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Welch eine Unverfrorenheit – die Haare

Jena, Mittwoch (13.05.2015) abend, gegen 20 Uhr. Das Training der 22 oder mehr Hanserln, die beim SV der Firma Schott dem Ball nachlaufen, ist beendet. Am Eingang des Geländes herrscht reges Treiben, weil Spieler das Feld verlassen und mit ihren Blechkisten nach Hause fahren. Sehr authentisch als Sportler. An diesem Gelände geht der Radweg Innenstadt – Oberaue (=Gelände des FCC Jena) – Lobeda vorbei. Ein Unding, dass dort Autos parken dürfen. Wäre auch eine zu große Zumutung, wenn die armen Fußballer, die doch während des Trainings schon soviel gerannt sind, noch ein paar Meiter weiter zum Parkplatz am FCC-Gelände (der nicht immer belegt sein kann, das sehe ich selbst, wenn ich dran vorbeiradel)  laufen müßten.

Das ist es, was als Radfahrer_in nervt.

Meist kommt es aber nicht zu Zusammenstößen.

Allerdings kam gestern abend noch ein weiteres Ereignis hinzu, das mich ärgerte.

Ein alter Mann von mindestens Mitte 50 sitzt in seinem SUV und will gerade vor dem Gelände des SV Schott wegfahren. Ich komme mit dem Rad aus der Gegenrichtung. Schon der Besitz und Gebrauch eines SUV ist ein Frevel: der sinnlose Blechberg braucht unheimlich viel Platz, ist aufgemotzt, als ob er in unwegsamen, wohl auch noch umkämpften Gelände unterwegs sein müßte. So ein Ding hat in der Stadt, wo es ausnahmslos geteerte Straßen gibt, NICHTS VERLOREN!!!

Das allein ist ein Grund zum Ärgernis. Aber es gibt noch einen weiteren.

Der Depp sieht mich vorbeiradeln und fängt das Lachen an. Aber nicht, weil er so begeistert über den Radverkehr oder den Fußball in Jena wäre. Nein. Er lacht über mich, weil ich einen Rock trage, der – ach wie unverschämt – einen Blick auf meine Unterbeine erlaubt. Die böse Evolution hat keinen Anstand: sie hat auf allen Menschenbeinen Haare hinterlassen, die keine Funktion mehr haben. Noch dazu sind manche Menschenbeine keine dünnen Bleistiftstriche. Man sollte die Natur wegen ästhetischer Mängel verklagen können. Ich war leider zu k.o. von anderen Dingen, als dass ich den Idioten zur Rede stellen hätte können. Mir kam auch noch in den Sinn, was eine Chorkollegin aufgrund des Themas Figur mir mal antwortete auf die Frage, wie sie bei Beleidignungen reagiere: „ich überlege, ob es mir wert ist, dass ich den Typen dann kritisiere.“

Doch es es geht hier nicht nur um eine persönliche Beleidigung. Es geht um mehr.

Es geht darum, dass diese verdammte Gesellschaft endlich körperliche Merkmale als ’normal‘ akzeptiert, anstatt sie wie Krankheiten zu brandmarken! Ich war auch genervt von unserer ehem. Chorleiterin die meinte, meine Chorkleidung maßregeln zu müssen wegen meiner ach so häßlichen Haare auf der Haut. Die bösen Haare haben nämlich auch die Eigenschaft, sich  von einer Feinstrumpfhose nicht komplett bändigen zu lassen. (Und hört mir auf mit diesem drecks Rasier-Scheiß. Verbraucht nur sinnlos Lebenszeit und versorgt nur die Kosmetik-Industrie). Seltsam. Früher in den 1980ern durfte ein Popstar namens Nena ohne Probleme mit sogar dicken Büscheln unter den Armen auf der Bühne singen. Keinen und keine hat es gestört. Seit einigen Jahren ist das Geschrei groß, als ob es sich bei den Resten der Evolution u krankmachende, vielleicht auch noch ansteckende Krankheitserreger handeln würde.  Diese Reste der Evolution machen nicht krank, sie sind meist auch nicht soo dicht, dass man sie unbedingt erkennen würde, da muß man schon sehr nah und genau hinschauen. Oder schaut sich jemand zuerst die Beine seines Gegenübers an? Wer legt fest, wer macht ein Gesetz, was „schön“ ist, und wer nicht? Schon mal das eigene ästehtische Empfinden hinterfragt?

Übrigens, wer es noch nicht kapiert hat: die Beine sind unten am Körper und der Mensch läuft mit dem Kopf und den Augen nach oben gerichtet herum. Was im GESICHT IST, DAS sieht man als erstes und am deutlichsten.

Deshalb fordere ich jetzt, wenn es Mannsbilder stört, dass Frauen Haare auf den Beinen (und auf den Zähnen) haben auf, keinerlei Bärte mehr zu tragen. Und auch Halbglatzen und Glatzen sowieso gehören verboten. Dass sich sowas mit häßlichen Haaren, der „Wolle“ im Gesicht oder einer Halbglatze überhaupt noch aus dem eigenen Haus traut! Pfui!  Vollbärte, Drei-Tage-Bärte, Schnurrbärte u. a., Halbglatzen und Glatzen, all das stört mein ästhetisches Empfinden und hat deshalb zu unterbleiben. Verstanden, du Arsch von SUV-Fahrer mit häßlich-grausigen Schnurrbart???

(und paßt auf, Männer: I ALWAYS HAVE MY SCISSORS IN MY BAG!!! Ritsch-ratsch, Haare ab!!! Arrrgh)

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