Allgemein, Gesellschaftskritik, Technik im Alltag

Die unendliche Geschichte des Semestertickets NRW

„Ihr Semesterticket ist in diesem Format nicht gültig!“ So fauchte mich gestern eine schnepfige „Zugbegleiterin“ zusammen mit ihrem siebengescheiten Kollegen an. Ich saß im Zug Richtung Lüdenscheid. Seitdem ich in NRW studiere wundere ich mich über die Form des Semestertickets: ein pdf-Dokument, das man zugeschickt bekommt und ausdrucken soll. Statt diesem Stück Papier kann man auch das pdf-Dokument auf dem smartphone-Bildschirm vorzeigen – obwohl das dann sehr klein ist – auch mit QR-Code. Sehr logisch.

Das uniformierte Paar im Zug will mir weismachen, daß mein Semesterticket ungültig sei, weil es nicht im Format A4 ausgedruckt ist. Ich sehe die beiden verwundert und auch verärgert an. Sie ließen es noch einmal durchgehen – aber das sollte ich mir merken! ich komme aus dem Staunen und Ärger über soviel Unverschämtheit und mindestens 5 Minuten dauernder Korinthenkackerei nicht mehr heraus. Als die beiden abziehen, denke ich mir meinen Teil: keine schönen Worte sind das. Später auf der Rückfahrt wird mir nur eines der beiden Gscheiderle begegnen, das dann plötzlich gaaanz ruhig ist. Nicht mal nach der Fahrkarte wird mehr gefragt.

Ich habe Verständnis dafür, daß man als Studierende nicht nur das Semesterticket, sondern auch den Personalausweis vorzeigen soll. Das mache ich auch. Aber eine Fahrkarte im Format DIN A4 ausgedruckt mit sich herumtragen??? Geht´s noch???

 

Sehr entehrte Zugbegleiter dieses Zuges, der gestern am Dienstag den 15.11.2016 um 16.34 Uhr am Dortmunder Hauptbahnhof Richtung Lüdenscheid abfuhr. Hallo an den Verkehrsverbund Rhein-Ruhr = VRR und an die DB Regio NRW.

Ich will nur weißfahren, deshalb habe ich meine Fahrkarte dabei. Allerdings, wenn man mir so kommt wie gestern ein Hinweis: ich bin nicht Ihr Mülleimer für Ihre schlechte Laune, weil Ihre Arbeitsbedingungen immer schlechter werden oder weil man Streit mit anderen Zugfahrgästen, Familie oder Kollegen oder dem Ehemann oder blabla… hatte. Dafür bin ich nicht verantwortlich, ich kann das höchstens bedauern. Denn was anderes kann nicht der Grund dafür gewesen sein, so angefaucht zu werden.  Ich verlange auch keine großartige Freundlichkeit von Zugbegleitern. Aber so wie ich gestern angemotzt und beschuldigt  wurde: DAS GEHT SO NICHT!

Ich kann mit der Hilfe von der DB Regio und dem VRR in Zukunft natürlich gern Ihrem Wunsch nachkommen, mein Semesterticket im Format DIN A4 mit mir herumzuschleppen. Dann im von Ihnen finanzierten Goldrahmen – oder besser grün-metallicfarbenem Rahmen – das paß zum VRR – und immer mit Butler, der mir dann das schwere Ding von Zeit zu Zeit abnimmt. Auch der Butler: bezahlt vom VRR. Soll laut DIE PARTEI Dortmund ohnehin der Verkehrsverbund mit den teuersten Fahrkarten in Deutschland sein. Aber wehe, wenn dann mal im Bahnhof ein Lastenaufzug für mein schwergewichtiges Semesterticket nicht funktioniert.

Tour Beginn in JenaNord

In Thüringen ist der Sachverhalt Semesterticket (=Fahrkarte) – Studierendenausweis – Kopierkarte – Bezahlfunktion wesentlich besser geregelt. Dort hat man eine Karte für alles, auf der Karte ist der Name, das Geburtsdatum und ein Paßbild vermerkt. Außerdem ist die „Thüringer Hochschul- und Studentenwerkskarte“, kurz thoska auch der Bibliotheksausweis. Gelegentlich wünschen die Zugbegleiter auch das Vorzeigen des Personalsausweises.

http://www.uni-jena.de/thoska.html

Die thoska, das bedeutet: 1 Format, 1 Karte – und keine ewige Debatte darum, ob groß oder klein, dünn oder dick, gerahmt oder lose.Die Gültigkeit wird durch einen zu Semesteranfang erfolgenden Stempel angezeigt.

Das Land Nordrhein-Westfalen und alle Universitäten sollten dringend über diese Art der Studierendenkarte nachdenken.

 

Protestaktion von DIE PARTEI DORTMUND zu den hohen Fahrkarten-Preisen des VRR:

https://www.die-partei-dortmund.de/blog/mahnwache-schwarzfahren-muss-bezahlbar-bleiben/

 

 

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Ein Gedanke zu “Die unendliche Geschichte des Semestertickets NRW

  1. Sarah schreibt:

    Hey,

    Ich kann verstehen, dass dich das ärgert, dass die Beiden unfreundlich waren. Allerdings machen die nur ihren Job! Irgendwie müssen sie ja kontrollieren, ob das Ticket gültig ist und das geht halt nur über den QR-Code in der richtigen Größe. Auf dem Ticket und in den Hinweisen steht ja sogar, dass man es nur in DIN A4 ausdrucken soll. Man kann den grossen weissen Rand danach ja abschneiden und es zwei mal falten, dann ist es im Kartenformat und beim ASTA liegen sogar kostenlos passende Hüllen aus. 🙂
    Übrigens habe ich das System schätzen gelernt, da man das Ticket ja so oft ausdrucken kann, wie man möchte. Da hat man halt in jeder Tasche ein Ticket und falls man es verliert, ist es nicht so schlimm. Das ist doch praktisch! Und man muss nicht immer zu Beginn des Semesters irgendwo lange für einen Stempel anstehen.
    Es hat doch alles seine Vor- und Nachteile.
    Viele Grüße,
    Sarah

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