Sehnsucht nach draußen

Dank des Klimawandels sind die die Winter wärmer geworden. Der Mensch ist eines der wenigen, wenn nicht das einzige Lebewesen, das so dumm ist, seinen eigenen Lebensraum zu zerstören.

Doch „wärmer“ heißt nicht, daß es für das Radfahren nun besser wäre im Winter. Im Gegenteil. „Wärmer“ heißt oft: einstellige Plusgrade und dazu Regen, kalter Regen. Früher war mit Sicherheit nicht alles besser, aber: bei minus 3 Grad Celsius läßt sich besser radfahren. Ich erinnere mich heute noch gerne an eine Radtour im Winter durch das Fürther Land in meiner alten Heimat in Mittelfranken/Nordbayern. Es lag Schnee, die Straßen waren aber frei, nur hier und da mußte man wegen Glatteis aufpassen. Und als Krönung war es auch noch ein sonniger Tag gewesen. Trockene Kälte läßt sich viel besser aushalten. Man muß sich gut einpacken, aber: dann friert man nicht mehr.

Anders bei dieser verfluchten Nässe, die heute immer wieder vom Himmel kam. Manche-/r mag einwenden: „Ja warum fährst du heute überhaupt Fahrrad?“ – Ganz einfach: weil ich Lust darauf hatte, endlich wieder richtig zu fahren und nicht wie im Alltag das nervige „Stop-and-Go“ im Straßenverkehr (der oft genug ein Kampf mit uneinsichtigen anderen Verkehrsteilnehmer-/innen ist) erleben zu müssen.

Außerdem hatte ich die letzten 3 Tage Film- und Videokurs gehabt. War interessant, wir hatten auch mal draußen gedreht, z. T. bei schönstem Wetter. Doch beim Rumstehen und Kamera einstellen, Set einrichten etc. frieren bald die Hände – und irgendwann auch mal der Rest.

Es sollte nur eine kleine Runde werden: Von der Jahrhunderthalle in Bochum zum Tetraeder in Bottrop. Ich fluchte, weil es schon bei Ankunft am Bochumer Hauptbahnhof regnete. Die netten Herren von der Radstation versorgten meine Reifen mit der nötigen Luft. Am Rathaus Bochum wartete ich unter dem Vordach den Regen ab (ersten Müsliriegel essen, für´s Mittagessen kochen & machen war noch keine Zeit gewesen).

Dann aber los auf die Erzbahntrasse!

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Schon von weitem hörte man laute Rufe, vermischt mit anderen Geräuschen. Spielte heute der VfL Bochum? Es hörte sich so an, als ob das Feiervolk direkt auf der Trasse unterwegs wäre… aber das Faschingsgedöns kam von der Ortschaft herüber, die man nur in der unmittelbareren Entfernung sieht (etwa auf der Höhe: wenige hundert Meter hinter der Erzbahnbude -diese ist auf dem Bild nicht mehr zu erkennen).

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Doch statt Feiern und „Gwerch“ (Menschenmassen und Gewühle auf den Straßen) genoß ich heute lieber tiefer gehende Gedanken…

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…und schaue links und rechts vom Weg, was dort ist.

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Und wie immer im Ruhrgebiet geht´s vorbei an Industriegebäuden. Das ist die Firma, die jetzt mit einem schon großen Stahlkonzern fusionieren wird. Die Gewerkschaftsmitglieder haben zugestimmt.

 

Die Erzbahntrasse wird – so habe ich es verstanden- dann zum EmscherParkWeg ab der Zoom-Brücke. Sie ist die weißfarbene Schwester der roten Erzbahnschwinge, die nach der Jahrhunderthalle Bochum die Gahlensche Straße überspannt. Hier an der Zoom-Brücke taucht das erste Mal der Wegweiser zum Tetraeder in Bottrop auf. Es ist seltsam, daß im „Radroutenplaner NRW“ keine Wegweisung über die Trassen erfolgt!

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Nach Bottrop geht´s aber unterhalb der Brücke entlang des Rhein-Herne-Kanals weiter… und leider mußte wieder Regen einsetzen. Richtig schön heftig. also Gamaschen wieder an… nach ca. 10 Minuten etwa war der Spuk wieder vorüber.

 

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Die Wegbeschaffenheit läßt, kaum hat man die Erzbahntrasse verlassen, sehr zu wünschen übrig… und das Rad wurde wieder schön dreckig.

 

Eine Rakete, auf deren Abflug man vergeblich wartet.

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Entlang des Kanals sieht man immer wieder Industrie oder Häuserbaustellen. Im Hintergrund auf dem linken Bild sind fertige Reihenhäuser zu erkennen – eines so  langweilig wie das andere. Wer will dort bitte so abgelegen wohnen?  Dagegen wirken die Backstein-Ruinen fast schön. Was das wohl mal war, direkt am Kanal?

 

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Im Hintergrund sehen Sie ungewollte Schleichwerbung verkehrt herum für einen Heizungshersteller. Das gehört zu den Impressionen am den Rhein-Herne-Kanal.

 

Bei aller ekelhaften Naßkälte sind die Lichtspiele des Himmels an diesem Tag beeindruckend. Überirdische Zeichen künden von der Zukunft….

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Auch wenn kein Regenschauer mehr einsetzte: die Füße waren nun wirklich kalt, die Hosenbeine trotz Gamaschen, die ich zeitweise auch mal abgenommen hatte, naß. Geradeaus am Kanal wäre ich wohl weiter nach Bottrop zum Tetraeder gekommen. Es nervte schon, daß ich diese Strecke nicht mehr schaffen würde. Bei Naßkälte kann jeder Kilometer eine Plage statt eine Freude sein. Also folgte ich dem EmscherRadweg weiter. Seltsam nur, daß dieser erst über eine Brücke (es muß in der Nähe der „Zoom-Erlebniswelt“ gewesen sein) und auf der andren Seite des Flusses wieder zurück führte. In Sichtweite war wieder ein Industriegebiet, Straßennamen waren aber leider nicht auszumachen. Nach ein paar hundert Metern aber sah man am Eingang des Industriegeländes Rad-Wegweiser. Kein Hinweis mehr auf den Tetraeder, der ist wohl nur über den Kanal erreichbar. Na gut, dann wird eben nach Gelsenkirchen gefahren… den Schwenk zum Nordsternpark sparte ich mir (gibt´s da was Sehens- oder Besuchenswertes?) und fuhr Richtung Innenstadt, mitten durch das „böse Blau“ des bestimmten Stadtteils hindurch.

Eine Brücke, die unter Denkmalschutz steht… wow. Straßenname: „An den Sumtener Brücken.“

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Es war leider kaum möglich, die Brücke im ganzen zu fotografieren….

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Ach ja, ein Radwegweiser führte direkt zum Stadion. Mir ist Fußball ziemlich egal, nur eins sei hier bemerkt: Ihr grausliges Bier können sie selbst trinken, die sogenannten „Blauen.“

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Auf der Fahrt durch Gelsenkirchen entlang der häßlichen, weil mehrspurigen Autostraße (Kurt-Schumacher-Straße) und Berliner Brücke, deren „gemeinsamer Rad- und Fußweg“ ein Witz ist, wurde ich erstaunlicherweise nicht wütend angehupt. Ich  kam vor der „Flora“ an. Dann kurz das MiR (www.musiktheater-im-revier.de ) gegrüßt… und dann nicht ganz zufrieden mit der S2 nach Haus gefahren. Wenigstens war ich heute mal für ca. 2 Stunden draußen gewesen.

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Die Emscher an den Sumtener Brücken in Gelsenkirchen.

 

 

 

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