Allgemein, FAHRRAD

Offener Brief an das Vermessungs- und Katasteramt Dortmund: Neuer Fahrradstadtplan

Foto: eigene Aufnahme von der Critical Mass vom 20. Mai 2016.

Sehr geehrte Damen und Herren des Vermessungsamtes der Stadt Dortmund,

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Sierau,

sehr geehrte Pressevertreter-/innen,

seit vergangenen Herbst wohne ich in Dortmund. Mein bevorzugtes Verkehrsmittel ist schon immer  das Fahrrad.  Fast jede Stadt gestaltet inzwischen einen eigenen Fahrradstadtplan, was durchaus Sinn macht: der Fahrradverkehr braucht andere Karten und Verkehrsinfrastruktur als der Autoverkehr. Der vorangegangene Fahrradstadtplan von 2009 war laut meiner ADFC-Kolleginnen und Kollegen nach kurzer Zeit ausverkauft.

Seit dem Jahr 2009 sind 7 Jahre vergangen.

Bereits im vergangenen Jahr 2015 sollte der Fahrradstadtplan der Stadt Dortmund erscheinen, wurde mir seitens der Stadt Dortmund auf Nachfrage mitgeteilt. Da leider im März 2016 immer noch nichts zu hören und zu lesen war, habe ich nochmals nachgefragt. In der Antwort-Mail wurde ich auf Mai 2016 vertröstet. Jetzt bin ich richtig verärgert, weil der Fahrradstadtplan, der für das Frühjahr 2016 angekündigt war, im Mai 2016 immer  noch nicht erschienen ist. Ich habe daraufhin vergangene Woche versucht, bei der Stadt Dortmund anzurufen. Eigenartige Resultate, wie man sie nur von privatwirtschaftlichen Betrügerfirmen, die was versprechen, was sie nicht halten, kennt, kamen dabei zutage.

Beim „Fahrradbeauftragten der Stadt Dortmund „(Telefon: 0231 5022522) ertönt ständig nur das Besetzt-Zeichen (Anrufzeit: ca. 14 Uhr). Die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Bürgerdienste können auch nicht viel machen, als meinen Anruf zu dieser Person weiterzuleiten, die offensichtlich ständig in der Mittagspause oder ständig auf Dienstreise ist. Beim Tiefbauamt (Telefon: 0231 5022522 und 5022668) war es ebenso. Ein Mitglied und Kollege vom ADFC sagte mir nun, dass nun das Vermessungs- und Katasteramt der Stadt Dortmund zuständig sei und er die zuständige Mitarbeiterin nicht erreiche. Schön.

Woran liegt es, dass der Fahrradstadtplan immer noch nicht erscheinen kann???

Ich selbst muß mich mit Einzelteilen des Plans von 2009 und einer zerfledderten Gesamtversion von 2000 zufrieden geben, weil kein Fahrradstadtplan mehr aufzutreiben ist.

Man muß wirklich den Eindruck haben dass Menschen, sobald sie die Ausbildung (und anschließend das Arbeitsverhältnis) zum Beamten/der Beamtin oder Angestellten der Stadtverwaltung Dortmund antreten, ihren Verstand an der Garderobe abgeben. (Ähnliches hört man beim Thema Radverkehr auch aus anderen Städten).

Ist es wirklich so schwer, mit Kolleg-/innen anderer Ämter oder Institutionen wie dem ADFC Dortmund zusammenzuarbeiten? Bei der Planung des Autoverkehrs wird doch mit Sicherheit auch das wahr- und ernstgenommen, was der ADAC sagt. Eigenartig, dass, so munkelt man, manche Mitarbeiter-/innen nicht auf den ADFC, der sich mit den Bedürfnissen des Radfahrers/der Radfahrerin am besten auskennt, zusammenarbeiten will. Nur weil man als Vermessungsbeamter  das im Raumplanungsstudium vielleicht mal anders gelernt als das, was der ADFC sagt, muß der Vorschlag des ADFC nicht falsch sein. Anders ist die Verzögerung des Erscheinens des Fahrradstadtplans und die verschnarchte Haltung der verschiedenen Ämter nicht zu erklären.

Ich selbst und auch mein Verein, der Allgemeine Deutsche Fahrradclub Kreisverband Dortmund (=ADFC Dortmund) begrüßt es natürlich, wenn immer mehr Leute Rad statt Auto fahren und sich diese Ausflugs-Broschüre „Rad & Tour“ gut verkauft ( http://www.adfc-nrw.de/kreisverbaende/kv-dortmund/aktuelles-aus-dortmund/aktuelles-versteckt/nachrichten-aus-do-detail/article/rad-tour-das-neues-fahrrad-magazin-fuer-das-oes.html ) . Diese Broschüre ist aus der Zusammenarbeit des ADFC Dortmund und den Ruhrnachrichten entstanden.

Allerdings ist dies keine Entschuldigung und Erklärung dafür, dass der Fahrradstadtplan Dortmund immer noch nicht in einer Neuauflage erschienen ist.

Denn beim Fahrradstadtplan handelt es sich um ein Werkzeug für den alltäglichen Radverkehr, nicht für den Sonntagsausflug. Es ist zu vermuten, dass dieses Bewußtsein für die Bedeutung und Wichtigkeit eines Fahrradstadtplans bei vielen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Stadt Dortmund noch nicht angekommen ist oder gänzlich fehlt. Beim Fahrradstadtplan handelt es sich um ein wichtiges Kartenwerk für den Alltag.

Wenn die Stadt Dortmund sich als „fahrradfreundlich“ bezeichnen will, muß sie noch viel tun: so auch ein aktuelles Kartenwerk veröffentlichen, bei denen nicht nur die Straßen und Plätze verzeichnet sind, sondern auch die möglichen Nebenwege, die für Radfahrerinnen und Radfahrer besser geeignet sind und vor allem auch die Gefahrenstellen (unübersichtliche Kreuzungen etc.) oder Steigungen deutlich erkennbar sind.

Radfahrerinnen und Radfahrer haben andere Bedürfnisse als der Autoverkehr und benötigen deshalb auch einen anderen Stadtplan. Die tägliche Blechlawine, die jeden Tag um den Borsigplatz und entlang der großen Hauptstraßen wie dem Südwall, Burgwall etc. rollt sollte jedem vernünftigen Menschen eine Mahnung sein, durch gutes Kartenwerk und bessere Infrastruktur (ebene, breitere und glassplitterfreie Radwege) mehr Menschen aufs Rad zu bringen. Denn es ist nicht glaubhaft, dass jede und jeder soweit von seinem Arbeitsplatz weg wohnen soll, dass sie oder er unbedingt ein Auto braucht. Es ist erschreckend und eigenartig, dass in vielen Hirnen offensichtlich immer noch die Vorstellung der Nachkriegsgeneration existiert, dass ein Radfahrer oder Radfahrerin ein armer Mensch sein muß, der sich kein Auto leisten kann, dass Autofahren „Wohlstand“ bedeuten soll. Dabei gibt es sehr viele Fahrradmodelle, die im Verhältnis so teuer sind wie ein Auto – und nicht nur mit denen man wunderbar zum Arbeitsplatz und zum Einkaufen etc. fahren kann. Wir schreiben das Jahr 2016! Und der Klimawandel ist mehr als deutlich spürbar.

Mit (nicht mehr lange freundlichem) Fahrradgeklingel

Angelika Steger, Dortmund

 

AKTUALISIERUNG: Mit über einem halben Jahr Verspätung gibt es nun den neuen Fahrradstadtplan. Es bleibt noch abzuwarten, wie dieser Plan nun bei den Leuten ankommt.

https://www.dortmund.de/de/leben_in_dortmund/nachrichtenportal/alle_nachrichten/nachricht.jsp?nid=426217

 

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2 Gedanken zu “Offener Brief an das Vermessungs- und Katasteramt Dortmund: Neuer Fahrradstadtplan

  1. Pingback: Beschwerde an das Wahlamt der STadt Dortmund und die Kreiswahlbehörde: Wahlrecht mißachtet | fahrrad3gruen

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