Offener Brief an die Polizei Gladbeck und die Westdeutsche Allgemeine Zeitung Gladbeck: CM Gladbeck

Offener Brief an die Polizei Gladbeck und an die Westdeutsche allgemeine Zeitung Gladbeck (WAZ)

Betrifft: Critical Mass in Gladbeck, Vorfall am Freitag den 18. Oktober 2019

Sehr geehrte Medienvertreter-/innen, sehr Damen und Herren der Gladbecker Polizei, sehr geehrte Autofahrerinnen und Autofahrer.

Am 18. Oktober 2019 war ich aufgrund eines anderen Termins nicht bei der Critical Mass (kurz: CM) in Gladbeck mit dabei. Als langjährige Mitfahrerin verschiedener Critical-Mass-Treffen sehe ich es aber als geboten an, ein paar Hinweise zu den Aussagen der Gladbecker Polizei zu geben. Ich betone, dass ich für keine der im Text genannten Critical-Mass-Touren eine Organisatorin oder Veranstalterin bin. Ich bin nur eine der vielen Teilnehmerinnen und ADFC-Mitglied. Der ADFC ist ebenfalls nicht der Organisator von einer CM, Mitglieder des ADFC sind eben bei den Stadtrundfahrten der CM dabei.

Ich glaube, dass in dieser Sache einiges schiefläuft, was man an den Aussagen der Polizei Gladbeck  ablesen kann. Die Auswahl des Verkehrsmittels bestimmt das Denken und somit auch die Aussagen einer Person. Warum wollten Sie am 18. Oktober alle Fahrräder konfiszieren? Warum sollen nicht einmal im Monat eine Gruppe Radfahrende durch die Stadt Gladbeck fahren? (Bekanntgabe der Ereignisse durch verschiedene Teilnehmer auf der Facebook-Seite der CM Gladbeck).

 Die Tatsache, dass – scheinbar plötzlich – viele Radlerinnen und Radler auf einmal auftauchen und durch die Stadt fahren? Wenn Sie über eine größere Menge Radfahrerinnen und Radfahrer überrascht sind, warum sind Sie es nicht jeden Tag, wenn Massen von motorisierten Fahrzeugen, meist PKW, unsere Straßen verstopfen? Es mutet schon eigenartig an, dass niemand gegen diese Blechlawinen z. B. auf dem Innenstadtring von Dortmund, dem „Wall“ oder in Essen auf der Gladbecker Straße protestiert, aber wegen einer im Monat einmaligen größeren Menge an Radfahrer-/innen gleich eine Verkehrsbehinderung sieht, die sofort beseitigt werden müsse.

 Fahrräder sind Fahrzeuge, die auf der Straße fahren dürfen (§63a STVZO), solange es keine benutzungspflichtigen Radwege (blaue Schilder mit Fahrradsymbol) gibt. (Dass diese oft nicht benutzbar sind, weil sie zugeparkt oder verdreckt sind, ist bei einem „Verband“ wie der CM nicht von Bedeutung, sehr wohl aber im Alltagsverkehr, der auch Radverkehr ist). Einzige Ausnahme der Verweigerung, Fahrradfahrer-/innen auf die Straße zu lassen, könnte fehlendes Licht sein (§ 67 STVZO).

Sehr geehrte Damen und Herren von der Gladbecker Polizei. Ich habe den Eindruck, dass Sie fast ausschließlich wie Autofahrer-/innen denken und somit die Sicht eines Autofahrers auf den Stadtverkehr haben.

Dass es Ihnen ungewöhnlich, – vielleicht sogar bedrohlich, weil nicht beherrschbar – erscheint, wenn viele Radfahrer-/innen als große Gruppe unterwegs sind liegt schlicht und einfach daran, dass Sie diese Situation nicht oder kaum kennen. Deutschland ist leider unvernünftiger Weise immer noch ein Autofahrerland. Jeder Mensch, der/die etwas Ungewöhnliches, unbekanntes sieht, reagiert zuerst meist abweisend oder unsicher. Das ist an sich normal. Doch dabei darf man nicht stehen bleiben.  Der Autoverkehr hat in Deutschland immer noch einen großen Anteil, weshalb Sie wohl gewohnt darin sind, hauptsächlich diesen zu regulieren, vermute ich.

Fakt ist: in vielen Städten hat der Autoverkehr immer noch Vorrang, was zu Konflikten mit Radfahrer-/innen führt. Bei Stadtratsbeschlüssen wird viel mehr auf die Belange des Autoverkehrs Rücksicht genommen, die Radfahrerlobby hat meist nur wenig Stimmgewicht. Was nicht heißen soll, dass es das Engagement von z. B. VeloCityRuhr, dem ADFC oder der Initiative „I bike Nbg.“ nicht zu würdigen sei. Das zeigt sich schon allein daran, wieviel Platz dem motorisierten Verkehr zugestanden wird: mehrere Spuren für eine Richtung, während Radfahrende sich den wenigen Platz auf dem Bürgersteig teilen sollen.

Bereits im Juli 2019 wurde in den Medien berichtet, dass der Mensch zu verschwenderisch lebt und bereits die Ressourcen seiner Kinder aufbraucht https://www.umweltbundesamt.de/themen/earth-overshoot-day-2019-ressourcenbudget

Der Klimawandel ist unübersehbar und spürbar. Und dann wollen viele immer noch auf das Auto als innerstädtisches Verkehrsmittel setzen??

Als langjährige Mitfahrerin der Critical Mass in Nürnberg, Erfurt, Dortmund, Wuppertal und Bochum, Bottrop und Duisburg denke ich, dass es vergangenen Freitag den 18. Oktober 2019 bei der CM Gladbeck zu einigen Missverständnissen gekommen ist.

1.) Straßenverkehrsordnung:

Es ist erlaubt, auch als Radfahrerinnen und Radfahrer im Verband zu fahren (§ 27 1 StVO). Die Critical Mass bietet für manche Menschen auch die Gelegenheit, in friedlicher Atmosphäre Gleichgesinnte zu treffen, miteinander zu plaudern (vor allem vor und nach der Fahrt) und eine schöne Zeit zu erleben. Und das für umsonst. Nicht jede(r) hat das Geld, immer in eine Kneipe oder Lokal zu gehen, um Freunde zu treffen. Eine friedliche Versammlung von Menschen – mehr kann man sich als Ordnungshüterin, als Polizei doch nicht wünschen, oder? Wenn sich spontan ein Autokorso nach einem Fußballsieg bildet, ärgern Sie sich doch auch nicht und wollen diesen auflösen… zumindest konnte ich das noch nie beobachten.

2.) Entgegen Ihrer Befürchtung, es würde durch die vielen Radfahrer-/innen bei der CM zu Unfällen kommen, sind bei jeder CM Regeln zu beachten, die auch auf den Facebook-Seiten einer jeden Ankündigung deutlich genannt sind. Gegenseitige Rücksichtnahme, flüssiges Fahren und nicht quer in die Gruppe fahren, funktionierendes Licht, freundlicher Umgangston sind nur ein paar wichtige Regeln, an die sich jede(r) zu halten hat. Die CM Berlin hat dies auf http://criticalmass-berlin.org/critical-mass/verhaltensregeln/

gut zusammengefasst. Diese Regeln gelten für alle CMs auf der Welt.

 Wer Regeln nicht befolgt, wird meist sofort von anderen Mitfahrenden gerügt, ggf. sogar ausgeschlossen. Dies alles schließt eine besondere Rücksichtnahme für Kinder ein. Es ist deshalb nicht unverantwortlich, seine Kinder mit zur CM zu nehmen. Bei der CM in Dortmund konnte ich außerdem beobachten, dass die CM Einsatzfahrzeugen mit Blaulicht sofort Platz machte, damit sie zu ihrem Einsatz (der nicht die CM betraf) fahren konnten. Das Martinshorn ist schließlich nicht zu überhören: diejenigen, die es zuerst hören, informieren durch lautes Rufen sofort die anderen Teilnehmer-/innen, so dass alle Radfahrer/-innen hintereinanderfahren und eine lange Reihe bilden, an der jedes Einsatzfahrzeug schnell vorbeifahren kann.

Idioten gibt es überall und immer, nirgends gibt es keine ‚perfekt‘ funktionierende Gruppe. Weder bei Radfahrenden, noch bei Brillenträgern, bei Sportler-/innen oder auch Musiker-/innen etc. Bei der CM Wuppertal fuhr mir auch mal ein Radler quer durchs Feld vor mein Rad, ohne dass dafür ein Grund gegeben hätte. Ich habe ihn sofort zur Rede gestellt – da war er plötzlich ganz still. Wer z. B. Bei der Critical Mass Nürnberg kein Licht hat, darf gar nicht mitfahren.

Jeden Tag stauen sich Massen von Autos, die auch noch die Luft verschmutzen und stinken, auf den Straßen einer Stadt.Und wenn einmal im Monat eine Masse von Radlerinnen und Radlern durch die Stadt fährt, zeigen Sie sich entsetzt?

Warum sind Sie nicht entsetzt, wenn jeden Tag Massen von Autos durch die Stadt rollen oder besser – meist nur rumstehen, weil es aufgrund des Staus minutenlang (und länger) nicht weitergeht?

Die CM Dortmund in der Fußgängerzone, wo ab 20 Uhr Radfahren erlaubt ist. Und so gut sichtbar! Foto: A. Steger

3.) Hauptgrund für Unfälle mit Radfahrern: fehlende Infrastruktur und Autofahrer-Denken

Ich bin mir sicher, dass die Mehrzahl der CM-Teilnehmerinnen und Teilnehmer genau wie Sie als Polizei an einem störungsfreien Straßenverkehr interessiert sind. Das heißt: jede/r Radfahrer-/in möchte sicher unterwegs sein in der Stadt. Sicher als Radfahrer-/in unterwegs sein ist nur möglich, wenn es eine gute Radinfrastruktur gibt.

Ja, Sie haben richtig gelesen: eine INFRASTRUKTUR FÜR RADFAHRERinnen. Damit sind nicht nur Radwege gemeint (Nur ein paar Tips für eine gute Gestaltung: http://www.adfc.de/verkehr–recht/radverkehr-gestalten/uebersicht-radverkehr-gestalten) . Seltsam, dass bei Stadtratsberatungen und -beschlüssen so gut wie immer an die Bedürfnisse des Autoverkehrs gedacht wird. Der Radfahrer stört im Stadtverkehr dann nur – klar! Weil er nicht bei der Planung berücksichtigt wurde, muss er eben auf der Straße fahren, über Fußgängerüberwege fahren, gefährliche Kreuzungen nehmen, dem Autofahrer scheinbar „im Weg sein“, unfreiwillig im „Toten Winkel“ stehen, will er oder sie seinen gewünschten Weg zur Arbeit u.a. zurücklegen. Zum „Toten Winkel“, den es eigentlich nicht mehr geben müsste, finden Sie am Ende des Briefs ebenfalls noch Informationen.

Die Critical Mass weist allein durch ihre Präsenz auf die fehlende Infrastruktur hin. Auch wenn die Nürnberger Polizei von „Verkehrsbehinderung in ihrem Bericht spricht (S. 111 von: https://www.polizei.bayern.de/content/4/3/7/4/5/sicherheitsbericht_2018.pdf ), beschreibt sie die Critical Mass Nürnberg als störungsfrei. Ihre Nürnberger Kolleginnen und Kollegen sind übrigens zumindest auf Motorrädern dabei, Ihre Kölner Koll. Mit Fahrrädern, letzteres stärkt die Glaubwürdigkeit und auch ein Stück Vertrauen in Sie als Behörde. Und das können Sie sich von den Bürgerinnen und Bürgern schließlich nur wünschen. Rufen Sie die Polizei Mittelfranken in Nürnberg gerne an: sie kommt mit tausenden von Fahrradfahrer-/innen auf einmal gut zurecht ( : https://www.br.de/nachrichten/bayern/rekordbeteiligung-bei-fahrrad-demo-in-nuernberg,QqVGXuy ). ( https://www.polizei.bayern.de/?uigmd=N%C3%BCrnberg&gdts=564000001&gmds=564000&gmdklartext=90403%20N%C3%BCrnberg )

  Dass die Autofahrer-/innen sich durch die CM gestört fühlen, ist dabei völlig klar und auch beabsichtigt: einmal im Monat er-fahren Autofahrer-/innen wie es ist, ausgebremst und blockiert zu werden. So wie es Radfahrer-/innen jeden Tag im Stadtverkehr geht. Ich habe bei Mitfahrten in verschiedenen Städten beobachtet, dass Radfahrer-/innen, die den zügigen Fluss von Radfahrern an Kreuzungen sichern, indem sie sich vor die Autos stellen („corken“), dass sie das höfliche Gespräch mit Autofahrern suchten. Anfauchen oder Anschreien von Autofahrern widerspricht den Regeln einer jeden CM.

Sicherer Radverkehr braucht eine radfahrfreundliche Infrastruktur, die u. a. Der Allgemeine Deutsche Fahrradclub = ADFC immer wieder fordert und darüber informiert. Außerdem braucht es bei der Polizei und vielen Bürgerinnen und Bürgern ein Umdenken, dass Radfahren nicht nur etwas für den Sonntagsausflug ist. Das Fahrrad ist ein gleichberechtigtes Verkehrsmittel zum Auto, mit dem man zur Arbeit fährt, zum Einkaufen, zu Freizeitaktivitäten – eben was viele auch mit dem Auto machen. Erst wenn man nicht nur wie ein Autofahrer denkt, sondern auch mal vom Fahrrad aus durch die Stadt fährt, versteht man die Bedürfnisse der Radfahrer.  Auto als Statussymbol? – das war einmal, das kenne ich noch von meinem Vater; der war Jahrgang 1942. Nur in den 1950er Jahren galt jemand arm, der Rad fuhr. Mit dem Angebot an guten (und auch hochpreisigen, qualitativ sehr guten Rädern) sollte dieses Denken im Jahr 2019 eigentlich endlich Schluss sein. Erst recht in einer Zeit, in der Umdenken sehr nottut, weil der Klimawandel unsere Lebensgrundlagen bedroht. Sie möchten auch nicht, dass Ihre Enkel oder die Kinder Ihrer Enkel im Bunker aufwachsen müssen.

Wenn eine gute Infrastruktur vorhanden ist und das Denken nicht auf das Auto mehr beschränkt ist, fühlen sich alle Verkehrsteilnehmer-/innen sicher – und es gibt weniger Unfälle.

Tip: fragen Sie doch mal bei der Polizei in den Niederlanden (so weit ist das von NRW aus ja nicht) oder Kopenhagen nach. Die muss jeden Tag mit einer Masse von Fahrradfahrerinnen und Fahrradfahrern fertig werden. Konflikte, Ärger und Unfälle nicht ausgeschlossen. Sind eben alles Menschen, die auf den Sätteln sitzen. Aber es funktioniert – weil die Niederländer-/innen und Dän-/innen rechtzeitig, also schon vor Jahren mit dem Umdenken angefangen haben. In den Niederlanden waren es zu viele tote Kinder im Straßenverkehr, die zu massiven Protesten der Bevölkerung gegen die Stärke und empfundene Übermacht des motorisierten Verkehrs zu einem Umdenken geführt haben.

Ein belgischer, aus Nordbayern stammender Stadtplaner hat seine Projekte in einem sehr informativen Vortrag vorgestellt. Vor allem sein Konzept „rundum Grün“ zeigt, dass es nicht mehr Unfälle gibt, weil es mehr Radfahrende auf den Straßen gibt. Die Stadtverwaltungen haben seine Vorschläge nach anfänglicher Kritik als gut befunden: https://www.nordstadtblogger.de/wenn-die-stadt-fuer-menschen-statt-autos-gebaut-ist-stefan-bendiks-ueber-innovative-mobilitaetskonzepte-der-zukunft/

In beiden Ländern, den Niederlanden und Dänemark gilt: Nicht komplett gegen das Auto – aber mit dem Fahrrad als völlig gleichberechtigtes Verkehrsmittel im Stadtverkehr. Deutsche Autofahrer-/innen müssen lernen, mit Radfahrenden zu rechnen: sei es, wenn sie abbiegen wollen, die Autotür öffnen, die Spur wechseln etc. Nur so kann ein gutes Miteinander gelingen: durch Anerkennung des Radverkehrs, nicht durch das Tragen von Warnwesten und Helmen. Beide Maßnahmen können die/den einzelnen mehr Sicherheitsgefühl geben – aber Sicherheit bieten sie nachweislich nicht – das geschieht nur durch Anerkennung von Radfahrenden als gleichberechtigte Verkehrsteilnehmer-/innen.

Auf weiterhin friedliche und fröhliche CMs freut sich

Mit freundlichem Fahrradgeklingel

Angelika Steger

Quellen:

Verbände: § 27 StVO: https://www.gesetze-im-internet.de/stvo_2013/__27.html

Zulassung von Fahrrädern auf der Straße § 67 StVZO https://www.gesetze-im-internet.de/stvzo_2012/__67.html

Weiterführende Informationen:

Mobilität von gestern - und heute. Foto: A. Steger
Mobilität von gestern und heute. Foto: A. Steger

Städte- (und Fußball)diplomatie ;-)

Seitdem ich in Dortmund wohne, habe ich das Lastenradfahren kennenlernen können. In der alten Heimat fuhr ich mit Hänger, Kupplung am Oberrohr, aber damit hatte ich leider viel Unheil und einmal auch Schiffbruch erlebt. Ein Idiot unter den Getränkehändlern hatte mich sogar mal beleidigen müssen, weil die Deichsel gebrochen gewesen war (er hat später seine gerechte Strafe bekommen gehabt). Seitdem ich den „Roten Rudolf“ von VeloCityRuhr gefahren bin, will ich nichts anderes als ein Lastenrad mehr, um Getränkekästen, Altpapier oder einfach Taschen mit Sportsachen oder Schreibmaterial sicher transportieren zu können. Das ist nämlich der entscheidende Punkt: die Sicherheit beim Transport. Kein Gewackel mehr, kein Ausscheren, keine kaputtgehende Deichsel mehr. Auch wenn jedes Lastenrad einen größeren Wendekreis hat, hat man als Fahrerin die Ladung immer im Blick. Auch eine offen gelassene Tasche, wenn sie denn nicht bis zum Rand bepackt ist, kippt nicht unbedingt auf der Ladefläche um und man ärgert sich nicht, dass man (fast) was verloren hat. Allerdings ist ein Lastenrad, soll es ein gutes und passendes Modell sein, genauso unbezahlbar für mich wie ein Anhänger für das Rad.

In der Vergangenheit konnte ich schon mehrere Lastenräder testen. Das gemächliche „Bakfiets“, das eher was für eine Parade als für ein Rennen ist (der ULF vom ADFC Unna) , das Bullitt von Punta Velo aus Essen, das sowas wie der Platzhirsch im Ruhrgebiet geworden ist: viele fahren dieses Modell, das sieht es vor allem bei den zahlreichen Critical Mass-Touren in den verschiedenen Städten. Vorteil: wendig, nicht so schwer wie die holländischen Modelle. Auch eine Radkutsche durfte ich kurzzeitig mal ausprobieren, sie gehört dem ADFC Neuss. Etwas schwerfälliger als das Bullitt, aber mit niederem Durchstieg – nicht nur eine Erleichterung, wenn frau mal Rock trägt. Und doch flotter als der ULF, das Bakfiets Rad (Fahrbericht hier).

Alle Modelle gibt es auch mit E-Motor, nur macht der das Rad natürlich teurer und schwerer. So schön wie z. B. der ULF in der Ebene dahingleitet, so wünschte man sich bei den zahlreichen Anstiegen in und um Unna schon die Unterstützung durch die elektrischen Pferde, die die Fahrerin oder Fahrer unterstützen würden. In den Niederlanden stört es nicht, dass ein Lastenrad einen massiven Rahmen und Gewicht hat. In hügeligem Gelände ist das Fahren damit eine Herausforderung. Vorteil: den ULF bringt so schnell nichts aus der Ruhe und aus der Spur… eilig haben darf man es mit ihm aber nicht.

Beim Lastenradrennen dieses Jahres fand auch wieder das E-Bike-Festival in Dortmund statt. Erstmals konnte ich ein Riese-und-Müller-Lastenrad probefahren. Wow, ging das ab! Ich wollte es nicht mehr hergeben… Knackpunkt ist aber auch hier der Preis: 5000€ Minimum, je nach Ausstattung. R+M ist der Mercedes unter den Rädern, schon immer. Aber eben sehr verlässlich. Im Jahr 2003 hatte ich mir ein Faltrad leisten können, es wurde ein rotes Birdy, das ich immer noch fahre, wenn es auch hier und da manchmal zickt, wenn es wieder auseinander gefalten wurde, will der hintere Mechanismus nicht richtig einrasten, braucht einige Zeit, bis man wieder normal fahren kann.

Ein Bekannter der CM Bottrop hatte Mitte Oktober einen Artikel auf Facebook genannt, in dem von dem neuen Lastenrad, das die Stadtentwicklungsgesellschaft (= SEG) Gelsenkirchen nun ausleihen würde, berichtet wurde. Auch wenn es auf dem Artikel-Bild nicht zu sehen gewesen war, hatte ich die Marke gleich erkannt. Es war MEIN TRAUMMODELL, ein Riese und Müller Packster 60! Das musste ich unbedingt fahren!

Riese und Müller-Familie: das Modell Packster 60 und das Birdy red. Lastenrad und Faltrad gehören zusammen. Fotos: A. Steger

Den ersten Tag der Abholung von GErda, wie das Lastenrad von Gelsenkirchen-Ückendorf heißt, habe ich in einem Brief an einen ADFC-Kollegen beschrieben. Zuerst war es schwierig, das richtige Haus zu finden, weil die SEG dort offensichtlich frisch eingezogen ist und an der Hauswand, vollgestellt mit Gerüst, keine Hausnummer zu sehen gewesen war. Die BoGeStra hatte mir doch keinen Unsinn erzählt, dass ich an der Haltestelle „Stephanstraße“ aussteigen sollte? Nein, es war schon richtig. Nur: in diesem Teil der Stadt war ich selbst mit der Critical Mass Gelesenkirchen noch nicht gewesen. Etwas verwundert war ich, dass ich außer meinem Ausweis (so üblich) auch noch mal meine Telefonnummer angeben sollte. Eigentlich steht alles im Ausleihsystem drin. Aber gut, viellelicht ist man mit den Modalitäten noch nicht so vertraut. Da ist also Geduld bei der Ausleiherin gefragt.

Mit der GErda entlang der Kray-Wanner-Bahn und der Erzbahntrasse. Fotos: A. Steger

Was für eine Freude, mit diesem Rad zu fahren! Wenn es bergauf geht oder man eine Anstrengung merkt, helfen die elektrischen Pferde nach und schieben an. Eine große Erleichterung.

Nun die erste Begegnung und Fahrt, geschildert in dem Brief an den ADFC-Kollegen:

[…] Hilfsbereite Anwohner, darunter ein Kioskbesitzer gaben mir aber bereitwillig Auskunft. Die Bochumer Straße an dieser Stelle in Gelsenkirchen ist schon krass: viele Läden stehen leer oder die Häuser sind heruntergekommen. In der Dortmunder Nordstadt, wo ich wohne, gibt es ähnlich aussehende Straßenzüge, auch in anderen Teilen der Stadt.

Ich wollte die Route messen, wie lange ich mit Pause brauchen würde. In Bochum wollte ich was zu essen kaufen, doch interessanterweise traf ich erst auf vegetarische Imbißbuden, dann nervte mich eine gar nicht schlampig aussehende Bettlerin. Ich hatte sehr Hunger, es war 15 Uhr und ich hatte noch kein Mittagessen o.ä. gehabt. Auf gut Glück fuhr ich in die Herner Straße… die Frikadellen bei Dönnighaus sind eindeutig versalzen, wie ich feststellen musste, aber ich traf eine Bekannte aus der Dortmunder Nordstadt mit ihrem hellblauen Brompton. Wir fuhren gemeinsam Richtung Dortmund, es war nett, wenn für meinen müden Kopf auch anstrengend, weil sie soviel redete. Und sie heizte ein! Ich staunte nicht schlecht, wie sie mit den kleinen 16-Zoll-Rädchen ihres Bromptons mit mir oben auf war, während ich mithilfe der elektrischen Pferde 25, mal 22 Sachen drauf hatte. Leider vergaß ich immer wieder, komoot wieder zu aktivieren, das war schade, so war es ein verkorkster Streckenverlauf. Aber was soll ich mich beschweren, hatte ich doch so eine nette Begegnung gehabt.

Westpark Bochum: das Ende, bzw. der Anfang der Erzbahntrasse.
Westpark Bochum: das Ende, bzw. der Anfang der Erzbahntrasse.

Auf halben Weg in der Borussiastraße lernte ich durch St. den Laden „Rudat“ kennen, dort kann man, wie die Werbung verheißt, „Biere aus aller Welt“ kaufen. Kaum war ich drin, traute ich meinen Augen nicht: es gab dort Bier aus der Fränkischen Schweiz! Ich spürte fast Sehnsucht, denn in Breitenlesau war ich bei meiner eigenen Radtour vorbei gefahren. Fast jedes Dorf dort hat seine Brauerei. In Gelsenkirchen hatte ich auch eine „Trinkhalle“, ähnlich der in der Herner Straße in Bochum, gesehen, die Bier der Brauerei Meister aus Untermerzbach hatte. Wahnsinn. Ist übrigens bezahlbar, 85 Ct habe ich für eine Flasche Krug-Bräu heute bezahlt.

Als wir uns in der Innenstadt am Friedensplatz verabschiedet hatten, musste ich mich erst mal hinsetzen, um runter zu kommen. Ist eben auch anstrengend, meine Pause in Bochum war auch zu kurz gewesen.  Glücklicherweise stellte mir ein Bekannter eine sichere Unterstellmöglichkeit zur Verfügung.

Morgen fahre ich wieder damit, möglicherweise bin ich auch bei der CM Bochum dabei. Heimfahren mit der freundlcihen Unterstützung von elektrischen Pferden machen eine weniger anstrengende Hin- und Rückfahrt möglich. Ich hoffe, dass ich mein altes Stadtrad flott kriege, ich hatte den Sattel abgemacht, weil beim schwarzen Lastenrad Bullitt von Euch Essenern, bzw. von  dem einen VCR-Mensch, ich für die Nutzungsdauer den Sattel austauschen hatte müssen. Seitdem habe ich leider meinen Sattel nicht mehr auf das Stadtrad gemacht. Es soll in der Garage meines Bekannten stehen, wenn ich mit dem lastenrad Gerda unterwegs bin, damit ich immer mobil bin.

Gute Nacht, immer gute Fahrt und freundliche Fahrradgrüße,

Radweg Kray-Wanner-Bahn bei Gelsenkirchen Richtung Bochum.
Radweg Kray-Wanner-Bahn bei Gelsenkirchen Richtung Bochum.

Allerdings wurde es nichts mit der alten Stadtgurke als Zubringer-Rad: ich hatte übersehen, dass ein Stück fehlte, das Gegenstück von unten, um den Sattel festzumachen. Das nervte gewaltig. Ich finde diese Schraube nicht mehr. Auch ein Fahrradhändler in der Nähe hatte mir nicht helfen können, offensichtlich handelt es sich um ein altes Modell mit alten Maßen. Kommt mir seltsam vor, aber so ist es wohl… als Laie schraubt man auch nicht jeden Tag einen Sattel auf ein Sattelrohr, es fehlt die Übung. Seufzend und genervt steht das elende Ding nun ohne Sattel in der fremden Garage, ich nahm ein anderes Rad als Zubringer zum Standort des Lastenrades GErda. Einmal nahm ich auch ein Leihrad von nextbike, glücklicherweise gibt es jetzt auch in der Nordstadt Standorte, mit den dringend neuen, benötigten Rädern.

Am Freitag fuhr ich dann mit Karacho nach Bochum, leider durch die Arbeit und auch Rest-Erschöpfung vom Vortag war die Eile geboten. Unterwegs fuhr plötzlich ein Handwerker-Auto auf den Radweg, genau vor der Ampel. Ich protestierte. Der Fahrer stieg aus und meinte, dass ich ihm helfen müsse. Hm? Ich bin doch keine Automechanikerin! Er hatte plötzlcih eine Spraydose in der Hand und bat mich, das Spray hier in den Motor in dieses Rohr da zu sprühen, während er den Motor anließ. Ich las „Bremsenreiniger.“ Na wird schon stimmen…. der Motor heulte laut auf, rauchte und stank. Da stimmte was nicht, das merkt man auch als Laie. Soll mir aber egal sein, mir gehört die Kiste nicht. Der Herr war zufrieden, bedankte sich und ich konnte weiter fahren. Er hatte schon gemerkt, dass ich es eilig hatte… später, als ich den Castroper Hellweg (Routenvorschlag von komoot) bergab fuhr, klingelte plötzlich das Telefon. Warum gerade jetzt??? Rückruf eines Möbelhandels, man hätte die Marke samt Ersatzteil für meinen Elektroherd gefunden, man brauche nur noch den Kaufbeleg. Ob den mein Vormieterden noch hat, wird sich zeigen. Ich wäre froh, den Backofen wieder normal nutzen zu können, erst recht in der kalten Jahreszeit. Alles passierte innerhalb der 45 Fahrminuten bis nach Bochum zum Rathaus, dem Treffpunkt der CM. Da muss man schon einen klaren Kopf behalten, damit im Straßenverkehr nichts passiert… seufz.

Fast 20 Kilometer ging die Critical Mass durch Bochum. Schön, wenn man mit Gleichgesinnten fahren und nett plaudern kann. Einmal hatte ich auch gekorkt, das Lastenrad bietet sich dafür gut an. Eine Mitfahrerin meinte zu mir: „hoffentlich reicht der Akku.“ Ja, er reichte bis ca. 1,5 km vor der Garage 😉 Nur eins hatte ich nicht bedacht: die Lichtanlage speist sich auch nur aus dem Akkumulator…ähem…

GErda und ich bei der CM Bochum am 26.10.2019

Schon spannend, welche Kommentare manchmal kommen… ein Bullitt-Fahrer meinte, dass ihm der Rahmen des Riese und Müller-Lastenrades Packster 60 überhaupt nicht gefalle. Das Zwischenrohr unten „könne man gleich ganz lassen.“ Ich entgegnete, dass ich genau das gern habe, weil der Einstieg nicht so hoch wie beim Bullitt ist. Außerdem hätten die Ingenieur*e von r+m was dagegen…. Samstag abend wunderte ich mich über ein Bullitt, das einen Rennlenker bekommen hatte und mit dem jemand Bahnradfahren betrieb. Das wirkt schon seltsam bei einem Lastenrad, genauso wie dicke Packtaschen und Gepäckträger am Rennrad. Eigentlich haben beide Räder andere Einsatzzwecke. Aber wenn diejenigen sich damit wohl fühlen, sollen sie solche Räder fahren.

Am Ende war die Anstrengung doch auch zu spüren, wenn auch nicht so stark wie nach der Fahrt mit Lastenrädern ohne Motor. Um 1 Uhr zuhause, die Taschen abladen, das Lastenrad sicher in der Garage abstellen… erst um 3 Uhr konnte ich wirklich schlafen gehen. Dennoch schlief ich erstaunlich gut, trotz der späten Zeit.

Auf zum Container in der Stadt und Getränkemarkt nach Dortmund-Oespel!

Samstag war trotz müder Beine Arbeitstag für GErda und mich. Altpapier wegfahren, weil die Tonne im Hof mal wieder (auch dank zweier Einzüge) überquillt, Altglas und Leergut wegbringen. Viel Arbeit, die aber dank Elektromotor besser zu erledigen war.

GErda und ich sind gute Freundinnen geworden. Am Mittwoch hatte ich mich noch über die Untätigkeit und Gleichgültigkeit des Technikers in der Redaktion geärgert. Die Kommunikation mit den eigenen Artgenossen* ist oft schwieriger als mit jedem Tier. Ich hatte nur unruhig geschlafen gehabt. So ging es am Donnerstag, den Abholtag von GErda zunächst nur mit Ärger weiter, weil ich gerädert und frustriert aufgewacht war.
Allerdings, die Kommunikation mit der GErda (fränkisch: Gerdda“) aus der “verbotenen Stadt verlief reibungslos. Schon nach den ersten paar Minuten haben wir uns,super verstanden. Ihr ist Fußball so wurscht wie mir.
Wir sind gerne miteinander unterwegs. Am Samstag den 26.10. spielte der FC Schalke 04 gegen den BVB, also Herne West gegen Lüdenscheid. Weil sie sich doch ihrer STadt verbunden fühlt, habe ich ihr eines meiner blauen Tücher umgebunden. Als Diplomatin hat man schließlich fast alle Farben bei Tüchern und Schals vorrätig 😀 Ich selbst trug eine schwarze Weste und ein gelbes Shirt, zu Gelb passen auch modetechnisch nur wenige Farben.

Der Weg zu diesem besonderen Getränkemarkt, den ich am Donnerstag durch St. schon kennengelernt hatte, ist rund 10 Kilometer entfernt, also ist es ein Stück zu fahren. Leider gibt es dann immer wieder Hindernisse wie diese Drängelgitter. Zwischen manchen kommt man noch durch, bei manchen auch nicht. Mit dem Trekkingrad braucht man sich keine Gedanken machen, deshalb war es mit dem Lastenrad an manchen Stellen eine böse Überraschung. Später fand ich bei dem einen Nebenweg, den ich bisher in der Nähe Dorstfelder Allee nicht genutzt hatte, eine freie Durchfahrt auf der einen Seite. Ein Umweg Richtungder Technischen Universität Dortmund, die ich passierte, war des trotzdem gewesen. Der kürzeste Weg geht an der DASA vorbei, doch wer über die A40 radeln will, muss wieder Drängelgitter entlang des Friedrich-Henkel-Wegs passieren. Mit dem Lastenrad ist das unmöglich. Also muss man den Umweg entlang der Dorstfelder Allee nehmen und am Kreisel rechts in die Emil-Figge-Straße einbiegen.

Fast kein Durchkommen entlang der Straße Twerskuhle. Foto: A. Steger
Fast kein Durchkommen entlang der Straße Twerskuhle.

Am Getränkemarkt angekommen. Hier und da gibt es neugierige Blicke, was da auf dem ‚Autoparkplatz‘ steht 😉

Auch ein Fahrzeug – und WAS FÜR EINS!
Erfolgreich eingekauft, sicher transportiert… mit einer Spezialität aus der alten Heimat.
Durch Dortmund-Oespel... hier und da versucht man den historischen Ortskern zu erhalten. Foto: A. Steger
Durch Dortmund-Oespel… hier und da versucht man den historischen Ortskern zu erhalten.

Wie praktisch, dass ein paar Meter weiter ein Altglascontainer gewesen war… 😉

Neben den Drängelgittern gibt es ein weiteres Problem, das jede und jeden Radler-/in nervt, auch ohne Lastenrad: die Parkmöglichkeiten. Deutschland ist ein Entwicklungsland in Sachen Rad-Infrastruktur. Jeder Mensch, erst recht die Führungspersonen in Wirtschaft und Politik benutzen High-Tech-Geräte für ihre Kommunikation und für ihre Blechkisten. Aber die Radwege und Gesetze sind so historisch wie die Pferdekutsche. Hm, warum fährt dann kein Politiker mit dem Ochsengespann vor, wenn sie oder er selbst so ein Mobilitäts-Hornochse ist?

An dieser Stelle: Parken ist Pest und Cholera zugleich. Wie ich es auch mache, ist es falsch: entweder ich blockiere den Fußweg wie auf dem Bild oder mehrere Abstellplätze für Räder. Anpfiff gab es keinen, ein gutes Gefühl hatte ich nicht. Und mit dem Schweben über allen Dingen hat es wegen mangelnder Zauberkräfte nicht geklappt.

Parken am Supermarkt in der Kaiserstraße. Nebenan läuft noch ein benutzungspflichtiger Radweg.
Der benutzungspflichtige Radweg in der Kaiserstraße 'Dortmund auf der Höhe des Supermarktes mit Stellplätzen für die Kunden*fahrräder.
Der benutzungspflichtige Radweg entlang der Kaiserstraße Dortmund.

Am Sonntag konnte es für GErda und mich ruhiger angehen. Wir fuhren eine Runde um den Campus Nord der TU Dortmund, bevor ich zum Fitnesstraining ging.

Sonntagsrunde. Weg bei Stockumer Straße.
Sonntagsrunde. Weg bei Stockumer Straße.
Durch die Felder…

Unterwegs in einer Nebenstraße an der Ampel: ich halte an, weil diese Rot zeigt. Hinter mir höre ich die Ankunft eines Autos. die Ampel springt auf Grün, ich fahre los. Plötzlich hinter mir „hey, hey hey!“ – Da war wohl jemand überrascht, wie schnell ein Fahrrad abziehen kann. Hehe. 😀

In der Abendsonne.
In der Abendsonne
Alte und neue Mobilität.
Auf dem Campus Nord der TU Dortmund: die Zahnräder. Näheres ist auf der Tafel nachzulesen.
Auf dem Campus Nord der TU Dortmund: die Zahnräder. Näheres ist auf der Tafel nachzulesen.
Aussicht auf Dortmund entlang der B1 / A40. Das Rauschen des Autoverkehrs ist überall zu hören.
Aussicht auf Dortmund entlang der B1 / A40. Das Rauschen des Autoverkehrs ist überall zu hören.
Auf dieser Strecke bin ich auch einem leibhaftigen Pferd begegnet und unfreiwillig durch deren Kot gefahren.
Auf dieser Strecke bin ich auch einem leibhaftigen Pferd begegnet und unfreiwillig durch deren Kot gefahren.

Wer sich unter den motorisierten Verkehrsteilnehmer*n oder auch Fußgänger*n beschwert: es ist die Wegbeschaffenheit bzw. die schlechte Baustellengestaltung, die uns Radfahrenden zwingt, auszuweichen. Die Lange Straße musste ich öfter passieren, die Baustelle zwingt mich, dass ich links auf dem Gehweg vorbei muss. Auch wenn der Fußweg an dieser Stelle meistens breit genug ist, macht es mir Unbehagen, dort mit dem Rad oder Lastenrad ein Stück auf der linken Seite vorbei zu müssen. Ganz uncool, Stadt Dortmund! Ebenso ist es an der Rheinischen Straße (Bild), Abzweig vom Wall (=Innenstadtring). Die Fahrbahn für geradeaus fahrende Radler ist gesperrt. Seltsam. Sollen die sich jetzt in Luft auflösen? Die Orientierung an den Fußgänger*ampeln ist wohl das Beste: Wenn dort grün ist, kann man selbst auch fahren.

Baustellenchaos am Wall, nahe dem Dortmunder U, Einbiegung Rheinische Straße.
Baustellenchaos am Wall, nahe dem Dortmunder U, Einbiegung Rheinische Straße.

Auch so eine Straße, auf der man nicht gern fährt, aber oft genug muss, weil es keine Alternative gibt. Wer sich aufregt, warum ich oft zwischen den Schienen radel, dem und der sei gesagt: ich lasse mich so ungern von plötzlich öffnenden Autotüren von parkenden Autos vom Rad stoßen. Das nennt man dann „Dooring-Unfall.“ Wäre der Parkraum rechts weg und stattdessen ein Radweg, wäre die Situation soviel entspannter. Aber Deutschland ist nunmal Entwicklungsland in Sachen Verkehrsinfrastruktur.

Schienen und Enge durch zuviele Parkplätze sorgen für eine unsichere Fahrt mit dem Rad. Straße Oestermärsch in Dortmund.
Schienen und Enge durch zuviele Parkplätze sorgen für eine unsichere Fahrt mit dem Rad. Straße Oestermärsch in Dortmund.

GErda in der Hallerey, einem Naturschutzgebiet nahe Dortmund-Wischlingen.

Bei Herne traf ich auf außergewöhnliche Kunstwerke. Sah aus, als ob die Überwachung unserer Gesellschaft kritisiert werden sollte… interessant sieht es aus!

Außergewöhnliche Kunstwerke bei Herne. Kennt das jemand? Von welchem/-r Künstler/in stammt das?
Außergewöhnliche Kunstwerke bei Herne. Kennt das jemand? Von welchem/-r Künstler/in stammt das?

Kurz danach traf ich auf kein Kunstwerk, aber eine gesperrte Brücke. Das konnte ich aufgrund der fortgeschrittenen Zeit aber nun wirklich nicht brauchen! Eine freundliche Spaziergängerin sagte mir, wie ich dennoch weiterkäme. „Niederbochum“ würde das Gebiet hier heißen. Die vielen schmalen Wege sind nicht ausgeschildert, wer hier nicht regelmäßig spazieren geht, findet sich nur mit Karte zurecht. Unterwegs musste ich das Rad schieben, weil mitten im Wald grobe Steine wie aus einem Gleisbett auf dem Boden lagen. Dank der elektronischen Karte von komoot fand ich nach einem kurzen Schlenker dann doch auf die Erzbahntrasse. Wurde auch Zeit! Jetzt weiß ich, wie es beim Abzweig „Zeche Hannover“ aussieht… Weit war es nicht zur Trasse gewesen, aber den Weg zu finden, das war die Kunst gewesen!

Hier geht´s nicht weiter...blöd, wenn man sich nicht auskennt!
Hier geht´s nicht weiter…blöd, wenn man sich nicht auskennt!

Am Montag hieß es Abschied neben von GErda, dem Lastenrad von Riese + Müller, Modell Packster 60. Ich brachte sie wieder nach Gelsenkirchen in ihre Heimat zurück. Ihr Fazit: in Dortmund war es ganz schön! Und es gibt verkehrstechnisch ähnliche Schwierigkeiten. Sie wünscht sich, dass ich demnächst mit ihr bei der CM Gelsenkirchen mitfahre. Na das lässt sich einrichten… damit sie auch durch ihre Stadt rollt. Demnächst auch öfter, dafür bietet die Stadtentwicklungsgesellschaft Gelsenkirchen das Lastenrad an. Für weniger Autoverkehr und Städte für Menschen anstatt Autos! Tschüss liebe GErda, ich komme gern wieder.

Im Spiegel

Ausleihstation der Stadtentwicklungsgesellschaft (SEG) Gelsenkirchen: Infos hier.

Artikel des Stadtspiegels über das Lastenrad GErda für Ückendorf hier.

Seite des Herstellers Riese und Müller hier.

Fast alle Touren, die ich mit GErda gefahren bin:

Von Gelsenkirchen nach Dortmund: https://www.komoot.de/tour/100756289

Auf dem Weg zur Critical Mass Bochum: https://www.komoot.de/tour/100938933

Heimfahrt von der CM Bochum: https://www.komoot.de/tour/100977330

eine der Besorgungsfahrten am Samstag: https://www.komoot.de/tour/101168576

Heimfahrt vom Getränkemarkt mit Brotzeitstopp: https://www.komoot.de/tour/101168522

Runde um den Campus Nord der TU Dortmund mit Abkürzung: https://www.komoot.de/tour/101379926

Teilstrecke der Rückfahrt nach Gelsenkirchen: https://www.komoot.de/tour/101476852

Ab der Hallerey nach Gelsenkirchen: https://www.komoot.de/tour/101490189

Fliegen auf 2 Rädern will gelernt sein

Ein Sitz, kein Sattel. Die Polsterung sieht aus wie ein grober, dunkelgrauer kratzender Putzschwamm beim Geschirrspülen. Ein langes Rohr, dass das kleinere Vorderrad mit dem größeren Hinterrad verbindet, läuft unter dem Sitz hindurch.. Und wo ist der Lenker? Ah so, der läuft unter dem Sitz durch, die Griffe schauen links und rechts vom Sitz hervor. Das ist der Grundaufbau eines Liegerades. Genau, deshalb liegt man mehr, als man sitzt, während man Rad fährt. Die Beine in der Waagrechten nach vorne über dem kleinen Vorderrad auf den Pedalen. Sieht seltsam aus,  klingt verrückt, ist es auch und das beste: es funktioniert. Aber man braucht Geduld, es zu lernen.

Vor ca. 10 Jahren bin ich schon mal Liegerad gefahren. Ein Nürnberger ADFC-Kollege hatte mich auf diese außergewöhnliche Fahrradgattung aufmerksam gemacht, einmal war ich mit ihm auf der Spezialradmesse (SPEZI) in Germersheim im Süden von Rheinland-Pfalz. Ich hatte Geschmack an dieser Art des Radfahrens gefunden: man kann schnell beschleunigen, es macht riesen Spaß, der Gegenwind braucht die Fahrerin nur noch wenig zu kümmern. Der ganze Beckenbereich ist entspannter, weil man mit seinem Gewicht nicht auf den Sattel drückt.  Mit dem ausgeliehenden FLUX C 500 erlebte ich Fahrspaß pur, ein richtiger Rausch hatte mich ergriffen. Doch leider war es vor ca. 10 Jahren Herbst gewesen, ich hatte das nasse Laub auf dem Weg vergessen  – und wusch! flog ich hin. Das Gute am Liegerad: man kann nicht tief fallen. Das schlechtes: es gut dennoch weh. Die ganze Beinseite war blau und geprellt.

Es hatte große Mühe gemacht, das FLUX C 500 damals auszuleihen: ich mußte mit dem Zug erst nach Ansbach fahren, das bedeutete hin und zurück mehree Stunden Fahrt. Und dann das vergleichsweise schwere Liegerad in den Zug hieven, der noch so häßliche alte Klapptüren hatte…

Von damals habe ich nur Bilder von einem entwickelten Film, die (noch) nicht digitalisiert sind.

Der Traum vom Liegerad-Fahren blieb, aber Geld, eins zu kaufen, hatte ich keins. Wenn man es einmal gelernt hat, will man nie wieder absteigen.

Heute, 10 Jahre und zwei Umzüge in eine andere Stadt später ergibt es sich, dass ich im Monat nicht nur eine Critical Mass mitfahren kann. Hier und da gibt es nette Kontakte, man findet Gleichgesinnte. In Gelsenkirchen gibt es offenbar eine Liegerad-Szene, die ganz fußballfern und über Stadtgrenzen hinweg ihre Leidenschaft pflegt. G. mit seinem gelben Velomobil (ein Liegerad mit Verkleidung rundherum, sieht lustig aus und ist super schnell!) ist einer davon. Weil ihm der Arzt irgendwann auch das Rennradfahren verbot, fährt er Liegerad. Einige Exemplare, darunter auch ein Dreispurer (Scorpion von HP Velotechnik) besitzt er nun schon. Und mir versprach er, dass ich eins leihen könne. Hey cool, endlich nach 10 Jahren wieder Liegerad fahren!

Von einem Kollegen aus eben dieser Stadt hatte ich mir schon Ausflugstips geben lassen, was ich alles sehen könnte: Schloß Berge, Schloß Horst… (nein, das „böse“ Stadion der „Blauen“ steht nicht auf meiner Sightseeing-Liste 😀 ) ich malte mir einen ruhigen Freitag nachmittag aus, der evtl. sogar mit der Critical Mass in Bochum enden könnte. Im Gegensatz zu Nürnberg und Ansbach, der Region Nordbayern sind die Städte im Ruhrgebiet sehr nah beieinander. Bochum sollte also bis abends erreichbar sein.

Doch Fahrräder sind eigenwillig. Fast wie echte Pferde auch, sagen sie nicht zu jeder und jedem sofort „ja.“ G. stellte das Rahmenrohr so ein, dass ich mit den Beinen bequem die Pedale vorn an der Spitze erreichte. Ich dachte, ich kann es noch…. aber immer wieder kippte ich um. Es ist genau so, als wenn man Radfahren lernt: der Kopf kapiert, dass man das Gleichgewicht halten kann, aber der Körper braucht länger, um es zu kapieren. „Du mußt die Beine oben halten, lenken und treten, lenken und treten!“ sagte G. immer wieder. Er feuerte mich an, schob an – und irgendwann konnte ich das erste Stück, den kurzen Radweg entlang der U-Bahn-Haltestelle frei fahren. Juhuu! Die Gelsenkirchener Jugend, die an der Haltestelle abhing, hatte an diesem Nachmittag eine besondere Unterhaltung 😉

Nach ein paar technischen Schwierigkeiten konnten wir abends dann losfahren. Ich wollte es noch bis nach Bochum zum Hbf schaffen, von dort aus mit dem Zug nach Haus fahren. G. schob wieder an – mit Gepäck radeln am Liegerad war noch mal eine ganz andere Herausforderung – und ich fuhr auf der Trasse, vorbei an der Zeche Consol los. Wieder war er da, der Rausch der Geschwindigkeit. Und G. hinter mir plötzlich verschwunden.

Ich freute mich, merkte aber auch, wie erschöpft ich war. Ich habe dann unfreiwillig heftig angehalten, es ist nichts passiert, der Untergrund war ja weich und außer mal umkippen ist nichts passiert. Ich glaube, ich hatte auch etwas Muffensausen bekommen, weil der Weg an dieser Stelle kurz vor der A42 so ist wie der, an dem ich vor 10 Jahren mit dem Flux C 500 gestürzt war: es geht auf jeder Seite schön bergab. Arrgh. Ich machte erst mal Rast, denn ich hatte immer nur etwas, aber nie sehr viel gegessen. Ich war tagsüber ungewollt immer wieder müde, obwohl ich morgens das Gefühl gehabt hatte, ausgeschlafen zu sein.

Ich merkte: ich muß Geduld mit mir selber haben, mal tief durchatmen – dann kann ich wieder losfahren und es klappt auch.

An der Kreuzung, an der es zur Autobahn 42 rein und auf der anderen seite zur Zoom Erlebeniswelt geht, legte ich mcih wieder hin. Ein Autofahrer, der an der Ampel wartete, fragte sogar, ob ich Hilfe brauche. Sehr freundlich, wow, das überraschte mich.

Ich war verwirrt, WO es weiterginge… ich merkte, dass ich richtig k.o. war. Zuerst wollte ich zur Zoom E. fahren, doch dann sah ich die Zufahrt zur Trasse. Ich schob das Rad runter, dann hieß es: aufsteigen und wieder losfahren… wie einfach das auf dem „Hochrad“ (so nennt der ADFC-Kollege aus Nürnberg immer die Fahrräder) doch ist!

Ich war immer noch unsicher, doch ich fuhr los. Und hui, nach ein paar Versuchen, einmal Fluchen und tief Druchatmen klappte es!

Allerdings merkte ich auch, dass mein Kopf und Nacken irgendwie keine passende Position hatten. Das Fahren hätte so schön sein können, wenn ich nicht die ganze Zeit das Gefühl gehabt hätte, dass die Kopfhaltung nicht stimmt und ich eine unangenehme Verspannung spüre. Ich fuhr eine ganze Weile, die Schaltung zickte manchmal, aber im großen und ganzen funktionierte es. Wenn mir jemand entgegen kam, war ich nicht mehr so panisch. Allerdings, wenn zwei nebeneinander fahren, das macht mich immer noch unsicher.

Später dann, auf dem Weg Richtung Erzbahnbude gibt es immer wieder Brücken, die hone Wände links und rechts des Weges haben. Ich dachte auch erst, dass mir die Zäune auf den Brücken Sicherheit geben.

Da gibt es doch das mehrere hundert Meter lange Stück als Brücke, bei dem links und rechts Metallwände sind, danach erreicht man die Erzbahnbude. Langsam überwog der Gedanke: „Warum tue ich mir das an?“ vor „Liegeradfahren macht Spaß.“ Zwei Schlaumeier kamen mir entgegen, nebeneinander, und das bei der relativ engen Brücke. Ich schaffte es noch, ihnen zuzurufen, sie mögen doch bitte hintereinander fahren, ich glaube sie taten es auch, aber zusammen mit der Erschöpfung verlor ich den Mut und fuhr gegen die Wand. Juhu, auch das Knie angehauen und noch mehr Prellungen (aber keine offenen Wunden). Ich war wütend und genervt, aber ich hatte keine Kraft mehr, zu fluchen (auch wenn es notwendig gewesen wäre). Die beiden entshculdigten sich, ich erklärte ihnen die Sache, sie fragten, ob sie helfen könnten… nun, was sollten sie auch tun, ich war froh, dass sie mir überhaupt zuhörten.

Die Erzbahnbude hatte noch offen, ich fragte nach Kaffee, der war verständlicherweise aus. Ein Eis füllte meinen Zuckerhaushalt auf. Aber nachher merkte ich: heute kann ich mit diesem Rad nicht mehr fahren. J., der soeben die Bude geschlossen hatte, war plötzlich neben mir und meinte, er würde mir ein Taxi rufen. Ich hatte keine Lust, die restlichen 6 km bis zur Jahrhunderthalle zu schieben!

Das ist echt eine Gelsenkirchen-Woche: Montag war ich bei der CM, heute kam ich so schnell aus GE nicht raus, weil Julian mich zu einer Kreuzung in GE begleitete. Nach mehreren Telefonaten wußten die Taxifritzen endlich, WO sie hinkommen sollten. Es hat mich schon gewurmt, 23 € für ein Taxi ausgeben zu müssen, um nach Bochum Hbf zu kommen. Aber gut, das war eben ein Notfall…. Und wie ich zu Julian sagte: „man muß nicht gleich Bungee-jumping machen, aber wenn man sich gar nichts traut, ist das Leben elend langweilig.“

Das Liegerad passte gut in den Zug und in den Aufzug. Was ich sonst nie mache, habe ich heute gemacht: ich bin mit der U-Bahn die eine Station ab Hbf zu der Station  gefahren, von der aus die Ux99 zu mir nach Hause fährt.

An den Beinen habe ich viele Veilchen, das rechte Knie tut noch etwas weh, beugen geht, wenn auch mit leichten Schmerzen. Dennoch bin ich froh, es heute mich getraut zu haben, Liegerad gefahren zu sein. Ich war heute morgen erneut  mit Frust aufgewacht. Irgendwas muß man tun, sich aufmachen… Der Lenker sollte nach unten gebogen sein, damit beim Sitzen, ohne dass ich fahre, der Lenker nicht gegen die Beine drückt. Aber wenn man umonst ein Liegrad nutzen kann, motzt man nicht. Jede-/r hat eben einen anderen Körper, G. paßt auf dieses Liegerad eben besser drauf.Das Liegerad bleibt die nächsten Tage erst mal im Stall, abgesperrt.  Aber ich werde wieder losfahren – bis ich so sicher bin wie auf dem „Hochrad.“

Mein herzlicher Dank gilt G., seine Geduld bei der Liegerad-Fahrschule ist unbezahlbar. Er hat an mich geglaubt und mich immer wieder angefeuert. Meine Mutter hätte nur ständig panisch geschrieen, weil alles ach so gefährlich ist (deshalb, meine Damen, zuhause bleiben und sich einschließen – haha!) Und danke an J. und die Erzbahnbude für die Hilfe, damit ich ohne Streß und sicher nach Hause kam.

 

 

 

 

 

 

 

Nordrunde durch Dortmund

Auf der Suche nach einer möglichen Feierabendrunde habe ich mal wieder den Fahrradstadtplan studiert… es kann doch nicht sein, daß es nichts wenigstens annähernd adäquates wie die Erzbahntrasse zwischen Bochum und Essen-Zollverein auch für Dortmund gibt! Für´s Freibad war es schon zu spät, der Wind relativ heftig… und das Lastenrad des Typs BULLITT, ausgeliehen von VeloCityRuhr noch verfügbar. Also auf, um den hohen Norden Dortmunds zu erkunden.

Eine zentraler, gut erreichbarer Ort für den Start ist der Borsigplatz.Genau, das ist der Platz, wo die schwarz-gelben Fahnen hoch an den Laternenmasten hängen und wo Fußballfans feuchte Augen bekommen. Von dort aus geht es auf die Borsigstraße und dann die häßliche Bornstraße Richtung Dortmund- Eving. Der Radweg, der leider benutzungspflichtig ist, taugt nichts: viel zu schmal, wenn auch meistens sauber und späer im Nichts endend.

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Über die Eisenstraße und Burgholzstraße fährt man entlang des Nordfriedhofs; das Grün nimmt schon an dieser Stelle leicht zu. Links in die Osterfeldstraße abgebogen, ist man schon in EVING. Ein Stadtteil, der mehr wirkt wie ein größeres Dorf. Leider auch hier endet der Radweg einfach auf der Fahrbahn und noch dazu an einer Bushaltestelle… ist nur eine Frage der Zeit, bis es mal zwischen motorisierten Verkehr und Radfahrer-/innen kracht, ganz ohne Mutwillen seitens der Radfahrenden.

 

Nach ca. 3 km am Ende der Wildbergstraße: endlich fängt der Wald, das dichte Grün an!  „Süggel“ oder „Süggelrand“ heißt das Waldgebiet, das bald in ein Waldstück namens „Grävingholz“ übergeht. Die Wegweisung am Waldrand ist anfangs etwas verwirrend, letztendlich hatte ich aber die richtige Abbiegung gefunden: Den R 8, geradeaus in den Wald hinein.

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Der Rote Rudolf freute sich sichtlich, mal nicht nur schwere Lasten innerhalb von dicht an dicht stehenden Häusern zu transportieren, sondern eine Ausflugsfahrt zu machen.

 

 

Der Ausblick auf Holthausen (hinter dem Hügel)  , nachdem man den Wald verlassen hat.

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Bemerkenswert: man hört hier wirklich keine Autos, keine Autobahn. Nur landwirtschaftliche Geräte, momentan bei der Getreideernte und Heu- bzw. Strohballen-Herstellung. Auch das gibt es in Dortmund…

 

Weiter auf dem R 8 nach Holthausen.

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Den Bewohnern am Wegesrand guten Tag sagen… manchmal kommen auch Reiter entgegen auf diesem Weg, daher etwas aufpassen.

 

 

Weiter  bergab auf der Kamphecke…

 

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Fast wie im hohen Norden 😉 und nicht mal sooo steil die Anstiege!

 

 

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Eine grüne Bushaltestelle gleich neben dem Maisfeld… da geht dem Städter doch das Herz auf! 😀 Und der Linienbus fährt 1x in der Stunde, auch sonn- und feiertags… das ist schon viel für eine ländliche Gegend. Einmal überholte mich diese Buslinie, ein putzig wirkender Mercedes-Kleinbus. In Nürnberg kurvt auch sowas rum… irgendwie putzig diese kleinen Busse.

Und wieder einen Stadtteil kennengelernt… Schwieringhausen.

Sieht gar nicht aus, als ob es zur Stadt Dortmund gehöre…

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Laut Stadtplan sollte es links auf der Alt-Mengeder Straße zum Dortmund-Ems-Kanal gehen. Eine freundliche Autofahrerin, die gerade neben mir hielt, um zu parken, gab mir aber einen anderen Rat. Rechts in die Ortschaft rein, dann rechts in die Sackgasse… und gleich wieder rechts bei der Schranke, die in den Wald hineinführt. Lustigerweise gab es zwei Schranken, eine davon hatte einen Durchlaß für Fußgänger, das Bullitt passte gerade so durch.Ein Weg mit Kennzeichen „Verbot für Fahrzeuge aller Art“… pffft. Der Weg wird ausprobiert. Nach einem kurzen Weg durch ´s Gebüsch von Brennesseln und Brombeeren stand ich plötzlich am Dortmund-Ems-Kanal.

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Am Kanal überkommt mich oft die Sehnsucht nach dem richtigen Norden…

 

Unscheinbar: das ist die Verbindung Schwieringhausen zum Dortmund-Ems-Kanal.

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Entlang des Kanals zurück in die Nordstadt Dortmund…

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Unterwegs noch Abendessen. Schöner kann es kaum sein als hier…  🙂

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Der Weg auf dieser Seite – links in Richung Industriehafen und Nordstadt  – unterscheidet sich in seiner Beschaffenheit kaum von dem auf der anderen Seite. Aber wie ich es geahnt hatte, ist er nicht komplett durchgängig. Wegen eines Betriebsgebäudes der Kanalwirtschaft mußte ich auf eine Landstraße ausweichen und fuhr auf der Holthausener Straße Richtung Nordstadt… auf der Fürst-Hardenberg-Allee soll es mal wieder zum Dortmund-Ems-Kanal abgehen, aber mit dem Bullitt war es letztendlich doch angenehmer, die Straße zu fahren. Bis auf wenige landwirtschaftliche Fahrzeuge war nicht soviel los. Dadurch, daß ich nicht am Kanal fahren konnte, lernte ich den Stadtteil, der praktisch zum Industriehafen gehört, kennen: Dortmund-Lindenhorst. Allerdings, außer Firmengebäuden und Geschäften wie Auto- und Motorradhändlern scheint es kaum Wohnungen in Lindenhorst zu geben…

Die Fürst-Hardenberg-Allee und die Lindenhorster Straße brachten mich zurück in die Nordstadt von Dortmund zum Fredenbaum-Park und Borsigplatz. Am Ende verlief die Strecke etwas anders als geplant, dennoch war es eine schöne Tour für eine Feierabend-Runde.

 

Meinen herzlichen Dank an VeloCityRuhr für den möglichen Verleih des Lastenrads Roter Rudolf! 🙂  RIDE ON!

 

Am niederen Rhein – wo mag das sein?

Die Zeit drängt. Tag um Tag sitzt man am Schreibtisch, die Arbeit SOLL ENDLICH! fertig werden. Doch es geht nicht weiter… man mag schon gar nicht mehr sitzen. Man weiß schon nicht mehr, wie die Luft draußen vor der Tür ist…so ging es mir vergangene Woche. Die für das Frühjahr ungewohnt hohen Temperaturen, an denen sich viele Mitmenschen so enthusiastisch erfreuen, freuen auch die Pollen. Und ja, wegen mir sollen sie auch alle fliegen, es soll ja was wachsen, blühen und Früchte bringen wie jedes Jahr. Aber warum, warum macht das Immunsystem bei Pollenflug solch einen Terror, daß man wegen verstopfter Atemwege kaum mehr schlafen kann?? An jedem Tag des Jahres fliegt richtig gefährlicher Dreck durch die Luft, nämlich: Abgase von Kraftfahrzeugen. Doch da regt sich kein Immunsystem auf – zumindest nicht so akut wie bei den Pollen.

Die nervige, aber völlig unnötige Pollenallergie war verantwortlich dafür, daß ich nicht weiterkam mit dem Schreiben. Einmal gab ich entnervt auf und machte mit dem Rad wenigstens eine kleine Fahrt um den Block. Am Samstag abend gab die Gruppe von „Mask and Music“ unserer Universität eine tolle Vorstellung der Musicalfassung von „Addams Family.“ Eine willkommene Abwechslung, denn Schreiben-Müssen (und den Abschluß haben wollen)  von Arbeiten macht auch einsam. Wegen der Pollenallergie, die zu ständiger Mattigkeit führt, konnte ich auch die regulären anderen Termine der Woche, die Gesellschaft versprechen, nicht wahrnehmen. Am Samstag abend auf dem Weg zur Musicalvorstellung mußte ich ungewollt auch noch auf einen Rassisten treffen. Ja, Rassismus hat viele Gesichter, denn Dummheit und Stumpfheit kennen keine Grenzen. Zuerst dichtet man nicht-deutsch aussehenden Menschen was an, weil vielleicht einer, der auch so aussieht oder auch aus einem bestimmten Land kommt, einen Fehler gemacht hat. Dann sind für viele Deutsche alle Menschen aus …. faul/dumm/gewalttätig usw. Es geht aber auch noch perfider: wer aus dem „falschen“ Bundesland kommt, wird ebenfalls rassistisch angefeindet. Schon das 3. Mal in meinem Leben, schon das 2. Mal in NRW. Was bleibt, ist diesen Idioten eine immer offene Büchse der Pandora zu wünschen. Und zum Glück werden auch schlechte Wünsche wahr – auch wenn die Geschädigten das leider nicht immer mitbekommen. Rassismus und Mobbing müssen zu Straftatbeständen werden! Denn diese Taten verletzen die Seele. Körperliche Gewalt verletzt den Körper, das wird vom Gesetzgeber bestraft – doch das ist zuwenig.

Ich glaube jetzt zu wissen, wie sich nicht-deutsch aussehende Menschen fühlen, die Rassismus erfahren müssen. Nicht erst seit den o.g. Erlebnissen verurteile ich Rassismus als menschenfeindlich, als Dummheit – und: Rassismus ist ein Verbrechen, keine Meinungsäußerung.

Den Sonntag nutzte ich für die Vorbereitungen. Die Strecke war festgelegt, die Taschen gepackt, noch einmal Fitnesstraining gemacht – und dann mußte am Sonntag abend die Brille brechen. Genau in der Mitte. Nach fast 7 langen Jahren hat meine Brille nun ihren Dienst quittiert. Schon vor Monaten hatte ich an eine neue gedacht, aber das Vorhaben immer wieder verschoben. Dabei hatte ich um 10 Uhr in Duisburg sein wollen. Von dort aus sollte es nach Xanten gehen. Das konnte ich jetzt vergessen.

Montag morgen nach schlechtem Schlaf erst mal zum Optiker, ein Notfall war zu lösen. Die alten Gläser konnten in ein neues Gestell, um überhaupt eine Brille zu haben. Dann: eine neue aussuchen. Ich betrachtete es nicht mehr so sehr als „Staatsakt“, auch wenn Brillen einen großen Anteil daran haben, wie man aussieht und bei anderen ankommt. Es war jetzt schlicht eine Notwendigkeit, um wieder ordentlich sehen und agieren zu können. Früher hätte ich den Optiker, der mich bediente, vielleicht als „affig“ bezeichnet, weil er manchmal komisch lachte und leicht übertrieben hantierte. Bei genauerem Hinsehen wurde aber klar, daß er über Fachwissen verfügte und mir auch klar sagte, was Sache war – das ist nicht selbstverständlich. Ich gab letztendlich mehr Geld aus, als ich wollte, aber: ich bekam Qualität dafür. Während die alten Gläser in ein neues, wenn auch nicht ganz passendes Gestell gearbeitet wurden, frühstückte ich in einem hippen Großstadt-Szene-Lokal, bei dem man sofort mit „du“ angeredet wird und das bei allem Wohlgeschmack der Speisen überteuert ist. Mein favorisierter Kaffee-Trink-Laden, das „Wohnzimmer“ hatte am Montag erst ab 17 Uhr auf. An meinem Geburtstag wollte ich es mir gut gehen lassen, ein Stück schönes Leben haben, wenn schon soviel Unsinn wie eine kaputte Brille und rassistische Beleidigungen  sein müssen.

Und: tataa! Die alte neue Brille war gegen 13 Uhr fertig. Zugverbindung rausgesucht…. und ab zum Hauptbahnhof! Ab Duisburg würde ich es nicht mehr schaffen… aber ab Rheinberg. Es blieb noch Zeit für die Entgegennahme eines Gratulationsanrufes, was mich sehr freute und wieder aufbaute.

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Endlich GEHT ES LOS!!!

Am Vormittag war der Himmel noch düster gewesen, wolkenverhangen. Und es war kühl, so wie es im Frühjahr – eigentlich – ist. Am frühen Nachmittag, als ich am Hauptbahnhof Dortmund losfuhr, wurde es – wie plötzlich – wärmer. Und in Rheinberg total sonnig. Die Jacke, die morgens noch so notwendig gewesen war, konnte jetzt praktisch „spazierengefahren“ werden. Ebenso die Regenjacke. Aber wehe, man hat mal keine von beiden dabei….

In Rheinberg gab es erst kurze Verwirrung, dann kam ich mit einer Hundespaziergängerin in einen netten Plausch, der sich nicht nur um die Wegrichtung drehte. Der große schöne Berner Sennenhund benahm sich auch anständig; überhaupt reagieren die meisten großen Hunde viel cooler auf mich als Fahrradfahrerin als es die -hust*- kleinen „Hunde“ tun. Die Erziehung macht´s aus, und die macht nunmal der Mensch, nicht das Tier.

Ähnlich wie im Ruhrgebiet kommt man erst mal an Industrieanlagen vorbei….

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…die sich dann kurioserweise mit ländlich anmutenden Sträßchen abwechseln. Also kurios für die und den, wer nicht im Ruhrgebiet aufgewachsen ist.

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Nach ca. 2 Streckenkilometern taucht er dann auf, der Rhein, also der „Alte Rhein“ (zumindest entnahm ich das der Karte so).

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Die Weite der Rheinwiesen, die auch dem Überflutungsschutz dienen. Die Anzahl der vierbeinigen Rindviecher nahm auch immer mehr zu, je weiter ich mich ins Land bewegte. Im Hintergrund sieht man immer wieder Schiffe vorbeiziehen…

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Bei fast andächtiger Stille auf den Weiden herrschte in den Bäumen Hochbetrieb. Der Immobilienmarkt der Krähen ist heiß umkämpft.

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Das Frühstück war doch schon eine Weile her… jetzt war es Zeit für die Brotzeit. Die erste Bank seit langem… nicht der schönste Platz (wenige km weiter wäre eine schönere Bank gewesen), weil immer wieder ein Güllewagen vorbeifuhr. Die Fracht wurde aber außerhalb meines Blickfeldes ausgebracht, weshalb das nicht so tragisch war.

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Während der Brotzeit mußte ich grinsend an den Spaß-Artikel vom Postillon denken, während der Güllewagen immer wieder zum Hof, an dem mein Weg vorbeiführte, lag und dann erneut zu den Feldern aufbrach.

http://www.der-postillon.com/2015/09/ekelhaft-landwirt-verteilt.html

 

Es dauert eine ganze Weile, bis man direkt am Rhein entlang fährt. Jetzt ist zumindest Wesel am Rhein im Blick.

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Selten, daß mir auch soviele Liegeradfahrer-/innen entgegenkommen… einer fuhr ein flux C500, ein Modell, das ich vor langen Jahren ausgeliehen hatte. Ich konnte kaum meine Begeisterung kund tun – da war er schon weg 😉 Die Dinger sind sowas von flott! Es war so wunderbar zu fahren, daß ich es nicht mehr hergeben wollte… das nötige Kleingeld, um so ein tolles Reise-Gefährt zu kaufen, fehlt mir leider immer noch.

 

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Spätestens jetzt kommt ein Urlaubsgefühl auf.

 

Es ist kein Geheimnis, daß die Landschaft die Menschen, die in ihr wohnen, prägt. Auch wenn heute nur noch wenige Menschen von der Landwirtschaft leben, so wirkt eine bestimmte Einstellung sich selbst und Fremden gegenüber fort: karge Böden, die wenig Ertrag bringen sorgen nicht gerade für gute Laune oder große Offenheit und Freundlichkeit gegenüber anderen Zeitgenossen. Ich weiß nicht, wie es um die Bodenbeschaffenheit am Niederrhein steht. Aber wenn man sich nicht ständig (mit und ohne Motorenunterstützung) eine Steigung hinauf plagen muß, scheint das für eher gute Stimmung zu sorgen. Ich wurde so oft von wildfremden Menschen gegrüßt, hier und da ergab sich auch ein netter kurzer Plausch. Undenkbar in anderen Gegenden dieses Landes. Der Niederrhein… tut grundsätzlich wohl, so mein Eindruck.

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So langsam wird es auch Abend… an der Bislicher Insel vor Xanten.

 

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Glück gehabt! Auf der richtigen Rheinseite gelandet. Denn die Fähre fährt nur bis 19 Uhr.

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…denn mit dem Radl schwimmen wäre dann doch etwas – anstrengend…

 

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Zwar folgte ich der Römer-Lippe-Route nicht immer, streifte aber immer wieder Teile von ihr. Das wird die nächste größere Tour 🙂

Und jetzt… fast schon in der einzigen Stadt dieses Landes, deren Name mit „X“ beginnt….

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Wow, ich kann es immer noch nicht glauben, als ich diesen Magnolienbaum am Ortsanfang von Xanten sah. Anfang April und die Magnolie steht in voller Blüte! In anderen Gegenden ist gar nicht daran zu denken, überhaupt eine Magnolie zu pflanzen, weil das Klima viel zu rauh ist. Und wenn sie blüht, dann frühestens im Mai.

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 Xanten am Abend.

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Komisch, daß hier nur an Auto-Parkplätze gedacht wird. Und wo bindet man seine Kutschpferde an? Siegfried ist doch zu Pferd unterwegs…..

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Aber… die Residenz von Ritter Siegfried (aus der Nibelungen-Sage) hatte ich mir schon anders vorgestellt!

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Abendessen zum Geburtstag in der Kneipe „Börse.“ Eine etwas ruppig-freundliche Bedienung, aber das paßte zum Laden 😉

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Sauerbraten mit Kartoffeln und Apfelkompott.

Leider sind die Jugendherbergen alle meist wegen doofer Schulklassen komplett ausgebucht. Eine private Zimmervermietung hatte sich zu meiner Überraschung doch noch gemeldet gehabt. Ich hatte eine eher bodenständige, einheimische Zimmerwirtin erwartet. Zu meiner Überraschung war sie alles andere als das… eher, sagen wir mal, alternativ eingestellt. Die Zimmer waren klein, einfach eingerichtet, genau richtig für bescheidene Ansprüche. Die Matratze hätte etwas härter sein können, damit man besser schlafen kann. Bad und Toilette auf dem Flur. Aber was soll man sagen… besser als draußen auf der Parkbank schlafen.

Zugegeben, am Abend hätte ich gern etwas Gesellschaft gehabt.

 

Am nächsten Tag.

Gefrühstückt habe ich an einem großen Tisch im Ladengeschäft, das der Zimmerwirtin gehört. Schon kurios… ich kam mir vor wie das menschliche Dekorationsobjekt für all die schönen Tassen und guten Tees, die hier herumstehen 😀

Der Tag war genauso sonnig und hell wie gestern: ein Traumwetter zum Radeln. Noch hatte ich Zeit, so daß ich erst mal in Ruhe auf einer Parkbank saß und weiter an einem Tuch häkelte. So nach und nach kamen die Leute aus den Häusern heraus, stellten ihre Waren vor die Tür und  machten ihre Läden auf.

Durch das Klever Tor aus der Stadt hinaus. Ich war gar nicht so traurig, jetzt nicht die fette große Römer-Besichtigungs-Tour zu machen; das war nicht Sinn und Zweck meiner Reise.

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So, jetzt aber doch ein Stück Geschichte.

 

Die Kriemhild-Mühle an der nördlichen Stadtmauer wirkt irgendwie deplaziert, so hineingequetscht mit ihren riesigen Flügeln. Die Art des Häuserbaus, bzw. die Verwendung von Ziegelstein als Baumaterial läßt schon an die Niederlande denken, die Windmühle hier auch. Aber irgendwie… scheint sie nicht ins Stadt-Bild an diesem Eck zu passen. Innen in der Kriemhild-Mühle ist ein Bioladen und Bäckerei.

 

Und hier ein Stück römische Geschichte. Die eine Mauer des Archäologischen Parks, den man für stolze 9€ besichtigen kann. Es war umstritten gewesen, ob man ihn baut, denn alles ist nur Rekonstruktion von dem, was die Römer damals gebaut hatten. Ich komme nicht umhin, auch an Asterix und Obelix, so ganz un-historische Figuren, zu denken… (Obelix: „Rööömer!“)

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Jetzt ist man draußen aus der Stadt…und es geht erst mal entspannt am Xantener Südsee und Nordsee vorbei. Die neu gebaute Jugendherberge streifte ich auch.

 

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Noch sind die Tische leer Anfang April….

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Die Wegweisung war etwas verwirrend, weil nicht ausgeschildert… aber laut Karte sollte es an einer Kirche vorbei wieder auf den rechten Weg gehen. Nächste Station: Kalkar! Der Wohnort von Studienkollegen.

 

Pah, Ihr könnt mich alle mal… Schafe bei der Mittagspause kurz vor Kalkar. Richtig ländlich hier… oder wurde mir nicht gesagt, Kalkar sei eine Stadt? 😛

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Genau, das was die Schafe machen, mach ich jetzt auch. Unter der Linde gegenüber dem Rathaus.

Angekommen mittags in Kalkar. So weit, wie ich veranschlagt hatte, war die Strecke gar nicht.

 

Nach der Mittagspause war mein Ziel Kleve, von dort aus nahm ich den Zug Richtung Dortmund. Auf dem Radweg zwischen Kalkar und Kleve ist den Planern offensichtlich nicht mehr viel eingefallen, es geht leider nur an einer häßlichen vielbefahrenen Bundesstraße entlang. Für Excursionen, ob es vielleicht nicht doch ruhigere Nebenwege gäbe, hatte ich leider keine Zeit mehr, denn: „…aber der Wagen, der rollt.“ Eine mögliche Residenz am Niederrhein für mich habe ich dann doch noch entdeckt:

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..aber wo ist das 2. Türmchen hin? Hmmm……

 

Gerne wäre ich noch länger geblieben… abends war leider Arbeit am Stadion angesagt. Der kurze April ist voll mit Heimspielen des BVB. Doch diese Reise wird nicht die letzte sein, die ich an den Niederrhein unternehmen werde. Dort kann man zumindest vom Meer träumen…

Offener Brief an die Firma Flixbus und billpay: Unfaire Zahlungsmodalitäten

An
Firma Flixbus Mobility GmbH
Birketweg 33
80639 München

und:

Firma Billpay GmbH
Zinnowitzer Straße 1
10115 Berlin

- an beide per Mail. -


Sehr geehrte Damen und Herren,
aufgrund großen Ärgers bei der Buchung und schlechter Bedienung am Telefon schreibe 
ich Ihnen einen offenen Brief an die Firma Flixbus/MeinFernbus und die Firma Billpay.

Daher an dieser Stelle meine KRITIK:
Die Reise selbst läuft grundsätzlich problemlos ab. Daher fahre ich inzwischen gern mit Ihren Fernbussen. Was mich wütend macht ist die Art und Weise, wie Flixbus die Kundinnen und Kunden bei der Buchung im Internet behandelt. Obwohl bisher alles per Lastschrift bezahlt wurde, soll das nun plötzlich nicht möglich sein. Als meine angeforderte Lastschriftzahlung online nicht genehmigt wurde, habe ich bei flixbus in Berlin angerufen. Die lapidare, verärgerte Auskunft des Mitarbeiters lautete, ich solle die Cookies im Cache löschen. Ich hatte die Chronik meines web-browsers gelöscht – und trotzdem konnte ich nicht per Lastschrift zahlen. MEIN HINWEIS AN SIE und alle, bei denen ich irgendwas einkaufe: Menschen haben im Gegensatz zu Algorithmen Verstand. Und viele dieser Menschen mit Verstand GEBRAUCHEN DIESEN AUCH. Das bedeutet: es wird nur eine Fernbusfahrt gebucht, wenn diese auch bezahlt werden kann!!! Mit einem schlanken Geldbeutel einer Studentin oder Studenten ist man auch auf die günstigen Preise der Fernbusunternehmen angewiesen! Beim Verkaufshäuschen vor Ort am ZOB Dortmund hätte es entgegen der Auskunft aus Berlin ein paar Euro mehr gekostet; klar, die diensthabende Agentur will auch ihr Geld am Verkauf der Fahrtkarten verdienen! Ich empfinde es als eine Frechheit und Schlag ins Gesicht, dass ich nicht per Lastschrift zahlen sollen darf! Wenn Sie es nicht nötig haben, StudentInnen, die – ach welch ein Zufall! – in einer Gegend einer STadt wohnen, in der eben nicht wohlhabende Leute wohnen, dann sparen Sie sich Ihre Werbungsmasche, die auf junge Leute (die meist wenig Geld haben, wenn Papa nicht bei der Deutschen Bank arbeitet) abzielt. Und wenn gerade diese beschissene Regel, dass man KundInnen, die in Geringverdiener-Wohngegenden wohnen nicht mit Lastschrift zahlen dürfen zu den günstigen Fahrpreisen führt: dann machen Sie eben im Vorfeld die Fahrkarten für Fernbusreisen ein paar € teurer. Das kostet den Fahrgast dann zwar mehr Geld, aber man spart sich das Gerenne zum Verkaufshäuschen am ZOB, an dem meist nur lange Schlangen verbunden mit langer Wartezeit zu finden sind. Menschen sollen denken und websites gestalten und deren Regeln bestimmen, nicht Algorithmen!!!

ANGELIKA STEGER