Allgemein, FAHRRAD, Stadtrundfahrt

Besuch in der alten Heimat

Immer wieder, wenn ich mit Studienkolleginnen und Studienkollegen ins Gespräch über meine alte Heimat (und die v. a. kulinarischen Vorzüge) komme, spüre ich eine Sehnsucht, doch mal wieder hin zu fahrren. Jetzt war es trotz einiger Hindernisse soweit. Am Wochenende vom 17. bis 19. Juni 2016 besuchte ich Fürth und Nürnberg.

Zwar fahre ich lieber Bahn, aber bei den Preisen zieht man dann doch die Fernbusse vor. Der Vorteil bei dieser Strecke: man muß nicht umsteigen. Nachteil: Zugfahren erscheint mir komfortabler, weil man insgesamt doch mehr Platz hat und ein Zug auch nicht so wackelt, weil es eben weniger Kurven gibt. Nach ca. 6 1/2 Stunden ist man in Nürnberg.

Ich hatte mein Faltrad dabei. Es ist im Bus ein Gepäckstück und verursacht so keine zusätzlichen Kosten. Vorteil: am Zielort ist man mobil und unabhängig von Taxi und U-Bahn – und es kostet keine €.

Die Anreise war etwas stressig, weil der Bus  Verspätung hatte und eine Beerdigung einer Chorleiterin den ganzen Plan eines guten Freundes durcheinander gebracht hatte. Trotz aller Mühen haben wir dann endlich das gemacht, was wir schon in der Zeit, in der ich in Fürth gewohnt hatte, machen hätten sollen: in die Oper gehen.

Wir sahen uns „Rigoletto“ von Giuseppe Verdi am Opernhaus Nürnberg an. Kritik dazu schreibe ich noch. Schon der Stoff allein ist eine grausame Wucht, aber leider Realität im 18. Jahrhundert. In diesr Zeit spielt die Geschichte, die zu „Rigoletto“ gehört.

 

 

 

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Opernhaus Nürnberg am Richard-Wagner-Platz (hier startet auch am letzten Freitag im Monat die Critical Mass)

Danach waren wir noch in meinem absoluten Lieblingslokal „KaffeeBohne“ in der Gustavstraße in Fürth, DIE Kneipenmeile in Fürth. Die „Bohne“ bringt etwas Studentenflair in eine Stadt, die traditionell eine Arbeiterstadt ist und in der die Gentrifizierung ungebremst voranschreitet, wie ich bei meinen Fahrten durch die Südstadt, in der ich 10 Jahre lang gewohnt hatte, beobachten konnte.

Nach der heftigen Oper erst mal ausschlafen… und am nächsten Tag, dem 18. Juni 2016 ging es nach einem guten Frühstück und Pilates an der Uferprommenade los Richtung Südstadt.

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Ich fand fast sofort alle Wege wieder, die ich früher fast täglich gefahren war. Wahnsinn jedoch, wo überall was weggerissen worden war und nun neu gebaut wird. Aufgelassenes Brauerei-Gelände in Fürth? kommen „Stadtwohnungen“ hin, die sich kein normaler Mensch leisten kann. Super. Bei der Metzgerei in der Flößaustraße holte ich das, was ich schon seit Jahren nicht essen hatte können, weil es das nur in Franken gibt: Pressack. (ich habe jetzt kein Foto davon, weil – schwuups! war der aufgegessen 😉 Es ist schwierig, in dieser kurzen Zeit von 2 Tagen all die leckeren Sachen, die es nur in Franken gibt, zu verzehren!.

Das Haus Kaiserstraße 77a. Da hatte ich 10 Jahre lang gewohnt. War zwar eine schöne Idee vom Vermieter, einer Baugenossenschaft, dann mal einen Balkon hin zu bauen auf die Rückseite. Aber die Miete stieg jedes Jahr an. Selbst wenn ich in Fürth geblieben wäre, hätte ich es nicht mehr zahlen können.Niemand bemerkte überhaupt was gegen diese absurde Mietpreissteigerung.

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Diesen Weg, der von der Dr.-Mack-Straße hinab zum Wiesengrund führt (und von dort aus auf den Pegnitztalradweg nach Nürnberg) war schon immer eine furchtbare Pflasterstein-Holper-Piste. Jahrelang habe ich die die Stadt aufgefordert und beim ADFC moniert, man solle endlich diesen „gemeinsamen Rad- und Fußweg“ in eine ebene Bahn verwandeln! Auch mit Kinderwagen ist Pflastersteinboden kein Spaß. Schön, dass der Weg jetzt eben ist – wenn ich nicht mehr dort wohne. Na danke auch.

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Der Pegnitztalradweg nach Nürnberg. Zeitweise mein Arbeits- oder Schulweg.

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Blick Richtung Fürth

 

 

…..und Blick Richtung Nürnberg.

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Der Bereich „Hallerwiese“, an dem der Pegnitztalradweg vorbeiführt, kurz vor der Nürnberger Altstadt. Trotz aller Interventionen vom ADFC Nürnberg ist die Stadt Nürnberg nicht gewillt, den Weg endlich zu teeren. So freut man sich jedes Mal auf´s Neue auf große Pfützen. Platsch!

Am Samstag mittag werde ich noch eine Häkelfreundin treffen. Vorher mußte ich aber unbedingt noch die Figur fotografieren, zu der das Nürnberger Sprichwort (oder die Redensart) paßt:

„Des hätt mer der Ox aaf der Fleischbruck aa gsaggt.“

(Das hätte mir der Ochse auf der Fleischbrücke auch gesagt).

Das sagt man zu jemandem, die oder der mir irgendwas erzählt hat, was längst bekannt und klar ist. Man kann damit auch ausdrücken: „Na du laberst einen Blödsinn. Ist doch längst klar, was du sagst.“

Das is der Ox. Lateiner und Lateinerinnen bitte vor 😀

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Der Ox thront auf der Fleischbrücke. Keine Sorge, die Brücke ist aus Stein… In Zeiten ohne KÜhlschrank war das Metzgerhandwerk nicht besonders angesehen. Wegen der fehlenden Kühlung drohte gern mal eine Krankheit, Schädlingsbefall. Deshalb führt die Fleischbrücke hinaus aus der alten Stadt, der Metzger mußte draußen bleiben, um keine Krankheiten zu verbreiten unter der Stadtbevölkerung (außer natürlich beim Verkauf auf dem Markt).

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Blick von der Fleischbrücke auf die Pegnitz.

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Während ich auf meine Häkelfreundin warte, fährt ein Velotaxi in der Gasse Rathausplatz vorbei. Vor einigen Jahren, als  der Velotaxi-Betrieb zunächst probeweise in Betrieb ging, war ich eine der ersten Fahrerinnen. An sich ist es eine gute und richtige Art der Fortbewegung innerhalb der Stadt, vor allem der Innenstadt. Das Velotaxi stinkt nicht (Antrieb durch Muskelkraft und Strom) und braucht weniger Platz als die Blechkiste namens Auto. Allerdings ist es schon sehr anstrengend, selbst mit E-Motor-Unterstützung und der Last von Fahrgästen dazu den Burgberg Nürnberg hinauf zu kommen. Der Motor müßte mehr Strom zur Antriebsunterstützung liefern. Wie in einem Zeitungsartikel außerdem zu lesen war, fahren die Fahrer jetzt auf eigene Rechnung. Das ist nicht fair – bei der Anstrengung, die man leisten muß, um überhaupt was zu verdienen.

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UND JETZT… der Häkel-Gipfel mit Schandalle und mir wird feierlich mit einer fränkischen Spezialität begonnen: SCHÄUFERLE. 🙂 Hmmmm…….

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Nach unserem gemeinsamen Essen und freundlichen Gesprächen  verabschiedeten wir uns voneinander. Schandalle wollte heute abend im Frankenstadion sein. Dort würde ein gewisser Udo Lindenberg spielen. Ich ging auf den Hauptmarkt, um Bananen für die Rückfahrt zu kaufen. Selbst wenn das Obst und Gemüse am Markt teurer sein sollte als im Supermarkt: Die Stände sind leichter zu erreichen, erst recht mit dem Rad. Die Qualität ist viel besser. Und es ist keine Unmöglichkeit, auch mal nur 2 Bananen zu kaufen oder 1 Stange Lauch. Die Riesenpackungen bei Aldi & Co. finde ich unmöglich.

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Das Gemüseanbau-Gebiet im Nürnberger Norden: das Knoblauchsland.

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Andenken an eine Marktfrau an einem Haus am Hauptmarkt:

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…und dann… nach dem ganzen „Gwerch“ am Hauptmarkt (Getümmel) zum Wöhrder See radeln und dort ein paar ruhige Momente genießen.

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Diese Auenlandschaft, so nahe an der Stadt und deshalb gut und schnell zu erreichen, das fehlt mir an dem Ort im Ruhrgebiet, wo ich jetzt wohne. Im Ruhrgebiet muß man erst mindestens 30 Minuten mit der U-Bahn fahren, um draußen zwischen Wiesen oder im Wald zu sein. Und dann hört man dennoch die Autobahn.

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An der Wöhrder Wiese (auch eine U-Bahn-STation der Linie U2) und am Wöhrder See vorbei kann man auf einer Seite nach Nürnberg-Mögeldorf , Laufamholz oder zum Tiergarten radeln. Auf der anderen Seeseite geht es in den Landkreis Nürnberger Land Richtung Röthenbach/Pegnitz, das häßlicheLauf an der Pegnitz und das grausige Hersbruck. (Die verwendeten Adjektive beziehen sich nicht auf die Landschaft und nur teilweise auf das äußere Gesicht dieser Städte).

 

Auf dem Rückweg nach Fürth muß ich wieder am Hauptmarkt vorbei.

Die Händler packen ihre Sachen zusammen. Der Platz, wo heute der Hauptmarkt an der Kirche Unsere Liebe Frau ist, war im Mittelalter Sumpfgebiet. Das überließ man den Juden, die in der Stadt Nürnberg lebten. Zuerst stand am Hauptmarkt auch eine Synagoge, die dann durch die Judenverfolgung (nicht nur durch Nazis) zerstört wurde. Im Gedenken daran ist in der Frauenkirche Nürnberg innen eine Gedenktafel angebracht. Wie ich bei mehreren Gottesdienstbesuchen vor einigen Jahren bemerken konnte, wird die Geschichte dieses Ortes am Hauptmarkt ernst genommen, sprich: man ist sich bewußt, welche Grausamkeiten hier geschehen sind.

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Genau unterhalb der Uhr findet um 12 Uhr mittags das „Männleinlaufen“ statt. Verschiedene Figuren von Kaiser und Königen laufen rundherum und sind nacheinander für die Betrachterin/den Betrachter sichtbar. Auf dem Balkon findet jedes Jahr vor dem 1. Adventssonntag die Eröffnung des Christkindlmarktes durch das Nürnberger Christkind statt. In den letzten Jahren ist dieser traditionsreiche Markt leider zu einem reinen Touristenevent verkommen. Auch ist es in der Vorweihnachtszeit unmöglich, als Einheimische und Passantin noch irgendwo durchzukommen.

 

Auf dem Rückweg in die Kleeblattstadt Fürth, Abzweigung an der Großweidenmühlstraße.

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Ein Stück aus Nürnbergs Industrie-Vergangenheit.

Im Stadtteil Eberhardshof war die Firma AEG angesiedelt. Viele kennen die Spülmaschinen, Waschmaschinen u. a. mit dem Schriftzug „AEG.“ Als ich 2006 begonnen hatte, das Hermann-Kesten-Kolleg in der Nachbarschaft der AEG zu besuchen, war in diesen Mauern noch Betrieb.

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Eine kleine Ringbahn sah man von Zeit zu Zeit hier rumtuckern.

Entlang dieser Straße erstreckte sich das AEG-Gelände. Heute sind bei „Auf AEG“ einige Künstlerateliers angesiedelt.

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Von 2006 bis 2010 besuchte ich das Hermann-Kesten-Kolleg (= HKK), um dort das Abitur „auf dem 2. Bildungsweg“ zu machen. Das bedeutet: nach Berufstätigkeit oder, wie bei anderen Kollegen und Kolleginnen der Fall nach der Geburt eines Kindes kann man am Kolleg das Abitur absolvieren -in Vollzeit. Es gibt zuerst einen „Vorkurs“, 1 Jahr lang, mit dem man das Schulwissen noch mal auffrischt. Dann kommt die „11. Klasse“, das 2. Jahr am Kolleg, dann die Kollegstufe 12 und 13 mit den Abiturprüfungen. Das war noch der Lehrplan nach dem G9. Was jetzt bei G8 der Fall ist… ich habe nur die Anfänge mitbekommen und die waren alles andere als positiv. Noch schlimmer als vorher ist jeder gezwungen, alles schaffen zu müssen. Also: wer Mathe nicht kann ist genauso verloren als jemand, dem Liteatur wurscht ist. Noch dazu bei einem cholerischen Mathelehrer der es nicht verträgt, wenn jemand Mathe nicht kann und diesen Kollegiat oder Kollegiatin niedermacht. Solche Lehrer hasse und verachte ich. Bei diesem Lehrplan muß man sagen: Typisch ungerechtes bayerisches Schulsystem also. Und ich verstehe bis heute nicht, warum niemand diesen Lehrer aus dem Verkehr gezogen oder an der Uni zwangsverpflichtet hat. Denn dieser menschliche Depp wäre dort bestens aufgehoben gewesen, weil er unter seinesgleichen, die FREIWILLIG MATHE STUDIEREN WOLLEN, gewesen wäre. Stattdessen: jeden Tag ungestraft Psychoterror veranstalten. Diese Straftat ist bis heute nicht gesühnt. Ebenso all die Straftaten der Mobberinnen und Mobber.Nur weil jemand als Mauerblümchen erscheint heißt es nicht, dass man diese Person als Sündenbock und Prellbock mißbrauchen darf!

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Eingang zum Hermann-Kesten-Kolleg Nürnberg.

Einige Enttäuschungen mußte ich an diesem Ort, von dem ich mir auch viel erhofft hatte, hinnehmen. So war mein Französisch-Lehrer zu feige, mich zur mündlichen Abitur-Prüfung zuzulassen. Sicher, ich hatte nur 3 Jahre Französisch hinter mir, es wäre eine harte Prüfung geworden. Aber: eine, der ich zuversichtlich entgegensehen hätte können! Und auch andere, die sogar Leistungskurs Spanisch hatten, taten sich schwer! Denn Sprachen sind lernbar. Im Nachhinein bin ich mir sicher, dass es nur um sein Prestige ging, dem Feigling. Es hatte ihm schon nicht gepaßt, wenn ich sein starres, vorgefertigtes Lehrprogramm im Unterricht durch aktuelle Meldungen des DLF z. B. über die ARbeitssituation französischer JournalistInnen in Frankreich durcheinander brachte. Ich tat das nicht aus Bosheit, sondern als Anregung für den Unterricht. Obwohl er in Sachen Sprachvermittlung ein guter Lehrer war, war ich enttäuscht über die Starrheit seiner Unterrichtsgestaltung.

Ich mußte mündliche Prüfung in Mathe machen – bei dem Arschloch-Lehrer (hoffentlich geht es ihm heute richtig schlecht und seine Frau hat sich von ihm nun doch getrennt – anders hat er es nicht verdient). Ich erinnere mich heute noch mit Grauen an diesem Tag: vorher Magenschmerzen und ein Sturz mit dem Rad auf dem Weg zur Prüfung, Tränen vor und nach der Prüfung. Aber das war allen scheißegal. Die angeblichen „Psychologen“, die wir nur einmal zu ‚Gesicht bekamen, erschienen wie verstaubte Figuren alter Männer aus einem Museum. Es hatte einige Kollegen und Kolleginnen gegeben, die private Schwierigkeiten mit ins Schulleben brachten, die sich wiederum negativ auf das Schulleben auswirkten: der eine war mit 16 Jahren von zuhaus ausgezogen, weil sein Stiefvater ihn verprügelt hatte. Er hing sehr an seiner Freundin; ein Zerbrechen der Beziehung hätte diesen Kollegen auch zerbrechen lassen (er war auch körperlich nicht gerade von kräftiger Statur). Um ihn wäre es sehr schade gewesen. Er war ein netter Mensch aber immer in Gefahr, abzustürzen.

Ein befreundeter Kollege bemerkte bei einer Kollegin aufgeritzte Haut; sie soll am Borderline-Syndrom gelitten haben. Einige alleinerziehende Mütter hatten wir auch: nicht einfach, Kind und Schule gleichzeitig zu bewältigen. Für das eine Mädel hatte ich großes Mitgefühl, weil sie eine ähnlich furchtbare Mutter wie ich hatte: genauso unverständig und eigensinnig und egoistisch.

Mir tat im Nachhinein auch manche Ungerechtigkeit leid, die ich anderen am HKK angetan hatte. Leider kann ich mich heute bei denen nicht entschuldigen. Nicht leid tut mir aber das, was ich dann doch mal gegen die Mobberinnen und Mobber unternommen habe. Manche Bosheit hat dann doch geholfen, ihre dreckigen verlogenen falschen Mäuler zum Schweigen zu bringen. Hoffentlich geht es den Hunden heute richtig schlecht. Solange sie sich bei mir entschuldigt haben, besteht ihre Schuld weiterhin fort. Niemandem von denen hatte ich, bevor ich sie traf, was getan. Ach, und spare dir deine Neuigkeiten-Geilheit, J.! Ich weiß schon, warum ich facebook zu dieser Zeit gemieden habe. Und die paar netten Leute, die mit mir wirklich Kontakt hatten und gut mit mir zurecht kamen zeigten, dass man auch mit scheinbar eigenartigen oder rätselhaften KollegInnen umgehen kann. Man muß eben wollen!

Nicht verstanden habe ich unsere Geschichtslehrerin im Leistungskurs, die regelmäßig auf die größten Deppen im Kurs: der eine eine menschlich-totale Dumpfbacke, der andere ein widerlicher Populist und Reaktionär – hereinfiel. Wie kann man so jemand nur recht geben und loben! Nur die, die immer alles nachbeteten was sie sagte, bekamen gute Noten. Wer selbst dachte und anderes schrieb, war schlecht dran und kam nur auf 7 oder im besten Fall 9 Punkte (im alten Leistungskurs-System: Note 3 und 4). Dabei vermittelte gerade diese Lehrerin nicht-reaktionäre, linke Denkweisen, die an sich nicht schlecht sein müssen. Ambivalenter geht´s kaum.

Nur auf Umwegen erfuhr ich, dass einige Lehrer meine Mitarbeit auch schätzten. Aber warum sagen sie es mir dann nicht deutlich ins Gesicht??  „Die meisten machen nichts“ sagte ein Deutschlehrer mal zu mir. Mich verwunderte das. Für mich war es klar: ich wollte das Abitur haben und dafür tue ich gern was. Es ist ja nicht so, dass ich aus Unwillen oder gar Bosheit Mathe und Chemie und Physik nur bis zu einem bestimmten Punkt kapiert habe. Ist nicht meine Welt und das liegt nicht an meinem Geschlecht. Ich kenne genug Männer, die Naturwissenschaften hassen und darin schlechte Noten hatten.

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An dieser Stelle danke ich allen, die während meiner HKK-Zeit gut zu mir gewesen waren und mich nicht nur als „rätselhaft“ oder „Last“ empfunden haben. Gerne würde  ich Euch wenige wieder treffen. Möge es Euch gut gehen im Leben.

Die Zeit am Hermann-Kesten-Kolleg war auch eine wichtige Zeit für mich. Ich traf dort erstmals auf verschiedene Leute und eine freiheitlichere Schul-Gesellschaft. Trotz oben genannten Ärgers über die Geschichtslehrerin war der Umgangston und der Geist nicht reaktionär und nicht boshaft wie in der dreckigen Realschule im Landkreis Nürnberger Land (in den 1990er Jahren gab es dort mal eine Bombendrohung. Im Nachhinein denke ich mir es wäre gut gewesen, wenn diese drecks Schule in die Luft geflogen wäre. Zusammen mit all den reaktionären, autoritären, arroganten, ungerechten Lehrern und den mobbenden MitschülerInnen). Erstmals war ich längere Zeit in Gesellschaft von homosexuellen Menschen. Ich wußte vorher schon, was das war und hatte eine positive Einstellung zu ihnen. Zwar sind wir keine Freunde geworden, aber sympathisch waren mir dieser Mann und diese Frau schon. Und ein Hinweis an all die Tröten die uns immer wieder erzählen wollen, wie schädlich Homosexualität sei: nein, ich bin wegen des Kontakts zu den beiden nicht homosexuell geworden. Und ich bin auch nicht krank geworden. Später, als Redakteurin des Campusradios Jena habe ich das Queer-Festival in Jena unterstützt.

Na und da war noch die Träumerei und Verliebtheit zu einem Kollegen. Frech verwickelte ich ihn in der kleinen Cafeteria in Gespräche. Zwar erwiderte er mir meine Liebe nicht, aber er fühlte sich zumindest geschmeichelt. Zumindest ein kleines Stück Anerkennung war das.

Die Freude über die bestandene Abitur-Prüfung wurde leider wieder durch die beiden arroganten drecks Weiber, die pausenlos Mobbing betrieben, getrübt. Kein Wunder, die falschen Hündinnen kamen aus dem häßlichen Erlangen. Hoffentlich geht es beiden heute richtig schlecht. Aus der Stadt kann nur schlechtes kommen, das wußte ich seit meiner Ausbildung. Es ärgert und verwundert mich bis heute, dass der Englischlehrer die eine Kollegin nicht offen kritisiert hat: bei der Präsentation ihres Referats war sie eindeutig schlecht. So einen miesen Vortrag! Und die Leute, die ihre Sache gut machen, sollen dann die Mobbing-Prügel einstecken! Na danke auch! Auch bei erwachsenen Schülerinnen und Schülern steht der Lehrer / die Lehrerin in der Pflicht, Mobbern ein für alle Mal das Handwerk zu legen! Mobbing gehört bestraft wie Diebstahl oder Mord!

Aufgrund all der nicht aussprechbaren Schwierigkeiten, die es zwischen fast allen Kollegiaten und Kollegiatinnen gab, war die Abschlußfeier ein absoluter Reinfall. Die Schülerschaft war verpflichtet, die Feier selbst zu organisieren, weil in der Schule selbst, die nur 2 Stockwerke des ganzen Gebäudes inne hatte (die „Aula“ war nur ein etwas größeres Klassenzimmer), kein Platz war.Ich hielt mich raus, denn die anderen, angeführt von der menschlich größten Tröte, wußten ohnehin immer alles besser. Die „Abschlußfeier“ fand auf einer Art Partyschiff statt, das einem Bekannten des besagten übergescheiten Kollegen gehören sollte. Es gab nur das eklige Juppie-Bier Becks und warum während des Abends plötzlich ein Raum geschlossen werden mußte, war nicht klar. Eine andere Gruppe, die feiern wollte, kam nicht auf das Schiff. Schade. Die Zeit am HKK hätte einen würdevolleren und schöneren Abschluß verdient gehabt. Da waren die Feiern von vorherigen Jahrgängen, bei denen ich mitgeholfen hatte, schöner gewesen. Dort hatte ich auch ein paar nette Menschen getroffen, denen ich bis heute dankbar für den guten Kontakt bin.

Das Hermann-Kesten-Kolleg Nürnberg ist auf dem ehemaligen Firmengelände der Triumph-Adler-AG untergebracht. Außerdem gibt es dort Büros, ein Sushi-Restaurant, die Probebühne des Staatstheaters Nürnberg. Beim Zocken in der Cafeteria spielten sie um den Preis für ein Sushi-Essen. Ich mußte immer schmunzeln, wenn ich den Jungs beim Spielen zusah.

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Noch ein Stück Firmengeschichte der Stadt Nürnberg: das ehemalige Versandhaus Quelle. Seit einigen Jahren herrscht dort auch Stillstand. In meiner Zeit am HKK war auch der Niedergang des einstmals so erfolgreichen und bekannten Versandhauses: für 20€ wurde beispielsweise ein Paar Sportschuhe verramscht. Im Stadttheater Fürth gab es einen Abend eine Vorstellung nur von und für die Quelle-Mitarbeiter-/innen. Ob einfach nur das Anschlagen von Klangschalen, eine Wutrede auf die Firmenleitung, ein satirischer Song und Tanz für den Spott gegen die Firmenleitung – die Kreativität war beeindruckend, die auf der Bühne zu sehen war. Wohl hat das alles den Menschen auch geholfen, mit dem Verlust – nicht nur des Arbeitsplatzes – fertig zu werden. So wie bei anderen Firmen wie VW oder Siemens auch bildete sich bei diesen Beschäftigen im Laufe der rund 80jährigen Firmengeschichte auch eine feste Identität als „Quelle-Mitarbeiter-/in“ heraus. Man war stolz, dort zu arbeiten. Man war ein Mitglied, fast wie bei einer Familie. Und dann ist – Schluß….

Während meines Nebenjobs später bei der ThULB (=Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek Jena) hatte ich mal ein Geo-Heft in der Hand, in der Menschen und ihre Beruf portraitiert wurden. Eine Quellemitarbeiterin war auch dabei gewesen. Ich kannte das Heft (Titelstory ging über eine Pferdeklinik), weil es damals mein Bruder gelesen hatte.

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Das ehemalige Versandhaus Quelle. Davor: die U-Bahn-Station Eberhardshof.

 

 

Wieder in Fürth… auf dem Steg Richtung Dr.-Mack-Straße und Südstadt.

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So. Nach einem kleinen Einkauf und rund 30 km Wegstrecke wird es Zeit für Kaffee und Torte in meiner Lieblingskneipe in der Gustavstraße und Kneipenmeile von Fürth.

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http://www.kaffeebohne-fuerth.de

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Die Kaffeebohne ist es auch, die etwas studentisches Flair (und bezahlbare Preise) in die Gustavstraße bringt. Denn Fürth ist keine Studentenstadt.

Warum gerade soviele Kneipen in dieser Straße, der Gustavstraße?

Nähert man sich aus westlicher Richtung der Altstadt Fürth (von der Billinganlage und Stadthalle aus), benutzt man eine alte Handelsroute. Alle Kaufleute kamen zuerst in der Gustavstraße an, als sie in Fürth ankamen. Und sie brauchten Essen und Unterkunft. Am Eck des Grünen Marktes gab es die Traditionswirktschaft „Goldener Schwan“ , für die sich jahrelang kein Pächter fand. Das erste Wirtshaus am Platze. Wie schade… jetzt werden Wohnungen draus, die wohl wieder kein normaler Mensch bezahlen wird können.

Ein Fürther Sprichwort sagt:

„Wer nix werdd, werdd Werd in Färdd.“

(Wer nichts wird, der wird Wirt in Fürth).

Das wenige, was im Laufe der Zeit von der Altstadt übrig geblieben ist: die „Michelskirche“, die Stadtkirche St. Michael.Wie die ehemalige „freie Reichsstadt Nürnberg“ auch evangelisch-lutherisch.

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Warum das Kleeblatt im Stadtwappen? (Die „Kleeblätter“ sind auch die Spieler der Spielvereinigung Greuther Fürth = SpVgg Greuther Fürth).

Die Stadt Fürth unterlag jahrhundertelang einer Dreiherrschaft vom Rat der Stadt Nürnberg, dem Markgrafen von Ansbach und dem Bischof von Bamberg. Wenn 3 Stellen das Sagen haben, kann sich eine Stadt nie wirklich entwickeln; was der eine will, gefällt dem anderen nicht. Die Bürger stöhnten, wenn sie 3x die selbe Steuer entrichten sollten. Das ist u.a. der Grund, weshalb sich Fürth nicht so kontinuierlich wie andere Städte entwickeln konnte. Möglicherweise ist diese ehemalige Dreiherrschaft auch der Grund dafür, dass die Mentalität nicht von großer Entscheidungsfreude und Sicherheit für Entscheidungen geprägt ist. Lieber zögern und abwarten, was sein wird…. Das schlecht organisierte Stadtjubliäum 2007 (1000 Jahre Fürth) paßt zu dieser Mentalität….

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Am Sonntag morgen frühstückte ich gemeinsam mit meinem guten Freund und Opernbegeisterten. Danach hieß es wieder Abschied nehmen von der Kleeblattstadt, die 10 Jahre lang mein Zuhause gewesen war. Vorher noch eine Stippvisite im Stadtpark Fürth. Ich habe bisher keinen vergleichbar schönen und gut zu erreichenden Stadtpark gefunden.  Die Gänse machen es vor, was man sonntags machen sollte: chillen. 😉

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Ich kann mich erinnern, dass in einem einzigen Winter der See zugefroren war und man eislaufen hatte können….

 

Wieder auf dem Pegnitztalradweg nach Nürnberg. Realsatire am Wegesrand : „Nürnberg, fahrradfreundliche Stadt in Bayern.“

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In der Sonne wurde es plötzlich warm, die Wolken schienen sich verzogen zu haben… am Mühlrad im Wiesengrund unterhalb des Scharrer-Gymnasiums brauchte man dann plötzlich keine Jacke mehr.

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Um 13.35 Uhr fuhr der Fernbus dann wieder ab Richtung Ruhrgebiet. Ich dankte meinem guten Freund für die Begleitung und dem schönen Opernabend. Und natürlich Chantal Eberle von Geiersberg, dass ich sie mal live kennenlernen durfte. Gerne wieder! Gut zu wissen, dass man jederzeit wieder in die alte Heimat fahren kann.

 

Ade Nürnberg und Fürth…

auf ein Wiedersehen!

(und das gilt auch für die Fränkische Schweiz, insbesondere Gräfenberg…)

http://www.fuerth.de

http://www.nuernberg.de

http://www.staatstheater.nuernberg.de

https://de.wikipedia.org/wiki/Hermann-Kesten-Kolleg

http://www.kubiss.org/hermann-kesten-kolleg/

 

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