Allgemein

Diese Woche (KW 33 vom 10. – 15. August 2015: Die Initiative von amnesty international zur Legalisierung von Prostitution

Wieder ein – vor allem aber nicht nur – Frauenthema. Und da muß ich meinen Senf dazugeben, weil mir 2 Frauen, jeweils vom gegnerischen Lager, auf die Nerven gehen.

Mein Hörerinnenbrief an DRadioKultur.

Sehr geehrte Damen und Herren,
mit großem Interesse habe ich die Beiträge und Diskussionen zum Vorschlag von amnesty international , die Prostitution zu legalisieren, verfolgt.
Es ist dabei zu bemerken dass:

– jede Seite nur ihre Sicht hat und dabei auch Scheuklappen auf hat.

Verwirrt und auch geärgert hat mich die Schriftstellerin Pieke Biermann mit ihrem Kassiererinnen-Vergleich. Es ist wohl ein grooßer Unterschied, ob ich meinen Körper verkaufe oder an der Kasse bei Aldi Zahlen eintippe und Waren verrechne! Ihr Einwand mit der Schauspielerei stimmt natürlich, das ist der wunde Punkt, wenn man nackt auf der Bühne oder im Film sein soll, weil es die Szene und der Regisseur (die sind meistens männlich) verlangt.

– Thema Freiheit.
sicher soll jeder die Freiheit haben zu tun und zu lassen, was man will. Aber wie weit soll die Freiheit gehen? Ist es wirklich Freiheit, wenn Frauen aus wirtschaftlicher Not, weil sie sonst keinen Job finden, sich als Prostituierte anbieten? Dazu gab es in Ihrem Sender mal einen guten Bericht aus Berlin über einen Caf´ebetreiber, der hauptsächlich solche Frauen als Kunden hat, weil bei ihm das Essen für diese Kundinnen noch bezahlbar ist und sie dort auch keine „sexuellen Dienstleistungen“ anbieten müssen.

– auf fluter.de und auch in der Druckversion dieses Heftes der bpb gab es mal ein sehr gutes Interview mit einem Polizisten der alles andere als begeistert ist über die Regelung der damaligen rot-grünen Bundesregierung – weil er nicht mehr so einfach ein Bordell kontrollieren kann, um Zwangsprostitution aufzudecken. Allgemein habe ich den Eindruck – vor allem auf dem land! – dass die deutsche Polizei dringend, dringend geschult werden muß in Sachen Prostitution, wenn Zwang und Gewalt im Spiel ist (Aber was sollen wir ach so tollen erfolgreichen Bayern auf die blöden Berliner hören, hahahaha! )

– Das Interview mit Johanna Weber von dem noch nicht allzu lang existierenden „Berufsverband für erotische Dienstleistungen“ auf DRadioWissen war mal wieder mehr als unterirdisch.
http://dradiowissen.de/beitrag/prostitution-amnesty-fordert-legalisierung

Wichtige Fragen wurden nur angetippt, nicht ausgesprochen und beantwortet.
Sicher hängt es vom eigenen kulturellen Hintergrund ab was man empfindet, wenn man Prostituierte auf z. B. der Reeperbahn sieht. Ich persönlich kann den Satz von Frau J. Weber nicht nachvollziehen, sie hätte als Taxifahrerin den Anblick von Prostituierten als „toll“ empfunden und hätte das erfahren wollen wie das ist, so zu arbeiten.

Aber gut, das ist ihre Sache.
Ich hätte der überzeugten „Hure“ wie sie sich selbst bezeichnet (und dabei es nicht als Schimpfwort empfindet) als Moderatior_in die Frage gestellt: „..und was machen Sie, wenn Ihr Kunde gewalttätig wird? Wünsche äußert, die Sie so nicht wollen bei den Sexpraktiken? Hatten Sie nie das Gefühl, sich vor einem Mann ekeln zu müssen? Sind Priostituierte wirklich immer Herrinnen der Lage?“

Offensichtlich ist es so, dass es Frauen gibt, die es toll, sogar abenteuerlich finden, ständig andere Männer im Bett zu haben. Es gab mal ein Interview in den Nürnberger Nachrichten bei dem eine Prostitutierte tatsächlich gemeint hätte, dass nur die Freier ihr wirklich Respekt entgegen bringen würden… nachzuprüfen ist das nicht, genauso wie die Gründe, weshalb – meistens Männer – diese ’sexuelle Dienstleistung‘ in Anspruch nehmen.

Und Zwangsprostitution ist zu verurteilen – daran zweifelt niemand, der Verstand hat! Deshalb finde ich die Sicht von Lea Ackermann einseitig. (Interview hier: http://www.deutschlandradiokultur.de/debatte-ueber-sex-arbeit-ein-jahr-in-der-prostitution-und.1008.de.html?dram:article_id=328077 ) Sie sieht durch ihre Arbeit nur die eine Seite, die dunkle Seite des Prostiutionsgeschäfts. Mich regt diese Frau deshalb auf, weil sie auch noch aus dem kirchlichen Lager kommt. Die katholische Kirche verurteilt jede ARt von Sexualität und Erotik, es geht nur darum Nachwuchs zu zeugen. Sowas wie Lust, erst recht nicht von seiten der Frau, darf es nicht geben. Ich habe diesen verlogenen Verein selbst erleben müssen, diese Bigotterie, die da geduldet wird: einerseits alles Sexuelle verurteilen, gleichzeitig die Vorherrschaft von Männern dulden, in Ämtern (Frauen haben NICHTS zu sagen in der kath. Kirche!) und zulassen, dass Frauen (und Kinder) mißbraucht, zum Sex gezwungen werden, weil die Mädchen dumm gehalten und nicht aufgeklärt werden (huch, woher kommen plötzlich all die Kinder gern von Minderjährigen oder noch nicht ganz volljährigen jungen Frauen auf dem Land her? – Seltsam. Ach, das sind ja „Geschenke Gottes“, die mal so eben zusammen mit dem Regen vom Himmel gefallen sind! – Pfuil Deifl!) . Auch wenn Frau Ackermann gute Intentionen haben mag: solange sie – noch dazu als zur Keuschheit verpflichtete Ordensschwester – für diesen Verein arbeitet, ist sie UNglaubwürdig.
Bevor jemand von der katholischen Kirche ein Prostitutionsverbot fordert, soll dieser drecks verlogene Verein erst mal in seinen eigenen Reihen mehr Rechte für Frauen einrichten und die sexuelle Lust von Frauen, die es gibt! – anerkennen!
Eine Therapie von Verwaltigungsopfern und Zwangsprostituierten muß auch immer zum Ziel haben, dass jede Frau den Glauben, dass Sex auch schön für sie sein kann, wieder gewinnt (ob es immer gelingt, ist die Frage, aber es ist ein wichtiger Punkt). Denn alles andere würde eine Stigmatisierung der anderen Seite bedeuten und auch die sexistische Ansicht bestätigen, dass sowieso alle Männer nur böse, sexsüchtig und gewalttätig seien. Man muß dabei auch beachten, über welches Land man spricht, also kulturelle Hintergründe beachten.

Ein Verbot der Prostitution zu fordern ist einfacher, als sich mit den Wurzeln und den Fakten zu befassen.
leider gibt es immer noch viele Männer, die meinen, öfter oder ständig Sex haben zu müssen – aus welchen Gründen auch immer. Das Geschäft der Pr. gibt es schon sehr lange, diese ‚Dienstleistung‘ ist also gefragt. Deshalb: Prostitution zulassen, solange diese Frauen es freiwillig und ohne wirtschaftliche Not machen und mit gesetzlichen – und deshalb kontrollierbaren -Auflagen vom Staat! Auch jede andere Branche, der Gartenbau, die Metallindustrie etc. müssen sich an Auflagen halten. Weil es bei der Prostitution  nicht um Waren, sondern nur um Menschen und ihren Körper und ihre Gefühle geht, müssen diese Auflagen auch genauer formuliert udn strenger kontrolliert werden. Wie weit die Regelungen und Kontrollen gehen, darüber muß möglichst sachlich diskutiert werden. Wie beim Arbeitsschutz in einem Unternehmen muß der Schutz der Beschäftigten an vorderster Stelle stehen.

Mit freundlichen Grüßen

A.St.

Weitere Informationen, mehr sachlich und weniger aufgeladen hier:

http://www.deutschlandfunk.de/reform-des-prostitutionsgesetzes-heikle-mission-im-rotlicht.724.de.html?dram:article_id=312773

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