ADFC, ADFC Dortmund, ADFC NRW, Allgemein, FAHRRAD, Fahrrad-Sternfahrt, Gesellschaftskritik, Radverkehr, Stadtrundfahrt, Technik im Alltag

Seit Jahren marode: die Rad-Infrastruktur im Stadtgebiet Dortmund. 1. Kinder- und Jugendsternfahrt macht auf Gefahren für Radfahrer-/innen aufmerksam.

Eigentlich war nur geplant, als Ordnerin bei der Jugendsternfahrt heute am Sonntag, den 10. September 2017 in Dortmund dabei zu sein. Was heute jedoch zu hören war, ist so sagenhaft, daß es eines Kommentars bedarf. Denn die getroffenen Aussagen sind so von Unwissenheit und Gedankenlosigkeit geprägt, daß es jeden vernünftigen Menschen verägert und wütend macht. Diese Aussagen wurden auch nicht von irgendwelchen zufällig befragten Passanten getroffen, sondern von Amtspersonen. Genau diese sollten sich eigentlich genauer überlegen, WAS  sie sagen. Unreflektiert oder einseitig irgendwas daherreden, das kann gerne am Stammtisch gemacht werden – aber nicht bei einer Kinder- und Jugendsternfahrt. Erwachsene haben immer noch eine Vorbildfunktion für die Heranwachsenden.

26 Räder wurden gezählt, schade, daß es nicht mehr waren. Auch waren mehr Erwachsene als Kinder dabei. Es hatte auch Zubringer-Routen gegeben, d.h. man trifft sich im Stadtteil an einem vorher bekanntgegebenen Punkt und ein-/e Tourenleiter-/in führt dann die Gruppe zum offiziellen Startpunkt. Schade, aus einigen Stadtteilen kam außer den Tourenleiter-/innen niemand mit. Der ADFC Dortmund hatte das ganze vorbereitet, die ADFC-Jugend war der Ausrichter dieser Sternfahrt. Für ihre Arbeit und Organisation an dieser Stelle ein Lob – allerdings wäre es sinnvoll, beim nächsten Mal über eine andere Vorgehensweise nachzudenken, wie man für die Sternfahrt wirbt. Allein die zeitweise dunklen Wolken waren heute nicht für die mangelnde Anzahl an Teilnehmer-/innen für die Sternfahrt verantwortlich. Es blieb während der gesamten Sternfahrt trocken.

Um 14 Uhr startete die Kinder- und Jugendsternfahrt der Radfahrjugend des ADFC Dortmund am Fritz-Henßler-Haus. Zu meiner Verwunderung fuhren 5 (später 6) Polizei-Motorräder mit, vorneweg ein Polizeiauto. Motorräder sind ja noch ok, weil es Zweiräder sind. Auch bei der Critical Mass in Nürnberg fährt die Polizei mit Motorrädern mit. Aber warum ein Polizeiauto vorne? Sehr glaubwürdig ist das nicht.  Warum fährt niemand von der Fahrradstaffel der Polizei Dortmund mit?

Auf Nachfrage wurde mir gesagt, daß die Fahrradstaffel nur 7 Beamt-/innen inne habe. Sie seien heute alle im Einsatz. Naja, das kann man als Zivilistin jetzt nicht nachprüfen. Polizisten und Polizistinnen auf Fahrrädern wären wesentlich glaubwürdiger und gleichberechtigte Teilnehmer-/innen gewesen. Bei der Critical Mass Essen vergangenen Herbst war die Fahrradstaffel auch mal dabei gewesen und hatte ein positives Fazit der Tour gezogen. Also, geht doch.

Während der Sternfahrt gab es am Hauptbahnhof, im Kreuzviertel am Theodor-Fliedner-Heim und am Jugendamt Aktionen und Kundgebungen. Die Jugendfeuerwehr zeigt die Rettung eines Verletzten, die Naturfreundejugend veranstaltete ein Quiz zum Wissen über Verkehrsregeln.Die Kinder- und Jugendsternfahrt soll auch Spaß machen und nicht nur Protest sein. Die Forderungen der Radfahrjugend stand auf Stoffbannern geschrieben und wurde von den Kindern und Jugendlichen an den einzelnen Stationen hochgehalten: „radfreundliche Ampelschaltungen,“ „Weg mit Pollern, denn sie zerstören Leben“ „gute Fahrradparkplätze statt Felgenbrecher“ u.a. war darauf zu lesen. Diese Forderungen der ADFC-Jugend können nur unterstützt werden. Aber werden sie von der Stadt Dortmund und der Polizei auch ernst genommen?

 

Und natürlich wurden alle diese Forderungen von den Verantwortlichen mit einem verständnisvollem Lächeln zur Kenntnis genommen; man sei ganz der Meinung der Kinder und Jugendlichen. Schöne Symbolpolitik. Toll.

Was danach von seiten der Polizei und später dem Jugendamtsleiter folgte, war jedoch sagenhaft: anstatt sich der Probleme des Radverkehrs WIRKLICH! anzunehmen, wurde wieder mit der unseligen Helmdiskussion begonnen. Ich habe eigentlich keine Bock mehr auf diese Diskussion. Ja genau! Wir Radfahrerinnen und Radfahrer haben diese verdammte Symbolpolitik, die nur an den Symptomen herumdiskutiert und nur punktuell Linderung bringt anstatt die Ursachen zu bekämpfen, gründlich satt!

Glauben Sie ernsthaft, Polizei und der Herr Jugendamtsleiter, daß ein Helm Kinder und Jugendliche – und auch die Erwachsenen – ernsthaft im Alltags-Radverkehr komplett schützt???

Sehen Sie nicht, wie schmal die Radwege sind, in welchem miesen Zustand (Oberfläche marode, Rillen, uneben wegen Baumwurzeln, verdreckt durch Glasscherben etc.)??? Merken Sie nicht, daß es diese schlechten Wege sind, die das Radfahren in Dortmund gefährlich machen?

Merken Sie nicht, daß dem Autoverkehr seit Jahrzehnten eine Vorrangstellung eingeräumt wird, sprich: dass die meisten Straßen nur für Autos gebaut sind und werden? Dass diese Vorrangstellung dazu führt, daß Autofahrer-/innen eine Narrenfreiheit verspüren und somit Radfahrer-/innen zu eng überholen, schneiden, unachtsam die Autotür aufreißen, so daß man dagegen fährt, die Fahrradwege so selbstverständlich zuparken, als ob es ein ausgeschriebener Parkplatz wäre???

DAS SIND DIE WAHREN URSACHEN FÜR DIE GEFAHREN, die radfahrende Kinder und Jugendliche in Dortmund bedrohen! Mit dem Tragen eines Helms kann man diesen Gefahren nicht begegnen.

Der VCD (Verkehrsclub Deutschland) macht ebenfalls darauf aufmerksam: https://www.vcd.org/themen/radverkehr/helmpflicht/

Andere Länder – ich glaube, eins ist sogar der direkte Nachbar des Bundeslandes Nordrhein-Westfalen und hat noch eine Monarchie – lachen über uns Deutsche, die sich freiwillig eine häßliche Styropor-Kugel auf den Kopf stülpen. Dort trägt kaum jemand Helm, denn es ist schlicht und einfach nicht notwendig. Wer sich sicher auf der Straße und im Stadtverkehr fühlen kann weil sie oder er nicht befürchten muß, daß man vom Autofahrer (oder der Autofahrerin) wieder abgedrängt, aus dem offenen Fenster heraus beleidigt und angeschrien wird, der oder die braucht keinen Helm!

Wir Radfahrerinnen und Radfahrer wollen wie alle Bürger-/innen eine lebenswerte Stadt, bei der wir Zweiradfahrer ohne Motor gleichberechtigt sind. Ein Großteil von uns hat keinen Bock mehr, immer dem Autoverkehr das von den „Motorsportfreunden“ empfundende Vorrecht auf Platz und Existenz einzuräumen. Das Ende unserer Geduld ist ERREICHT. Nicht umsonst gibt es den Allgemeinen Deutschen Fahrradclub ADFC, die Initiative VeloCityRuhr, Bündnis RadFairkehr und IbikeNürnberg (beide letztere in Nürnberg ansässig), die Critical-Mass-Bewegung (> http://www.itstartedwithafight.de & http://itstartedwithafight.de/critical-mass-deutschland/ )

 

Wohlgemerkt: ich bin nicht gegen den Fahrradhelm an sich, aber dieses ständige, gebetsmühlenartige Verkünden des Helms als Allheilmittel gegen alle Gefahren für Radfahrerinnen kotzt mich gewaltig an. Den Kindern wurde heute ein völlig falsches Bild vermittelt: mit dem Helm allein bist du sicher. Eben nicht. Es sind die schlechten Wege, die Arroganz, die Aggressivität und die Ungeduld vieler Autofahrer-/innen, die Kinder und Jugendliche – und alle radfahrenden Menschen – in Dortmund und anderswo gefährden.

Ein Teilnehmer und Bekannter von mir trägt aus Überzeugung Helm – aber es fällt ihm nicht ein, mir ständig erzählen zu müssen, ich solle auch einen tragen. Fahrradhelm zu tragen ist die eine eigene freie Entscheidung – und keine Pflicht.

Es ist absolut nicht nachvollziehbar, weshalb bei der Station am Polizeipräsidium nur über der Helm als sinnvolles Mittel für Verkehrssicherheit angepriesen wurde. Die Krönung erfolgte dann noch dadurch, daß der Polizeibeamte Sch. die Angebote für Fahrradhelme bei Discounter-Supermärkten als preisgünstige Modelle empfahl. (Dass der Verkehrsunterricht für die Grundschüler-/innen zu erwähnen und zu würdigen ist, steht außer Frage).

Aha. Und die Polizeiuniformen werden bei C&A bestellt. Ich dachte bisher immer, daß der Polizeidienst körperlich so anstrengend sein kann, daß die Jacke und Hose mehr aushalten müßten als nur einen einfachen Schlag mit Händen oder Beinen. Die Polizei glaubt doch nicht ernsthaft, daß ein Helmmodell vom Discounter seinen Zweck – dem Schutz des Kopfes (und nur des Kopfes, nicht den Schutz von Armen, Beinen oder überhaupt des Körpers!)- erfüllen kann?!?

Es ist schon klar: die Polizei kann die Verkehrsinfrastruktur nicht zu einer radfreundlichen Umgebung machen. Das ist die Aufgabe der Stadtverwaltung. Was die Polizei aber tun kann: sich mehr – oder überhaupt! – sich mit den Belangen von Radfahrer-/innen befassen! Eine Teilnehmerin nahm das Angebot, Fragen an die Polizei zu stellen, an. Die Antwort auf ihre Frage war kurzsichtig und nur eine Ausrede. Sie war für einen begangenen Fehler von 2 Streifenpolizisten gemaßregelt worden. Dabei ging es nicht darum, daß sie ihren Fehler nicht einsehen wollte; es ging um die Art und Weise, wie die beiden Beamten mit ihr umgegangen waren: sie ließen die Radfahrerin, nachdem sie diese angehalten hatten nicht ausreden , hörten ihren Argumenten nicht zu, machten sie nur runter. Toll gemacht. So stärkt man das Ansehen der eigenen Behörde. Glückwunsch. Und dann noch Geldstrafe androhen. Man hatte grad den Eindruck, die beiden hätten Spaß an ihrer Maßregelung. Hätten die Beamten sich auch nur genauer die Stelle Kreuzung Bornstraße/Heroldstraße angeschaut hätten sie gemerkt, wie schlecht die Verkehrsführung für Radfahrer-/innen dort ist. Kein-/e! Autofahrer-/in würde es dulden, große Umwege fahren zu müssen! Auch wir Radfahrer-/innen haben das Recht, zügig und sicher zum Ziel zu kommen! Wehe es ist mal eine Umleitung… sofort beschwert sich ein Autofahrer. Und wir Radfahrer-/innen sollen das Maul halten. Nee, bestimmt nicht!

Sich die Verkehrsführung genau ansehen, das würde konkret heißen: breiterer, sicherer Übergang der Herolstraße über die Bornstraße für Fußgänger-/innen UND RADFAHRER-/INNEN. Genügend lange Ampelschaltungen damit man als Radfahrer-/in nicht unfreiwillig mit den manchmal sehr langsamen Fußgänger-/innen ins Gehege kommt. Wegen ein paar Schnarchnasen hat auch ein Radfahrer weder Lust noch Zeit, in der Mitte auf der Vekehrsinsel zusätzlich warten zu müssen. Und im übrigen sind wir nicht der emotionale Mülleimer für niemanden, auch nicht für Polizisten. Im o.g. Fall konnte man den Eindruck gewinnen. Es war wie ein Machtmißbrauch: anstatt sich mit der Sache wirklcih zu befassen, wird eine Radfahrerin beschuldigt. Dabei hat sie sich höflich verhalten – was von der Polizei ja gefordert wird. Leider war die Reaktion unverschämt, unhöflich und von Nichtwissen und Gedankenlosigkeit geprägt. Das erzeugt statt Achtung nur Wut für diese Polizeibeamten beim Bürger.

Es geht dabei nicht darum, die Polizei im gesamten zu diskreditieren. In anderen Situationen hat diese Radfahrerin und Bürgerin gute Erfahrungen mit der Polizei Dortmund gemacht.

Zwei Sternfahrt-Teilnehmerinnen und Erzieherinnen machten auf die miese Verkehrssituation an ihrem Arbeitsort, der Kindertagesstätte am Theodor–Fliedner-Heim, aufmerksam. Zu kurze Ampelschaltungen, Autofahrer-/innen, die sich nicht an Geschwindigkeitsbegrenzungen halten, gefährden das Leben nicht nur der Kinder (meist unter 3 Jahren), sondern auch die der Senioren im Theodor–Fliedner-Heim.  Seit 6 Jahren ärgern sich die Erzieherinnen schon über diese Verkehrssituation. Passiert ist bisher – nichts. Dabei sind Kinder (und Jugendliche) der Gesellschaft doch angeblich soviel wert: wenn die Nachricht einer Kindesentführung oder gar Mord die Runde macht, ist die Welle der Empörung groß, die/der Täter-/in muß gar Morddrohungen fürchten. Die Gefahr, von einer Blechkiste getötet zu werden, wird offensichtlich stark unterschätzt….

An der Station beim Jugendamt war zu bemerken, daß der Leiter dieses Amtes zwischen Alltags- und Reiseverkehr mit dem Rad nicht zu unterscheiden weiß. Auch er lobte die Kinder ausschließlich dafür, daß sie Helme trugen. Er betonte, daß seine Behörde sich für die Belange von Kindern einsetze. Letzteres ist zweifelsohne zu würdigen. Nach der Logik des Helmtragens müßte meine Generation – noch vor 1990 geboren – nahezu ausgestorben sein. In den 1980er und 1990er Jahren dachte niemand an einen „Fahrradhelm.“

Aber bitte, warum kommt der Jugendamtsleiter mit dem Skifahren in seiner Freizeit daher, wenn es um die Frage geht, ob man im ALLTAGSverkehr Helm trägt oder nicht??? Es ist ein riesen Unterschied, ob im ich im Alltag mit dem Rad unterwegs bin oder ob ich (Rad-)Sport in meiner Freizeit betreibe! Wie ein anderer Teilnehmer heute richtig sagte: „ich will im Alltag sicher unterwegs sein können, ohne mich panzern zu müssen.“ Daraufhin fiel dem Jugendamtsleiter und Helmfreund nichts mehr ein. Beim ADFC Nürnberg besteht z. B. nur bei Mountainbiketouren Helmpflicht. Der Grund liegt klar auf der Hand: hier handelt es sich um Sport, um die Fahrt in unebenem Gelände, das mehr und echte, weil andere Gefahren birgt als der Straßenverkehr. Bei Rennradtouren empfiehlt sich auch das Tragen eines Helms. Aber wegen ein paar Kilometer zur Arbeitsstätte oder zum Einkauf? – Nee!

 

Daher noch einige Forderungen an den Jugendamtsleiter und manche Damen und Herren in Uniform, oder sagen wir mal, Tips, die heute ausgeblieben sind:

  • setzen Sie sich, wenn Sie als Polizeibeamter/in nicht der Fahrradstaffel angehören, öfter mal auf´s Rad und fahren Sie durch die Stadt. Was spüren Sie, was fällt Ihnen auf? Wie reagieren die Autofahrer-/inne auf Sie als Radfahrer-/in?
  • >>> Na, mal wieder unfreiwillig über Glasscherben gefahren?  >>> Plötzlich überrascht gewesen, weil der Radweg – noch dazu benutzungspflichtig – ohne Vorwarnung endet und man plötzlich ungeschützt auf der Fahrbahn steht? >>>Einem herannahendem Auto (das eher selten die vorgeschriebenen 50 km/h fährt) fast einen „Kuß“ an die Breitseite gegeben? >>> Plötzlich gewundert, daß eine Blechkiste den – meist benutzungspflichtigen Radweg ,den Sie gerade befahren, versperrt?

Eine Aktion gegen Falschparker als freundlicher Hinweis. Danke an den VCD. Diese einfache Karte löste bei der Ablage auf die Windschutzscheibe sogar schon Wutgeschrei aus, als ob man den heiligen Sportwagen zerkratzt hätte.

  • Achten Sie verstärkt darauf, wie Autofahrer-/innen sich gegenüber Radfahrer-/innen verhalten. Auch wenn es in der Radfahr-Zunft Chaoten gibt: die meisten Unfälle werden durch den motorisierten Verkehr verursacht. Wir Zivilisten, die wir Radfahrer-/innen nunmal sind, dürfen es nicht, aber die Polizei dürfte es: die Raser, Drängler, Radweg-Blockierer (die „nur mal schnell Zigaretten holen wollen – interessanterweise sind es meist Männer), die Brüller und Schreier, die Radfahrer-/innen bedrohen:  festhalten.
  • Und dann: In einen Raum setzen, zum Schweigen bringen – und sie zwingen, daß sie uns Radfahrer-/innen zuhören.
  • Radfahrer-/innen sollten dabei vorne stehen und den „motorsportfreunden“ mit ruhigen Worten und einer Präsentation erklären, warum sie wie gefahren sind und warum es – tatsächlich oder scheinbar – zum Konflikt mit den anwesenden Autofahrer-/innen gekommen ist.  Auch wenn noch nicht wirklich was passiert ist, selbst nicht ein kleiner Lackschaden, ist die Situation im alltäglichen Straßenverkehr so aufgeheizt, daß selbst ein ruhiger sachlicher Ton nicht mehr beim Gegenüber ankommt. Na dann…. braucht sich kein Autofahrer/keine Autofahrerin mehr wundern, wenn die Wut bei radfahrenden Menschen steigt und steigt.
  • In Berlin ist die Situation schon so weit eskaliert, daß Radfahrer-/innen sich nicht mehr an Regeln halten. Irgendwann hat man keine Geduld mehr. Es werden immer mehr Menschen, die erkennen, daß man mit dem Rad die meisten Alltagswege zurücklegen kann. Und nun fordern sie ihr Recht, ihre Gleichberechtigung auf den Straßen. Das heißt für Berlin UND DORTMUND: man muß dem Autoverkehr Platz wegnehmen! Denn bisher hat der radfahrende Mensch viel zu wenig Platz! Leider sind viele Lokalpolitiker-/innen dazu nicht mutig oder nicht willens genug. Auch die erfolglose Suche nach Bauingenieur-/innen bei der Stadt Dortmund spielt eine Rolle, wie zu erfahren war.

 

  • Hören Sie zu, bevor Sie verurteilen oder beurteilen. Die beiden o.g. Beamten im Mai an der Kreuzung Herold-/Bornstraße waren leider nicht fähig dazu. Meistens sind Radfahrer-/innen einsichtig, weshalb sie einen Fehler gemacht haben sollen. Keine-/r macht gern oder aus Mutwillen Fehler. Aber an vielen Stellen ist die Verkehrsführung so beschissen – man muß es so deutlich sagen – dass man Fehler machen muß. Ja, Sie haben richtig gelesen! Wenn der benutzungspflichtige Radweg mit Glasscherben voll ist fahre ich NICHT darauf, wenn es nur eine Fußgängerampel gibt, obwohl es eine im FAHRRADSTADTPLAN eingezeichnete Route ist, fahre ich verdammt noch mal dort entlang!
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  • An dieser Stelle sei bemerkt: Radfahren heißt nicht rasen, sondern fahren, also die Fußgänger-/innen leben lassen und ihnen ein Existenz- und Platzrecht gewähren.

 

  • Dringend: eine Änderung in der Fahrschullehrer-Ausbildung! Wie oft wird man selbst von Fahrlehrern angeschrien und wie ein lästiges Insekt behandelt daß sie am liebsten tot schlagen möchten. Und dazu eine verpflichtende Nachschulung von bereits ausgebildeten Fahrlehrern, damit sie die Belange des Radfahrers/der Radfahrerin nicht nur kennenlernen, sondern diese ihnen auch bewußt werden!

 

Nach all diesen Erfahrungen – ich fahre schon seit über 20 Jahren 99% meiner Alltags- und Reisewege mit dem Rad – kann ich mich über unser Land nur wundern. Deutschland = Fahrrad-Entwicklungsland. Als ob Piech, Zetsche & Co. sich über den Bau und Verkauf von Postkutschen  statt Autos Gedanken machen. Und die „Pferde“ heißen dann „Opel Kadett“, „VW Touran“, „Mercedes C-Klasse“, „Audi TT“ usw. Ah ja. Seltsam nur, daß dann keine Pferdekacke auf den Straßen rumliegt. Dafür gibt es jede Menge unsichtbaren Feinstaub, der die Menschen immer kränker macht. Ist eben nicht sofort und nicht so deutlich sichtbar, als wenn jemand droht, an Ebola zu krepieren oder mit einer Waffe zu schießen. Angeblich sind allen doch die Kinder und Jugendlichen bei der Sternfahrt in Dortmund heute so wichtig… warum gibt es dann keine radikalen Verändungen und Verbesserungen in der Fahrradinfrastruktur? Fahrräder machen weder Dreck noch nehmen sie soviel Platz weg wie die immer größer und wuchtiger werdenden Autos (SUV und ähnlicher Unsinn in der Stadt). In den meisten Blechkisten sitzt nur ein Mensch, der durch die Stadt fährt. Und das bei mind. 4 Sitzplätzen. Ganz schön effizient und sinnvoll.

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Der Helm soll´s richten mit der Sicherheit. Tut er aber nicht. Was wirklich schützt ist eine fahrradfreundliche Verkehrsinfrastruktur. Und die ist eben komplizierter und aufwendiger als die Bestellung von x Helmen. Darüber freut sich nur der Hersteller, aber es nützt kein-/eRadfahrerin wirklich.

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Für bessere Luft, erst recht in den Städten: die Forderung des ADFC Nordrhein-Westfalen. https://www.adfc-nrw.de/fahrradland-nrw.html

 

Zur Situation Autofahrer-/innen und Radfahrer-/innen:

Was nicht nur Kinder und Jugendliche beim Radfahren schützt und was nicht:

http://www.zeit.de/mobilitaet/2017-06/radfahren-grossstadt-strassenverkehr-gefahren-bloggerin-interview

Und auf dem Blog: http://www.radelmaedchen.de

http://www.fr.de/panorama/verkehrssicherheit-fahrradhelm-hilft-aber-a-1347657

http://fahrradzukunft.de/25/motorisierte-gewalt/

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Alltagsbeobachtungen VII: Unsere Arbeit am Westfalenstadion, die ADFC-Fahrradwache.

An die Leute, die immer wieder zu uns als Fahrradwächterinnen kommen, um Ihr Gepäck abzugeben:

Wir machen unsere Arbeit gerne und geben auch noch freundlich Auskunft für Sachen, die uns nichts angehen – die Gepäckabgabe-und Aufbewahrung. Das wurde mehrere Male vorher schon gesagt: im Zwitscherfunk =Twitter ebenso wie mündlich und auf Plakaten an der Wache.
Was aber gar nicht geht: nichts sagen und einfach seine Tasche über den Zaun auf unser Gelände schmeißen, während wir mit der Abfertigung der Räder beschäftigt sind. Im Gegensatz zur Hydra hat jede von uns nur 1 Kopf und nur 2 Augen und kann nur 1 Menschen auf einmal zuhören. Das sind meistens, Radfahrer-/innen, die zu uns kommen und ihr Rad parken wollen. Und genau dafür und nur dafür sind wir da, weil wir ehrenamtliche Arbeit für den Allgemeinen Deutschen Fahrradclub, Kreisverband Dortmund e. V. machen. Infos dazu gibt es hier:

https://www.adfc-nrw.de/kreisverbaende/kv-dortmund/service/service-details/article/bvb-fahrradwachen.html

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Die Fahhradwache am Westfalenstadion. Das dunkelgraue Häuschen ist die Helmbude = eine Gepäckabgabestelle. Der Container mit dem BVB-Logo ist ein Fanartikel-Verkaufsstand.

 

Die zahlreichen Anfragen, sein Gepäck abgeben zu wollen zeigt auch, daß  die Ordner an den Stadiontoren offensichtlich falsch informiert sind und die Fans zu uns in die Fahrradwache statt in die unmittelbar daneben liegende Helmbude zu schicken. Außerdem scheint es immer noch zu wenige Abgabestellen für die ganzen Handtaschen, Rucksäcke bis zu dicken großen Reisekoffern zu geben. Wenn man von weiter her anreist und vor dem Spiel das Hotel, in dem man übernachtet hatte, verlassen hat, um erst das Fußballspiel zu sehen und danach wieder nach Hause zu fahren/zu fliegen kann es zugegebenermaßen schwierig sein, den Koffer irgendwo sicher zwischenzulagern. Die Fahrradwache am Westfalenstadion ist aber der falsche Ort dazu.

Der BVB ist aufgerufen, für mehr Gepäckabgabestellen zu sorgen und dies auch auf allen Kanälen öffentlich mitzuteilen, damit auch die letzten nicht erst 5 Minuten vor Spielbeginn merken, daß sie mit ihren Taschen nicht ins Stadion können. Außerdem soll er bitte den Ordnern an den Stadiontoren genau sagen, wo Gepäck abgegeben werden kann – eben nicht in der Fahrradwache, die zufällig unmittelbar neben der Helmbude=eine Gepäckabgabe von mehreren, liegt.

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Eingang der Fahrradwache.
Eigentlich sollte jede und jedem klar sein, was diese Gedankenlosigkeit und Dummheit für Folgen hat: weiträumige Polizeiabsperrung, verärgerte Fans, die Umwege bei dem Weg aus dem Stadion nehmen müssen und ihre Räder mit über 1 Stunde Verspätung erst holen konnten, weil der Bombenentschärfer erst anreisen musste. Damit haben Sie sich mega Freunde gemacht und Ärger eingehandelt, entehrte Taschenbesitzer! Ein Jungspund nahm es offensichtlich als lustig an, durch die Absperrung zu rennen, angefeuert von einem etwas älteren Mädel, die prompt eine Anzeige von der Polizei bekam (wie der Vorwurf genau lautete, war nicht auszumachen). Wohl hatten beide nicht den Ernst der Lage erkannt und mußten auf die leider harte Tour ihre Leichtfertigkeit büßen. Danke an die Fans, die trotz der langwierigen Warterei geduldig geblieben sind und nachher noch ihre Räder von uns kontrollieren haben lassen. Danke auch an die Polizei (Münster, nicht Dortmund), die ruhig und besonnen gearbeitet hat, die Fahrradwache rundherum gesichert und uns nicht gehetzt hat, als wir die Fahrradwache verlassen mußten.

Eigentlich sollte man nach den Ereignissen der vergangenen Wochen wissen, dass es nicht so toll ist, seine Tasche irgendwo einfach stehen zu lassen ohne was zu sagen. Es waren noch ca.  45 Minuten bis Spielbeginn, als die Tasche wohl über den Zaun geworfen worden war. – deshalb wäre noch gut  Zeit für die Abgabe an den consignes gewesen. Aber mancher braucht wohl Post von der Polizei, um das zu begreifen 😑😒
Ich wünsche mir in Zukunft normale Spieltage ohne solche Idioten!

Angelika Steger & Kolleg-/innen vom ADFC Dortmund e. V.

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Alltagsbeobachtungen VI. Neulich im Kopierraum.

 

InDie Gesundheit ihrer Mitarbeiter* und Studenten* liegt der Technischen Universität Dortmund sehr am Herzen. Das zeigen die Angebote, von denen auf Plakaten und in E-Mails zu lesen sind: „Pausenexpress“, damit der bei der Büroarbeit arg gebeutelte Körper aus seiner PC-Bildschirmstarre wieder herauskommt (ach, da waren noch andere Gelenke als in den Fingern, die man bewegen kann?). Wobei „Pausenexpress“ ein widersprüchliches Wort ist, denn in der Pause will man gerade keinen „Express“, also Tempo, sondern Ruhe haben. Die freundlichen Damen und Herren vom Hochschulsport, auch Pausenexpress-Trainer genannt, werden aber das Maß zwischen Ruhe und Bewegung kennen. Und ein Massageangebot für den Alltag gibt es auch. Deshalb ist dann zu einer bestimmten Zeit, ich glaube ein Wickelraum (ja der ist außerhalb der Massage-Zeit für die kleinen Scheißer-/innen) dann besetzt.

Wow. Von sowas kann man als Mitarbeiter* im Gartenbau nur träumen.

Dann gibt es noch den Personalrat, der auch ansprechbar ist, wenn der Schuh nicht im wortwörtlichen, sondern im übertragenen Sinne drückt. -Für die Studierenden gibt es die psychosoziale Beratung, wenn man nicht mehr weiter weiß.  Der Hochschulsport der TU Dortmund bietet für Mitarbeiter* und Studenten* ein breites Angebot für Bewegungsfreudige ebenso wie angehende (oder Möchte-Gern-)Leistungssportler-/innen in zum Teil renovierungsbedürftigen Räumen.

 

Allerdings…

Liebe TU Dortmund, da geht noch mehr!

Deiner Bitte, angeschlagen am Riesen-Abfallcontainer im Kopierraum,  die Kartonagen in den Raum 0.515 zu bringen und dort zu zerkleinern, kommen wir alle gern nach. Denn wir sind alle an einer guten, möglichst friedlichen Zusammenarbeit interessiert. Der Kopierraum wäre schon allein wegen des Volumens dieser Ungetümer von Kartons überfordert. An dieser Stelle könnte noch mehr für die psychische Gesundheit Deiner Mitarbeiter* und Studierenden getan werden!

Als kritische Zeitgenossin kann man an der Gesellschaft gern mal verzweifeln. Die Wut kocht hoch ob soviel Unverständnis, Starrköpfigkeit und Dummheit in der Welt. Dagegen ist selbst die Wissenschaft oft machtlos. Die Objekte und Lebewesen, die diese Wut auslösen anzugreifen ist keine Lösung und manchmal auch nicht möglich und strafbar. Und wo kann man auch nur mal laut schreien, ohne daß irgendein besorgter Bürger gleich die blauen Uniformierten holt?

Deshalb, verehrte Papier- und Karton-Verwaltung der Technischen Universität Dortmund, wenn Ihnen als Teil dieser Universität die Ordnung im Kopierraum und die friedliche Zusammenarbeit wichtig ist, machen Sie es so:

Schreiben Sie unter diesem Schild auf dem Papiercontainer im Kopierraum eine Liste, wieviele und wie große Kartons und Kartonagen sich im Raum 0.515 befinden. Dazu feste Zeiten, z. B. Dienstag 25.04.2017 , 14 Uhr. Daneben kann jede und jeder ihren oder seinen Namen schreiben, wann man kommen will, um die Kartons zu zerkleinern, nein auf die Kartons einzuschlagen, um sie zu zerkleinern. Vor dem Zertrümmern kann ein Bild  oder Name der Person, auf die man wütend ist,  auf einen der Kartons  für eine noch effektvollere Gesundheitspflege angebracht werden.

So kann man seine Wut kontrolliert herauslassen anstatt Frust innerlich anzufressen – und ohne dass man seinen Chef verprügeln oder das Interieur zerstören oder den Kollegen/die Kollegin würgen muß. Frustabbau, bevor er sich in der Seele ansammeln kann – das ist aktive Gesundheitspflege.

Nach der Zertrümmerung der Kartons kann man  wieder frisch und erholt seiner Arbeit nachgehen – und Wut rauslassen ohne jemanden sträflich weder psychisch noch physisch zu verletzen, das ist doch eine gute Idee. Psycholog-/innen raten außerdem dazu, auch mal laut loszuschreien, ganz gegen alle gesellschaftlichen Konventionen. Dafür muß es Orte geben, wo dies ohne Sanktionen und Belästigung anderer Zeitgenossen stattfinden kann. Der Raum 0.515 könnte so ein Ort sein.

Außerdem kommt man seiner auf dem Schild erwähnten Karton-Zerkleinerungspflicht  als Kopierraum-Nutzer-/in  auch nach.

Ein leerer Karton:  das ist der immer verfügbare Sandsack, der sonst nur im Boxraum hängt (von einem Boxraum beim Hochschulsport weiß ich trotz regelmäßiger Nutzung bestimmter Angebote nichts).

Auf der Tür zum Raum 0.515 muß dann ein Schild hängen: „Bitte nicht stören, Wutabbau durch Kartonagen“, um Passant-/innen nicht durch laute Schreie, die zu jeder Karton-Zertrümmerung gehören,  zu verschrecken. Wenn eine Metal-Band probt, reißt auch niemand erschrocken die Tür auf um zu fragen, was denn schlimmes passiert sei.  Sollten größere Verletzungen an den Händen oder anderswo beim Zertrümmern der Kartons entstehen, kann der Ersthelfer vom Personalrat oder ein selbiger unter den Studierenden endlich wieder sein vor Monaten oder Jahren erlerntes Können unter Beweis stellen; evtl. bietet sich eine Kooperation mit einer Berufsschule für Sanitäter-/innen an. Schließlich liegt Dir, liebe TU Dortmund, auch die psychische Gesundheit Deiner Mitarbeiter-/innen und Student-/innen am Herzen. Und das kann auch heißen: Wutabbau durch Kartonagen-Zertrümmerung.

 

In München hat man den Bedarf nach solchen Räumen schon erkannt. Und der Anbieter dieser „Wuträume“ kann gute Gewinne verzeichnen.

http://www.sueddeutsche.de/muenchen/wutraum-eroeffnet-hau-drauf-1.2496139

 

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Eigenartige Ruhe im Chaos

Die erste Semesterwoche ist rum. Während der Woche taten mir einmal die Beine weh als ob ich zuviel radgefahren wäre. Deshalb blieb das Pferd heute zuhause. Eins hat sowieso einen Platten. U-Bahn-Fahren, das heißt aber auch: Einkäufe selber schleppen müssen anstatt bequem an den Gepäckträger hängen und radfahren. Viel Auswahl an fußläufig gut erreichbaren Supermärkten hat man in der Innenstadt nicht. Das hat schon seinen Grund, die Stadt Dortmund hat entsprechende Gebote erlassen gehabt. Also rein ins stressige Gewühle der Fußgängerzone. Puh. Dabei wollte ich nur den Rewe im Einkaufszentrum „Thier-Galerie“ erreichen. Ich hasse Einkaufszentren. Und irgendwie scheint jede und jeder zu meinen, am Samstag „einkaufen gehen“ zu müssen.

Ich fand den Rewe und entdeckte zu meiner Überraschung die Imbißtheke mit den günstigen Preisen. Erst mal eine Pause einlegen. Gern kaufe ich hier nicht ein, auch wenn in dieser Filiale mehr Platz ist als in der Kaiserstraße.

In all dem Gewühle aus Farben und Werbeplakaten in Schaufenstern und auf Wänden und Tafeln (im Einkaufszentrum und auf der Straße) fielen mir zwei Werbeplakate auf, die eine eigenartige Ruhe im Chaos ausstrahlten. Keine schreiende Schrift, keine nackte Haut, die geifernd um Aufmerksamkeit heischte. Ausnahmsweise mal ein Werbeplakat, das man gern ansieht. Auch wenn man das Produkt nicht kaufen wird.

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Befreiend auch, daß es keine super-dürre und möglicherweise magersüchtige junge Frau in extra-knappen Bikini sein muß, um für dieses Schwimmbad zu werben.Und auch kein Muskelprotz mit Sixpack, dessen Körperfülle beängstigend wirkt. Beide Körperformen sind nicht attraktiv, auch wenn uns das die Werbung immer wieder weis machen will. Einzig allein die Tatsache, daß die Werbenden unbedingt meinen, daß man mit dem Auto zu ihnen kommen solle, stört. An eine mögliche Zufahrt mit dem Rad oder Rad&Bahn wurde möglicherweise schon beim Bau des Bades nicht gedacht.

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Zugegeben, ich weiß nicht, was die abgebildete Person macht (im Fernsehen moderieren, schauspielern, etc…..) Darum geht es mir auch nicht.

Dieses Plakat wirkt wie aus der Zeit gefallen. Es strahlt Ruhe aus, wirkt angenehm auf die Betrachterin. Keine grellen Farben, keine auffällige Kleidung, nicht mal ein farbiger Hintergrund und auch nicht  das aktuelle Cover der Zeitschrift ist abgebildet. Man könnte meinen, es gäbe noch das analoge Zeitalter ohne jede Art von Computer zuhause oder in der Hosentasche. Die beworbene Zeitschrift liegt auf dem Wohnzimmertisch beim (Leder-)sofa, wer nach dem Programm schauen will, blättert darin herum.

Wohlgemerkt, ich wünsche mir die Schreibmaschine NICHT ZURÜCK. Und Zeitschriften waren nur als Teenager mein Ding. Die Zeit läuft schneller, seitdem es Computer, das Internet und somit weniger Papier-Zeitungen gibt, so mein Eindruck. Man weiß schon gar nicht mehr, wann man eine Zeitschrift lesen sollte. Auch wenn es für die Augen angenehmer ist, von Papier als vom Bildschirm abzulesen. Gerade deshalb sind solche Werbeplakate angenehm. Sie fallen auf – nicht durch grelle, schreiende Farben und Schriften – sondern wegen ihrer Schlichtheit.

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Alltagsbeobachtungen V – Wiedersehen

Relativ eng sitzt man sich gegenüber, wie man es sonst nicht tun würde. Denn sein Gegenüber kennt man nicht, so daß man eigentlich ihm oder ihr nicht so nah auf die Pelle rücken möchte. Und meist sitzt man auch nur wenige Minuten zusammen. Dann verläßt ein-/e oder mehrere den Raum und steigt aus. Eine meist stumme Gesellschaft, nicht immer angenehm für die wenigen gemeinsamen Minuten.

Manchmal telefonieren Leute und man wird unfreiwillig Zeuge des geführten Gesprächs, ob mich das nun interessiert oder nicht. Wenn man doch nicht schon am Ziel wäre und diese Laberbacken los wäre! Manchmal ist es lustig, manchmal nur nervig. Mein eigenes lautes Lachen hat auch schon mal ungeplant die ganze Straßenbahn-Gesellschaft unterhalten, als ich noch in einer anderen Stadt wohnte (aber das war nicht der Grund für meinen Umzug).

Wenn man nach 20 Uhr etwa U-Bahn oder Straßenbahn fährt, ist es im Fahrgastraum ruhiger. Nur wenige Menschen sind noch unterwegs, die Kinderwägen mit oftmals plärrendem Inhalt (der auch, wenn es schwer fällt, zu ertragen ist) sind inzwischen zuhause angekommen. Nur bei Großveranstaltungen wie einem Fußballspiel ist HighLife angesagt.

Am Dienstag abend den 21. März 2017 waren auf der Hinfahrt zum Hockey(Floorball)-Training auffällig viele Polizisten am Hauptbahnhof. Der Grund mag das Länderspiel England-Deutschland am morgigen Abend gewesen sein, ein paar englischsprechende Menschen waren unterwegs. Da die S-Bahn nach einigen Zwischenfällen (Brand einer S-Bahn in Essen) seit Monaten einen „Sonderfahrplan“ hat, wird es nachts immer zu spät für die Rückfahrt, weil ich zu lange auf die nächste warten müßte. Und so radel ich eben zur nächsten U-Bahn-/Straßenbahnhaltestelle, weil nach 2 Stunden Herumrennen in der Halle mein Elan zum Radfahren nicht mehr sehr groß ist.

Mit meinem Rad steige ich in die U-Bahn ein, ziemlich platt vom Sport. Oft war ich heute Torwärterin gewesen und das heißt auch: man bekommt die meisten Bälle ab, die blaue Flecken verursachen; das tut zwar weh, aber Floorball spielen macht Spaß. Dennoch sieht man nach 2 Stunden Fast-Dauerlauf nicht gerade fröhlich und erfrischt aus.

An der Haltestelle Kreuzstraße steigt ein kräftiger Mann ein, der eine schwarze längliche Tasche trägt. Er sieht mich an und lächelt. Ich sehe ihn an… aber weil ich so k.o. bin komme ich nicht gleich drauf, warum. Was mir auffällt, ist die hellviolett-bunt gemusterte kurze Mütze. Die Mütze… ich erkenne „ihn“ sofort wieder. Vergangene und wohl auch vorvergangene Woche habe ich ihn bemerkt. Ich lächle zurück. Eine kurze Gemeinschaft in der U-Bahn für wenige Minuten.

Während der Fahrt überlege ich noch, ob ich ein paar nette Worte sagen soll. Der Mann mit der bunten, aber nicht knalligen Mütze hat die Augen zu, er scheint ein Nickerchen zu machen. Mancher mag lästern, die Farbe der Mütze ist auch nicht mein Stil, aber ich finde es gut, daß es mal nicht das ewige schwarz-grau-braun-beige bei Männerkleidung sein muß. Eigentlich sollte jeder Mann auch mit einem pinken Shirt rumlaufen dürfen, ohne blöd angemacht zu werden. Frauen die Hosenanzug tragen gelten doch auch als „normal“, erst recht wenn dieser pink oder rosa oder lila ist.

Bevor ich aussteige sage ich: „Darf ich fragen: ist da eine Posaune drin?“ Er nickt und sagt:“ ja. Das mache ich schon seit 40 Jahren.“ Eine lange Zeit. Ich verrate ihm noch, daß ich da einen Hockeyschläger drin habe und vom Sport komme. „Zuhause habe ich eine Geige. Tschüs und eine schöne Woche!“ Dann bin ich auch schon draußen. Er fährt mit der „Stadtbahn“, wie die U-Bahn in Dortmund heißt, weiter.

Es ist schön, auch mal freundliche Begegnungen in der U-Bahn zu erleben. Vielleicht trifft man sich nächste Woche wieder.

 

 

 

 

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Allgemein, Gesellschaftskritik

Zum Weltfrauentag am 8. März 2017

Zum Weltfrauentag 8. März. Vor allem, aber nicht nur an die Männer.
Es ist schön, was geschenkt zu bekommen. Für die eine ist es vielleicht ein teurer Nagellack, den sie sich wünschste aber nicht selbst leistete oder ein teures Stück Kleidung. Oder ein neues Bauteil für das Fahrrad oder gleich ein neues Rad. Materiell alles brauchbar aber:
„we don´t fight for flowers.“
Es geht am 8. März nicht darum, gegen materiellen Notstand zu kämpfen, weil es den Frauen an schönen Blumen, Nagellack oder teuren Fahrrädern fehlt. Oder an einem „Bad in Eselsmilch“ (Danke Chantal Eberle von Geiersberg für diesen lustigen Einfall. Ich weiß schon, woher der kommt). Was fehlt und wofür gekämpft werden muß sind die gleichen Rechte, wie sie Männer schon immer haben.


An die Männer, die das „Aufgemotze“ heute nicht verstehen können: wer seine Rechte schon hat und diese als selbstverständlich gegeben hinnimmt, der braucht nicht drum kämpfen. Deshalb gibt es den Internationalen Frauentag am 8. März.

Ihr seid jetzt hilflos, was Ihr nun machen sollt, liebe Männer?
Was materielles kaufen ist einfach.
Das bringt aber niemanden weiter.
Was heute und nicht nur heute z. B. zählt ist: ungefragt erkennen, was not tut. Und wenn es nur sowas profanes wie Hausarbeit ist, die getan werden muß. Oder glaubt Ihr ernsthaft, uns Frauen macht Geschirrspülen Spaß?? Nee!
Deshalb: mit anpacken. Und zwar nicht nur heute. Bei profanen Dingen wie Hausarbeit genauso wie beim Einsatz für gleiche Bezahlung. Unter Männern zählt doch auch: gleiche Leistung für gleiche Arbeit. Warum werden Frauen immer noch wegen ihres Geschlechts benachteiligt?
Und: bei blöden Sprüchen über Frauen nicht mitmachen. Auch wenn das nicht einfach ist – weil Mann es oft oder gar schon immer so gemacht hat.
Nicht gleich abwertend sowas sagen wie „typisch Frau! die kann das nicht!“ wenn einer Frau was nicht gleich gelingt.. Und ja, mich nerven auch Frauen, die sich im Straßenverkehr blöd verhalten oder bei PC-PROBLEMEN gleich nach dem Mann rufen, anstatt zuerst selbst Bach Lösungen zu suchen. Das hätte einem Mann auch so passieren können. Leider haben noch nicht alle Frauen das Selbstvertrauen und Selbstbewußtsein um so sicher aufzutreten wie die meisten von Euch Männern.
Ah und an die Belegschaft von Herrn Zuckerberg und Kollegen: ich brauch jetzt keine Kosmetik- und Blumenwerbung oder ähnlichen Kram. Klamottenwerbung reicht schon. Mein Kleiderschrank ist inzwischen gut bestückt. Maler- und Lackiererarbeiten lasse ich von den Damen und Herren in den weißen Arbeitsanzügen mit Farbeimer ubd Pinsel machen. Und als ausgebildete Friedhofsgärtnerin erkenne ich Blumen sehr bald an der Qualität, die sie haben.

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Critical Mass Dortmund am 16. Dezember 2016

Am 3. Freitag im Monat findet immer die Critical Mass Dortmund statt. Bei der Vielzahl der CMs im Ruhrgebiet und ganz NRW fällt die Auswahl, wo man hinfährt und teilnimmt, manchmal schwer…. 😉

Heute hatten wir Gäste aus Wuppertal (der sogar die ganze ! Strecke hin- und möglicherweise auch zurückfuhr), Gelsenkirchen (man kann auf diversen Zeitungsseiten im Netz lesen, daß man sogar aus der verbotenen Stadt nach Do. käme, weil der eigene Weihnachtsmarkt so mies sei), Essen – habe ich jemanden vergessen?

START wie immer um/gegen 19 Uhr am Friedensplatz beim Rathaus, Nähe U-Bahn-Station Stadtgarten.

Fahrt um die Friedenssäule zu Beginn:

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Es ist Dezember.… das heißt… ja genau…

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Dezente Weihnachts-Beleuchtung in rot, passend zum Rahmen……    🙂

 

Es geht natürlich noch schmucker:

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Nicht im Bild: dunkelblaue Christbaumkugeln, die am Rahmen unterhalb der Ladefläche hängen (Foto ist leider nix geworden…). Mir wurde vom Fahrer auf Nachfrage versichert, daß es zuhause keinen Krach gibt, würde eine Kugel während der Fahrt kaputtgehen.

Passend zur Advents- und Vorweihnachtszeit hatte dieser Fahrer auch Weihnachtspop im Gepäck. Bei der CM darf die Musik und Ausstattung auch gern mal kitisch sein ;-)))

 

Eines der am stärksten geschmückten Fahrräder…. etwas eigenwillig in der Gestaltung…..

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Die Essener-/Gelsenkirchener Vertretung mit schmucken Rädern   und praktischen Accesoires (nicht auf Weihnachten bezogen):

 

Möglicherweise frieren die Hände mit diesen „Topfhandschuhen“ auch nicht so sehr 😉

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Bei der Critical Mass Dortmund am 16. Dezember 2016 waren aber nicht nur Lastenräder dabei.

 

…wie sich damit wohl fährt? Ballonreifen können schon angenehm sein, wenn man über Pflastersteine fährt. Aber je breiter das Rad, desto mehr muß man wohl rein treten, um das schwere Ding fortzubewegen.

Die Zieleinfahrt auf dem Friedensplatz gegen 21 Uhr. Bei der – ab 19 Uhr legitimen – Fahrt durch die Fußgängerzone Westenhellweg verteilte einer der Radfahrer freundlich Flyer an die staunenden Passanten und Passantinnen. Manche feuerten uns an, nur ein einziger fluchte hörbar.

 

Es hat wieder viel Spaß gemacht, bei der CM Dortmund mitzufahren.Schön, daß Ihr aus Wuppertal, Gelsenkirchen u.a.  bei uns wart. Danke auch an die 3 Jungs, mit denen ich nachher noch Kakao bzw. Glühwein am Weihnachtsmarkt Dortmund trinken konnte, ich habe mich gefreut.

Falls die Bochumer nächste Woche ihre Weihnachtsrunde (23.12.) machen, bin ich gern dabei. Ich werde alkoholfreien Punsch mitbringen. Wer unbedingt Rum drin haben will, bringe sich diesen mit.

 

RIDE ON !!! Für eine Stadt mit weniger Streß und mehr Radverkehr statt Autos!

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