Allgemein, FAHRRAD, Technik im Alltag

What´s an app? Oder doch ned?

Menschen zu beobachten ist immer interessant. Wer es wissenschaftlich mag, die oder der studiert Soziologie. Ich hatte in meinem Erststudium Soziologie als Nebenfach, im Hauptfach Volkskunde-/Kulturgeschichte (= Kulturwissenschaft) an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Beide Fächer behandeln auf ihre Weise Alltagskultur. Dieser Blogbeitrag widmet sich einem Teil der Alltagskultur – der Mobilfunknutzung.

Im Frühjahr 2015 war es soweit: auch ich bekam ein Smartphone. Zuerst wollte ich keins, weil ich es für unnötig hielt. Zuviel Streß, die Vorstellung, ständig online und erreichbar zu sein über verschiedene Kanäle, nicht nur über das Telefonselbst, erschien mir als furchtbar. Aber irgendwie war ich auch neugierig… Reine und grundsätzliche Ablehnung alles Neuem ist mir fern, erst recht im Technikbereich.Ebenso finde ich es schwierig, wenn alle immer nur positiv über neue technische Erfindungen reden.

Das Smartphone im Frühjahr 2015 war (und ist noch) ein Nokia Lumia 610 (Mitte im Bild). Günstig von einem Freund bekommen, 30€, das paßt erst mal, dachte ich. Es hat ein angenehmes Design, das die Augen nicht überfordert; man kann die Kacheln auf dem Eröffnungs-Bildschirm in verschiedenen Farben einstellen, blau erschien mir am angenehmsten. Unterwegs auch mal E-mails lesen, weniger verpassen, gleich antworten können… keine schlechte Sache! Allerdings ist das Leben auch stressiger geworden. Es ist nicht so einfach den Drang zu unterdrücken, alle paar Minuten oder jede Viertelstunde mal nachzusehen, ob es was Neues gibt. (Gut, inzwischen mehr als früher, als der Reiz des Neuen noch größer gewesen war). Zuerst wurden eben nur 2x am Tag E-Mails beantwortet, wenn ich eben an einem Rechner saß. Manches nervt; bei anderen Sachen ist es gut, wenn man gleich antworten kann.

So nach und nach entdeckte ich die Vorteile des Smartphones. Mein Freund hatte es richtig erkannt: A. braucht ein einfaches Gerät. Allerdings fand ich es dann schon schade, was alles nicht ging mit dem Nokia Lumia 610, dem Windowsphone: die Fahrradnavigation komoot geht nicht komod mit Windowsphone. Meine Güte! Warum stellt sich Microsoft denn soo an?? Sicher ist eine Navigation drauf, die ich auch schon benutzt habe. Aber die ist für´s Autofahren und ich habe mich an einem Abend im Januar schon mal geärgert, dass ich in der Kälte und schon recht erschöpft am Abend einen riesen Bogen gefahren bin; um dann bei Ziel-Ankunft festzustellen, dass ich einfach nur dsa Campus-Gelände mit dem Rad durchqueren hätte müssen. Nur das geht eben mit einem Auto nicht. Haha.

 

In Sachen Technik bin ich in ständigem Austausch mit diesem guten Freund, der mir das Nokia Lumia 610 verkauft hat. Ich teilte ihm mein Bedauern mit, dass komoot nicht funktioniert. Bei meiner Pfingsttour durch Unterfranken 2015 hätte ich es gut gebrauchen können; der Meiningen-Haßfurt-Radweg ist so schlecht ausgeschildert, dass ich mich elend verfuhr. Ich machte die Erfahrung, dass ich immer weiterfuhr, weiterfahren konnte, auch wenn ich schon völlig erschöpft war. Ich hatte schon mit dem Gedanken gespielt, in einer der Rasthütten am Wegesrand schlafen zu müssen und die Jugendherberge in Königsberg/Unterfranken nciht mehr zu erreichen. Ein freundlicher Passant in einem Dorf brachte mich mit dem Auto dann zur Jugendherberge. Dafür war ich sehr dankbar.

Lachender Kommentar meines guten Freundes dazu: „…man hatte ja nicht absehen können, dass es solche Ausmaße annehmen würde.“ Ich muß heute noch grinsen über diesen Satz.Und sein zweiter Lieblingssatz, wenn er mich zitiert (aus dem Jahr 2014):“Frau St. braucht kein Smartphone.“ Auch diese Woche muß er sich wohl scheckig gelacht haben, als ich ihm vom Samsung-Angebot erzählte.

Was ich am Smartphone am meisten mag ist, dass man fotografieren kann. Vor ein paar Jahren hatte ein ehem. Studienkollege mir eine Digitalkamera verkauft. Gutes Stück, ich benutze es heute noch gern. Die analoge Fotografie hat nicht an Reiz und Schönheit verloren, aber sie ist eben eins: umständlich. Was war das für ein Aufwand, Bilder für den Vortrag in der Berufsschule zu bekommen… man mußte entweder Farbkopien aus Büchern machen oder selbst losziehen und – wie ich es gemacht hatte – fotografieren, den Film abgeben, auf die Bilder oder die Dias warten. Für meinen Vortrag über Bodendeckerpflanzen auf Gräbern im Rahmen der Friedhofsgärtnerausbildung hatte ich Dias nach meinen Fotografien machen lassen. Wenn man die heute sieht, wirkt das, als ob man im Museum wäre.

Auch das eher mühsame Notieren von Daten von einem Plakat braucht man nicht mehr zwangsweise machen (und wieder vergessen, bzw. den Notizzettel verlieren). Einfach das Plakat abfotografiert! Der elektronische Notizzettel verschwindet nicht so schnell, man muß aber an ihn denken. Die Auflösung ist für so ein einfaches Gerät erstaunlich gut. Nachteil: Objekte, die eigentlich näher an der Handykamera sind, erscheinen auf dem Bild weiter weg zu sein. Kleine Filme lassen sich auch drehen. Dazwischen sollte man aber auch wieder was löschen, denn: der Speicherplatz ist begrenzt.

Es war schon ein großer Sprung vom einfachen kleinen Mobiltelefon (jeder englische Muttersprachler wundert sich über das „deutsche“ Wort „Handy“, das eigentlich ein Adjektiv ist und soviel wie „praktisch“, „handlich“ bedeutet) von LG (links im Bild) zum Smartphone. Zwar gibt es beim LG auch einen Menupunkt „chat und dating“, aber bei dem kleinen Bildschirm ist alles reduziert. Die allerersten Geräte zu Beginn der 1990er Jahre waren dick und klobig, zuerst mußte man noch ein Köfferchen mit Kabel dran mit sich rumschleppen. Dann wurden die Telefone für unterwegs immer kleiner, schmaler und jetzt werden wie wieder größer, bleiben aber schmal. Man könnte ein smartphone auch „Taschencomputer“ nennen.

Bisher war ich zufrieden mit dem Smartphone „WindowsPhone“ von Nokia. Ich bin weiterhin eine Freundin von Papierkarten, deren Akkumulator nie leer wird. Dennoch, irgendwie ärgerte mich das mit komoot schon… manchmal wäre es doch gut, mal elektronisch was nachsehen zu können, was auf der Papierkarte unklar erscheint – oder man hat diese zuhause vergessen (auch schon passiert, grrr).

Viel Geld will ich für Technik grundsätzlich nicht ausgeben. Sooo wichtig wie für meinen guten Freund ist sie nicht, da gebe ich eher mehr Geld für meine geliebten Fahrräder aus. Außerdem ist da noch die Frage nach der ethischen Verantwortung… Spätestens das Theaterstück „Die Agonie und Ekstase des Steve Jobs“ am Theater Dortmund (grandios gespielt von Andreas Beck als Solopart, auch wenn Steve Jobs wohl nicht diese Leibesfülle hatte 😉 ) hat mir klar gemacht, unter welchen furchtbaren Bedingungen Elektronische Geräte meist in Asien für den europäischen Markt gefertigt werden. Dann lieber ein gebrauchtes Gerät statt ein völlig Neues; einmal Leid weniger.

Allerdings war jetzt im Sommer 2016 eine neue Sache hinzugekommen.

Seit Mai bin ich in einem anderen Sportkurs dabei. Diese Sportart hatte mir schon an der Uni Jena großen Spaß gemacht; sie war Teil des Kurses „Fit durch Spiel“, bei dem verschiedene Ballsportarten gespielt werden. Inhalt des Kurses ist vor allem die Freude an der Bewegung und das Spielerische.Einen ähnlichen Kurs gibt es beim Hochschulsport an der TU Dortmund auch, aber dort wurde nicht Floorball gespielt. Schade.

Und jetzt ist mein Sportkurs bei WhatsApp. What´s an app?

Eine Bekannte hatte mich schon vor Monaten gerügt, dass ich dieses ach so praktische „tool“ nciht nutzen würde. Wohl ist mir bei diesem Dienst bis heute nicht. Noch offensichtlicher ist hier, dass ein amerikanischer Geheimdienst die Daten aller WhatsApp-NutzerInnen sammelt. Schließlich könnten wir alle Terroristen und Terroristinnen sein, nicht nur, wenn man wütend blickende Smileys verschickt oder Schimpfwörter benutzt… uuuuuuaaaahhhh…..

Na die Sportgruppe ist es mir wert, dachte ich.

Und mein guter Freund teilt mir auf meine Anfrage, warum WhatsApp sich nicht aufs Nokia-Gerät laden lasse, mit: „Du bist genau 14 Tage zu spät dran. Windows 7.9 wird nicht mehr unterstützt.“

Arrgh. Oh Microsoft, jetzt ist es aber wirklich genug!

Im Gesichtsbuch suchte ich nach Leuten, die ein whats-app-fähiges Smartphone abzugeben hätten. Ein Kollege wunderte sich daraufhin grinsend, ob es noch nicht-whatssappfähige Handys gäbe… Und schneller als ich dachte meldete sich eine Kollegin und – nun habe ich seit Donnerstag den 14. Juli 2016 ein Samsung S 4 (rechts im Bild).

Kein einfaches Lumieren mehr, nein, jetzt wird in ganze elektronische Galaxien abgetaucht! – nein, äh aufgestiegen (wir sind ja im Weltraum, hust). An dieser Stelle noch mal großen Dank an die Kollegin! Auch wenn das Glas ein paar Brüche hat bin ich sehr zufrieden mit dem Gerät. Am Anfang war es etwas Gefrickel, die sim-Karte aus dem Nokia raus und ins samsung-Gerät  reinzubekommen, dann lief das Ding aber.

An die Bedienung muß ich mich aber gewöhnen. Die vielen zusätzlichen Funktionen (eben, weil beim Betriebssystem Android mehr Apps möglich sind) machen die Benutzerinnenoberfläche unübersichtlich. Ich suche immer noch, wo was ist. Auch ist es nervend, wenn das Bild des letzten Gesprächspartners im Facebook-Messenger immer sichtbar ist. Ich hatte heute bei Whats-App den Absende-Button plötzlich nicht mehr gefunden; weil das Konterfei eines Freundes genau über diesem lag. Allgemein bedeutet die Oberfläche des Samsung S4 mehr Streß für die Augen. Ein paar Apps habe ich schon rausgeschmissen, weil ich sie nicht will noch brauche.

Das Samsung-Smartphone ist leichter, schmäler und hat sogar ein größeres Display. Beim Fotografieren ist das Bild – so mein Eindruck – schärfer (für genaue Daten müßte ich erst nachsehen) , aber die Handhabung ist schwieriger als beim Nokia. Ich habe ein paar Mal schon ungewollt den Filmauslöser gedrückt, weil dieser auf dem Display groß zu sehen ist. Beim Nokia geht die Filmerei nicht gleich los, man muß erst umschalten, dann ist der Startknopf der selbe wie beim Fotografieren. Beim Samsung sind Film- und Foto-Startknopf auf ein und demselben Bildschirm. Außerdem weiß ich gar nicht so recht, wie ich das Ding beim Fotografieren halten soll… wenn ich es halte wie das Nokia-Teil, verstelle ich ungewollt die Lautstärke des Klingelns. So hat jedes Gerät seine Eigenheiten.

Das Nokia Lumia 610 wird nun vorerst zur „Taschenuhr“: weil ich es zeitlich immer noch nicht zum Uhrmacher (der noch was taugt, so wie ich es bisher sehe) geschafft habe, um neue Batterien bzw. Armbänder an meine Armbanduhren ranzumachen, wird das Nokia mir die Zeit sagen. Ohne Uhr unterwegs zu sein… das geht höchstens mal im Urlaub. Außerdem ist die Terminübersicht klarer strukturiert als beim Samsung. Aber immer 2 Geräte mit dabei haben? Hm.  Doof nur, dass, je mehr Funktionen ein Smartphone hat, der Akku umso schneller leer ist.

KONICA MINOLTA DIGITAL CAMERA

Digital fotografiert…

 

 

 

 

 

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