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Kleidungswahl beim Radfahren und: Das schwere Schicksal von Radfahrer(innen)-Hosen

Wer Fahrrad fährt, macht sich zwangsläufig Gedanken über die Kleidung, die man zum Radfahren trägt. Ganz klar: man ist dem Wetter immer ausgesetzt. In einer Blechkiste sitzend und fahrend ist die Kleidung ziemlich egal. Mit Schmunzeln, manchmal auch mit hochgezogenen Augenbrauen lese dazu Beiträge über Fahrradmode und Accesoires z. B. auf dem Blog von bikingtom. Ach ja und nicht zu vergessen die tollen Hipster-Fahrradläden wie der eine in Dortmund. Wenn man dort eingekauft hat, sieht man aus wie der eigene Großvater (was machen da eigentlich die weiblichen Hipster? Die gibt es doch auch?). Verständigung zwischen den Generationen: gelungen. Haha.

Nee Leute. Mit Anfang, Mitte 20 und selbst ab 30 muß man nicht aussehen wie der eigene Großvater (oder die eigene Großmutter). Verständigung zwischen den Generationen sieht anders aus. Abgesehen von den horrenten Preisen für diese miefigen old-fashioned Klamotten braucht man diese nicht zum Radfahren. Nur bei dem einen Critical-Mass-Fahrer, der selbst so um die 50 ist, sehen old-fashioned Fahrradklamotten cool aus. Weil sie zu seinem Typ passen.

Das Angebot an Kleidung für´s Radfahren ist riesig und wenn man nicht gerade eine Gerte ist, auch schwer zu überblicken: wo gibt es was wirklich passendes? Mein Ex-Freund schwörte auf Gore-Tex, also prüfte ich auch mal die sogenannte „Funktionskleidung.“ Lange hatte ich keine Freude daran: es gab nichts wirklich passendes und ich schwitzte mehr mit dieser Kleidung als ohne. Außerdem war es mir zu umständlich, immer diese reine Kunststoffhülle anzuziehen. Eigentlich ist Funktionskleidung doch nur was für Rad-Touren! Alltagstauglich ist Gore-Tex & Co. nicht, finde ich. Und sie wird genauso schmutzig wie „normale“ Alltagskleidung auch. Damen-Größen ab 42 sind für viele Funktionskleidungshersteller auch immer noch unbekannt. Kein Wunder: in der Sportbekleidungs-Werbung sieht man nur schlanke oder dürre Exemplare von Frauen.

In Sachen Funktionsunterwäsche fand ich erstaunlicherweise was bei meiner geschätzten Versandhändlerin, die nicht explizit Sportkleidung anbietet. Alle Damen und Herren, die als sogenannte „Plus Size“-Größe gelten, finden hier (meistens) was, ohne daß man aussehen muß wie ein alter Mann oder eine alte Frau. Allerdings hat auch diese Versandhändlerin eine seltsame Vorstellung, was Frauen als Sportbekleidung zu tragen haben. In den Katalogen werden Frauen nur bei Fitness-Sportarten gezeigt. Zur Erklärung: nicht alle Frauen machen ausschließlich Aerobic und ähnliches Zeugs als Sportbetätigung, bei dem man sich vorkommt wie beim Militär: vorne steht eine(r) und schreit Befehle, die die anderen schnell und im vorgegebenen Rhythmus auszuführen haben. Und zwar zackig. Und nicht alle Frauen tragen deshalb diese engen Caprihosen, die nichts halbes oder ganzes sind oder weite, wallende Shirts, wie sie eben von dieser Versandhändlerin angeboten werden. Das letztere ist dann was für die schwererbewegliche übergewichtige  Gymnastik-Fraktion ab 50, das Krampfadern-Geschwader. Also doch wieder in die Herren-Abteilung von C&A…. Ich bevorzuge beim Floorball-Spiel kurze, locker sitzende Hosen, ebenso beim Radfahren im Sommer für meine Touren. Die sind stabiler und haben Hosentaschen (ja! auch Frau braucht Hosentaschen, welch Wunder!) und sehen auch nicht so schlecht aus, wie immer getan wird.

Und – Überraschung! Ich trage beim Radfahren lange normale Jeanshosen. Das mag erst mal widersinnig klingen, weil eine Jeans nunmal schwerer ist als eine sogenannte „Funktionshose“ oder „Cargo-Hose.“ Tatsächlich hatte die „Cargo-Hose“mit Innenfutter vergangenen Donnerstag auf meiner Fahrt (Nordbahn- und Kohlebahntrasse) nicht zu schlecht abgeschnitten. Allerdings: Die Jeanshose ist wesentlich stabiler und scheuert nicht so schnell am Gesäß auf. Sie sitzt besser als viele Funktionshosen. Auch bei einem Sturz gibt es nicht so schnell Löcher (bzw. können die besser geflickt werden als bei Funktionskleidung). Es sitzt sich angenehmer auf dem Fahrradsattel als mit einer dünnen Funktionshose. Polster im Gesäß finde ich unangenehm. Außerdem mieft die Jeanshose nicht so sehr wie der Kunststoff. Vorteilhaft ist die Kunstfaser aber bei der Unterwäsche, weil man nicht so schnell auskühlt.

Manchmal trage ich auch Rock und Strumpfhose oder Leggins zum Radfahren. Da muß dann „nur“ die Strumpfhose dran glauben. Flicken lohnt oft nicht.

Aber die Jeanshosen und langen Hosen einer Radfahrerin haben ein schweres Schicksal. Vergangenen Donnerstag meinte eine Zug-Fahrgästin mit Rad zu mir, ich solle den flachen Stofftaschenhenkel, der am Boden lag, aufheben, sie wolle nicht das Rad darüber schieben. Ich antwortete ihr: „Keine Sorge. Das Schicksal haben alle Hosenbeine bei mir.“ Ihre Fahrradreifen waren weder naß noch besonders dreckig. Der Radfahrer, der mir gegenüber saß, grinste.  Meine Mutter hatte getobt, wenn ich mit verdreckten Hosen nach Hause kam. Meine 12 Jahre ältere Freundin in der alten Heimat hatte mich immer vorwurfsvoll angesehen. Wie kann man nur so seine Hosen behandeln!  Einmal hatte es mir die Hosenbeine sogar in die Kette gezogen; nicht schön, ich wäre fast gestürzt, die Autofahrer hinter mir hupten, weil ich nicht weiterfuhr (nicht weiterfahren konnte), aber die Erlanger Straße in Fürth war zum Glück breit genug, um rechts ran zu fahren. Die gelben Klettbänder habe ich aufgegeben, weil ich sie ständig verlor (das geht ins Geld auf Dauer). Diese Hosen trage ich nun schon lange nicht mehr, sie und andere Hosen sind nun zu kleinen praktischen Handtaschen geworden.An dieser Stelle mein herzlicher Dank an Craft-Queen Sandra Landefeld 🙂 Spät nachts höre ich immer noch ein leises Wehklagen aus meinem Kleiderschrank, wenn sich die Geister der alten mit den neuen Hosen über ihr Schicksal als Radfahrerinnen-Hosen unterhalten.

Aber so ist das nunmal.

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Ein Gedanke zu “Kleidungswahl beim Radfahren und: Das schwere Schicksal von Radfahrer(innen)-Hosen

  1. Norbert schreibt:

    Die einzige Kleidung, die ich für’s Fahrradfahren gekauft habe in den letzten Jahren sind die Hot-Ears, eine Regenhose und eine Ski-Jacke für die kalten Tage. Mehr brauch ich als 365er nicht extra.

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