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Die „Kalte Schnauze“

In den vergangenen Wochen fanden die Sommerkonzerte des Studentenchores Jena in und um Jena herum statt. Dazu hatte ich das erste Mal eine vegetarische Variante der „Kalten Schnauze“ gemacht. Da mich viele nach dem Rezept gefragt haben: hier kommt es. Aber zuerst gibt es die Entstehungsgeschichte zum Namen, der doch ungewöhnlich ist. „Kalte Schnauze“ ist ursprünglich was Süßes, bei mir ist die „Kalte Schnauze“ aber eine salzige Speise.

Wie ich dieses Essen kennenlernte.

Die „Kalte Schnauze“, die eine im Original mit Räucherlachs und Spinat gefüllte Blätterteigrolle ist, hieß anfangs noch nicht so. Meine Mutter brachte das Rezept von ihrer Arbeit nach Hause. Eine Kollegin hätte ihr das gesagt und sie wolle es mal ausprobieren. Diese Kollegin V. galt in der Belegschaft als fleißig und pflichtbewußt, allerdings hatte sie eine laute, derbe, kaltschnäuzige Waffel. Einmal durfte ich Madame V. kurz erleben, als meine Mutter Dienstschluß gehabt hatte.  Man mußte es so deutlich bezeichnen. Ob ein ekelhafter Ehemann, von dem sie möglciherweise finanziell abhängig war und deshalb nicht von ihm los konnte die Ursache war oder ob es die – nicht guten – Arbeitsbedingungen in dem Pflegeheim waren…. Ich hatte mir diese Speise gemerkt und in meine eigene Rezeptsammlung aufgenommen.

Dann wohnte ich endlich nicht mehr bei der Familie zuhause und hatte eine eigene Wohnung, 70 km vom Kaff entfernt, wo ich aufwachsen hatte müssen. Ich gewann Freunde und hatte immer wieder auch mal ARbeitsstellen nach der Ausbildung. Irgendwann stand mal wieder ein Geburtstag einer Chorfreundin bevor. Und ich meine, dass meine Freundin T. das vorher schon mal gegessen hatte, als ich es mit zum Chor gebracht hatte…. ich erzählte T. am Telefon vor ihrem Geburtstag die Entstehungsgeschichte. Und fragte sie, was sie denn gern zum Geburtstagsessen hätte. Darauf T.:“ na dann mach doch einfach die Kalte Schnauze.“

Daher hat die mit Spinat und Lachs gefüllt Blätterteigrolle ihren Namen 😀

So, jetzt gab es genug kulturgeschichtlichen Hintergrund… wenn Euch verehrte Leserinnen und Leser meines Blogs jetzt das Wasser im Mund zusammenläuft: hier kommt das Rezept! Man muß etwas feinfühlig mit dem Blätterteig umgehen, aber im insgesamten dauert die Zubereitung nicht lange.

“Kalte Schnauze”

ZUTATEN:

Je nach Personenzahl : Tiefkühl-Spinat ungewürzt (eine halbe Packung vom Rewe reicht für 1 Rolle Blätterteig), Pfeffer, evtl. Bohnenkraut (für den Geschmack), etwas Kümmel, Salz, Schmand (oder fetteren Quark, was eben zur Hand ist…), 1 PackungRäucherlachs oder Tiefkühl-Lachs (bei letzterem reicht 1 Filet), Blätterteig als Rolle aus dem Kühlregal, Sesam oder blättrige Mandeln oder gemahlene Haselnußkerne, etwas Mehl.

ZUBEREITUNG:

Spinat auftauen, mit etwas Wasser in einen Topf geben. Leicht köcheln lassen, bis er durch ist, würzen. Schmand dazu – wieviel, das muß man abschmecken. Ich nehme welchen, damit der Spinat milder schmeckt und verfeinert wird. Etwas Mehl dazu, damit die Masse nicht triefend, sondern fester wird (damit die Füllung saftig ist, aber auch nicht davon läuft – ist etwas Fingerspitzengefühl gefragt). Man kann auch noch Mandeln, gemahlene Haselnüsse oder Sesamkörner dazu geben. Falls der Spinat zu flüssig werden droht: etwas Haferflocken rein, die saugen die Flüssigkeit gut auf und binden die Spinatmasse.

Topf vom Herd nehmen, Masse abkühlen lassen! Sonst hat an Hitze-Löcher im Blätterteig!  Sollte nur noch lauwarm sein (Fingerprobe), zur schnelleren Abkühlung die Spinatfüllung auf einen Tortenteller o.ä. verteilen.

Zubereitung Lachs: den Räucherlachs kann man am Ende der Zubereitung in den Spinat geben. Den Tiefkühl-Lachs salzen, pfeffern und mit Zitronensaft beträufeln, dann in Butter anbraten (der schmeckt schon so gut dann, dass ich immer in Versuchung bin, ihn sofort zu essen…)

Den Blätterteig ausrollen – am praktischsten ist es, wenn man das schon auf dem Backpapier, das auf dem Blech ausgebreitet ist, tut. Evtl. Semmelbrösel drauf streuen, dann die Füllung darauf gleichmäßig verteilen. vorsichtig aufrollen. Auf der Oberseite der fertigen Rolle etwas gesalzenen Schmand drauf streichen, Sesamkörner oder Mandeln drauf streuen und ca. 20 Min backen. Fertig ist die “Kalte Schnauze”, wenn der Blätterteig durch ist, also eine ‘blättrige’ Konsistenz erkennbar ist.

Für die Chor-Baggage habe ich die vegetarische Variante ohne Lachs gemacht (macht auch satt), weil es dort gefühlt mehr Vegetarier_innen gibt als Alles-Esser_innen. Aaah, dieses Veggie-Diktat! ;-)) da fühlt man sich als Fleischesserin gleich unterdrückt! 😀

Nein, Spaß beiseite. So isses nicht. Das schöne ist, dass beide Gruppen im Chor akzeptiert sind.

Ah, noch was zum Schluß: niemand ist vom Verzehr der „Kalten Schnauze“ kaltschnäuzig geworden…

Zwar dachte ich, ein Bild gemacht zu haben , es war aber keines im digitalen Bilderwald auffindbar. Daher: die Reste vom Sommerfest gestern. So schnell ist die Kalte Schnauze oft weg! eine Chorkollegin schrieb mir heute und bedankte sich nochmals – und fügte hinzu: „….wie das klingt: ich liebe deine Kalte Schnauze.“ – ich habe herrlich gelacht.

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