollte mir einmal der Verleiher der Insel Juist begegnen, der zu einer Kundin meinte „damit können Sie nicht fahren, das ist nichts für Frauen“ sagte, (Meldung, die durch die sozialen Medien gegangen war), kann er sich bei uns Lastenrad-Fahrerinnen einen dicken Anpfiff für seinen sexistischen Blödsinn anhören.

Noch bin ich oben auf mit der zweiten Fahrerin, kurz nach dem Start….

Die Rennstrecke hatte keine Steigung wie die in Dortmund, dafür scharfe Kurven, die aufgrund der Nässe durch den Regen noch anspruchsvoller zu fahren waren. Die anderen beiden waren flotter als ich, angefeuert wurden aber alle Fahrer-/innen. Das freute und motivierte mich.

Und einladen! Das Rad darf dabei nicht in der Ladezone stehen, man darf keine Ware verlieren….da wurde akribisch drauf geachtet. Foto: Ronja.

Die Ladung: Keine Autoreifen, dafür eine biegsame Stange, ein Wasserkasten, Fahrradreifen, eine kleine Schachtel… aber interessanterweise keinen Lieferschein. Man musste sich vorher schon überlegen, wie und in welcher Reihenfolge man alles laden würde. Mancher Fahrer verlor Zeit und Podestplatz, weil er nicht ordentlich geladen hatte und ein Teil der Ladung während der Fahrt heraus fiel. Leider galt die Regel: einmal zurückgefallen, schafft man den Anschluss nicht mehr. Ein dritter Platz in der ersten Runde, die anderen beiden Damen kamen weiter. Glückwunsch an die beiden. Trostpreise gab es für jeden dritten Platz.

Zweite Runde der Damen am Start. Foto: A. Steger

Die Reihenfolge jedes Renn-Durchlaufs: eine Runde Leerfahrt, dann die Waren aufladen, 2 Runden mit Ladung fahren, abladen, eine Runde Leerfahrt. Nebenan tobte der Münsterland-Sparkassen-Giro, Profis (und später Amateure) rasten mit meist Rennrädern über die Straßen der Altstadt und den Straßen nahe der Altstadt von Münster. Dennoch hatten sich ein paar Schaulustige eingefunden die wissen wollten, was denn da diese Nerds mit diesen auffälligen, weil anders gebauten Rädern machen.

Erst das zweite Mal auf dem Lastenrad.. und dann gleich so erfolgreich! Salome gab ordentlich Gas und gewann das Damen-Lastenradrennen in Münster 2019. Im Hintergrund: die neugierigen Zuschauer*. Foto: A. Steger

Irgendwie war es auch ein schönes Gefühl, mit Gleichgesinnten und tollen Fahrrädern einen Platz zu besetzen, auf dem sonst Autos parken… 😀 😉

Simon C. moderierte das Lastenradrennen im Wechsel mit Kirsten aus Wuppertal, wenn Simon die Renn-Runde mitfuhr. Foto: A. Steger

Die Musik, die uns Fahrer-/innen anfeuern sollte, war plötzlich aus, aber so wirklich stören tat es nicht. Es passierte dennoch ständig etwas und die steigende Erschöpfung ließ sich ohne laute Beschallung ohnehin besser ertragen.

Enge Kurven, die ohne Sturz gefahren werden wollten: Sophie aus Kiel auf ihrem CycleMonkey (Cycle Monkey: ein Lastenrad-Modell) meisterte die Strecke souverän und in flottem Tempo.

Blick auf die Rennstrecke des Lastenradrennens Münster 2019. Foto: Jan Frohne.

Danke an Jan Frohne und Simon Chrobak für die Bereitstellung ihrer Bilder!

Ein Lastenrad will ordentlich und flott beladen werden. Foto: Jan Frohne.

Hier wird noch auf den letzten paar Metern ordentlich gekämpft! 😀 Der Fahrer aus Augsburg , Jan (?) und Nils aus Witten im Zweikampf.

Spannender Zweikampf beim Lastenradrennen in Münster. Foto: Jan Frohne.
Schnleller als jeder Rettungswagen: Kirsten aus Wuppertal. Foto: Jan Frohne.

Die allerletzte Runde des Renntages war das Staffelrennen. Ein Team, vier Leute, dabei werden die Fahrer pro Runde gewechselt. Beim Laden heißt es: gut koordinieren. Und möglichst keine Zeit verschwenden, weil jede-/r möglicherweise eine andere Sattelhöhe braucht…

Warten auf den/die Lieferant-/in zum Laden: der Staffelauf des Lastenradrennens. Foto: Jan Frohne.

Die Überreichung der Preise erfolgte ohne Podiumboys und ohne Podiumgirls.

Überreichung des 2. Preises für das Damen-Rennen.
Die stolzen Siegerinnen beim Lastenradrennen: Platz 1 Salome, Platz 2 Sophie, Platz 3 Kirsten. Das leckere Bier für den 1. Platz durfte jede-/r nach dem Rennen aus dem Faß kosten.

Meinen Glückwunsch an Euch Mädels!

Das Siegerteam des Staffellaufs beim Lastenradrennen Münster 2019. Meinen Glückwünsch! 🙂

eines der Siegerteams beim Staffellauf. Foto: Jan Frohne.

Das Siegerpodest der Herren: Platz 1 Nils aus Witten, Platz 2 Christoph aus Osnabrück und Platz 3 Berlin. Glückwunsch an Euch, Jungs!

Die Münsteraner-/innen waren schließlich auch bei uns in Dortmund dabei gewesen, also habe ich sie heute am 3. Oktober 2019 auch besucht.

Sieger beim Rennen der Herren, Lastenradrennen 2019 in Münster.

Schade, dass nur eine einzige Fahrerin aus dem Ruhrpott dabei war. Hey, Essen, Dortmund, Bochum, Castrop, wo wart Ihr beim Münsterraner Lastenradrennen???

Großen Dank an TRAIXCYCLES und allen, die dafür gesorgt haben, dass das Lastenradrennen in Münster am 3. Oktober 2019 stattfinden hatte können. Gerne komme ich wieder. Bis dahin: eine gute Fahrt, mit und ohne Lastenrad, aufmerksame Auto- und LKW-Fahrer-/innen und eine gute Zeit! Das wünsche ich Euch, mit freundlichem Fahrradgeklingel aus Dortmund.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Lastenradrennens Münster im Rahmen des Münsterland Sparkassengiro am 3. Oktober 2019. Foto: Jan Frohne.