Allgemein

Radverkehr in Jena – abschließende Betrachtung

 

Das Fahrrad gewinnt als praktisches Verkehrsmittel zur Arbeit, zur Ausbildung oder für das Studium oder den Beruf immer mehr an Bedeutung: So besitzen 76% der 18-29-jährigen ein Rad;die Altersgruppe der Studierenden, Auszubildenden. Der Fahrradbesitz ist bei den 40-49-jährigen am höchsten; es wird als Verkehrsmittel für den Arbeitsweg, den Einkauf oder den Familienausflug genutzt. Selbst die Generation, die schon in Rente sein kann (60-64-jährige Menschen) fällt mir
einem hohen Anteil von 81% beim Fahrradbesitz auf: Das Rad wird vermehrt als Sportgerät genutzt, die Rentner-/innen sind durch eine gute Gesundheitsversorgung auch im Alter noch vital und sportlich.
Das Fahrrad benötigt in den meist engen Innenstädten viel weniger Platz als ein Auto, die Parkplatzsuche entfällt. Im Jahr 2012 besitzen je 100 Haushalte 183 Räder, aber nur 109 Autos. Der Fahrradbesitz ist von 2003 bis 2013 von 78% auf 80% gestiegen, der Autobesitz stagniert bei 77%.
Längst ist das Rad kein Fahrzeug für Geringverdiener_innen mehr. Das zeigen auch die Angebote von hochpreisigen Rädern mit oftmals hochwertiger Zusatzausstattung wie Elektronantrieb,
Federung, besonders guter Beleuchtung oder Lastenräder mit Elektromotor.

Ein wichtiger Punkt ist neben einem guten Rad auch eine fahrradfreundliche Infrastruktur in der
Stadt. Viele deutsche Städte haben Nachholbedarf. Anhand meines Weges vom Studentenwohnhaus Schlegelstraße 8 (Neu-Lobeda, Lobeda-Ost) zur Universität Jena. Nur gute Radwege und passende
Verbindungen der Radwege sorgen dafür, dass Menschen ihre Fahrräder auch wirklich im Alltag nutzen – und nicht nur für den Sonntagsausflug mit der Familie.

Der Weg zur Universität Jena beginnt am Hintereingang der Schlegelstraße 8: Dort ist der Kellereingang; im Keller gibt es einen Sammel-Abstellraum. Nachteil: Diebstähle von Rädern oder
Bauteilen von Rädern werden nicht bemerkt, sodass Diebe ungeschoren davonkommen. Da es sich bei meinen Rädern um hochwertige und gute gepflegte Modelle handelt, bewahre ich meine Räder in der Wohnung auf. Die Kellertreppe verfügt über keine Schiene, mit der der Fahrradtransport nach draußen leichter wäre; die Treppe besteht jedoch nur aus wenigen Stufen. Die Haustür kann an eine Schlaufe, die an einem Wandring befestigt ist, aufgehalten werden.
Die Schlegelstraße 8 ist ein Teil der Plattenbau-Häuserreihe, alle Häuser dieser Reihe sind Studentenwohnhäuser .
Ursprünglich wurden die Stadtteile Lobeda-West und Lobeda-Ost (in Letzterem befindet sich die Schlegelstraße) für die Mitarbeiter-/innen vom VEB Carl Zeiss in den 1960er Jahren gebaut (Dazu
mehr auf Seite 13).. Der Weg an den Hinterausgängen der Häuser Schlegelstraße 2-8 besteht aus einzelnen, großen Platten, auch Schlaglöchern – sehr ungünstig für alle Verkehrsteilnehmer_innen,
auch für´s Rad.
Die Wohnungen bestehen aus Einzelappartements und Wohngemein-schaften. In der Schlegelstraße 4 hat die Hausverwaltung ihr Büro.
Weitere Mängel neben dem Sammel-Abstellraum: Es gibt keine ausreichendeFahrradabstellanlage, an der auch ein Rad angeschlossen (gesichert) werden kann. Auch wenn die meisten Studierenden
einfache Modelle fahren, so ist immerwieder von Diebstählen  hochwertiger Räder zu lesen. Ein qualitativ hochwertiges Schloss und eine gute Abstellanlage verhindern viele Diebstähle. Von einer guten Abstellanlage für Fahrräder kann bei den Anwesen Schlegelstraße 2-8 nicht gesprochenwerden.

Exkurs: Straßenname „Schlegelstraße“
Die Schlegelstraße in Jena ist nach dem Dichter der Frühromantik, August Wilhelm Schlegelbenannt, der 1799 mit seiner Ehefrau, Caroline Schlegel-Schelling, seinem Bruder und dessen Ehefrau in einem Haus in der Leutragasse 5 wohnte und die Jenaer Frühromantik prägte. Caroline
Schlegel war eine Dichterin aus Göttingen, die durch die o.g. Ehe aus Göttingen im Jahr 1796 nach Jena kam und eine der ersten Frauen war, die sich scheiden ließ; ihr 3. Ehemann war Wilhelm Schelling. In Jena wirkte sie auch als Shakespeare-Übersetzerin und Literaturkritikerin.

Umgebung der Schlegelstraße 8
Die Umgebung des Anwesens der Schlegelstraße 8 bietet Naherholung vor der Haustür: Man kann im nahegelegenen Drackendorfer Park ebenso spazieren wie durch den Wald zur Burgruine Lobdeburg wandern; als Rundweg bietet sich ein Abstecher zur Sommerlinde an. Obwohl die
Wohnblocks nur einen Steinwurf entfernt sind, wähnt man sich weit weg von der Stadt, wenn man durch den Park oder den Wald an der Lobdeburg wandert. An die Schlegelstraße, die noch zum Stadtteil Neu-Lobeda, kurz „Lobeda-Ost“ genannt wird, grenzt Drackendorf an. Der Ort hat noch
eine dörfliche Struktur, Häuser wie das ehem. Schulhaus weisen auf die frühere Eigenständigkeit des Dorfes hin; in den „Heimatstuben“, der ehemaligen Gemeindeverwaltung, gibt es eine kleine Ausstellung zur Geschichte des Ortes. Seit 1994 gehört Drackendorf zur Stadt Jena.

 

 

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Drackendorfer Park

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Römisches Teehaus im Drackendorfer Park, errichtet zwischen 1854 und 1856. Drackendorf wurde durch die zahlreichen BesucheJohann Wolfgang von Goethe bei der Familie von Ziegesar, die in Drackendorf wohnte, bekannt.
Die Lobdeburg ist nach den Erbauern und Bewohnern der Herren von Lobde, einem fränkischen Adelsgeschlecht, benannt. Allerdings wurde dieser Adelssitz bereits im 16. Jahrhundert aufgegeben, weshalb die Burg immer mehr verfiel. Der Interessenverein „Lobdeburg-Gemeinde 1912 e.V.“ bemüht sich, die Burgruine zu sanieren. Derzeit ist sie für Besucher-/innen nicht zugänglich.
Anhand der Fensterformen ist die Anordnung von
verschiedenen Räumen (Kemenate, Kapelle u.a.) an
der Außenwand noch zu erkennen.

 

 

Der Blick von der Lobdeburg, bzw. vom Platz über der Lobdeburg bietet einen Blick auf das Gelände des Universitätsklinikums Jena (mit Baukränen), Lobeda-West (Wohnblöcke) und dahinter liegend, das Gewerbegebiet und den Bahnhof von Jena-Göschwitz.

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Drackendorf von oben:

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Die Auferstehungskirche (Mitte) befindet sich im Drackendorfer Park.

 

 

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Blick auf Lobeda-Ost. Links im Bild: die langgezogene Häuserreihe links sind Wohnhäuser des Studentenwerks Thüringen mit der Anschrift Schlegelstraße 2-8. Daneben der kurze Wohnblock selber Bauart, das ist die Schlegelstraße 5, ebenfalls ein Studentenwohnhaus.
Entlang der hellgelben Häuserzeile läuft die Drackendorfer Straße bergabwärts zur Erlanger Allee hinunter. Sie ist die erste Etappe des täglichen Arbeitsweges zur Universität Jena.

Den gesamten Beitrag kann man unter:

https://www.dropbox.com/s/mz747qkfzspr8jf/ESSAY_1_Radverkehr_im_Stadtgebiet_Jena.pdf?dl=0

lesen.

Wer kommentieren mag, tut dies bitte hier auf meinem Blog.

An Literatur habe ich das folgende verwendet:

Komme e.V. Lobeda/Schmidt Birgit u. a. (Hrsg.), Stadtteilchronik Lobeda 1966-2006, Gera 2007.

Bracher Tilman/Hertel Martina/ Deutsches Institut für Urbanistik (Hrsg.), Radverkehr in Deutschland. Zahlen, Daten, Fakten, Berlin 2014.

Auch verfügbar hier:

https://www.dropbox.com/s/3ikztlszghjizfj/DS1302.pdf?dl=0

Rabethge Karin u. a. (Komme e.V. Lobeda), Lobedaer Straßennamen, Jena 2009.

Dieses Essay wurde unter Verwendung eigener Fotos erstellt.

 

 

 

 

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