Kein unterhaltsamer Grusel

Radwege, die plötzlich aufhören, lange Parkreihen auf dem rechten Fahrbahnrand, die die Straße so einengen, daß überholende Autofahrende die Radfahrenden gefährden: die Liste für eine miserablen Verkehrsinfrastruktur sind lang, sehr lang. Bochumer Radfahrerinnen und Radfahrer prangern fast täglich auf twitter und anderen Medien täglich diese Mängel an. Aktive für den Radentscheid Bochum wollen das ändern und sammeln seit Monaten Unterschriften, damit die Stadtverwaltung zum Handeln gezwungen werden kann, damit sie endlich entsprechende Verordnungen erlassen. Falschparker*innen müssen strenger sanktioniert werden, überhaupt zur Kasse gebeten werden. Nur wer Strafen zu fürchten hat, hält sich an Regeln.

Der 31. Oktober ist der Tag vor Allerheiligen, der Tag vor dem Gedenktag an alle als vom Papst heilig gesprochenen Menschen, All Hallows‘ Eve . Heute könnte man von einem Gruselfest sprechen. Und gruselig ist die Radinfrastruktur – nicht nur in Bochum – auch, deshalb veranstalteten die Aktiven des Radentscheids an Halloween dieses Jahres eine Gruseltour.

Treffpunkt war am Schauspielhaus Bochum, viele Radfahrer*innen hatten sich tolle, phantasievolle Kostüme gestaltet. Auch die Räder waren geschmückt.

Angekommen! Fast 22 km waren es von Dortmund nach Bochum zum Schauspielhaus.

Im Hintergrund sieht man auf dem Foto eine Bühne, denn: Bevor die Radtour losging, gab es ein gruselig-lustiges Theaterstück vom Theater Löwenherz. Horror-Hasen und deren Chef, ein wahrhafter Unhold vertreiben alle Radfahrenden aus der Stadt! Ein Drama! Ob es gut ausging und die Radfahrenden zurückkehren konnten? Oder hatte der Unhold sie sogar gemeuchelt? Das wird hier nicht verraten… 😉

Es war ein Kampf gewesen, es rechtzeitig nach Bochum zu schaffen. Am Vortag hatte ich Ärger in der Arbeit gehabt und war eigentlich zu müde und fertig für alles. Aber ich raffte mich auf und fuhr los, denn ständig wehklagen macht nur noch mehr fertig. etwas verspätet um 16.30 Uhr statt 16 Uhr startete ich in Dortmund meine Zubringerfahrt. Das Navigationssystem komoot führte mich über Bochum-Werne, eine mir bisher unbekannte Strecke. Zuerst über lärmende Hauptstraßen (Lütgendortmunder Hellweg, Werner Hellweg), auf denen ich aber dank des Wochentags zügig voran kam und dann querfeldein vorbei an den Harpener Teichen (das müssen sie gewesen sein ab der Abbiegung nach der Werner Straße). Die Hinfahrt wurde so auch schon zu einer Gruseltour, weil unbeleuchtet: plötzlich 90°-Kurven mit anschließender Eisenbahn-Unterführung, einmal ein Baustellenschild und die Sorge, nicht anzukommen, weil es nicht weiter ginge… aber das Grundrauschen der Autobahn/Bundesstraße war, wie im Ruhrgebiet üblich, immer vorhanden und erzeugte eine trügerische Sicherheit, nie weit weg von der Zivilisation zu sein.

Nicht nur zum Spaß: die Gruseltour des Radentscheids Bochum hatte eine klare Botschaft und Mahnung.

Gruseltour an Halloween: nicht ohne Kürbisanhänger! Denn die Fratzen sollen böse Geister vertreiben.

Eigenwillige Tierwesen veranstalteten in Bochum ihr Unwesen. 😀
Ein BocHUMMER! (Foto mit freundlicher Genehmigung der Radfahrerin).

Unterwegs gab es zwei Redebeiträge von Menschen, die an dieser Straße vor Ort jeden Tag schlechte Erfahrungen machen: fehlende sichere Kreuzungsmöglichkeit für Radfahrende und Fußgänger*innen, zu enges Überholen. die zweite Sprecherin hatte im Breich Freigrafendamm sogar mal einen Unfall mit dem Rad. Zusätzliches Ärgernis zum Gruseln: Straßenbahnschienen, die längst nicht mehr benutzt werden. Wer wollte, konnte auch für den Radentscheid Bochum unterschreiben.

Straßenbahnen sollen natürlich fahren können, sie sind wichtiger Bestandteil des Nahverkehrs. Allerdings dürfen sie nicht zur Ursache für Stürze von Radfahrenden werden! Es gibt genug technische Möglichkeiten, um Straßenbahnschienen für Radfahrende angst-, streß- und unfallfrei zu gestalten. Es fehlt in Deutschland dafür nicht unbedingt an Geld, sondern am politischen Willen. Die Politik, nicht nur in Bochum muss endlich erkennen, daß Nahverkehr und Radverkehr miteinander gedacht werden müssen – als wichtiger Bestandteil der Verkehrswende.

Enge Straßen, zu knappes Überholen und fehlende sichere Kreuzungsmöglichkeit für nicht-motorisierte Verkehrsteilnhemende wurde an dieser Stelle angeprangert. ich bitte die schlechte Bildqualität zu entschuldigen.

Auch beim Freigrafendamm gibt es gruselige Verkehrsinfrastruktur für Radfahrende.

Trocken am Start… dann typisches Herbstwetter. Ein paar Teilnehmende fuhren nach Hause, mit Kindern ist es dann eben auch nicht mehr so einfach. Wegen des Wetters wurde die Route auch abgekürzt – sie war deshalb aber nicht weniger gruselig.

Sogar zwei Einradfahrende waren dabei – auf der gesamten Gruseltour. Wow! 😀

Ggen 20.30 Uhr kam die Gruseltour am Anneliese-Brost-Musikforum an. Der Regen hielt an, dennoch waren viele geblieben. Es war trotz der Nässe schön und für mich nach dem Ärger am Vortrag eine Wohltat, freundliche, gleichgesinnte Menschen zu treffen und nett plaudern zu können.

Schwupp! So schnell war zu Beginn der Tour die Theaterbühne in diesem Lastenrad verschwunden 😉

Ich blieb sogar noch, als der Großteil schon nach Hause gefahren war. Dann platzte der Regen richtig los, wir flüchteten unter die nächste Arcade vor zwei Schaufenster. Bei aller Freude wurde es aber jeder bald kalt, wir verabschiedeten uns. Ich wäre an sich gern zur Trinkhalle in der Herner Straße gefahren, allerdings gibt es dort nur kühle Getränke. Also auf zum nahegelegenen Bermuda3eck und einen heißen Kakao bestellt.

Im Café Konkret im Bermuda3eck kann man sich gut aufwärmen.

Lecker und vor allem heiß war er, der Kakao. Allerdings war der Preis schon heftig: 4,20€. Aber bei diesem Mistwetter die einzig beste Sache nach einer längeren trockenen und einer kürzeren nassen Radtour. Die elektronischen Pferde auf Schienen brachten mich dann wieder nach Hause. Noch viel mehr kostümierte Menschen sah ich, einiges an Polizei, ein paar Fußballfans (am 31.10.21 hatte es einige Partien gegeben gehabt, u.a. Vfl Bochum vs. Borussia Mönchengladbach). Es war schön, daß sich hier alle friedlich verhielten.

So liebe Bochumer*innen. Nachdem ich immer nur Besucherin bin und meist nur Teilstrecken Eurer Stadt beradele: Schreibt doch Eure persönlichen Gruselstellen in die Kommentare: Ort (Straßenname/Kreuzung) und was/warum Ihr euch da gruselt. Da wird eine schöne Sammlung zusammenkommen….ich freue mich auf Eure Antworten.

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