Allgemein

Werratal-Radweg: 1. Etappe (Thüringen)

Während meiner ganzen Zeit in Thüringen bin ich nicht wirklich im Thüringer Wald gewesen: das wollte ich nun, da sich meine Zeit dort im sogenannten grünen Herzen (das noch dazu sehr strukturschwach ist) ändern. Die „Thüringer Hochschul- und Studierendenkarte“ , kurz „thoska“ gilt schließlich im gesamten Bundesland als Fahrkarte. Also das bikeline-Fahrradwanderbuch und Karte eingepackt und am Samstag mal früher aufgestanden.

Das Wetter war nciht ganz so sonnig, daher waren es weniger Fahrräder, die mitfuhren… das ist die Buslinie …. , die nach Anmeldung auf ihrer normalen Linie 405 auch Räder mit transportiert: von Saalfeld/Saale nach Neuhaus am Rennweg. Das Praktische daran: die schlimmsten Höhen und Anstiege bewältigt der Bus. Das ist das Fahrgeld (hier gilt die thoska nicht) wirklich wert. Kurz nach 9 fährt der Bus in Saalfeld los.

Das ist das Nahverkehrsunternehmen KomBus:

http://www.kombus-online.eu/angebote/regionalbusse/linienuebersicht/

KomBus bittet um vorherige Anmeldung, wenn man das Rad mitnehmen will.

Neuhaus am Rennweg ist, auch wenn es sich „Luftkurort“ nennt, kein schöner Ort, erst recht, wenn kein strahlender Sonnenschein herrscht. Der Bahnhof, wo der Bus hält liegt außerhalb, die Infrastruktur kann man vergessen; ich konnte nach meiner Ankunft nicht mal einen Kaffee trinken, denn mich großartig vom Bahnhof weg entfernen wollte ich mich auch nicht. Es ist Samstag. Na dann eben gleich los… man fährt z. T. durch eine Art Industriegebiet und muß zuerst dem Rennsteig folgen. Ja, genau dem berühmten Wanderweg.

WP_000978

Von einem „Rennsteig-Radweg“ , den es auch geben soll, keine Spur: also nichts, was man als Fernradweg bezeichnen könnte.

http://www.kombus-online.eu/files/144BA864B6E/Linie%20405A.pdf

Wie viele Orte im Thüringer Wald war und ist Neuhaus am Rennweg ein Zentrum der Glasindustrie (Pharmazie, Chemie) und auch für Christbaumschmuck. Allerdings, wenn man durch die Lande fährt (Siehe Beitrag über den Schwarzatal-Radweg) gibt es nur noch sehr wenige Glashütten. Die erste Glashütte entstand im Jahr 1607 im Ortsteil Schmalenbuche (Quelle: bikeline-Radtourenbuch „Werratal-Radweg“).

Hat man Neuhaus a. R. endlich hinter sich gelassen, dringt man immer tiefer in den Thüringer Wald vor. Bei Sonnenschein sehr schön, wenn´s mal wolkiger wird, kann die Atmosphäre auch gruselig sein. Im Bus hatten sich die Radfahrer-/innen noch unterhalten, wo sie hinfahren und wie das Wetter wohl wird… im höchstgelegenen WP_000985Ort im Thüringer Wald halten sich die Wolken lange. Erst später, als ich schon mitten im Wald war, kam die Sonne raus.

WP_000990

..und dann ist es endlich da, das Schild mit dem Fernradweg „Werratal.“

WP_000984

Die Landschaft ist wunderbar, wenn man gern durch den Wald fährt. Es wird immer ruhiger, weil die großen Fernstraßen immer weiter weg sind. Es ist schön, dem Wald zu lauschen, welche Geräusche er hat… nur unterbrochen von vor allem Mountainbikern, die mal am Rastplatz vorbeipreschen.WP_000983

Fast wünschte ich mir ihre Reifen, denn die Wege sind leider meist eher Wanderwege als Radwege: Schotter, Sand, Rillen, vom Wasser ausgewaschene Löcher. WP_000989

Es gibt 2 Plätze die für sich jeweils beanspruchen, die Werra-Quelle zu sein: die „nasse“ Werraquelle auf dem Rüttelsberg bei Siegmundsburg und die „trockene“ Werraquelle in Fehrenbach auf dem Zeupelsberg (das gilt ab dem Jahr 1666) .  Bis die beiden zusammenfließen, heißt der Fluß auch „Saar“ (daher „Saargrund“ als geographische Angabe in der Karte). Im Jahr der Entdeckung neuer Erdteile wird auch die Werraquelle erstmals urkundlich erwähnt. Ich habe die „nasse“ Werraquelle besucht.

WP_000993

WP_000996

 

…und außerdem: mal ohne Studentenchor der Friedrich-Schiller-Universität Jena in Siegmundsburg! 😉

(in Siegmundsburg im Tagungshaus „Rosenbaum“ hat dieser Chor 2x im Jahr seine Probenwochenenden).

(allerdings: der Kuchen schmeckte nicht soo gut, wie er aussah…)

Wer Lust auf einen zusätzlichen Aufstieg hat, kann zum „Dreistromstein“ hochfahren. Das ist ein hydrographischer Punkt, der die dreiseitige Wasserscheide der Flüsse Elbe, Rhein und Weser markiert.

Ab Siegmundsburg bin ich die B281 ein Stück gefahren (Richtig fett Bergab mit großen Kurven, yeah! Das macht Laune! 😀 ) , weil mir das Geholper und Gehopser des Wanderwegs zu blöd wurde. Na und an einem Tag, an dem man Erholung haben will, legt man sich auch nicht mit Wanderern am ohnehin engen Wanderweg an…

Man kann dann mal rechts bei einem Parkplatz wieder in den Wald einbiegen und seinen Weg Richtung Eisfeld fortsetzen.

…und dann ist der Wald auch mal zu Ende.

WP_000997WP_000998

Das Schöne ist, daß der Werratal-Radweg, in diese Richtung befahren, meist bergab geht. Auf diesem Wegabschitt, wo diese Schilder stehen, begegneten mir immer wieder die Bewohner-/innen der anliegenden Dörfer, mit Gerätschaften im Fahrradkorb oder einer Gießkanne am Lenker. Samstag nachmittag ist ARbeitszeit zuhause, im Garten, auf dem Friedhof.

Angekommen im nächsten größeren Ort nach einigen Kilometern Landschaft:

WP_001003

….am Oberlauf der Werra. Nur noch wenige Kilometer wären es, und man wäre im Westen, also im Bezirk Oberfranken, Bundesland Bayern… der Dialekt klingt hier schon recht fränkisch.

JETZT war es richtig heiß: das heißt: erst mal im Brunnen erfrischen! Einfach auf die Brüstung gestiegen, Beine, Arme und Kopf hineingehalten 😉

WP_000999

WP_001005

Wenn man diesen Platz betrachtet, fällt auf: die eine Seite ist schön restauriert, während auf der Seite gegenüber die Häuser am Verfallen sind (wenn auch nicht so deutlich).

untere Seite Häuserreihe des Marktes               obere Seite des Marktplatzes

Ein berühmter Sohn der Stadt ist der Schriftsteller Otto Ludwig, der in Eisfeld im Jahr 1813 geborgen wurde, man kann ein Scluß und eine spätgotische Stadtkirche (St. Nikolai) besichtigen.

Noch eine Kuriosität zu Eisfeld, das „Kuhschwanzfest“, am 3. Pfingstfeiertag. Es ist ein Volksfest, das wohl im Zuge der Verordnung zur Musterung (und wohl auch Wehrübung) vom Herzog Johann Casimir von Sachsen-Coburg  1608 entstanden ist. Nach dem Mustern und Ballern werden festlich geschmückte Karren von Ochsen zum Festplatz gezogen. Es war Ende August, daher konnte ich die Kuhschwänze mit ihren Karren nicht überprüfen.

Mein Stahlroß wollte ohnehin weiter und sich nicht solch langweiligen Ochsen abgeben. Was soll ein Fahrrad mit Blumenschmuck am eigenen Gestell auch anfangen?

Der Weg durch die Stadt, im Hintergrund die Kirche St. Nikolai.

WP_001004

 

 

An einem Ladenfenster am Straßenrand entdeckt. Vielleicht fühlt sich jemand von den Leser und Leserinnen meines Blogs berufen…

So sehen manche Ladenfenster nicht nur in Eisfeld aus.

Beim weiteren Verlauf bin ich 1 oder 2mal hin- und hergefahren, weil mich das Sackgassenschild verwirrt hat. Es sieht so aus, als ob es nach dem Bahnhof nur noch zum Schuttplatz in einem kleinen Wäldchen weitergehen würde. Dicke große Laster kamen mir entgegen. Und ein kleines Wunder ist passiert: als ich einmal ratlos an einer Kreuzung auf der falschen Seite rumstand, wurde ich von einer herannahenden Autofahrerin nicht blöd angemacht, als ich die Seiten wechseln wollte. sie hielt sogar an und plauderte kurz mit mir. Und doch, der Hopserweg mit Pflastersteinen, der am Anfang das Sackgassenschild hat, der weg ist richtig! Die mißtrauischen Blicke von Autofahrern ignoriert, die am Straßenrand rumstanden (wohl sind in den Häusern irgendwelche Kleinfirmen oder sonstiger Kram in der Nähe des Bahnhofs untergebracht) (jetzt fährt die schon wieder an uns vorbei!) und rauf den Berg… leider wurde es noch steiler, bis ich plötzlich oben  war. Der Wald war zu Ende und unter mir erstreckte sich ein großes Neubaugebiet, das ich laut Wegweisung durchqueren sollte. Na wunderbar. Erst rauf, dann wieder runter.. hätte man da nicht gleich unten bleiben können, im Tal, wo die Innenstadt endete?

Der Abstieg liegt hinter mir… und dann rechts… den Berg wieder hinunter ins Neubaugebiet hinein….

Unten angekommen, geht es mal links ab, am Waldrand entlang im Schatten.Immer noch treffe ich wenig andere Radfahrer-/innen auf dem Werratal-Radweg. Schön sind die Bänke am Wegesrand, da kann man mal Rast machen. Fast ein Bilderbuch-Radweg, wäre der Belag in besserem Zustand (also es ist zwar kein Schotter, aber die Teerdecke hat Löcher und ist geflickt…..)

WP_001016

 

Hatte grad zu… an sich ein doch lohnenswertes Ziel… ähnlich den norddeutschen „Milkhuis“.

WP_001018

 

(…ob jemand beim Sprung mit dem Fahrrad auf dem Dach dieser Tafel sein Rad verloren hat, konnte ich nicht klären).

WP_001020

Noch ein paar Impressionen vom Wegesrand. Der Weg verläuft wie ein Höhenweg, hinter mir liegt Eisfeld, unten ist die Eisenbahnlinie und wohl weiter weg noch eine Straße.

WP_001028

Wieder ein Stückchen Wald… aber nur ein Wäldchen mehr….

WP_001030

Jetzt geht es nach Bockstadt, Harras, Schackendorf und Veilsdorf. Die folgenden Bilder müßten aus Veilsdorf sein. Im Umzugskram finde ich leider meine eigenen Notizen nicht, nur das bikeline-Buch.

 

 

…und weiter geht´s….

WP_001023

Weiteres Etappenziel: Hildburghausen, die „Stadt der Schulen.“

WP_001031

 

Im Jahr 1680 wurde die Stadt von Herzog Ernst von Sachsen-HIldburghausen  zur Residenz gemacht, die Ackerbauern und Handwerkerstadt erfuhr eine kulturelle Blütezeit. Barocke Gebäude gibt es deshalb einige.

WP_001032

Das Gehopser auf diesen Pflastersteinen ist übrigens nicht ganz so heftig, weil es flachere Steine sind…

… und ein Renaissance-Rathaus…

 

Noch war es warm und ich hätte mich gern noch mal erfrischt… Aber das Wasser in diesem Brunnen war eine einzige Dreckbrühe. Da helfen auch die schönen Pferdefiguren nichts.

WP_001040

Glücklicherweise gab es gegenüber des Brunnens eine Eisdiele. Ein richtig schöner Platz in Hildburghausen, wo man den Alltagsmüll vergessen kann…

doch der Abend naht auch in den Sommermonaten… und es geht weiter, raus aus der Stadt nach Ebenhards, Reurieth, Trostadt, Grimmelshausen und Kloster Veßra.

WP_001041

Kloster Veßra ist ein Ort, in dem es aber schon lange kein Kloster mehr gibt, nur die Mauern stehen noch, die Gebäude werden für kulturelle Veranstaltungen genutzt. Als ich am Abend dort vorbei fuhr, war grad ein Fest zu Ende. „Veßra ist bunt!“ stand auf einem Plakat. Mir war klar, um was es da ging. Von weitem konnte man laute, aggressive Musik hören. Da ich den Anschluß für die nächste Wegetappe suchte, fuhr ich ein Stück weiter. Und da war es, das besagte Gasthaus, das von rechten Gruppen gekauft und nun für ihre Zusammenkünfte gebraucht wurde. Gegenüber des Gasthauses „Goldener Löwe“ lehnten fast gelangweilt Polizistinnen und Polizisten, ohne Jacke, nur in T-Shirts, nur bei der Unterbekleidung bedrohlich wirkend. Der Blick von weitem auf diese Versammlung ist einfach nur widerlich. Von den Damen und Herren in Uniform erfuhr ich auch den weiteren Wegverlauf; ich nahm die Straße, weil ich keine Lust mehr zum Suchen hatte.

http://www.deutschlandradiokultur.de/unterwandert-von-rechts-neonazis-im-thueringischen-kloster.1076.de.html?dram:article_id=318177

 

Gern wäre ich bis Meiningen geradelt; aber ich hatte nun genug von den Eindrücken des Werratal-Weges und war erschöpft und froh, in Themar nach nicht zu langer Wartezeit in den Zug steigen zu können, um zurück zu meinem Wohnort in Ostthüringen zu fahren. Das dauerte schon ein paar Stunden  wegen einer Baustelle und ich war erst um Mitternacht zuhause. Im Zug hatte ich ein nettes Gespräch mit einem Reiseradler, er auch in Eisenach umsteigen wollte. Allerdings konnte ich seinem Redeschwall nicht mehr so aufmerksam folgen. Der war schon in Frankreich und sonst wo gewesen… ein Traum, diese Länder mal bereisen zu können.

Die Werra selbst habe ich auf meinem Weg seit der Quelle nur ein einziges Mal richtig gesehen.

WP_001042

Das war die erste Etappe des Werratal-Radweges im Thüringer Teil.

 

http://www.kombus-online.eu/files/144BA864B6E/Linie%20405A.pdf

http://www.kombus-online.eu/files/144BA864B6E/Linie%20405A.pdf

http://www.kombus-online.eu/files/144BA864B6E/Linie%20405A.pdf

Advertisements
Standard

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s